Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.007

E_1929_Zeitung_Nr.007

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Freitag 25. Januar 1929. Nummer 20 Cts.* 25. Jahrgang. — N° 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: ErsetMtat lad« OtoMlai uad fMtM Hanatlieh „Gelb* Unu* BMbJthrndl Fr. 6.—, JfthrUeb Fr. 10.—. Im Aasland antar Portozusehlaf, Mfero nicht poitamüicb bestellt, Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Brettenrainstnsw 87, Ben» In- and Ausland 30 Rappen. Postcheck-Kecbmms 111/414 Telrahan Bollwerk SS.84 TMaframm-AdresMi Antoravm, Ben Ein bedauerliche* "Am 22. Januar tagte in Bern die Delegiertenversammlung des Schweizer. Bauernverbandes, die zur Getreidevorlage sowie zur Branntwein- und Strassenverkehrs-Initiative Stellung nahm. Lieber letztere referierte im Auftrag des Vorstandes Herr Nationalrat Dr. König in Brugg. In knapper Form setzte er die Gründe auseinander, warum die Leiter des Schweizerischen Bauernverbandes dem Bauernvolke die Ablehnung dieser Initiative empfehlen. Nach seiner Ansicht sind es ganz besonders zwei Argumente, welche die Bauernsame veranlassen sollten, gegen die Verkehrsinitiative Stellung zu nehmen. Es sei dies der föderalistische Standpunkt, der nicht mehr vertrage, dass neue Kompetenzen von den Kantonen an den Bund übergingen. Es bestehe keine Notwendigkeit, auch die Strassen zweiter und dritter Kategorie der Bundeshoheit zu unterstellen. Der Bund besitze heute schon auf Grund des Art. 37bis die Kompetenz zu einer gesetzlichen Regelung für diejenigen Verkehrsarten, für die eine solche nötig ist, nämlich für den Automobil- und Fahrradverkehr. Der übrige Strassenverkehr spiele sich zur grossen Hauptsache innerhalb der jeweiligen Kantonsgfenzen ab und benötige deshalb keine besondere Regelung, soweit nicht die Beziehungen zum Automobilverkehr einige Vorschriften nötig machen. Im ferneren sei eine überall, passende einheitliche Ordnung praktisch unmöglich; sie müsste besonders für die Land- und Bergbevölkerung als Schikane empfunden werden. Die Zuführung der gesamten Einnahmen des Bundes aus dem Benzinzoll und ähnlichen Quellen an die Kantone erwiese sich bei näherer Prüfung als nicht unbedenklich. Der Referent hält die Motion für die automobilistischen Interessen als genügend, die von den eidgenössischen Räten erheblich erklärt wurde und die den Bundesrat einlädt, die Bestrebungen zur Schaffung eines eidgenössischen Automobilgesetzes wieder aufzunehmen. Dagegen betonte der Sprecher der Bauersame, dass die Landwirtschaft sich heute schon volle Freiheit vorbehalten müsse gegenüber demjenigen Passus der Motion, der von einer gewissen Regelung des Verkehrs der übrigen Strassenbenützer spreche. Die Strassenverkehrsinitiative, die viel zu weitgehende Vorschriften über den Fuhrwerk- und Fussgängerverkehr vorsehe, Rekordfiebcr. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (11. Fortsetzung) Dass das alles so- gekommen ist, halte ich für eine Fügung des Schicksals!» — Bob hatte mit einem Gefühl wachsenden Unbehagens die Unterhaltung seiner Braut mit Percy beobachtet. Um nicht unhöflich zu erscheinen, hielt er sich im Hintergrund und verfolgte mit scheinbarer Aufmerksamkeit eine Pokerpartie, die in einer Ecke des Salons zwanglos zustande gekommen war. Gewiss vertraute er Alice, doch wurde er eine gewisse Unruhe nicht los, wie er die beiden in eifrigem Gespräch sah. Und so atmete er befreit auf, als sich der junge Diplomat mit einem vielleicht etwas zu lange währenden Handkuss von Alice verabschiedete. Unbefangen kam das junge Mädchen näher: «Du hast mich sicher schon vermisst Bob, nicht wahr?» «Ja» Alice,» gestand er ehrlich, «du hattest aber auch eine besonders fesselnde Unterhaltung mit dem jungen Chasterlin-» «Wir fanden durch gemeinsame Bekannte