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E_1928_Zeitung_Nr.098

E_1928_Zeitung_Nr.098

Ausgabe: Detitsche Schweiz. l Frenep, 23. November 1928. 2t. Nummer 20 Jahrgang. — N° ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Fraltu Monatlich „Gelk* Halbjährlich Fr. 5.-, ifihrlicn Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, tolern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breltenralnstrasse 97, Ben» In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 3934 ' ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Die kantonalen Räte an der Arbeil Berner Strassenfragen F E U I L L E Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. Q. R. Browne. Copyright 1928 Jbr Georg M 011er. Verla*. Maschen. (53. Fortsetzung) Denn Mr. Gherry, der nun die Vergeltung vor sich sah, war aufgestanden und wollte einen letzten Versuch machen, obwohl er selbst nicht wusste, welcher Art. Nun versank er in endgültige Passivität, denn auch das menschliche Streben hat seine Grenzen. Das scharfe Auge des Gesetzes kehrte zu Mike zurück. «Und wer sind Sie wohl?» «Ich bin — oder war bis vor kurzem — Privatsekretär bei Mr. Herbert Bytheway von Lindley-Haus. Der kragenlose Herr, der wahrscheinlich Cherry heisst, war — auch bis vor kurzem — Gast von Lindley-Haus. Und was für ein Gast! Und dieser Herr hier ist Mr. Hicks, einer unserer ersten Restaurateure. Jetzt kennen wir uns alle.» «Wie? Lindley-Haus?», sagte der Sergeant. «Also das ist wieder komisch, denn gerade nach Lindley-Haus gehen wir. Ein Einbruch oder so etwas. Wir wären schon früher gekommen, aber Tom konnte seinen Helm nicht finden.» Er brütete eine Weile über alle diese «komischen» Dinge, dann sagte er: «Nun, am besten wird es sein, wenn Sie alle mit uns nach Lindley-Haus kommen. Es ist da verschiedenes aufzuklären, scheint mir. Wenn ich nicht sehr irre, wird der Bursche vom Hauptquartier in London gesucht.» Im bernischen Grossen Rat wurde letzter Tage die Motion Messerli betreffend den Ausbau der Haupt- und Verbindungsstrassen im Kanton Bern behandelt. Der Motionär, Grossrat Messerli, begründete in längeren Ausführungen die von ihm eingereichte Motion. Er wies dabei auf die Erhöhung des Automobilsteuererträgnisses seit 1924 hin und brachte damit den teilweise mangelhaften Zustand der Strassen in bezeichnende Parallele. Besonders rügte er den Mangel, dass einzelne Landesteile, die nicht an Hauptstrassen liegen, wie Oberland und Emmental, andern Landesteilen gegenüber zu kurz gekommen seien. Nicht ohne Grund hob er hervor, wie z. B. die Strassenstücke Frauenkappelen-Murten, Spiez - Interlaken und ein Teil der Luzerner Strecke, trotzdem sie im Bauprogramm vorgesehen seien, noch nicht renoviert wurden, obschon gerade im Oberland der Verkehr lawinenartig zunehme. Grossrat Messerli wünschte Aufschluss über die Verwendung des Anteils am eidgenössischen Benzinzoll und regte zudem die Aufnahme eines Anleihens von 10 bis 15 Millionen Franken an, damit das gesamte Strassenbauprogramm in beschleunigter Weise beendigt werden könnte. Der Motionär wurde in seiner Ansicht durch Herrn Grossrat Baumgartner unterstützt, der darauf hinwies, dass heute nur noch das Land, nicht die Stadt, unter den üblen Strassenzuständen zu leiden habe. Auch er betonte, dass die Benzinzollerträgnisse ganz der Strassenverbesserung zugewendet werden sollen. Grossrat Stucki in Steffisburg unterstützte ebenfalls die Motion und Grossrat Gnägi empfahl, in einem neuen Strassenbaugesetz die Grundsätze des Strassenbaues, namentlich die Verteilung der Lasten, genau zu umschreiben. Die Antwort des bernischen Baudirektors konnte nicht ganz