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E_1929_Zeitung_Nr.011

E_1929_Zeitung_Nr.011

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 8. Februar 1929. Nummer 20 Cts^ 25. Jahrgang. - N° 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe liste" Halbjährlich Fr. 5.—, lährltch Fr. 10 . Im Ausland unter Portozuschlag, tolern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für nostamtliche Bestellung Im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Recbnuns IU'414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Automobilismus und was viele an ihm nicht kennen. Man weiss sehr oft nicht, dass keineswegs die Vereinigten Staaten oder England oder Deutschland diejenigen Verkehrsländer sind, wo die Zahl der Automobile am schnellsten steigt. Der prozentuale Aufschwung des Autoverkehrs war für das Jahr 1928 viel stärker in Schweden, in der Schweiz und in der Tschechoslowakei als in den vorgenannten Ländern. Für Schweden und die Schweiz kommt hinzu, dass durch den schnell zunehmenden Fremdenverkehr der Automobilismus, besonders der mit internationalem Einschlag, einen unerwarteten Aufschwung nimmt. Die Zahl der landesfremden Wagen, die die Grenze der Schweiz passierten, betrug im Jahre 1920 nur 2*116 Wagen, im Jahre 1925 waren es bereits 3009 und im Autoverkehrs erreicht wurden wie in den Grossstaaten, so dass jetzt die Versäumnisse schnell nachgeholt werden müssen. Unbekannt dürfte es auch den meisten sein, dass erst in diesem Winter zum ersten Male eine grosse Reihe von Automobilgesellschaften beschlossen haben, einen regulären Winterverkehr fahrplanmässig durchzuführen. In früheren Jahren hat man sich damit beholfen, dass man sich je nach der Witterungslage zu einem Teilbetrieb entschloss, was natürlich sowohl für die Gesellschaften wie für die Benutzer dieser Kraftomnibuslinien erhebliche Nachteile hatte. Nachdem nunmehr die Ausrüstungen der modernen Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (15. Fortsetzung) XIII. Eine dunkle Toreinfahrt führte auf einen schmutzigen Hinterhof. Von hier aus erreichte man durch einen wenig einladenden Aufgang das Hinterhaus, in dem allerlei lichtscheues Gesindel Unterschlupf gefunden. Am Tage spielten eine Menge verwahrloster Kinder auf den Treppen, zwischen Bergen Unrtas auf dem Hofe herum. Keifende, tratschende Weiber jeden Alters standen auf den Fluren zusammen. Aber an den Abenden und des Nachts lösten sich aus dem Schatten des Hauses Gestalten von wenig Vertrauen erweckendem Aeussern. Dann gingen die Männer ihrer dunklen Beschäftigung nach und kehrten erst in den frühen Morgenstunden zurück — wenn das Glück ihnen hold gewesen war. Das war es aber nicht immer. Im zweiten Stock lag einer schon seit Wochen im Bett mit einer bösen Schulterwunde. Seine Komplizen hatten ihn von einem missglückten Beutezug nur mit grösster Mühe vor den nachstürmenden Policemen in Sicherheit bringen können. Und der Mann aus der linken Dachkammer war schon seit Monaten fern, und seine Liebste hauste allein und vergrub sich in ihrem Hass gegen die menschliche Gesellschaft und ihre Straforgane. Anatole Etienne kehrte am späten Abend nach diesem Hause, in dem er einen Unterschlupf gefunden, zurück. Er war nicht ganz Omnibusse mit allen Eigenheiten für den Verkehr in der kalten Jahreszeit vollendet sind, haben beispielsweise in Frankreich etwa 55 Prozent der überhaupt bestehenden Linien ihren Dienst fortgesetzt, in England ca. 40 Prozent, in Deutschland 45 Prozent, in der Tschechoslowakei ungefähr 35 Prozent und in Italien sogar 60 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass noch im Vorjahre mit ganz wenigen Ausnahmen bereits am 1. November spätestens der reguläre Kraftomnibusbetrieb in allen Ländern