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E_1929_Zeitung_Nr.004

E_1929_Zeitung_Nr.004

Aosgabe: Deutsche Schweife BERU, rffr.'fög. 15 jantnr Nummer 20 O«. 25 Jihrgansf. — N" 4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABOMVIEMüNTS-PKEISE: Erscheint leden tllenstag und Prettin Monatlich „Gelbe UsM» Halbjährlich Fr. 6.-, iflhrlieh Fr. 10.-. im Ausland unter Portozuschlag, ADMIMSniATIOAC UreUenrainstrasse 97, lierv sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für noalamtlicbe Uestellung Im In- und Ausland HO Hnmvn. Poctchrck-Kechnunu I1I414 Telephon Hollwerk 39.84 . relearwnni-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtKesTWltene 2 mm hohe Grundzelle a«et derao Baum 45 CU. tOr die Schweiz 5 für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctfc Grossere Inserate nacb Seitentartt, taseratensenln*' 4 Tn«» «W Rnwheinen der betnrrenden Ifnmmer Äufo und Behörden Die Strassenverkehrs-Initiative bleibt aufrecht erhalten. Das Komitee der Strassenverkehrsliga hat sich am 10. Januar in Bern zur Vorbereitung der Generalversammlung, welche auf den 9. Februar nach Bern einberufen wird, versammelt. Letztere wird sich insbesondere mit der Situation zu befassen haben, wie sie durch den Beschluss der eidgenössischen Räte über die Verkehrsinitiative geschaffen wurde. Die Kommission war einstimmig darüber einig, dass nach den erhaltenen Auskünften im Bundeshaus eine derzeitige Zurückziehung der Initiative nicht in Frage kommen könne, da das Initiativkomitee nur dann Vollmacht zur Zurückziehung der Initiative besitzt, sofern von Seiten der Bundesversammlung ein Gegenentwurf vorliegt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die in beiden Räten angenommene Motion kann nicht a's Gegenentwurf gewertet werden und bietet für die Initianten vorläufig noch zu wenig Gewähr dafür, dass ihren berechtigten Wünschen entsprochen werden soll. So stehen wir vor einem Kampf. Die Situation ist klar. Die Initianten kämpfen für eine gute Sache. Seit der letzten Abstimmung hat sich ihre Anhängerzahl stark vermehrt, so dass die Aussicht auf Erfolg nicht unwahrscheinlich ist Solidarität und entschlossener Kämpf,, werden zum Ziel führen. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, dass die Generalversammlung, welche sich mit einer Reihe von Organisationsfragen für das weitere, Vorgehen zu befassen haben wird, den klaren Entscheid ihres Komitees auch zu dem ihriigen machen wird. Es ist dringend nötig, dass auf dem Gebiete des schweizerischen Strassenverkehrswesens einmal eine gründliche Entscheidung getroffen wird, die im Interesse aller Strassenbenützer liegt. Es ist auch nicht daran zu zweifeln, dass unser Schweizervolk im fortschrittlichen Sinne entscheiden wird. Eine Strassendebatte im Urner Landrat. Der Urner Landrat befasste sich in seiner letzten Sitzung anlässlich der Beratung des Voranschlages 1929 recht eingehend mit seinem Strassenwesen. Der Kanton Uri ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Eine Haupteinnahmequelle, nämlich die Durchgamgsgebühren für Automobile, ist mit dem 1. Januar 1929 in Wegfall gekommen. Rekord lieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (9. Fortaetzons) Das Wetter des nächsten Tages war dem Rekordversuch nicht besonders günstig. Ein stark böiger Ostwind herrschte seit dem frühen Morgen, so dass bei der Fahrt mit starkem Seitenwind gerechnet werden musste. Gegen Mittag war auch ein leichter Regenschauer niedergegangen und hatte auf der Bahn stellenweise Weine Pfützen hinterlassen, die sorgfältig getrocknet wurden. Starke Arbeiterkolonnen befanden sich schon seit Tagen auf der Rennstrecke und