Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.093

E_1928_Zeitung_Nr.093

Atisgabe: Deutsche Schweiz« BERN, Diensiag f 6. nouember 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 93 EISTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL Zentralblatt für die schweizerischen Automobil und Verkehrs- nferessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag „ Monatlich „Gelb» List« 44 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 INSERT1ONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Gt*. für die Schweiz; für Anzeigen an« dem Ausland 60 Ct* Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Die Benzinproduktion in den verschiedenen Staaten. W. Entsprechend der ersten Stelle in der Robölproduktion beilegen die Vereinigten Staaten von Amerika audh. den ersten Platz in der Benzindarstellung. In der Entwicklung des amerikanischen Benzinmarktes lässt sich folgendes Bild zeichnen: Jahr Produktion Export Import 1914 1500 Mill. Gal. 209 Mill. — 1920 4882 „ „ 656 „ 40 Mill. 1924 8960 , „ 1186 „ — 1925 10886 „ „ 1330 „ 160 Mill. Neben- der Union gibt es nur wenige Staaten, welche eine Benzinproduktion aufweisen, deren Grosse nicht nur zur Deckung des eigenen Bedarfes, sondern auch als Exportgut in der Handelsbilanz eine wichtige Bolle spielt, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich die Raffinationsindustrie auf das auf eigenem Territorium gewonnene Erdöl aufbaut. 1 In Europa trifft dies nur zu bei der russischen, rumänischen und polnischen Petroleumindustrie. Was die russischen Verhältnisse anbetrifft, so machen sich die Fortschritte der Oelindustrie namentlich in einer IProduktionssteigerung der Raffinerien bemerkbar. 1925 wurden 547 000 Tonnen Erdöl der Raffination unterzogen. Ein Jahr später waren es dagegen schon 6 580 000 t. Namentlich für Russland ist die Verbesserung der Erdölprodukte durch die Raffinatiomsmethoden von ausschlaggebender Bedeutung. Allgemein ist bekannt, dass die russischen Produkte neuerdings in starke Konkurrenz mit dem amerikanisch-englischen Benzin zu treten versuchen. Erst in den letzten Tagen sind die Naphthaverhandlungen zwischen der Sovjetunion einerseits, der Standard Oil- und der Royal- Dutch-Gruppe anderseits erfolglos abgebrochen worden. Gegenwärtig muss die Lage auf dem russischen Erdöilmarkt vollkommen verworren aussehen, denn trotz I Erdöl der wichtigste Aktivposten zur Ba- Exporteinschränkungen und trotzdem das lancierung der sovjetrussischen Handelsbilanz darstellt, mussten beträchtliche Oelmengen aus Kalifornien und Mexiko importiert werden. Dessen ungeachtet versuchen die Russen, ihre Erdölprodukte bedeutend unter dem Weltmarktpreis abzusetzen, d. h. mit Verlust für den Staat. Anderseits haben sich aber Standard Oil und Royal- Duitch zu einer einheitlichen Front zusammengeschlossen, um das russische Erdöl, vor allem das Benzin, durch rigorose Kampfmassnahmen vom Weltmarkte zu verdrängen. Von den beiden andern europäischen Benzinproduzenten exportierte Rumänien im Jahre 1913 noch 237 200 t Benzin. Sechs Jahre später erreichte die rumänische Exportmenge die bescheidene Höhe von nur 2257 t und stieg dann bis 1923 wiederum auf 144 900 t an. Die eigentlichen Produktionsziffern stellen sich selbstverständlich höher, denn der gesamte Inlandskonsum muss von der eigenen Industrie gedeckt werden. 