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E_1928_Zeitung_Nr.101

E_1928_Zeitung_Nr.101

Ausgabe: Deutsche Schweiz. FFFi*. rifwrr. a. De-emuer 1928. Nummer 20 CK 2* Jahrgang. — N° 101 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden Dienstag und Freitag Monatlich „(ielbe LUtt" Halbjährlich Fr. &.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Uero Ktern dicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postclwek-Hechmins M/414 Telephon Bollwerk 39.S4 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bens Jtktuelfes vom Tage . . . Angenommen! Am letzten Sonntag hat das Schweizervolk mit 290687 Ja gegen 269 108 Nein die Kursaal- Initiative, wornach die Kursäle den Spielbetrieb in gewissen Schranken wieder aufnehmen können, angenommen. 14,5 Stände haben sich dafür, 7,5 Stände dagegen ausgesprochen. Damit ist ein nicht gerade erfreulicher Streit um die Wiedereinführung der Kursaalspiele ausgestritten. An Uebertreibungen hat es in beiden Lagern nicht gefehlt und in der Hitze des Gefechtes ist manche Behauptung übers Ziel geschossen. Wie weit durch die Kursaalspiele die Moral berührt wird, wollen wir dahingestellt lassen. Wir haben so viel Glauben in unser Schweizervolk, dass wir optimistisch genug sind, anzunehmen, dass ob der wenigen Kursäle mit ihrem Spielbetrieb der Schweizer sich nicht die Seele aus dem Herzen wird reissen lassen. Zweifellos war die Frage um die Kursaalspiele mehr eine wirtschaftliche Frage. Von dieser Seite hat sie auch die Mehrheit unseres Volkes angepackt und darnach beantwortet. Die Kursäle sind ein Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs. Wir betonen ein Mittel. Aber ein solches, das gewiss auch bedeutend in die Wagschale fällt. Unser Fremdenverkehr jedoch ist in unserer Handelsbilanz ein grosser Aktivposten. Ihn zu vermehren, haben wir alle Ursache. So weit ist unser Volk glücklicherweise wirtschaftlich erzogen, dass es einzusehen beginnt, was heute überhaupt der Verkehr für das Blühen und Gedeihen unseres Landes bedeutet. Deshalb das Ja, über das man letzten Samstag jedenfalls noch nicht sicher sein konnte. Ein anderes Moment hat mitgespielt. Unser Volk ist im grossen und ganzen sehr langmütig. Es erträgt viel, bis es sich aufzulehnen beginnt. Vom Polizeistock jedoch hat es genug. Das Abstimmungsergebnis ist hierfür ein deutlicher Fingerzeig. Denken wir nur daran, was sich heute der Automobilist an Kontrollen, Verboten, Bevormundungen, Bussen, Schikanen usw. gefallen lassen muss. Einmal nimmt alles ein Ende. Es ist eine Seltenheit in der Geschichte der schweizerischen Abstimmungen, dass bestrittene Initiativen vom Souverän angenommen werden. Dass gerade die Kursaalinitiative Gnade fand, sollte für die Behörden wegweisend sein. In dieser Hinsicht geht die Bedeutung der Abstimmung über das eigentliche Objekt hinaus. Der Schweizer will aus dem Stadium der Verbote Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. I. Mit einem erleichterten Aufatmen verliess Bob Sagreve die « Alliance ». Keine Muskel hatte in seinem Gesicht gezuckt, als der Zollbeamte seine wenigen Habseligkeiten gemustert und einen prüfenden Blick in das dargebotene Visum geworfen. Mac Waigh, Irishman? Hatte der Beamte mit einem kleinen Lächeln gefragt. « Yes, sir, I'm Irishman! > « Allright; go on! » Bob lächelte, als er daran dachte. Er, ein Irländer. Der gute, dicke Mac wird schön geflucht haben, als er seinen Pass vorzeigen sollte. Sei es drum, er konnte nicht anders; damnet it! — Da war er nun in Old England. Was wollte er hier? Er wusste es nicht. Jedenfalls musste er aus den Staaten — der Boden brannte ihm drüben unter den Füssen. So hatte denn Bob Passage nach der alten Welt genommen. Und auf dem Schiff erfuhr er durch