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E_1928_Zeitung_Nr.087

E_1928_Zeitung_Nr.087

Ausgabe* Deutsche Schweiz» EFFIf. nensföp, 16. ORtQöeP 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N n 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE Zentralblatt für die schweizerischen Automobil ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuichlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern aolern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtJiche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. • Postcheck-Rechnuns 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern ZEITUM6 und Verkehrs-Interessen INSERTIONS-PREIS: CMe achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nfnmmer Sfoassen M»sm h und n Der Omnibus verdrängt die Strassenbahn Die elektrische Strassenbahn auf Schiene gehört heute noch zum charakteristischen Bilde einer mittleren oder Grosstadt. Längst ist das gemütlichere Pferdetram von der Bildfläche verschwunden. Die elektrische Strassenbahn hat sich die Strasse erobert, sie beherrscht sie heute. Souverän durchfährt sie die engsten Strassen der Stadt, achtet sich wenig des sich um sie abspielenden Verkehrs, hält an Plätzen, wo der Verkehr sich am dichtesten ballt und klingelt sich die Strasse frei, mag eine solche noch so sehr von andern Fahrzeugen und Fussvolk besetzt sein. Die Strassenbahn ist souverän jawohl, sie gehört der Allgemeinheit und zwingt alle übrigen Fahrzeuge, sich nach ihr zu richten. Wie lange noch? Eben so lange, bis die Verkehrsnöte derart gestiegen sind, dass eine Umwandlung erfolgen muss. Diese dürfte angesichts des sich gewaltig steigenden Automobilismus nicht mehr allzulange auf sich warten lassen. Auch in kleinen Städten. Von den Weltstädten gar nicht zu reden. Nicht nur in diesen, sondern auch in Zentren, die sich noch durch die Enge ihrer Strassen und die Kleinheit ihrer Plätze auszeichnen, wird die Strassenbahn zu einem derartigen Verkehrshindernis, das dringend nach einer Neuregelung ruft. Ansätze sind bereits auch in schweizerischen Städten vorhanden. Wo neue Verkehrsverbindungen in Aussenquartiere geschaffen werden müssen, tritt der Autobus an Stelle der Tramschiene. Er arbeitet billiger, benötigt kein Geleise, kann sich dem Verkehre besser anpassen, bietet die gleichen Bequemlichkeiten, wie die Strassenbahn. Die Stadt Wiesbaden ist in dieser Beziehung geradezu vorbildlich, auf alle Fälle fortschrittlich vorangegangen. Sie hat kurzerhand die Schienen aus dem Pflaster gerissen, heute beleben moderne und prächtige Autobusse das Bild der Stadt. Auch Wien hat genug an Tramschienen, es ist im Begriffe, wie unsere Leser wissen können, durch Neuanschaffung einer Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Brownt. Copyright 1028 bj Georg Müller. Verlast. München. (43. Fortsetzung) c Guten Morgen,» sagte Lady Fairhe ernsthaft. Der Mann wurde rot, blickte in seinen Hut und murmelte scheu: « Morgen, gnädige — Milady.» «Sie wollten Sir Michael sprechen, Mr. — Hicks — nicht wahr? » « Ja, Milady, Hicks ist mein Name, einstmals Dachsel-Hicks genannt.» « Und was kann ich für Sie tun, Mr. Hicks? Aber setzen Sie sich doch, bitte.» Mr. Hicks wählte mit sicherem Blick den kleinsten Stuhl im Zimmer, auf dessen äussersten Rand er sich setzte, den steifen Hut ans Herz gepresst. «Nun, Milady,» sagte er vorsichtig, «ich möchte eigentlich mit Sir Michael selbst reden-» « Sir Michael ist nicht zu Hause. Aber ich bin seine Tante, und wenn ich etwas tun kann — » Mr. Hicks hustete laut, ehe er das heikle Thema anschnitt. « Die Sache ist eine kleine Geschäftsangelegenheit zwischen Sir Michael und mir. Wenn ich also seine Adresse haben könnte —» Vev&teBvB» ganzen Reihe Autobusse, die elektrische Strassenbahn wenigstens nicht zu vermehren. Nun, wir Schweizer sind im grossen ganzen ein armes Volk und es geht wohl nicht an, unsere Elektrizitätswerke und das gesamte Schienen- und Leitungsmaterial kurzerhand zum alten Eisen zu werfen. Das vermöchten höchstens neben den Wiesbadener die Londoner, die bereits vor dem Kriege ihre Strassenbahnen einfach ausser Verkehr setzten. Untergrundbahnen an Stelle der Strassenbahnen zu bauen, hiesse bei uns das Pferd am Schwänze aufzäunen. Mehr Aussicht auf Erfolg bietet wohl der Trolley-Omnibüs-Betrieb, wie er seit Jahr und Tag in England in Kraft besteht. Auf dem Kontingent zeigen sich ebenfalls Anzeichen für seine Einführung. Prag, Posen und Warschau wollen sich mit dem Gedanken befassen, ihren Trambetrieb auf dieses System umzustellen. Der Trolley- Omnibusbetrieb ist nichts anderes, als eine Strassenbahn, die nicht an Schienen gebunden ist, damit also alle Ausweichmöglichkeiten besitzt und sich dem jetzigen Auto- und Omnibusverkehr völlig anpassen kann. Es führte zu weit, heute die Tecknik des Wagens und des Betriebes zu beschreiben. Festgehalten sei nur, dass bei den Trolley-Omnibussen der Strassenbahnwagen durch speziell gebaute Omnibusse ersetzt wird, dagegen die Elektrizitätswerke nach wie vor ihren Strom abgeben können und die Oberleitungen einzig einer Umbaute zu unterwerfen sind. Nach Gutachten verschiedener massgebender Persönlichkeiten soll sich die Wirtschaftlichkeit des Trolley-Betriebes aufs Beste bewährt haben. So äussert sich der Generaldirektor der Strassenbahnabteilung der Birmingham- Corporation folgendermassen: Vom Gesichtspunkte des billigen Betriebes, der leichten und bequemen Führung aus gibt kein Fahrzeug bessere Resultate, als der moderne gutdurchkonstruierte Trolley-Omnibus. Ich zögere nicht zu behaupten, dass es daher klug wäre, die vorhandenen Strassenbahnen aufzugeben und sie zu ersetzen durch ein hochmodernes System moderner Trolleybüsse. Ich schlage das nicht nur aus finanziellen Gründen vor, sondern auch mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit des fahrenden Publikums». Wir wissen nicht, wie weit die Direktoren unserer städtischen Strassenbahnen sich mit der Angelegenheit bereits befasst haben. Auf alle Fälle ist sie des Studiums wert. Es würde uns freuen, wenn Fachleute sich über diese Frage in der «Automobil-Revue» äussern würden. Die Diskussion, die jedenfalls von unsern Lesern mit grösstem Interesse verfolgt würde, und zur Abklärung wesentlich beitrüge, steht offen. (Hiezu Illustrationen auf Seite 2) «Natürlich, wenn es nötig ist,» erwiderte Lady Fairlie. «Aber vielleicht kann ich es für ihn abmachen. Welcher Art ist die Angelegenheit, wenn ich fragen darf? » Sie war etwas beunruhigt, denn so ein Typus wie Mr. Hicks war ihr noch nie untergekommen, und sie konnte sich nicht vorstellen, was für gemeinsame Interessen — anständiger Art — er und ihr Neffe haben sollten. Mr. Hicks hustete wieder aus Verlegenheit. Er war von Natur gutherzig, und es widerstrebte ihm, dieser sympathischen Dame gegenüber mit der Wahrheit herauszurücken; aber Lady Fairlies hypnotischem Blick konnte er nicht widerstehen. «Nun, Milady,» sagte er schüchtern, « es ist sozusagen eine Geldangelegenheit.» « Geld? Sie meinen wohl, Sir Michael ist Ihnen Geld schuldig?» « Sozusagen ja, Milady.» «Wieviel? » fragte Lady Fairlie, von dem- Gedanken beunruhigt, in ihrem Neffen einen Schuldenmacher, ein leichtes Tuch erkennen zu müssen. « Eine Fünfpfundnote, Milady. » Lady Fairlie atmete auf, denn mit fünf Pfund kann auch das leichteste Tuch nichts anfangen. « Nun, » sagte sie, « da brauchen Sie keine Zeit mehr auf der