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E_1928_Zeitung_Nr.104

E_1928_Zeitung_Nr.104

« Den Ring... sie trug

« Den Ring... sie trug den goldenen Ritig, den die Menschen verloren haben!» Der Schmerzensruf seiner Klage erstickte in der wühlenden Musik, die aufs ieue aus den tausend Fenstern der Paläste ins Freie brach. Er wollte seinen Ruf wiederholen, doch seine Augen wurden gross und schreckhaft starr, als sie sahen, wie alles Volk um ihn aufs neue raste im Tanz. Da legte er die Stirn an den Eisenmast der Lichtsäule und weinte. Doch ich, am Ausgang der Seitenstrasse, die tief durchströmt war von der feurigen Brandung, sah viele, die sich fortschleppten, DIE FRAU IM GELBEN AUTO Als es Abend wurde, führte Konrad die Pferdo an den Rand des Ackers, den er gepflügt hatte und schaute in die geballten Nebel, die tief über dem Land lagen und nach der Sonne, die irgendwo im hügeligen Westen rot unterging. Der Acker dunstete schwer und der erdig« Geruch des Herbstes umfing den Mann und die Pferde, die dampfend vor dem Pflug standen. Von der Höhu klang spätes Herdengeläuto und Konrad führte die Tiere heimwärts. Auf dem holperigen Weg traf er die Nachbarn, die aus der Fabrik kamen. Das Tal war einsam und arm. Bauern waren die Anwohner und der kümmerliche Ertrag der Scholle langte kaum zum Leben. Die Fabrik, eine halbe Stunde weiter unten, bot die einzige Möglichkeit, etwas zu Geld zu kommen. Aber Konrad hasste die Fabrik. Er hasste alles Fremde, das Geld sogar, das von dort kam. Mit dem Geld kam die Sehnsucht — alles wurde dann anders. Dann gab es keine Ruhe mehr, kein friedliches Arbeiten auf dem Acker, dann schmerzte es in der Brust, und man wusste nicht mehr, wie leben. Er führte die Pferde in den Stall, schirrte sie ab und betrat das Haus. Hilde, sein Weib, erwartete ihn schon mit dem zubereiteten Essen. Sie war noch jung. Ihr rötliches Haar umfloss ein ruhiges Gesicht und aus dem Brustausschnitt ihres Tuchrockes leuchtete ihre gesunde Haut. Nach dem ärmlichen Mahl legten sich beide schlafen. Schon lagen sie im breiten Bett unter der schweren Decke, da sagte Hilde: «Es ist heute eine Frau gekommen. Ob sio boi uns wohnen kann.» «Wie die Doktorsleute letztes Jahr?» «Ja. Sie hat auch ein Auto. Morgen kommt sie'.» Konrad sagte nichts. Morgen gehe ich ins Holz, dachte er. Als er andern Tags durch den nebligen Vormittag ausschritt, die Axt auf der Schulter, hörte er von weitab ein Summen, das rasch näher kam. Und plötzlich tauchte ein gelbes, niedriges Auto auf, das ihm, mit nur wenig verminderter Geschwindigkeit, über fünfzig, hundert und mehr, Frauen und Männer, Jünglinge und Mädchen, und in ihren von Angst und Scham geweiteten Augen sah ich das traumhafte Abbild des goldenen Ringes, der, auf unschuldigen Fingerspitzen eines Mädchens ruhend wie auf dem Rand -eines Lilienkelches, über verstummte Menschen hingeschwebt war... sah es, wie neue Sehnsucht, die in der Tiefe erwachte... Da legte sich eine grosse, schwarze Hand schwer auf mein Herz. Ich schlug die Augen auf, sah Finsternis und fühlte dunkel und schmerzlich das Hinschwinden des Traumes. dio holprige Strasse entgegenfuhr. Eine Frau sass darin, die grüsste. Konrad griff vorlegen nach dem Filz. Er blieb stehen und schaute zurück. Der Wagen verschwand in einer kleinen Staubwolke Das war sie, dachto Konrad. Seine