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E_1928_Zeitung_Nr.090

E_1928_Zeitung_Nr.090

Ausgabe: Deutsche Schweiz. FFF N, Freiteo, 26. Okiober 1928, Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 90 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freltaf Monatlich „Gelb« List«" Halbjahrlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarif. tnseratensehtnss 4 Taoe vor Erseheinen der betreffenden Nummer • f Gebt uns Die schweizerischen Radfahrer erheben die Forderung für die Schaffung von Fahrwegen. Vielleicht wird sich ein Leser fragen, wieso diese Angelegenheit in einem Automobilfachblatt überhaupt zur Sprache kommt. Nun, es besteht in vielen Dingen eine Interessengemeinschaft von Automobil- und Radfahrern, wobei zunächst einmal bloss an die Kampagne zur Verwerfung des eidgenössischen Verkehrsgesetzes erinnert werden darf. Im vorliegenden Falle ist die Schaffung von Fahrradwegen für den Automobilisten aber genau so wichtig wie für den Radfahrer. Gewiss hat der Radfahrer durch die Befreiung von der Staubplage aus der Entwicklung des Automobilwesens Nutzen gezogen; andererseits aber kann das Radfahren auf verkehrsreichen Strassen kaum mehr als ein Vergnügen bezeichnet werden, und in erster Linie kämpft der Radfahrer für sich, wenn er einen Sonderstreifen verlangt (wozu ihn übrigens die Fahrradsteuer auch materiell berechtigt). Aber auch der Automobilist empfindet den Radfahrer im grossen Verkehr als einen Fremdkörper, weil das Tempo der beiden Fortbewegungsmittel allzusehr verschieden ist. Mit der Entfernung des Radfahrers von der Strasse wird die Unfallwahrscheinlichkeit enorm reduziert, was vielleicht nur der in vollem Umfange versteht, der eininal jn Belgien, dem Lande des «accote- •rnent cycliste» par excellence, schon gefahren ist. Es wird auch kein Zufall sein, dass in der deutschen «Studiengesellschaft für Automobilstrassen» ein besonderer Ausschuss für Verkehrsregelung besteht und dass dieser Ausschuss vor einiger Zeit zu Händen der Behörden «Richtlinien über die Anlage von Radfahrerwegen» aufgestellt hat. Der Ausschuss begründet dies mit der Tatsache, dass etwa ein Sechstel der Bevölkerung Deutschlands das Fahrrad benützt. Noch wichtiger •ist die Frage für die Schweiz, wo heute auf jeden vierten Einwohner ein Fahrrad entfällt. Für Stadtstrassen stellen jene Richtlinien folgende Forderungen auf: Bei vorhandenen Strassen durch Bordsteine abgegrenzte, erhöhte Streifen von 1 Meter nutzbarer Breite im Einbahnverkehr und 1,5 Meter im Beidrichtungsverkehr. Wo das nicht möglich ist, F'.ahiw.aclwe^e I nicht erhöhte Radfahrerstreifen zu beiden Seiten für Radfahrer. Bei neu anzulegenden Strassen erhöhte Radfahrerwege zu beiden Seiten. Für Landstrassen : Neben dem Fahrdamm ein Radfahrerstreifen von mindestens 1,5 Meter Breite zu beiden Seiten. Der Fussgängerverkehr, der auf eine Entfernung von der Stadt schon von wenigen Kilometern nahezu bedeutungslos ist, erhält nötigenfalls das Mitbenützungsrecht. Soweit die Landstrassen in ihrer nutzbaren Breite zwischen den Baumreihen für die gleichzeitige gefahrlose Aufnahme des Automobil- und Fahrr.adverkehrs nicht ausreichen, sind besondere Radfahrerwege ausserhalb der Baumreihen anzulegen. Ueberhaupt ist anzustreben, den Radfahrerverkehr von verkehrsreichen Strassen fernzuhalten und ihm besondere Wege zu weisen. Soweit die Richtlinien der deutschen Studiengesellschaft für Automobilstrassenbau. Wie sich der Verkehr praktisch gestaltet, wenn dem Radfahrer ein besonderer Weg zugewiesen ist, das kann man leider in der Schweiz nicht beobachten, da es unseres Wissens bei uns überhaupt keine Fahrradwege gibt. Anders im Ausland. Vor einem Vierteljahrhundert