eingestellt wurde. Was in den späteren Monaten im Betrieb war, musste als Ausnahme gelten, wenn man nicht gerade an die Linien der warmen Mittelmeergebiete denkt. Als Zeichen der Wohlhabenheit in den Jahre 1928, abschliessend mit dem 1. De-Vereinigtezember, sogar 4167 Wagen. Auch die Sta-betrachten, dass dort das Automobil als Ge- Staaten darf man es wohl auch tistik für den Autoverkehr in den grossen schenkartikel verwendet, wird. Von dieser Städten zeigt aufs neue, dass gerade die so-Tatsachgenannten Kleinstaaten eitlen lebhaften Entcher angenehme Erfahrungen machen kön- haben besonders diejenigen Besuwicklungsgang ihres Automobilwesens zu nen, die als Ehrengäste in den Staaten behandelt wurden und dabei ohne Ausnahme verzeichnen haben. So ist die Zahl der Automobile besonders stark gestiegen in Stöckholm, Zürich, Prag, Kopenhagen, Oslo und Ford hat bekanntgegeben, dass sie bis Ende Autos als Präsente erhielten. Die Firma Bern. Prozentual gesehen zur Bevölkerungsziffer ist diese Zunahme weit höher als die tomobile verschenkte, wobei sie erwähnt, des Vorjahres nicht weniger als 18,195 Au- von Berlin oder Paris anzugebende. Man dass. diese scheinbare Verschwendungssucht darf für diese Erscheinung eine Erklärung die beste Reklame darstellte, die man jemals gekannt habe. Die Stadt New York hat darin suchen, dass bisher in den kleineren Ländern nicht ähnlich Ausdehnungen des in den letzten beiden Jahren 84 Ehrengeschenke in Form von Automobilen gegeben, die Stadt Boston deren 37, die Stadt Chicago 22 und Washington deren 17. Man sieht, dass auch die offiziellen Behörden es verstehen, eine galante Geste mit einer Empfehlung der Landesfabrikate zu verbinden. Man hat in England ähnliche Anfänge zu solcher chevaleresker Behandlung einflussreicher Besucher zu verzeichnen, denn eine ganze Anzahl ausländischer Prominenter aller Klassen ist im Besitz eines ihnen dedizierten englischen Automobils. Die umfassende verkehrspolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung des Autoverkehrs hat dazu geführt, dass ein grosser nüchtern. Seitdem er von der Henderson Company, bald nach seiner sensationellen Weltrekordfahrt, verabschiedet war — sein Fortgang war beiden Teilen erwünscht gekommen — hatte er jeden Halt verloren. Auch sein Versuch, sich bei Bob Sagreve zu rehabilitieren, war seinerseits nicht ernsthaft gemeint und hatte nur den Zweck, sich zu gegebener Zeit neue Mittel zu beschaffen. Es kam noch hinzu, dass er auf seinen glücklicheren Konkurrenten Neid' und Hass empfand. Unter allen Umständen wollte er es verhindern, dass der Weltrekord — sein Weltrekord — durch Bob Sagreve zurückerobert würde. Und um das zu erreichen, würde er auch vor verbrecherischen Mitteln nicht zurückschrecken — er nicht! Dazu war ihm die Tätigkeit bei den Hendersons und vor allem das Beispiel William Hendersons nur zu gut im Gedächtnis geblieben. In halbem Rausch tastete sich Etienne über die dunkle, knarrende Treppe zu seiner Behausung empor. Eben wolite er die Tür aufsperren, als er hinter der Tür flüsternde Stimmen hörte. Sein Rausch verflog. Vorsichtig beugte er sich nieder und drückte das Ohr an das Schlüsselloch. «Geh' jetzt, Raoul,» hörte er ihre Stimme, ihre, die Stimme Claudine Bartheels, die man einst «la belle Claudine» genannt und die den Männern das Blut heiss gemacnt. Rapid war es mit der schönen Tänzerin, dem ehemaligen Revuestar, bergab gegangen, nachdem Clifferton seine Hand von ihr gezogen. Das alte Lied begann: Ihr kleines Talent reichte bald nicht mehr aus, die Besucher drittrangiger Tingel-Tangei zu befriedigen. Und als Teil der Presse sich mit den Angelegenheiten des Automobilismus befasst. Es ^ gibt heute in den Vereinigten Staaten über 200 Fachschriften, die sich