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E_1929_Zeitung_Nr.015

E_1929_Zeitung_Nr.015

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 22. Februar 1929. Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N° 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABOMNEMtNTS-PREISE: Erscheint laden montan und PrrttM Monatlich „Gelbe Ll»u» BalbJUirtteb Fr. 5.-, lähr/lch Fr. 10.-. Im Aastand unter Portozuschlflj, totem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag rar postamtliche Bestellung im ADUIMSTilATlOJV: Breltenratiutrasse 97, Ben» In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns IH'414 Telephon Bollwerk 39.84 , . Telegramm-Adresse: Autorovue, Bern Der Sonntagsverkehr Im Sommer 1929« Noch wenige Monate trennen uns vom 1. Mai 1929, wo wiederum, wie alle Jahre, die reduzierten Sonntagsgeschwindigkeiten von den kantonalen Behörden in Kraft gesetzt werden dürften. Man hat seinerzeit, als man endlich von den Sonntagsfahrverboten übergehen konnte zu dieser gemilderten Art von Verkehrseinschränkung, es als sehr angenehm und befriedigend empfunden, dass wenigstens dieses Ziel erreicht wurde, und es ist ja auch kaum ein Jahr her, dass als letztes dieser Sonntagsfahrverbote dasjenige des Kantons Glarus fiel. Damit war denn auch der letzte schwarze Fleck auf der automobilistischen Schweizerkarte beseitigt, und man fand sich wohl oder übel mit den herabgesetzten Sonntagsgeschwindigkeiten ab. Leider hat man es im dannzumaligen Uebergangsstadium unterlassen, für die neue Regelung des Sonntagsverkehrs eine akzeptable Basis in Vorschlag zu bringen, auf der sich alle 25 Kantone für ihre bezüglichen Verordnungen finden konnten. Man ist so leider um eine Vereinheitlichung der, bezüglichen kantonalen Vorschriften herumgekommen, trotz Konkordat. Heute präsentiert sich die Sache so, dass wir in der'Schweiz die mannigfachsten Vorschriften über die,Neuordnung des Sonntagsver-r kehrs besitzen und dass man bei seinen Sonntagsfahrten ab 1. Mai stets eine reichhaltige Zusammenstellung der verschiedensten" Vorschriften mit sich tragen und konsultieren muss, um jeweils zu wissen, mit welchem Tempo in den einzelnen Kantennen eigentlich gefahren werden darf und zu welchen Tageszeiten diese herabgesetzten Tempis gelten. Dass diese Sachlage im Hinblick auf die grosse Zahl von Kantonen und deren oft wenig grossen Gebiete, ganz abgesehen von den oft sehr komplizierten Grenzverhältnissen (vide Freihurg-Bern- Waadt), keine erfreuliche und dem Tou- Rekordfieber. Ein Sportroman von Allred Nauck. (19 Fortsetzung) Wenige Minuten später war auch Bob Sagreve und gleich danach Clifferton in den Werken eingetroffen. Unfähig, einen Gedanken zu fassen, sass der Generaldirektor in der Empfangshalle und nahm teilnahmslos die Berichte der Polizeibeamten entgegen. Bob Sagreve suchte nach Ueberwindung des ersten Entsetzens die Massnahmen der Polizei zu unterstützen. So Hess er auf dem nahen Flugplatz der Gesellschaft sein Flugzeug startbereit machen, um sofort bei der ersten Meldung von der Sichtung des Fahrzeuges abfliegen zu können. Jonathan Stups befand sich bereits auf dem Startplatz, um sich der Verfolgung anzuschliessen. Und gegen halb fünf Uhr früh meldete ein Radiogramm der Polizeistation Montgomery, dass das Fahrzeug soeben in rasender Eile den Ort auf der Rennstrecke Evesham-Montgomery-Barmouth passiert und der Küste zusteuere. Ein Aufhalten war nicht möglich. Und kurze Zeit darauf trai auch die telephonische Nachricht von der Police-Office Barmöuth ein: Der Sagreve-Wagen war in atemraubender Fahrt auf die Küste losgesteuert und von den hohen Küstenfelsen in die Tremadoc-Bai gestürzt. , Die Entfernung bis Barmouth beträgt in der Luftlinie