Axtschläge hallten laut durch den Tann. Er hielt inno und wischte sich mit dem Aermel die Stirn. Dio Frau hatte ein Kleid aus rotem Stoff angehabt. Weithin hatte er es noch leuchten sehen. War sie wohl jung und schön? Mittags sah er sie. Sie fragte, wo sie das Auto unterbringen könne. Er öffnete die Schopftür und wies hinein. Wie sie unter der Türe langsam an ihm sein. Er stand vor ihrem Zimmer. Es war vorbei fuhr, sah er ihr Gesicht. Sie war verschlossen. Mit einem Stoss schlug er dio noch jung, sehr jung. Ihre roten Lippen Tür aus den Angeln. Er machte Licht. Sie und Tanzdielen verschreiben und «humori- » Lektüre. Die Witze des Humoristen und dunkeln Augen, ihr volles Haar und lag mit wachen Augen im Bett und sahstische ihre Haltung waren fremd. Sie kam ausihn an. Ein Sprung und er war bei ihr. haben nichts zu tun mit der Freude. der Stadt. Konrad hasste sie. Sie war Aus geröteten Augen sah seine gewaltig entfesselte Natur. freundlich, aber sie kam im Auto, sie brachte Geld, das verhasste, sie brachte vielleicht noch Schlimmeres mehr mit sich. ging hinaus. Sie rief, schrie . er hörte Da wich er vor ihrem Blick zurück und Konrad war entschlossen, seine abweisende nicht. Haltung in nichts zu mildern oder zu verbergen. sio nach ihm gesucht. Auch die Frau schien Am Morgen fuhr sie weg. Ueberall hatte Er sah sie oft. Wenn sie ihm zu Hause verschwunden. nicht begegnete, so traf er sie auf dem Acker Vorn im Tal lauerte er hinter einer grossen Tanne. Von ferne hörte- er ein leises oder im Wald; denn sie machte weite Spaziergänge. Sie sagte, dass das ihr zuträglich sei. Und Konrad schwieg zu allem. Herzen sah er dio Frau in ihrem niedrigen Summen. Da kam sie, und mit vergiftetem Eines Morgens blieb sie bei ihm stehen, gelben Auto das Tal verlassen. Ko, um zu reden. Sie erzählte von der Stadt, von sich, und sie fragte, ob er nicht danach trachte, fortzukommen aus diesem Tal. SCHNEEFLOCKEN Denn sie hatte sein mürrisches Aussehen als Unzufriedenheit mit seinem kärglichen Los gedeutet. Konrad antwortete spärlich. Er umfing aber mit einem langen Blick die Gestalt des jungen Weibes. Schweigend begann er von neuem zu arbeiten. Abends ging er heimwärts wie gewohnt. Aber vor dem Hause kehrte er um und stieg auf den Berg. Er schritt rasch aus, und als er oben um sich blickte, schmerzte sein Herz. Er hielt sich an einem Baum und schaute hinab zu Tal. Er dachte an die Frau aus der Stadt, an ihre dunklen Augen und ihren schlanken Leib. Sein Herz schmerzte. Erst in der Nacht ging er heim. Von unruhigen Träumen gequält, erwachte er spät. Hilde war schon fort. Heute war Markttag, da fuhr sie früh in die Stadt. Leise stieg er die Treppe hinauf zum Zimmer der Fremden. Sein Kopf war schwer und in ihm AUTOMOBIL-REVUE war eine wilde Entschlossenheit. Geräuschlos öffnete er die Tür und trat ein. Sie schlief. Ihr Körper lag gelöst und frei unter dem Laken. Der leise und süsse Duft ihres Parfüms umfing ihn und erfüllte ihn mit rasender und hoffnungsloser Sehnsucht Da ging er wieder. Mit seiner Ruhe war es zu Ende. Er arbeitete nicht mehr. Planlos lief er auf den Aeckern umher. Ueberall traf er sie an. Und immer redete sie mit ihm. Langsam war sein ganzes Leben von einem Gedanken beherrscht: Sie! All seine ungelöste Kraft, all seine Sehnsucht, all das, was or früher immer gefürchtet hatte, sein Hass gegen dio