1913 wurden 422 000 t Benzin produziert. Unter grossen Schwankungen erreichte die Produktionsmenge im Jahre 1924 die Höhe von 362 000 t. Es sind vornehmlich staatspolitische Erwägungen, welche eine grosse Zaghaftigkeit und Unsicherheit in die rumänische Erdölindustrie hineintrugen. Neben Rumänien ist auch Polen zu einem benzinexportierenden Lande geworden. Kapitalmangel und gesetzliche Schranken hindern den jungen Staat vorläufig noch an der vollen Ausnützung seiner Produktionskapazität. Im Durchschnitt der Jahre 1920/25 wurden jährlich 650 000 t Rohöl produziert und rund 75 000 t Benzin destilliert, wovon % ausgeführt wurden (1925 betrug der Export 97 000 t). Die grossen Raffinationsanlagen auf dem asiatischen Kontinent beziehen ihr Rohprodukt aus den noch jungen Erdölquellen Persiens, Britisch- und Niederländischindiens. Ebenfalls werden bedeutende Mengen südamerikanischen Erdöls zu Benzin destilliert, so in Mexiko, Peru (zwei kleinere Destillationsanlagen) und Trinidad, während die gewaltigen Rohölüberschüsse Venezuelas zum grössten Teil in den leistungsfähigen Raffinationsbetrieben auf Curacao (Niederländisch-Indien) verarbeitet werden. Venezuela selbst destilliert nur 25% der Erdölförderung in den eigenen Destillationen von San Lorenzo. Teilweise sind auch Ecuador, Argentinien und Japan in der Lage, den eigenen Benzinbedarf zu decken. Namentlich macht die argentinische Regierung in der letzten Zeit gewaltige Anstrengungen zur Hebung • der Erdölförderung. Die Erfolge zeigten sich in der Vergrösserung der Fördermenge von 658 000 t im Jahre 1925 auf 1 025 000 t im Jahre 1926. Obwohl Selbstproduzent, muss Argentinien für den Bedarf der Marine, für Industrie und Landverkehr grössere Benzinquantitäten noch importieren. In der Periode 1924/26 wurden 65 Tanks mit einem' Fassungsvermögen von 640 000 t erstellt, während in La Plata eine riesige Raffinationsanlage mit einer täglichen Leistungskapazität von 2000 t Rohöl entstand. Zum kleinsten Teile vermögen dagegen nur Italien, Frankreich und Kanada ihren Eigenkonsum an Benzin zu decken. Imponierende RaffinationsindusiTien besitzen Grossbritannien, Frankreich, Kanada und Deutschland, welche vollkommen auf dem Rohölimport aufgebaut sind. Dieser Industriezweig lässt sich nicht nur nach den Rohstoffquellen hin orintieren, sondern ebensosehr nach der Absatzseite hin. Es sind in erster Linie die grossen Umschlagplätze an der englischen oder französischen Küste, wie auch Hamburg und New York, in welchen die Raffinationsindustrien ihre Grundbasis gefunden haben. Von spezieller Bedeutung sind die englischen Destillationsbe- I triebe. Innert wenigen Jahren erweiterte Grosslbritannien seine Benzinindustrie zum leistungsfähigsten Zweig der Destillationsbranohe, welche vor allem! auf die Verarbeitung des persischen" Erdöls eingestellt ist. Es sind hauptsächlich die Nachkriegsjahre gewesen, welche die englische Industrie zu dieser Entwicklung gezwungen haben, was deutlich aus den importierten Rohölmengen zu ersehen ist. 1913 wurden 1,1 Millionen englische Gallonen (4,5 1) eingeführt Das Jahr 1920 brachte eine Erhöhung auf nur 4,2 Millionen. Fünf Jahre später erreichte aber der britische Oelimport die imposante Höhe von 561 Millionen Gallonen. Demgegenüber weisen die Benzinimporte eine merkbar schwächere Steigerung auf: 1913 waren es 100 Millionen Gallonen, 1920 etwas mehr als 200 Millionen, und 1924 erreichte der Import die Höhe von nur 404 Millionen Gallonen. Während die Ausfuhr im Jahre 1913 bedeutungslos war, stieg sie im Jahre 1924 dagegen schon auf 30 Millionen englische Gallonen. Hinsichtlich des Benzinkonsums steht Frankreich unter den europäischen Staaten an