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E_1929_Zeitung_Nr.017

E_1929_Zeitung_Nr.017

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 1. März 1929 Nummer 20 Cts; 23.. Jahrgang. — N° 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint teden DlmMng und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Balbjfthrllcb Fr. 5.—, tährlicii Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlagt cotero nlcbt pottamtlich bestellt Zusehlag für postamtliche ButellunR im ADAIIXISTHATION: Breltenralnstrasse 97, llero In- und Ausland MO Rappen. Postchecli-Rechnims 111 414 Telephon Hollwerk S9.S4 . Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern 1NSERTIONS-PREIS: Die aehtßespaltene 2 mm hohe Gruncfcelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grftssere Inserate nach Seilentarii. Imeraiensehlns* 4 Tnge vor Erscheinen der betreffenden Ifnmmer Verkehrs- und Strassenfragen Autobuslinien in Basel. Langsam aber sicher geht es vorwärts. Endlich sind wir so weit, dass auch die wichtige Nordemgangspforte der Schweiz ihre Autobuslinien erhalten dürfte. Einer Stadt, wie Basel, die nicht nur politisch in grösster Modernität macht, sondern auch wirtschaftlich einen internationa'en Ruf besitzt, fehlte der moderne Anstrich, solange die Autobusse nicht da waren. Nun hat der Regierungsrat zuhanden des Grossen Rates eine Vorlage über die Errichtung und den Betrieb einer Autobuslinie, welche die beiden äussersten Enden von Kleinbasel miteinander verbindet und von der Wiesenbrücke nach Kleinhüningen und nach dem Hörnli- Gottesacker führt, genehmigt. Ja, man hat sogar einer Autoverbindung zwischen Riehen und Bettingen grundsätzlich zugestimmt. Nachdem in letzter Zeit die rührigen Automobilverbände der Stadt Basel öffentlich auf den Tisch geklopft haben und es auch einmal auf Demonstrationsversammlungen ankommen Hessen, scheint doch die bessere Einsicht obenauf kommen zu wollen. Anderwärts und bei uns. Sympathien oder Antipathien gegen Herrn Mussolini. hin oder her, eines ist sicher: In Italien bat man nur noch ein Ziel, vor Augen : Mit allem Hochdruck den wirtschaftlichen. Aufbau des Landes sicherzustellen. In welch grosszügiger Weise gerade in diesem Lande in Verfolgung des Zieles an der Ver- wurde, nicht mehr illusorisch werden dürfen. Wir neigen eher zur Ansicht, dass ein Was den Personenverkehr anbelangt, so systematischer Verkehrsunterricht, der in besserung des Strassennetzes gearbeitet wurden die Ermässigung des Tarifs für Gesellschaften und Schulen, als auch die Her- wäre, das bessere Mittel ist, um unsere Ju- dazu eigens bestimmten Stunden zu erteilen wird,, dürften unsere Leser aus den vielen bereits veröffentlichten Meldungen zur Ge-absetzunnüge wissen. Herr Mussolini schreckt aber billetten von 12 auf 8 gutgeheissen. Ebenso zu warnen, sondern sie überhaupt über die der Teilhaberzahl an Gesellschaftsgend nicht nur vor den Gefahren der Strasse auch vor Aktionen nicht zurück, wo unsere stimmte der Verwaltungsrat der Einführung Bedeutung des Verkehrs und speziell des lieben Landesväter noch kopfschüttelnd und von achttägigen Generalabonnements grundsätzlich zu. Können die S. B. B. auch in den dieser Idee geleitet hat der Schweizerische Automobils an sich aufzuklären. Wohl von rätselratend einen kleinen Schritt nach vorwärts nicht zu wagen glauben dürfen. So kommenden Monaten sich weiter über erhöhte Betriebsüberschüsse ausweisen, wozerischen Erziehungsbehörden die allgemei- Automobilclub in einer Eingabe an die schwei- trifft aus Italien neuerdings die Kunde ein, dass das Ministerium für öffentliche Arbeiten ran wir gegenwärtig zu zweifeln keinen ne Einführung