Suche nach Sir Michael zu verschwenden. Das kann ich für ihn ordnen, wenn Sie mir sagen wollen, wofür er es Ihnen schuldet.» Mr. Hicks Verlegenheit wuchs. Er zögerte K Endlich eine zuverlässige Automobilstatistik! Bei der Besprechung der für Stadt und Kanton Zürich in regelmässigen Zeitabstän- sen allein gedient ist, so bald wie möglich den bekanntgegebenen Zahlen über den Motorfahrzeugbestand haben wir, gleich dem unsicheren Erhebungsgrundlagen und deren eine genaue Abklärung der heute noch höchst städtischen Statistischen Amt, immer darauf Vereinheitlichung, gefordert werden,» ein- hingewiesen, dass die Angaben nicht ganz den Tatsachen entsprechen. Die bisherige Statistik stützte sich nämlich immer auf die Zahl der erteilten Verkehrsbewilligungen. Diese ist aber nie genau identisch mit der Zahl der tatsächlich im Verkehr stehenden Fahrzeuge, da durch Handänderungen für ein und dasselbe Fahrzeug mehrere Verkehrsbewilligungen im Verlaufe eines Jahres ausgegeben werden können. Auf diese Weise ist die Summe der Verkehrsbewilligungen immer grösser als die wirklich verkehrsberechtigten Fahrzeuge, welche Differenz mit vorrückender Jahreszeit stets grösser wird, da im Verlauf der zwölf Monate eines Jahres die Zahl der Handänderungen stetig steigt. Das kantonale und das städtische statistische Bureau haben unermüdlich auf diesen Mangel aufmerksam gemacht und besonders der Vorstand des städtischen statistischen Amtes hat sich mit aller Energie für die Ueberlassung wissenschaftlicher einwandfreier Unterlagen verwendet. Für das Jahr 1927 ist nun die Bearbeitung erstmals nach dem Kartenmaterial der kantonalen Motorfährzeugkontrolle durchgeführt worden. Die Ergebnisse, die teilweise im neuesten Heft der «Zürcher Statistischen Nachrichten» veröffentlicht und kommentiert werden, beweisen nun, wie notwendig die Auszählung nach den gemeldeten Fahrzeugen und nicht nach den erteilten Verkehrsbewilligungen ist. Anderseits kann konstatiert werden, dass die jeweiligen Angaben des städtischen Amtes die kleinste Fehlerquelle aufwiesen, da der Stichtag je weilen auf den Monat Mai, nicht aber, wie dies beispielsweise bei der eidgenössischen Statistik der Fall ist, erst auf Jahresende fällt. In diesem Falle ergeben sich Differenzen bis zu 15 Prozent, d. h. die Summe der auf Grund der Verkehrsbewilligungen als vorhanden angenommenen Fahrzeuge ist um 15 Prozent höher als der effektive Bestand. Diese Ergebnisse lassen, wie Herr Brüschweiler richtig in den «Zürchei Stat. Nachrichten» bemerkt, «neue Zweifel an der Zuverlässigkeit der Eidgenössischen Statistik der Motorfahrzeuge aufkommen. Das nämliche gilt natürlich von all jenen kantonalen Zusammenstellungen, die ebenfalls auf den Verkehrsbewilligungen basieren. Man wieder, aber der hypnotische Blick tat sein Werk. «Das war nämlich so, Milady. Ich möchte keine Unannehmlichkeiten verursachen, aber ich muss sagen, das hätte er wirklich nicht tun sollen, wirklich und wahrhaftig nicht! » « Was nicht? » fragte Lady Fairlie, deren Befürchtungen verstärkt zurückkehrten. Mr. Hicks schluckte und schaute sie an, als wolle er ihr sagen, sie habe das durch ihr unermüdliches Ausfragen selbst über sich gebracht. Denn wenn ihr Neffe ihm auch Abscheu einflösste, wollte er dieser Dame, die ihm von der richtigen Sorte erschien, nicht gern wehtun. « Nun — mich anschmieren, Milady, » saigte er widerstrebend. «Sie anschmieren!», wiederholte Lady Fairlie entsetzt. « Sie anschm — bitte, erzählen Sie die ganze Geschichte von Anfang an, aber schnell! » Mr. Hicks seufzte und gab der Uebermacht nach. « Also, es war so. Ich hab' ein Wirtshaus bei Heacham, « Zum Haupt des Sarazenen » heisst es. Und da ist neulich Sir Michael