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E_1929_Zeitung_Nr.006

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HABEN SIE SCHON EINEN

HABEN SIE SCHON EINEN POLIZISTEN SPAZIEREN GEFÄHREN? Der gute Fahrer, der stets bestrebt ist, die vielen Vorschriften der Verkehrsordnung immer genau, buchstabengetreu und auch sinngemäss zu befolgen, hat leider mehr als oft Ihr Verhalten ist stadtbekannt. Sie benehmen Polizist da und bremst den Wagen mit der sich so, als ob sie allein wären. «Wen schreiben Sie auf, wenn Sie sehen, dass man nach Gelegenheit, sich über die ihm unverständlich ausgestreckten Hand. Drei Sätze genügen zur erscheinende Behandlung durch die Ver-Erklärunkehrspolizisten zu wundern und auch zu är- Pferdewagen, der wirklich Schuldige, längst der Situation, inzwischen ist der vergeblichem Hupen weiterfährt und nicht nach rechts und links sieht?» «Das Auto, gern. 100 Meter weiter, und kein Mensch kann denn dessen Nummer ist das einzige, was Man kommt mit den sogenannten Stadtlampen an einem Posten vorbei, wird angemer hat er nicht, er ist anonym gegenüber An einem Wagen, der unter einer grossen mehr die Firma feststellen, eine Kenh-Num- ich sehe.» halten und erfährt, dass den Polizisten das den Augen des Gesetzes. Der Polizist sieht Bogenlampe steht, kommen wir vorüber. Das Licht blende! Man zeigt ihm mit zwei Schaltgriffen, dass die Stadtlampen brannten und praktisch klar machte, was Praxis ist. heisst, es ist prachtvoll zu lesen, und der das ein. Anzeige unterbleibt, weil man ihm hintere Nummernschild ist unbeleuchtet, das dass die Scheinwerfer ein ganz anderes Licht ganze Wagen steht in einem Meer von Licht. Erkältet? von einer Autofahrt zurück! Dann hilft sicher ein elektr. SOLfS «-Heizkissen speziell bei Rheumatismus, Katarrh, Ischias oder Magenbeschwerden. Erhältlich von Fr. 21.50 bis 34.50 in Elektrizitäts- u. Sanitätsgeschäften zeigen. Grosses «Ah,» «das habe ich mir nicht gedacht, dass der Unterschied so gross ist.» Den Standpunkt des am Volant Sitzenden dem Polizisten mundgerecht zu machen, darauf auszugehen sollte sich jeder Fahrer zur Pflicht machen. Ein Autler erzählt in der «Vossischen Zeitung» amüsante Anekdoten aus seiner «Erziehungsarbeit»: Man fährt in der Vorstadt durch einen dunklen Hohlweg von Strasse und blinkt einmal, zweimal, um wenigstens an den gefährlichsten Gegenständen, die unbeleuchtet auf der Strasse liegen und stehen, unbeschädigt vorbeizukommen. Das sieht ein Streifposten, der sofort ein donnerndes « Stopp» brüllt. Kein Protest hilft, der Tatbestand ist da, man hat in einem geschlossenen Ortsteil den Scheinwerfer benutzt, eine Anzeige ist fällig. Ein rettender Gedanke! Man hat Zeit, man lädt den Verkehrspolizisten ein, vorn im Wagen Platz zu nehmen und mit dem Wagen unbescheinwerfert die dunkle Strasse mit zu durchfahren. Man nimmt die erlaubten 40 Kilometer. Dem Braven wurde etwas ungemütlich zumute, beim Aussteigen erklärt er den Gebrauch der-Scheinwerfer für durchaus verständlich und sogar nötig, denn in «dem Duster» kann man sich ja Hals und Beine brechen. Ein Pferdefuhrwerk will durchaus nicht von den Schienen, in denen es Spur fährt. Kein Hupensignal stört es, wie taub lenkt der Brave seine Rösser. Schliesslich reisst dem Fahrer des hinter ihm auf der Stelle tretenden Wagens die Geduld, er überholt ihn rechts. Wie aus dem Boden gewachsen stellt ein Ein Wagen wird abgestoppt. Sie sind viel zu schnell gefahren, sie haben mehr als 50 Kilometer gemacht. «Woran sehen Sie denn das?» «Sie