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E_1928_Zeitung_Nr.105

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Ausgabe; ©eufsche Scfiwefz» rrrr. rirrstr^ 18. oezemner 1928. Nummer 20 GH; 2t. Jahrgang, -^1 N° 105 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jaden Dienstag and Frtltaf . UonaUlch „GaDra LIH** BalbjUirneb Pr. 6.-, librllcb Fr. 10.—. Im Ausland unter Portazuschlag, wOetn nicht postamUJcb bestellt Zuschlag für postamtliehe Bestellung im ADMINISTRATION: Breltenralnstrute 97, Bern In* and Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnang 111/414 Telephon Bollwerk S9M TUegnxnm-Adnsse: Aatomru«. Ben INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder derao Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland' 60 Ctfc Grosse» Inserate nach Seitentarlt, fuarwamMkhus 4 Tarn vor Eneheinsn der betreffenden Tinmmer Die Strassenverkehrsinitiative. Letzten Freitag tagte im Clublokal des A. C. S. der Vorstand der Schweizerischen Strassenverkehrsliga. In eingehender Diskussion kam die gegenwärtige, durch die Haltung des Bundesrates und des Beschlusses des Ständerates geschaffene Lage zur Sprache. Entgegen dem früher in der Oeffentlichkeit herumgebotenen Gerücht wurde beschlossen, vorläufig an der Strassenverkehrsinitiative festzuhalten, bis genügend Garantien vorhanden, dass den dringenden Wünschen entsprochen werden wird. Das fernere- Vorgehen der Liga wird bestimmt werden durch die weitere Behandlung des ganzen Fragenkomplexes in den eidgenössischen Räten. Ferner hat die Liga Stellung genommen gegen die zahlreichen Versuche, noch schnell vor Inkrafttreten eines eidgenössischen Gesetzes diese wichtigen Probleme auf kantonalem Boden lösen zu wollen. Die Beschlüsse des Vorstandes der Schweizerischen Strassenverkehrsliga dekken sich somit mit der in unserer letzten Nummer dargelegten Auffassung über das durch die verschiedenen kantonalen Verkehrsordnungen geschaffene Chaos. Auch im wichtigsten Punkte hat der Vorstand unserer Auffassung nach den einzig richtigen Weg beschritten. Soll es zu einer grosszügigen schweizerischen Strassengesetzgeljung kommen, so darf die initiative nicht zurückgezogen werden, Ms die Räte ihren guten Willen gezeigt haben, auf die- - sem Gebiete in wirklich fortschrittlicher Art und Weise zS legiferieren. Vom Bundesrate ist die Abstimmung über die Verkehrsinitiative auf nächsten Mai in Aussicht genommen worden. Sie soll zusammen mit der Schnaps-Initiative dem Volke vorgelegt werden. Da es jetzt schon sicher steht, dass letztere vom schweizerischen Souverän bachab geschickt werden "wird, ist die Politik des Bundesrates ziemlich durchsichtig. Zum einten Nein gesellt sich gerne das zweite, wie Dutzende von Erfahrungen in der eidgenössischen Abstimmungschronik beweisen. Auf leichte Art hofft somit der Bundesrat, der Strassenverkehrsinitiative mit der Schnaps- Initiative das Genick brechen zu können. Es ist deshalb Pflicht nicht nur der Strassenverkehrsliga, sondern sämtlicher Automobilverbände, diesbezüglich auf der Hut (4. Fortsetzung) Lord Speath hielt inne und legte den Finger an die Schläfe. Er dacht© kurze Zeit nach und fuhr fort: «Ja, das war ja eine solche Sache mit dem Lord-Beccem-Rennen ! Der Worl-Motor hatte es nnur knapp für sich entscheiden können! Der Zweite und Dritte waren ein Hendcrson, der nur durch Reifenschaden um den sicheren Sieg gekommen war!» Clifferton wehrt© mit auffallender Hast ab: «Ganz so, Mylord, war das nun doch nicht! Unser Siegeswagen wurde nicht einmal ganz ausgefahren; das Ende war uns sicher, daran ist kein Zweifel!» Lord Speath strich sich mit einer leichten Bewegung den weässen Bart und blickte lächelnd sein Gegenüber an. Mit leiser