hingekommen, hat ein Glas Bier getrunken, hat gezahlt und ist wieder gegangen. Und gerade vor dem Haus ist er von einem Auto niedergestossen worden — > «Was!» « Oh, es ist ihm nichts geschehen, Milady. Es hat ihn nur in den Graben geschmissen. In kann sich deshalb ohne weiteres dem aufgestellten Postulat «es müsse im Interesse einer wirklich zuverlässigen Statistik über die Motorfahrzeuge mit der den beteiligten Krei- verstanden erklären. Auf Grund der bereinigten Zählungsmethods ergibt sich nun für die Stadt Zürich folgende Entwicklung des Motorfahrzeugbestandes im Verlaufe des letzten Jahres: Autos Ende Janauar 1927 3305 594 » März 3988 980 » Juni 4437 1394 » September 4830 1550 Motorräder » Dezember 5033 1547 Der Automöbilbestand hat sich also innert Jahresfrist um rund 1700 Fahrzeuge vermehrt. Interessant ist die Feststellung, wonach die monatliche Zunahme bei den Automobilen das ganze Jahr hindurch anhält, während bei den Motorrädern der Bestand im letzten Vierteljahr praktisch der nämliche bleibt, Dies hängt natürlich mit der Witterung zusammen,, indem der Motorradfahrer vielmehrdem Wetter ausgesetzt ist als der Automobi-r list und deshalb die 'Benützung des Motorrades im Winterhalbjahr zurückgeht. Die Zunahme im ersten halben Jahre 192S hat sich etwas verlangsamt und wird der Bestand auf Mitte 1928 mit rund 5300 Wagen angegeben. Vergleichen wir die Ergebnisse auf Jahresmitte, dann ist eine Zunahme von 900 Wagen zu konstatieren. Die Statistik nimmt nun an, es seien etwa zehn Prozent der Wagen ausrangiert und durch neue ersetzt worden, wodurch sich die Zunahme bis Ende Juni 1928 auf rund 1300 Automobile belaufen würde. Nachdem nun für die gleiche Zeitperiode etwa 450 Verträge für Automobilkäufe auf Abzahlung und mit Eigentumsvorbehalt registriert worden sind, ergibt sich, dass noch rund zwei Drittel der Automobile bar bezahlt werden. Das Abzahlungssystem hat demzufolge auch bei uns einen beträchtlichen Umfang angenommen, steht aber noch in keinem Verhältnis zum Prozentsatz der beispielsweise in Amerika auf der nämlichen Grundlage getätigten Transaktionen. Da es sich in unserem Falle um Geschäfte mit öffentlichem Eigentumsvorbehalt handelt, sind diese Verkäufe auf eine solide Basis gestellt und haben in einer Zeit, da die Finanzierung des Verbrauches immer populärer und mehr ausgebaut wird, nichts Abnormales an sich. b. dem Auto war eine Dame und ein junger Bursche und der Chauffeur. Natürlich haben sie angehalten; sie mussten überhaupt halten, da das Auto in meinen Brunnentrog hineingefahren ist. Also kurz und gut, Milady, sie sind ins Gespräch gekommen und Sir Michael hat sie zum Essen eingeladen, während sie ein anderes Auto holen Hessen. Und ich kann sagen, ich hab' ihnen ein gutes Essen gegeben. Schinken und Roastbeef — » « Ja, ja, » sagte Fairlie. « Und Sir Michael hat zu zahlen vergessen — das ist wohl die Geschichte? » « Oh, gezahlt hat er schon, Milady,» sagte Mr. Hicks. « Ein Pfund sieben Schilling und acht Pence hat es mit dem Wein ausgemacht und mit dem hat er bezahlt. > Dabei holte er aus seinem Hutfutter einen Fünfpfundschein und reichte ihn Lady Fairlie. Sie schaute ihn an, fuhr zurück und schaute genauer hin. « Aber,» sagte sie scharf, « das ist doch eine Nachahmung, nicht? » «Ach, > sagte Mr. Hicks, «es freut mich, dass Sie es auch sehen, Milady. Freilich ist es ein « Falscher» und einer der schlechtesten, die ich je gesehen, noch dazu. Wenn es im Schank nicht so finster gewesen wäreund ich ein bissei aufgeregt, weil ich lange keine Gäste gehabt hatte, so hätt' ich ihn ja gleich erkannt. So sah ich es sofort, nachdem sie weg waren. Und deswegen, » schloss Mr. Hicks, « möchte ich mit Sir Michael sprechen.*'