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E_1928_Zeitung_Nr.095

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. f EFif, Dienstag, 13. november 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 95 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Encbtlnt Jeden Dlensta« and rrtUam Monatlich „Gtlbe Um" Halbjtbrllcb Fr, 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Anstand unter Portozuschlag, ••fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97. Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39JS4 •-" TMegrunm-Adreue: Autoren», Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder' deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; 10r Anzeigen ans dem Ausland 60 CtSr • Gröstere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer Randbemerkungen Am 2. Dezember findet eine Abstimmung statt, die für die Entwicklung des schweizerischen Fremdengewerbes von massgebender Bedeutung ist. Es handelt sich um die Wiedereinführung der Kursaalspiele und damit um die Aufrechterhaltung unserer Kursäle Letztere spielen zur Förderung unseres Fremdenverkehrs und damit zur Hebung unserer ganzen Volkswirtschaft eine bedeutende Rolle. Es wird ihnen nachgesprochen, dass der Betrieb der Unterhaltungsspiele eine Schädigung unserer Volksmoral bedeute. Wir halten dafür, dass diese Behauptung zu weit geht und dass unsere Kursäle keineswegs mit den verwerflichen ausländischen Spielbanken auf eine Linie gestellt werden dürfen. Ein Land wie die Schweiz, das durch den Fremdenverkehr jährlich seine rund 350 Millionen Franken zu buchen hat, die zur Deckung des Defizites unserer Handelsbilanz * wesentlich beitragen, kann sich nicht den Luxus leisten, sich diese Quelle durch ein etwas einseitiges Spielverbot versiegen zu lassen. . Die Verkehrsinitiative wird zweifellos vom Schicksal erreicht werden. Nachdem Bundesrat und die Kommissionen der beiden Räte dazu im ablehnenden Sinne Stellung genominen habei, werden auch die Räte selbst sich diesen Beschlüssen anschliessen. Es ist nur zu hoffen, dass das Geschäft bald behandelt werde, damit mit der Wiederaufnahme der Arbeit für ein neues eidgenössisches Automobilgesetz begonnen werden kann. Das in der nationalrätlichen Kommission eingebrachte Postulat, wonach nicht nur der Motorfahrverkehr, sondern auch der übrige Strassenverkehr in bestimmter Weise in die kommende Gesetzgebung mit einbezogen werden soll, bedeutet eine erste Abklärung der Lage. Man erinnere sich daran, dass im Parlamente seinerzeit das Recht des Bundes, weitere Vorschriften des Strassenverkehrs auf den Automobil- und Fahrradartikel der Bundesverfassung zu stützen, angefochten wurde. Der Bundesrat war anderer Auffassung und vertrat den Standpunkt, dass die von dem Artikel gewollte Verkehrsregelung derartige Vorschriften mit umfassen könne und müsse. Der Bundesrat unterlag, die Räte siegten mit ihrer engern Auffassung und unterlagen vor dem Volke. Das neue Postulat stellt sich nun wiederum auf den Boden des Bundesrates. Es ist zu hoffen, dass unterdessen das Parlament klüger geworden ist und sich dem Kommis- F E U I L L E T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman ran K. 0. R. Browne Copjrifht 1028 br Gaorg Maller. Verlag. München. (50. Fortsetzimg) sionspostulat nicht widersetzen werde. Der Weg zum neuen Automobilgesetz wäre damit geöffnet. * . * Im Frühjahr dieses Jahres ist im st. gallischen Grossen Rate eine Motion erheblich erklärt worden, die den Regierungsrat einlud, von sich aus die nötigen Massnahmen zur Bekämpfung der Gefahren und Belästigungen des zunehmenden Automobilverke"hrs zu ergreifen, oder dem Grossen Rate Bericht und Antrag über die einzuschlagenden Wege einzubringen. Vorgeschlagen wurden die Schaffung einer besonders