Ironie meinte er endlich: «Ich halte es auch füf ganz selbstverständlich, dass World-Motor an der Spitze unserer Automobilindustrie steht und stehen bleibt. Bedenken Sie: England blickt auf Sie, auf Ihr Unternehmen. Bei der Henderson-Company hat eine ausländische Interessentengruppe die Aktienmehrheit, Ihre Gesellschaft...» : O Rekordfiebei*. Ein Sportroman von Alfred Naack. (zu sein. Die beiden Initiativen müssen noch in Ben eidgenössischen Räten erledigt werden. Bereits stehen wir in der dritten Sessions- •woche. Mit der Behandlung der Strassenverkehrsinitiative im Nationalrate ist nicht mehr gut zu rechnen. Das Traktanduni bliebe dann bis in den März hinein wiederum verschoben. Ende März wären wir eventuell so weit wie heute. Die langweilige Trödlerei hätte weiter zur Folge, dass zwischen den Beschlüssen des Nationalrates und der Abstimmung im Mai nur noch eine kurze Spanne Zeit übrig bliebe, ein für die eventuellen Vorbereitungen auf die Abstimmung sohr erschwerendes Moment. Es wird deshalb gut sein, wenn alle vorsorglichen Massnahmen rechtzeitig getroffen werden können. Auf alle Fälle steht die betrübende Tatsache fest, dass die eidgenössischen Räte die Bedeutung einer beschleunigten Gesetzgebung auf dem Gebiete des Strassenverkehrs noch nicht recht orfasst haben und dass die Motorfahrzeugbesitzer das zweifelhafte Vergnügen haben werden, auch nächstes Jahr sich durch 22 verschiedene, zum Teil äusserst rückständige kantonale Verkehrsgesetzgebungen hindurchschlängeln zu müssen. K. Aus dem Bundesgericht. Entzug der Fahrbewilligung. — Ein Autounfall, an dem nicht das Auto schuld war. — Haftung des Autobesitzers für seinen Chauffeur. ,-.-.., i. , Ein Zürcher Autohändler, der wegen Uebertretungen der KonkoTdatsvorschriften in den letzten 10 Jahren 46 mal bestraft wurde, fuhr im 50-km-Tempo durch das Bruggertor in Baden, weshalb er vom Aargauer Obergericht mit 80 Fr. Busse und Entzug der Fahrbewilligung für ein halbes Jahr bestraft wurde. Er focht den Entzug der Fahrbewilligung vermittelst eines staatsrechtlichen Rekurses beim Bundesgericht an, indem er behauptete, die Bewilligung könne nur von derjenigen Behörde entzogen werden, welche sie •erteilte. Wie das Bundesgericht (staatsrechtliche Abteilung) ausführte, beruht dieser Standpunkt auf einer Verwechslung des administrativen Entzuges mit demjenigen Entzug, der als Zusatzstrafe durch die Strafbehördenverhängt werden kann. Das Konkordat gibt allerdings der die Fahrbewilligung erteilenden Behörde die Befugnis, die Bewilligung unter gewissen Voraussetzungen wieder zu entziehen. Daneben aber bestimmt es in Art. 72: «Es ist Sache der Konkordatskantone, die Strafbestimmungen für Uebertretungen der vorstehenden Verordnung aufzustellen. In diesen Bestimmungen ist vorzuschreiben, dass bei wiederholter Uebertretung oder bei Clifferton winkte erschrocken ab: «Schweigen Sie, Mylord, die Wände haben Obrem!» In später Stunde rief Lord Speath Clifferton an und teilte ihm mit, dass soeben die Sportkommission aus formellen Gründen den Neunungsantrag der Henderson-JVlotor-Car- Company mit Stimmenmehrheit abgelehnt habe. Clifferton atmete auf und hatte seit langer Zeit wieder eine ruhige Nacht. Und am nächsten Morgen, zwei Tage vor der Highland-Fahrt, überschlug sich der neue Rennwagen auf der Uebuiigsbalm infolge Achsenbruch. Die Maschine wurde stark beschädigt. Bob, der am Steuer gesessen, erhielt starke innere und äussere Verletzungen, sein Beifahrer verschied bald nach dem Unfall. Der Tachometer des verunglückten Wagens war bei 287 Kilometer stehen geblieben. Unter den ersten Beileidskundgebungen befand sich auch ein Schreiben der Henderson-Company. Das Direktorium der World-Company war sogleich