einige Berührungspunkte. Und das tragische Schicksal eines uns beiden befreundeten Herrn gab den Anlass zu einer längeren Aussprache. Uebrigens, Bob — Ich habe Mr. Chasterlin für den Donnerstag in unserem Hause zum Tee gebeten. Ich weiss, dass ich damit meiner neuen Mama eine besondere Enlscfaeld müsse abgelehnt werden. Dies summarisch die Gründe, welche die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bauernverbandes bewog, eine Resolution anzunehmen, wonach die Initiative abgelehnt wird und in ;der Volksabstimmung bekämpft werden solL Wir bedauern diesen Entscheid ausserordentlich. Er fällt in einen Zeitpunkt, da das schweizerische Bürgertum zu einem Kampf rüstet, der am 3. März dem Lande endlich den langersehnten Getreidefrieden bringen soll. In dem zur Abstimmung gelangenden Gegenvorschlag wird der Bauersame „die Getreideabnahme, die Preisgarantie, die Mahlprämie sowie der Frachtenausgleich zugesichert Die Wünsche der Landwirtschaft sind restlos erfüllt. Alle grossen volkswirtschaftlichen Verbände haben sich bereit, erklärt, auch dafür zu sorgen, dass die Stützungsaktion für unsere Landwirtschaft finanziell sichergestellt werde durch eine vorgesehene Erhöhung der sogenannten statistischen Gebühren, welche vor allem von Handel und Industrie zu tragen sind. Das Opfer, das man diesen Kreisen unserer Bevölkerung zumutet, haben diese auf sich genommen. Es wäre verfrüht, heute schon alle Minen für die Verkehrsinitiative springen zu lassen. Wir werden bis zum 12. Mai eventuell reichlich Gelegenheit bekommen, für sie einzutreten. Grundsätzlich möchten wir heute nur folgendes, .feststellen: Auch wir halten den Föderalismus in Ehren. Wir anerkennen vollauf seine guten Seiten und wissen, dass der Einheitsstaat für die Schweiz niemals in Frage kommen kann. Aber der Verkehr lässt sich im Zeitalter des Automobils erst recht nicht mehr an Kantonsgrenzen binden. So gut heute nach langem Kampf der Eisenbahn-, Post- und Telegraphenverkehr, das Münzwesen und eine ganze Reihe anderer Fragen eidgenössisch geregelt sind, ebenso folgerichtig muss auch der Strassenverkehr seine eidgenössische Regelung finden. Dabei ist es ganz klar, dass nicht nur einseitige Vorschriften für Automobile und Fahrräder aufgestellt werden können, sondern dass auch der Fuhrwerkund Fussgängerverkehr wie im Auslande in diese Regelung mit einbezogen werden muss. Dies ist schon einzig aus dem Grunde notwendig, weil im heutigen wirtschaftlichen Leben unsere Automobile nicht nur erstklas- Freude bereite! Und du kommst doch auch?» Er nickte nur kurz und bot ihr den Arm: «Wir sind fast die Letzten; darf ich dich nach Hause geleiten?» Bei dem ungewöhnlich scharfen Klang seiner Stimme wurde sie aufmerksam: «Was hast du, Bob?» «Bitte, nichts — beunruhige dich nicht!» — In dieser Nacht kam das Unbeherrschte seiner Natur wieder einmal zum Durchbruch: Nachdem er sich von Alice verabschiedet hatte, fuhr er noch in der Nacht nach Hestortown hinaus, einem sehr fragwürdigen Vorort der Stadt, in dem sich die unterirdische Lebewelt zu Spiel und Orgien zusammenfand. XI. Am Ende der Oxford-Street in Hestortown, die eine kleine, unsaubere Querstrasse, fernab vom Getriebe des Zentrums der lebhaften Industriestadt, war, befand sich das Boarding-house des Mr. Wai-pai-fu. Dieser ehrenwerte Chinaman war nach aussen hin Wirt und Inhaber eines ganz vortrefflichen ben des Gelben, doch hatte sie ihm bis jetzt die Konzession nicht entzogen, da ihr schon mancher gute Fang bei dem Mr. Wai-pai-fu geglückt war. Im übrigen war es offenes Geheimnis, dass auch der Polizeichef von Hestortown zu den bevorzugtesten Kunden des Boardtng-house und des Salons gehörte; Grund zum Einschreiten war danach wirklich nicht vorhanden! Bob Sagreve hatte schon vor längerer Zeit den Betrieb in dem obskuren