einen Zufall, dass man seine Abreise entdeckt und die Hafenbehörden auf seine Ankunft aufmerksam gemacht hatte. Bob behielt seinen kühlen und Gebote hinaus, er möchte wiederum mehr das freie Spiel der Kräfte walten lassen, er will wirtschaften und leben, ohne beständig den Blick des Polizeimannes hinter sich zu fühlen. Dies mögen die Herren im eidgenössischen Parlament bedenken, wenn sie an die Beratung des kommenden eidgenössischen Automobilgesetzes herangehen werden. Viele unnütze Debatten und eine kostspielige Abstimmung könnten alsdann dem Schweizervolk erspart bleiben. Das Abstimmungsergebnis ist eine schöne Solidaritätskundgebung des Schweizervolkes. Es wollte dem Hotelgewerbe und den damit verknüpften andern Gewerben, es wollte den Fremdenzentren helfen und ihnen ihre Existenz sichern. Es ist zu erwarten und zu hoffen, dass bei kommenden Abstimmungen über Verkehrsgesetze das Schweizervolk für vitale Landesinteressen die gleiche Bejahung aufbringen wird. Die Session eröffnet. Die Herren National- und Ständeräte haben gestern ihren Einzug ins Bundeshaus gehalten. Auf dem Bundespalaste flattern wiederum unsere Schweizerfahnen. Die Session ist eröffnet. Eine grosse Arbeit wartet den neubestellten Räten. U. a. wird die Ständeratskommission betreffend die Verkehrsinitiative noch zum Postulate der nationalrätlichen Kommission Stellung zu nehmen haben. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, dass sie sich der letztern anschliessen wird. Die Verkehrsliga hat in Abwesenheit ihres Präsidenten, Herrn Wunderli-Volkart, dem eidgenössischen Justizdepartement die Liste ihrer Minimalforderungen eingereicht und Artikel 30 nach den Bedürfnissen der Strassenbenützer formuliert. Sollte die Liga die Versicherung erhalten, dass ihre Minimalforderungen durch -den Bundesrat als auch durch die Bundesversammlung angenommen würden, so wäre damit der Zweck ihrer Vereinigung erfüllt und die Notwendigkeit einer Befürwortung der Initiative fiele dahin. Wir haben allen Grund anzunehmen, dass die Räte diesmal den Vorschlägen ihrer Kommission und des Bundesrates folgen werden und dass damit die freundschaftlichen Besprechungen zwischen den interessierten Verbänden und den massgebenden Behörden ihre Fortsetzung finden können. Damit würde die längst erwartete und längst wünschbare Verwirklichung einer eidgenössischen Verkehrsgesetzgebung um ein gut Stück näher gebracht. Kopf. Wenige Stunden vor der Landung waren die Papiere des Mister Mac Waigh, Fischhändler aus Dublin, in seinem Besitz. Der Zug brachte ihn von Southampton nach London. Bob Sagreve war bereit, den Kampf mit dem Leben neu aufzunehmen. II. Der Generaldirektor der World-Motor-Car- Company, Reginald Clifferton, kehrte nach stundenlangen, ermüdenden Konferenzen in vorgerückter Stunde nach seinem Heim zurück. Das war heute wieder ein heisser Tag gewesen. Der'Vorsitzende des Aufsichtsrates seiner Gesellschaft war wieder und immer wieder zu dem gleichen Thema zurückgekehrt: Die stärker und gefährlich werdende Konkurrenz der Henderson-Company. Clifferton war nervös geworden. « Aber ja doch, Herr Konsul, wir unterschätzen die Hendersons nicht, wir kennen ihre Vorzüge und sind über die Kräfte, die hinter ihnen stehen, genau unterrichtet, doch vorläufig — vorläufig wird die Konkurrenz unseren Vorsprung nicht einholen können — vorläufig nicht und für alle Zeiten nicht; das dürfen Sie mir glauben! » Doch war ihm bei diesen Worten nicht ganz wohl gewesen. Die Resultate bei dem Lord- Beccem-Rennen, bei dem zum erstenmal neben den Worlds auch zwei Henderson-Wagen teilgenommen hatten, teilgenommen und sich placieren konnten, gaben zu denken. Am Tage Ein Wunsch. Auch der Kanton Solothurn geht an die Neuregelung des Automobilverkehrs