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E_1928_Zeitung_Nr.094

E_1928_Zeitung_Nr.094

Ausgabe: Deutsche Schweiz* BERTI. Freilag, 9. liouemüer 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 9* ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUN6 Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und ffoitag - ;; Monatlich „Gelbe Liste** HalbjihrMeh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Recbnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Tfelegramm-Adresse: Autoreyue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Gta. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grösserp Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Erfreuliches und Unerfreuliches In seiner letzten Sitzung hatte der Aargauische Grossrat nochmals Stellung zu nehmen zum Dekret betreffend Ausbau der Strassen für den Automobilverkehr. Die Diskussion über die Zusatzanträge der Kommission, die in der Sitzung vom 12. September abgebrochen werden musste, wurde fortgesetzt. Eine Reihe regionaler Anträge wurde geltend gemacht. So wurde verlangt, dass die Strassenkorrektion bei Hendschikon ins Bauprogramm aufgenommen werde. Die Ortsverbindungsstrasse Hendschikon—Dottikon— Wohlen müsse staubfrei hergestellt werden. Von der Bötzbergstrasse wurde gewünscht, dass man die Schotterung durch Steinpflästerung ersetze. Die verschiedenen Zusatzanträge wurden Herrn Baudirektor Schmidt wohl etwas zu dick aufgetragen, so dass er den Ordnungsantrag stellte, der Rat möge vorerst dem Programm des Regierungsrates die Genehmigung erteilen und erst hernach auf die Zusatzanträge eintreten. Der Rat folgte dem Wunsche seines Baudirektors, und nach Antrag von Nationalrat Baumann wurde die Diskussion abgebrochen, um der Kommission nochmals Gelegenheit zu geben, sich zu den erwähnten Ergänzungs- und Abändelungsanträgen auszusprechen. * * • • Der am 12. November zusammentretende Bernische Grosse Rat wird u. a. auch die Frage eines Automobilamtes zu erledigen haben. Von den Direktionsgeschäften ist wohl die Genehmigung des Budgets pro 1929 das Wichtigste. Man weiss ja zur Genüge, wie die kantonalbernischen Steuerzahler gebettet sind. Der kantonale Voranschlag für 1929 schliesst ab mit 113,8 Millionen Franken Einnahmen und 116,7 Millionen Franken Ausgaben, so dass wiederum ein mutmassliches Defizit von rund 2,9 Millionen Franken aufgestellt wurde. Da bereits die Staatsrechnung von 1927 nur noch einen Rückschlag von rund 200 000 Franken aufwies und diejenige von 1928 noch besser abschliessen dürfte, ist wohl auch für den Kanton Bern die bis anhin chronische Defizitperiode zum Abschluss gebracht. Pro 1929 wird wiederum mit 33,37 Millionen Franken direkten Steuern gerechnet, wobei noch die Einnahmen an Gebühren mit 4,5 Millionen Fr. und diejenigen an Stempelsteuern mit 2,7 Millionen Fr. dazu kommein. Der Ertrag der Automobisteuern erscheint unter den Einnahmen der Baudirektion mit 2,7 Millionen,, ungefähr gleich demjenigen des Jahres 1927. Es ist jedoch in Anbetracht der auch im' Kanton Bern beständigen Zunahme an Automobilen mit einem weit höheren Betrag zu rechnen. Neben dieser Summe darf der Kanton Bern aus der Verteilung des Benzinzollviertels auf eine jährliche Totalquote von 698580 Franken rechnen. Mit einem Betrag von 3,4 Millionen Franken dürfte somit die bernische Baudirektion imstande sein, wenigstens den dringendsten Wünschen der Automobilisten Rechnung zu tragen. Auf alle Fälle darf damit gerechnet werden, dass dieser Betrag ausschliesslich zum Ausbau und Unterhalt der Strassen benützt wird. * * Die kleinen Ueberlandbahnen