befriedigen. Die Aufnahme eines Anleihens von zirka 12 Millionen Franken erheische zu grosse Summen für Zinse und Amortisationen und sei augenblicklich nicht zu begrüssen. Für eine beschleunigte Renovation jedoch stünden dem Staat die nötigen Mittel nicht zur Verfügung. Ein fertiges Strassenbaugesetz liege im Entwurf vor. Bevor aber an die Realisierung gedacht werden könne, müssten verschiedene Fragen auf eidgenössischem Boden erledigt werden und über die Erfahrungen im • modernen Strassenbau sich ein abgeschlossenes Urteil ergeben. Für die Verwendung des Benzinzollviertels wird die Regierung dem Rate eine besondere Vorlage unterbreiten. Die Motion Messerli wurde vom Rate erheblich erklärt und der Regierung zur Prüfung überwiesen. Wir wollen Herrn Grossrat Messerli für diese Initiative, als auch den andern Sprechern für ihre Unterstützung dankbar sein. Die Motion kam im rechten Augenblicke und ist wohl aus dem Eindruck heraus gestellt, worden, dass im Kanton Bern im Ausbau unseres Strassenwesens eine nicht erklärliche Retardierung eingetreten ist. Die vom Motionär angeführten Strassenstücke sind wirklich in einem derartigen Zustande, dass eine Renovation nicht mehr länger hinausgeschoben werden darf. Es geht dabei nicht mehr einzig um das Interesse des Automobilisten, sondern das ganze Landesinteresse steht im Spiel. Unterm 12. November 1928 unterbreitet der Regierungsrat des Kantons Luzeni dem Grossen Rate einen Gesetzesentwürf, betreffend den Verkehr mit Motorfahrzeugen im Kanton Luzern. Anlässlich der Beratung des Voranschlages für das Jahr 1928 war aus der Mitte des Grossen Rates die Anregung gemacht worden, den Gemeinden einen gewissen Anteil aus dem jährlichen Erträgnis der Automobilgebühren als Beitrag an die durch den Autoverkehr vermehrten Strassenkosten zuzuwenden. Es wurden im fernem drei Motionen gestellt, dahinzielend, die bestehenden Automobilvorschriften abzuändern. Die eine von Herrn Stadtrat Otto Kurzmeyer gestellte Motion bezweckt eine bessere Sicherstellung der Nachtruhe. Eine andere von Herrn Grossrat Josef Steiner verfolgt die gleiche Tendenz, möchte jedoch die Arbeits- «Das Hauptquartier kann unmöglich so ein Verlangen nach ihm haben wie ich», sagte Mike sehnsuchtsvoll. «Sie und Ihr Begleiter möchten uns wohl nicht drei Minuten lang den Rücken kehren und die Augen schliessen, wie?» «Was? Wozu das?» «Ich möchte ihm gute Ratschläge zuflüstern. Wenn ich fertig bin, können Sie dann die Reste haben.» Der Sergeant fand das als einen Angriff auf seine Würde und runzelte die Stirn. «Genug! Ich wünsche kein Gerede mehr. Wollen Sie gefälligst mit uns weitergehen.» Mike seufzte und warf seine letzte Hoffnung auf persönliche Rache über Bord. «Mir voran, Macduff», sagte er. «Mein Name ist Hopkins», sagte der Sergeant. «Sie da, kommen Sie!» Zwanzigstes Kapitel. Drei Personen standen auf der Terrasse von Lindley-Haus. Eine hatte einen Bart und grinste über das ganze Gesicht, die zweite hatte eine zerfetzte Hose und sah etwas verschämt drein und die dritte im eleganten englischen Kostüm sprach eben mit nachdenklichem Ausdruck: «Also du bist Michael!» Ihr Neffe errötete und nahm die Haltung eines Storches an, um sein verwüstetes Hosenbein hinter dem andern zu verstecken. «Jawohl», sagte er. Lady Fairlie musterte ihn kritisch. «Ich glaube,» sagte sie, «ich ziehe dich dem anderen vor. Er hatte hässliche Ohren.» «So unerwartete Anerkennung ist immer Dem Kanton Bern fallen vorerst als jährliche Subvention aus der Verteilung des Benzinzollviertels rund 700,000 Franken zu. Zusammen mit dem Ertrag der Automobilsteuern dürfte d.ie Summe wahrlich genügen, um