Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.102

E_1928_Zeitung_Nr.102

Aus der vorstehenden

Aus der vorstehenden Aufstellung lässt sich ersehen, dass von den genannten Totaleinnahmen von Fr. 17,115,610.— der Grossteil, nämlich Fr. 14,948,458.—, auf die Erträgnisse aus den kantonalen Steuern auf Automobile und Motorräder entfällt, während Fr. 809,229 durch Einreise- und Alpenstrassentaxen und Fr. 1,357,922 durch andere Gebühren aus dem Motorfahrzeugverkehr (Ausstellung von Verkehrs- und Fahrbewilligungen, Gebühren für Fahrerprüfung etc.) beigesteuert wurden. Von den eigentlichen Motorfahrzeugsteuern (Fr. 14,948,458) entfällt also rund ein Viertel (Fr. 3,410,606) auf den Kanton Zürich, an zweiter Stelle folgt der Kanton Bern mit Fr. 2,402,418, an dritter Stelle der Kanton Genf mit Fr. 1,209,625.—, an vierter Stelle auffallenderweise — die Zahl der Motorfahrzeuge rechtfertigt diese gute Placierung keineswegs, sondern es ist dieselbe nur durch die Höhe der Steueransätze bedingt — der Kanton Aargau mit Fr. 1,103,050.—. Unter den «Millionen-Kantonen» figuriert als letzter Waadt mit Fr. 1,065,000. Welch lukratives Geschäft für die in Betracht kommenden acht Kantone die Einreiseund Bergstrassentaxen geworden sind, zeigen die diesbezüglichen Totaleinnahmen pro 1927 von Fr. 809,229, wovon etwas weniger als ein Drittel allein auf den Kanton Uri entfällt. Es ergibt sich hieraus recht deutlich, welch gewaltiges Ausmass in den letzten Jahren der Autotourismus angenommen hat, denn ca. 90 Prozent dieser Einnahmen aus diesen Sondertaxen entfallen von Autotourästen, die in den genannten Kantonen Toureniahrten ausgeführt haben. Der Posten von Fr. 1,357,922.— von Einnahmen aus andern Gebühren betr. den Motorfahrzeugverkehr lässt ersehen, dass die von den Kantonen verlangten Gebühren für Fahrprüfung, Abnahme der neu in den Verkehr kommenden Fahrzeuge, Ausstellung der Verkehrs- und Fahrbewilligungen etc., wohl ziemlich hoch bemessen sind und die damit verbundenen Ausgaben mehr als decken. Es ist wohl anzunehmen, dass die Ausgaben aller Kantone für ihre kantonalen Motorfahrzeugämter den Betrag von ca. Fr. 700.000.— kaum übersteigen und dass daher ein Abbau dieser Gebührenansätze sehr am Platze ist. Wenn man bedenkt, dass in einigen Kantonen für die jährliche Erneuerung der Fahrbewilligung Gebühren im Betrage von zehn Franken erhoben werden, ist es nicht verwunderlich, wenn die betreffenden Automobilistenvereinigungen mit Eingaben an ihre Regierungsbehörden um eine entsprechende Herabsetzung der bezüglichen Gebührenansätze gelangt sind. Der Kanton Bern -hat z. B. im Jahre 1927 an solchen Gebühren Fr. 476,489.50 vereinnahmt und kann einer solchen Abgabe wohl nicht mehr der Name Gebühr, sondern vielmehr einer verdeckten gegeben wer- zweiten Motorfahrzeugsteuer den. würde. Es ergäben sich aus diesen Zusammenstellungen äusserst interessante Resultate, die viel dazu beitragen könnten, bestehende unrichtige Informationen und Meinungen zu beseitigen. Unser Volk ist heute noch zu einem geringen Teile darüber aufgeklärt, welch grosse finanzielle Beiträge die Motorfahrzeugbesitzer Jahr für Jahr für Strassenbau und -unterhalt den 25 Kantonen zuführen und dass sie auf diese Weise eine mehr als ausreichende Gegenleistung für die erhöhte Beanspruchung des Strassennetzes vollbringen. Mit der sehr starken Zunahme der Einnahmen einzelner Kantone aus Automobilsteuern zwingt sich zudem auch die Frage auf, ob diese Beiträge heute im Verhältnis zu den Ausgaben dieser Kantone für Strassenunterhalt nicht bereits so hoch angestiegen sind, dass eine Herabsetzung der bezüglichen Steueransätze in