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E_1928_Zeitung_Nr.107

E_1928_Zeitung_Nr.107

Alisgabe: Deutsche Schweiz. IFFF. Freiffp. 28. Dezember 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — NT" 107 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dienstag und Frellao Monatlich -Gelbe Ulte" Balbjabrlieb Fr. 5.—, lährllch Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, toleni nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im ADMIXISTRATION: Brattcnrainstrasse 97, Ben In- und AuslandHO Ranpen. Postcheck-Rechnuns (U'414 Telephon Hollwerk 39.84 i , Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Ein Jahr harten Kampfes liegt hinter nns. Es galt, wohlerworbene Rechte zu verteidigen und ebenso noch nicht erfüllte, aber trotzdem nur zu berechtigte Forderungen zu erkämpfen. Noch stehen wir nicht am Ziel Der Kampf um eine gute Sache wird und muss im kommenden Jahre fortgesetzt werden. Der Erfolg wird schlussendlich unser sein, wenn alle Automobilisten nach wie vor treu zu ihrer Sache stehen. Wir zählen auf Ende dieses Jahres rund 100 000 Motorfahrzeugbesitzer. Sie bedeuten sicherlich eine Macht, aber diese Macht kommt erst zur Geltung, wenn ein starkes Solidaritätsband alle Automobilisten unter einander verbindet. Die beständige Weiterentwicklung des Automobilismus stellt uns fortwährend wieder vor neue Aufgaben. Der Verkehr muss geregelt werden. Es bedingt dies gesetzgeberische Massnahmen, wie überall da, wo der einzelne sich zum Vorteil der Gesamtheit und zu seinem eigenen dem Ganzen unterordnen muss. Im Mittelpunkt des kommenden Jahres wird der Kampf um das eidgenössische Automobilgesetz stehen. Wohl bewusst, dass das kantonale Automöbilkönkordat den heutigen Forderungen nicht niehr entspricht, haben sich verschiedene Kantone daran gemacht, auf ihrem. Gebiete neue Verkehrsverordnungen zu erlassen. Sie weichen in den wesentlichsten Punkten voneinander ab, so däss auf kleinem Territorium heute 22 Kantone verschiedene Verordnungen besitzen. So stehen wir tatsächlich vor einem Chaos. Das eigenmächtige Vorgehen der Kantone ist unserer Ansicht nach für eine eidgenössische Verkehrsgesetzregelung nicht durchwegs zum Vorteil gewesen. Um so dringender wird der Ruf nach einer eidgenössischen Gesetzgebung. Die Beratungen hierüber werden im kommenden Jahre wieder aufgenommen werden. Die wenden. Die Kantone brauchen zum Ausbau und Unterhalt ihres Strassenwesens dringen- Mittel; ihre Kassen Hegen brach. Der Strassenverkehrsinitiative, welche die we-desentlichsten Forderungen der Motorfahrzeugbesitzer enthält, ist vom Bundesrat sowohl als Der Aufschwung des Automobilismus Ist noch Verkehr jedoch kümmert sich nicht darum. auch von den eidgenössischen Räten dem nicht beendet. Im Gegenteil. Die kommenden Volke zur Verwerfung empfohlen worden. Jahre werden noch wesentlich erhöhte Ziffern Zwar wurde eine Motion angenommen, die einen gewissen Lichtblick enthält. Mit der Annahme dieser Motion allein können wir uns jedoch nicht zufrieden geben. Die Initiative muss so lange aufrecht erhalten werden, als wir keine genügenden Garantien in den Händen haben, dass den dringlichsten Forderungen der Automobilisten entsprochen wird. An Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Naack. (6. Fortsetzune) Mr. Clifferton hatte nach langer Erholungspause seine Arbeit wieder aufgenommen. In den Werken ging alles seinen gewohnten Gang. Man war zu grösseren Arbeitseinschränkungen gezwungen, da die Aufträge nach der Affäre und dem ungünstigen Ausgang des Highlandpass-Rennens sehr zurückgegangen waren. Im Direktorium mass man im geheimen Clifferton die Schuld an der eklatanten Niederlage, an dem Triumphe der Henderson-Company zu. Konsul Shuman, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, hatte in