heran. Im Solothurner Kantonsrat, der vor einigen Tagen beieinander war, wurde eine Motion erheblich erklärt, die einen Gesetzesentwurf verlangt, in dem «die Fahrzeiten der Personen- und Lastautomobile für die Nachtzeit eine Begrenzung erfahren, die Belastung und Bereifung derselben zum Zwecke der Schonung der Strassen und Häuser vorgeschrieben und die Arbeitszeit der Chauffeure auf ein im Transportwesen übliches Mass begrenzt werden ». Also eine Motion, wie sie heute in allen Kantonen an der Tagesordnung ist und die sich von den andern in keiner Weise unterscheidet. Die Nachtfahrverbote und dergleichen spuken einmal in den Köpfen und dieser Spuk kann scheints nur noch mit gesetzlichen Bestimmungen gebannt werden. Hoffen wir, dass auch im Kanton Solothurn die Behandlung der ganzen Frage in loyaler und weitsichtiger Art und Weise behandelt wird. Herr Regierungsrat Dr. Schöpfer hat auf das Jahr 1929 eine neue Verordnung über den Motorrad- und Automobilverkehr in Aussicht gestellt, in der die angeschnittenen Fragen, gestützt auf die Beratungen der Polizeidirektorenkonferenz, eine, wie man heute so schön sagt, zeitgemässe Regelung finden- sollen. Erfreulicherweise haben andere Kanton«, wie vor allem Luzern, der angeschlagenen Route des Kantons Bern betreffend dem -Nachtfahrverbot nicht Folge gegeben. Wir • dürfen erwarten, dass dies auch für den Kanton Solothurn, in dem die Automobilsteuern von 50 000 Fr. im Jahre 1917 auf 564 000 Fr. im Jahre 1927 angeschwollen sind, der Fall sein wird. Man weiss auch, dass die Oltener Konferenz einiger Polizeidirektoren vom 17. Oktober dieses Jahres ganz entschieden vom bernischen Nachtfahrverbot Abstand genommen hat. Die massgebenden Regierungspersonen sind dort zur Ueberzeugung gelangt, dass der Erlass eines Nachtfahrverbotes kein notwendiges Bedürfnis sei, in Anbetracht, dass sich die konstruktiven Eigenschaften der Fahrzeuge ständig verbessern und dass es nicht angehe, anständigen Fahrzeugführern den Gebrauch ihrer Fahrzeuge zur Nachtzeit zu verbieten. So glauben wir annehmen zu dürfen, dass auch die zuständige Behörde des Kantons Solothurn sich nicht auf ein Verbot einlassen* wird, das wirtschaftliche Notwendigkeiten einfach umgeht und in schablonenhafter Weise im Winter den Verkehr von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens unterbindet. Wir INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit odef deren Raum 45 Cl». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seiteutnril. Inseraiensehlnss 4 Tafle »or Riwhelnen der betrefreniien Nnramer sind ebenfalls der Ansicht, dass der Nachtlärm auf ein erträgliches Mass zu reduzieren ist. Zur Erreichung des Zieles stehen jedoch andere Mittel zur Verfügung. Wir brauchen sie hier nicht einmal zu nennen. So wie wir die Solothurner kennen, werden sie sich in dieser Verkehrsfrage von den Bernern nicht imponieren lassen und ihr Automobilgesetz eher den Tendenzen der Luzerner anzupassen versuchen. K. Der zürcherische Motorfahrzeug- Verkehr im Lichte der Statistik. Das umfangreiche Material der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle über den Verkehr mit Motorfahrzeugen ist auch für das Jahr 1927 vom kantonalen statistischen Bureau wieder mit aller Sorgfalt und nach den verschiedensten Gesichtspunkten bearbeitet worden. Die Ergebnisse dieser umfassenden Bearbeitung sind soeben in einem Separatabdruck aus den Heften der statistischen Mitteilungen des Kantons publiziert worden und vermitteln einen interessanten Einblick in die Materie. Wir möchten freilich mit der Anerkennung für die Arbeit den Wunsch verbinden, dass die Ergebnisse den Interessenten nicht erst zur Kenntnis gebracht werden, wenn der Statistiker bald wieder an die Sichtung des Materials für das