haben doch den Autobus -überholt, der fährt doch 40 Kilometer als Höchstgeschwindigkeit.» «So, dann steigen Sie mal ein, und wir werden den nächsten Bus mal überholen. Sie sehen dann freundlichst auf den Tachometer, was der anzeigt.» Der Polizist schwankt, dann siegt die Neugier und die Freud© am Experiment, und er steigt ein. Im Wagen ist er baff, als sich zeigt, dass er knapp 32 Kilometer macht, um den Bus, den erlaubten Renner der Strasse, spielend zu überholen. Eine Strassenkreuzung. Ich muss nach links. Der brave Lenker der Kreuzungsschlacht steht dort und winkt. Er winkt sehr komisch, mit der einen Hand lockt er mich, mit der anderen winkt er einen anderen, der noch gerade entgegenkommen will. Ich protestiere. «Sie können doch ruhig herankommen», meint er. «Nein, das kann ich nicht. Wann werden Sie abgelöst?» «Sie wollen mich melden?» «Nein, ich will auch mit Ihnen probieren.» Also um 4 Uhr. Gut. Um 4 Uhr steigt auch der abgelöst«! Posten ein und wir machen, die glejche;,.£cke wie vorher. Der Nachfolger ist gerlau so unterrichtet wie er und rudert mit b'eidek Händen, und siehe da, mein neuer «Fahrgast» sieht ein, was er von seinem Stand nicht einsehen konnte, «nein, das geht nicht». «Aber man hat es uns doch so beigebracht, unsere Lehrer, die es selbst erprobten, die sagten, Heirat wünschen riete Tertnögliche Damen, reiche Ausländerinnen, viele Elnheiratun uen. Herren & ohne Vermögen. Auskunft sofort Stabrey, Bertin 113, Stoloisebestrasse 48. «SKSs PIANOS ZÜRICH es sei richtig.. Ja, .wenn wir diese praktischen Erfahrungen auch hätten, dann... dann würden wir Vorschläge machen, heute sind wir ja nur theoretisch ausgebildet und werden dann in den Verkehr gestellt.» Vor uns taucht ein Rudel Radfahrer auf. «Den müsste ich aufschreiben, aber ich sehe selbst ein, dass es ein Unsinn ist, denn wenn seine Lampe brennen würde, wäre die Nummer und der Wagen nicht besser zu erkennen als jetzt.» «Und das Hupen, Herr Polizist, haben Sie Dass Barkeeper oder Mixer wirklich Persönlichkeiten sind, dass Drinks in der Skala der lebensnotwendigen Genüsse gar nicht so überflüssig sind, sondern im Gegenteil, massig genossen, eine nicht zu verkennende und zu unterschätzende medizinisch-hygienische, jedenfalls sehr zweckmässige Rolle im Ernährungsprozess spielen, ist wohl selbst denen grösstenteils unbekannt, die zur Sekte der Bardrinks-Liebhaber zählen. Zweckmässig, weil sie den Appetit anregen, die Verdauung fördern und Magenund Darmstörungen beseitigen können; wenn sie es nicht tun, dann liegt es an dem Besteller, der sich hierin nicht auskennt, manchmal allerdings auch an der betreffenden Bar und ihrem Mixer, denn infolge mangelnden Nachwuchses, mangelnder Tradition und snpch nicht ganz straff durchgeführter Organisation fehlt es oft an wirklich geeigneten Kräften. Von einem Mixer muss nicht nur die lückenlose Kenntnis der verwendbaren Ingredienzen und ihrer Funktionen verlangt werden, sondern schöpferische Fähigkeiten, die es ihm möglich machen, neue und vor Tonuollendetste Instrumente in relatiu massiger Preislage» Kein neues Präparat, 40jähr. Erfahrung. Verbürgt Wirkung und Zuverlässigkeit. G«n«raldepot: VON BÄR, MIXER UND DRINKS RAMSPECK Ergrautes Haar erhalt seine frühere Farbe wieder durch B/rken-Brittantine J. Baer'SErtien, Römerschloss-Apotheke, ZUPlCÜ 7 lelephon H 6010 Asvlstrasse 70 gemerkt, wie oft Sie sich vorgebeugt haben und wie oft Sie die Füsse gegen die Spritzwand stemmten, wenn ich kein Signal gab, weil ich gegen das viele Hupen