Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.104

E_1928_Zeitung_Nr.104

Ausgäbe: Deutsche Schweiz* EFFl». FreiUD, IQ. Dezember 1928. Weihuachts . Nummer Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 10t ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlewtaa und Freitag Monatlich »Gelte Liste" RatbjibrHcb Ft. 6.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, entern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnang 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telecramm-Adresse: Autoren». Ben INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespartene 2mm hohe Gmndzeilo oder daran Baum 45 Ct». für die Schweiz; lür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cta> GrOtsere Inserate nach Seitentarif. taseratenseUnss * Tarn ver Ersehelnen der betreffenden Hummer F E U I L L E T O N Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nanck. (3. Fortsetzung) VI. Auf der Rennbahn der World-Motor-Car- Cömpany, die sich rings um die riesigen Fabrikanlagen zog, donnerten die Motorea Zwei schwere Sportmaschinen, die für die grosse Zuverlässigkeitsfahrt auf den Highlandpässen bestimmt waren, wurden schon seit den frühen Morgenstunden einer scharfen Prüfung unterzogen. Für das Bergrennen, das auf einer besonders schwierigen Passstrasse, im Anschluss an die Dauerfahrt ausgetragen werden sollte, hatte die World-Company noch einen Spezialwagen nachgemeldet, obgleich der Meldeschluss verstrichen. Nach längeren Verhandlungen gab die Sportkomjnission der Meldung statt. Der Weihnachtsmann geht um, mit Wünschen und Paketen, grossen und kleinen. Auch wir Automobilisten haben einen Wunsch. Wir legen ihn, verbunden mit den besten Gratulationen, auf den Weihnachtstisch des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes. Es ist ein alter Wunsch, dessen Erfüllung Tausenden und Tausenden von Motorfahrzeugbesitzern die grösste Freude und Genugtuung bereiten würde. Kurz formuliert heisst er: Eine eidgenössische Verkehrsordnung, die nicht nur die Besitzer von Motorfahrzeugen, sondern sämtliche Strassenbenützer umfassen würde, soweit diese in ihrem Verkehr mit dem Automobil in Berührung kommen. Wir leben der angenehmen Hoffnung, dass dieser Wunsch in nächster Zeit verwirklicht werden,kann; denn es tut dringend not. Immer mehr"zeigt es sich in der Praxis, dass das Äüföniobilkonkordat nicht mehr genügt. Heute "stellenwir, was das Strassenverkehrswesen anbelangt, vor einem wirklichen Chaos. In rascher Reihenfolge haben in den letzten Monaten verschiedene Kantone, dem Aufstieg des Motorfahrzeuges entsprechend, neue Verkehrsverordnungen erlassen. Die eine beispielsweise wurde, ohne dass sie dem Grossen Rate unterbreitet worden wäre und trotzdem sie einer gesetzgeberischen Verordnung gleichkommt, vom Regierungsrat einfach in Kraft erklärt. In andern Kantonen hat die gesetzgebende Behörde noch darüber zu beraten. Aber eines steht heute schon fest: Durch die kantonalen Gesetzesmaschirien ist das Chaos nicht etwa verkleinert, nein, eher vergrössert worden. Die Strasse wurde nicht frei gemacht, im Gegenteil, sie wurde verbarrikadiert. Statt einer wünschenswerten Vereinheitlichung haben wir eine beinahe unabsehbare Vielheit, die nicht verkehrsfördernd, sondern nur verkehrshindernd wirken kann. 22 Kantone — 22 verschiedene Verkehrsverordnungen auf einem kleinen Territorium, wie die Schweiz es umf asst Ueberall Divergenzen. Im einen Kanton kein Nachtfahrverbot, im andern ein limitiertes für Lastwagen und Motorfahrräder, im dritten ein solches nur für Motorfahrräder, im einen Kanton, eine für Lastwagen vorgeschriebene Breite von 2,2 m, im andern von 2,35 m, und daneben unsere eidgenössische Post, die sich über alle Gesetze und Verordnungen kühlen Herzens hinwegsetzt und ihre modernsten Autocars auf 2,4 m verbreitert! Und so wäre noch eine ganze Reihe anderer Bestimmungen zu erwähnen, Bestimmungen über Geschwindigkeit, Fahrprüfungen, Steuern und Gebühren, Bestimmungen, die