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E_1928_Zeitung_Nr.106

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MÄRIÄ GEHT IM WALD

MÄRIÄ GEHT IM WALD Wenn ihre süsse Hand den tiefen Baum berührt, fällt Schnee auf ihr Gewand — ein feiner Schnee auf ihr verzichtendes Gewand. — Wie Sterne glänzt es auf. Das immer scheue Tier hält an in Flucht und Lauf und ruht. — Und kommt ein Mann noch trotzig und entzweit in diese Einsamkeit — wird seine Faust ihm auf getan. (Aus «Winterlob», von Hans Roelli.) DIE FRAU ALS DICHTERIN UND DENKERIN Von Doris Wittner. Das grösste Gedicht des deutschen Volkes, Goethes «Faust», gipfelt in einer Apotheose des Weibes. Durch alle Poesien und Literaturen des Menschengeschlechts gleitet die Silhouette der Frau. Bald zart und lieblich von Umriss, bald heroisch von Gestalt und Gebärde. Keine Kultur, keine Kunst, kein Fortschritt ist denkbar ohne den Einfluss und die weittragende Wirkung der Frau. Aber es ist die Anregung, die von ihr als Stoff, deutlicher gesagt, von ihr als Objekt ausstrahlt Sie wirkt gewissermassen ohne Edles Glas Farbenfreudiges Porzellan die schönsten Geschenke bei J. GEISSNER, Weinplatz, ZÜRICH I Gegen kalte Füsse im Auto schützen Sie sich am besten mit den beliebten echten KATZENPELZ-SCHUHEN ifpQZial Jifiufi ohne und mit Korkzwisohen- Sohlen in Ia. Ausführune für Fr. 57.50, 61.- u. 66.50 Die vereorheheu Leoer wurden gebeten, bei Bedarl die hier vertretenen zu berücksichtigen und bei Bestellungen, Anfragen etc. sich ausdrücklich am die Automobil-Revue beziehen zn wollen. AUTOMOBTL-RFVl/E eigenes Zutun, ohne aus dem Stande der Passivität herauszutreten. Meist war es der Mann, der als selbstherrlicher Schöpfer sich die Vorstellung des Weibes schuf, die jeweilig seiner Phantasie vorschweben mochte. Rückwirkend warf das Leben dann oft zurück, was es im Spiegel der Kunst erblickt und bewundert hatte. Ungefähr wie Oskar Wilde behauptet, dass erst nach den genialischen Schöpfungen der Burne Jones und Dante Gabriel Rossetti England von präraffaelitischen Frauengestalten bevölkert war, nicht aber, dass diese jenen als Modelle gedient hätten. Neben der Prau als passivem Kulturrequisit sehen wir die Frau aber auch als aktive Kulturträgerin durch alle Entwicklungen der Menschheit schreiten. Und wo man sie packt, da ist sie interessant. Wir erwähnten sie in ihrer gegenständigen Bedeutung für die Literaturen aller Zeiten und Völker. Reizvoller ist es, sie zu beobachten, wo sie selbständig dichtet und denkt, wo sie selbst Tatkeime sät in die Ackerfurche der Zukunft. Schmalspurig läuft die Entwicklungsbahn des dichtenden und denkenden Weibes in der Geschichte des Menschengeschlechtes, aber die Spur verliert sich niemale; unerwartet und unvermutet oft grüsst ihr stiller Glanz an den Kreuzwegen der Historie, manchmal an gefährlichen Kurven des Weltgeschicks. Von Sappho, der griechischen Sängerin, bis zu Madame Curie, der unerschrockenen französischen Forscherin, die im Reiche methodischen Denkens kühne Pionierarbeit tut, lässt sich die Fährte kleiner, zierlicher und doch rüstig vorwärtsschreitender Frauenfüsse verfolgen. u.Ccillcn Börsenplatz RESTAURANT CAFE FRITZ ss ZÜRICH 8 FRÖHLICHSTR. 