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E_1928_Zeitung_Nr.104

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spendete blendende

spendete blendende Lichtfülle der Bahnhofstrasse. 1 Trotz den tausendfältigen Verlockungen drückte Flipsehen nicht aufs Bremspedal, da er versprochen hatte, die N'acht bei seinem Grossvater in Küssnacht zu verbringen. Bei unheimlich altem Portwein, der aus ehrwürdig verstauten Flaschen in die funkelnden Kelche floss. verbrachte man einen angenehmen Abend, mit dem bei allen Grossvätern obligatorischen Motto: Ja, in der guten alten Zeit. Frühmorgens, als die Hähne krähten, d» h. um neun Uhr, denn im Winter hat es auch der Goggelhahn nicht eilig, besuchte Flipschen seinen «guten Geschäftsfreund bei der Calora A.-G., Fabrik elektrischer Apparate, in Küssnacht, allwo er sich ein elektrisches Heizkissen ins Auto, bestimmt für die Tante Emerenzia, preiswert erstand. Zu Mittag tafelte Flipschen im Hotel «Falken >, wohin er auch seinen Grossvater einlud, was der gute Alte bei einem Wildbraten nicht zu bereuen hatte. Schon um ein Uhr verabschiedete sich Flipschon von der gastlichen Stätte, galt es doch, früh in Zürich zu sein, da sein Wunschzettel noch eine bedrohend lange Kolonne von Einkäufen vorsah. In Zürich befiel Flipschen angesichts der Geschätfigkeit dieser nimmermüden Stadt das Grossstadtfieber. In einem Autotaxi — das Selbstfahren war ihm bei den Sans-Unique-Geschichten viel zu anstrengend geworden — sauste er förmlich von Laden zu Laden, Hess eine TürfaMe los, um die Hand nach einer neuen zn strecken; er sagte auf Züridütsch « Grüetzi» und verlor vor lauter Einkäufen das freundliche «Uf Wiedersah, chömmed Sie bald wieder I» reizender Ladentöchterchen — wie hübsch und freundlich sind sie doch in Zürich 1 — nicht mehr aus den Ohren. Bei Albrecht Schlüpfer & Cie. kaufte er dem Onkel Hermann eine wundervolle rotbraune Autodecke, weil der ohne Decke einfach nicht fahren wollte. Sein Töchterchen, die kleine Trudi, sollte ein ganz vümehmes Geschenk erhalten: ein Klavier, vom Pianohaus Bachmann. Ja, wenn, man vom Onkel aus Amerika erben kann! Der Base Jeanne. die im Frühjahr geheiratet und so parfümierte Pariser Allüren hat, holte er bei Eugen Barbe, Oetenbaehstrasse, eine wundervolle Ständerlampe. Der Konrad, der Chorstudent, darf keinen Schirm tragen, darum muss der Regenmantel besonders top sein. Also zu Konfektion Bovet, Haus «Glockenhof». Das kommt von der Eile. Plötzlich plantschte Flipschen mit beiden Füssen in einen verstopften, wassergefüllten Abzuggraben. Dass einem in Zürich so etwas passieren kann! Nasse Füsse sind der halbe Ted. Doch Flipschen weiss ein Mittel: sofort Läkerol-Pastillen. Gründlich, wie er nun mal ist, liess er es nicht dabei bewenden, sondern steckte sich noch Coryzol für den Schnupfen in die Manteltasche. Vorbeugen ist besser als heilen. Beim Beyer an der Bahnhofstrasse brachte Flipschen seine alte Uhr zum Reparieren. In den Vitrinen lagen die neuesten Modelle und darunter war eine Uhr, die ihm so gut gefiel, dass er sie kurzerhand einpacken liess. Der Taxameterchauffeur brummelte draussen etwas, denn der Fond des Wagens füllte «ich zusehends mit Paketen. « Haben Sie schon einen