Lokal kennen gelernt. Das war in einer sehr aufgeräumten Gesellschaft gewesen, die nach Tanz und Alkohol in mehreren Wagen nach Hestortown gefahren und bis zum frühen Morgen gezecht, gespielt und geliebt hatte. Und während zum Schluss eine grosse Anzahl der Gäste in einem Rausch von Opium und Alkohol gelegen, war Bob mit schweren Gliedern und schmerzendem Schädel nach Hause gefahren und hatte wenige Stunden später seine Arbeit wieder aufgenommen. Jetzt, als seine Nerven nach der unerhörten Anstrengung der letzten Wochen, nach Fremdenpensionats, das seine Gäste in be-endlicher Vollendung seines grossen Werkes, den Dienst versagten, als sie aus nichtiger Ursache rebellierten, jetzt, in dieser Nacht, fuhr Bob wieder nach Hestortown hinaus, nach dem Salon des Mr. Wai-pai-fu. Eine Wolke von Zigarrenrauch, von Dunst vieler Menschen, schlug ihm entgegen. Der kleine Vorraum war dicht gefüllt Zu den ster Weise und mit aller Aufmerksamkeit beherbergte. Die Eingeweihten wussten jedoch, dass in den hinteren Gasträumen allnächtlich gespielt wurde. Auch sonst sorgte der Chinaman für das Amüsement und das Bedürfnis seiner Gäste. So unterhielt er einen sorgfältig versteckten Opiumsalon, in dem eine Anzahl hübscher, weisser und gelber Tänzerinnen für die Bedienung und Zerstreuung sorgten. Die Polizei kannte den Salon und das Trei- / Klängen einer lauten, exotischen Kapelle drehten sich zwischen den Tischen und Stühlen die Paare im Tanze. Meist Halbwelt und ihr Anhang; einige kleine Angestellte mit INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzelle oder dann Raum 45 Cb. lür die Schweiz; tür Anzeigen aas dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach SeiteutarUa Iwmniiiii ilmn 4 Tage vor Enerwmen der betreffenden Nummer sige Automobilstrassen, sondern ebenfalls Strassen zweiter und dritter Kategorie zu befahren haben, auf denen das Menschenleben so viel wert ist wie auf einer sogenannten erstklassigen Automobilstrasse. Auch wenn eine eidgenössische Gesetzgebung in Funktion tritt, so wird sich diese selbstverständlicherweise den verschiedenen Landesgegenden, der Stadt und dem Lande, anzupassen haben. Die Initianten verlangen keine praktisch unmögliche einheitliche Regelung, die schablonenmässig in gleicher Weise in der Grossstadt, wie im hintersten Dorfe eines Alptales anzuwenden wäre, sondern sie verlangen einzig und allein ein eidgenössisches Gesetz, das heute in das 22iache Chaos Ordnung zu schaffen und die Schweiz auch gegenüber dem Ausland vor der Lächerlichkeit zu bewahren hat Wir bedauern den Entscheid des Bauernverbandes, weil durch die angenommene Resolution leicht der Eindruck entstehen könnte, als bringe die grosse schweizerische Bauernorganisation dem modernen Verkehrsmittel noch nicht das nötige Verständnis entgegen und erfasse sie die Bedeutung des Automobils innerhalb unseres Wirtschaftslebens noch nicht in ihrer ganzen Tragweite. Wir wissen, dass der schweizerische Bauernstand heute unter Aufbietung seiner letzten Kräfte um seine Existenz ringt. Ein wichtiges Hilfsinstrument wird in zunehmendem Masse sowohl für den einzelnen Landwirt als auch für die genossenschaftlichen Verbände das Automobil bilden. Der Schweizer Bauer kämpft heute um die Zurückeroberung des inländischen Marktes. Dazu braucht er nicht nur Qualitätsware, sondern auch gutfundierte Absatz-Organisationen und nicht zuletzt das Automobil, das ihn instand setzt, seine Ware rasch, frisch und in gefälliger Form auf dem städtischen Markt abzustossen. Aus allen diesen kurz gestreiften Gründen ist es schwer einzusehen, warum gerade der schweizerische Bauernverband als erster gegen die Verkehrsinitiative Stellung zu nehmen brauchte. Eines steht fest: Er hätte bei neutraler Haltung in dieser Verkehrsfrage oder durch einen Beschluss, der die freie