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E_1928_Zeitung_Nr.090

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2 ÄUTOMOBIL-REVUE £928

2 ÄUTOMOBIL-REVUE £928 — N° 90j Zeitalters Abhilfe verschafften, die unser modernes Strassenbild offenbaren? Ich glaube aus Ihrem Herzen zu sprechen, wenn ich eine sofortige und gehörige Massregelung unserer Hüst und Hot, nachts ohne Licht und sehr oft betrunkenen Fuhrleute verlange. Fahren Sie, verehrte Herren Automobilbussendiktatoren, durchs Land, wieviele Automobile und Motorräder treffen Sie ohne Licht abends an und, im Gegensatz, wieviel Tausende von Fuhrwerken, Radfahrer, Handwagen, Kinderwagen etc. versetzen sie ständig ohne Ihr Verschulden in Lebensgefahr? Was die Autofallen anbetrifft, muss man sich wirklich ernsthaft fragen, ob denn die Landstrasse, die schon in frühesten Zeiten quasi zum Symbol eines aufstrebenden, handeltreibenden und arbeitsamen Volkes wurde, heute auf das tiefste Niveau, leider gesetzlich geduldeter, nichtsdestoweniger aber an erbärmliche Strassenräuberei grenzende Geldmacherei gesunken ist? Motorzeugfahrer, vergesset nicht den Schlag ins Gesicht, welchen Ihr mit dem bernischen Automobildekret erhalten habt. Vergesset nicht die Politiker, die Euch zu diesem Schaden geholfen haben, vergesset nicht, dass mehrere dieser Autofeinde heute auf den Listen der Nationalratswahlen figurieren. Schimpfet nicht immer, sondern handelt dementsprechend! Mit aller Deutlichkeit wurde uns ein einseitiges, nur die Bahnen bevorzugendes Dekretchen aufoktroyiert. Merket Euch die lieben Herren, die mit dem momentan noch Stärkeren, den Bahnen, liebäugeln und vergesset nicht die Tapferen, die gegen eine überwältigende Mehrheit den Mut aufbrachten, die einseitige Bevorzugung der unrentablen Dekretsbähnchen zu kritisieren. Automobilisten, wenn Ihr für uns noch schlimmere Zeiten, wenn Ihr die schikanösen Bussentreibereien, die sich gewisse, vom Volke, ja von uns selbst, an diktatorische Posten gewählte Automobilfeinde, heute zu unserem Schaden zum Sporte machen, ertragen wollt, dann dürfen wir weiter schlafen. Nein, nein! Selbsthilfe tut not, mehr denn je. Wir müssen jeden Nationalratskandidaten genau unter die Lupe nehmen. Keiner darf uns hineinschlüpfen. Die ganze Automoibilfrage ins Auge fassend, kommt man immer mehr zur Einsicht, dass wir in künftigen Wahlen unbedingt nicht tatenlos bleiben dürfen. Ich komme daher zur Schlussfolgerung, dass uns entweder die Automobil-Revue, die Automobil-Clubs oder* ein Automobilschutzverband die Herren Nationalratskandidaten bekannt geben sollten, die unserer Sache sympathisch gegenüberstehen und bereit sind, unsere Interessen im künftigen Parlamente zu verfechten, damit jeder stimmberechtigte Automobilist weiss, was er zu tun hat. Eine genaue Aufstellung der Herren, über das Panaschieren, sowie das Aufstellen der politischen Partei sollte noch deutlich erläutert werden, damit unsere Stimmen nicht ungültig werden. Ich nehme an, dass jeder Automobilist einfach seiner gewünschten Partei stimmt und die betreffenden Automobilfreunde an Stelle der Autofeinde setzt, sofern erstere im betreffenden Kreise wählbar sind. Schlussendlich ist es doch eine grosse Ungerechtigkeit, dass wir enorme Verkehrssteuern, Führersteuern, gewaltige indirekte Benzinsteuern bezahlen und obendrein noch das Opfer einseitiger Strassenbüsserei werden, so ungefähr als Milchkuh für leere Staatsund Gemeindekassen. Dieser entarteten Geldmacherei, die jedenfalls nie der Grundgedanke des Souveräns war, kann heute nur noch mit dem Stimmzettel in der Hand