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E_1929_Zeitung_Nr.009

E_1929_Zeitung_Nr.009

Ausgabe; Deutsche Schweiz* BERN, Freitag 1. Februar 1929. Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N» 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Enebaint Jaden Dtemtai und Fnltat Monatlich „Galba Urt»» HalbJibrHeh Ft. 6.—, jihrllch Fr. 10.—. Im Ausland trat» Portoznschlaf, Wtnm nicht postamtlieh bettellt Zutehlag für putamtlieh« BatteUung im ADMINISTRATION: I»rettenratn»trasse 97, Dero In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnnng 111/414 Ttlenhon Bollwerk SIMM TfeUcramm-AdreiM: Autoren». Bern INSERT1ONS-PREIS: Die nehtgespaltene 2mm hohe Grundz.lle oder deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aas dem Ausland 60 Cts. Grosswe Inserat* nach SeitentarU, Imseratensehhus 4 Tag« vor Er»h»!neu *er betroffenden Hummer Die Bedeutung des Autotourismus für die Schweiz Rund 103.000 fremde Automobile — 25 Millionen Einnahmen. Als man im Jahre 1920 die Einreise von 3389 Autotouristen zu vorübergehendem Aufenthalt in unserem Land registrieren konnte, so freute man sich darüber, dass trotz der «Autophobie», für die die Schweiz damals noch im Ausland verschrien war, wiederum eine grössere Zahl fremder Autofahrer den Weg zu uns gefunden hatten. Seither hat die Zunahme der Zahl der einreisenden Autotouristen mit der steigenden Motorisierung der europäischen Länder wacker Schritt gehalten. Aber niemand hat wohl vor acht Jahren vorausgesehen, dass im Jahre 1928 mit rund 100000 in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingereisten Automobilisten wird gerechnet werden können, so dass sich deren Zahl seither mehr als verdreissigfacht hat. Einerseits ein merkliches Zurückgehen in der Entwicklung des Automobilsportes, anderseits aber eine machtvolle Förderung des Autotourismus, dies sind die markanten Richtungssteine des Automobilismus in den letzten zwei Jahren. Dass die schweizerischen Verkehrsinteressentenverbände diese «Umstellung» rechtzeitig erkannt und ihre Haupttätigkeit der Förderung und Pflege des nationalen und internationalen Autoreiseverkehrs haben angedeihen lassen, muss ihnen besonders dankbar anerkannt werden. Ihre unaufhörlichen Anstrengungen bei den kantonalen Behörden, ihre zielbewusste Aufklärung des grossen Publikums haben dazu geführt, dass im Laufe der letzten Jahre viele Hindernisse, die die Entwicklung des Autotourismus erschwerten, beseitigt und so der Reiseverkehr möglichst reibungslos und schikanenfrei gestaltet werden konnte. Auch die Automobilfachpresse hat hier in sehr anerkennenswerter Weise mitgeholfen. Wenn mit dem 1. Januar 1929 nun noch die viel angefochtenen kantonalen Strassentaxen, die bei allen Auslands-Autofahrern stets grossen Unwillen erregten, in Wegfall kommen, so ist wieder ein wichtiges, gestecktes Ziel weiter erreicht worden. Mit zu diesem erfreulichen Prosperieren des Autotourismus in der Schweiz hat auch die Aufklärungsarbeit der interessierten Verbände im Ausland selbst beigetragen. Es ist noch nicht so lange her, als man mit steten Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (13. Fortsetzung) XII. Die Generalversammlung der World Motor- Car Company nahm einen geradezu stürmischen Verlauf. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Konsul Shuman, der auch zugleich Führer der Opposition war und aus seiner Gegnerschaft zu der Leitung des Unternehmens und insbesondere zu Generaldirektor Reginald Clifferton kein Hehl machte, hatte auch bei dieser Gelegenheit mit einer ganz ausserordentlich scharfen Kritik nicht zurückgehalten. Das Geschäftsjahr war mit einem sehr beträchtlichen Verlustabschluss beendet worden, der auf neue Rechnung vorgetragen wurde. Es kam aber noch hinzu, dass für das neue Geschäftsjahr keine allzu günstigen Aussichten gemacht werden konnten. Der Berichterstatter wies darauf hin, dass die Henderson Company auf der ganzen Linie gesiegt hatte und dabei war, sich auch Absatzgebiete zu erschliessen, die bisher der World gehörten. Der schwedische Markt mit seinen günstigen Entwicklungsmöglichkeiten und der relativ hohen Kaufkraft war für den World-Wagen so gut wie verloren. Die Firma Syvander & Co. in Stockholm, die seit Jahren die Generalvertretung inne hatte, hatte vertragsmässig ihre Vertretung «wegen Meldungen in der Auslandpresse vor dem Bereisen der als automobil feindlich verschrienen Schweiz dringend warnte, und auch die allzu rigorose Bussenpraxis einiger Kantone hat viel dazu beigetragen, den guten Ruf der Schweiz als Autotouristenland par excellence in Misskredit zu bringen. Heute darf wohl an Hand der vorliegenden Zahlen konstatiert werden, dass die Schweiz zu dem am intensivsten besuchten Autotouristenland Europas geworden ist. Leider liegen für die meisten andern europäischen Länder keine genauen ziffernmässigen Angaben vor; wenn man aber bedenkt, dass im Jahre 1927 nur 58962 fremde Automobilisten in Deutschland zu vorübergehendem Aufenthalt eingefahren sind, und schon damals das Deutsche Reich gegenüber der Schweiz um rund 20000 Automobilisten im Rückstand sich befand, so zeigt dies eine Beispiel, welch hochbedeutsame Rolle die der Fläche nach ein vielfaches kleinere Schweiz im heutigen internationalen Automobilreiseverkehr spielt. Wie bereits angeführt, hat sich die Zahl der im Jahre 1928 eingereisten fremden Autotouristen mehr als verdreissigfacht. Gegenüber dem Jahre 1927 beträgt die Zunahme 24 726 Automobilisten oder rund 30 %. Zu der erfreulichen Entwicklung des internationalen Auto'tourlsmus in der Schweiz hat vornehmlich auch die im Jahre 1924 eingeführte Fünftagekarte beigetragen, die es bekanntlich jedem ausländischen Automobilisten ermöglicht, sich ohne Vorhandensein eines Triptyks, Grenzpassierscheinheftes oder Freipasses fünf Tage in der Schweiz aufzuhalten. Im Jahre 1928 sind 56066 Automobilisten mit solchen provisorischen Fünftage-Eintrittskarten in unser Land eingereist oder rund 54 %. 41333 sind mit Triptyks oder Grenzpassierscheinheften (40%) eingereist und 6231 mit Freipass (6 %). Es ist war bei Betrachtung der entsprechenden Ziffern des Vorjahres auffallend, dass die Zunahme der 1928 mit Fünftagekarten eingereisten Automobilisten mit 10638 nicht mehr eine so starke war wie im Jahre 1927, wo die Zunahme 19 712 betrug. Dagegen ist die Zahl der mit Triptyks und Grenzpassierscheinheften eingefahrenen fremden Automobilisten 1928 erheblich stärker angestiegen als im Vorjahr (13571 Uebernahme der Henderson-Interessen » aufgekündigt. Auch der deutsche Importeur liess in seinem letzten Bericht eine ähnliche Absicht durchblicken. Generaldirektor Clifferton liess alle Argumente der Opposition an sich herantreten, ohne zunächst darauf zu antworten. Der technische Direktor gab einen mit viel statistischem Material durchsetzten Ueberblick, aus dem die bemerkenswert hochentwickelte technische Organisation der Werke hervorging. Der Redner verlor sich in Details, und als er endlich einen umfangreichen Organisationsplan zur weiteren Steigerung der Fabrikation zu entwickeln begann, wurde die Versammlung unruhig. «Das ist keine Begründung des Verlustabschlusses,» rief der Advokat Watson ironisch dazwischen und fand mit dieser Bemerkung Beifall. Und Konsul Shuman, der sichtlich heute seinen besonders schlechten Tag hatte, trommelte nervös auf der Tischplatte und unterbrach endlich brüsk den Sprecher: «Lassen Sie das, Herr Direktor; das alles wollen wir niciit hören!» Der also Angere'dete versuchte noch ein Wort der Entgegnung, doch