scheinen im Bundeshaus immer noch gute Vetter als Fürsprecher zu besitzen. Man will von der allein seligmachenden Monopolstellung der Bähnchen nicht abgehen. Deshalb wohl ist unser hoher Bundesrat dazu gekommen, das Gesuch um Konzessionierung einer Automobillinie Basel-Oberwil als nicht notwendig abzulehnen. Wenigstens ist die Begründung offen, die dahin lautet, dass die Autolinie ziemlich parallel zu der Birsigtalbahn verlaufen würde und diese damit unbedingt schädigen musste. Ein kleines Beispiel dafür, wie auch von oberster Stelle aus den staatlichen Einrichtungen gegenüber der freien gewerblichen Konkurrenz stets der Vorzug gegeben wird. Der Zeitpunkt wird doch kommen müssen, wo die Frage, wie weit der Staat in das wirtschaftliche Leben hineinrecken darf, wieder einmal grundsätzlich beantwortet werden muss. Das Automobil hat Zeit zu warten; es wird seinen Weg allein machen können... * * * Dafür hat der baslerische Regierungsrat den Bau einer Tramlinie nach Binningen grundsätzlich gutgeheissen. Allerdings scheint die Linienführung noch ziemlich Kopfzerbrechen machen zu wollen. Die einzige gute Linienführung, wie behauptet wird, ist diejenige vom Binninger Dorfausgang am Dorenbach nach der Margaretenstrasse hinüber. Für diese Tramführung benötigt es jedoch den Bau eines sogenannten «Dorenbachviaduktes», der allein auf 350 000 Franken zu stehen käme. Ob es nicht zweckdienlicher gewesen wäre, an Stelle einer neuen Linienführung den Autobusdienst einzuführen!? Die eidgenössischen Räte werden sich am 3. Dezember zur ersten Session der neuen Legislaturperiode zusammenfinden. Aus den uns besonders interessierenden Fragen ist vor allem die Verkehrsinitiative zu nennen, die zuerst durch den Ständerat besprochen werden wird. Es ist wohl ziemlich sicher, dass beide Räte sich der bundesrätlichen Auffassung anschliessen werden," die die Initiative zur Verwerfung empfiehlt. Es wird sich übrigens im Laufe der nächsten Monate bald zeigen, wieviel Freunde und Verfechter einer modernen Verkehrsordnung nun in den eidgenössischen Räten sitzen. K. Wertsteuer statt HP-Steuer. Das Problem in englischer Beleuchtung Ist unsere Automobilsteuer eine Luxussteuer oder eine Verkehrssteuer ? Fragen wir ein Mitglied der Behörden, die unsere Automobilsteuern entworfen und genehmigt haben, so wird er sich auf die Frage gar nicht einlassen, sondern unverfroren gestehen : Der Fiskus muss zu Geld kommen. Non ölet — der Modus ist nebensächlich, f In diesem Zugeständnis liegt die Wahrheit, dass die Automobilsteuer bei uns weder eine Luxussteuer noch eine Verkehrssteuer ist. Man kann nicht von Luxussteuer reden, wenn ein Wagen, der 5000 Franken kostet, mehr Steuer bezahlen muss als ein solcher, für den der Käufer das Dreifache aufgewendet hat, oder wenn ein 5000fränkiger Wagen bloss die Hälfte der Steuer bezahlt, mit der ein 60.000fränkiger belegt wird. Ebensowenig aber können wir bei der HP-Skala von einer Verkehrssteuer reden. Da die Abnützung der Strasse von der Zahl der gefahrenen Kilometer abhängt und daneben eine Funktion von Gewicht und Schnelligkeit ist, könnte eine Verkehrssteuer lediglich auf der Besteuerung von Brennstoff und Reifen beruhen. Dass der Besteuerung auf Grund des Zylinderinhalts jede innere Berechtigung abgeht, das sie ein Nonsens ist, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Diese Erkenntnis lag auch der Riesenpetition der englischen A.A.A. zugrunde, in der an Stelle der Besteuerung nach dem Zylinderinhalt die Betriebsstoffsteuer gefordert wurde. Die Petition in den Engländern schlecht bekommen, indem ihnen zur bereits