mit der Instandstellung des bernischen Strassennetzes einen tüchtigen Schritt vorwärts zu machen. Wir sind dabei gespannt auf die regierurigsrätliche Vorlage betreffend die Verwendung des Benzinzollanteils. Unserer Ansicht nach gibt es hier nicht viel zu diskutieren. Alle Strassenbenützer haben das Recht, zu verlangen, dass die Erträgnisse des Benzinzollanteils voll und ganz für den Ausbau des Strassennetzes ihre Verwendung finden. Wir zweifeln nicht daran, dass auch der bernische Finanzminister, trotzdem er mit seinem Geldbeutel arg in der Klemme sitzt, diesen Standpunkt begreifen und sich ihm anschliessen wird. Ebenfalls ist zu hoffen, dass die Motion Messerli vom bernischen Regierungsrat beförderlichst behandelt und dass bereits in einer der nächsten Sessionen die Antwort hiezu vorliegen wird. Die Luzerner Neuregelung des Verkehrs zeit der Berufschauffeure zugleich regeln. Eine dritte Motion von Herrn Dr. A. Erni verlangt Massnahmen gegen die Strassenbeschädigungen durch Vollgummibereifung und wünscht Förderung der Pneubereifung. Der Luzernische Regierungsrat hat nun diese verschiedenen Begehren geprüft, einen ersten Entwurf den interessierten Verbänden (A. C. Sv T. C. S., Motorlastwagenverband, Motorradfahrerverband) zur Begutachtung zugestellt und versucht, den von diesen Verbänden geäusserten Wünschen und Anregungen nach Möglichkeit entgegenzukommen. Die Regierung hat sich dabei vollständig auf den Boden des bestehenden interkantonalen Automobilkonkordates vom 7. April 1914 und den nachherigen Abänderungen vom 16. Dezember 1920 und 29. Dezember 1921 gestellt und dabei den Beschlüssen der interkantonalen Polizeidirektorenkonrerenz nachgelebt. Wir wollen sofort feststellen, dass die ganze Vorlage des luzernischen Regierungsrates einen fortschrittlichen und weitsichtigen Geist atmet. Erfreulicherweise bringt der luzernische Regierungsrat der fortschreitenden Motorisierung der Strasse grösstes Verständnis entgegen. Vom richtigen Standpunkt ausgehend, dass das Strassen- und Motoriahrzeugwesen volkswirtschaftlich von grösster Bedeutung ist, sucht er dieses nach Möglichkeit zu fördern. Der luzernische Regierungs- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, Imseratensenluss 4 Tone vor Erscheinen der betreffenden Nommer rat hat sich in seinem GesetzesentwurT au? die allerdringlichsten Anträge beschränkt. In seiner Botschaft betont er ausdrücklich, dass eine eidgenössische Regelung des Automobilverkehrs angestrebt werden muss und dass es keinen Zweck habe, heute in allzu weitgehendem Masse über dieses Problem zu referieren, um durch allzu detaillierte kantonale, Gesetzesvorlagen der raschen Anhandnahme der bundesgesetzlichen Regelung Schwierigkeiten zu bereiten. Ein Standpunkt, den wir mit aller Wärme unterstreichen und der für, alle andern Kantonsregierungen, vorbildlich sein dürfte. Aus dem Gesetzesentwurf seien folgende, die Motorfahrzeugbesitzer besonders interessierende Punkte besonders erwähnt : Die neue Formel, Härten werden ausgeschaltet ! Der Kanton Luzern übernimmt für Berechnung der Pferdekräfte ebenfalls die Formel 0,4. Er schliesst sich damit allen andern schweizerischen Kantonen, mit Ausnahme von Solothurn und Nidwaiden, an. Für die Autokontrollen wird eine neue Organisation geschaffen. Im Gesetze selbst werden die Befugnisse des Regierungsrates festgelegt. Die Prüfungen der Motorfahrzeuge und der Motprfahrzeugführer werden im Sinne einer Verschärfung neu festgelegt. Es ist vorgesehen, dass die Motorfahrzeuge regelmässig nach Ablauf von drei Jahren neuerdings einer Prüfung unterzogen werden müssen. Motörfahrzeugführer, die ihre