Berücksichtigung gezogen werden sollte. Bekanntlich hat sich die nämliche Frage letztes Jahr auch in Grossbritannien gestellt, wo die Erträgnisse aus den Mo- Der Benzinzoll. Die schweizerischen Automobilisten haben somit den Kantonen im Jahre 1927 den sehr ansehnlichen Betrag von mehr als 17,000,000 Franken für Strassenbau und -unterhalt zugeführt. Damit ist jedoch ihre finanzielle Beihilfe an die Kantone noch nicht erschöpft, indem denselben noch die ziemlich ausgiebigen Beträge aus den Automobilbussen sowie nun neuerdings die Anteile aus dem Benzinzollertrag zukommen, und zwar geht dieser letztere Anteil der Kantone zurück auf die bezüglichen Betreffnisse aus den Benzinzolleinnahmen der Jahre 1925, 1926 und 1927. Die Einnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll betrugen: torfahrzeugsteuern 1925 Fr. 15,572,637.— 1926 « 16.677,929.— 1927 « 20,762,004.— Von diesen Einnahmen der Jahre 1925'27 kommen den Kantonen gemäss dem Bundesbeschluss vom 21. September 192S 25 Prozent zu, d. h. für das Jahr 1927 rund 5,190,500 IV. Zuckende Lichtbüschel flammten über dem «Palace-Theater», flammten, erloschen, flammten in immerwährendem Wechselspiel. « Vive la vie» mit « Ia belle Claudine» stand in grossen, feurigen Buchstaben über dem First. Unten, an den Kassen, in den Gängen, den Zugangsstrassen, drängte sich die Menge. Die Polizei hatte Mühe, die Wagenflut zu leiten. Premiere im « Palace ». Wochenlang vorher war die Oeffentlichkeit mit allen Mitteln modernster Reklamekunst auf die neue Revue neugierig gemacht worden. Eine nie gesehene, nicht zu überbietende Ausstattung wurde verheissen, Weltsensationen in Aussicht gestellt, ein Starensemble mit der schönen Claudine Bartheel an der Spitze aufgeboten. Von jeder Strassenecke grüsste der Kopf der schönen Tänzerin, die Zeitungen wussten von ihr piante Histörchen zu berichten, und sie selbst tat alles, ihre kapriziöse Person in das rechte Licht zu setzen. Keine Gesellschaft ohne «la belle Claudine », kein mondäner Klub ohne « la belle Claudine » — kein Zweifel, ihr Manager wusste, was er tat, Franken, wozu noch für den sich als notwendig gezeigten Ausgleich für die Gebirgskantone weitere Fr. 250,000.— aus dem Anteil des Bundes aus dem Benzinzoll kommen. Den Kantonen füessen somit aus den Benzinzoneinnahmen des Jahres 1927 total ca. 5,440,500 Franken zu, so dass sich die Totaleinnahmen der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr (inkl. Anteil am Benzinzollertrag, jedoch exkl. Automobilbussen) auf Fr. 22,556,110.— stellen dürften. Auch der nicht allzu automobilfreundlich eingestellte Bürger wird bei der Betrachtung dieser zahlenmässigen Angaben gestehen müssen, dass die Motorfahrzeugbesitzer bei den gegenwärtigen Ansätzen der Automobilsteuern einen sehr namhaften Beitrag an den Strassenbau- und -unterhalt der Kantone beisteuern und dass es sicherlich heute nicht mehr am Platze ist, die speziell auch von Seiten der Eisenbahninteressenten stets ins Treffen geführte Behauptung aufzustellen, dass die Automobilisten nur die gut ausgebauten Strassen in Anspruch nehmen, ohne irgendwie einen, entsprechenden, ausserordentlichen Beitrag für deren Benützung zu leisten. Die Totalausgaben der Kantone. Leider liegen heute noch keine Angaben über die Totalausgaben der Kantone für Strassenunterhalt im Jahre 1927 vor. Die Vereinigung Schweiz. Strassenfachmänner hat in sehr verdienstvoller Weise für die Jahre 1925 und 1926 bezügliche Aufstellungen herausgegeben und stellten sich z. B. für das Jahr 1926 die Totalausgaben für Strassenunterhalt aller 25 Kantone auf ca. 22,250,000 Franken, wozu noch Fr. 21,800,000.