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E_1929_Zeitung_Nr.013

E_1929_Zeitung_Nr.013

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 15. Februar 1929. Nummer 20 Cts. 2.1 Jahrgang. — N° 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden nienstag und Preltaf Monatlieh .Gelbe UtU" Halb]»hrltcb Pr. 6.—, Ifthrllch Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, tolero »lebt postarotlich bestellt Zusehlag für postamtlich« Bestellung Im ADMIMSTUATION: BreUenralnstrasse 97, Bero In- und Ausland 30 Ranpen. T'osteheclt-Hecbnuns II1/414 Telephon ttollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Wovon man spricht Strassenfragen Im Kanton Glarus. In der letzten Sitzung des glarnenschen Landrates hatte sich der Rat mit der Motion Schüler zu befassen. Oberrichter Schuler stellte eine Motion, welche die Uebernahme der Klöntalerstrasse, der sogenannten Seerütistrasse, durch den Kanton bezweckte. Es ist zweifellos, dass dieser Strasse eine grössere Bedeutung für den allgemeinen Verkehr zukommt,, kann sie doch als Teilstück der einst kommenden Prageistrasse aufgefasst werden, welche nicht nur Netstal mit Schwyz, sondern die ganze Ostschweiz mit der Innerschweiz auf bequemste Art verbinden wird. Zudem wäre sie aber auch von lokaler Bedeutung, da eine gut ausgebaute Strasse den Klöntaler Bergbauern die besten Dienste leisten könnte. Es wäre wiederum ein Stück Arbeit dazu da, das Los der armen Bergbevölkerung zu heben und die Entvölkerung der Bergtäler zu verhindern. Leider stiess die Motion, die von Oberrichter Schuler einlässlich begründet worden war, auf heftigen Widerstand der Regierung. Diese nahm den mehr fiskalischen Standpunkt ein, wies darauf hin, wie der Kanton Glarus heute finanziell stärker belastet sei als je Der noch vor Jahren schuldenfreie Kanton sei heute mit 2,3 Millionen Franken belastet und die Ausgabensumm« für den Strassenbau belaufe sich bereits auf fünf Millionen. Die Meinungen hielten sich die Wage, indem bei der Abstimmung die Motion Schuler nur mit Stichentscheid des Präsidenten abgelehnt wurde. Der Entscheid mag Herrn Oberrichter Schuler zeigen, dass er mit seiner Motion und seiner Auffassung nicht allein stund. In aller Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des Kantons darf das eine nicht vergessen werden, dass ausgesprochenen Oebirgskantonen, unter welche auch der Kanton Glarus zu zählen ist, nur durch ein gut ausgebautes Strassennetz neue Einnahmequellen erschlossen werden können. Jedenfalls war der Antrag Wyler, der Regierungsrat solle mit den Behörden des Kantons Schwyz die Frage besprechen, ob der Rekondffiebei*. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (17. Fortsetzung) Jim hatte eben die Gaslampe entzündet, als die Tür aufgerissen wurde und der «schwarze Raoul» das Lokal betrat. Der Kellner machte eine kleine Bewegung mit dem Kopf und ging dann quer durch den Raum zu einer Tür, die zu einem Nebenzimmer führte. Raoul fasste mit scharfem Blick die wenigen Gäste ins Auge, verweilte einen Augenblick länger bei dem Fremden und folgte endlich Jim, der die Tür halboffen gelassen hatte. Eine kleine Weile verging. Weitere Gäste kamen geräuschvoll •herein und riefen nach dem Boss, der auch bald verschlafen erschien und seine Tätigkeit aufnahm. Dann war Jim wieder in der Schenkstube und bediente schnell und gewandt die Gäste, was nicht ohne lärmende Begrüssung und derbe Scherzworte abging. Und zwischendurch führte der Kellner mit dem Boss ein leises Gespräch, dass oft unterbrochen werden musste. «Der «schwarze Raoul ist gekommen!» «So — endlich, ich habe ihn schon lange erwartet! Du hast ihn doch nach unten