seiner rücksichtslosen Art diese Ansicht ziemlich unverhüllt zum Ausdruck gebracht. Dabei äusserte er auch starke Zweifel über die Brauchbarkeit und Ueberlegenheit des Sagreve-Motors im Hinblick auf Konkurrenzfabrikate. Clifferton hatte diese Auslassungen in dumpfer Resignation mit angehört. Seit jenem unheilvollen Tage war es mit seiner gewohnten Elastizität vorbei. Besonders war C JZULT JetlxresT^reixdLe! keit von 332,968 km in der Stunde erreicht und damit Amerika den heissumstrittenen Rekord erneut erobert. Und der Wagen war ein Henderson-Spezial- Rennwagen gewesen. Zum zweiten Male wurde die automobilistische Welt auf die Henderson-Motor-Gar- Coinpany aufmerksam. Sofort nach Eingang dieser sensationellen Nachricht hatte Clifferton eine lange Unterredung mit Bob Sagreve. Beide Männer wussten, wie der erzielte Weltrekord zustandegekommen war. Jetzt gab es nur noch eins : Kampf, äusserster Kampf bis zur Vernichtung! Die Henderson-Company hatte den Fehdehandschuh hingeworfen. Wohlan denn: die World-Company nahm ihn auf! Wenige Tage darauf, nach Erledigung der notwendigen Vorarbeiten, begann der Bau des zweiten Sagreve-Rennwagens. Die Jagd nach dem Rekord hatte begonnen! IX. Die Brüder Henderson, Henry und William Henderson, hatten Aufenthalt in der Villenstadt Hammerton genommen. Die Atlantic- Bahn war von hier aus in etwa einstundiger Autofahrt zu erreichen. Hier, in der luxuriös ausgestatteten Villa der beiden Henderson, die als Junggesellen in vollen Zügen ihr Leben lebten, befand sich das Hauptquartier des Kampfes gegen die World-Motor-Car- Company. Die Interessen beider Unternehans ist es, unserer Ansicht und Auffassung, die nur die allgemeinen Interessen des, Verkehrs und damit die Interessen unserer Wirtschaft und das Wohl unseres Landes im Auge haben, zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist für uns von ausserordentlicher Wichtigkeit, dass der Automobilismus in den kantonalen wie in den eidgenössischen Räten an Einfluss gewinnt, damit schlussendlich ein gutes, allen Strassenbenützern entsprechendes Projekt in Form eines neuen Gesetzes und der dazu gehörenden Verordnung vom Volke angenommen werden kann. Wollen wir uns nicht vor uns selbst und vor dem Auslande lächerlich machen und.damit schwerwiegende Interessen unseres Wirtschaftslebens gefährden, so ist es höchste Zeit, dass in dieser Materie Ordnung geschaffen wird. Die leidige Benzinzollfrage hat dieses Jahr ihre vorläufige ilösung gefunden. Wir betonen «eine vorläufige», denn mit der Ausrichtung eines sogenannten- Viertels der Benzinzolleinnahmen an, die Kantone, der richtig besehen nicht einmal einen Viertel ausmacht, können und dürfen -Mir uns nicht zufrieden geben. Wie der kantonale Bäudirektqr des Kantons Bern'in der Sektion Bern des A. CS, richtig ausführte, gehörte mindestens ße Hälfte der Benzinzöllerträge den Kantorten. Folgerichtig wäre jedoch einzig eine ganze Freigabe dieses Ertrages für Slrassenzwecke. England ist uns hierin in vorbildlicher Weise vorangegangen. In dieser Richtung werden unsere Anstrengungen erneut einsetzen müssen. Daneben liegt es im Aufgabenkreis der Fahrer, dafür zu sorgen und darüber zu wachen, dass die Kantone die ihnen zugesprochenen Summen wenigstens in zweckentsprechender Weise ver- aufweisen können. Dem Automobil muss die Bahn freigegeben werden. Es liegt dies im Interesse unseres Verkehrs und damit unseres Wirtschaftslebens. Die Bewohner der alten Drehscheibe Europas haben allen Grund, darüber peinlich zu wachen, dass ihnen eine bedeutende Einnahmequelle nicht verloren geht. Unsere Nachbarländer haben die Wichtigkeit i es das Schicksal Bob Sagreves, den er als Mitarbeiter schätzen, als Mensch und Charakter lieben gelernt hatte, das ihm sehr nahe ging und zu seinem seelischen Zustande beitrug. Auf