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E_1928_Zeitung_Nr.106

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•Attsgafe«^ :Öeut&efte Sctiwei rrrf. Freifrr. 21. Gelernter 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 108 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONN EM fcNTS-PR EISE: Erscheint leden l»li-n«tao und MIM * Monatlich „G*lke Usta* Halbjihrltcb Pr. 5 , jährlich Fr. 10.-. In Ausland unter Portozuschlag, lolern nicht postamtllch bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung Im ADMIXISTUATION: Breitenrainstrosse 97, Bern In- und AuslandHO Hunnen. I'ostcheck-Reehnuns II['414 Telephon Uollwerb 38.84 Teiegrainra-Adresse: Aatorevue, Bern INSERTIONS-PRE1S: Die aehtgespaltene 2mm hohe Grandzeile wie? deren Raum 45 CU. lür die Schweiz; für Anzeigen au» dem Ausland 60 Ct» : Grössere Inserate nach Seitentartt. : Inserafcnsefthiss 4 Tage rar Erscheinen der betreffenden tlnmmer Fragen Ein Grenzverkehrsanstand mit Frankreich. Wie wir dem « Bund » entnehmen, ist durch französische Ministerialverfügung der im Verkehr zwischen Genf und den Zonen bis jetzt im Autocarverkehr bewilligte Freipass ohne vorherige Benachrichtigung der schweizerischen Behörden aufgehoben und die Verzollung der Wagen veriügt worden. Das ganz unerwartete Vorgehen der französischen Regierung, das stark an Mussolinische Allüren erinnert, hat nicht nur in den nächst interessierten Genferkreisen, sondern wohl in der ganzen schweizerischen Bevölkerung grosses Befremden verursacht. Man ist über die rigorose und absolut nicht gerechtfertigte Verfügung höchst erstaunt. Es war bisher Usus, dass die Autocars beider Länder ohne weitere Formalitäten die Grenze passieren konnten und nur die entsprechenden Verkehrsgebühren zu entrichten hatten. Unsere Leser wissen, dass seit längerer Zeit zwischen Frankreich und der Schweiz Verhandlungen gepflogen werden, um die Frage der Gebühren neu zu regeln, was ja um so leichter der Fall sein könnte, da die auch von Frankreich beanstandeten schweizerischen #e>£stras.senzuschläge mit dem 1. Januar. 1929 dahinfallen werden. Urni so unerklärlicher ist für uns die plötzliche Sperre der französischen Grenze, gerade in einem Zeitpunkte, da der Autoearverkehr während der Festzeit stark belastet ist und daher empfindlich getroffen wird. Es ist nicht das erste Mal, dass wir Schweizer den Eindruck bekommen müssen, dass Frankreich gerne bereit ist, gepflogenen Unterhandlungen mit einem gewissen Drucke nachzuhelfen. Die Zonenangelegenheit hat in der Schweiz stark genug verschnupft. Es ist absolut nicht nötig, dass der grössere Nachbar dem kleinern seine überlegene Macht beständig zu fühlen gibt, ganz besonders in einem Augenblicke, da aus dem Mund der französischen Diplomaten immer wieder von Völkerfrieden und Völkergerechtigkeit zu hören ist. Das rigorose Vorgehen ist jedenfalls nicht dazu angetan, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern zu vertiefen. Schon aus diesem Grunde ist der Vorfall ausserordentlich zu bedauern. Nicht nur eine Politik der Waffen, sondern des T«n«£^s auch eine solche der Nadelstiche kann auf die Zeit sehr schmerzhaft werden! Wie wir hören, haben sich die Oberzolldirektion und das Politische Departement sofort der Angelegenheit angenommen. Der grössere Nachbar seil sich nicht wundern, wenn nötigenfalls die kleinere Schweiz mit den ihr geeignet scheinenden Repressalien antworten müsste. Da das Verhalten Frankreichs in keiner Weise gerechtfertigt, liegt es in der Ehre unseres Landes, solche Ä'rimassungen ruhig, aber bestimmt, zurückzü weisen. Immerhin ist zu hoffen, dass Frankreich das angetane Unrecht einsehen und" die Verfügung wiederum rechtzeitig zurückziehen