bin. Jede Bewegung, die Sie machten, war für mich das Signal, dass Sie gehupt haben würden, wenn Sie das Lenkrad in der Hand gehabt hätten. So ist es im Innern des Wagens.» «Vielen Dank, ich wünsche, viele- meiner Kollegen würden mal so mitgenommen, um den Betrieb als Objekt der Verkehrsordnung zu sehen. Unsereins kommt ja nicht dazu, das erleben nur die Herren Vorgesetzten, die lernen auch fahren.» Und doch könnten alle Verkehrspolizisten mitfahren und den Verkehr aus einem Privatwagen erleben, wenn sich jeder Fahrer einmal in der Woche die Freude und den Nutzen verschaffte, einen Posten, ganz gleich welcher es ist, eine- Stunde durch die Stadt zu fahren, damit er das an fahrender Praxis erlernt, was er auf seinem Stand nie erjagen wird, weil er die andere Komponente des Verkehrs, die Bewegung, nicht kennt. allem individuelle Drinks zu «komponie- .ren ». Das aber setzt wiederum Eigenkultur< mehr als durchschnittliche Menschenkenntnis, kurz, eine ganze Persönlichkeit voraus, die den Weg vom Talent zum Genie auf diesem Gebiet durchaus offen lässt. Wie der Kellner eines erstrangigen Lokals heute noch in der Lage sein muss, aus Name, Beruf, äusserer Erscheinung, Blick und Gebaren seines Gastes, selbst dann, wenn er diesen noch nie vorher bediente, auf das in Frage kommende Menü oder Souper zu schliessen, oder für Stammgäste, ohne dass diese auch nur den geringsten Wunsch äusserten, eine Speisekarte zusammenzustellen, die diese so befriedigt, dass sie nicht ins Lokal kommen, wenn der betreffende Kellner-Ausgang hat, ebenso muss es ein guter Mixer verstehen, einen Cocktail derart individuell zu mixen, dass er die vom Gaste gewünschte Wirkung erzielt und ausserdem einen ungewöhnlichen Genuss für ihn bedeutet. Selbstverständlich spielt dabei die Suggestion keine gerade geringe Rolle. Sie gehört dazu wie Aufmachung, Reklame und Renommee. WIE RHEUMATISMUS. KREUZWEH, VERREN- KUNGEN, VERSTAU- CHUNGEN, GLIEDER* REISSEN etc. behebt SLOAN'S LINIMENT. 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N« 6 - 1920 Ein letzter Grund bleibe auch nicht ganz unerwähnt: der Mangel an geeigneter Literatur, vor allem aber, dass dieses Gebiet noch nicht seinen Brillat-Savarin gefunden hat. Für Bowlen und Punsche machte Munkepunke (Alfred Richard Meyer), der Brillat-Savarin und Lucullus unserer Tage, einen Anfang, der allerdings mehr literarischen Kuriositäts- als praktischen Wert besitzt. Oder sollte ein biederer Zeitgenosse, der sich auch als Geniesser betätigen möchte, mit einem «Rezept» wie dem folgenden etwas anfangen können? Der Nirwana-Pokal. Bananenscheiben kitzle man mit Guracao an. Ein wenig feingestäubte Walnuss drauf nicht schaden kann. Ein Liter Porter drüber — Ohren steif! — begehrlich schäumt, Also sich Munkepunke langsam ins Nirwana träumt. Manch einer erzählte zu Hause, sofern er sich dies, ohne seinem Ruf zu schaden, leisten durfte, von den erlesenen Hochgenüssen einer Grossstadtbar. Die glänzendste Erzählungsgabe aber nützte nichts, denn die Hauptsache fehlte: die Vermittlung des Genusses selbst. Was nützen die schönsten Worte, die höchstens den Mund wässerig machen ? Man muss es auch vorsetzen können. Heute wird ja alles zu Hause gemacht, im eigenen Heim. Dort hört man ein Konzert aus Wien, bald wird man die neueste Premiere sehen... Alles zu Hause 1 Drum mixe auch zu Hause. Das wird die Bars nicht entbehrlich, sondern im Gegenteil populär machen. Was man dazu braucht und wie man es anstellt, das auszuführen, würde hier zu weit führen. Aber