besserten die geringsten Unebenheiten aus. Der Zustrom der geladenen Gäste setzte eine Stunde vor Beginn der Rekordfahrt mit einer Mächtigkeit ein, dass die Policemen Mühe hatten, die unübersehbare Wagenkette zu den Parkplätzen zu leiten. Eine Viertelstund vor Beginn waren der Innenraum und die Tribünen dicht von einer erwartungsfrohen Menge gefüllt. Die Rennkommission und die Herren der obersten Sportbehörde, die als offizielle Zeitnehmer fungierten, waren mit Direktor Bergson zur Stel'e. Die Spannung war auf das höchste gestiegen. Wenige Minuten vor 15 Uhr erschienen die Damit gehen dem Kanton Url selbstverständlich Tausende und Tausende von Franken verlustig. Andernteils ist zuzugeben, dass der Strassenunterhalt gerade für den Kanton Uri teuer zu stehen kommt. Trotzdem war der Antrag der Kommission, auf dem Unterhalt der Strassen Fr. 25,000 abzustreichen, nicht recht begreiflich. Die Auffassung der Kommission beweist, das man sich leider immer noch bei manchen Räten über die Bedeutung des mo' dernen Automobilverkehrs keinen rechten Begriff machen kann und sich leicht von kleinlichen Ansichten leiten lässt. Güte Strassen sind aber gerade für einen Gebirgskanton wie Uri eine Lebensnotwendigkeit und es wäre eine tatsächlich verfehlte Politik, wollte der Kanton seine Strassen aus Sparsamkeitsrücksichten verlottern lassen. Es wäre dies unbedingt am falschen Ort gespart, was das gesamte urnerische Gewerbe nur zu bald zu spüren bekäme. Es ist natürlich klar, dass Einnahmen u. Ausgaben des Bauwesens gerade punkto Strassenbau leicht in ein falsches Licht kommen können, wenn Beiträge, die unbedingt ihrer Natur nach dem Bauwesen zugeteilt werden sollten, an andere Orte hinfiiessem Die Einnahmen aus dem Benzinzoll-Viertel, aus dem Ausgleichfonds und aus dem Beitrag an die Alpenstrassen gehören unbedingt, in das Kassabuch des urtierischen Batidirektors und nicht anderswo hin. . Dem Kanton Uri werden für di© Jahre 1925, 1926, 1927 und 1928 aus dem BenzinzoP-Viertel rund Fr. 200,000 zufliessen. Mit dem Bondesbeitrag an die Alpenstrassen dürfte dem Kanton ein Beitrag sichergestellt sein, der ihm ohne weiteres einen modernen Strassenunterhalt erlauben wird. Es ist deshalb mehr als erfreulich, dass der Landrat in dieser Frage seiner Kommission nicht gefolgt ist, sondern mit 23 gegen 18 Stimmen sich für das Budget ausgesprochen, d. h. die Streichungsanträge der Kommission verworfen hat. Der Entscheid dürfte wesentlich auf die k'aren und grosszügigen Voten von Ständerat Walker und Dr. Mubeim zurückzuführen sein. Beim Posten Staubbekämpfung unterlag dagegen der Antrag der Regierung, der dafür Fr. 35,000 eingesetzt hatte. Gemäss Kommissionsantrag wurde er auf Fr. 20,000 abgestrichen, in der Meinung, dass an Stel'e der Sulfitlauge-Bespritzurg nach und nach die Strassenpflästerung einzuführen sei, auf Brüder Henderson in sichtlicher Nervosität Der ältere, Henry, kaute an einer Zigarre und vermochte kaum die von Bekannten dargebotenen Grüsse zu erwidern. William Henderson hatte einen leitenden Herrn seiner Gesellschaft in ein Gespräch gezogen, das beiderseits nichtssagend geführt wurde und nur den Zweck hatte, die Minuten bis zum Beginn totzuschlagen. Endlich ein helles Glockenzeichen. Die Menge verstummte. Und unter nervenzerreissendem Motorgeheul sprangen die Hallentore weit auf und der Rekordwagen fuhr langsam auf die Bahn hinaus. Colonel Miller sass mit erkünstelter Ruhe am Steuer. Entsprechend der Rekordfahrtbestimmüngen wurde fliegend gestartet, mit einer Anlaufstrecke von vier Meilen. Gewertet wurden zwei Meilenstrecken, je eine in nördlicher und südlicher Richtung. Der Wagen fuhr nun langsam