wird, damit die begonnenen Verhandlungen ohne Gereiztheit und mit aller Ruhe weitergepflogen werden können. Der Berner Grosse Rat behandelte in seiner Sitzung vom 18. Dezember u. a. auch das Geschäft betreffend Verwendung des Benzinzollviertels. Dabei 'wurde das Strassenbauprogramm für das Jahr. 1929, worüber wir in Nummer 102 der « Automobil- Revue» ausführlich berichtet haben, gutge* heisseh. Demnach werden die dem Kanton Bern vom Bunde zugesicherten Beiträge aus dem erhöhten Benzinzoll gemäss Bundesbeschluss vom 21. September 1928 im runden Betrage von 2 950 000 Franken erstens zur vollständigen Amortisation des im Jahre 1924 bewilligten Vorschusses von 1 500 000 Franken und nach Abzug der hiefür nötigen 850 000 Franken die bleibenden 2 100 000 Fr. zur Durchführung des Bauprogrammes 1929 verwendet. Ein' sozialistischer Antrag, die Gemeinden für ihre Strassenbauten mit 30 % partizipieren zu lassen, wurde abgelehnt. Der Beschhiss des Berner Grossen Rates ist erfreulich. Damit ist ein weiterer Schritt getan, um den Ansprüchen nicht nur sämtlicher Strassenbenützer, sondern auch unserer gesamten Volkswirtschaft Genüge zu leisten. Mit Herrn Grossrat Messerli gehen wir darin einig, dass seine Motion, in welcher er zur beschleunigten Durchführung des Strassenbauprogramms ein Anleihen von 10 bis 15 Millionen Franken neben den Erträgnissen des Benzinzolls wünschte, durch den Beschluss des Rates noch nicht erledigt ist. Der Thurgauer Grosse Rat behandelte in seiner Sitzung vom 15. Dezember die. neue Vollziehungsverordnung zum Automobilkonkordat. Leider sind dabei die Anträge der Kommission, die von fortschrittlichem Geiste zeugten und worüber wir in Nummer 105 der « Automobil-Revue » berichteten, nicht durchwegs durchgedrungen. Der Rat hat es für gut befunden, die Steuerschraube für Motorfahrzeugbesitzer stärker anzuziehen als vorgesehen und hat damit jedenfalls dem Verkehr keine grossen Dienste geleistet. So wurde beschlossen, die Handänderungstaxen nach dem Entwürfe für Automobile, auf 20 Franken und für Motorräder auf IQ Franken festzusetzen, währenddem die Kommission einen einheitlichen Betrag von 10 Franken vorgesehen hatte. Ebenso Hatte die Mehrheit der Kommission die Gebühr für Kollektivnummern von Motorrädern von 150 Franken auf 100 Franken herabgesetzt. Der Rat aber entschied, nach Antrag der Kommissionsminderheit und unterstützt von Regierungsrat Dr. Altwegg, dass die Gebühren auf 150 Franken zu belassen seien. Bei der Erneuerung der Fahrbewilligung wollte die Mehrheit der Kommission eine einheitliche Gebühr von 5 Franken festsetzen. Aber auch hier entschied der Rat dahin, dass für Automobilisten 10 Franken und für Motorradfahrer 5 Franken festzusetzen seien. Auch b*ii diesem Beschlüsse zeigte sich die ausgesprochene Tefldenz, den Automobilisten an Gebühren so viel als möglich abzuzwicken. Die Ausstellung einer Erneuerung der Fahrbewilligung ist nichts anderes als eine Schreibsache. Die Gebühr hiefür wird nun in eine reine Steuer umgewandelt. So erhalten wir bald einmal eine Schraube ohne Ende, die wohl dem Kanton Thurgau 15 000 Franken mehr einbringen mag, die aber vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus vollständig deplaziert ist. Es ist allerdings nicht schwer, dem Automobilisten erhöhte Steuern zuzuschanzen, wenn man als Stationsvorstand sich in Form zahlreicher Frei- und Beamtenbilletts erklecklicher Vergünstigungen erfreut. Welche Stellung nähme Herr Stationsvorstand Gamper ein, wenn man ihm und seinen Kollegen diese Vergünstigung zugunsten vermehrter Bahneinnahmen entziehen wollte? Paragraph 25, der die Höchstbreite für Motor- und Anhängewagen auf 2,35 rn festsetzt, erhielt auf Antrag von Regierungsrat