Pronto-Patent-Garage-Torsteller ?» sagte er sachgetnäss. «Wenn Sie nun mal am Einkaufen sind, sehen Sie ihn an. Habe heute morgen beim Ausfahren meinen Kotflügel verschlagen. Mit dem Pronto ist man gefeit! Bei wem man ihn haben kann ? Doch bei F. Bender, Eisenwaren, an der Oberdorfstrasse! » Und weiter rüttelte der Taxi 1 . Im Zwielicht des Wagens befeuchtete Flipsehen den Tintenstift an den Lippen und setzte hinter jeden vollzogenen Einkauf ein dickes blaues Kreuz. Beim limmatquai hämmerte er an die Scheiben, stieg aus. warf einen Bli'K ehrlicher Bewunderung auf eine prächtige Auslage und trat dann durch eine Türe, über der E. Bosshaidt zu losen stand. Für seinen Freund Emil Blasius erstand er eich eine wundervoll Ledertasche, ein Suitecase, wie man in England und nur mit spitzen Lippen sagen kann. Für die Frau des dicken Blasius, die spindeldürre Johanna, fand er eine Damentasche. Wenige Häuser nebenan nahm Flipschen die doktrinäre Atmosphäre der Paradiesvogel-Apotheke Dr. 0. Brunners auf. Merkwürdig, Flipschen muss iminer, wenn er in eine Apotheke tritt, an seini Grippezeit zurückdenken. Im Frühjahr hatte er sich mit dem Wagenheber auf einer Tour den Finger derart saftig eingeklemmt, dass er Stein und Bein geschworen hatte, nie mehr ohne Auto-Apotheke loszuzittern. Als Mensch von Gewissenhaftigkeit erfüllte er, wenn auch spät, seinen angesichts eine; blutgetränkten Taschentuches zum lenzlichen Himmel erhobenen Schwur. In einer der grossen Glasvitrinen, die mit Hunderten dickbäuchiger Flaschen mit etikettierten Augen auf ihn niedersahen, entdeckte Flipschen etwas, das er der vielgepeinigten Tante Emerenzia nicht vorenthalten durfte: Sloan Liniment, das bewährte Hausmittel gegen Muskelkrämpfe, Gliederreissen, Rheumatismus, Ischias etc Flipschen schnappte ordentlich nach Seeluft, all er aus dem Bereich der krankheitstillenden Düft< entwichen war. Mit den Schritten eines Mannes, der weiss, was er zu tun hat, fand er sich beim Sportgeschäft Denzler ein, allwo er eine originel gemusterte Autodecke für seinen Jasskollegen, dei Weinhändler Jonathan, fein säuberlich einpacke) Hess, dabei aber nicht vergass, das Preißzettelche; entfernen zu lassen, da es weder seiner Art noc: seiner Absicht entspricht, mit geschenktem Gut zi protzen. Ich glaube, dass es niemanden überrasche! dürfte, wenn hier in allem Vertrauen festgestel wird, dass Flipschen auf ein soigniertes Aeusseres zu halten pflegt. Gibt es für Festtage ein festtäg licheres Gefühl, als die durch den Genuss eine: verlängerten Schlafes gemütstemperierte Vormittags stunde durch das Knüpfen einer sonntäglichen Krawatte zu krönen, oder durch die Wahl distinguierter Seidensocken ? Flipschen dockte diesen Bedarf in Wäsche, Hüten und Handschuhen bei Fein- Kailer. Als passionierter Skifahrer wusste er dio Bedeutung eines sturmeicheren Anzuges zu schätzen, und es war doshalb keinem Zufall zuzuschreiben. Smoking-Anzüge nach Mass TAILLEURS Bellevueplat*- Räfflistrasse 9 Nur Usteristrasse 9 Etagen-Gesohäft Zar sefl. Beachtung! Mein Geschäft befindet steh Usteristr, 9 iFilr« kgfni «UTOMOBIL-REVUE Sie wissen nicht was zu schenken ? unser grossartiges Musterlager gibt Ihnen eine Idee! Wir offerieren Ihnen zu günstigen Preisen Ständerlampen, Stehlampen, Zuglampen, Vasenlampen, Klavierlampen, Leuchter, Alabasterschalen usw., jede Ausführung. 