Fahrtätigkeit während zwei Jahren unterbrochen haben, müssen; neuerdings eine Prüfung bestehen. Bei der Erteilung der Fahrbewilligung wird die Aufbringung eines ärztlichen Ausweises nur dann verlangt, wenn bei der Automobilkontrolle oder dem Prüfungsexperten Zweifel bestehen, dass der Bewerber um die Führerbewilligung tatsächlich im Besitze der für das Fahren von Motorfahrzeugen uiierlässlichen geistigen und körperlichen Eigenschaften sich befindet. Während bis heute eine vorbestrafte Person von der Fahrbewilligung dauernd ausgeschlossen war, wird im § 8 des neuen Gesetzes diese Härte beseitigt, indem das Militär- und Polizeidepartement ermächtigt wird, unter gewissen Voraussetzungen auch an bestrafte Personen wieder Fahrbewilligungeu auszuteilen. Bereifung. Was die Bereifung anbetrifft, so wird'in § 9 bestimmt, dass Eisenbereifung nur in ganz willkommen», murmelte Mr. Moon. «Ich wollte, ich hätte das Gesicht dieses Kerls photographieren können, als er erfuhr, wer du bist, Mike. In meinem Leben habe ich nicht jemanden so betroffen gesehen.» «Apropos,» sagte Mike, «ein paar Sachen sind mir noch nicht ganz klar. Dieser Cherry stahl erst die Schmuckkassette, dann nahm ich sie und barg sie im Schirmständer. Aber wie sie von dort in das Geheimfach zurückgekommen ist, verstehe ich nicht.» Mr. Moon räusperte sich und begann eine Rede : «Niemand versteht es. Es wird allgemein geglaubt, dass du sie selbst zurückgestellt hast, dass dir aber deine Schamhaftigkeit verbietet, zu gestehen, du habest ein weibliches Schlafzimmer betreten. Ich selbst enthalte mich jeder Meinungsäusserung. Jedenfalls schert sich niemand darum; dann war doch die Geschichte mit Harald und so weiter. Die Hauptsache und ein Glück für dich war, dass sie überhaupt ins Geheimfach zurückgekommen ist.» «Und wann ist Harald in die Sache gekommen?» «Harald ist früh am nächsten Morgen aufgetreten», sagte Mr. Moon. «Unser erfinderischer Freund, der sich deinen Namen ausborgte und nun am Wege nach einem Orte ist, wo Namen gar nichts zu sagen haben, scheint mit Harald Poker gespielt zu haben, und zwar mehr als einmal.» «Sieht ihm ähnlich», warf Lady Fairlie eisig ein. Mr. Cherry hatte sie gröblich hintergangen, und Leute, die sie hintergingen, hatten keinen Anspruch mehr auf ihre Zuneigung. «Jung-Harald verjor», fuhr Mr. Moon fort. «Er verlor so beharrlich und so viel, dass er schliesslich ungefähr hundertsiebzehn Pfund schuldig war, die er nicht besass. Unser er-* finderischer Freund, der dieses Geld schon dringend gebraucht haben dürfte, setzte ihm die Daumenschrauben an und drohte ihm, wenn er nicht prompt bezahle, es seiner Mutter zu hinterbringen.» «Sieht ihm ähnlich», sagte Lady Fairlie. «Davor hatte Harald eine Heidenangst und! so verfiel er auf die glänzende Idee, sich die Kinkerlitzchen seiner Mutter beizubiegen und selbige zu versetzen. Und da kommst du itt die Sache, untüchtigster der Sekretäre. Aus irgendeinem Grund scheint dich Jung-Harald nicht zu lieben.» «Mich,» sagte Mike, «ich wüsste nicht —• doch ja, richtig. Ich habe ihn einmal dabei getroffen, wie er — oh —jemanden belästigte, und machte ihm Vorstellungen darüber. Das war's wohl.» «Zweifellos. Jedenfalls wollte er dir etwas antun und hat daher einen Teil der Beute in einen deiner Socken gesteckt.» «Alle Wetter!» «Aber da regte sich dann», fahr Mr Moon fort, «Jung-Haralds Gewissen. Kein Mensch ist ganz schlecht und Harald ist überhaupt nicht schlecht, sondern nur schlecht erzogen. Er hatte die Sachen gestohlen, aber damit seine Grenzen erreicht. Er brachte weder den Mut auf, sie zu versetzen, noch alles zu gestehen. Der Amateur-Einbrecher am