gebracht? Gut so; wenn ich hier abkomme, werd' ich mit ihm reden!» Er fragte, was das für ein Kerl ist, der dort hinten in der Ecke sitzt!» «Keine Ahnung; ein Kriminaler scheint es nicht zu sein, die kenn' ich alle. Man kann ihm ja schliesslich ein bisschen auf den Zahn fühlen 1» Bau der Prageistrasse möglich sei oder nicht, unserer Auffassung nach nicht verfrüht. Es ist zu bedauern, dass der Antrag zurückgezogen wurde, er hätte jedenfalls dazu beigetragen, das Projekt der Prageistrasse wiederum neu an die Hand zu nehmen. Im gegenwärtigen Augenblick, da den Kantonen durch den Benzinzoll vermehrte Gelder zufliessen, .dürfte es nicht mehr verfrüht sein, an die Verwirklichung grosser Alpenstrassen- Projekte heranzugehen. Das fehlte noch! Ein© ostschweizerische Tageszeitung beschäftigte sich jüngsthin in einer Einsendung mit den Niveauübergängen. Die Gefährdung des Eisenbahnbetriebes durch den modernen Strassenverkehr sei seit einigen Jahren zum Problem geworden, mit dem sich die Eisenbahnbehörden eingehend beschäftigen müssten. Die Ursache der Vorkommnisse sei in den meisten Fällen der fehlenden Aufmerksamkeit und Disziplinlosigkeit der Strassenbenützer zuzuschreiben. Der Bahn i könne nicht zugemutet werden, alle Niveauübergänge durch Unterführungen zu ersetzen. Eine Verordnung über den Abschluss und die Signalisierung der Niveauübergänge an öffentlichen Strassen und Wegen soll wirksame Vorbeugungsmassnahmen vorschreiben. Ueber diese Vorbeugungsmassnahmen haben wir in der «Automobil-Revue» bereits berichtet. In kurzen Zügen sei daran erinnert Alle unterstellten Uebergänge sollen grundsätzlich beidseitig der Bahn gegen die Strasse gekennzeichnet sein. Es sollen Hauptsignale, Vorsignale und Merkpfähle verwendet werden. Als Ersatz für Barrierenanlagen sind einheitlich Blinklichter, Warnglocken oder Sirenen vorgesehen. Als Vorsignale dienen die bekannten Dreiecktafeln von einem Meter Seitenlänge. Die Merkpfähle sind als Wiederholung des Vorsignals gedacht. Die Kostentragung sieht vor, dass die Erstellungs- und Unterhaltungskosten der Hauptsignale und der Merkpfähle zu Lasten der Und damit ging der dicke Boss langsam durch den Salon, grüsste hier und dort und stand endlich vor dem Fremden, der noch immer seine Pfeife im Munde hielt und von dem Lärmen und Treiben ringsum keine Notiz zu nehmen schien. «Wohl fremd hier, father?» Der Alte schaute auf und schob mit lässi 1 - ger Bewegung die Pfeife in den Mundwinkel. «Fremd? Warum? Ist's nicht erlaubt, hier zu sitzen und Euern miserablen Whisky zu saufen, he?» Der Boss kniff ein wenig verlegen ein Auge zu und rieb sich das Kinn. «Erlaubt schon, father, doch meine Gäste sehen fremde Gesichter nicht gern — wo kommt ihr her?» «Wo ich her komme? Von da und do-t, wenn Euch das genügt! Was geht's Euch an!» «Gemach, old friend, eine ruhige Frage kann wohl eine ruhige Antwort erwarten, kalkulier' ich! Also nochmals, woher des Weg's?» Die Stimme wurde drohend und so hielt es der Fremde doch für geboten, einzulenken. «Ihr seid neugierig, Boss,» sagte er mit erzwungenem Lächeln und klopfte die Pfeife aus, «neugierig seid Ihr, Boss,» wiederholte er nochmals. Dabei blickte er sich scheu um und schien befriedigt, dass sich niemand um ihn kümmerte. Trotzdem zog er den Wirt näher an sich heran und flüsterte ihm zu : «Ich werde in London gesucht; mein Bild klebt dort an allen Strassenecken. Mit Mühe bin ich hierher entkommen. In einigen Tagen geht's weiter nach den Staaten. Ich bekomme hier Papiere; man hat mich hierher bestellt heute abend!» Bahnverwaltung und diejenigen der Vorsignale zu Lasten der Strasseneigentümer fallen. Der betreffende Einsender