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ffoiO* — I »28 gleich vorzubeugen, sei erklärt, dass das Zutrauen, das Flipschen zu dem hübschen Schenktächerrchen im « Bären » gefasst hat, von jener platonischväterlichen Art ist, die gesetzte Männer ans Verehrung alles Schönen in der Kunst und noch viel mehr in der Natur hegen. Diese Verehrung geht bei Flipschen so "weit, dass or keine cdlero Tat könnt, als Wesen, die ihm durch ihren Anblick Schönheit vermitteln, zu beschenken. Justina schwärmt für Pelze. Sie weiss, "was Mode ist diesen Winter. Flipschen kaufte bei Max Hanky, Bahniofstrasso, ein. Er kaufte einen Mantel, der der Schönheit Justinas die Würde der vollendeten Dame von Welt verleihen wird. Schon lango ist es Flipschen ein Stein auf dem Herzen, dasa dio Hallo in seiner kleinen Villa dem Eintretenden mit alltäglichen ernüchternden Augen entgegensieht. Er hatto bei seinem Besuche in England Hallen gesehen, dio ihn seither nicht mehr lcsliessen. Seinen Kummer vertraute or dem Möbelhaus J. Keller & Co., Innendekorationen, Peterstrasse, an, das ihm einen freundlichen Herrn zur Verfügung stellte, der ihn so vortrefflich beriet, dass Flipschen in einer wirklichkeitsnahen Vision dio Erfüllung dieses seines Wunsches sah. Flipschen hat einen Schwager, mit dem er sich nicht gut verträgt. Seine Lcbensregcl: Güte. Güto! hat in diesem Verhältnis dio Bestätigung der Ausnähme gefunden. Edel, wie ein gutes Herz ist, gedachto Flipschen den Schwager durch eine Gabe zu beehren, dio ihn von der aufrichtigen Herzlichkeit Flip'schen Geistes ein für allemal überzeugen sollte. Vor dem Juwelierladen Eugen Kellers an der Bahnhofstrasso 6topptö der Taxi. Flipsehen wählte für seinen verschlossenen Schwager eine wundervolle Krawattennadol, und im Vorgefühl eines sicheren Sieges stieg er wieder ein. Das soeben dargelegte Güteprinzip unseres Flipschens lässt den Schluss zu, dass er mit seiner Schwiegormama in einem Verhältnis lebt, das eino jabrhundcrtalto Witzlitcratur Lügen straft. Wer nunmehr Flipschcu gesehen hätte, wie er den Wunsch seiner Schwiegennama, einen neuen, modernen Schirm zu besitzen, erfüllte, mit welcher Sorgfalt er bei Rud. Latsch am Rennwea das Schönste und Praktischste erwählte, er würde sich zum Verteidiger unserer Behauptung aufwerten. ijivischonhinein war C3 Abend geworden. Dio Lichter flammten auf. Ein Blick auf dio :Uhr gemainte Flipschen zur hastenden Eile, wollte er doch noch am heutigen Abend zu den häuslichen Penatcn zurückkehren. Denn alle Freudo des Scbenkens hatte seine Sehnsucht nach Elisens Augen nicht zu vermindern gewusst. Mit einem Sprung war er wieder in der Bahnhofstrasse bei Landolt, Arhcnz & Co., wo or für seinen Bruder Willibald eine vornehme Füllfeder erstand. Bei Fr. Jul. Heinzo A.