Dr. Altwegg noch einen Zusatz, wonach die Abänderung von Personenautomobilen für Warentransport der Genehmigung der Automobil- j kontrolle unterliegen wird. Diesen Zusatzantrag halten wir für eine unnötige Einschrän. kung und einen Eingriff in die von Bundes wegen gewährleistete Gewerbefreiheit. Es scheint bald so, als könne tatsächlich kein Gesetz mehr den Beratungen entsteigen, ohne dass ihm nicht der Charakter eines ausgesprochenen Polizeigesetzes verliehen werden müsste. Zur Diskussion Anlass gaben natürlich auch die Geschwindigkeitsvorschriften- Hier vertrat Herr Ständerat Böhi die einzig richtige Auffassung, dass die veralteten Konkordatsvorschriften weniger scharf zu handhaben seien und das Wesentliche nicht in der Fixierung der Kilometerzahl bestünde, sondern es ganz allgemein darauf ankomme, dass jeder Fahrer so fahre, dass er seinen Wagen unter den gegebenen Verhältnissen immer in der Gewalt besitze. Leider unterlag der Antrag Böhi, die Sonntagsfahrvorschriften gänzlich fallen zu lassen. Paragraph 33 ist demnach angenommen, worin die Geschwindigkeit an Sonn- und allgemeinen Feiertagen in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September auf offenem Felde auf 30 km und in Ortschaften auf 18 km festgesetzt ist. Bei Paragraph 35 wurde die Kategorieneinteilung von Automobilen, Motorrädern, Fuhrwerken, Radfahrern, Reitern usw. fallen gelassen und dafür der allgemein umfassende Begriff « Strassenbenützer » eingesetzt. Damit erhält- der erste Satz dieses. Paragraphen folgende Fassung; «Alle Strassenbenützer haben sich beim Begegnen und Ueberholen gegenseitig und rechtzeitig genügend Raum zu geben.» Eine Bestimmung, di$ für die kommende schweizerische Strassen» gesetzgebung von Bedeutung sein dürfte. Leider ist das Bestreben der Kommission, auch punkto Beleuchtung ein einheitliches Regime einzuführen und die Pflicht zur Beleuchtung allen Fuhrwerken zu überbinden, nicht durchgedrungen. Nach Antrag von Regierungsrat Dr. Altwegg ist in der Verordnung nun ein Passus aufgenommen worden, wonach die Besitzer der Fuhrwerke für den Schaden haftbar gemacht werden können, der dadurch entsteht, dass sie ohne Licht fahren. Die Abschwächung des Kommissionsantrages ist zu bedauern; der Kommissionsantrag hätte den Paragraph 37 klar umschrieben und endlich einmal alle Fuhrwerkbesitzer gezwungen, einer elementaren Pflicht nachzukommen. Die Verordnung konnte nicht zu Ende beraten werden. Die letzten Abschnitte C und D werden in der Sitzung vom nächsten Samstag bereinigt werden. K. F E V I L TON Rekord lieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (5. Fortset znna) Der Monteur nickte eifrig: «Ja, wir müssen den Vergaser — Vergaser haben, E — Etienne kommt — kommt sonst dicht weiter — er — muss damit — damit rechnen, dass Sagreve wieder — auf die Beine kommt — und — und zum zweitenmal — und — mit besserem Erfolg den Kampf — aufnimmt!» «Richtig, ganz richtig — alter — Junge,» erwiderte John und wollte sich ausschütteln vor Lachen, «ganz richtig, aber — aber was — wili Etienne — sagtest du nicht Etienne •— ja, Etienne, was will denn der mit dem — mit dem...» Er schien zu Überlegen. Jules Gambon fiel sogleich ein: «Mit dem Vergaser, meinst — du; ja, das ist — es ja eben — damals, als — als Jean — Jean die Pläne brachte, waren — waren darin — noch nicht die neuen — Ae — Aenderungen enthalten. Der Vergaser — der Vergaser funk — funktionierte noch nicht — nicht so recht. Und deshalb musst du wissen, John, deshalb müsste auch der Wagen hops —hops —gehen!» «Ach — so — jetzt bin ich im Bilde — jetzt bin ich restlos im Bilde», stotterte John hervor und wäre beinahe gestürzt, wenn ihn Gambon nicht gehalten hätte. Sie waren zu Hause