Stadt sogar hatte» Gestalt gewonnen m einer rasonden Gier nach dieser Frau. Er wollte zur Stadt. Und eines Tages sagte sie: « Morgen fahreich heim.» Konrad schlief nicht in der folgenden Nacht. Stumm sass er im Zimmer. Dann ging er. Aber als er oben auf dorn Berg stand und um sich blickte, da wusste er, dass das die letzte Nacht war, die sie unter seinem Dache zubringen würdo — und in grossen Sprüngen rannte er heim Kaum, dass er sich Mühe gab, leise zu Heut tanzen die Flocken den ersten Reigen, Wie einst ais Kind seil icli zu, Wie's wirbelt da draussen. die Kreuz und die Quere! Der Wind pfeift ein Liedlein dazu. Wie einst als Kind kann ich träumend stehen, Eucii Flocken seh ich so gern! Wie einst tanzt ihr fröhlich vom Himmel herunter. Doch heut bleibt die Freud' drob mir fern. Sacht legt ihr euch nieder auf Wiesen und Felder, Weich schützend deckt ihr sie zu. 0 dürft ich mich legen auf freie Fluren, Von euch gebettet zur Ruh! 0 dürfte ich schlafen, befreit von Qualen. Beireit von all meinem Leid, Bis Frühlingsstimmen mich erwecken Zu neuer Lebensfreud! Martha Pfeiffcr-Surber. WEIHNACHT Wald und Wege tief verschneit Wiutcnveisse Einsamkeit; Tannen, die im Schlammer steint, Menschen, die in Träumen gehn. Weihnacht! Von den Türmen Glockenhall, Mitternacht'ger Standen Fall In den Weiten sonst kein Ton. Stille, wie am Gottes Thron. Weihnacht! Nur ein Sinnen, weit und breit, Seelen, voll von Heimlichkeit Alis der Tannen dunklem Grün Will ein gold'nes Wunder blähn: Weihnacht! Riesenmey. GAUDEAMUS 1028 —N» 04 Von Paul Georg Manch. Ich halte zu Frau Freude. Ich lese nur Bücher, aus denen die Melodei dieser feinen Frau klingt 1 Wieviel Sorgeu und Nöte würden mit einem Schlage aus der Welt geschafft sein, wenn der Arzt Freude verschreiben könnte! Nein, vielleicht auch nicht. Ich meine, viele Leute würden nicht zum Arzte, sondern zu Kurpfu« schern gehen, und die würden Tingeltangels Verhelfen wir Bücherschreiber unseren Mitmenschen zur Freude, dieser stillen, schlichtschönen Herzensklausnerin, dieser Zauberin, die veredelt, was sie berührt! Sie schiebt durchaus nicht den Ernst des Lebens beiseite, aber sie überwindet das Leid. Geldgier, Neid, Missgunst sterben hin unter der Sonne det Freude. Herzensfreude gibt innere Ueberlegenheit über kleine Lebenstücken. Nichts macht den Teufel nervöser, als wenn wir seine Anschläge mit sonnigem Humor aufnehmen. Der Erfolg im Leben ist immer auf Seiten der stärkeren Charaktere und der reiferen Erfahrung, der weiseren Duldsamkeit und des sonnigeren Gemüts. Wenn wir jetzt hinausschauen auf unser schwer geschlagenes, ohnmächtig hintaumeludes Vaterland, dann ist uns freilich nicht sonnenfroh zumute. So finstere Wolken uns aber auch umdüstern — der Ernst des Lebens darf mit der Stimmung am häuslichen Herde nichts zu tun haben. Doktor Martinus Luther stand wohl im schwersten Kampfe, den je ein einzelner gegen eine ganze Welt ausfocht. Wenn aber seine Käte und seine Kinder um ihn waren, griff er zur Laute und lachte und scherzte, als wäre sein Lebenswerk nur ein Spiel. Diese lutherische Lebenskunst: draussen Kämpfer sein und drinnen Lautenspieler! und alles vor der Tür lassen, was nicht in die Wohnstube hineingebort! wäre für uns alle die Führerin zu unserem persönlichen Lebensglück und vor allem die grosse Helferin zu einer Erneuerung der Gesellschaft