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E_1928_Zeitung_Nr.107

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22 AUTOMOBIL-REVUE 19.2R

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N° 1D7 — 1928 XV. Blatt AUTOWOB'L-RFVUE NEUJAHR Als Walter Behrens am Abend des einunddreissigsten Dezember auf dem Weg von der Fabrik, in der er als Ingenieur für Automobilkonstruktionen tätig war, nach seinem Hause vor der Knabenschule eine Horde schneeballender Jungen antrat, da fasste er sich unwillkürlich an die Stirn : « Edgar »... Nein, Edgar war nicht unter diesen Buben, Walter Behrens wusste es sehr gut, und dass er es so gut wusste, das war es, was ihn den Heimweg an diesem letzten Dezembertag in solch kurzen, langsamen Schritten machen Hess, die so gar nichts mit seinem gewohnten, raschen und weitausschreitenden Gang gemein hatten. Und je mehr hinter seiner zergliederten Stirn der Gedanke an seinen blonden Jungen Raum gewann, der nun, weit von elterlicher Fürsorge, in einer Knabenerziehungsanstalt, die ja allerdings in beziig auf Lebenshaltung and Komiort durchaus die Höhe des gewohnten Niveaus hielt, allein Weihnachten hatte zubringen müssen und weiter allein bleiben sollte über die Neujahrszeit — je mehr sich seine Gedanken von mitleidender Erinnerung an den fernen Einsamen zu sehnendem Wunsch steigerten, seinen Sohn wieder bei sich zu haben, um so langsamer wurden seine Schritte. Da tauchte hinter einer Strassenbiegung sein Haus auf — der trauliche Lichtschimmer winterlich erwärmter Zimmer grüsste einladend — und Walter trat ein. Ein Mädchen in herrschaftlichem Häubchen nahm Hut und Mantel und verschwand. Frau Behrens sei ausgegangen. «Natürlich», sagte sich Walter und ging ins Rauchzimmer. Beim Betreten dieses grussen Raumes, in dem an Winterabenden auf Geheiss des Hausherrn immer ein Kaminfeuer brannte, fiel ein grosses Oelbild auffällig in die Augen, das eine junge Frau in Gesellschaftstoilette zeigte. Ein grosses Gesicht, beherrscht von zwei dunkel brennenden Augen, begrenzt von einer gewölbten Stirn und kleinen, etwas aufgeworfenen Lippen, lieftete einen zwingenden Blick auf jeden, der eintrat. Walter setzte sich in einen der tiefen Fauteuils, die neben einem niedrigen Rauchtisch das einzige Ameublement des Zimmers bildeten, und starrte über den blauen Rauch seiner Zigarre auf das Bild, auf seine Frau also, wie sie, von einem mondänen Maler porträtiert, sich hier ihm zeigte. Walter träumte. In langen Zügen paffend, Hess er die letzten Jahre vor sich durchgleiten... wie er als junger Ingenieur bei der Firma Kern eingetreten war, wie ein fast zufälliger Erfolg, eine kleine technische Neuerung, die von ihm ausgegangen war und die sich als finanziell reich gewinnbringend erwiesen hatte, ihm eine leitende Stellung eingetragen hatte... Damals schien ihm aVes zu glücken; am Anfang einer Reihe von Erfolgen DAS WUNDER Es ist früh morgens. Der werdende Tag .hält noch den Atem an. Jetzt steigt die Sonne über den Berg und die kleine Stadt, die in dem freundlichen Tal gebettet liegt, sieht mit einem Mal heiter und fröhlich aus. Ein Glänzen und Blinken hebt an. Tausende von Tautropfen glitzern im Gras der Wiesen und die Blumen haben ihre Kelche gross und leuchtend aufgetan. Alles scheint lieblich und frisch im hellen Morgenlicht. Alle