Shuman schnitt ihm kurzerhand den Faden ab: «Wir danken Ihnen, Herr Direktor!» Nun hielt Clifferton doch die Zeit für gekommen, das Wort zu nehmen. Der früher durch seine grosse Arbeitsbürde oft müde erscheinende Mann hatte in den Wochen seines späten Eheglücks ein gut Teil seiner jugendlichen Spannkraft wiedergewonnen. Auch die durchaus günstige Entwicklung der neuen gegen 8591). Für die beiden Jahre 1927 und 1928 stellen sich die einzelnen Kontingente denn auch wie folgt : Mit Fünf tagekalte Hit Triptyks oder Grenz- Mit FTeipass eingereist passierscheinheft eingereist eingereist 1927 68°/ 0 35% 7«/, 1928. 54»/, 40% 6% Diese Konstatierung scheint zwar auf den ersten Blick dem Nichteingeweihten nicht viel zu sagen, für den mit der Materie Vertrauten bedeuten aber diese wenigen Zahlen eine interessante Feststellung. Da die provisorische Einreisekarte nur für fünf Tage gültig ist (ihre Gültigkeitsdauer kann allerdings auf acht oder zehn Tage erhöht werden), so wird sie selbstverständlich meist nur von denjenigen- Autotouristen benutzt, die sich nur wenige Tage in der Schweiz aufhalfen. Anders steht es mit den mit Triptyks und Grenzpassierscheinheften eingefahrenen Reisenden. Da die beiden letzteren Arten Zoillausweise jeweils für ein Jahr gültig sind, werden sie entsprechend meist von Automobilisten benutzt, die sich längere Zeit im betreffenden Land aufhalten wollen. Es darf daher aus deren grösseren Zunahme der Schluss gezogen werden, dass im Jahre 1928 besonders die Zahl derjenigen fremden Autotouristen zugenommen hat, die sich für längere Zeit, d. h. mehr als fünf Tage, in der Schweiz aufhielten. Dass diese Art Reisende vom schweizerischen Hotediergewerbe besonders geschätzt wird, liegt wohl auf der Hand, und wird daher die Zunahme dieser Kategorie von Äutotouristen im Jahre 1928 als eine besonders erfreuliche Konstatierung gebucht werden dürfen. Ueber die Zahl der seit dem Jalire 1909 in die Schweiz zu vorübergehendem Aufenthalt eingereisten ausländischen Automobilisten gibt die nachstehende Tabelle interessante Auskunft : Mit Triptyk oder Mit Mit provisorischer Grenzpassierschein- Freipass Eintrittskarte Total heft 1909 ? ? 1910 ? ? 1911 ? ? 1912 ? ? 1913 4 539 6003 1914 1915) 2 339 3372 19161 ,„ 7S 19171 S3 _„ n ° 1918J 1919 134 795 1920 1 103 2286 1921 2 214 2902 1922 3 277 4007 1923 ' 6141 3990 — 6 742 — 7003 — 7 910 — 8 766 — 10 542 — 15 711 272 149 118 69 — 929 — 3 389 — 5116 — 7 284 — 10131 Sagreve-Maschine, deren erste Probefahrten sehr befriedigten, trug dazu bei. Und so zwang er schon bei den ersten Sätzen den Herren seinen ausgesprochenen Optimismus förmlich auf. «Ich muss konstatieren, meine sehr geehrten Herren, dass Sie unser gemeinsames Unternehmen, dessen Förderung mir vielleicht mehr am Herzen liegt als jedem anderen unter Ihnen, dass Sie also unsere World Company in ihrer jetzigen Wirtschaftslage und in ihrer ferneren Geschäftsentwicklung nicht günstig beurteilen. Die_ Geschäftsleitung hat Ihnen vollkommenen Aufschluss über die momentane Lage gegeben, die allerdings durch die Ihnen allen bekannten Vorgänge mit der Konkurrenz bis zu einem gewissen Grade pessimistisch beurteilt werden kann. Trotzdem sage ich Ihnen, meine Herren, mit aller Entschiedenheit und aus meiner genauen Kenntnis der Dinge heraus: Anlass zu irgendwelcher Besorgnis ist nicht vorhanden! Die World Motor-Car Company hat Terrain eingebüsst — zugegeben! Sie wird aber nicht nur alle Marktpositionen wieder gewinnen, sondern darüber hinaus jeder unlauteren Konkurrenz, ganz besonders der einer gewissen Firma, zu begegnen wissen!» Betretenes Schweigen folgte diesen mit steigender Stimme vorgetragenen Worten. Nach einer längeren Pause Hess sich Konsul Shuman vernehmen: «Und womit wollen