ausgerüsteten Motorfahrzeug - Polizei, die Einführung des Nachtfahrverbotes und die Erhöhung der den Fahrzeuginhabern vorgeschriebenen Haftpflichtversicherung. In einem Bericht des st. gallischen Regierungsrates an den Grossen Rat äussert sich ersterer nun dahingehend, dass die Schaffung einer besonders ausgerüsteten Motorfahrzeug-Polizei vorläufig nicht am Platze, dass ein Nachtfahrverbot in einer neuen Vollziehungsverordnung vorgesehen und dass auch die Erhöhung der Haftpflichtversicherung im besagten Entwürfe bereits enthalten sei. Wir stehen also auch im Kanton St. Gallen vor einer kantonalen Automobil- Gesetzgebung. So wohl gemeint diese ist, so muss doch betont werden, dass nur eine schweizerische Regelung die berührenden Verkehrsfragen grosszügig und gerecht zu lösen vermag. Immerhin wollen wir gerne erwähnen, dass der st. gallische Entwurf zu einem neuen Verkehrsgesetz für. Motorfah-- zeuge das Resultat gemeinsamer Arbeit aller dabei interessierten Kreise, ist. Man kann sich somit andernorts das Vorgehen St. Gallens nur als Vorbild nehmen. • . • Die Basler Strassenbahnverwaltung hat letzte Woche mit den ersten Vorstudien der Pläne und Projekte für die künftigen Autobuslinien, die bereits vor einiger Zeit vom Vorsteher des Strassenbahnwesens in Aussicht gestellt waren, begonnen. Wir wünschen guten Erfolg. • • • Wie wir bereits in der' letzten Nummer mitteilten, hat der Bundesrat in Sachen Autobusbetrieb Basel-Oberwil «das freie Spiel der freien Kräfte» untersagt. Es besteht bereits ein wilder Autobusbetrieb von Binningen-Oberdorf nach der Basler Heuwage. Bemühungen sollen im Gange sein, diesen wilden Kurs in einen regelrechten mit genau festgesetztem Fahrplan zu verwandeln. Bei dieser Umorganisation stehen wahrlich keine Sie wartete einen Augenblick, bis sie ihren Atem wieder hatte, dann nahm sie den Schlüssel aus der Tasche und sperrte die Stiefelkammer auf. Ein Eimer fiel mit lautem Krach um, ein oder zwei Schuhe rollten heraus und Sir Michael Fairlie — staubig, mit wirrem Haar und einem Schuh in der Hand, der ihm gerade hinaufgefallen war — stolperte, geblendet, mit den Augen zwinkernd, heraus. «Oh, danke», sagte er mit etwas einfältiger Stimme. «Wie haben Sie den Schlü — guter Gott!» Er starrte wie gebannt auf das Schwert, das sie noch immer in der Hand hielt. Sein erschrekter Blick suchte den Leichnam. Plötzliche unbegreifliche Verwirrung befiel Anne. Sie wandte sich rasch ab und trug die Waffe an ihren Platz. «Ach», sagte sie hastig, «Sir Michael und ich und Violet —» Bei dem Klang seines eigenen Namens fuhr Mike heftig zusammen, all das Unrecht, das ihm geschehen, kam ihm wieder zum Bewusstsein. Sein Unterkiefer schob sich vor; im Begriff, die Faust zu ballen, entdeckte er den Schuh, den er noch immer geistesabwesend festhielt, und warf ihn leidenschaftlich von sich. «Wo ist er?» brüllte er. «Wo ist er?» «Sir Michael? In der Bibliothek. Aber —» «So, alle Wetter! rief Mike und tat einen Satz unter wütendem Knurren. Anne wandte sich und sah gerade noch durch das Fenster der Halle, wie Mr. Cherry über den Rasen lief. «Ach Gott!» sagte sie reuevoll, «ich habe die Fenstertür vergessen!» Sie eilte Mike nach, aber dieser flog wie der Wind, hatte schon die Hallentür aufgerissen und war verschwunden. Anne lief auf die Terrasse hinaus und blickte sich nach allen Seiten um, konnte aber weder den Verfolger noch den Verfolgten sehen. Während sie noch zögerte, glaubte sie in dem grossen Gartenhaus, das in einer entfernten Ecke des Rasenplatzes stand und sonst nur von Ohrwürmern und Schnecken benützt wurde, sich etwas bewegen zu sehen. Sie blickte unverwandt hin und wieder sah sie diese Bewegung; zweifellos war jemand drinnen. Der Gedanke kam ihr, dass der Flüchtling sich vielleicht