37 DUFOURSTR. Spezialitäten: Wildpret / Güggeli Qualitäteweine oep. Speiseraon lea-Room / Zivile Preise. Telephon Liruroat 3860 Pritss Büohi. Wohl sind die Frauen, die der Welt ihre eigenen Gesichte und Erkenntnisse schenken, selten. Aber immerhin — sie sind. Sie sind allein in Hellas, wo ihnen eigentlich nur gestattet wird, von Gnaden ihres Geschlechtes zu wirken, und wo der Spötter Aristophanes ihren Ehrgeiz, mehr sein und bedeuten zu wollen, ebenso wie die Schwäche eines Staates, der diesem Ehrgeiz Raum gibt, in seinen erbarmungslosen «Ekklesiazusen» mit attischem Witze geisselt; — sie sind im finstersten, wissenfeindlichsten Mittelalter, wo sie in die härenen Kutten gelehrter Nonnen schlüpfen; — sie sind auf ihrem Platz in der Zeit der humanistischen Wiedergeburt, wo sie an schöngeistigen Höfen die Künste und edlen Wissenschaften fördern und selbst üben; — sie sind zu Hause, in der Welt der «talons rouges», wo unter ihren blitzenden Augen und klugen Worten die Enzyklopädie geboren und den Menschenrechten der erste Lebensodem geschenkt wird. Als «Frondeusen» greifen sie in die politischen Geschicke des Staates ein; — als kritische Denkerinnen werden sie gefürchtet und verfolgt von dem korsischen Imperator. Als weltfreudige «femmes de leltres» schichten sie mehr Mörtel und Lehm zum Bau der Zukunft als mancher der griesgrämigen Positivisten ihrer Epoche. Die Aufklärung reift in den lieblichsten, bestcoiffierten Köpfen der Zeit, und die Voltaire, Montesquieu, d'Alembert, Diderot, Galiani werden von ihren ebenso denk- wie liebesfähigen Freundinnen mit Rat und Tat unterstützt, wenn es gilt, die geistigen Güter der Menschheit zu mehren. Während die Masse des weiblichen Geschlechts konservativ, das heisst bewahrend, kurzsichtig und engherzig gegen Neuerungen ist, steckt in der denkenden wie der dichtenden Frau immer die Kraft der Empörung. Im Gedanken wohnt der Zweifel, der an bestehenden Werten rüttelt, und in der Phantasie die Eingebung, die neue, bisher ungekannte Vorstellungen erschafft. Also sind beide Mächte im Frauengehirn revolutionärer Natur. Und als echte rechte Revolutionärin wird die denkende und dichtende Frau von der breiten Menge oft mit Misstrauen und jener gewissen hämischen Furchtsamkeit angesehen, womit der Durchschnittsbürger den Anomalien der Natur gegenübersteht. Diese lauernde Feindseligkeit hat natürlich nur so lange Geltung und Gültigkeit, als die Umstürzlerin vereinzelt auftritt. Jede Revolution gelangt zur Regierung, sobald sie die Stärke der Zahl gewinnt. Und also sehen wir auch die Phalanx der dichtenden und denkenden Frauen — Amazonen des Geistes, die die Wurfspeere des Gedankens in die gegnerischen Reihen schleudern — den Sieg erstürmen. In der Aera der Romantik — zu einer Zeit, da die Mehrheit des Geschlechts aus dem Winterschlaf der Jahrtausende noch nicht erwacht ist und noch keine Morgenröte des grossen Befreiungskampfes dämmert — steht die dichtende und denkende Frau schon rüstig dem Manne zur Seite. Dorothea Schlegel wirkt und schafft mit den Brüdern um die Wette; Bettijia, der geniale Wildling, schreibt kühne und originelle Bücher. Rähel Lewin, die dialektisch geschulte Jüdin, beschenkt im persönlichen Verkehr die Besten ihrer Zeit mit den reifen Früchten eines universalen Geistes, Iwnclcn ,. « 120.— » bia zn den vollkommenen, neuen, selbstgebanten and alten Mt ister-lnstrumenten n srösster AnswahJ nad zn vorteilhaften Preisen o. Bedingungen. in. — M hiMndmoa Und freier, immer freier wird die Bahn. Während die Lichter eines jungen Tages über der Welt der Frau aufzucken, reifen in eben dieser Frau die bisher ungenutzten, unverbrauchten Kräfte des Gedankens. Man erzählt, dass die Goldadern unerschlossener Berge singen und klingen. Die Frau — zu Beginn ihrer geistigen Erhebung — gleicht einem solchen unerschlössenen Bergwerk, worin das gefesselte Edelmetall die unverstandene Sprache der Sehnsucht redet. Das Gold ist befreit wardefi. Und täglich werden neue-Schätze zutage gefördert. Eine von vielen, steht heute die denkende oder dichtende Frau unter ihren schaffenden und ringenden Geschlechtsgenossinnen. Die Literatur zählt weibliche Namen