Sie, Herr Generaldirektor, diesen zum Ausdruck gebrachten Optimismus begründen? Sie werden verstehen, dass die meisten Herren hier Ihre Ansicht 1924 9 954 4122 7 840 21916 1925 15 078 5125 16177 36 380 1926 19 171 5160 25 716 50047 1927 27 762 5714 45 428 78 904 1928 41333 6231 56066 103 630 Was die Verteilung der Zahl der im Jahre 1928 eingereisten fremden Autotouristen auf die einzelnen Monate anbetrifft, so steht erwartungsgemäss der August mit 21404 weitaus an erster Stelle. Auffallend ist vielmehr, dass der September mit 11818 fast die nämliche Frequenz aufweist wie der Juli mit 13 663, der an zweiter Stelle steht. Es zeigt sich, dass gerade auch der September als Hauptreisesaison für unsere Alpenstrassen betrachtet werden muss und dass so den Kurorten durch das Automobil eine Verlängerung der eigentlichen Saisonzeit gesichert wurde, die man wohl überall sehr schätzen dürfte. Denn es darf nicht vergessen werden, dass an den höher gelegenen Orten mit Mitte August bereits die eigentliche Saison ihr Ende nahm, und wirkt sich daher gerade in diesen Gegenden der Autoreiseverkehr äusserst fruktifizierend für den dortigen Touristenverkehr und die damit verbundenen Gewerbezweige aus. Ueber die in den einzelnen Monaten des Jahres 1928 eingereisten fremden Autotouristen orientiert die nachfolgende Tabelle : Monat Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Total 1928 Total 1927 Frov. Fieijass Trlp'jks oder Eintrittskarte Grenznassiersebekbelte 959 305 379 1154 280 486 1801 270 950 3 337 554 2 811 3 863 523 2 891 5 379 529 4181 9 463 887 8150 15157 615 11117 8 977 697 6 205 2 981 539 2397 1912 621 1037 1083 411 729 Total 1643 1920 3 021 6 702 7 277 10 089 18500 26 889 15 879 5 917 3 570 2223 Total 1937 854 1020 1853 4154 4 918 8 478 13 663 21304 11818 5 205 3 531 2106 56 066 6231 41333 103 630 78 904 45 478 5714 27 762 78 904 Die vorstehenden Zahlen berechtigen dazu, einige interessante Berechnungen anzuschliessen. Nimmt man nämlich an, dass die 103 904 Automobile durchschnittlich mit vier Personen besetzt waren, was sicherlich nicht zu hoch gegriffen ist, so darf der Schluss gezogen werden, dass mit diesen 103 904 fremden Automobilen im letzten Jahr rund 400 000 Reisende in die Schweiz eingefahren sind. Rechnet man weiter mit einem mittleren Aufenthalt von fünf Tagen, was im Hinblick auf die oben gemachten Bemerkungen betref- nicht teilen, nicht tejlen können! Der von Ihnen vorgelegte Geschäftsbericht und die Informationen, die unsere ausländischen Vertreter uns gegeben haben, sprechen eine andere Sprache, Mr. Clifferton!» «Das gebe ich unumwunden zu, Herr Konsul, und trotzdem werden wir alle augenblicklichen Schwierigkeiten, in die wir durch die Unfairness der Henderson Company geraten sind, überwinden. Zunächst, meine Herren, halten wir es im geschäftlichen Interesse unserer Gesellschaft für geboten, den vor einigen Wochen drüben zustande gekommenen Weltrekord gründlich, und zwar zu unseren Gunsten, zu revidieren!» Ein grosser Lärm folgte diesen Worten. Die Herren hatten sich teilweise von ihren Plätzen erhoben und schrien erregt auf den Redner ein. Aus dem allgemeinen Tumult war die scharfe Stimme Konsul Shumans zu verstehen, der hochrot vor Erregung schrie: «Wir haben genug von derartigen Experimenten, Clifferton, übergenug! Und wir wünschen unter keinen Umständen eine Wiederholung der blamablen Vorgänge, die sich an den ersten sogenannten Rekordwagen geknüpft hatten! Schon spricht man davon, dass der Unfall der World-Company die erwünschte Gelegenheit gegeben hatte, sich mit Anstand aus der Affäre zu ziehen!» «Der Sagreve-Motor ist eine vollkommene Fehlkonstruktion», krähte die hohe Stimme Watsons dazwischen, «das wird auch im «Auto-Motor* behauptet!» (Fortsetzung folgt.)