macht nun die Anregung, den Automobilisten an die vermehrten Kosten der Erstellung von Warnungstafeln heranzuziehen, da weder das Fuhrwerk noch der Fussgänger, sondern einzig und allein die Motorfahrzeuge auf diese Warnungstafeln angewiesen seien. Er fände es als eine dankbare Aufgabe für die automobilistischen Vereinigungen, sich für die Uebernahme eines Teils der Kosten für die Vorsignale zu entschliessen! Der gute Freund, dem die Bahnkappe zwischen den Zeilen hervorblinkt, ist schlecht beraten. So sehr die vorgesch'agene neue Verordnung auch von den Motorfahrzeugbesitzern begrüsst wird, da sie im Interesse der Verkehrssicherheit liegt, so kann doch von einer Mehrbelastung der Automobilisten nicht mehr die Rede sein. Von einer Gefährdung des Eisenbahnbetriebes durch den modernen Strassenverkehr zu sprechen, wirkt heutzutage direkt belustigend. Mit mehr Recht kann man von der Gefährdung des modernen Strassenverkehrs durch den Eisenbahnbetrieb sprechen, und geht man von dieser richtigeren Voraussetzung aus, so fällt das Anrecht auf die verlangte Forderung ohne weiteres dahin. Die Motorfahrzeugbesitzer sind wahrlich durch direkte und indirekte Steuern belastet genug. Bringen die Eisenbahnen und die Strasseneigentümer das nötige Geld zur Markierung nicht auf, sosöll für die notwendige Signalisierung ein weiteres Viertel des Benzinzolles verwendet werden, oder was noch besser wäre, man schaffe die Niveauübergänge auf Kosten des ganzen Benzinzolles sukzessive aber systematisch aus der Welt! Ein betrübender Fall. Leider ist ein Verkehrsmittel wie das Auto, ähnlich wie andere Verkehrsmittel, ohne die üble Nebenerscheinung der Unfälle nicht denkbar. Unsere Strassenverkehrseinrichtungen sind auch noch nicht derart, dass sie zur Hinderung von Verkehrsunfällen restlos beitragen könnten. Ebenso haben sich noch nicht alle Fussc&nger an die neue Verkehrsart gewöhnt. Mit diesen Verhältnissen muss der Automobilist rechnen. Er darf sich nicht als Usurpator «Wer?» «Jones!» Der Boss war beruhigt. Der Mann war ungefährlich. Er nickte ihm zu und meinte mit rohem Auflachen: Seht zu, dass Ihr weiter kommt, father, eh' man Euch hier bei mir findet; sie sind verflucht oft hier. Vielleicht kommen sie heute noch — seht Euch vor. Von mir könnt Ihr keinen Schutz erwarten — ich kann mir das Maul nicht verbrennen! Good bye!» Jonathan Stups hatte während der Unterhaltung scharf den Eingang beobachtet. Bei den letzten Worten des Wirtes war der Erwartete gekommen: Anatole Etienne. Bei seinem Eintritt war sogleich Jim an ihn heragetreten und geleitete ihn in das Nebenzimmer. Jetzt konnte Jonathan Stups gehen. Seine Kombination stimmte. Es galt, den Anschlag gegen den Sagreve-Wagen, der nunmehr beschlossen werden sollte, zu vereiteln. Mit gut gespielter Gleichgültigkeit erhob er sich, rückte die Mütze zurecht und beglich dem Boss die kleine Zeche. Wortlos nahm dieser die Münzen in Empfang, gab einiges Wechselgeld heraus und erwiderte kurz den Gruss des Alten. An einem Tisch war ein Streit ausgebrochen, den er beizulegen versuchte. In dem Lärm der streitenden Stimmen war Jonathan Stups verschwunden. Als Etienne den Kellerraum betrat, sassen Claudine und Raoul im eifrigen Gespräch zusammen und überhörten sein Kommen. Das Mädchen suchte ihn für Etienne zu gewinnen, doch Raoul schien dazu wenig Neigung zu haben. «Was will er denn», meinte er, «wenn sich die Sache nicht lohnt, wird nichts draus!» INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder d*no Raum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen au* dem Ausland 60 Cts. GrAssere Inserate nach Seitentarif. I»serslensenhi8» 4 Tage vor