von Weltruf. Die Wissenschaft hat eine Frau als Nobelpreisträgerin geehrt. Und wenn auf anderen Gebieten immer noch der Berufskampf der Frau ungebändigt und un.beendigt toben mag, im Reiche des Gedankens und der Dichtung ist der freie Wettbewerb mit dem Mann eine vollzogene und längst erkannte Tatsache. Dabei wird in den Frauen selbst — in 1 den ehrlichsten und mit höchstem Eifer ringenden zumal — der Zweifel nicht verstummen wollen, ob letzte schöpferische Taten zu vollbringen, wirklich dem weiblichen Geschlechte vorbehalten ward. Einem Geschlecht, das die Natur selbst rezeptiv und nicht produktiv geschaffen. Die Frau wird vielleicht alles lernen können; denn: «Das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt», hat schon der alte Herr von Weimar gesagt, der das mit der Bibel gemein hat, dass man sich für und wider alle Dinge auf ihn berufen kann. Kunst — der sprachliche Begriff schon rührt von Können her — gewissl Aber ob auch das schöpferische Samenkorn, aus dem eine neue Welt, eine neue Idee, ein neuer Gott geboren wird, in der Seele der Frau eingekapselt ruht, darüber werden die Aenonen künftiger Menschheitsentwicklung die Antwort geben müssen. Die Vergangenheit ist diese Antwort schuldig geblieben, aber sie besass ~ in Sachen der Frau — keine Redefreiheit und ist darum entschuldigt. Die Gegenwart hinwiederum lärmt mit zu vielen und zu gellen Zungen — babylonische Sprachverwirrung — als dass unparteiischer Erkenntnisdrang ihr Wahrheit und Klarheit danken könnte. Aber bis der endgültige Richtspruch über des Weibes Beruf und Berufung erfolgt, werden wir jedem Frauengeist, der «strebend sich bemüht», Anerkennung und Ehrerbietung zollen, unbekümmert darum, ob beim Wettlauf um die Unsterblichkeit der Mann um einige Jahrhundertlängen voran ist. HEITERKEIT Wer sich heiter zu erhalten sucht,

KINDERSTREICHE Wie weit kann man in die Kindheit zurückdenken? Oft sehr weit. Ich bis zur Zeit, wo ich noch einen Rock getragen habe, wohl, weil mir da ein paar unangenehme Ereignisse zugestossen sind. Einmal lief ein Pferd über mich hinweg, glücklicherweise, ohne mich zu verletzen. Wahrscheinlich war gerade mein Schutzengel bei mir, aber das andere Mal ging es nicht so glimpflich ab in jener Wassergrube, wo ich ohne die hinzueilende Mutter sicher ertrunken wäre. Auch weiss ich noch ganz gut, wie ich mit fünf Jahren verheiratet war mit einem ebenso alten Mädchen. Wir spielten hinter dem Hause, und unser Kind, es war eine tote Maus, küssten wir beide und begruben es dann feierlich im Sand. Ich weiss auch noch, wie meine Frau recht aufgeräumt war und energisch gebot, dass ich ihr zu folgen habe und alle Wünsche erfüllen müsse. Ich habe ihr dann auch ganz willig Kieselsteine herbeigetragen, was recht viel Geld bedeutete und sie war dann zufrieden aus dem Grunde, weil wir einfach gar alles hatten, was wir brauchten. Aus Lehm baute ich ein schönes Haus, und wenn meine Frau sich etwa extra zwei Zimmer wünschte, war ich gleich zur Hand, dies zu berücksichtigen. Pferde konnten wir uns auch halten, weil die Tannenzapfen nicht gar zu •weit zu holen waren. Ich kann mich aber doch noch erinnern, dass meine Frau immer die war, die sich noch mehr wünschte! Es war, glaube ich, für mich ein Glück, dass alles so leicht zu beschaffen war, sonst hätt's doch bald einen Zwist gegeben. Und dann kamen die bösen Bubenstreiche! Da, wo ich auf einem Heuboden als kühner Seiltänzer über einen Balken lief, angetan mit einer roten Weste mit goldenen Knöpfen. Wo alle meine Schulkameraden staunten, entweder wegen meiner Glanzleistung? oder ob der schönen bunten Weste? Ich wollte aber allem noch eine Krone aufsetzen, indem Ich mich auf meinem