entgegengesteuert werden. Alle schönen Worte gewählter Eisenbahn- und Polizeidirektoren nützen uns nichts. Ein jeder überlege sich und wähle dementsprechend. Nachschrift der Redaktion: Wir haben obenstehender Einsendung Raum gegeben, um der breiten Oeffentlichkeit ein Stimmungsbild aus Automobilkreisen vor Augen zu führen. Die von Seiten der Behörden grossgezogene Verbitterung ist begreiflich und ernst. Da die «Automobil-Revue» ein politisch neutrales Blatt ist, hat sie sich enthalten, die Namen derjenigen Kandidaten bekannt zu geben, die für eine grosszügige und weitsichtige Lösung aller den Verkehr und den Automobilismus betrefferiden Fragen Gewähr leisten. Aufklärungen über die Wahltechnik des Proporzes findet man gegenwärtig bereits in jedem politischen Tagesorgan. Wir nehmen an, dass der Leitartikel in Nr. 89 der Automobil-Revue das seinige zur Aufklärung wird beigetragen haben. In jedem Wahlkreis werden die unsern wichtigen Verkehrsund Automobilfragen Verständnis entgegenbringenden Kandidaten leicht herauszufinden sein. Das übrige dürfte alsdann nicht mehr schwer fallen! Im übrigen rufen wir den sich zankenden und in den Haaren liegenden Parteien zu: Strasse frei, Bahn frei dem kommenden Automobil! Roll^ Dl

MO 90 — in?8 SPO Skeptische Aufnahme. Zur neuen Rennwageniormel. Man hat sich in den letzten Jahren an der internationalen Beschickung der Grands Prix nie sonderlich erwärmen können. Die diesjährige Saison war ein eigentliches Debakel; ein Grosser Preis nach dem andern musste abgesagt werden. Es hänge an der Formel, hiess es. Sie sei der Keim zu der erschreckenden Rennmüdigkeit. In der Schweiz haben wir uns nie zu beklagen gehabt. Der Klausen 1927 wies eine einzigartige Rekordbeschickung auf. Unsere Rennbahn ist die Bergstrasse. Den ausschliesslich auf Bahnen ausgetragenen Grand Prix kennen wir nicht. Was uns nicht abhält, die Rennen des Auslandes mit dem Interesse zu verfolgen, das in jedem geweckt wird, den Technik und Sport begeistern. Viele der internationalen Asse sind uns vom Klausen oder Kilometer Lance" in Eaux-Mortes her bekannt. Mit Gespanntheit verfolgen wir ihre Leistungen während des Jahres. Wenige der unsern starten auf den internationalen Schauplätzen des Automobilsports. Heusser, unserer Besten einer, haben wir dieses Jahr verlieren müssen. Doch auch der Start unserer wenigen Auserlesenen bestimmt uns, am Wohl und Wehe des internationalen Rennsports regsten Anteil zu. nehmen. Mit Spannung erwarten wir die für den Sport der nächsten Jahre grundlegendste Arbeit der internationalen Sportkommission : Die Ausarbeitung der neuen Grand-Prix- Formel. Der Schuss ist, wie wir meldeten, heraus. Ist es ein Fehlschuss ? Es handelt sich um eine Verbrauchsformel. Oel und Benzin sind auf 14 kg pro 100 km eingeschränkt. Dem Gewicht des Wagens ist bei 900 kg eine untere Grenze gesetzt worden. Abgesehen von der bindenden zweijährigen Dauer sprechen die verhältnismässig geringen Brennstoffmengen, die man den Wagen zuerkennen will und die Einschränkung dieser Brennstoffe auf einen gebräuchlichen, im Handel befindlichen Typ, welche der tatsächlichen Entwicklung der Brennstoffindustrie geradezu entgegenarbeitet, gegen die Formel. Der Wert der Rennen für die Industrie liegt in der Zerreissprobe des Materials. Dies bei der neuen Formel nicht zum Ausdruck gebracht zu haben ist der grosse Fehler, der zu den pessimistischsten Folgerungen berechtigt. Die ungerechtfertigt hohe Bedeutung, die der Konsumprüfung beigemessen wird, ist unverständlich. Dafür ist' das Gewicht brutal limitiert. Gerade die Erzielung