Enehetnen der betreffenden Nummer der Strasse aufspielen. Er muss sich als anständiger Fahrer in korrekter Weise in den übrigen Verkehr einfügen. Die Mehrheit der Fahrer befolgt auch die Regeln des Anstandes und der Vorsicht Leider gibt es aber immer noch eine Minderheit, welche die Ueberlegenheit ihrer Maschine manchmal in rücksichtsloser Weise ausnützen und dabei das Leben ihrer Mitmenschen gefährden. Die «Automobil-Revue» hat von jeher hässliche Begleiterscheinungen des Automobilismus energisch bekämpit. Auch die Automobilverbände haben es zu keiner Zeit unterlassen, ihre Mitglieder zu korrektem Fahren zu verhalten. Die Bemühungen der Fachpresse als auch dieser Verbände sind nicht ohne Erfolg geblieben. Bedauerlicherweise ist vor einigen Tagen wiederum ein beklagenswerter Vorfall im Dorf Zwingen passiert. Unweit der Garage Waltisberg wurde ein Fräulein mit einem Schädelbruch, einem Beinbruch und weitern Verletzungen auf der Strasse liegend aufgefunden. Nach den Aussagen ihres Begleiters, der ebenfalls verletzt ist, und nach den auf einer Strecke von 700 Metern vorhandenen Blutspuren sind die Verunfallten von einem Auto angefahren worden. Das betreffende Fräulein wurde 700 Meter weit geschleppt Ein Signalement des Wagens ist nicht bekannt, indem niemand die Fahrrichtung des Wagens anzugeben vermag. Der Fahrer machte sich also, ohne sich um seine Opfer zu bekümmern, rücksichtslos davon. Das Unglück fällt wiederum in die Zeit der Maskenbälle, und so ist es nicht ausgeschlossen, dass der. Alkoholismus auch bei diesem Fajl seine Rolle gespielt haben dürfte. Sei dem wie ihm wolle, es liegt im Interesse der Autofährer selbst, dass der Tatbestand schnellstens aufgeklärt und der Name des Fehlbaren ermittelt wird. Da Ausdemstaubemachen bei Autounfällen ist eine der hässlichsten Begleiterscheinungen und kann von jedem anständigen Fahrer nicht scharf genug verurteilt werden. Die verwerfliche Handlungsweise fügt der Automobilsache wiederum schweren moralischen Schaden zu. Natürlich darf diese hässliche Erscheinung nicht zu allgemeinen Schlussfolgerungen ausgeschlachtet werden» Es ist immerhin zu betonen, dass Vorfälle, wie der gekennzeichnete, glücklicherweise Einzelerscheinungen sind. Fast regelmässig und ausnahmslos ist festzu- «Die Sache lohnt, Raoul,» rief Etienne dazwischen und trat näher. Ueberrascht wandte sich der Angeredete um und musterte Etienne lange. «So, so, es lohnt sich,» meinte er dann trocken und griff zu seinem Glase. Etienne hatte Claudine kurz begrflsst und dann an dem kleinen Tisch Platz genommen. Auf dem Boden standen einige Flaschen Bier, von denen er eine nahm und öffnete. «Dann können wir ja wohl über die Geschichte sprechen^ begann Raoul nach längerer Pause, «um was handelt es sich?» Etienne rückte näher und begann seinen Plan auseinanderzusetzen. Das Mädchen hatte sich in eine Ecke zurückgezogen und behielt die beiden Männer im Auge. Anfangs hatte Raoul bei den Worten Etiennes manche Einwände und Entgegnungen, dann aber war er ganz Ohr und als Etienne mit seinen Ausführungen fertig war, streckte ihm der «schwarze Raoul» die Hand hin. «Topp, es gilt, wir machen die Sache!»—> Stups wartete in dieser Nacht vergebens. Etienne hatte in den Morgenstunden den «Nelson-Salon» durch einen versteckt liegenden Hinterausgang verlassen. — XIV. William Henderson war vor einiger Zeit nach England zurückgekehrt und hatte sein Haus in der Nähe der Werkanlagen wieder bezogen. Wenige Tage darauf erhielt er den Besuch des Untersuchungsrichters, der ihn nach dem flüchtig gewordenen Anatole Etienne befragte. Henderson hatte sehr reserviert nur darüber Auskunft gegeben, dass sein«