seine Anordnung hin erhielt der junge Mann die denkbar beste Pflege. Professor Brighton, die bekannte Kapazität, wurde persönlich bemüht und leitete die Behandlung mit dem Einsatz seines ganzen Könnens und Wissens. Endlich, endlich, nach langen Wochen der Erwartung und' der Hoffnung, war die Lebensgefahr beseitigt, und in dem geschwächten Körper begannen sich die Lebensgeister zu regen. Ein müder, alter Mann, schwer auf seinen Stock gestützt und von dem Diener sorglich geführt, so kam Reginald Clifferton, der Generaldirektor der World-Motor-Car-Company, an diesem Abend in sein Heim zurück. In der Halle eilte ihm Alice entgegen; Clifferton blickte auf. Schon hatte sie ihn umfangen und flüsterte ihm unter Lachen und Weinen ihr Erlebnis, ihre Liebe zu. « Bob geht es gut, Vater, er wird gesund und lässt dich grüssen! » Clifferton streichelte sanft ihren Scheitel : « Ja, er wird gesund, mein Kind, ich weiss es, und alles wird gut! » Täglich weilte jetzt Alice bei dem Geliebten und freute sich über die langsamen Fortschritte seiner Genesung. Dann konnte er aus der Klinik entlassen werden. Gern folgte er der Einladung Cliffertons, Gast auf dessen Landsitz zu sein, wo er bald völlig gesundete gut ausgebauter, moderner Strossen voll erfasst und scheuen vor keinen Summen zurück, um den Fremden- und Durchgangsverkehr an sich zu ziehen. Die Gefahren einer Umfahrung unseres Landes sind gross. Es gilt, rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Zum erfolgreichen Kampfe braucht es jedoch eine Waffe. Diese Waffe heisst Presse. Sie ist im heutigen Leben von ausschlaggebender Bedeutung. Nicht zuletzt auch für die Automobilisten. Mit dem Anwachsen des Automobiiismus gewinnt diese Frage an Bedeutung. Die « Automobil-Revue » hat von jeher unabhängig mit Kraft und Geschick für die vitalen Interessen des Automobilismus gekämpft. Da sie keiner Gruppe angehört, war es ihr schönes Vorrecht, im Namen aller zu kämpfen. Die Zeitung eines jeden Automobilisten ist die «Automobil-Revue •». Gerne stellt sie sich für einen gerechten Kampf zur Verfügung. Sie darf dafür erwarten, dass man ihr Treue hält. Je weiter sie ihren Aktionsradius spannen kann, je geschlossener sich die Automobilisten hinter sie steilen, desto grösser; ist ihr Erfolg, desto nachhaltiger die Macht.. ihrer Stimme.' ' INSERTIONS-PRElS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder denn Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland SO Ctfc Grössere Inserate nach Seitentarii. Inseratensehlus? 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Rennen haben das wachsende Interesse an antomobilistischen Sportveranstaltungen gezeigt. i Auch hier lässt sich die « Automobil- Revue» angelegen sein, über schweizerische wie europäische Veranstaltungen prompt und umfassend zu berichten. Der Automobilist steckt tief im Wirtschaftsleben. Gerne greift er nach getaner Arbeit zu auffrischender Unterhaltung. Ein Bück in unsern «Autler-Feierabend» und er findet alles das, was seinem Wunsche entspricht. Der «Autler-Feierabend» entwickelt sich mehr und mehr zum eigentlichen Familien* blatt, das in Kreisen unserer Autlerfamilien mit wachsendem Interesse und grosser Befriedigung gelesen wird. Daneben werden wir es uns angelegen sein lassen, unter dem Feuilletonstrich immer wieder einen spannenden Roman für unsere Leser und Leserinnen laufen zu lassen. Was wir im Jahre 1928 an Gutem geleistet haben, wollen wir im Jahre 1929 noch übertreffen. Redaktion und Verlag der «Automobil-Revue» schrecken vor keiner Kraftanstrengung zurück, immer vom Willen geleitet, unsere. Abonnenten und Leser nach '.allen Seiten hin zu befriedigen.