lediglich mit den dies betreffenden Angelegenheiten befassen, in England 114 und in Deutschland 48. Dazu haben beinahe alle Tageszeitungen, auch die in den kleinen Provinzorten, laufende oder gelegentliche Automobil-Beilagen eingeführt. Di« britischen Fachschriften erscheinen zusammen im Jahre in nicht weniger als 16,754 Ausgaben, sie besitzen einen Abonnentenstamm von 8*4 Millionen Lesern und werden in einer Auflage von 3,5 Milliarden Stück pro Jahr herausgebracht. Es gibt keine andere Fachpresse, die ähnliche Zahlen aufweisen könnte. Was im übrigen die volkswirtschaftliche Bedeutung des Automobilwesens angeht, so brauchen wir nur darauf hinzudeuten, dass in den Vereinigten Staaten 11,9 Millionen Arbeiter und Angestellte ihr Auskommen in den Automobilindustrien finden. Die Löhne, die von den nordamerikanischen Automobilindustriellen an dieses Arbeiter- und Angestelltenheer gezahlt werden, erreichen neun Milliarden Dollar im Jahr und bilden 28 Prozent des gesamten Geldumlaufes in den Staaten überhaupt. Um einen Vergleich zu geben, wollen wir andeuten, dass die Zahl der in Deutschland in Werken der Automobilindustrie tätigen Arbeiter und Angestellten noch nicht ganz 1,8 Millionen Personen erreicht und der gesamte Jahreslohn .dieser Berufskategorien zusammen 4,2 Milliarden Reichsmark ausmacht. Wir stehen also selbst angesichts des geringeren Verbreitungsgebietes vor der Tatsache, dass gerade die zentraleuropäische Automobilindustrie noch erhebliche Ausdehnungsmöglichkeiten für ihre Fabrikationen vor sich sieht. Im letzten Jahre ist eine besondere Verstärkung des Arbeiterheeres und damit eine Produktionsvermehrung vor allen Dingen in Italien, Belgien und in der Tschechoslowakei zu verzeichnen gewesen, während man in Deutschland vornehmlich versuchte, den Fabrikationsbetrieb an sich auszugestalten. Unbekannt dürfte es auch sein, dass die Zahl der bis'ang überhaupt in der Weit ausgegebenen Führerscheine längst die Zahl der zählbaren Vertreter des menschlichen Geschlechtes überschritten hat. Insgesamt sind erst das Laster seine Spuren in dem cit;st schönen Gesicht hinterlassen, war es mit der Bühnenlaufbahn vorbei. «Geh', Raoul,» hörte Etienne sie nochmals flüstern. Eine rauhe Stimme antwortete, ohne dass er sie verstand. Dann griff eine Hand zur Klinke. Mit einem Sprung verbarg sich der Lauscher in enier dunklen Nische urd starrte mit glühenden Augen zur Tür hinüber. Vorsichtig wurde diese geöffnet und in dtm hellen Lichtspalt erkannte Etienne den Besucher. Es war ein als «schwarzer Raoul» bekannter und unter seinen Genossen wegen seiner Gewalttätigkeit gefürchteter Verbrecher, dem man am besten aus dem Wege ging. Der Mann war erst kürzlich aus einer mehrjährigen Freiheitsstrafe entlassen, wurde aber bereits wieder wegen erneuter Straftaten von der Polizei gesucht. Der «schwarze Raoub war ein hübscher Kerl mit blitzenden Augen, wohlgeformten Gesichtszügen und einer gewissen Eleganz des Aeusseren, was alles seinen Eindruck auf die Weiber nicht verfehlte. Er war auch nicht sehr wählerisch, sondern nahm sich, was sich ihm in den Weg stellte, an den Hals warf. Seine Freundschaft mit Claudine hatte erst vor einigen Tagen begonnen. Er hatte sie in einer Kaschemme, in der er zu verkehren pflegte, gesehen und an seinen Tisch geholt. In dieser Nacht und auch in den folgenden Nächten war Anatole Etienne nicht nach Hause gekommen. Sein Interesse konzentrierte sich um den Bau des neuen Sagreve- Rekordwagens. Unablässig spürte er um die Werkstätten der World-Company herum und suchte näheres über den Wagen zu erfahren. INSERTIONS- PREIS: Die acht gespaltene 2 mm bobe Grundzelle odef deren Raum 45 Ct». (ur die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti Grössere Inserate