— für Strassenverbesserungen kamen. Es ist wohl anzunehmen, dass auch diese Zahlen im Hinblick auf den gesteigerten Verkehr pro 1927 noch eine Zunahme von ca. Fr. 2,500.000 erfahren haben, doch zeigen die Einnahmen der Kautone aus dem Motorfahrzeugverkehr, dass die Motorfahrzeugbesitzer alljährlich einen sehr ansehnlichen Tribut an den reinen Strassenunterhalt der Kantone entrichten, der wohl für das Jahr 1927 ca. 70 bis 75 Prozent ausmachen dürfte. Ein Wunsch. Es wäre sehr zu begrüssen, wenn das Eidgenössische Statistische Amt in seine alljährlichen, statistischen Aufstellungen über den Motorfahrzeugverkehr auch eine Zusammenstellung über die Einnahmen der Kantone aus dem Motorfahrzeugverkehr und deren Ausgaben für Strassenunterhalt aufnehmen so stark angeschwollen sind, dass nicht nur sämtliche Ausgaben des Staates für Strassenbau und -unterhalt daraus befriedigt werden konnten, sondern dass der englische Staat nicht mehr wusste, was er mit dem bezüglichen Ueberschuss anfangen soll. Diese Konstatierung hat damals in England zu einer Eingabe der Automobilistenwarum er «la belle Claudine » von Vergnügen zu Vergnügen hetzte. Die Erwartungen des Publikums wareu am Premierentage aufs höchste gestiegen. Lange zuvor war das Theater ausverkauft; die letzten Karten wurden zu Phantasiepreisen gehandelt. Langsam begann sich das Theater zu füllen. Premierenstimmung lag über den Massen, die in grosser Toilette die Ränge, die Logen, das Parkett geräuschvoll einnahmen. Hinter der Bühne herrschte die gleiche Erregung. Der Inspizient, der Bühnenmeister, das übrige technische und künstlerische Personal standen, eilten, bildeten Gruppen, griffen hier und dort ein, eilten weiter — allgemeine Nervosität hatte alle ergriffen. Da, endlich das erste, langanhaltende Klingelzeichen. Der Lärm im Zuschauerraum verklang, Stühle klappten, Lichter erloschen. Das zweite Klingelzeichen. Das dritte Klingelzeichen. Rauschend setzte das Orchester ein; die Spannung wich. Der Vorhang teilte sich. (Fortsetzung folgt.) AUTOMOBIL-RFVUE 2R _ *T* 103 Vereinigungen für Herabsetzung der Automobilsteuern geführt, wobei noch erwähnt sei, dass Grossbritannien heute wohl über das best ausgebaute Strassennetz verfügt. Vielleicht bedarf es nur noch weniger Jahre und man wird auch in der Schweiz soweit sein. Bis dahin möge man sich vor Augen halten, welch grosse, ausserordentliche Beiträge die Motorfahrzeugbesitzer alljährlich den Kantonen in Form von Steuern, Durchfahrtsgebühren, Autobussen, Schreibgebühren etc. zuführen und man wird im Ernste nicht mehr den Vorwurf erheben können, dass die Automobilisten in ungenügender Weise zum Unterhalt unseres Strassennetzes beitragen. Die Strassenverkehrsinitiative Der Ständerat lehnt ab! In der Donnerstag-Sitzung gelangte die am 11. Oktober 1927 von der Strassen Verkehrsliga in Zürich eingereichte Volksinitiative über die Neuregelung des Strassenverkehrs im Ständerat zur Behandlung. Namens der Kommission sprach Stünderat Suter. Er formulierte die Erklärung, dass das Volksbegehren in der vorliegenden Form von der Kommission einstimmig abgelehnt werde. Von Wichtigkeit ist indessen seine Aeusserun;;, dass ein Verkehrsgesetz nötig sei, das auch Pflichten für Fussgänger und Fuhrwerke anerkenne. Suter gab dem Wunsche Ausdruck, der Bundesrat möge ein neues Verkehrsgesetz in diesem Sinne ausarbeiten. Darauf OBschloss der Rat einstimmig, dem Volke und den Ständen die Verwerfung der Strassenverkehrs-lnitiative zu beantragen. Die Kommission stellte, im Einklang mit der naüonalrätlichen Kommission, folgende Motion : «Der Bundesrat wird eingeladen, auf der Grundlage des Artikels 37 bis B. V. einen