eines niedrigen Minimalgewichts könnte aber der Rennkonstruktion praktisch bedeutungsvolle Bahnen weisen! Das Prinzip, den Schwerpunkt des Wagens so niedrig zu legen, wird durch den hoch hinter dem Fahrer gelegenen Tank durchbrochen, der besonders in den Kurven die Schleudergefahr erhöht Schliesslich wird durch die gegenwärtige Formel der Vierzylinder bevorzugt, an dem die moderne Technik bereits ein beschränkteres Interesse hat. Für die Zukunft der neuen Formel und damit der Grands Prix 1929 und 1930 ist die Stimmung der Konstrukteure von entscheidender Bedeutung. Von fünfzig vom «Auto» in einer Umfrage umfassten französischen Automobilfabriken hat Summa summarum eine einzige der neuen Rennformel Interesse abgewinnen können! Es ist Salmson. Ettore Bugatti, der grosse Molsheimer Konstrukteur, lehnt die neue Formel glattweg ab. Er verlangt für die Konstruktion von Rennwagen volle Freiheit, da nur sie den Weg zu neuen technischen Errungenschaften öffnet. Bugatti kündet bei dieser Gelegenheit einen neuen 16-Zylinder an, den er dazu. ausersehen habe, der schnellste Wagen der Ebene, der Bahn und am Berg zu sein. In Italien, der geistigen Heimat der unglücklichen Grand-Prix-Formel — ist doch Chevalier Florio ihr Urheber — raffte sich die italienische Automobilindustrie zu ganzen drei Meinungsäusserungen auf: Fiat lehnt ab, Alfa Romeo lehnt ab, Maserati lehnt ab. Die Antwort der andern Fabriken ist eisiges Schweigen. Aus diesen Darlegungen kann man sich unschwer ein Bild machen, wie die nächste Zukunft des internationalen Remisportes zu deuten ist — wenn nicht, und wir sind nicht die letzten, die es wünschten, Wunder zu wirken beginnen. V. Die italienische Meisterschaft. Die Goppa Leonardi, welche letzten Sonntag als letztes Rennen der italienischen Meisterschaft zum Austrag gelangte, brachte keine Aenderung in die nach dem Grossen Preis von Europa aufgestellte Klassifizierung, welche Campari auf Alfa Romeo als Titelträger vorsah. Das Championnat der Marken wird also an Alfa Romeo vergeben, das der Fahrer an Campari. Die Klassifizierung zeigt folgendes Bild: Meisterschaft der Marken: 1. Alfa Romeo, 11 Punkte (Targa-Florio, Goppa Messina, Mugello, Susa Mont Cenisio, Coppa Acerbo, Coppa Montenero (Grosser Preis von Europa); 2. Maserati, 7 Punkte. Meisterschaft der Fahrer: 1. Giuseppe Campari, 5 Punkte; 2. (mit gleicher Punktzahl) Nuvolari, Brilli Peri, Varzi, 3 Punkte; 5. (mit gleicher Punkt- Vor den Wahlen. zahl) Materassi und Borzacchini, 2 Punkte; 7. Cucinotta, 1 Punkt. Die Markenmeisterschaft der 1100 cem errang sich Fiat mit 4 Punkten; an zweiter Stelle mit 1 Punkt steht San Giorgio. Die Meisterschaft der Fahrer der 1100 cem (m. gl. P.): Riccioli. Zampieri und Biondetti, 3 Punkt,; 4. (m. gl. P ) Borzacchini, Brivio, Clerici, Ciolino und Fagioli, 1 Punkt, v. AUTOMOBIL-REVUE Der Chauffeur: Meine Herren, wollen Sie Ihre politische Überzeugung nicht lieber auf dem Trottoir an den Mann bringen? Die Coppa Leonardi .brachte am letzten Sonntag am Vermicino-Rocca di Papa einen Generalrekordsturz. Die Bestzeit von De Sterlich wurde von Borzacchini auf Maserati um nicht weniger als 12 km im Stundenmittel erhöht. Maserati sicherte sich mit grossem Stil die 1500-ccm-Kla^se der Sportwagen. Nachstehend die ersten Resultate: SPORTWAGEN': Bis 1100 cem: 1. Fagioli, Luigi (Salmson), 10' 9" 4/5 (Stundenmittel 85,011 km). Bis 2000 cem: 1. Maserati, Ernesto (Maserati), 9' 52" 1/5 (Stundenmittel 87,538 km). Ueber 2000 cem 1. Caflisch, Frederico (Mercedes), 9' 51" (Stundenmittel 86,688). RENNWAGEN: Bis 1500 cem: 1. Fagioli, Luigi (Maserati), 9' 47" 2/5 (Stundenmittel 88,253 km). Bis 2000 cem: 1. Borzacchini, Baconin (Maserati), 8' 52" 1/5 (Beste Tageszeit, Stundenmittel 97,407 km). Sternfahrt nach Pau. Für die Dezembertage 1928, vom 20. bis 23., ist eine internationale Sternfahrt nach Pau ausgeschrieben. Die Beteiligung, die unter den üblichen Bedingungen steht, ist ausschliesslich den Tourenwagen (Serienfabrikate) offen. Als Startplätze sind folgende Städte vorgesehen: Brüssel, Liege, Luxemburg, Genf, Bern, Turin, Mailand, Rom. London, Madrid, San Sebastian und Barcelona. Minimale Distanz 1500 km. Stundenminimum 47,4 km. An Preisen stehen insgesamt gegen 90 000 Franken zur Verfügung. Für Autocars ist eine besondere Klasse vorgesehen. v. Die provisorische Rheinbrücke zwischen Buchs und Schaan ist infolge Unterwaschung des dritten Strompfeilers auf liechtensteinischer Seite anlässlich des Steigens des Rheinspiegels vor einigen Tagen vorläufig für den Verkehr gesperrt. Ueber das mutmassliche Datum der Wiedereröffnung des Verkehrs wird an dieser Stelle berichtet. t-st. Keine Londoner Olympia-Show 1929 ? Einer offiziösen Meldung zufolge, macht sich in englischen Konstrukteurenkreisen eine Bewegung geltend, die darauf abzielt, die Londoner Olympia-Show für Automobile nur noch alle zwei Jahre durchzuführen. In diesem Falle würde bereits die -nächstjährige Ausstellung ausfallen. Packard Strasse Freiburg-Bulle-Chätel-St. Denis. Wie uns in letzter Stunde gemeldet wird, ist bei Vaulruz, zwischen Bulle und Ghätel St. Denis eine Autofalle errichtet worden. Es wird auf eine Distanz von 100 Meter kontrolliert. Zwei weitere Freiburger Kontrollen funktionieren in La Tour de Treme und in Riaz. Die Sektion Genf des A. G. S. scheint sich Der Motor ist die Seele des Automobils. — Der im Jahre 1923 herausgekommene 8-Cylinder-Pakkard Linienmotor diente den Automobilkonstrukteuren der ganzen Welt als Vorbild. Etwa 80 verschiedene Fabrikanten haben nun diesen Motor nachgeahmt. Der V-Motor ist nahezu verlassen, d. h. auf etwa 4 Fabrikate zurückgedrängt. Packard Standard eight, der neue kleinere 8-Cylinder, dem weltberühmten grossen Packard 8-Cylinder in Qualität und Präsentation ebenbürtig, im Preise fast gleich wie der bisherige 6-Cylinder, ist die glänzendste Proposition der Gegenwart. Ask (he man who ovms one Werner Risch, Zürich Maur. Guyot, Chaux-de-Fonds Albert Schmidt S. A., Genf R. Volz, Thun IC K AR D iiftnii LETZTE MELDUNGEN Ad 5* der Angelegenheit angenommen zu haben, da einige ihrer Mitglieder* gebüsst worden sind. Die Sektion: warnt vor einem Besuche des Kantons Freiburg.. Die Fortschritte der Motorisierung in Deutschland. Nach der neuen Bestandesaufnahme des statistischen Reichsamtes auf 1. Juli 1928 hat die Zahl der Automobile in Deutschland wiederum eine starke Zunahme erfahren. Vom 1. Juli 1927 bis 1. Juli 1928 ist eine Steigerung von rund 29 Prozent festzustellen, womit der Bestand von 723,935 auf 933,312 Automobile gestiegen ist. Auffallend ist dabei die prozentual stärkste Zunahme der Traktoren. Sie beträgt rund 38,7 Prozent, Die Motorisierung der deutschen Landwirtschaft und die sonstige Ausschaltung tierischer Kraft machen unverkennbar Fortschritte. Die Personenautomobile weisen eine Zunahme von 31,2 Prozent auf. Die Zahl der Motorräder ist um 29,2 Prozent gestiegen. Bei den Lastautomobilen ist deutlich eine Bevorzugung der kleinen Wagen festzustellen. Die wachsende Verbreitung des kleinen Lieferwagens spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ebenso bemerkenswert aber ist auch die verhältnismässig grosse Zunahme der schwersten