angelangt und öffneten mit vieler Mühe das Tor. Der Hauswart kam scheltend und bugsierte sie auf ihre Zimmer. Zunächst den Monteur, der wie leblos auf sein Bett sank, und dann den Alten, John Bird, der einige Zimmer weiter logierte. Und da geschah etwas Merkwürdiges. Plötzlich straffte sich der Alte, machte sich mit sanftem Ruck von den Händen des Hauswarts frei und sagte mit ruhiger, völlig nüchterner Stimme : «Ich bin Jonathan Stups, Kriminalkommissär a. D., Sie kennen meinen Namen!» Entgeistert bejahte der Hauswart. «Kommen Sie, Mann, in diesem Hause befindet sich ein Verbrecher, Jules Gambon, derselbe, den Sie soeben auf seine Bude brachten. Ich werde ihn sofort von der Polizei abholen lassen. Stillschweigen gegen jedermann mache ich Ihnen zur Pflicht. Ich handle im Auftrage der Direktion. Sie erhalten morgen nähere Aufklärung. Gute Nacht!» Wenige Minuten später holten Beamte den friedlich schlummernden Verbrecher ab und brachten ihn in sicheren Gewahrsam. Als er am nächsten Morgen mit schmerzendem Schädel erwachte, nahm das Verfahren gegen ihn seinen Fortgang. Auf Grund der sich im Verhör neu ergebenden Tatsachen und der Aussagen Jonathan Stups' wurde Haftbefehl gegen Anatole Etienne. den Chefkonstrukteur der Henderson-Motorcar-Company erlassen. Man kam zu spät, der Vogel war bereits ausgeflogen. Auch ein gerichtlich angeordnetes Forschen nach Plänen und nach der Ausführung des Sagreve-Motors in den Henderson-Werken verlief negativ. Es wurde kein Material gefunden, das auf eine Werkspionage bei der World-Motorear-Company hingedeutet hätte Kein Wunder auch: Alle Pläne und auch die erste danach gebaute Maschine befanden sich längst in den Staaten, wo sich das Hauptunternehmen der Henderson-Company befand. Dort weilten auch seit Monaten die Brüder Henderson, die damit jeden Verdacht gegen sich von vornherein zerstreuten. Auf Grund der Ermittlungen Jonathan Stups' kam es zur Gerichtsverhandlung gegen den Monteur Jules Gambon, der des verbrecherischen Anschlages auf den Sagreve-Wagen überführt werden konnte. Der Beschuldigte suchte alle Schuld auf den geflohenen Chefkonstrukteur Anatole Etienne abzuwälzen, der ihn zu der Tat angestiftet habe. Unter Zubilligung mildernder Umstände verurteilte ihn der Richter zu zehn Jahren Zuchthaus. Hinter dem flüchtigen Anatole Etienne wurde Steckbrief erlassen. VIII. Der schwer verletzt gewesene Bob Sagreve befand sich in der Rekonvaleszenz. Wochen hatte er zwischen Leben und Tod geschwebt, so dass die Aerzte bereits mit seinem Ableben gerechnet hatten. Schliesslich abef siegte seine kräftige Natur, und mit der langsam fortschreitenden Besserung in seinem Befinden erwachte auch in Bob der Wille zum Leben. Dann kam der Tag, an dem er ausser aller Gefahr erklärt wurde, und an einem der nächsten Tage brachte ihm die Schwester ein schmales Kärtchen mit einem Strauss vollerblühter Rosen. Mit einem dankbaren Blick griff er danach: «Alice Clifferton» las er und fühlte, wie ihm das Blut ia die bleichen Wangen stieg. «Die junge Dame möchte Sie begrüssen». meinte lächelnd die Schwester, «wäre Ihnen das angenehm?» «Ja Schwester, ich lasse herzlich bitten», sagte er mit leuchtenden Augen. Nun sass sie an seinem Lager und konnte keinen Blick von ihm wenden, von seinem schmal und bleich gewordenen Gesicht Sie mühte sich, heiter und unbefangen zu scheinen und konnte doch nicht ganz ihr Mitleid und ihre heisse Sorge um ihn unterdrücken. «Ich danke Ihnen von Herzen, Alice, dass Sie zu mir gekommen,» sagte er leise und ergriff langsam ihre Hand, «ich danke Ihnen! Die Tage und Wochen hindurch habe ich an Sie gedacht und Sie herbeigesehnt. Und nun sind Sie da, und ich werde wieder gesund, Alice!» (Fortsetzung folgt.)