-G. am Weinplatz erwählte er einen unübertrefflich geschnittenen wertvollen, unendlich weich anschmiegenden • Pelzmantel für seine verwöhnte 1 Schwägerin Martha, deren Mann im Bundeshaus eino gewisse Kollo spielt. Tante Agnes wünschte sich seit Jahren ein Büffet im Empire-Stil in ihre grosso Stubo. In der Möbelfabrik Hermann Holzbau & Cio. Hess sich Flipschen eine Reiho Entwürfo mitgeben, dio er der guten Tanto in einem versiegelten Gouvert zwischen, die Zweige des Weihnachtsbaumes zu .stekken gedachte. Bei Photo-Bär an der Löwcnstrasso erstand sich FUvschen einen Kodak für seino Botanik studierende Schwester llosa. Ein Auftrag eines Geschäftsfreundes führte ihn an dio Mühlegasse ins Musikhaus Ramspeck, allwo er, mit den nötigen Vollmachten ausgerüstet, ein tonvollendetcs Instrument für seino ebenso reizende wio künstlerisch begahto, daher höchst anspruchsvolle Tochter bestellte. Ach ja, das durfte er auf keinen Fall vergessen, sein reizendes Cousinchen Annalicso — oh sio konnte so bezaubernd Tango tanzen und trug immer winzig kleine schwarze Filzhütchen und verschleierte dio Augen beim Pieden und rauchte 20 Zigaretten im Tag! — Sio hatto so sohnlichst von den kleidsamen Roben in den herrlichsten Farben bei Seiden-Spinner geschwärmt! Das durfte er auf seiner Fahrt nach Zürich nicht vergessen! Dann, ja dann, war es sehr schlau, seines besten Kunden im Geschäft zu gedenken und dessen Frau eino Brillantbrosche von Emil Hage, am Wcinplatz, zu verehren. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft — feudale Geschenke sohliessen dio Konkurrenz aus! Zwischen don hüpfenden Paketen, eingeklemmt wio oin Besucher der Don-Kosaken-Konzcrto. überflog Flipschen dio letzten Posten seines Wunschzettels. Der Grund, weshalb er seiner Schwester einen der wundervollen preiswerten Genottenmäntcl bei Geiger & Hutter am Lunmakniai besorgte, geht auf eino geschwisterliche Zuneigung zurück, dio schon in jenen Jugendtagen aufzublühen begann, als das Schwesterchen dem Brüderchen den ZÜRICH Tonuoilendefste Instrumente in relativ massiger Preislage RAT1SPECK RESTAURANT CAFE FRITZ :: ZÜRICH 8 FRÖHLICHST«. 37 / DUFOURSTR. Spezi alitäten: Wildpret / Güggoli / Qualitätsweino / Sop, Speiseranm Tea-Eoom / Zivile Preise. / Tetephon Laminat 3856* ^•ritsn Büob.i. Vergrösserungen Ihrer eigenen Aufnahmin, als Weihnachts- Geschenke; fertigen wir m. größter Sorgfalt an \ Photo-Bär, Zürich 1 Löweimratse 57 DezemberSonntage geöffnet Verl. Sie Kataloge Verband nach auswärts vci-hassten Giiesbrci as.s, später dio hirnwütigcn Algebra - Aufgaben löste, ja alle Liebesabenteuer de 3 erwachenden Flipschens v.u Hause geschickt zu bemänteln verstand. Männer haben gewöhnlich, für den Haushalt keinen grosseu Sinn. Als Automobilist wusste Flipscheu einerseits indessen die Handlichkeit und Unentbehrlichkeit des Staubsaugers der Protos-Vertriebs-A.~G., Zürich, für das Wageu.pol.ster hoch genug einzuschätzen, anderseits war es ihm daran gelegen, dorn Dienstmädchen, das schon in seiner geschiri'vernichtcnden Eigenschaft erwähnt worden ist, das aber nichts- destoweniger bei Flipschon Sympathien besass, (bitte, platonische!) die Arbeit so leicht wio möglich zu gestalten, ein Ansinnen, das auf den Charakter eines Vorgesetzten immer ein vorbildliches Licht wirft. Der nächste Namo auf der Listo war der soines Freundes, in allen., schlimmeil Streichen glücklieh verlebter Flegeljahre: Pankraz. Florentin, beute wohlbestallter Ehemann und seines Zeichens Kunstgewerbler. Kunstgcwerbler sind schwer zu beschenken, ihnen .ist alles Alltägliche verachtenswerter Kram. Flipschen hatto aber