Verheissung will auch für die Erfüllung Gewähr bieten. Es ist ja Frühlingszeit und es gilt heute ihre ganze Glückseligkeit. Es gilt die Freude eines lichtvollen Tages. Irgendwo in dieser kleinen Stadt steht inmitten eines Gartens ein kleines weisses Haus. Wenn die Sonne in den Garten kommt, ist er schon voller Leben. Pip-pip, rufen die Vögel aus dem Geäst der Bäume. Erst zaghaft, dann lauter und immer ungestümer. Zuoberst im Birnbaum aber sitzt eine Amsel. Königlich reckt und streckt sie sich zur Höhe. Jetzt hebt sie an zu singen. Mächtig schwillt ihr Lied, siegesbewusst und herrschend ergiesst es sich über den Garten. Nun schwillt auch der Lärm der Spatzen an. All die Vogelstimmen mischen sich und gehen ineinander über. Und das ganze Daseinsglück der Kreatur triumphiert in einem Jubelsang. Auch die Luft wogt ein wenig. Ein leiser Wind fährt zeitweise blindlings durch die Bäume. Er weht eine ganze Menge zartweisser und rosaroter Blütenblättchen ins Gras. Aber die Sonrje hält ihn umschlungen und so kann er nicht anders, jeder Art glaubte er zu stehen. Dann war Eva in sein Leben getreten... Da erst recht schien ihm der Himmel offen. Es klingelte. Walter fuhr auf. Eine Minute später erschien Eva selbst im Türrahmen, die dunkeln Augen von innerem Feuer glänzender noch als sonst, mit leicht von der Kälte geröteten Wangen. Walter erhob sich. « Du warst in der Stadt ? » riet nichts mehr von der wohl nur momentanen Regung. « Wird wohl Edgar sein Paket heute noch erhalten ?» erkundigte sich nach längerem Stillschweigen Walter. «Ich denke», sagte" Eva langsam und blickte aus grossen, dunkeln Augen lange nach ihrem Mann. «Ich bin diesen Abend », fuhr sie dann fort, « bei der Knabenschule durchgegangen.» Von hohem Bergkamm und in 'schwarzer Nacht Hör ich ein fernes Glockenläuten aus dem Tal. So wird das neue Jahr mir kund gemacht... Und meine Sinne fliehen ahnend nun voraus, In Hoffnung und in Bangen, in Freude halb und angsterfüllter Qual, Was alles noch vom Neuen zu erhoffen. Ob Glück, ob Leid auch oder Lust und Weh Noch ist mir nichts gewiss. Vor mir noch offen Liegt alles — unberührt, wie hier der Schnee. Eva schritt langsam auf ihren Gatten zu, bog seinen Kopf zu sich herab und küsste ihn. « So Heb ? » fragte Walter. Da nickte sie leicht und ging. Prüfend schaute Walter während des Nachtessens wiederholt auf seine Frau, deren Weichheit ihm heute so befremdenden und beseligenden Eindruck gemacht hatte. Aber dieses beherrschte und schöne Gesicht ver- als in zärtlicher Umarmung den Garten, die Bäume und die Vögel umspannen. Das kleine Haus schläft noch hinter grünen Fensterladen. Darum schiebt jetzt die Sonne ein Strählchen durch die Ritzen. Das tastet zielbewusst in die hinterste Zimmerecke. Dort steht ein weisses Bettchen und ein kleines braunlockiges Mädchen schläft darin. Der Sonnenstrahl gleitet liebkosend über die Ringellocken des Kinderkopfes. Dann hüllt er das ganze Gesichtlein in sein Licht und seine Wärme. Darüber erwacht das kleine Mädchen und schaut den Sonnenstrahl aus grossen Augen verwundert an. Und es will gerade fragen: «Was ist los, was willst denn du?» Da fällt ihm ein, dass sie beide gut Freund sind und öfters des Morgens miteinander spielen. Darüber wird es munter, klettert aus dem Gitterbettchen, bewaffnet sich mit einem