man leicht schwarz auf weiss zu bringen vermag, die aber im pulsierenden Wirtschaftsleben sich alle höchst einengend und hemmend auswirken. So ist das Chaos entstanden, ein Chaos, das unser Gewerbe, unsere Industrie aufs schwerste schädigt. Dies in einem Augenblicke, da gerade die. Kantonsregierungen alles Interesse daran hätten, für die Belebung ihrer in ihren Kantonen ansässigen Industrien zu sorgen und den Fremdenverkehr mit allen Mitteln zu heben. Der Bundesrat lehnt die Verkehrsinitiative ab. Der Ständerat ist ihm in seiner Auffassung gefolgt. Der Nationalrat wird voraussichtlich zum gleichen Beschlüsse gelangen. Wohl ist bereits im Ständerat eine Motion angenommen worden, die dem Motorfahrzeugbesitzer gewisse Garantien in Aussicht stellt. Von einer Zurückziehung der Initiative aber kann unserer Auffassung nach keine Rede sein, bis die stetig wachsende Zahl unserer Motorfahrzeugbesitzer die nötigen Garantien in den Händen hat, dass ein eidgenössisches Verkehrsgesetz geschaffen werden soll, das alle Strassenbenützer umfasst. Und deshalb unser Weihnachtswunsch. Ein Wunsch, der mit einigennassen gutem Willen leicht realisierbar ist. Das kommende Gesetz sollte auf Grund der vom Ständerat bereits angenommenen Motion aufgebaut werden. Dabei sollte es nur die wichtigsten Vorschriften enthalten, währenddem beispielsweise alle diejenigen Es handelte sich um die erste Maschine mit dem neuen Sagreve-Motor. In anstrengenden Tag- und Nachtschichten hatten besonders ausgewählte, zuverlässige Fachleute die Maschine unter der Leitung Bob Sagreves fertiggestellt. Der Motor hatte auf dem Prüffelde, nach Vornahme einiger Aenderungen, die indizierte Leistung nicht nur erreicht, sondern noch weit überschritten. So entschloss man sich denn zur Nachmeldung, nicht zuletzt auf das Drängen des Generaldirektors. Clifferton war in den letzten Wochen auffallend nervös geworden. Von den Hendersons hatte er durch Mittelspersonen stark beunruhigende Nachrichten erfahren, deixen er allerdings keinen sehr grossen Wert beilegen wollte. Dass die Konkurrenz, gleich seiner Firma, zu den bevorstehenden Rennen rüstete, war selbstverständlich. Und dass die Chancen für die beiderseitig bekannten Typen so ziemlich gleich standen, wusste er auch. Der Sagreve- Motor sollte in dem Konkurrenzkampf die (7) (7) 0) 0) .Ein Weihnachtswunsch ' Bestimmungen-, die von den Fortschritten der Technik im Motorfahrzeugbau beeinflusst werden, in der Verordnung zum Gesetze ihre Behandlung finden könnten. Im Gesetze selber sollten eigentlich nur verkehrstechnische Fragen, wie auch die Haftpflichtfrage, geregelt werden. So beispielsweise Bestimmungen über das Kreuzen, Vorfahren, Ausweichen, über die Beleuchtung, über die Signalgebung, diejenige der Verkehrsregler mit inbegriffen, usw. Wir wissen, dass die Bestimmungen über die Haftpflicht zu den strittigsten Punkten gehören. Aber auch hier wäre mit ein wenig Weihnachtsstimmung der gangbare Weg da. Für gewerbsmässige Personenbeförderung käme unserer Ansicht nach die Eisenbahn-Haftpflicht in Frage, für nicht gewerbsmässige Personenbeförderung, sowie auch für Lastwagen eine verschärfte Haft- , Pflicht, analog der Tierhalter-Haftpflicht, undfür die Radfahrer die einfache Obligationen- Haftpflicht, letztere vielleicht in einem besonderen Artikel formuliert. Eine sehr wünschbare und zweckentsprechende Neuerung wäre ohne Zweifel die Einführung eines technischen Beirates, der als konsultative Behörde dem Justizdepartement jederzeit zur Verfügung stehen könnte. Es bedeudete dies für das zuständige Departement eine grosse Erleichterung und würde dazu beitragen, Konfliktstoffe in rascher Folge aus der Welt zu schaffen. Man weiss, dass es mit einem Gesetze allein nicht getan ist, sondern dass die dazugehörende Verordnung ebenso gewichtig in die Wagschale fällt. Wie manch gutes und fortschrittliches Gesetz wurde schon vom Souverän verworfen. Ganz einfach deshalb, weil ihm die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung unbekannt geblieben waren. So sollte denn auch, wenn immer möglich, die Verordnung zum eidgenössischen Verkehrsgesetz vor der Abstimmung des Gesetzes behandelt und bekannt gemacht werden können. In der Verordnung wären vor allem die Be- Entscheidung bringen, das war das Ziel, das Clifferton vor Augen hatte und das ihn die Tage und Stunden hindurch nicht mehr losliess. Mehrmals täglich Hess er sich von dem Stande der Arbeiten an dem neuen Wagen Bericht erstatten und konnte seiner Unruhe kaum Herr werden, als gelegentlich kleine Schwierigkeiten auftauchten, die überwunden werden mussten. Da hörte er eines Tages durch einen Zufall, dass sich bei der Henderson-Company eigen* artige Dinge vorbereiteten. In einer scharf bewachten Abteilung sollten sorgfältig geheim gehaltene Arbeiten ausgeführt werden, die offenbar der Entwicklung eines neuen Motors dienten. Clifferton Hess sofort Bob Sagreve zu sich bitten und teilte ihm das Gehörte mit. Bob zuckte lächelnd die Achseln : «Mögen sie, Mr. Clifferton, sie werden mit ihrer Konstruktion die Leistungen meines Motors nie erreichen — nie, Mr. Clifferton!» Stimmungen über die Fahrgesehwindig'fceft und über das Nachtfahrverbot zu regeln. Diese Bestimmungen, im fortschrittlichen Geiste formuliert, könnten dazu angetan sein, den immer mehr um sich greifenden und be«- rechtigten Unwillen innerhalb der Kreise der Motorfahrzeugbesitzer ohne Benachteiligung der andern Volksschichten aus der Welt zu schaffen. Die Technik bleibt nicht stehen. Sie vervollkommnet sich in rapidester Weise. Warum also noch das einschränkende Nachtfahrverbot in einem Augenblicke, da es zuta grossen Teil,schon möglich geworden ist, so* wohl beim Automobil als beim Motorrad allen; überflüssigen und unnötigen Lärm zu unterdrücken? Eine Bestimmung in der Verord-* nung, wonach das Nachtfahrverbot in alle« Kantonen dahimfallen müsste, wäre ein© eigentliche Weihnachtsgabe für alle Motors f ahrzeugbesitzer.. „ ; ' --'..~ Und die Geschwindigkeit! Wie viel böses Blut, wie viel berechtigter Unwille ist durch die Festsetzung der Kilometerzahl verursacht" worden, und doch wäre die Lösung auch hiei so einfach. Eine allgemeine Vorschrift, dass der Motorfahrzeugbesitzer und der Radfahrer so zu fahren haben, dass sie die Geschwindigkeit jederzeit und in allen Situationen zu be« herrschen vermögen, genügte vollauf. Dies nur einige wenige Gedanken, dieinu merhin von grundlegender Bedeutung sindi Wir haben sie zu einem Wunschpaket formuliert und legen sie, wie gesagt, vertrauensvoll unter den Weihnachtsbaum unseres verehrten Bundesrates Häberlin. Er möge sie prüfen. Sie sind nicht unbescheiden. Ihre Verwirk» lichung bedeutete einen gewaltigen Schritt nach vorwärts auf dem Gebiete der eidgenössischen Strassenverkehrsregelung und damit eine gewältige Erleichterung unseres gesamten Wirtschaftslebens. Eines könnten wir ihm jetzt schon versichern, auf dem Weihnachtstische des Jahres 1930 fände er wiederum-ein: grosses Paket, darin der tausendfältige Dank? aller Strassenbenützer enthalten wäre. K, Der Generaldirektor tupfte sich mit dem Tuch die erhitzte Stirn: «Vielleicht haben Sie recht, Mr. Sagreve. Hoffen wir, dass meine Nachrichten falsch oder wenigstens übertrieben sind! Von dem Kontinent wurden mir übrigens auch einige interessante Mitteilungen zugeleitet. Deutschland hat, wie Sie bereits wissen, nicht gemeldet. Es hat eine ganze Anzahl nationaler Veranstaltungen wahrzunehmen, die die betreffenden Firmen voll beschäftigen. Seien wir froh; die Germans sind immer ernst zu nehmende Gegner, die uns schon manche Ueberraschung bereitet haben! Dagegen kommt Frankreich mit drei Wagen, Italien und Spanien mit je einem. Dann sind noch einige Aussenseiter, Herrenfahrer, die mit mir vorläufig noch nicht näher bekannten Fabrikaten Nennungen abgegeben haben. Von ihnen haben wir wohl nichts zu fürchten. Bleiben nur die Hendersons mit ihren drei Wagen!» Bob hatte mit halben -Ohr zugehört. Seine