eines Verkehrsunterrichtes in die Abschaffung von 50 Bahnübergängen an Grund haben, so könnte die Frage eines Anregung gebracht. Nun besitzen wir leider der italienischen Riviera beschlossen hat weitern Taxabbaues im Güterverkehr sogar unsern föderalistischen Einrichtungen entsprechend 25 Erziehungsbehörden, die über Im Unterschied zu nördlicher gelegenen Ländern werden unter Mussolinis Szepter die direktion der Bundesbahnen in ihrem Be- das Wohl unserer Jugend zu wachen haben. neu aufgerollt werden. Wie die General- Beschlüsse auch tatsächlich durchgeführt, und richt an den Verwaltungsrat feststellt, Die Gefahr liegt deshalb nahe, dass der so ist denn auch mit Sicherheit darauf zu haben sich die Massnahmen zur Förderung Stoff dieses Verkehrsunterrichtes leicht 25 rechnen, dass diese 50 Bahnübergänge in des Gesellschafsreiseverkehrs und Bekämpfung der Automobilkonkurrenz in diesem weder der Jugend noch dem Automobilismus Variationen aufweisen könnte, mit denen kürzester Frist vom Erdboden verschwinden und damit das Leben zahlreicher Menschen Verkehr, die im Jahre 1927 eingeführt und gedient wäre. Um einen entsprechenden Erfolg sicherzustellen, wäre es deshalb zweck- erhalten bleiben wird. Der Beschluss wurde im Jahre 1928 noch besser ausgebaut worden sind, auch im letzten Jahr bewährt. Die dienlich, von einer zentralen Stelle aus jedoch nicht nur aus Sicherheitsgründen ge- den fasst, sondern er steht wohl-in. engstem Zusammenhang mit der Förderung des Automobilverkehrs auf dieser wichtigen internationalen Verkehrsstrasse. Beneidenswertes Italien! Der Verwaltungsrat der S.B.B, hat getagt und die verschiedenen Anträge der Generaldirektion prinzipiell gutgeheissen. So wurde die Vorlage über den Taxabbau im Güterverkehr genehmigt und als- Zeitpunkt für das Inkrafttreten der neuen Taxanlage der 1. August 1929 festgesetzt, insofern, wie es in der offiziösen Meldung lautet, «sich bis dahin nicht unerwartet ungünstige Betriebsergebnisse einstellen». Dieser Nachsatz ist natürlich für die breite OeffentlichkeH berechnet, sein Zweck ist durchsichtig. Allein man lässt sich das Gruseln nicht mehr so leicht beibringen, ganz speziell dann nicht, wenn der g'eiche Verwaltungsrat im zwei,- ten Teil seiner Session für die Beschaffung von Rollmaterial Kredite in der Gesamthöhe von 17,9 Millionen Fr., für die Erstellung des zweiten Geleises Richterswil - Pfäffikon (Kt. Schwyz) einschliesslich des Ausbaues des Bahnhofes Richterswil und der Station Pfäffikon einen weftern Kredit von 4,638,000 Franken bewilligte. Solange man noch derart aus dem «Vollen» schöpfen kann, wird der Taxabbau im Güterverkehr, der freundeidgenössisch auf den 1. August festgesetzt Generaldirektion hat daher beschlossen, sie im Jahre 1929 fortzuführen. Ebenso sollen Extrazüge zu ermässigten Preisen im Jahre 1929 ungefähr im gleichen Umfange und nach denselben Grundsätzen wie im Jahre 1928 ausgeführt werden. Wie wir schon einmal betont haben, freut es uns, dass das. Automobil an der zukunftsfrohen Entwicklung unserer Bahnen mit Teil haben darf und dass es nicht zu-- letzt zu Massnahmen beiträgt, die unserem ganzen Volke zugute kommen ... Es ist gewöhnlich ein Vorrecht der Schule, dass sie am pulsierenden Leben achtlos vorbeigehen darf. In abgeschlossene Räume einen frischen Zug zu bringen ist nicht so leicht, allein das sich heute stetig entwickelnde Verkehrswesen auf der Strasse hat doch wohl auch die Schule gezwungen, sich mit Verkehrsfragen einlässlicher zu beschäftigen. An verschiedenen Schulanstalten wird denn auch bereits die Methode praktiziert, dass in dazu passenden Stunden der Schüler mit den Gefahren und dem