ausgekundschaftet, dass Pankraz Florentiu einen Kaktus besass, dem er dio Sorgfalt und Liebe seiner freien Stundo widmete. Für diesen Kaktus kaufte «ich Flipschen bei Sutcr-Strehler, Söhne &, Co., am Löwenplatz, einen farbig bemalten KaJcteenständer. Ja, ja, dieser Flipschen ist ein wahrer Tausendsassa. Wie seltsam das ist, dio Gesichter (Gosishter, sagt er,, wio poetisch!) der verschiedenen Läden zu studieren, von einem Ausstattungsladen plötzlich in eine Pkotographcnhandfung zu treten! Jeder Laden hat wieder, wio jeder Mensch, »ein eigenes Gesicht, philosophierte Flipschen, während er sich bei Photograph W. Uhlig, am Limmatquai, einen Apparat für seinen Onkel in Galizicu wählte, der dort eine Schafzucht betreibt und in seiner Hütto eino Photosammlung der preisgekrönten Tiere an dio Wand gehängt hat. Flipschchs Gattin besitzt, wie alle Menschen, am linken Fu'sso eino kleine Zehe. Dio Erwähnung einer Selbstverständlichkeit findet jedoch in einer Anonnalität ihre Begründung. Diese Zehe ist ein zuverlässiger Wetterprophet, eine Tatsache, die für Flipschen schon oft von -unschätzbarem Vorteil gewesen ist, für die Besitzerin oder Zelio indessen seine Unannehmlichkeiten zur"Folgc.liattc.~-Zitierte Zehe verstand es namentlich auf winterlichen Autofahrten von ihrem Vorhandensein in skrupellos egoistischem Sinne Kunde zu tun. Flipschen, der dio blauen Augen seiner Elise nicht leiden sehen konnte, fand im Spezialschuhhaus Weibel-Fui-ter an der Storchengas.se in Form von echten Katzenpclzschuhen endgültige Beseitigung der Schmerzen seiner Gattin, auf den Wetterprophoton inskünftig selbstlos verzichtend. Flipschon blickte auf dio Uhr und fühlte seine Kräfte schwinden. Der Taxi-Chauffeur hatte sich schon Hingst in sein Schicksal ergeben und nur der Blick auf die eine geradezu wahnsinnig hohe Kilometerzahl anzeigende Uhr, liess ihn auf seinem Posten verharren. Beim Polz-Vorberg im Rudolf Mosso-Haus wählto Flipschcu einen Pelzmantel aus der punkto Gediegenheit, anschmeichelndem Schnitt Pelz, Futter, eumma summarum Schönheit, das Erlesenste darstellte, was er sich in dieser Einkaufsbranche Zeit seines Lebens geleistet Dio ausserqrdentUcho-''Auslage:."war'•'aber; wiö^alles bei Flipschen; der Persönlichkeit dos Beschenkten mit Klugheit und Berechnung angemessen,-galt doch das vom bürgerlichen Standpunkte durchaus fürstliche Geschenk seiner alleinstehenden 75jährigeu Erbtante Agatha, deren Lebensabend durch dio Pflege zahlloser Katzen und Möpso liebevoll erhellt war. : «Noch zwei», jubelte Flipschen mit einem letzten Blick auf seinen Wunschzettel. «Otto Zuppingor, Scheuchzerstrasse», rief er dem Chauffeur zu Dieso Freudo mussto er .Christophorus Hühnerbein — und müssto er dabei ob seinen Einkäufen zugrunde gehen — noch bereiten! Christophorus Hühnerbein, muss man wissen, ist Prokurist in der Firma Flipschen. Eino Seele von einem Menschen. Unermüdlich für das Wohl und Gedeihen des Geschäftes besorgt, Schlag 8 Uhr mit der Feder im Tintenfass und immer der letzte am Abend Seine einzige Passion ist, wio er einmal errötend bekannte, das Photographioren. Das Pbotographio ren von Blumen und Schmetterlingen. Sonntags pflogt Christophorus Hühnerbein auf dem Baucho zu liegen, so dürr und