verlangten die Lübecker 'Radfahrer, die Fahrradsteuer, die für die Anlegung von Radfahrerwegen angelegt worden war, möge aufgehoben werden, das das Fahrradwegnetz • vollständig ausgebaut sei. Wer von Freiburg i. Br. dem Höllental zufährt um ein naheliegendes Beispiel zu nennen, weiss jene Radfahrerwege besonders an Sonntagen zu schätzen. Oesterreich hat seit Jahrzehnten das «Bankett», Italien die «banchina», Frankreich sein «trottoir cyclable », Holland seinen « rijwielpad», Belgien sein « äccotement reserve aux cyclistes et pietons», flämisch «Zijweg alleen vor Wielrijders en Voetgangers» (wobei dem Radfahrer die Priorität vor dem Fussgänger zukommt). Selbst in den belgischen Ortschaften sind die Fahrradwege weitergeführt und die Bordsteine bei Kreuzungen besonders abgeschrägt, damit der Radfahrer nicht in Versuchung kommt, den grossen Fahrdamm zu benützen. Am konsequentesten ist das Prinzip des Fahrradweges in Holland und Belgien durchgeführt, weshalb sich der Automobilverkehr dort auch so reibungslos vollzieht. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert verlangen die schweizerischen Radfahrer in ihrer Fächpresse Fahrradwege. Ohne Erfolg. Diesen Sommer hat der Zentralpräsident des Schweiz. Radfahrer-Bundes, Herr W. Wichmann, als Mitglied der Verkehrskommission des Schweiz. Städteverbandes « zur Weiterleitung an die massgebenden Behörden» die Anregung gemacht, es sollten bei Neuanlagen und Korrekturen von Strassen Fahrradwege geschaffen werden, die einzig vom Radfahrer benützt werden dürfen und durch welche die Kollision mit andern Strassenbenützern vermieden würde. Die Kommission des Schweiz.. Städteverbandes hat sich bereit erklärt, diese Vorschläge an die massgebenden Stellen weiterzuleiten. Das war ein erster Erfolg, der sich freilich bis heute kaum praktisch ausgewirkt haben dürfte. Nun steht bekanntlich das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement in Verhandlung mit der Schweizerischen St.rassenverkehrsliga für die Ausarbeitung einer neuen Vorlage zu einem schweizerischen Verkehrsgesetz. Die schweizerischen Radfahrerverbände als Mitglieder der Liga haben gemeinsam ihre Postulate eingereicht, u. a. Bundesgesetz für sämtliche Strassenbenützer, Obligatorium des « Katzenauges» (reflektierende rote Linse) für alle Radfahrer usw., dabei auch die Schaffung von speziellen, Radfahrerwegen mit der Begründung : « Bei der enormen Verkehrsdichtigkeit, die unser Land aufweist, wäre die Schaffung besonderer Radfahrerwege eine enorme Entlastung für die grossen Verkehrsstrassen ». Um nun weitere Kreise für die Frage zu interessieren und vor allem zu zeigen, was auf dem Gebiete der Fahrradwege in andern Ländern schon geleistet und erreicht wurde, veranstaltet der Schweizerische Radfahrerbund zwei Vortragsabende. Es ist ihm gelungen, hiefür den gegenwärtigen Leiter der «Deutschen Zentralstelle für Radfahrerwege» zu gewinnen. Die beiden Vorträge werden stattfinden : Dienstag den 30. Oktober, bei der « Schmiedstube» in Zürich und Donnerstag den 1. November, im « National» in Bern. Zu diesen Lichtbildervorträgen sollen u. a. die kantonalen und städtischen Behörden, die Leitungen der Verkehrsverbände, die Presse und Delegationen der lokalen, am Strassenverkehr interessierten Vereinigungen eingeladen werden. Es wäre wünschenswert, dass sich auch die Automobilisten zahlreich zu diesen Vorträgen einfinden, um zu dokumentieren, dass es sich nicht um eine Radfahrerangele-i genheit handelt, sondern um eine Frage von allerhöchster Bedeutung für den gesamten Strassenverkehr. Wenn jemals, so sind hier die Interessen von Automobilisten und Rad-f fahrern dieselben. 