nach Seitentarit, laseralenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer nämlich 178 Millionen Führerscheine seit dem Jahre 1912 ausgegeben worden, was bei einer durchschnittlichen Erneuerung und Veränderlichkeit des einzelnen Scheines eine zehnfache Ausstellungsserie für jeden einzelnen ausmacht, also anderthalb Milliarden Formulare dieser Art erheblich überschreitet. Das Ausstellen von neuen Führerscheinen nimmt wie eine reissende Flut in allen Kulturstaaten zu; in Deutschland zählte man im Jahre 1928 etwa die vierfache Zahl der Anträge als im Vorjahre und die siebenfache Zahl gegenüber dem Jahre 1926. In England sind im Vorjahre 47,116 Führerscheine mehr ausgegeben worden als vor Jahresfrist und in Italien ist sogar für 1928 bislang eine Zunahme von 67 Prozent gegen 1927 zu verzeichnen gewesen. Man hat festgestellt, dass in Paris auf 1000 Einwohner 389 Personen kommen, die in der Lage sind, einen Kraftwagen zu steuern, in London auf 1000 sogar 426, in Berlin auf dieselbe Zahl 314 und in Wien schlieslich auf 1000 Personen 279. Wesentlich geringer sind die Zahlen für Rom, Stockho'm, Warschau und Brüssel, wo auf 1000 Personen 145, 11, 98 und 92 Autofahrer kommen. Anschliessend an diese Zahlen, die das rapide Stelgen des Autoverkehrs bei allen Kulturnationen deutlichst demonstrieren, kann man aber auch sagen, dass demnach die Zahl der Automobilunfälle, absolut gesehen, gar nicht zunimmt, sondern schnell abwärts sich bewegt. Während nämlich in Berlin im Jahre 1922 noch auf jeden 2l6ten Kraftwagen irgend ein Unfall pro Jahr sich ereignete, sank diese Prozentzahl auf einen Unfall für 497 Wagen im Jahre 1927. Gleicherweise ist für Prag ein Herabgehen dieser Skala von einem Unfall auf 190 Wagen im Jahre 1922 auf einen auf 378 Wagen im Vorjahre festzustellen. Aehnliche Berichte liegen vor aus Paris, Dem Haag, London und Mailand. Auch die Zahl der verunglückten Automobilisten nimmt prozentual zur Zunahme der selbständigen Autler schnell ab. Die Sicher- 1 heit der Strasse nimmt also zu, während man immer wieder das Gegenteil behauptet, ungeachtet dessen, dass die Benutzung der Strassen täglich in ungeheurer Weise steigt Man begeht deshalb ein ausgesprochenes Unrecht, wenn man sagt, dass das Auto die Unsicherheit im Strassenverkehr erhöhe. Und heute war es ihm endlich geglückt, das neue Fahrzeug zu sehen, in Fahrt zu sehen und damit die Gefahr zu erkennen, die seinem Rekord unmittelbar drohte. Jetzt hiess es für ihn, die nötigen Schritte dagegen zu tun. Und auf dem Nachhausewege stand sein Plan fest. Zu seiner Ausführung galt es, einen ergebenen Komplizen zu finden, der über die notwendige Kaltblütigkeit und Kühnheit verfügte. Im Geist Hess er einige seiner Freunde vorüberziehen. Es waren verwegene Burschen darunter, die sich vor Tod und Teufel nicht fürchteten, aber es mangelte ihnen an der sportlichen und technischen Gewandtheit, ohne die sein Plan nicht gelingen konnte. Und nun lief ihm der «schwarze Raoul» in den Weg. Er überlegte. Kein Zweifel, der besass die Eigenschaften, die er benötigte. Er war tollkühn, war als Techniker und Sportsmann befähigt, das Unternehmen mit seiner Unterstützung durchzuführen. Aber sein Renccntre mit Claudine?! Etienne schnippte mit den Fingern. Wenn schon; er war vorurteilslos und grosszügig. Und der «Schwarze» mochte sich seinetwegen' ruhig ihres Besitzes erfreuen, wenn die Sache klappte. Unter diesen Umständen schickte er sich an, seine Wohnung aufzusuchen und zugleich mit dem Mädel zu sprechen. Die Trennung würde beiden nicht allzu schwer fallen, davon war er überzeugt. In letzter Zeit hatten sich ihre Beziehungen merklich gelockert, da kam der endgültige Bruch nur erwünscht. Er schlug in verabredeter Weise gegen di0 Tür.