bestehenden Besteuerung hinzu als Zusatz eine Benzinsteuer beschert wurde. Auffällig ist es nun, dass die englische Fachpresse eine Umwandlung der Steuer nach dem Zylindermhalt in eine Steuer nach dem Wert unbedingt glaubt ablehnen zu müssen. Für die Besteuerung nach dem Wert hat sich neulich kein geringerer als der Grossindustrielle Andre Citroen mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, mit dem Zusatz, dass jedes Jahr vom Wert des Wagens ein bestimmter Prozentsatz in Abzug zu bringen wäre,' wie ja auch in Deutschland sich die Steuer für alte Wagen von einem gewissen Jahrgang an reduziert. Das ganze System wird nun in einem Leitartikel des letzten Londoner «Motor» als praktisch undurchführbar erklärt, selbst dann, wenn man bloss die einmalige Preisfixierung ins Auge fasse. Ueberdies hätten die meisten Wagen eine höhere Steuer zu bezahlen als bei dem bisherigen Modus. Das wird anhand von praktischen Beispie-* len erläutert, wobei der in England am meisten verbreitete Wagen von 12 HP (nach unserer Rechnung 9 HP) als Basis genommen wird, für den jährlich in England 12 Pf. St. zu entrichten sind, was etwa vier Prozent des Wertes entspricht. Legt man nun allgemein diese vier Prozent zugrunde, so hätte der Hillmann 2 Pf. St. mehr als jetzt zu be* zahlen. Beim Rover betrüge das Plus 4 Pf. St., beim Star 7, beim Crossley 9, beim Sunbeani 11 und beim Rolls-Royce 58 Pf. St. ! Dem englischen Fiskus dürfte mit den dar-* aus resultierenden Mehreinnahmen nicht schlecht gedient sein. Nun aber kommt di^ Kehrseite! Der «Motor» stellt noch eine zweite Liste zusammen, die so instruktiv ist, dass wir sie hersetzen. In der ersten Ko-< lonne stehen die Ansätze nach der Wertbesteuerung, in der zweiten nach der HP-Be-« Steuerung und in der dritten die Differenz, •d. h. der Minderbetrag bei Ansetzung det Wertbesteuerung : Wertsteuer HP-iSteuer Differenz £ £ £ Chevrolet 10 22 12 ' Graham-Pcrige 20 24 4 Ford 8 15 7 Erskine 16 19 3 Falcon-Knight 16 21 5 Hupmobile 20 26 6 Jordan 20 28 8 Hudson 20 30 10 Nash 20 26 6 Overland Whippet 10 22 12 Reo 21 28 7 Willys-Knight 16 21 5 Mit andern Worten : sozusagen alle amerU kanischen Wagen würden meist ganz be-< trächtlich niedriger besteuert werden, wenn Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. 0. R. Bnrwn«. Copyright 1028 by Georg Müller, Verlas. München. (49. Fortsetzung) Denn Annne war genau eine Sekunde, bevor Mr. Cherry sich umwandte und sie bemerkte, zurückgetreten und hatte das Schwert von der Wand genommen. Es war ein Impuls und verlieh ihr erhöhte Sicherheit. Also bewaffnet, trat sie kühn in die Bibliothek undi Üem Feind entgegen. «Oalloh!» sagte Mr. Cherry überrascht. Anne packte das prinzliche Schwert fest mit beiden Händen und hob es empor, bis sich die Spitze vor Mr. Cherrys Brust befand, während sie den Kauf an ihre eigene drückte. «Geben Sie die Sachen zurück!», befahl sie strenge. Mr. Cherry fuhr zusammen. «Wie?»,, sagte er. «Legen Sie die Sachen zurück auf den Schreibtisch! Die Ringe und das Halsband und die Brosche. Sie sind in Ihrer Brusttasche.» Mr. Cherry fuhr wieder zusammen; denn er hatte nicht geahnt, dass sie ihn bei der Arbeit gesehen hatte. Etwas aus der Fassung gebracht, schaute er sie jetzt genau an. Er verdankte viel von seinen bisherigen Erfolgen seinem gänzlichen Mangel an Interesse für das weibliche Geschlecht, die er nur als Plünderungs-Objekte zu betrachten gewohnt war. Jetzt allerdings wünschte er, sich für dieses besondere Exemplar der Gattung mehr interessiert zu haben. Er hatte nur gewusst, dass sie im Hause war, sonst nichts. Jedenfalls