hohen Seil,.in,der Mitte Einsetzte und in dieser schwindelnden Höhe Pfannkuchen backte, gerade so wie es die Seiltänzer zu machen pflegen. Ich musste aber mit dem Lehm, den ich hierzu verwendete, etwas ungeschickt umgegangen sein, da plötzlich das Eisenblech, das meine Pfanne vorstellte, mir aus der Hand glitt in die Tiefe, und unten auf den Kopf eines Zuschauers fiel. Es war ein kleines Mädchen, das entsetzlich heulte und auch blutete. So war mein Ruhm gleich wieder schmählich erloschen, und eine gehörige Tracht Prügel gab's noch obendrein, dass mir das Sitzen einige Tage gar kein Vergnügen machte. Es kamen nach nicht allzu langer Zeit noch einige zerbrochene Fensterscheiben dazu, und mein Ruf im Dorfe war allmählich nicht mehr der beste, denn ich hatte auch das Pech, überall ertappt zu werden, und zu allem Ueberfluss wurden noch andere Streiche in meine Schuhe geschoben. Da war ich schon an dem Punkte angelangt, dass mich nur noch eine besondere Heldentat reinigen konnte. Und die Gelegenheit bot sich an einem Wtntertag auf unserem Dorfweiher. Ein kleines Büblein hatte sich auf zu dünnes Eis verirrt, brach ein und wollte gerade den letzten Schlucker machen, als ich es noch rechtzeitig am Sehlawittich packte. Und seine Mutter, die im Unterrock und roten Strümpfen in ihrer Verzweiflung ins Wasser sprang, konnte ich auch noch mit herausziehen. Da war ich mit einemmal der Held des Tages. Aber viel länger dauerte mein Ruhm auch kaum, denn die Froschprellerei brachte mich wieder in Unehre. — So geht es den meisten Helden, dass ihre Taten zu schnei) von den undankbaren Mitmenschen vergessen werden. Und wäre nicht bald die Zeit gekommen, wo ich aus der Schule entlassen wurde, so hätte bald wieder jemand ins Wasser fallen müssen, an dem ich mich dann hätte wieder reinwaschen können. RUEDELI STÄUFER Von J. Reinhart. In der «Ewigkeit». Das ist ein gar einsam, weltverlorenes Plätzlein Erde, und in den Büchern und Zeitungen ist mir sein Name noch nie begegnet. Ein Stücklein Mattenland und Aeckerlein dazwischen, wie ein grünes Kleid, mit braunen Lappen geflickt; ein Stücklein vom blauen Himmel; und wie das Bild hn schwarzen Rahmen ringsum der dunkle Tannenwald und im Norden der hohe Berg mit den weissverwaschenen Flühen. Da und dort hinter alten Bäumen blickt schüchtern, wie ein furchtsam Maitli, ein graues Schindelhaus hervor. Dort, in der «Ewigkeit», waren wir daheim, und jetzt, nach vielen Jahren, wenn wir uns einmal treffen, alte Kameraden, denen es zu eng geworden in der «Ewigkeit», drücken wir uns die Hand. Wir reden wieder von jener Zeit, da wir ins Holz gegangen, da wir die Vogelnester AUlOMObIL-KfcVUE aufgespürt, da wir in die Flühe gestiegen, da wir singend heimgekehrt, die gefüllten Himbeerkrättlein umgehängt. Aber dann kommt wohl auch ein Tröpflein Wehmut in die Erinnerung, wenn wir von denen reden, die mit uns so manchen sonnigen Sommertag im Beerenschlag, im Berg verlebt. Es ist der Staufer Ruedeü", dem wir an jener traurigen Weihnacht grünes Moos und Palmenblätter im Walde gesucht, dass die Mädchen einen Kranz flechten konnten. Der grüne Kranz mit den weissen Rosen darin lag auf seinem Totenbäumchen, als man ihn zur Kirche trug, zwei Tage nach Weihnacht Ich seh' ihn noch, als stund' er vor meinen Augen : ein bleiches, menschenscheues Bürschli, in seiner blauen Ohrenkappe, die ihm die Mutter aus des seligen Vaters Soldatenröeklein gemacht. Er war nicht wie die andern! Er war nicht für die Menschen. Die Mutter hatte ihn nur für sich allein gezogen. Lang musste er den bittern Spott von uns fühlen, den Spott für sein Heimweh nach dem Mütterlein. In der Schule hatten wir das Geschichtlein gelesen vom