aus deir Geiste der Freude. soeben fertiggestellt! Ein eleganter, schöner Mantel, wie Nerz aussehend, auf Cröpe de Chme gef. unter Preis Etwas ganz Besonderes ist dieser helle Wieselkid-Maiv tel, der aus erstklassigen Fellen hergestellt ist. Er ist beigefarbig mit dunkler Grotze und wirkt aufiserordent- /, Höh schön ••' f •Fr. 580.» / Kennen Sie echte NaturGenotten? Dieses wundervolle Modell ist aus diesen echten, naturbraunen, geschmeidigen Fellen nergestellt u. eines der solidesten Pelzwerke. Der Mantel ist Doppelte wert Dieser elegante graue Pochliky-Mahtel mit echten austral. 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EIN WEIHNACHTSWUNSCH, ODER: SCHENK MIR -'- EIN AUTO! «Licblin-g, schenk 1 mir — ein Auto!» Die Liebe des Mannes geht durch den Magen! Ein hausbackenes Sprichwort seit Adams Apfejbiss! Und die Liebe der Frau? Hängt ganz von den Umständen ab (begleitenden und bekleidenden!). Wie alles Weibliche, ist sie der Modo unterworfen. So sind nach der jüngsten Entdeckung eines Pariser Causours die Herz-, soll wohl heissen Herzensfunktionen, einer Mondänen im Grunde die eines Kilometerzählers. Weibliche Herzensfunktionen gleich Kilometerzähler! Wirklich eino Entdeckung, die auf Originalität Anspruch machen kann! Welche Komplexverirrungen in Perspoktivel ( Ein neues Wirkungsfeld für die ohnedies überlasteten Psychoanalytiker: Die Frau mit der geheimen Autoliebe, d. h. •Yutomobilliebe! Anders formuliert: Die liebo der Frau nach Pferdekräften! Etwa oino neue Sphinx? Bewahre! Die alte Rätselmutter — in neuer Mode! Und die Symptome? Altbekannte Begleiterscheinung: Migräne! Ein Nichts vermag sie aus dorn Nichts hervorzurufen! Etwa die wie zufällig hingeworfene Bemerkung einer Rivalin: «Und Sio chauffieren wirklich noch nicht. Bemitleidenswerte!» Diese Symptome» sind wie Trance- und Traumzustände, angefüllt mit Freude- und Angstgefühlen, Komplexe, in denen sich Vorstellungen von Magnetzündung, Vergaserbrand, Unterdruckförderer usw. bald wie Kobolde neckisch balgen, bald wie Alpdrükken auf die Frauenseelo legen. Wirre Erinnerungen an dio Lektüre; donn dio automobilerotische Frau studiert Tag und Nacht Fachliteratur, etwa: «Wie werdo ich Chauffeur?» «Was macht man, wenn am Motor Feuer ausbricht?» «Was tut man, wenn dor Motor nicht anspringen will?» Zum Frühstück, beim Mittagessen, am Kaffcetisoh, immer dieselben Fragen: «Was ist eine Drosselklappe? Was ist eine Schleifkohle? Was versteht man unter einer Leerlaufdüse? Wodurch unterscheidet sich eine Dreiradvon einer Vierradbremse? Was heisst, und wann soll man Vollgas geben?» usw. So geht's Tag für Tag, seit Wochen und Monaten! Und Tag für Tac, seit Wochen und AUTOMOBIL-REVUE Monaten und länger — längst hat er seine automobilistischen Vorbehalte aufgegeben! — ist der also geplagte Ehemann auf sämtliche Autoprospekte abonniert. Tag für Tag, seit Wochen und Monaten und länger erhält er sie en gros, studiert er sie en detail, analysiert er sie, weiss er um die offizielle Stärko der einzelnen Marken wie um ihre heimlichen Schwächen profunden Bescheid, bis auch ihn die automobilerotische Passion packt. « Autofahren », ruft er wie verklärt aus, « geht über alles! Zu Weihnachten, Schatz, soll deino Sechszylindersehnsucht endlich gestillt werden: Ich kauf uns einen — Hanomag!» « Papa, schenk' mir — ein Auto /» Ein helles