hätte er sich nie träumen lassen, dass sie ihn einmal mit einem Schwert bedrohen würde. «Was soll das heissen?», fragte er gereizt. «Legen Sie die Sachen auf den Schreibtisch zurück.» Mr. Cherry runzelte die Stirn. Er hatte Eile fortzukommen, und dieses Spiel war nicht nach seinem Geschmack. «Sie wollen sich wohl ein wenig unterhalten,» sagte er, «aber ich habe es ziemlich eilig. Bitte, lassen Sie mich vorüber!» Er machte einen raschen Schritt vorwärts. Anne tat sofort das gleiche und die Spitze des Schwertes traf mit einem leichten Klingen auf den zweiten Knopf von Mr. Cherrys Weste. Er sprang schnell zurück. «Hören Sie.— '• begann er empört. «Legen Sie die Sachen auf den Schreibtisch zurück.» Eine lange Pause entstand!. Dann wandte sich Mr. Cherry und ging nachlässig auf die Fenstertür zu. Er hatte kaum zwei Schritte gemacht, als die Spitze des Schwertes ihn merklich zwischen den Hosenträgern stach. Er wirbelte mit einem zornien Ausruf herum. «Lassen Sie ab, hören Sie!», rief er wütend. «Lassen Sie!» «Legen Sie die Sachen auf den Schreibtisch zurück!» Mr. Cherry, der dieser Narretei müde war, trat schnell zur Seite und griff nach dem Schwert. Er erwischte es, aber wenn die 1 Scheide auch jetzt stumpfer war als in den Tagen des «Bonnie» Prinzen Charlie, war sie noch immer scharf genug, gewisse Dinge, wie z. B. Mr. Cherrys Hand, zu schneiden. Was sie auch tat. Er schrie auf und sprang weg, sich die zerschnittene Handfläche haltend. «Es wird gut sein, wenn Sie die Sachen auf den Schreibtisch zurücklegen», sagte Anne. Mr. Cherry warf ihr einen wütenden Blick zu. Seine Hand tat ihm beträchtlich weh und es war ihm ein wenig übel, denn wie viele mutige Menschen konnte er sein eigenes Blut nicht sehen. Ohne zu denken, tastete er nach seinem Taschentuch und riss es mit der Absicht heraus, die Wunde zu verbinden. Zwei Ringe, ein kleines Perlenhalsband und eine antike Brosche flogen durch die Luft in einen entfernten Winkel. «Also, jetzt haben Sie etwas Schönes angestellt,», sagte Anne, «denn ich kann die Sachen nicht bekommen, ohne von Ihnen wegzugehen und Sie können sie auch nicht kriegen, wenn ich nicht weggehe. Und wenn Sie versuchen, sich zu rühren, drücke ich zu und Sie sind an dy Wand aufgespiesst wie ein Käser. Ich will Sie ja nicht verletzen, aber wenn Sie sich rühren und verletzen sicli selbst, ist es nicht meine Schuld, nicht währ?» Mr. Cherry, der mit finsterem Gesicht seine Hand verband, musste die Richtigkeit dieser Darlegung anerkennen. Sein angstvoller Sprung hatte ihn mit dem Rücken an die Wand gebracht und Anne, die ihm sogleich folgte, berührte mit der Sptize des Schwertes seinen Westenknopf. Er hätte allerdings einen zweiten Versuch machen können, die Waffe zu ergreifen; aber er hatte recht wenig Luft dazu. Und wenn er sich rührte, riskierte er ein durchstochenes Zwerchfell. Auch tat ihm die Hand so weh, dass er au^ genblicklich an nichts anderes denken konnte. «Also was soll ich jetzt tun?» sagte Anne nachdenklich. Wenn ich mich wegrühre, ist es aus mit mir und wir können doch nicht den ganzen Ta —» «Warnung vor Taschendieben», sagte ein hohes, schrilles Stimmchen. Mr. Cherrys Blick flog zur Tür. Anne schaute sich beinahe, aber nicht ganz um, dann sprach sie, ohne die Augen von ihrem Opfer zu lassen. «Violet, mein Herz, komm her!» Miss Bytheway watschelte vor und betrachtete die beiden mit Interesse. «Es ist Zeit zur Stunde», sagte sie streng. «Was machen Sie da?» «Wir spielen ein wunderschönes Spiel, Liebling», sagte Anne etwas fieberhaft. Du kannst mitspielen, wenn du willst. Schau in den Winkel neben —>>_