-Die vermehrte An r zahl der Nummern, wie auch deren verstärkte., Seitenzahl beweisen, dass es uns mit dem Die « Automobil-Revue •» ist' aber picht nurAusbau des Blattes ernst ist. Trotzdem haben Vorkämpferin äutomobilistischer Interessen. wir unsern sicherlich äusserst bescheiden zu Mit gleicher Sorgfalt und Gründlichkeit pflegt nennenden Abonnementspreis von Fr. 5.-*- sie die, Gebiete des Tourismus, des Sportes pro Semester beibehalten. und der autotechnischen Erfahrung. Eine Es ist sonst nicht unsere Sache, von unseret Reihe hervorragender Mitarbeiter haben sich Arbeit zu sprechen. Wir glaubten jedoch auch für diese Gebiete zur Verfügung gestellt. nicht unbescheiden zu sein, wenn wir anlässlich des Jahreswechselseinmal auf alle diese- Damit hat sie sich das schöne Vorrecht errungen, zu einer unersetzlichen und unentbehrlichen Fundgrube eines jeden Automobi- Punkte hingewiesen haben. Wir haben es getan in der Hoffnung, dass die demnächst listen zu werden. Die autotechnische Wissenschaft schreitet von Erfolg zu Erfolg, und die laufenden Abonnements • Einzahlungsscheine von Fr. 5.— für das erste Semester 7929 ia « Automobil-Revue » rechnet es sich zur hohen Ehre an, auch auf dem Gebiete der Tech- allen Autlerfamilien eine wohlwollende Aufnahme finden werden. Wir haben die freudige Genugtuung, zu wissen, dass unsere vernik den Automobilisten fortwährend ein guter Führer und Berater zu sein. Der schnellen ehrten Abonnenten unsere Arbeit zu schätzen Entwicklung des Automobilismus konnte unsere Jurisprudenz nicht folgen. Auch auf wissen und deshalb durch ihre Abonnementserneuerung beitragen werden, der Urnen liebgewordenen Zeitung ihre weiteren Aufgaben diesem. Gebiet gilt es noch, grosse Fragen zu lösen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang verwirklichen zu helfen. Gerne nehmen wir nur an die Haftpflichtfrage, die in jedem einzelnen Kanton noch sehr verschieden gehand- zugleich den Anlass wahr, unserer ganzen, grossen Lesergemeinde die aufrichtigsten habt wird. Um so willkommener ist unsern Glückwünsche auf das kommende Jahr zu Lesern der juristische Sprechsaal, der unsere entbieten ! Fragesteller immer wieder zuverlässig und gründlich zu beraten weiss. Auch der Sport Redaktion und Administration der verlangt heute sein Recht. Die letztjährigen „Automobil-Revue". und tatenfroh neue Pläne schmiedete. Das war zu der Zeit, als der sensationelle Weitrekord auf der « Atlantic-City-Automobilrennbahn » bei Hammerton im Staate New Jersey der Welt bekannt wurde. Colonel Miller hatte auf dieser Bahn eine Geschwindigmungen berührten sich auf allen Weltmärkten. Der sich dadurch entwickelnde Konkurrenzkampf wurde seitens der Hendersons mit einer Schärfe geführt, die auch vor unfairen Mitteln nicht zurückschreckte. Und wenn auch das Unternehmen selbst dem Anschlag auf den Sagreve-Wagen ferngestanden, so konnte man sich einer gewissen Befriedigung über das gelungene Bubenstück nicht enthalten. William Henderson, der jüngere der Brüder, gab diese Empfindung einer intimen, sehr aufgeräumten Tafelrunde", dieden Sieg auf den Highland-Pässen feierte, unverhohlen Ausdruck. In der Gesellschaft war auch Anatole Etienne anwesend, der als Konstrukteur des Siegeswagens gebührend gefeiert wurde. Als aber dann die näheren Umstände des Unglücksfalles auf der World-Bahn bekannt wurden, sichtete sich doch der Freundeskreis um die Hendersons, die sich gleichfalls durch verschiedene, unlautere Konkurrenzmanöver gesellschaftlich unmöglich gemacht hatten. Auch Etienne befand sich unter falschem Namen in den Staaten. Nach wie vor erfreute er sich des besonderen Vertrauens der Hendersons, vornehmlich des jüngeren, Williams, der von den beiden Brüdern überhaupt der skrupe'losere, der rücksichtslosere war, während der ältere, Henry, eine verschlossene, strenge Natur, durch andere Interessen gebunden, manchen Einblick in die kaufmännische Leitung des Unternehmens nicht er«