es ist nicht allzu schwer und kann auch mit den im Haushalt vorhandenen Mitteln ausgeführt werden. Ein schein Kirschwasser und dazu ein wenig französischer Grenadine. In Kelloggs trockenem Lande mixt man natürlich frisch-fromm-fröhlich-frei weiter, nicht nur im Heim. Zu fast allen Cocktails werden aber die verschiedenen Gin- und Absinthsorten verwandt, und Absinthe zu verwenden, ist bekanntlich bei uns verboten. Uebrigens kam auch die Mode der lustigen Namen von Amerika. Dort kennt man z. B. folgende Drinks: Küss mich feurig — Prahler — Meine Hoffnung — Pick mich auf — Erwärmender Wohltäter — Vergiss mich nicht — Lebensverlängerer — Träumerei — Regenbogen — Abendsonne — Oper — Nach dem Abendessen — Knickerbooker — Heisse Lokomotive — Nachtmütze — Schläfchen — Lingbergh. Der Jack-Rose-Cocktail besteht zu je einem Drittel aus Creme de Menthe, de Mocca und de Rose, während der Prince-Henry-Cocktail je ein Drittel italienischen Vermouth, Dry Gin und White cream de Menthe enthält. Der Weg von diesen sogenannten short drinks, zu denen auch die bekannten französischen Pousse-cafes gehören, zu den long drinks (Flip, Fizz, Sour, Cobbler usw.) ist zwar nicht weit,, erfordert aber doch fast noch mehr Sicherheit und vor allem Zutaten. Diese long drinks sollen ja auch eine ganz andere Aufgabe erfüllen. Während der Cocktail, schluckweise getrunken, die Schleimhäute von appetitstörenden Hemmungen befreit und die Magensäfte anregt, sollen die anderen Getränke mehr erfrischen oder den Verdauungsprozess befördern. Da das Ende so angeregter Unterhaltungen meist im Zeichen des Katers zu stehen pflegt, ist wohl die Zusammensetzung der Prairie oyster zweckmässiger: ein wenig Essig, ein Eigelb, etwas feinstes Speiseöl, Pfeffer und Salz (oder Paprika) und ein Schuss Worchester shiresauce. Auch kann man das leere Glas mit Angostura-Bitfer Halbliterglas (für acht Cocktails), ein ent- ausschwenken und dann der fertigen Auster einen Schuss Cognac hinzufügen. Das ist selbst für einen ausgewachsenen Kater des Guten zuviel, und er zieht in die Gefilde zurück, aus denen er manchmal allzubald wieder hervorkommt. sprechendes Sieb, etwas Eis und die nötigen Zutaten, das ist alles. Und schon kann es beginnen. Je ein Drittel Zitrone, Orange und Schwedenpunsch und der Doctor-Cocktail ist fertig. Das Neueste ist der Kelloggpakt-Cocktail. Er besteht aus je einem Drittel englischem Gin, italienischem Cinzano Vermouth, deut- Weder allzuscharfes noch allzuleiscs Uapen erfüllt den Zweck. Das eine macht den Fussgänger verrückt, das andere ist eine Vorspiegelang falscher Tatsachen. AUTOMOBIL-REVUE DER HEILIGE IM AUTO Der Name des Inders Krishnamurti ist im letzten Jahre über Europa geflogen. Die meisten gebildeten Menschen haben ihn schon gehört. Einer von ihnen sagte mir: «Ja — das ist, glaube ich, so ein halbverhungerter Fakir, der von Fleischeslust und Kinobesuch dringend abrät und uns den Boden unter den Füssen wegziehen möchte, um dann seine Lehren, als einzige Rettung, zu empfehlen!» Irrtum. Dieser Inder ist, nach allem, was man erfährt, ein einfacher, vorurteilsloser, normaler und moderner Mensch mit fünf gesunden Sinnen. Gerade darum macht er ja solches Aufsehen. Er will nicht Religionsstifter sein (schon dies Wort allein macht ihn kribblig), nicht einmal Propagator bestimmter und «einzig richtiger» Ideen. Er will jedem Menschen Mut zu sich selber machen, weiter nichts. Immerhin ist das nicht so einfach. Schon Nietzsche sagte: «Werde, der du bist!» Aber wer bin ich? Wer