Ablaut des modernen Strassenverkehrslebens näher bekannt gemacht wird. Verkehrsunterricht als Fach dürfte bei uns in der Schweiz aber jedenfalls noch nicht oder nur in den seltensten Fällen eingeführt sein; Ueber die Frage, was zweckdienlicher sei, Verkehrsunterricht oder Einführung des Schülers in den modernen Stras- £enverkehr durch fortwährende Belehrung bei passenden Gelegenheiten, darüber dürften die Pädagogen vorläufig einander noch in den Haaren liegen. F E U I L L E T O N Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (21. Hort^etzuoß) Am nächsten Vormittage waren die Beiden wieder da. Der Schwarze brachte einen grossen Strauss Feldblumen mit und gab ihn mit einigen artigen Worten Anna. Joseph sah das mit starkem Unbehagen und blieb auch in der folgenden Unterhaltung schroff und unzugänglich. Doch zum Schluss kamen sie doch zum Ziele. Joseph hatte nach langem Zögern zugestimmt, sie einige Wochen als Gäste in seinem Hause zu behalten. . Die Frau, die mit zusammengezogenen Lippen und ohne Dreinrede zugehört, hatte in den Augen ein Flimmern. — Die folgenden Tage vergingen ohne besondere Ereignisse. Joseph Tuggs schützte Unpässlichkeit vor und blieb zu Hause. Die Vorstellungen des alten Lyns blieben wirkungslos: «Ich bin nicht auf dem Damm, Pieter.» versetzte Joseph (gereizt und schlug mit der schwern Faust auf den Tisch. Achselzuckend war der Alte gegangen. Aber als sich in der zweiten Woche die «Unpässlichkeit» nicht zu beheben schien, wurde Anna böse: Von den S.B.B. «Nun ist's genug mit dem Faulenzen, Tuggs,» grollte sie, dass es durch das Haus schallte, «morgen früh geht's 'raus zum Fanig!» Er versuchte aufzubegehren, aber da zischte sie ihm ein Schimpfwort entgegen, dass er verstummte. «Die Kleine hat's in sich», sagte lachend der Schwarze, der mit seinem Freunde oben den Auftritt mit angehört. «Kleine Hexe,» meinte der andere und sah seinen Gefährten lauernd an. Das Blut beider brannte. Auch Anna fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Bald darauf war Anna mit dem kleinen Schwarzen allein im Hause. Der andere hatte einige dringend gewordene Einkäufe in der nahen Stadt zu erledigen. Nach dem Mittagessen war der Mann mit leisen Schritten zu ihr ins Zimmer getreten. Sie spürte seine Nähe und war unfähig, sich zu rühren. Mit halblautem Gruss Hess er sich auf die Bank nieder und Hess kein Auge von ihr. Sie sprachen beide nicht. Die Frau hatte ein Nähzeug ergriffen, doch vermochte sie nicht, die Nadel zu führen. Endlich stellte er einige vorsichtig tastende Fragen nach dem Ergehen, dem Mann, dem Glück ihrer Ehe. Sie wusste nicht zu antworten. Verkehr und Verkehrsunterricht Da war er in jähem Entschluss aufgesprungen. Mit beiden Armen umschlang er sie, ihr Gesicht mit Küssen bedeckend. Willenlos, mit geschlossenen Augen, Hess sie ihn gewähren. Die Stunden flogen. — Joseph Tuggs blickte in grösster Unruhe zu seinem Haus hinüber. Wo blieb Anna? Kein Rauch verriet ihre Anwesenheit. Mit müden Schritten eilte er näher, und plötzlich warf er in halbem Verstehen das schwere Fangzeug von sich, zog das 'Hüftmesser und stürzte mit langen Sätzen vorwärts. Die Tür war verschlossen. Mit einem Fusstritt sprengte er das Schloss aus der Füllung und lief, das Messer in der Hand, hinein. XVIII. Jonathan Stups war schon seit einigen Wochen in Barmouth. Eine unbestimmte Ahnung sagte ihm, dass er hier Näheres erfahren würde, nachdem die Nachforschungen ergeben hatten, dass die beiden Flüchtlinge vor dem Absturz den Sagreve-Wagen verlassen hatten. Dasselbe hatte er gleich vermutet, denn er kannte den «schwarzen Raoul» und auch Etienne so weit, dass die beiden ihr Leben nicht so