dort der Verfolgung entzogen hatte und nun wartete, bis die Luft rein sei. Da sie Furcht nie kannte, ging sie rasch hin. Auf dem Rasen waren ihre Schritte unhörbar, sie kam zur Tür und schaute hinein. Im nächsten Augenblick fuhr sie mit einem kleinen Schrei der Ueberraschung zurück. Auf einer ländlichen Bank im Gartenhaus sass Mr. Harald Bytheway und vor ihm auf Interessen der Allgemeinheit auf dem Spiel. Ob sie von den höheren Instanzen dennoch sanktioniert werden wird ? Hoffentlich ja, denn sollte sich der Kurs nicht bewähren und das Publikum dafür kein Interesse zeigen, so wird er von sich aus wieder eingehen. Mag er sich aber zu halten, so ist damit zugleich auch das wirtschaftliche Bedürfnis dafür klar erwiesen und ein Verbot nicht mehr angebracht ~t. Rechtsfähigen Aus dem Bundesgericht. Unsere Vorschriften über den Strassenverkehr sind auf der Grundregel des Rechtsfahrens aufgebaut und wer auf der unrichtigen Seite der Strasse fährt, ist im Verschulden und wird bei Unfällen verantwortlich. Was soll aber Derjenige tun, dem ein vorschriftswidriger Linksfahrer entgegenfährt? Muss er auf der rechten Seite bleiben, auch wenn er damit einen Zusammenstoss riskiert oder berechtigt ihn das unvorsichtige Verhalten des andern, nach links auszuweichen? Diese Frage ist in einem vor Bundesgericht endgültig entschiedenen Schadenersatzprozesse gestellt worden und sowohl die kantonale Instanz als das Bundesgericht haben sie im ersteren Sinne beantwortet und es dem Autofahrer als Verschulden angerechnet, dass er es nicht auf einen Zusammenstoss ankommen Hess, sondern im letzten Augenblick nach links ausbog. ' Im Juli 1925 fuhr der Geschäftsreisende einer Läusanner Firma in seinem Auto auf der Strasse von Lausanne in der Richtung nach Moüdon. Aus der entgegengesetzten Richtung kam ihm ein Motorrad im Tempo von 50 km entgegen, welches vorschriftswidrig die linke Strassenseite innehielt, dem Motorwagen also auf derselben Seite der Strasse entgegenfuhr und auch noch keine Anstalten machte, nach rechts zu schwenken, als es sich dem Motorwagen näherte. Dieser, der, soweit der Hergang des Unfalles nachher festgestellt werden konnte, nicht auf der äussersten Rechten, sondern etwas näher der Strassenmitte zu fuhr, bog schliesslich etwas nach links ab, damit der Motorradfahrer auf der linken Seite Raum genug zum Vorbeifahren habe. Im gleichen kritischen Augenblick aber fuhr das Motorrad etwas nach rechts und stiess mit dem Wagen zusammen. Der Motorradfahrer wurde bei dem Zusammenstoss getötet. Nachdem ein gegen den Motorwagenführer eingeleiteter Strafprozess wegen fahrlässiger dem ländlichen Tisch stand Mrs. Bytheways geöffnete Schmuckkassette. «Oh», sagte Anne. Beim Klang dieser Stimme fuhr Harald krampfhaft zusammen und wandte ihr ein übel aussehendes Antlitz zu. Er erhob sich bald, aber die Knie versagten ihm und er fiel auf die Bank zurück. Ein paarmal öffnete er den Mund, brachte jedoch nur unverständliche gurgelnde Laute hervor. Einige Sekunden vergingen, während ihn Anne betrachtete; dann trat sie entschlossen in das Gartenhaus. Vor dem Funkeln ihrer Augen bebte Harald ängstlich zurück und stöhnte leise. «Nun?», sagte Anne. Tötung mit der Freisprechung des Angeklagten geendet hatte, erhoben die Hinterlassenen des getöteten Motorradfahrers — die Witwe und fünf minderjährige Kinder — ge« gen den Autofahrer Zivilklage auf Schadenersatz. Sie begründetet ihre Ansprüche damit, dass der Autofahrer unterlassen habe, bei der Kreuzung zu bremsen, dass er in der Strassenmitte gefahren sei und im letzten Augenblick durch sein Abbiegen nach links dem Motorradfahrer den Weg versperrt habe. Der beklagte Autofahrer hielt ihnen entgegen, er sei vorschriftsgemäss rechts gefahren und erst im letzten Augenblick