Gesetzesentwurf vorzulegen, welcher Es war ein glücklicher Gedanke des Vorstandes des A C S. Bern, den kintonalen Baudirektor über diese Frage aa eirer öffeutliohen Versammlung sprechen zu lassen, zu welcher nicht nur die Mitglieder des A. C. S., sondern auch diejenigen des T. G. S., der ASPA, der U M B., des M. C. des Radfahrerbundes, sowie auch die Mitglieder der Untersaktionen Emmental, Seeland-Jura und Les Rangiers eingeladen worden waren. So konnte denn letzten Montagabend der rührige Präsident der Berner Sektion, Herr Dr. Mende, eine groase Zubörerzahl im Uebungssaal des Kasinos besrüssen. Ganz besonders hauen es Sich dia ländlichen Sektionen des A C. S L. oht entgehen lassen, ihre Delegierten nach Bern abzusenden In seiner Eröffnungsansprache betonte der Vorsitzende, dass, wenn auch im Strassenbau bis heute bereits viel getan worden sei, es doch ein weiterer Schritt bis zur Vollendung benötige und dass es beinahe den Anschein erweckt hätte, ala ob im grosszägig begonnenen Strassenausbau ein Stillstand eingetreten wäre, gegen den sich die Automobilisten im Interesse aller Strassenbenützer nicht passiv verhalten dürften. Ob dieser Stillstand nur ein scheinbarer sei oder nicht, darüber werde der Vortrag am besten Aufsohluss geben können. Der bernische Baudirektor, Regierungsrat Bösiger, hatte sich zu seinem Vortrage mit einem gewichtigen Materal versehen. An den Wänden prangten verschiedene Karten und Tabellen, die über das bisher Geleistete wertvollen Aufschluss gaben und die Einblick gewährten in die grossen Kosten der heutigen modernen Strassenibauten. In trefflicher Art und Weise verstand es der Vortragende, das Büd durch das Wort zu ergänzen. Die Zuhörer erhielten einen klaren Einblick in dasjenige, was der Kanton Bern bis heute für seine Slrassen geleistet und was die Baudirektion im Jahre 1929 diesbezüglich noch zu leisten gedenkt. Das Arbeitsprogramm in den letzten Jahren stützte sich auf das vom Grossen Rate angenommene Strassenbauprogramm vom März 1924. Es betraf dies ein Strassennetz von 700 km mit einer Kostenberechnung von 16 Millionen Franken. Davon konnten ausgeführt werden an Hauptdurchgangsstrassen: Die ganze Strecke Neuen.burg-Biel- Solotburn-Olten und Teüstücke der Strecken Delie- Pruntrut-Les Rangiers - Delsberg - Basel, Delsberg- Münster - BieJ - Bern - Thun - Spiez - Interlaken, Murten - Bern - Langnau - Lazern, Freiburg - Bern- Zürichstrasse und Neuenburg-Bernstraose über Zihlbrüoke-Ias-Müntochemier Es betrifft dies total 265 Kilometer mit einem Totalkostenaufwand von 11,9 Millionen Franken Für die Herstellung und den Ausbau von Hauptverbindimgsstrasseu wurden 2,5 Millionen Franken verwendet und von den 336 km 70 km lnstandgesetzt Daneben kam auch der Ausbau von Nebenstrassen in Frage, wofür ein Spezialkredit von 1,6 Millionen Franken gewährt warde, die für die Instandstellung von 45 km ausreichten and zu dessen Verzinsung und Amortisation die Automobilsteuer im Betrage von 200.000 Franken verwendet wurde. Die dem Strassen Programm zugrunde gelegte Berechnung erwies sich teilweise als zu optimistisch, da mit dem Fortschreiten der Technik auch die Fahrbahnen besser ausgebaut wurden und da es sich zeigte, dass der Unterhalt der Strassen nach dem neuzeitlichen System teurer zu stehen kommt, als der Unterhalt der alten Landstrasse Der gegenwärtige Kostenaufwand für Strassenkorrektionen und Strassenbau beträgt jährlich durchschnittlich 6,5 Millionen Franken, wobei zu erwähnen ist, dass im Jahre 1928 tatsächlich die Ausgaben um 200.000 Franken hinter den letztjährigen zurückbleiben. Regierungsrat Bösiger vertritt die Ansiebt, dass die