rund dreihundertfünfzig Kilometer. ter Weise einen ersten Anlauf unternommen — es war noch auf Initiative des leider zu früh verstorbenen Herrn Direktor Quattrini —, um all diese Sonntagsvorschriften unter einen Hut zu bringen, leider ohne positiven, d. h. vollständigen Erfolg. Es haben sich zwar immerhin fünf oder sechs Kantone zusammengefunden und ihre Erlasse dementsprechend vereinheitlicht, aber weiter reichte es nicht. Es ist nun aber zu sagen, dass man sich dadurch in keiner Weise vor weitern Schritten abhalten lassen darf. Denn man ist in Motorfahrzeugfragen in der Schweiz noch nie auf den ersten Anhieb hin zum gesteckten Ziel gelangt, und erst nach unermüdlichen, ausdauernden Anstrengungen ist es jeweils gelungen, wieder einen Schritt nach vorwärts zu tun und so sukzessive zu einem befriedigenden Resultat zu gelangen. Man braucht hier nur. an den langwierigen Kampf der Sektion Graubiinden des A.C.S. für die Oeffnung der Bündnerstrassen, an die unendlichen Kämpfe für die Abschaffung der Alpenstrassentaxen zu denken, und man wird auch hinsichtlich der Vereinheitlichung der Sonntagsfahrvorschriften den Kopf nicht vorzeitig hängen lassen dürfen. Gerade heute, wo nia-nüi verschiedenen Kantonen- wiederum eine rückschrittliche Einstellung zum Motorfahrzeugverkehr wahrnehmen müss (vide partielle Nachtfahrverbote etc.), dürfte eine Gegenoffensive nicht so unangebracht'sein. Die Sache liegt zudem so, dass eine bezügliche Aktion nicht so aussichtslos ist, es gilt nur, einmal alle Kräfte hierfür zielbe- wusst einzusetzen und dann an die richtige Stelle zu gelangen. Heute präsentiert sich die Regelung des Sonntagsverkehrs bei uns wie folgt: 1. In einzelnen Kantonen werden überhaupt keine besondern Vorschriften für den Sonntafrsverkehr erlassen, d. h. es gelten die nämlichen Geschwindigkeitsvorschriften wie an den übrigen Wochentagen. Dies ist z. B der Fall in Freiburg, Baselstadt, Tessin, Wallis etc, 2. In andern Kantonen sind nicht nur für die Sommermonate, sondern für das ganze Jahr reduzierte Tempis für den Sonn- und Feiertagsverkehr, und zwar während des ganzen Tages, in Kraft, oft Anatole Etienne hatte hierzu knapp zwei Stunden gebraucht! XVI «Die Situation ist so, meine Herren,» sagte mit seiner unangenehm klingenden Stimme Konsul Shuman und blitzte durch die scharfen Brillengläser die Herren des Direktoriums und des Aufsichtsrates an, «unsere Gesellschaft hat einmal durch den Konkurrenzkampf mit den Heridersons wertvolles, nicht wieder einzubringendes Terrain verloren. Das war der eine Fall! Der zweite ist für uns g'eichfalls ausserordentlich verlustreich gewesen. Man hat aus Gründen, die ich nicht besonders erörtern will, — hunderttausende . . . .» «Zweihundertsiebzigtausend !» schrie die Stimme Bakers dazwischen. Shuman warf ihm einen scharfen B'ick zu. «Ja, ganz recht, zweihundertsiebzigtausend Pfund hat man für die Vorversuche zu einem neuen Motor, dem sogenannten Sagreve- Motor, geopfert — aus dem Fenster geworfen, setzte er in hohem Diskant hinzu, indem er mit gespielter Heftigkeit auf den Tisch klopfte. Einer Utopie ist man nachgejagt; der Motor hat nämlich die merkwürdige Eigenschaft, gerade dann einem Unfall oder einem Ansch'ag zu verfal'en, wenn man von rismus wenig förderliche ist, versteht sich wohl von selbst. Speziell für den Auslandsautomöbilisten, der sich hier wenig auskennt ist es oft sehr schwierig, sich in diesem Wirrwarr von Vorschriften zurechtzufinden, und die unliebsamen Folgen sind dann eben — Polizeibussen. Schon vor einigen Jahren hat die Schweiz. Verkehrszentrale in sehr anerkennenswerauch wahrend des ganzen Jahres, aber nur während gewissen Tagesstunden. 