an den Tribünen vorbei, die Bahn hinaus, damit die Wertungsmeile unmittefoar vor dem Zielp'atz beginnen konnte. Colonel Miller schaute nicht rechts noch links. Nur kurze Worte wechselte er mit seinem Begleitfahrer : welche Weise man den Staub viel wirksamer bekämpfen könnte. Zu bemerken ist noch, dass der Benzinzollanteil im Budget 1929 mit Fr. 30,000 eingestellt- wurde, währenddem die Verteilungsquote nach der eidgenössischen Verteilungstabelie Fr. 49,635 ausmachen wird, so dass, wie oben erwähnt, für die Jahre 1925, 1926, 1927 und 1928 der Kanton Uri mit einer runden Summe von Fr. 200,000 Benzinzollantei! wird rechnen dürfen. Damit wird wohl auch ganz allgemein der Budgetausigleich wieder hergestellt werden können. Aus dem Glarner Landrat. Anlässlich der Beratung, des Amtsberichts 1927-28 der glarnerischen Regierung beantragte die Kommission bei dem Bericht über die Baudirektion, es sei ein Gesamtplan mit generellem Kostenvoranschläg für. die durchgängige Verbesserung aller Dorfstrassenstrecken aufzustellen und ferner sei die Frage zu prüfen, ob der Landesbeitrag von 50 % an die Verbesserung der Dorfstrassenstrecken nicht in dem Sinne erhöht werden solle, dass für die Beseitigung besonders schwerer Hindernisse, wie Häuser, Gärten usw. ein besonderer Landesbeitrag zu gewähren sei. Der Kommissionsvorschlag betreffend den Gesamtplan wurde jedoch auf Antrag von Regierungsrat Hefti. und nach Ausführungen von Landrät Spälti -in, NetstaJ mit grosser Mehrheit abgelehnt. Die Hörren Qemeindevertreter •tollten sich jedenfalls durch einen Gesamt^ plan nicht zu einer StrassenkorrektiOin zwingen lassen. Nach Ausführungen von Baudirektör Hefti wurde der zweite. Antrag von der Kommission in dem Sinne zurückgezogen, dass auf die ganze Angelegenheit bei der Beratung der Memorialeingabe Schwyter zurückzukommen sei. Eine recht interessante Diskussion entspann sich über die Art der Durchführung der Strassenkorrektion und des dabei zu verwendenden Belages. Währenddem die Kommission für die Pflasterung ein- «Wir werden's schaffen, Malcolm, wir schaffen's!» «Jawohl, Colonel,» versetzte der Angeredete kurz und ohne Bewegung, «wir schaffend!» Die Markierung der Anlaufstrecke war erreicht. Mit einer sicheren Wendung drehte der Colonel und stoppte den Motor. Der Starter hielt die weisse Flagge hoch, in der Linken den Chronometer. Jetzt ein Ruf, die Flagge senkte sich und mit einem donnernden Gebrüll, das vielfältig von den nahen Bergketten widerhallte, sprang das Fahrzeug förmlich vorwärts. Es war eine aufregende Fahrt. Der scharfe Wind, der beim Heraustreten in die Ebene auch von der Seite her mit unerhörter Wucht auf den dahinschiessenden Wagen einstürmte, nahm den Fahrern fast den Atem. Mit zusammengebissenen Lippen hockte Colonel Miller am Steuer und konstatierte mit Befriedigung, dass der Motor mit dem Ablauf der dritten Mei'e seine vollen Touren erreicht hatte. Jetzt kam die Markierung der Südmeile. Und mit Vollgas sauste der Wagen, gleich einem Phantom, dahin. Der tausendfache Schrei der Menge verwehte... Weiter donnerte die Maschine. Die Südkurve hatte nur vorübergehend das Tempo verlangsamen können. Unmittelbar dahinter begann der Viermeilen-Anlauf für die Nordmeile. Die Geschwindigkeit hatte sich noch verschärft. Für das menschliche Auge war der Wagen nicht mehr zu verfolgen. trat, verteidigte Regierungsrat Heftj den Mexphaltbelag. Einig war man darüber, dass bei Steigungen von über 4 % einzig die Pflasterung in Frage kommen sollte. Ein Antrag von Oberrichter Schuler, der Regierungsrat möchte für die Landsgemeinde 1930 eine Vorlage betreffend die Uebernahme der Klöntalerstrasse durch den