bin ich? Wenn man endlich dahinterkommt, ist man vielfach längst tot. Die Heroen der Tat und des Werks haben, für ihre Person, das Problem gelöst. Folge: Heroenkultus. Hiervon die Folge: Tragödie der Nachbeter und Nachtreter, die sich mit fremden Wahrheiten schmücken und so um die eigenen Wirklichkeiten kommen. Krishnamurti ist, als Jüngling, von der vielgenannten Theosophin Annie Besant entdeckt worden. Sicher geht ein natürlicher Zauber von ihm aus. Ein Erbe uralter Kultur, der die Dornröschenhecken überalterter Dogmen und erstarrter Anschauungen durchbricht, die Ruinen hoher Traditionen verlässt und nun, frei und hoch, mit jungen Augen in die Welt blickt. Was sieht er? Dinge, die jeder sehen könnte — wenn er sehen könnte. Zum Beispiel die Tatsache, dass das meiste Unglück in der Welt von dem (aus der Knechtzeit der Menschheit übriggebliebenen) Drang herrührt, andere Leute zu vergewaltigen; und von der tiefen Sehnsucht dieser anderen Leute, in jeden* offenen Käfig zu kriechen und sich in jedes Eisen legen zu la'ssen. Er wünscht die Leute von den grotesken Götzen zu befreien, die zwischen Wiege und Sarg auf ihrem Dasein hocken und eine lächerliche Farce daraus machen; von den tausend Wahnvorstellungen, die uns ins Leere hetzen. Und — das Entscheidende! — er sagt nicht alt-indisch: «Geh an der Welt vorüber, es ist nichts!», sondern: Geh durch die Welt hindurch, kneife nicht, suche nicht mit abirrendem Blick Paradiese im Wesenlosen! Aus dieser Auffassung folgt das fröhliche «Ja» zur Gegenwart. Schiller meinte noch: «Lieben Freunde, es gab schönre Zeiten Als die. unsern..,» Krishnamurti glaubt: Lieben Freunde, eine Zeit ist es gut wie die andere, jede gestattet, im Endlichen die ewigen Gesetze zu erkennen, jede ist ein Tor zur Wahrheit, also zum einzig menschenwürdigen Zustand. Infolgedessen ist er nicht dafür, sich verwahrlosen zu lassen, dem irdischen Tand zu entsagen und in Erdhöhlen zu •nächtigen. Er ist für Kultur, für wahre Bildung, für wahre Eleganz, für Wissenschaft, Kunst und Technik, für Industrie und für Maschinen. Er selbst fährt leidenschaftlich gern Auto und sieht nicht ein, warum schnelle Fortbewegung moralisch minderwertiger sein soll als langsame. Aber er verliert im Auto seine Modernität keineswegs, wie so viele, die Besinnung. All das hypnotisiert ihn nicht. Bei aller Freude an der lebendigen Sekunde, sieht er doch in ihr nur das Mittel — das einzige Mittel — das Unendliche zu erfassen, es mit Menschensinnen zu begreifen. Die Welt ist ihm «nur» der blühende Leib, der den ewigen Geist trägt. Im Grunde ist ihm also, alt-indisch, die Sinnenwelt auch nur der «Schleier der Maja», ein Trug, der das eigentliche verhüllt. Aber dieser Trug ist ihm, goetheisch, «der Gottheit lebendiges Kleid» und er findet es viel zu herrlich, um es verachten zu können. Auf der einen Seite Sinnenfreude und wache Aktualität, auf der andern Seite hohe Geistigkeit, die im Chaos der Erscheinungen eine geheime Ordnung intuitiv erkennt —• dieser Synthese gehört, wenn nicht alles täuscht, die Zukunft. Vermutlich haben wir allen Grund, uns mit dem Schrifttum des heutigen Indiens näher zu befassen. Krishnamurti's Erscheinung beweist, dass der alte indische Geist noch lebt und — gerade weil er lebt — die Weisheit versunkener Epochen nicht dauernd wiederholen will. Lass deine Maschine warm laufen, bevor du sie voll beanspruchst. Ein guter Reiter geloppiert mit seinem Pferd auch nicht zur Stalltüre hinaus. 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