Mütterlein, das seinem Söhn nach vielen, vielen Jahren auf der Strasse begegnet und ihn vor allen andern wieder erkennt. Da hörte man ein Schluchzen, der Staufer Ruedeli hatte das Heimweh nach dem Mütterlein, das allein daheim bleiben musste, während sein Büblein in der Schule war. Kamen wir am Mittag, Buch und Tafel unterm Arm, auf den Tannenrain, da, wo es in unser Waldeiland, iti die «Ewigkeit» hineingeht: da war der Ruedeli der erste. Da sah er hinten im Waldeck, wo die Tannen ganz nahe stehen, seiner Mutter Häuslein. Aus dem kleinen, schwarzen Kamin stieg ein blaues Räuchlein, das war ihm wie ein freundlicher Gruss von daheim, von seinem Muetterli, das dort am Herde stand und seinem einzigen Büblein Erdäpfelstörzli kochte, mit braunen, knusperigen Brotbrösmelein darauf und einem goldgelben Butterbäcblein ringsherum. Da war der Ruedeli nicht mehr zu halten. Voraus lief er, was ihn die kurzen Beine trugen, wir hinten drein mit lautem Spott. «Der Ruedeli hat Langezeit, Langezeit nom Müetterli!» Aber einmal, da kamen wir die Strasse hinan; auf dem Rain, da blieb der Ruedeü stehen; die Hand hielt er über die Augen, als möcht' er besser sehen. Aber er schaute und schaute, er sah kein Räuchiein steigen. Zurück hat er geblickt nach uns, wie fragend, hilfesuchend. Und dann war er gelaufen, in einem Atem, nicht den Fussweg hinauf, der von der Strasse zum Häuslein führt; er eilte über die tiefbedeckten, winterlichen Matten. Zu Haus, an der Türe, blieb er stehen. Eine Stimme redete da drinnen. Und wie er den Fuss über die Schwelle setzte, kam der Doktor aus der Stube; Ruedeli kannte ihn wohl am strengen Gesieht mit dem schwarzen Bart, er war einst beim Vater selig gewesen. Wie der Doktor den Schritt aus der Türe tat, ging das Mitleid über sein Angesicht. Er nahm des Knaben Hand und sprach zu ihm. dass das Erbarmen aus seiner rauhen Stimme zitterte: «So Büebli, folg jetzt schön der Mutter! Sie hat's gar nötig! Sie ist krank'-» Das war ein Wort, das tat dem Büblein weh im Herzen wie ein Messerstich. «Sie ist krank!» Wie gelähmt sank er auf die steinerne Schwelle. 0, dieses Wort, das war ja, was flun schon seit vielen Wochen voraus gewesen, wie ein drohendes Unglück ! In mancher Nacht war er im Stüblein aufgewacht. Da hatte er im matten Schimmer des Fensters die Mutter gesehen, halbaufgerichtet im Bette, der böse Husten war wieder an sie gekommen. Da hatte der Ruedeli gerufen: «Mutter, bist du krank?» «Nein, es ist nichts Kind, sch'af du!» Und nun schon so manche Nacht, seit vielen Wochen. Aber die Mutter hätte nicht Zelt gehabt zum Kranksein: sie musste ihrem Büblein Strümpfe stricken und Höslein flicken. Und jetzt war es doch gekommen; der Doktor hatte es gesagt. Wie der Ruedeli sich erhob, da hörte er durch die offene Türe aus dem Stübli ein, verhaltenes Schluchzen, dazwischen ein tröstendes Zureden. Ruedeli hielt den Atem an. Da drinnen hörte er reden, es war die Stimme der Katharinabas, die war aus den Dörflein zur Mutter gekommen; die hatte wohl den Doktor gebracht. Mit zagem Schritt wollte er über die Schwelle treten, da vernahm er wieder das Schluchzen. Und jetzt, da er den leisen Fuss schon in die Stube getan, fiel sein Blick durch die halboffene Türe auf das Bett der Mutter. n Sie rviAdich BflHNHOFSTR.62 / ZÜRICH 4 prächtige, garantiert echte Failteil I Is Louis XV, 1 Schreibtisch, satine und bois de violette, gezeichnet A. Dubois. Nähere Auskunft durch LMoinat, Tapezierer, Rolle Telephon 166 BEL gediegen geschmackvoll preiswert ZÜRICH, nur Limmatquai 34 «Rudolf-Mosse-Haus" Tramh. Üraniabrücke-Limmatqnai ASKA A.-C. Ki*euz1inaan Herrn. Holzheu &C? 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