bereits abgelaufene. Jahr 1928 denken muss. Die kantonale Statistik hat nun, dank der ihr zur Verfügung gestellten Zählkarten, gleich wie das städtische statistische Amt, dte Möglichkeit gehabt, den effektiven Bestand der im Verkehr befindlichen Motorfahrzeuge zu ermitteln. Bekanntlich mussten früher beide Bureaus mit den Angaben über die Zahl der erteilten Verkehrsbewilligungen vorlieb nehmen, die aus den schon verschiedentlich angeführten Gründen kein absolut zuverlässiges Bild über den effektiven Bestand ergaben. Die durch Handänderung oder Ausserbetriebsetzung abgegangenen Fahrzeuge wurden nicht besonders ausgeschieden, sondern weiter mitgezählt und vergrösserten so künstlich den tatsächlichen Motorfahrzeugbestand. Nach den nunmehr bereinigten Unterlagen waren am Ende des Jahres 1927 im Kantonsgebiet 9401 Motorwagen und 4693 Motorräder verkehrsberechtigt. Wenn nur die Wagen in Betracht gezogen werden, dann entfiel in jenem Zeitpunkt auf jeden 59. Kantonseinwohner ein Fahrzeug. Nach Bau- und Benutzungsart verteilen sich die Wagen folgendermassen : Der Generaldirektor entliess an diesem Abend das Hauspersonal bald nach seiner Rückkehr. Er wollte heute allein sein, allein mit sich und seinen Gedanken. Von der Zofe hatte er gehört, dass das gnädige Fräulein in die Oper gefahren war. « Allein, Fräulein? » Das Fräulein hatte etwas mit der Antwort gezögert: « Nein — gnädiger Herr! > « So — mit wem? » « Mit Herrn Baron Korff. » Clifferton hatte abgewinkt: « Es ist gut, Betsy, Sie können gehen! > In tiefem Sinnen blieb er zurück. Von dem aufgetragenen Nachtmahl rührte er kaum et- nach dem grossen nationalen Rennen hatte was an. Mit langsamen Schritten durchmass Clifferton eingehende Aussprachen mit dener den weiten Raum — hin und her — hin und befähigtsten und bewährtesten Konstrukteuren des Unternehmens. Die Herren standen noch unter dem Eindruck der Henderson-Erfolge und fühlten sich in ihrem Ehrgeiz, in ihrer beruflichen Ehre getroffen. « Wir werden unsere dominierende Stellung behalten, Herr Generaldirektor,» hatte der Chefkonstrukteur mit Entschiedenheit gesagt, und er gab damit dem Empfinden aller Ausdruck. « Denken Sie daran, dass die grosse Zuverlässigkeitsprüfung unter internationaler Beteiligung bevorsteht, meine Herren. Das Land erwartet von uns die Wahrung seiner Interessen. Sie wissen, dass Henderson ausländischem Einfluss unterliegt! » — Eine EnfwxdcimtOa her. — Dieser Baron Korff • — « Korff — Korff», flüsterte er im Selbstgespräch, «Korff — hm — der Name deutet auf österreichischen Adel hin.» Er nahm sich vor, morgen darüber Ermittlungen anstellen zu lassen. —• Baron Korff war vor einiger Zeit in der Londoner Gesellschaft aufgetaucht, und da er über ausgezeichnete Empfehlungen verfügte, öffneten sich ihm die exklusivesten Häuser. Clifferton war mit dem Baron in einem feudalen Club bekannt geworden. Er erinnerte sich des Bekanntwerdens ganz genau. Man war in vergnügter Gesellschaft nach dem Theater in den Club gegangen und hatte nach dem Diner ein Spielchen begonnen. Der alte Lord Speath war bei der Partie, die beiden Britton, Lady Mcntportier, «la belle Claudine» vom Palace-Theater, zwei, drei andere Damen und Herren, und, ja, und der junge Henderson, William Henderson, dessen impertinentes Wesen ihm den ganzen Abend aufgefallen war. Und wie der Zufall es wollte, hatte Clifferton das Bargeld, das er bei sich hatte — einige hundert Pfund — just in dem Moment restlos verausgabt, als er bei einer Einzelpartie William Henderson zum Gegner hatte. Da war dieser Baron Korff, der das Spiel nur als Zuschauer verfolgt hatte, unauffällig an den Generaldirektor herangetreten und schob ihm einige grössere Noten in die Hand. « Machen Sie das Spiel, Clifferton,» hatte