Kanton vorbereiten, stiess ebenfalls auf Opposition von Seite Regierungsrats Hefti als auch von Landammann Hauser. Der Antrag zur Verstaatlichung der Klöntalerstrasse sei verfrüht, so lange die zweite Etappe des Strassenprogramms noch nicht einmal in Angriff genommen werden könne. Die Korporationen sollten sich vorläufig mit einem erhöhten Beitrage zufrieden geben, zudem sei das Pragelstrassen- Projekt noch zu wenig abgeklärt Da der Antrag Schuler motionsähnlichen Charakter trug, wurde mit Einverständnis des Antrag-« stellers die weitere Diskussion verschoben. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, dass doch in nützlichster Frist der Glarner Landrat auf die wichtige Frage zurückkommen wird, um dabei zugleich auch das PrageU strassen-Projekt einer nähern Abklärung entgegenzuführen. Mit ewigem Verschieben und Ausweichen wird keine Frage gelöst. Unserer Auffassung nach aber läge es im vitalsten Interesse nicht nur des Kantons Glarus, sondern der ganzen Inner- und Ostschweiz, wenn endlich einmal: das hochwichtige Pragelstrassen-Projekt einer Verwirklichung entgegengehen dürfte. Jedenfalls wäre es nicht mehr vertrüht, wenn die Frage erneut aufgegriffen und eingehend studiert würde. Das vom Rate genehmigte Programm för den Umbau der Kant.onsstrassen im laufenden Jahr sieht die Korrektion der Strassenstrecken Bilten-Riedern, Mitlödi-Schwanden und Filzbach-Obstalden nach dem Kerenzerberg vor. Zur Verkehrsregelung In der Stadt Bern. Itrder letzten Stadtratssitzung vom 11. Jtnuar hat die Bürgerfraktiön betreffend der Verkehrsregelung eine Interpellation eingereicht folgenden Inhalts: Der Gemeinderat wird ersucht, darüber Auskunft zu erteilen: «1. Ob nicht durch den Entscheid des'Regierungsrates vom 12. Dezember 1928 bezüglich Automobilverkehrsverordnung die Autonomie der Gemeinden zur selbständigen Regelung des Strassenverkehrs verletzt worden ist. Ob trotz dieses Entscheides ^ine möglichst baldige Regelung der Verkehrsverhältnisse für die Stadt Bern getroffen werden kann, wobei die einheitlichen Vorschläge des Schweizerischen Städteverbandes als Grundlage zu dienen hätte.» Die Interpellation war zu erwarten. Damit wird dem Gemeinderat die Gelegenheit gegeben, sich über die wichtige Materie auszusprechen und Auskunft zu erteilen, in welcher Weise die Regelung der Verkehrsver-» hältnisse in Aussicht genommen ist. Warten wir einmal die Antwort des Gemeinderates ab, die Kontroversen zwischen ihm und der bernischen Regierung dürften recht interessant werden. K, Nun lag die zweite Rekordmeile zurück und der Wagen raste mit unverminderter Schnelligkeit dem Auslauf, der Nordkurve, zu. Hier geschah es, dass sich das schwere Fahrzeug und ohne zunächst sichtbare Ursache, quer zur Bahn stellte. Ein Angstschrei aus tausend KeMen setzte ein und übertönte einen" Augenblick das donnernde Motorengeräüsch. Im letzten Moment vor dem Umschlagen glückte es der Meisterschaft Colonel Miiler, den Wagen abzufangen und wieder auf die Bahn zu bringen. Eine schlüpfrige Stelle hätte um ein Haar das grösste Unglück zur Folge gehabt Die offizielle Renngeschwindigkeit wurde mit 206,9 Meilen, gleich 332,968 Kilometer, festgestellt. — Ein Weltrekord, wie er grandioser, überwältigender nicht vorstellbar ist, war damit erreicht. Die Begeisterung in den Staaten kannte an jenem Tage keine Grenzen! Wet'trekordmann Colonel Miller war In aller Munde! Die Henderson-Motor-Car-Company hatte gesiegt — gesiegt auf der ganzen Linie! In den nächsten Tagen und Wochen war der Henderson-Wagen der begehrteste» der gefragteste der Welt. Die Händler wurden gestürmt Der starken Nachfrage konnte nicht mehr genügt werden.