zu einer Beratung zusammengetreten und hatte unter dem Vorsitz des Konsuls Shuman beschlossen, die beiden gemeldeten Wagen aus Prestigegründen bei der Highland-Fahrt starten zu lassen. Clifferton konnte bei dieser schwerwiegenden Entscheidung nicht gehört werden. Die Aufregungen schwerer Verletzung der Verkehrsbestimmungen das Recht zur Führung des Motorfahrzeuges zeitweilig oder ganz entzogen wird. Der Entzug hat für das ganze Gebiet der Konkordatskantone Gültigkeit.» Danach kann der Entzug der Fahrbewilligung in jedem Konkordatskanton anlässlich einer Bestrafung als Zusatzstrafe ausgesprochen werden, sofern wiederholte Uebertretung oder schwere Verletzung der Konkordatsbestimmungen vorliegt. Im vorliegenden Falle ist nicht nur die eine oder andere dieser Voraussetzungen, sondern beide gleicteeitig gegeben. Die staatsrechtliche Beschwerde wurde daher einstimmig abgewiesen. II. In Diesbach (Glarus) wurde ein Fussgänger nachts von einem Auto überfahren, weil er, nachdem er sich auf der äussersten linken Strassenseite aufgehalten hatte, im letzten Augenblick vor dem hinter ihm herfahrenden Wagen die Strasse nach rechts zu queren Versuchte, trotzdem er den Lichtkegel der Scheinwerfer bemerkt hatte. Der Automobilist versuchte erst den Fussgänger durch Ausweichen nach der äussersten Rechten zu vermeiden; als das kopilose Verhalten des Fussgängers den Zusammenstoss doch heraufbeschwor, konte er so rasch anhalten, dass die Beine des Ueberfahrenen noch unter dem Kühler hervorragten. Auf die Schadenersatzklage des Verletzten entschied das Zivilgericht Glarus, dass der Autofahrer % des eingetretenen Schadens zu verantworten habe, da ihn immerhin ein gewisses Mitversehiüden am Unfall treffe. Dieses Mitversohulden bestehe darin, dass er zu rasch gefahren sei, dass er trotz Art. 42 des Konkordates versucht habe, auf der rechten Seite am Kläger vorbeizukommen und dass er kein Hornsignal abgegeben habe. Das Glarner Obergericht wies dagegen die Klage gänzlich ab und das Bundesgericht (I. zivilrechtliche Abteilung) wies die Berufung des Klägers einstimmig ab, da den Automobilisten keinerlei Verschulden treffe. Die obergerichtliche Feststellung, dass dem Automobilisten keine Ueberschreitung der zulässigen Geschwindigkeit vorzuwerfen sei, wird dadurch erhärtet, dass sich trotz der nassen Strasse keinerlei Schleifspuren wahrnehmen Hessen und der Fahrer sofort anhalten konnte. Zur Signalgebung war der Fahrer nicht verpflichtet, da der Fussgänger ja durch den Scheinwerfer gewarnt war und des Nachts keine unnötigen Signale gegeben werden sollen. Endlich bezieht sich die Vorschrift des Linksvorfahrens in Art. 42 Kk. auf das Vorfahren gegenüber andern Fahrzeugen, nicht der letzten Ereignisse hatten bei dem überarbeiteten Manne zu einem Nervenzusammenbruch geführt. So wurde es ihm auch nicht mitgeteilt, dass der Achsenbruch an dem Unglückswagen durch Bubeuhand entstanden war. Die nähere Untersuchung ergab, dass die Achse halb eingesägt gewesen. Das grosse internationale Bergrennen auf den Highland-Pässen sah den Henderson- Wagen als überlegenen Sieger. Das Aufsehen, das diese Entscheidung in der gesamten Sportwelt erregte, war ungeheuer. VII. John Bird war sehr zufrieden, dass er endlich, nach tagelangem Warten, bei der World- Motor-Car-Company Arbeit gefunden. Jeden Morgen stand er, inmitten eines Haufens Arbeitsuchender, vor den grossen Fabriktoren und wartete darauf, von einem Boss eingestellt zu werden. Immer hatte man ihn übersehen und jüngere Kräfte vorgezogen. Und jetzt endlich kam auch er an die Reihen Was wollte man auch: gesund-und kräftig war John, trotz seiner sechzig Jahre, die man ihm kaum ansah. Der Aufnahmebearate hatte wohl den Kopf