Wagen über vier Tonnen. Der um 30 Prozent erhöhte Bestand an Kraftomnibussen (von 6632 auf 8596) beweist nicht nur die steigende Einbürgeruns dieses Wagens als Verkehrsmittel!, sondern auch den fortwährenden Ausbau der Verkehrsnetze. Die Bestandesentwicklung der Feuerlöschwagen und Strassenreinigungsmaschinen legt von der wachsenden Motorisierung der deutschen Qrossstädte am besten Zeugnis ab. Immerhin ist zu betonen* dass im Vergleich zu andern Ländern Deutschland in der Motorisierung der Strasse weit zurückgeblieben ist, entfällt doch erst auf 134 Einwohner ein Automobil, währenddem es in Frankreich bereits auf 43 und in der Schweiz auf 74 Einwohner ein Automobil trifft. Interessant sind die Automobilbestände der deutschen Qrossstädte. In Frankfurt trifft es ein Automobil auf 43 Einwohner, in Stuttgart auf 34, in München auf 35, in Chemnitz auf 38, in Dresden auf 40, in Nürnberg auf 42, in Berlin auf 54 Einwohner. Am Gesamtbestand der in Deutschland befindlichen Automobile haben die ausländischen Marken mit 20 Prozent teil an den Personenautomobilen, mit 18,4 Prozent an den Lastautomobilen und mit 23,7 Prozent an den Traktoren. Die Weiterentwicklung der Motorisierung wird, wie in al'.en Ländern, von drei wesentlichen Punkten abhängen: Von der Aufnahmekraft der Käuferschichten, von der Verbesserung der Strassen und natürlich; nicht zuletzt von den Preisen. -t. Eine französische Strassenmiliz. Nach dem Vorbild Italiens geht nun auch Frankreich dazu über, eine Strassenmiliz zur Ueberwachung des Verkehrs zu schaffen. Die Union Nationale des Associations de Tourisme de France hatte von der Regierung die Bildung einer eigentlichen Strassenpolizei verlangt. Da dem Staat hiezu jedoch die nötigen Mittel fehlten, hat ihm die genannte Union eine Subvention von Fr. 200,000 gemacht, welche di© Anschaffung von sechs ersten Wagen für diese Strassenpolizei ermöglichen. Seit dem 14. Juli 1928 befahren nun diese Wagen mit polizeilicher Besatzung die Strassen Paris- Dinard, Paris-Deauville, Paris-Vichy und Paris-La Baule, alles Strassen, die die Pariser Automobilisten im Sommer und Herbst sehr oft frequentieren. Diese neue Verkehrspolizei hat verschiedene Angelegenheiten zu überwachen: die Teerung der Strassen, Die Verkehrsumleitungen bei abgesperrten Strassenstrecken, die Höhen der lebenden Grünhecken, die Beseitigung vorspringender Hecken, Gebüsche und Mauern bei unübersichtlichen Stellen, sowie? die Erziehung der Fussgänger und Fahrzeuglenker zu einer bessern Verkehrsdisziplin. Auf der Strasse Paris-Etampes sind versuchsweise zudem sog. Hilfsposten installiert* die bei Unfällen herbeigerufen werden ' önneh und mit allem wichtigen Sanitätsmaterial ausgerüstet sind. Denselben sind auch Chirurgen und Aerzte mit dem notwendigen Sanitätspersonal zugeteilt. Die Posten sind durch eine blaue Fahne mit rotem Kreuz; kenntlich gemacht. Die Union Nationale des Association du 1 Tourisme de France zählt heute über 800,000 Mitglieder. Da sie- sich bei ihrer neuen Aktion auch die Assistenz des französischen Automobil- und Touring-Clubs sowie anderer interessierter Verbände gesichert hat, hofft sie, ihren Plan in wenigen Jahren in möglichst grossem Rahmen zur Durchführung bringen zu können. Sie erwartet, mit diesem Strassenpolizei- und Hilfsdienst ein Vieles zur reibungslosem Abwicklung des Strassenverkehrs und speziell auch zur dringend notwendigen Förderung der Unfallverhütung beitragen zu können und will so eine Institution schaffen wie sie England in den Agenten des Royal Automobil-Club undderAutomobile-Association bereits besitzt. s