Spiegelein und nun hebt ein tolles Jagen an. Aber es dauert nicht lange. Wasser, Seife, Schwamm bilden das alltägliche, nun folgende Intermezzo. Das ist dem kleinen Mädchen eine unerfreuliche Situation, aber es weiss ihr doch eine freundliche Seite abzugewinnen. Es darf die Prozedur auf einem Stuhl stehend über sich ergehen lassen. Und aus dieser Perspektive erschaut es eine neue Welt. Das Waschbecken wird zur See und der beissende Seifenschaum zu allerliebsten Segelschiffchen. Und der Tag rückt weiter vor. Das Kind und die Freude haben auch heute ein Bündnis miteinander geschlossen und halten dem Tag fröhliche Kameradschaft. Und in dem Garten, der von dem Haus in die Welt hinaus führt, verbringt das kleine Mädchen viele Ko. Walter fühlte, wie sich ein Gewicht auf sein Herz legte. Eva sah immer noch aus grossen Äugen unbeweglich nach ihm hin. Da stand er auf und schritt auf sie zu. Ganz sachte und zart, wie früher, als er sie als junges Mädchen im Arm gehalten hatte, bog er mit beiden Händen ihren Kopf zurück und sah in ihre Augen mit einem fragenden, bittenden Blick, und sah, wie eine Träne ihr Schwarz verdunkelte... und blickte unbeweglich in Zeit. Da hat es seine Freunde und gibt es die wundersamsten Dinge. Am liebsten ist ihm der Erdboden. Im Rasen, da hat es Gräser und Blumen und zwischen und unter und über ihnen, da wohnen die Käferlein, Ameisen, Würmer, Schmetterlinge und man findet Hälmlein, besondere Erdklümpchen, Schnekkenhäuschen und derlei wundersame Sachen. Und in den Wegen gibt es weisse, bunte, flache und kantige Steine und solche, die glitzern. Die kleinen, dicken Fäustchen kommen kaum nach, all die Wunderdinge dieses Garten zu betasten, zu umfassen und zu greifen. Das kleine Mädchen und der Boden sind so viel beisammen, dass sie sich nicht voreinander fürchten. Angst und Gefahren gibt es für sie beide nicht. Und wenn das Kind einmal fällt, sind sie sich ja so nahe, dass sie sich auch gleich erkennen. Und stösst es sich einmal an, so weiss es nun, dass harte Dinge behutsam zu berühren sind. Das ist eine Erkenntnis, ebenso wichtig, wie alle andern, die man fortwährend macht. Ist das kleine Mädchen müde, legt es sich ins Gras und staunt in den Himmel. Dann kommt sicher immer ein winziges Wolkenschiffchen, nimmt es auf und trägt es fort. Dann wird ihm leichter und leichter und mit einem Mal schläft es fest. Zu gewissen Tageszeiten kommen von draussen fremde Leute durch den Garten in das Haus. Es sind meist Kranke, die Rat und Hilfe holen kommen. Selten achten sie der Kleinen. Aber heute nach dem Vesperbrot hat das kleine Mädchen doch ein ganz seltsames Erlebnis. Es hat gerade unendlich viel zu tun. Alle Puppen ankleiden, ihnen Essen kochen die tiefe Glut dieser Augen. Und plötzlich riss er seine Frau an sich, umschloss sie mit den starken Armen seiner Liebe und hielt sie fest. Die Gewissheit, dass sie sich wieder verstanden, erfüllte beide mit einer Woge tiefer Freude. « Edgar,» sagte sie endlich, « holen wir ihn morgen ? » Walter nickte. Sie hatte das gleiche Bild gesehen wie er : die frohen, schneeballenden Jungen vor der Knabenschule. Da hatte sie das Grosse vermocht. Sie hatte alles zurückgedrängt, Wünsche und Schmerzen, ihr eigenes Leben fast, um ihrem Mann seinen Sohn zurückzugeben. Wie liebte er diese Frau, trotz aller