3: In den meisten Kantonen ist die Lösung die, dass spezielle Geschwindigkeitsvorsehriften nur während der Sommermonate, d. h. vom 1. Mai bis 30. September, in Kraft tsind, wobei aber wiederum die Differenz besteht, dass solche einerseits während des ganzen Tages oder anderseits nur während- gewissen Nachmittagsstunden (13—18 Uhr etc.) gelten. Es ist ein Armutszeugnis, dass nicht einmal in letzterem Punkte eine Einigung erzielt werden konnte un$ so jeder Kanton glaubt, seinen eigenen «Fahrplan» aufstellen zu müssen. Als weiteres Kurios"um .kommt noch hinzu, dass auch in der Bezeichnung der in diese Sonderregelung einbezogenen Feiertage grosse Verschiedenheiten bestehen. In den katholischen Kantonen sind nur die INSERTIONS-PKElS: Die achtResnaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach SeUentsuril, Inseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer henden nationalen Verkehrsinteressentenverbände (A. C. S., T. C. S., A. S. P. A., UV M. S.,- Ghauffeurverbände etc.) zusammentun und in einer gemeinsamen Eingabe an 1 der dieses Frühjahr zusammentretenden Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren, eine Vereinheitlichung der Sonntagsvorschriften anregen sollten. Zu diesem Zwecke wäre es wohl angezeigt, ?- wenn gleichzeitig eine «Musterverördnung» für diesen Sonntagsverkehr ausgearbeitet und der Eingabe beigegeben würde. Aber auch bei den 25 kantonalen Regierungen sollten gleichzeitig analoge Schritte durch die kantonalen Sektionen der Verbände vorgenommen werden, um. auch hier das Terrain zu ebnen. Es ist wohl anzunehmen — es ist ja dieses Frühjahr in zahlreichen Kantonen Regierungsrats- Wahljahr! —, dass sich die kantonalen Behörden diesem berechtigten Begehren von Tausenden von Wählern nicht ohne deutete er zu dem Generaldirektor hinüber und rief mit starker Stimme: «Ihr Werk ist es, Mr. Ciifferton» wenn der Aufsichtsrat nach dem augenblicklichen Geschäftsstand die ernstesten Befürchtungen für den Fortbestand der Gesellschaft hat! Sie haben nicht rechtzeitig erkannt, welche grosse Gefahr der World-Company von der Konkurrenz drohte; Sie haben nicht die notwendigen Vorkehrungen dagegen getroffen; Sie haben der Henderson - Company durch Ihre Passivität erst die geschäftlichen Vorteile ermöglicht, die zum Ruin unseres Unternehmens führen werden! Sie sind unfähig, Mr. Clifferton, die direktoriale Leitung der World-Company auszuüben!» Einige erregte Stimmen riefen empört einige unverständliche Worte, die Shuman nur noch mehr reizten. «Ich verstehe nicht, meine Herren, wie Sie bei so vielen Misserfo'igen unserer Direktion und ihres Generaldirektors noch Worte der Verteidigung, vielleicht gar der Entschuldigung finden können. Ihr Wohlwollen sei anerkannt, aber es ist sinnlos, sich den Tatsachen zu verschliessen, den Tatsachen, dass man unsere Gesellschaft in den letzten zwei, drei Jahren in Grund und Boden gewirtschaftet hat! Ich weiss mich in dieser Sache eins mit weiteres verschliessen werden, besondersauch, wenn für diese Aktion noch weitere. Verkehreinteressentenkreise mobil gemacht werden können. Wir denken hierbei an die Schweiz. Verkehrszentrale, an den Verband Schweiz Verkehrsvereine, an den Schweiz. Hotelierverband, an das Garagegewerbe, die Radfahrervereinigungen etc. Um aber rechtzeitig zu einem Ziel zu gelangen, ist es unerlässlich, dass man sich frühzeitig an die Arbeit setzt und nicht zuwartet, bis in den einzelnen Kantonen die bezüglichen Verordnungstexte bereits vorliegen Die grosse Gemeinde der Mötorfahrzeugbesitzer würde für eine solche Aktion unendlich dankbar sein, und der Autotourismus, der für weite Erwerbskreise zu einem solch wichtigen Faktor geworden ist, könnte dadurch irr sehr wirksamer Weise gefördert werden. s. Strasse