0 Zum 27.28. Oktober 1928. Dringende Notwendigkeiten, Selbsthilfe der Schweiz. Automobilisten. Man schreibt uns: Gewiss werden Sie, verehrte Herren Automobil- und Motorradfahrer, mit mir einig gehen, dass es höchste Zeit wird, wenn dem Verkehrswesen auf der Strasse im allgemeinen und dem Motorfahrzeug im besonderen endlich gebührende Achtung geschenkt wird von Seiten des Staates. Die kantonale' Souveränität muss erbarmungslos beiseite gestellt werden. Genug des lokalen Bureaukratismus! Wir rufen mit Tausenden nach einem sofortigen eidgenössischen Strassengesetz. Aber wie mit Erfolg? fragt sich mancher. Unsere Macht dringt nicht durch. Warum nicht? Ganz einfach, weil wir untereinander nicht einig sind. Wtf packen die Sache nicht am richtigen Ende an. Wir unterstützen die uns sympathisch gesinnten Vertreter in den Kantonsräten und ganz besonders im Parlamente nicht genügend. Die schweizerische Verkehrsregelung ist in Anbetracht der täglich vorkommenden Todesfälle dringendes Gebot der Stunde. Behörden wie auch das eidgenössische Parlament haben es unterlassen, einheitliche Sicherungsmassnahmen und Verkehrsvorschriften für das ganze Gebiet der Eidgenossenschaft aufzustellen. Sind diö Verluste an teuren Menschenleben zu unwichtig, oder zu wenig zahlreich, als 1 dass sich ernsthafte Politiker ihretwillen damit befassen mögen? Ist es nicht sonderbar, dass die Polizei gewisser Kantone und geldgieriger; Gemeinden wie Blutegel an den Automobilund Motorradfahrern klebt? Täten sie nicht viel besser, wenn sie endlich dem grössten Unfug und liederlichsten Leichtsinn unseres F E U • jLIL T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman Ton K. O. R. Browne Copyright 1028 irr Georg Malier. Verlag. München. (45. Fortsetzung) nicht die Wahrheit erfahren würde. Auch Die kleine Dame legte den Kopf auf diehatte ihr seine Stellungnahme betreffs der gefälschten Banknote keinen besonderen Ein- Seite und betrachtete ihn eine ganze Weile. Es war, als wäge sie ihn und fände ihn zu druck gemacht. Deshalb bestand sie nicht leicht. Als sie sprach, klang es recht matt. darauf, dass er mit ihr zurückkehrte; sie « Gut. Wenn du versprichst, heute nachmittag zu kommen, will ich jetzt nicht war- klar zu werden. Der Junge, den sie einst ge- wollte allein sein, um sich über ihre Eindrücke ten. Ich kann tatsächlich nicht warten, weil kannt, schien sich zu einem weniger anziehenden Mann entwickelt zu haben und der um halb zwei eine Sitzung des Kirchenaufbau- Fonds ist. Aber,» fügte sie warnend hinzu, Gedanke war peinlich. Sie seufzte und « wenn du zum Tee nicht in Kings Fortune wandte ihre Aufmerksamkeit Mr. Hicks zu. bist — du wirst wohl in deinem Auto kommen? —, dann komme ich hierher und hole von sich. Sein kleiner Hut sass am linken Der gute Mann gab Zeichen der Ungeduld dich. Es ist Zeit, dass du dir deiner Verantwortlichkeit bewusst wirst, junger Mann.» Lenkrad, und das Tempo, in dem er Tabak Ohr, seine harten Finger trommelten auf dem «Oh, da bin ich schon!» versicherte sie kaute, war furioso. Als Lady Fairlie erschien, erschrak er, setzte den Hut solider Mr. Cherry, glücklich, dass sein Vorschlag angenommen wurde. «Wirklich, Tante. Ich auf und versuchte den Tabak zu verschlucken. treffe dort pünktlich ein.» « Ach, lassen Sie doch, > sagte Lady Fairlie «Nenn mich nicht Tante,» sagte Lady freundlich, « es macht mir gar nichts.» Sie Fairlie und ging zur Tür. « Bitte, entschuldige mich bei Mrs. Bytheway, Michael. Ich komme ohnehin schon zu spät.» « Gewiss, gewiss. Verzeih — bitte — wenn ich dich nicht begleite,» sagte Mr. Cherry, der nicht wünschte, von Mr. Hicks bemerkt zu werden. «Wenn ich heute nachmittag weg soll, muss ich gleich dazu schauen. Also, auf