schweren Kämpfe, die er ihretwegen hatte durchleben müssen! Und am Neujahrsmorgen sass er am Lenkrad, neben ihm Eva im schweren Pelz. Sie fuhren durch weites Land. Weiss lag die Strasse vor ihnen und eine klare Wintersonne versilberte alles. Sie fuhren, eng aneinander' geschmiegt, zu ihrem Sohne. Als sie damals den schweren Entschluss gefasst hatten, sich von ihrem Kinde zu trennen, da war es ihnen wohl auch um sein Wohl, dass er nicht von elterlichen Konflikten bedrückt werde, zu tun gewesen, aber vor allem hatten sie frei sein wollen, jedes für sich. Und nun war ihnen diese sonnige Fahrt ins neue Jahr, diese Reise zu ihrem Kind, dieser Weg zu einer neuen und, wie sie hoUten, letzten Verschmelzung glückhaftestes Erleben. Eine neue Gebundenheit würde fortan ihr Leben sein, ein reicheres Geben und Nehmen würde anheben. Seite an Seite fuhren sie durch weissv er schnelles Land, der Vereinigung mit ihrem Sohn entgegen. Sie sprachen wenig, so ganz eins wussten sie sich. Ein neues Jahr stand bevor, ein neues auch wollten sie schaffen mit vereinten Kräften —• für das Kind. Eva schaute auf ihren Gatten, der sicher und froh am Lenkrad sass, und wurde von vollem Glücksgefühl überströmt, das Steuer ihrer Ehe in solch stärker und gütiger Hand zu wissen. Ueber ihnen war die Stimmung, die um die Jahreswende oft Einzug hält in vortreffliche und gütige Menschen : das halb traurige und halb frohe Wissen um die Kleinheit menschlichen Lebens, wie es gerade beim Ueberiritt ins neue Jahr sich so ganz besonders aufdrängt, und der weiche Wille zum Neuen, zum Guten, und — zum Verzeihen. Und als von weither das weisse Anstaltgebäude vom Berge herab grüsste, da stieg Walter aus und bat seine Frau, das Volant zu führen, gleich wie wenn er andeuten wollte, dass der Augenblick hohen Glückes, der ihnen nun bevorstand, vor allem die grosse Gabe und das grosse Recht seiner Gattin sei. Und Eva dankte ihm mit einem Blick ihrer dunkeln Augen. Ko. und grosse Wäsche halten. Der Kater ist auch noch dazu gekommen und es geht ganz lustig zu. Aber nun kommt eine Frau mit ganz finsterem Gesicht daher gegangen. Und sie geht nicht in Haus hinein, sondern wartet bei dem kleinen Mädchen. Erst bekommt es ein wenig Angst, aber dann fragt es besorgt: «Bist du krank?» Die Frau schüttelt nur den Kopf und gibt ihm nicht Bescheid. «0, du kannst gar nicht sprechen», ruft es darauf traurig. «Doch, doch,» beschwichtigt sie nun und lacht, aber es klingt nicht freundlich. «Dann siehst du wohl den Himmel, die Bäume, die Blumen und das schöne Gras nicht», fragt es erstaunt. «Oder vielleicht hörst du nicht, wie die Vöglein singen und der Wind plaudert. Der Wind, der weiss immer so viel zu erzählen und bringt eine Menge Sachen mit», fügt es vertraulich im Flüsterton hinzu. «Keines von beiden», erwiderte sie ihm. «Ich höre und sehe mehr wie du, kleiner Naseweis». Und sie spricht etwas weniger miss-- gestimmt. «Noch mehr,» denkt das kleine Mädchen. Wie muss die Welt gross und unendlich sein. Vor seinen Augen tut sich das blaue Meer auf, das es noch nie erreicht hat, auch wenn es mit Vater und Mutter aus dem Garten durch Strassen, Wiesen und Wald geht. Immer wieder geht der blaue Fleck weg, wenn man in seine Nähe gekommen zu sein glaubt. Grad wie ein Irrlichtlein. Darum nennen die Grossen es wohl die Ferne.