Knabenstimmchen! Wie die Alten sungen, zwitschern dio Jungen ! Bubis Instinkt sagt, dass man Weihnachtswünsche sicher an den Mann bringt, wenn man an Papas Herz und — Kasse appelliert. Spielzeugkaufen — ein Gratistyp für Eltern ! — soll man übrigen?, wio P. Ulper launisch sagt, unbedingt den Vätern oder Grossviitern überlassen. Sio sind jedenfalls — Friedrich Nietzsche, der Junggeselle, ist dieser Ansicht ! — mit der Spiel- und Märchenwelt der Kinder vertrauter als -die Mütter, eino Behauptung, dio man damit begründet, dass Väter weniger pädagogische Bücher zu lesen pflegen, wio sie überhaupt nicht das strenge, d. h. psychologisch fundierte Erziehungssystem dor Frauen hätten. «Ich stello es mir schrecklich vor,» sagt der gute Onkel Ulper, « wenn so ein armes Kind gezwungen wird, sich an dem zu freuen, was ein profunder Universitätsprofessor als der psychischen Entwicklungsstufe des Kindes angemessen bezeichnet hat. » In dieser Hinsicht ist unser Bubi -•- glücklicherweise ! — nicht zu bedauern. Er weiss, wie gesagt, was er will. Er fragt deshalb auch nicht hinten herum. Er drückt seinen Wunsch im kategorischen Imperativ aus; «Papa, schenk' mir ein Auto !» Das ist kurz und bündig, ein moderner Wunsch dazu; denn Bubi ist ein echtes Kind dieser Zeit der Technik und des technischen Spielzeugs, in welcher dio « auf Erweekung heroischer Gefühlo berechneten Requisiten », wio Ritterrüstungen, Schaukelpferde usw., auf dem Weihnachtsmarkt nicht mehr allzu hoch im Kurse stehen. Alle, erdenklichen Vehikel, ganze Eisenbahnen mit Signalanlagen, Drehscheiben, Weichen, Telephonleitungen und — last not least — das Auto haben sie verdrangt. Und auf ein Auto hat sich Bubi kapriziert ? Bewahre' Bubi ist viel zu gesund, um sich auf etwas zu kaprizieren. Bubi wünscht sich ein Auto, und er drückt sich dabei ganz bestimmt aus: «Papa, schenk' mir ein Auto!» Und der gute Papa? Er ist alles denn ein (Kinder-)Spielverderber! Er geht hin und kauft Bubi ein Auto! Keinen Ford, keinen Citroen, keinen Fiat, keinen Opel, keinen Stutz, keinen Martini, keinen Packard — und doch ein Auto, die Krone des modernen Spielzeugs, das mit dem Aeroplan — wie auch in der Wirklichkeit —, sie konkurrenzierend, die Eisenbahn längst distanziert hat. Wer heute einem Bubi zu Weihnachten etwa eine Blechequipage, und wäre sio mit vier Pferden bespannt, schenken wollte, müsste sich von ihm eines bessern belehren und etwa sagen lassen, was das kleine Elsli sagte, als man ihm eine ganz altmodische Puppe mit langen Hängezöpfen bescherte: « Die ist von der Rumpelkammer!» So töricht und rückständig ist Bubis Vater nicht. Bubi bekommt ein vcritables Kinderauto, in dem er selbst fahren kann, mit Volant, ganz grosser Hupe und mächtigen Scheinwerfern, sogar im Kühlet- mit einem Pedalpaar- Motor, konstruier}, wie etwa ein « Holländer )>, um das « Getriebe » selbstverständlich eine Autokarosserie. Bubi erhält sein Auto. Die Frage ist erledigt, ob aus Holz, aus Metall, mit oder ohne Werk, gross oder klein, ob Pressluftauto, dieses einzigartige, durch einen Pressluftzylinder anzutreibende Kinderauto, oder etwa den englischen 1000- PS-Weltrekordwagen « Sunbeam », das englische Kinderspielzeug, ob eine Limousine, wio sio der französische- Weihnachtsmarkt bringt, oder ein elektrisch betriebenes Bugatti-Modell! Jedenfalls ein Auto, das der kleine