Wiedersehen.» Sie trennten sich in der Halle und Lady Fairlie ging gedankenvoll und mit einem unzufriedenen Gefühl hinaus zu ihrem Wagen. Irgend etwas an diesem neuen Michael gefiel ihr nicht, etwas Geheimnisvolles, um nicht zu sagen Ausweichendes. Aus diesem Grunde hatte sie auch den Ursachen seines merkwürdigen Benehmens nicht weiter nachgeforscht; etwas hatte sie gewarnt, dass sie setzte sich ans Rad und kurbelte an. Mr. Hicks schluckte krampfhaft und konnte endlich reden. « Hören Sie — das heisst — bitt' um Entschuldigung, Milady — » «Es ist alles in Ordnung, Mr. Hicks,» sagte Lady Fairlie rasch, während das Auto abfuhr. « Sir Michael war ausser sich, da er natürlich nicht die leiseste Ahnung hatte, dass die Banknote falsch sei. Leider hatte er nicht gerade fünf Pfund bei sich, also bat er mich, ihn bei Ihnen zu entschuldigen und die Sache zu ordnen. Sobald wir nach Kings Fortune kommen, will ich das tun, denn ich habe mein Täschchen zu Hause gelassen.» Mr. Hicks empfing diese Mitteilung schweigend. Sein verwittertes Antlitz trug durchaus nicht den erfreuten Ausdruck eines Menschen, der eben gehört hat, dass er fünf Pfund einheimsen wird. Tatsächlich war er gar nicht zufrieden mit der Entwicklung der Ereignisse. Nicht einen Augenblick glaubte er, dass Sir Michael die Banknote für echt gehalten hatte; so eine ungeschickte Fälschung hätte ein Kind nicht täuschen können, und er war auch nur vorübergehend und unter mildernden Umständen darauf hereingefallen. Er war fest überzeugt davon, dass Sir Michael ihn entweder betrügen oder einen schlechten Scherz mit ihm machen wollte, und je mehr er darüber nachdachte, desto grösser wurde seine Entrüstung. Der Verlust des Geldes ärgerte ihn weit weniger, als dass so ein flotter Stutzer in Knickerbockers ihn angeschmiert hatte — ihn, den Dachsel-Hicks. Wenn er es auch der Dame an seiner Seite verschwiegen hatte, war der Hauptzweck seiner Suche nach Sir Michael der, diesem irregeleiteten jungen Mann eine scharfe Lektion zu erteilen, von der Art, an die der Dachsel-Hicks einzig und allein glaubte. Er wollte ihm beweisen, dass, wenn er auch im Adelskalender stehe, dies ihn durchaus nicht vor der Vergeltung schütze, denn der Respekt, den Mr. Hicks vor dem Adel als solchen hatte, war ein geringer. Nur auf diese Art würde seine Ehre wieder hergestellt, die Wunde, die seine Selbstachtung erlitten, geheilt und dem etwas zweifelhaften Gentle-* man bewiesen, dass es ein schlechter Scherzist, Wirte beschwindeln zu wollen. Nachdem er eine Weile über all das gebrütet hatte, kam er zu einem Entschluss. Als sich das Auto den letzten Häusern von Sharrowby näherte, wandte er sich an Lady; Fairlie. «Bitte um Entschuldigung, M'lady, aber möchten Sie mich hier absetzen, es ist mir gerade eingefallen, dass, wenn ich schon hier bin, ich einen alten Freund, der gleich hier um die Ecke wohnt, aufsuchen könnte.» Lady Fairlie sah ihn erstaunt an. «Ja, aber was ist's dann mit Ihren fünf Pfund, Mr. Hicks?» «Ach, das hat keine Eile, M'lady. Ein anderes Mal. Ich möchte den alten George besuchen, wenn ich schon in der Nähe bin.» Lady Fairlie nickte und hielt an. «Schön. Aber Sie haben es dann weit nach Hause.» «Ich fahre wahrscheinlich mit der Bahn heim, M'lady.» «Und Sie kommen bald nach Kings Fortune wegen » «Danke schön, M'lady», sagte Mr. Hicks, sich damit zu nichts verpflichtend, denn wenn er seine Absicht ausführte, hatte er brieflich nur ein kühles Willkommen in Kings Fortune zu erwarten. Er kletterte heraus, hob sein Rad herunter, grüsste und stand beiseite, bis das Auto hinter einer Wegbiegung verschwunden war, dann bestieg er das Rad und fuhr gegen Lindley-Haus zurück. (Fortsetzung folgt))