ohne weiteres von sich werfen würden. Hier, in Barmouth, hoffte er die Lösung Lehrplan eines solchen Verkehrsunterrichte» aufzustellen und diesen hernach den Erziehungsbehörden zur Begutachtung zu überreichen. Mit der Bearbeitung dieses Lehrplanes könnte ein Verkehrsfachmann, sei es im Auftrage des Schweizerischen Automobilclubs oder des Eidgenössischen Departements des Innern, betraut werden. Die Konferenz der Erziehungsdirektoren wäre hernach die kompetente Stelle, diesen Entwurf zu beraten und sich auf einen einheitlichen Lehrgang zu einigen. Es ist zu hoffen, dass die Eingabe des A. C. S. in den Erziehungsbehörden mit dem nötigen Wohlwollen und Verständnis aufgenommen wird und dass sich der gute Gedanke in nächster Zeit wird verwirklichen lassen können. Strassenbaufragen beschäftigen auch den Landrat des Kantntts Baselland in immer häufigerem Masse. So wurde auch in der letzten Sitzung von Landrat Bussinger der Wunsch ausgedrückt, die Regierung möchte den Bau einer Durchgangsstrasse in Gelterkinden für das obere Ergolztal studieren. Ebenso wurde interpelliert über die neue Birsbrücke in Birsfelden und über die Korrektion der Bottmingerstrasse in Binningen. Auch ist immer noch ein Postulat üher den Bau der alten Reinacherstrasse hängig, an welches die Regierung erinnert werden mussta. Auch mit S. B. B.-Bauten hatte sich der, Rat zu beschäftigen. Auf der Station Nie-. derschönthal projektiert die S.B.B, die Anlage eines Ueberholungsgeleises. Dadurch wird natürlich der Bahnübergang zwischen Liestal und Frenkendorf stärker belastet und der Strassenverkehr viel mehr gestoppt, als dies bis jetzt der Fall ist. Deshalb verlangte der Vertreter der Gemeinde Frenkendorf, Herr Martin, nicht mit Unrecht, dass die Regierung bei der S. B. B.-Behörde. Schritte unternehme, dahingehend, vorgängig der Ausführung dieses Ueberholungsgeleises eine Unterführung für den Strassenverkehr erstellen zu lassen. Leider sind wir aber nicht im Lande Mussolinis, sondern bei Muttern Helvetia zu Gaste, die augenblicklich ihr Lieblings- und Schmerzenskind den Jüngern Geschwistern vorzieht. Interessant war auch eine Kritik von Landrat Zeller in bezug auf den staatlichen Automobil- Regiebetrieb. Am kleinen Orte bestätigt sich, was wir schon dutzendmal bei grössern konstatieren mussten. Der Staatsbetrieb arbeitet teurer als der Privatbetrieb. In diesem speziellen Falle kommt der Kilometer des Staatsbetriebes höher zu stehen des Geheimnisses, das mit dem Verschwinden der Verbrecher verbunden war, zu finden. Der Polizeiposten an der Hafenkreuzung hatte zuletzt den Rekordwagen auf der unmittelbar vorbeiführenden Automobilstrasse gesichtet. Die Geschwindigkeit war jedoch so hoch gewesen, dass der Beamte keine Einzelheiten und auch nicht die Insassen erkennen konnte. Pfüchtgemäss hatte der Mann durch ein Strassentelephon Meldung an die nächste Office erstattet, die an dem Ende der Strecke gelegen war. Dies© konnte den Wagen jedoch nicht mehr feststellen. Offenbar hatte der Führer die Rennstrasse vorher verlassen und dann den Wägen mit Vollgas in die Bucht gesteuert Gewisse Spuren fanden diese Mutmassung später bestätigt. Stups fand in Barmouth die weitgehendste Unterstützung der Polizei. In liebenswürdigster Weise wurden ihm bei seinen Recherchen erprobte Beamte zur Verfügung gestellt, die nach seinen Weisungen tage- und nächtelang die obskuren Lokale durchstreiften. Leider waren diese Streifungen stets negativ und Stups begann schon an dem Erfolg zu zweifeln, wenn ihn nicht ein unerklärliches Etwas, viel'e'cht sein kriminalistischer Instinkt, zum Bleiben und Weiterforschen veranlasst hätte. (Fortsetzanz folgt.)'