Baudire&tion alles getan, was mit den vorhandenen Mitteln getan werden konnte. Der Umfang der Arbeiten benötigte einzis an Material 117.600 com Kies und Sand, zu deren Beschaffung es einen Eisenbahnzug von 100 km Länge oder 33,600 Lastautomobile benötigte. Unter s. die Verkehrsregelung auf alle Strassenbenützer erstreckt, in dem Umfange, als ein Zusammenhang mit der Strassenbenützir 1 .?' durch Automobile und Fahrräder besteht»; Ständerat Brügger verlangte darauf cir.e Ergänzung der Motion in dem Sinne, da:s der Gesetzesentwurf auch die Haftpflicht ier, Automobilisten regeln solle. Bundesrat Häberlin sprach die Ansicht aus, dass der feste Entschluss des Parlamentes, ein neues Gesetz im Sinne der Motion aus« zuarbeiten, selbst die heutigen Befürworter der Strassenverkehrs-Initiative veranlassen werde, dieselbe fallen zu lassen.*Die Motion dürfe aber nicht wiederum beschwert werden, weshalb er Ständerat Brügger ersuche, seinen Antrag zurückzuziehen. Er könne verstehen, dass der Gesetzesentwurf den Haftpfücntbestimmungen Rechnung trage. Bundesrat Häberlin gab dieser Versicherung durch einen derb-schweizerischen Handschlag besonderen Nachdruck. Brügger zog den Antrag zurück. Der gesamte Rat billigte darauf, die Motion. Abgelehnt! Was zu erwarten war, ist e : n- getroffen. Nach dem Ständerat wird auch d^r Nationalrat kaum in anderem Sinne entscheiden. Das letzte Wort hat natürlich das Volk. Aber auch wenn es zur Ablehnung durch rin Souverän kommen sollte, v.ird die Initiati/e doch, wie dies die Worte, welche im Ständerat gefallen sind, klar und deutlich zum \us-> druck bringen, die Erkenntnis geweckt hahüti für die dringende Forderung, alle Strasssnbenützer vor dem Gesetze gleich, d. h. nicht nur den Automobilisten, sondern auch den Fussgänger und Fuhrmann, unter den sleichen Scheffel zu stellen. Wir Automobilisten haben uns schon einmal mit Versprechungen abspeisen lassen, die in letzter Stunde nicit in Erfüllung gingen. Es wird vielleicht j?ut sein, zur gegebenen Stunde auf die Ausführungen von Bundesrat Häberlin und Ständer-.t Suter in der gestrigen Sitzung hinzuweisen. Das bernische Sfrassenbauprogramm 1929, Regierungsrat Bösiger spricht im A. C. S. Bern. den unvorhergesehenen Arbeiten ist ebenfalls die internationale Strasse längs der Lützel zu erwähnen, die nach einem Abkommen mit Frankreich erstellt wurde und wobei die Kosten von 1.300,000 Franken der Schweiz zur Hälfte überbürdet wurden, welch letztere wiederum vom Kanton Solothura zu einem Drittel und vom Kanton Bern zu zwei Drittel übernommen werden mussten. In diesem Zusammenhang kam Heir Regierungsiat Bösiger auch kurz auf die planierte Automobilstrasse Bern—Thun zu sprechen, deren Ausbau er sehr sympathisch, gegenübersteht. Er hofft, dass die Strasse gebaut werden kann und die Rentabiliätsfrage durch dio entsprechenden Betriebsergebnisse gelöst werden könne. Der bernisehe Regierungsrat ist im Begriff, für das Trace-Abstecken die Bewilligung zu erteilen, vorbehaltlich natürlich der Genehmigung durch den Grossen Rat. Auch die gewaltige Verkehrsentwicklung wurde von seilen des Referenten berührt Wir können für diesmal wohl die statistischen Zahlen umgehen, da unsere Leser aber dieses Thema genügend orientiert sein dürftea. Atisblick. Recht interessant ist der Ausblick, den uns Herr Regierungsrat Bösiger gegeben hat. Es sind dabei aus dem Munde des bernischen Bau- und Eisenbahndirektors Worte gefallen, die all das vollinhaltliche bestätigen, was die «Automobil-Revue» seit Jahren verfochten bat. Auch der bernische Eisenbahndirektor betrachtet das Motorfahrzeug heute als unentbehrlichen Förderer des Geschäfts- und