Stimmabgabe ermöglicht hätte, das Risiko des 3. März nicht vergrössert und den Gegnern der neuen Getreidevorlage kein Wasser auf ihre Mühle geleitet. Zum Schluss möchten wir doch noch erwähnen, dass der Schweizerische. Bauernverband einzig und allein durch sein Mono-' pol die heutige Fassung 'des bundesrätlichen Gegenvorschlages erreicht hat. Hätten die schweizerischen Motorfahrzeugbesitzer durch ihre Strassenverkehrsinitiative den gleichen Erfolg davongetragen,, was wegen ihrer gegenwärtig noch zu schwachen Vertretung in den Ratssälen nicht.möglich war und läge auf den 12. Mai ein Gegenvorschlag des Bundes-» rates vor, in welchem ihre Hauptforderungen erfüllt wären, so hätten die" Initianten ebensogut auf ihre Initiative verzichten können, wie heute die Bauern auf das einst heiss umstrittene Getreidemonopol. Aus dem zürcherischen Kantonsrat. Anlässlich der Behandlung des Geschäftsberichtes des Regierungsrates kamen in der letzten Kantonsratssitzung auch verschiedene. Verkehrsfragen zur Behandlung. Der zürcherische Polizeidirektor, Regierungsrat Mau* rer, votierte für eine Verstärkung des PoÜzeikorps, um besonders die Kontrollen des Automobilverkehrs wirksamer durchführen zu können. Ein grosses Unglück ist nämlich im Kanton Zürich geschehen! Seit drei Monaten konnte die Polizeidirektion keine Kontrollen -mehr durchführen, da sonst der Kriminaldienst hätte hintenangesetzt werden müssen. Auf eine Anregung, den Erlass eines kantonalen Verkehrsgesetzes vorzubereiten, ging der Polizeidirektor nicht ein, da die Arbeitszeit der Chauffeure nicht kantonal geregelt werden könne, die Fremdenpolizei, sich nach der eidgenössischen Verordnung zu richten habe und es heute nicht möglich sei, das interkantonale Konkordat über den Motorfahrzeugverkehr abzuändern. In wirksamer Weise vertrat Herr Kantonsrat Gassmanit die Interessen der Motorfahrzeugbesitzer. Er. wies auf die Notwendigkeit der Schaffung eines Verkehrsgesetzes hin und betonte, wie die Verkehrskommission des Automobilclubs den Kampf gegen unvernünftige Fahrer unterstütze. Dagegen trat er mit aller Entschiedenheit gegen die hinterhältige Kontrolle auf und befürwortete die offene, uniformierte Polizeikontrolle, damit Fehlbare gleich festgehalten werden könnten. Ebenso ging seine Meinung dahin, die längst überlebte 18-km-Vorschrift endlich und endgültig zu beseitigen. Leider stellte sich der zürcheri- ihren Mädels. An einem Ecktisch sassen in stoischer Ruhe einige Gelbe, tranken aus hohen Stielgläsern ein grünes Eisgetränk und sahen ohne Bewegung dem Treiben zu. Hier befand sich auch Mr. Wai-pai-fu, der Wirt des Lokals und musterte aufmerksam jeden Eintretenden. Bob Sagreve hatte ihm mit einem Blick zu verstehen gegeben, dass er Zutritt in den hinten gelegenen Salon wünsche. Der Gelbe zuckte mit keiner Wimper und Hess nicht erkennen, dass er die stumme Aufforderung begriffen hätte. Da erinnerte sich Bob dunkel eines Zeichens, das zur Erfüllung seines Wunsches hier notwendig war und das an jenem Abend ein Vertrauter gegeben hatte. Vorsichtig, dass die übrigen Gäste es nicht sahen, führte Bob zwei Finger der rechten Hand empor und senkte die geballte Hand. Der Chinese hatte verstanden und schlürfte alsbald hinaus, nachdem er Bob eine stumme Aufforderung, ihm zu folgen, gegeben hatte. Sie schritten über einen mit allerlei Gerumpel belegten Hof. Unter einem niedrigen Vorbau befand sich eine kleine- Falltür, an die der Gelbe einige Schläge in bestimmtem Zeitmass richtete. Die Tür wurde langsam geöffnet und ein kleiner, nur notdürftig beleuchteter Vorraum wurde sichtbar. Ein kleiner, chinesischer Diener nahm geschickt dem eintretenden Gast die Ueberkleider ab und zog mit stummer Verbeugung einen schweren Vorhang zurück. Bob Sagreve trat in den Salon ein. Wai-pai-fu war verschwunden, —