lang-o ihn Gott geschaffen, und dio farbigen Kinder der Wieso in Lichtbildern der Nachwelt zu erhalten,. Seinem Prokuristen kaufte Flipschen eino. Voigtländer-Kamera. Mit dem letzen Benzin bullerte der Taxi zur Theaterstrasso 16, allwo Meister J. E. Züst seine Geigenbau-Werkstatt aufgeschlagen hat. Dumpf zuckto es dabei Flipschen durch die Gehirnwin düngen, dass er das erste Mal in feinem Loben die kommerziellen Gebote übertreten habe, indem er bei seinen Einkäufen dio Kreuz und dio Quere durch dio Stadt gefahren war, anstatt dio Läden in der Reihenfolge zu wählen, wio eie am Wege lagen. Aber wer will sich in dem rastlos entwik kelndcn Zürich auskenueu, wenn er nur ab um zu im Jahr Gelegenheit hat, dio Limmat-Kapitak mit seinem bescheidenen Besuche zu beehren? Bc: Meister Züst gedachte Flipschen der bescheiden sten und versessensten Kreatur, dio (nur zeitlich begrenzt allerdings!) in unserem menschlichen Jammertal eino Existenz zwischen Portobüchlein, Kloistertopf und Abstaubhimpen führt, des kleinen, abstossend hässlichen, unsäglich treuherzigen Lehrbuben seiner Firma, Tobias Wpnzeslaus. Ja. auch sein Stift hat, wio der Prokurist, einen Hang zu Erschaffung bleibender Worte, der kleino Tobias träumt Tag und Nacht von einer Geige, in deren Spiel er dio ganze zurückgedämmte Liebe seiner Scelo legen könnte. Mit einem Geigenkasten bewaffnet wankte Flipschen müdo, müde, totmüde in den Taxi, klettert über unzählige Pakete hinweg und flüstert mit letzter Kraft dem Chauffeur die Adresse seiner Garage zu, wo sein braver Wagen auf dio schwere Fracht und einen müden Herrn wartete —• müdo im Kopf und in den Gliedern, aber froh beschwingt im Herzen, als wahrer Weihnachtsmann in einem Kreise von Menschen,. „Weihnachtsstimmuns tind B Lebensfreude, Dankbarkeit und Glücksgefühl zu ; tragen. •••'-'-' Noch aber sollte ein letztes unerwartetes Ereignis seine Langmut und sprichwörtliche Güto prüfen: Spät nachts, als er dio Haustiire aufklinkte fiel sein Blick auf das weisse Viereck eines Briefes: oino Busse der Aargauer Polizei. Das Formula war, wir er durch dio schlaftrunkenen Lider feststellen konnte, im Vervielfältigungsbureau G. Schwobel am Rennweg hergestellt worden. Flipschens "Weihnächtsfahrt endete im Strahleakreiso eines kerzenschweren Weihnachtsbaumes dessen Louchten vom Glänze der blauen Augen seiner treuen Elise noch bei weitem übertreffen, vor klärt und vergoldet wurde. si. AÜTOMOBTL-REVUC FEINE HiEIRIREN WXSCHiE PARADEPLATZ 4- GESCHÄFTSMANN Kalt auf Pürv-kli-clxlceii 'denn 5eaieZelt ist Geld. tAm aeeignetsterust etni gute'Uhr.vvelcKeani Handqelenk getragen/immer, ächtbar isc.Wir empferlen 'unsere neuesten Modelle (mit erstklassigen qarar v her en Werken. Silbe Gold r v. Fr. 65.-an v. Fr.125.-an CHRONOM ETRIE BEYER Das ist das BUXTOir-Schlüsseletui und sein Erkennungsdienst Das «BÜXTON »-Etui bringt Ordnung m Ihre Schlüssel. Schont dio Kleider, und sein Erkennungsdienst ermöglicht es Ihnen, die Schlüssel im Falle des Verlustes rasch und kostenlos zurück zu erhalten. Lassen Sie sich von Ihrem Papetoristcu oder Lederwarenhändler das «BUXTON »- Schlüsseletui zeigen und über den damit verbundenen Erkennungsdienst aufklären. 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