geschüttelt, als er in die Papiere Einsicht genommen. «Mann, Sie sind ja über sechzig! Werden gegenüber Fussgängern, wo es zu ganz unsinnigen Zuständen führen würde! Der vorliegende Fall wurde als Schulbeispiel eines Unfalles bezeichnet, den der Fussgänger durch fahrlässiges Verhalten allein verursacht hat. HI. Nach Art. 55 des Obligatioiierirechts haftet der Geschäftsherr für den Schaden, den seine Angestellten oder Arbeiter in Ausübung ihrer dienstlichen oder geschäftlichen Verrichtungen verursacht haben, wcim er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet habe, um einen Schaden zu verhüten, oder dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre. Diese Vorschrift ist auch anzuwenden auf die Haftung des Autoeigentümer« für seinen Chauffeur. In Caccialanca (Tessin) erfolgte ein Zusammenstoss zwischen einem Auto und einem Radfahrer, weil der Chauffeur des Autos die gefährliche, durch eine Warnungstafel markierte Stelle ohne Signal und in einem Tempo von 25—30 km passierte. Der Radfahrer belangte, gestützt auf Art. 55 O.-R., auch, den im Wagen mitfahrenden Eigentümer des Autos auf Schadenersatz, da er für das Verschulden des Chauffeurs hafte. Der beklagte Wageneigentümer suchte den im Gesetz vorgesehenen Entlastungsbeweis zu erbringen, dass er alle nach den Umständen gebotane Sorgfalt angewendet habe. Das Bundesgericht (I. zivilrechtliche Abteilung) erklärte zunächst, dass den Wareneigentümer kein Verschulden hinsichtlich der Wahl seines Angestellten treffe, da er als des Fähreus Unkundiger einen Berufschauffeur angestellt hatte; ebenso könne ihm deswegen nicht mangelnde Instruktion seines Angestellten vorgehalten werden. Was nun die Beaufsichtigung des Angestellten betraf, so hat das Bundesgerichi bereits früher festgestellt, dass dem Wageneigentümer ein ständiges Eingreifen in die Lenkung des Wagens nicht zuzumuten sei, das ebenso angestrengte Aufmerksamkeit erfordern würde, wie die Leitung des Wagens und zudem erfahrungsgemäss seine Gefahren böte. Dagegen muss auch beim Wageneigentümer die Kenntnis der Konkordatsvorschriften vorausgesetzt werden, und es war seine Pflicht, einzuschreiten, wenn sein Chauffeur eine durch Warnungstafel besonders gekennzeichnete Stelle in unzulässig raschem Tempo und ohne Signal durchfuhr. Da er den Chauffeur nicht durch einen Zuruf zurechtwies, hat er die ihm obliegende Sorgfalt als Geschäftsherr nicht beachtet, so dass er für seinen Chauffeur grundsätzlich haftbar ist. W. Sie denn noch die Arbeit schaffen könne«?* Da hatte John Bird vergnügt genickt: «Ei warum nicht, Mr.? Das Herz ist noch jung und die Knochen auch!» Der Beamte war nochmals zu dem Boss gegangen und hatte gefragt, ob man den Mann nehmen könne, trotz seiner Jahre. Und der Boss, der schon wieder mit andern Dingen beschäftigt war, bejahte nur kurz und teilte John den Transportleuten zu. So wurde John Bird Arbeiter bei der World-Company und tat unverdrossen seine Pflicht. Auf den Prüfständen der Spezialwagen, die zu der Uebungsbalin gehörten, war schon seit mehreren Monaten ein Monteur tätig, dem die letzte Untersuchung der Probewagen oblag. Jules Gambon hatte auch den Unglückswagen nachgesehen und nach seiner bestimmten Versicherung nichts bemerkt, was auf eine Beschädigung hingedeutet hätte. Motor und Fahrgestell waren durchaus in bester Ordnung gewesen. Das hatte er auch in seinem Prüfungsbericht verzeichnet. Der Fahrtleiter hatte danach den Wagen zur Probefahrt freigegeben und gleichzeitig die vorgeschriebene Meldung *n die Direktion erstattet. Als jedoch Clifferton den Startplatz erreichte, war das Unglück schon geschehen. Der Achsenbruch erfolgte bei Antritt der zweiten Bahnrunde, in unmittelbarer Nähe der Prüf stände.