zweiter Stelle. Unser westlicher Nachbar verbraucht ca. drei Fünftel des brititisohen oder 1% des amerikanischen Benzinkonsums. Die importierten Quantitäten; betrugen: 187 500 I 727 600 t 858 700 t 1923 1925 Auffallend für Frankreich isit die Steigerung der amerikanischen Einfuhr von 30% des Gesamtimportes im Jahre 1913 auif 85% im Jahre 1924. '' Gegenwärtig (belauft sicK der deutsche Benzinverbrauch auf 1 Million Tonnen. Da im eigenen Lande nur 150 000 t Benzol als Beiprodukt der Kohlenindustrie gewonnen werden, bleibt eine Restmenge von rund 800 000 t zu importieren. Der amerikanische Anteil an der deutschen Benzineinfuhr betrug für das Leichtbenzin 65% und für das Rohbenzin 60% im Jahre 1925. F fE U • E, t. E T O N Sir Michaels Abenteuer. Romain ron K. 0. R. Browne. Copyright 1928 bj Georg Malier. Verlag. Manchen. (48. Fortsetzung) Sie lehnte sich an das Geländer der Terrasse und schaute melancholischen Blickes auf den Garten hinab. Hätte ihr aber jemand angedeutet, dass sie melancholisch sei, würde sie es glatt geleugnet haben. Worüber sollte sie wohl melancholisch sein? hätte sie gefragt. Ein liebenswürdiger Uebeltäter war bei seinen Missetaten ertappt worden, besagter Uebeltäter befand sich nun in der Stiefelkammer. Abgesehen von der hygienischen Seite der Sache, was war da Melancholisches dabei? Gar nichts, hätte Miss Kent energisch gesagt. Nichtsdestoweniger blieb die Tatsache bestehen, dass der »Blick, mit dem sie in den Garten hinabschaute, sehr traurig war. Der Gedanke an Violet May kam ihr wohl, denn zu dieser Stunde wurde das widerstrebende Kind sonst zum Lernen genötigt, aber eben jetzt fühlte sich Miss Kent unfähig, ihr Gehalt zu verdienen und irgend jemand irgend etwas zu lehren. Violet May spielte im Kinderzimer glücklich mit ihrer geliebten Tiggels — mochte sie weiterspielen! Während sie über all das nachdachte, wurde ihr Grübeln durch das Erscheinen eines Autos unterbrochen. Ein kleiner Zweisitzer kam die Auffahrt heran und hielt vor ier Terrasse. In dem Wagen sassen zwei ^ersonen, die merkwürdig zusammenpassten; )ine kleine, anmutige, wunderschön gekleilete Dame in mittleren Jahren und ein unersetzter, verwittert aussehender Mann mit einem steifen Hut und einem entsetzlichen fenffarbenen Anzug. Die kleine Dame brachte den Wagen zum Stehen und blickte sich um. Ihr lebhaftes Auge fiel auf Anne, die sich hastig abwandte. Sie kannte diese Leute nicht und verlangte keine Bekanntschaft mit ihnen, sie war nicht in der Stimmung, mit Fremden zu plaudern. Sie betrat das Haus durch die Fenstertür der Bibliothek. Dort sass Mr. Bytheway am Schreibtisch und fingerte, in dem Bestreben, sich zu beruhigen, an seinem Markenalbum herum. «Oh, ich bitte um Entschuldigung», sagte Anne, «ich vergass, dass Sie hier sind.» Mr. Bytheway lächelte abwesend. «Das tut ja nichts, Miss Kent. Ich freue mich immer — das war heute ein aufregender Morgen!» «Ja.» «Sehr aufregend. Ich kann», sagte Mr. Bytheway ganz gekränkt, «meine Aufmerksamkeit nicht auf meine Marken konzentrieren. Jedesmal, wenn ich es versuche — ist die Polizei schon gekommen?» «Nein.» «Wenn sie kommen», sagte Mr. Bytheway fest — soweit eine Gallerte Festigkeit aufbringen kann — «will ich sie nicht sehen. Hermione hat sie holen lassen und sie kann — was ist das nur für ein Lärm?» Ganz in der Nähe hörte man ein dumpfes, klopfendes Geräusch. «Das», sagte Anne, «dürfte Mr. James sein.» Mr. Bytheways Gesicht umwölkte sich. «Ach ja. Versucht wohl herauszukommen. Wissen Sie, ich hätte nicht