Wirtschaftslebens. Da der Verkehr eine ungeahnte Steigerung erfahren hat. die Abnützung der Strassen im gleichen VerhäJtnisse wächst, die Anpassung der Strassen aber an den Verkehr unbedingt notwendig wird, ist es dringend nötig .dass ein beschleunigter Strassenbau einsetzt. Dazu braucht es allerdings grosser Mittel, die dem Kanton Bern nur in beschränktem Masse zur Verfügung stehen. Auf Grund verschiedener Berechnungen zeigte Herr Regierungsrat Bösiger warum für den weitern Stras'Senausbau kein Anleihen in Frage kommen kann Die 600,000 Franken, die jährlich dem Kanlon Bern aus den erhöhten Benzinzollbeiträgen zufliessen, müssten bei einem 12 Millionen-Anleihen einzig zur Zinsendeckung verwendet werden, wobei die Frage dur Amortisationen noch nicht gelöst wäre und der Zinsferlust sich in Millionen belaufen würde. Herr Bösiger hält es deshalb für zweckdienlicher, wenn auf dem einmal bescbrittpn-=>a Wege weitergefahren wird und dafür die Erträgnisse des Benzinzolles voll und qanz für den Ausbau des bernischen S'rassenneizes verwendet werden. Die 2.8 bis 2.9 Millionen Franken, die aus dem Benzinzoll der Jahre 1925—1928 den Kantonen zufliessen. sollen derart verwendet werden. das9 2 Millionen für den besrhleunigten Strassenbau und 800,000 Franken zur Tilgunq des Vorschusses aus dem Jahre 1924 zur Verwendung kommen sollen. Die 200.000 Franken Autogobühren sollen dabei selbstverständlich ebenfalls zum Strassenausbau und Strassenunterhalt verwpndet werden. Der bernische Resrieningsrat hat diesem Vprteilungsmndl'is bereits seine Zustimmung gegeben. Was nach dem Jahre 1929 geschehen soll, wurde vom Resriernngsrat noch nicht beraten. Die Fra

102 — Eine berechtigte Forderung. Was die Unterstützung der Gemeinden durch Beiträge aus dem Benzinzoll anbelangt, so erinnert Herr Baudiroktor Bösiger daran, dass die Verwendung dieser Beiträge an gesetzliche Bestimmungen gebunden ist und dass deshalb eine entsprechende Snbventionierung der Gemeinden nicht in Frage kommen könne. Nach Ansicht des Baudirektora — lind es ist dies auch die unsrige — sollte aber den Kantonen nicht nur ein Viertel, sondern ein Zweifel der Benzinzollsteuer-Erträge zufliessen. Das war auch der Vorschlag des bernischen Baudirektors, dem sich die kantonalen Baudirektoren anschlössen. Leider ist er nicht durchgedrungen. Dieses Postulat muss aber unbedingt wieder aufgenommen werden; dann könnte auch den Gemeinden zum Unterhalte ihrer Strassen etwas zugehalten werden Einige andere Tagesfragen. Der fc'are Vortrag, dem die Anwesenden mit Interesse folgten, wurde mit grossem Beifall aufgenommen und \om Vorsitzenden. Herrn Dr. Nlende, wärmstens verdankt. Eine Diskussion fand nicht utatt. Der Vorsitzende hielt sie für überflüssig. Dagegen machte er selbst darauf aufmerksam, dass durch vermehrte Strassenbauten auch die Frage der Strassensperren akuter werde. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Strassen nicht ganz, sondern nur halbwegs gesperrt würden und wies mit Nachdruck darauf hin, dass wenn sich die Automobilisten nicht ganz zufrieden geben könnten, dies einzig im Interesse des Kantons Bern und aller seiner Strassenbenützer Hege. Den Einwand, es sei für Automobilisten zu viel getan worden, wies er als nicht stichhaltig zurück, indem er betonte, dass die angegebenen Summen für den Strassenbau nicht nur einer Volksschicht, sondern der ganzen Allgemeinheit zugute kommen. Kleinlich und sinnlos sei es, sich gegen das Auto stellen zu wollen. Mit der freien Bahn für das Automobil sei allen geholfen. Ebenso begrüsste er die Schaffung eines Automobilamtes, das grosse Vorteile in sich bergen werde. Das jetzige