Mann, der längst weiss, was eine Vierradbremse, ein Vergaser, dio Schaltung und Innensteuerung ist, auch selbst lenken kann ! Solche Kinderautos hat dio Automobil« Industrie schon seit Jahren geschaffen. Sie sind allerdings noch das Privileg der obera Zehntausend, werden aber in. absehbarer Zeit sicher Allgemeingut sein. Jedem Bubi sein Auto! Beansprxwhen doch, wie Dr. .L Weist richtig bemerkt, Technik, Verkehrt und Sport auch schon das Interesse de? Kleinsten ! « Ich höre noch heute », erzählt er, « ein nettes Gespräch, das auf dem Perron einer Strassenbahn stattfand, eine Uu> terhaltung zwischen Bruder und Schwester, höchstens vier und fünf Jahre alt. Es isfi ein sehr frisches, rotbäckiges Paar und nimmt an dem vorbeiflutenden Verkehr lebhaft geäusserten Anteil. Da kommt ein Ha-* nomag in schneller Fahrt vorbei, und dio Fünfjährige schreit auf: « Ach, das Auto !» Darauf der Knirps, ihr Bruder, vorwurfsvoll entrüstet: «Das ist doch kein Auto, das ist ein Hanomag!» — So altklug ist unser Bubi glücklicherweise nicht! Ihm erscheint selbst sein Weihnachtsauto noch im Zauber der Vierradbremse ! 11. Mattöriu SPIELZEUG Schweigend ist Walter ununterbrochen beschäftigt, sein Spielzeug zu verbessern, indem er den hölzernen Pferden und Eseln dio Beine wegschlägt, den Bleisoldaten die Köpfe umbiegt, der Trommel das Fei! durchstösst, im Bilderbuch die Qemälde mit dem Bleistift vervollkommnet, sie dann lierausreisst und dem Brüderlein bringt. Hellfried schmunzelt ihn an, als wollte er sagen: «Warte nur, Bruder, bis ich dir helfen werde!» Unsere auf dem Markte gekauften Spielzeuge sind ja alle so schrecklich fertig u, vollendet, dass ein schaifenslustiger Junge mit ihnen nichts anderes anzufangen weiss* als sie zu zerbrechen. Gib so einem drei* jährigen Knaben einmal eine Taschenuhr« Glaubst du, dass er sich begnügen wird, sie in die Tasche zu stecken und manchmal nachzusehen, wieviel Uhr es ist? O nein, er wird sich bald dranmachen, mit einer Tischgabel das Räderwerk zu prüfen, es womöglich in rascheren Gang zu bringen, die Zeiyer kreisen zu lassen, ein Rädchen ums andere loszukriegen, bis . schliessüch die Uhr i« Scherben ist. Damit hat der kleine Mensch sich die Aufgabe geschaffen, die Uhr wieder ztisarnenzubringen. Erfolgreiche Tätigkeit ist es, was das Kind braucht. Just so wird auch mit dem Spielzeug verfahren, und wer dem Kinde fertiggestellte Spielereien gibt mit dem Gebote: «Aber zerbrich es nicht!», der ist kein Kinder- und wohl auch kein Menschenkenner. Rosegger« ^O DEC überraschend vielgestaltiges Sortiment — prächtige Neuheiten — originelle Muster — modernem Wagen und Geschmack angepasst — beste Wollqualitäten. Massige, vorteilhalte Preise ö ENZh^ Der gewissenhafte AUTOFAHRER besitzt eine kunstgerecht zusammengestellte fluloflpolheke Edles Glas Farbenfreudiges Porzellan die schönsten Geschenke bei J. GEISSNER, Weinplatz, ZÜRICH I Gegr. 1831 da-3 Öportgeaohäft am ßeüevuoplatz Hott. 18.36 von der Paradiesvogel-Apotheke Dr, O. BRUNNER, ZÜRICH 1 Limmatquai 56 GRIlWraECKEWERTH ECttEiyiARhTeASSE-RINDERMARhT ZÜRICH1 Besuchen Sie uns bitte, bei Ihrer Durchfahrt in Bern. Sie finden bei uns die grösste Auswahl japanischer und chinesischer Spezialitäten, wie Seidenstoffe, Kimonos, Teeservices, Elfen beinschnitzereien, Kuriositäten. 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