nach links abgeschwenkt, weil das Motorrad hartnäckig die gleiche Seite der Strasse eingenommen habe. Das Waadtländer Kantonsgericht erblickt© im Abweichen des Beklagten von der rechten Strassenseite ein Verschulden, welches mit dem Unfall in ursächlichem Zusammenhang stehe, d'a es den Zusammenstoss mitbewirkt habe. Allerdings sei das Verschulden des verunglückten Motorradfahrers, weicher auf der linken Seite gefahren sei, schwerer zu bewerten; der Beklagte habe daher nur den dritten Teil des auf rund 42,000 Franken berechneten Schaden zu vergüten (rund 14,000 Franken). Der Beklagte sei bereits einmal wegen eines Unfalles bestraft worden und daher sei dessen Arbeitgeberin, welche sich nicht auf den von ihm vorgewiesenen Fahrausweis hätte verlassen sollen, mitverantwortlich; sie wurde solidarisch mit dem Autofahrer zu den 14,000 Franken Schadenersatz verurteilt. Im Bundesgericht (I. zivilr. Abteilung), aft welches sich beide Parteien wandten, herrschte Uebereinstimmung darüber, dass auch den Autofahrer ein Verschulden treffe, da dieser die rechte Strassenseite unter keinen Umständen, auch nicht angesichts der drohenden Gefahr eines Zusammenstosses, hätte aufgeben dürfen; gerade der Unfall beweise, dass mit dem Ausbiegen nach links die Gefahr nicht beschworen werde. Der Autofahrer hätte trotz des vorschriftswidrigen Verhaltens des entgegenkommenden Motorrades rechts bleiben und wenn nötig verlangsamen oder ganz anhalten sollen, womit der Zusammenstoss vermieden oder doch abgeschwächt 1 worden wäre. Ueber das Verhältnis des beidseitigen Verschuldens gingen die Meinungen auseinander. Einige Mitglieder des Gerichtshofes erachteten das Verschulden des Autofahrers als ebenso schwer wie dasjenige des Motorradfahrers, was eigentlich zum Zuspruch einer Entschädigung von Neunzehntes Kapitel. dley-Haus wurde nachgerade zu kompliziert. Sir Michael Fairlie, sechster Baron in der Mr. Cherry — darin Ministerpräsidenten, ar- Verwandten und der britischen Armee Ahnenfolge, schoss aus dem Haus wie diemen Kugel aus der Flinke, setzte in zwei Sprüngen über die Terrasse in einem über die Stufen und flog über den Rasen, seinem Stellvertreter nach. Beim Laufen schrie er: «He!» Mr. Cherry warf einen Blick über die Schulter und beschleunigte seinen Schritt. Mikens Gefangenschaft in der Stiefelkammer hatte nicht sehr lange gedauert, aber immerhin lange genug. Mit seiner jetzigen Ansicht über Mr. Cherry verglichen, waren seine früheren Gefühle für diesen Gentleman geradezu brüderliche zu nennen. Bei dem blossen Gedanken an ihn sah er rot und es schien ihm, als könne ihm das Leben kein Glück mehr bieten, ehe er nicht Mr. Cherry eingeholt und ihn so behandelt hatte, dass dieser Namenausborger sich künftig selbst in der Schlinge tragen musste. Er hatte nicht einmal Zeit, an Anne zu denken und was sie von einem Manne halten musste, der sich in ein© Stiefelkammer einsperren Hess. Mr. Cherry und die dringende Notwendigkeit, diesen Sportsman auszurotten, erfüllte seine Gedanken zum Ausschluss aller anderen. Die Jagd ging weiter. Mr. Cherry war in guter Kondition und lief tüchtig. Seine Niederlage der Gouvernante gegenüber hatte ihm klar gemacht, dass er, wenn überhaupt, sofort gehn müsse. Und er ging. Das Leben in Lin- unähnlich, wusste, wann er genug hatte. Ohne dem Hausherrn Lebewohl zu sagen, dem: Diener ein Trinkgeld zu geben oder auch nur seine Zahnbürste zu holen, Tannte er, wie von den Furien verfolgt. Nachdem er durch Mikes Zuruf erfahren hatte, dass ihm eine waschechte Furie auf den Fersen sei, fluchte er und erhöhte die Geschwindigkeit. Wenn er diesen Kerl nur abschütteln und sich im ländlichen Hertfordshire verlieren könnte, würde er seine nächsten Schritte mit Muss^ überlegen können. (Fortsetzung folgt.)