und Automobil in Obwalden. Die durch den Bundesbeschluss vom 21, September 1928 bedingte Aufhebung der kantonalen Automobil - Durchgangsgebühren katholischen Feiertage mit einbezogen, brachte dem Staatssäckel ein gar grosses während Bern. Zürich, Genf etc. nur dieLoch bei, das sofort zu stopfen unserer Be- reformierten / protestantischen Feiertage hierzu auserkoren haben; also auch hier eine neue Verschiedenheit. Wir glauben nun, dass sich alle beste- hörde erste Sorge und ernstliches Bestreben war. Immerhin ist man in Obwalden auf einen entsprechenden Ausgleich für den so ergiebigen bisherigen Einnahmeposten der Durchgangsgebühren eher optimistisch eingestellt und mit zuversichtlicher Erwartung hat man einer beide Halbkantone befriedigenden Lösung der Vert'eiluragsfrage entgegengesehen. Der Beitrag aus dem Ausgleich«; fonds muss ja bekanntlich zwischen Ob? und Nidwaiden verteilt werden. Im verflosseneu Jahre fiel Obwalden aus den Durchgangsgebühren die hübsche Summe von Pf. 90,000.— zu und es erscheint deshalb sehr begreiflich, wenn das Volk den zti ergreifenden Massnahmen, zu denen unsere Behörde zur Schaffung weiterer Einnahmequellen gezwungen ist, grosses Interesse entgegenbringt. Die bedeutend vermehrten Aufwendungen zum ordentlichen und ausserordentlichen Strassenunterhalt bedingten notwendigerweise auch eine Erhöhung der Automobilund Motorradgebühren, was wiederum eine Revision der bestehenden Automobil- und Fahrradverordnung zur Folge hatte, mit der die Behörde die Polizeidirektion beauftragte. Dass sie hiezu den Interessenten nicht Gelegenheit bot, berechtigte Wünsche und Anträge anzubringen, war ein taktischer Fehler und die Folge davon war eine Eingabe der ob wagnerischen Automobilbesitzer an den Kantonsrat, der dieselbe guthiess und ihm die Leistungen erwartet, die ihm voneiner Anzahl Herren unserer Versammlung, besonders interessierter Seite angedichtet dfe sich ihren klaren Blick, ihre Urteilsfähigkeit bewahrt haben, trotz allen Künsten der werden!» Und jetzt kam der ganze Hass gegen Verwaltung, die alle möglichen Versprechungen und Verheissungen gegeben hat, die Clifferton zum Ausdruck. Mit einer nicht misszuverstehenden Geste sich nicht realisiert haben. Ich habe zur rechten Zeit auf alle diese Dinge hingewiesen, habe verlangt, dass offenkundiger Verlustwirtschaft, also in erster Linie das Herumexperimentieren mit diesem — diesem Sagreve- Motor, ein Ende gemacht wird. Man hat mich nicht gehört, hat mich sogar persönlicher Gegnerschaft mit Mr. Clifferton verdächtigt! Als Mensch ist mir dieser Herr herzlich gleichgültig; meine Kritik gilt dem Generaldirektor der World-Company, der für unser Unternehmen eine Katastrophe bedeutet! Ich verlange zum Schluss, dass einmal Mr. Clifferton das Vertrauen der Versammlung entzogen wird, dass er von der Leitung unserer Gesellschaft zurücktritt, und dass das weitere Experimentieren mit dem Sagreve- Motor unverzüglich kassiert wird. Gleichzeitig bitte ich, Mr. Baker, der sich meiner Aktion von Anfang an verständnisvoll und tatkräftig angeschlossen hat, mit der Generaldirektion der World-Motor-Car-Company zu betrauen. Mr. Baker gibt uns die Gewähr, dass die Gesellschaft unter seiner Führung in ruhiger, stetiger Entwicklung wieder zu ihrer ehemaligen Machtposition gelangen wird. Es muss Schluss gemacht werden mit der bisherigen Katastrophenpolitik, meine Herren, überlegen Sie sich das! Wir treten nun in die Aussprache über meine Vorschläge ein, und ich bitte um Wortmeldungen. Vielleicht . . . .» «Ich bitte ums Wort!» Gleich einem scharfen Messer durchfuhr Cliffertons Stimme den mit Spannung geladeenen Saal. Er hatte totenbleich, doch äusserlich beherrscht, die gegen ihn gerichteten An-