gedacht — aber man kann nie wissen, nicht wahr? Aber es schien so ein —» «Mr. Bytheway,» sagte Anne, «finden Sie, dass Mr. James in der Stiefelkammer sein soll?» Mr. Bytheway starrte sie an. «Aber er ist dort», erklärte er freundlich. «Nun, ich glaube, das ist sehr schlecht für ihn. Es ist doch keine Luft da drinnen. Wie, wenn er erstickt?» Mr. Bytheway lehnte es ab, sich so etwas vorzustellen. Schrecken stahl sich in seinen Blick, er packte sein Markenalbum und erhob sich. Die Möglichkeit des Erstickens seines Sekretärs war ein Thema, das er ablehnte. «Darüber kann ich nicht reden, Miss Kent. Hermione hat ihn in die Kammer hineingesteckt und ich kann unmöglich — übrigens kommt die Polizei bald und kann ihn herauslassen. Ich gehe auf mein Zimmer — all das ist wirklich sehr aufregend!» Er schlürfte zur Tür und war weg. Eine volle Minute stand Anne neben dem Schreibtisch und starrte vor sich hin. Dann seufzte sie, wandte sich ab und ging ziellos im Zimmer umher, dabei gedankenlos an den Kissen und Stühlen herumrichtend. Dann seufzte sie wieder, bewegte die Schultern, als wollte sie eine unsichtbare Last abwälzen, und ging langsam in die Halle hinaus. Wenn auch nur, um sich abzulenken, wollte sie zu Violet May gehen. Als sie die Halle betrat, hörte sie aus der Stiefelkammer, die neben der Bibliothek lag, ein metallisches Krachen, von verschiedenen Ausrufen nicht sänftiglicher Natur gefolgt. Mike war im Verlaufe einer vergeblichen Durchforschung seiner Zelle wieder über den Eimer gestolpert. Anne blieb stehen. Die Halle war leer, aus dem Salon kam ein schwaches Stimmengemurmel. Sie zögerte, biss sich auf die Lippen; dann ging sie rasch auf die Tür der Stiefelkammer zu und pochte leise. Die Stimme des Eingekerkerten erscholl. «Wenn sie diese verfluchte Tür nicht öffnen, werde ich —» «Still», sagte Anne in eindringlichem Flüsterton. «Mr. James, hören Sie mich?» Schweigen in der Stiefelkammer. Dann abermals die Stimme des Sekretärs, aber gedämpft und erstaunt. «Sind — sind Sie das?» «Ja», sagte Anne recht intelligent. «Ist es sehr ekelhaft da drinnen?» «Nun, im Ritz-Carlton war es bequemer.» «Können Sie ordentlich atmen?» «Kann ich was?» «Atmen!» «Atmen? Ach ja, danke. Ein bisschen dumpf, natürlich, aber — hören Sie, Anne — ah, Miss Kent — ich will Ihnen etwas —» «Hören Sie zu, Mr. James», sagte Anne schnell. «Es ist keine Zeit *zu verlieren. Ich werde Sie herauslassen.» «Was? Das ist ja — aber Sie können es nicht!» «Hören Sie, Mr. James. Ich gehe den Schlüssel holen. Ich werde mich so sehr als möglich beeilen.» «Wie? Schauen Sie -r» Aber Anne war schon gegangen. Sie wusste nicht, wie es kam, aber sie war nun fest entschlossen, den Gefangenen aus seiner Pein zu befreien. Sie konnte diesen Entschluss nicht einmal sich selbst erklären, sie wusste nur, dass der Sekretär ohne weiteren Aufschub freigelassen weräen musste. Dieser Fairlie hatte den Schlüssel zur Stiefelkammer und von ihm musste sie ihn erlangen. Aber wo war Fairlie? Sie hatte ihn nicht gesehen, seit er den Schlüssel einsteckte. Siestand am Fusse der Treppe, unschlüssig, wohin sie sich wenden solle, da öffnete sich die Salontür und die kleine schönangezogene Dame aus dem Zweisitzer trat in die Halle, von Fairlie selbst gefolgt. Anne schlüpfte schnell hinter eine Palme, deren es in jedem Haus, das Mrs. Bytheway bewohnte, mehrere zu geben pflegte. Ihre Angelegenheit mit Fairlie war privat und dringend, sie wollte lieber warten, bis er allein war. (Fortsetzung siehe Autler-Feierabend.)