Bureau entspreche nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Es sei dabei nach seiner Meinung selbstverständlich, dass dieses Automobilamt derjenigen Stelle unterstellt werde, die den Ausbau des Stra-ssennetzcs besorgt, d. h. der ßaudirektiön Die Regierung des Strassenverkehrs solle nicht mehr der kantonalen Polizei, sondern eben der zuständigen Behörde unterstellt werden. Die Zurückstellung des Projektes sei zu begrüssen. Wertvoller als ein Antomobilamt wäre ein Verkehrsamt, das unter der Leitung des kantonalen Baudirektors ganze Arbeit leisten könnte. Gegen die geheimen Kontrollen. Heir Dr. Mende benützte damit im Zusammenhang den Anlass, um sich mit aller Deutlichkeit gegen die geheimen Kontrollen auszusprechen. Die Behauptung, die Kontrollen würden im Kanton Bern nur noch von uniformierten Polizisten ausgeübt, stimme leider mit der Praxis nicht überein. Wenn dio diesbezüglichen Verhältnisse nicht bald aufhörten, gehe der Kanton Bern neuerdings der Erniedrigung eines Boykottes entgegen. Die Boykottandrohung kon.me nicht aus bern. Automobilistenkreisen, sondern von aussen; die Drohung werde immer deutlicher und verständlicher Was im Kanton Bern nicht möglich zu sein scheint, ist in andern Kantonen längst zäun Usus geworden. Der Kanton Luzern hat beispielsweise die versteckten Kontrollen verboten. Dieses Verbot beweist Weitblick und vernünftiges Denken, kann doch durch eine offene Kontrolle das erzieherische Moment weit besser wirken und die Gefahren der Strasse vermindern. In ritterlicher Art übernimmt Regierungsrat Böslger die Verteidigung der Polizeidirektion und ihrer Organe. Er weist auf dio schwierigen Aufgaben der Polizei hin. Nach Aussagen des kantonalen Polizeihau-ptmanns habe man versucht, die geheimen Kontrollen aufzugeben. Der Versuch sei gescheitert. weil sich «die Abenteurer im Automobil» darüber einfach lustig gemacht hätten und der verdienten Strafe gewöhnlich entschlüpft seien. Es werde nur zn oft mit Unrecht über das Verhalten der Polizeidirektion gescholten, was auch der jüngste Fall bei Niederbipp wieder klar beweise. In seinem Schluss- •wort betonte der Vorsitzende. Herr Dr Mande, nochmals, dass die versteckten Kontrollen des Kantons Bern unwürdig seien und dass es höchste Zeit sei, durch Absrhiff'ing der geheimen Kontrollen den drohenden Boykott zu verhindern. Damit war die Versammlung geschlossen. Unsere Erwartungen. JJM gros?er Befriedigung werden die Strassenibenützer und Steuerzahler vom bernischen Baiiprogramm des Jaihres lf)29 Kenntnis nehmen. Es beweist, da-ss tatsächlich auch im Kanton Bern für das Strassenwesen weiterhin etwas getan werden soll. Wir begreifen sehr wohl, dass in Anbetracht des grossen bernischen Strassennetzes die der Baudirektion zur Verfügung stehenden Mittel nicht genügen, und dass von behördlicher Seite aus mit diesen Mitteln sehr klug und haushälterisch umgegangen werden muss. Das Programm .beweist, dass alle Landesleile berücksichtigt worden sollen und •wer die bernische Landestoilpolitik kennt, weiss das« die Baudirektion diesbezüglich ihre Gelder auf der Golriwage abwägen muss. Aber mit der modernen Auffassung des Strassonausbaucs sollte auch die andere moderne Auffassung im Kanton Bern zum Durchbruch eelnnien können: Dies betrifft nicht nur die Abschaffung dpr geheimen Kontrollen, sondern auch die Abschaffung dos Naehtfahrverbotes und der viel zn eng gefassten Gesehwindigikeitsvorschriften. In dem Augenblicke, da hierin largere Vorschriften erlassen worden, wird auch die Aufgabe der Polizei vernünftiger durchgeführt werden können. T)ips.Vziielirh könnte dem Kanton Bern die neue Vpr\ohrsorrlnnn