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E_1929_Zeitung_Nr.017

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i% als derjenige des Privatbetriebes. Allein der Baudirektor erklärte, dass man auf den Regiebetrieb nicht verzichten könne, weil man die Staatsautomobile zu Zeiten brauche, in denen kaum Privatautomobile erhältlich wären! Ueber diese salomonische Erklärung möge sich jeder Leser seinen Spruch selber machen. Wenn man hintendrein hinkt. -st-. In der letzten Sitzung des kantonalen Rates sind dem Parlament zwei Motionen seitens einer kantonsrätlichen Kommission eingereicht worden, die beide, nach allerdings etwas langer und hitziger Debatte, erheblich erklärt wurden. Eine dieser Motionen dürfte auch die Leser der «Automobil-Revue» interessieren, zumal sie für den künftigen Automobilverkehr in Obwalden etwas erfreulichere Aussichten eröffnet. Sie lautet folgendermassen: «Der Regierungsrat wird beauftragt, sich mit den Gemeindebehörden von Kerns und Sachsein in Verbindung zu setzen, damit die von diesen Gemeinden für das Befahren von Gemeindestrassen erhobenen Automobilgebühren künftighin nicht mehr erhoben werden.» Bekanntlich haben Kerns und Sachsein schon seit Jahren für das Befahren ihrer Qemeindestrassen eine Durchfahrtstaxe bezogen, die in Automobilkreisen als ungerecht empfunden wurde, zumal schon bei der Einfahrt in Hergiswil eine kantonale Gebühr entrichtet werden musste. Nachdem nun die Regierungen von Obtind Nidwaiden die kantonalen Durchgangsgebühren auf den 1. November verflossenen Jahres aufgehoben haben, wurde mit Recht auf den ungerechtfertigten Bezug dieser Gemeinde-Durchgangsgebühren hingewiesen. In richtiger Erkenntnis und Einschätzung der wirtschaftlichen Vorteile eines regen Automobilverkehrs in den Gemeinden mit Fremdenindustrie hat Sachsein bereits schon im verflossenen Sommer diese Taxen für den Verkehr nach Flüeli aufgehoben, d. h. ein Konsortium von Interessenten der Hotellerie und der Geschäftswelt hat den durch die Aufhebung bedingten Ausfall auf sich genommen und die Gemeinde entsprechend entschädigt. Dort dürften die Verhand'ungen zwischen Regierung und Gemeindebehörden auf keinen Widerstand stossen. Anders stehen die Verhältnisse in Kerns, von wo zwei stark frequentierte Strassen abzweigen, die eine nach Flüeli, dem bekannten Kurort, und die andere nach Melchtal; letztere ist zugleich eine wichtige Autopost-Strasse und Verbindungsstrecke der Alpenstrasse Melchtal- Frutt-Melchsee-Jochpass-Engelberg. Unter den üblichen Zeremonien, in Gegenwart der Behörden und der grossen Magnaten, öffnete letzten Freitag Dänemarks Autoschau im Kopenhagener Forum ihre Tore. Dänemark besitzt keine nationale Automobilindustrie. Jedes Land und jede Fabrik Der Kampf zwischen Beton und Asphalt kämpft hier, da keine Zollvergünstigungen wogt hin und her. Die Verfechter beider bestehen, mit den gleichen Waffen, lediglich Interessentenkreise kämpfen ihren guten Qualität und Preis spielen eine Rolle. Sämtliche Firmen mit guten Namen sind vertre- Kampf des Glaubens. Wer letzten Endes obenauf schwingen wird, dürfte die nächste ten. Auch hier hat die Fülle der Anmeldungen, wie bei unserem Salon, eine Zweiteilung Zukunft zeigen. Die technische Chemie steht nicht still, und schliesslich bleibt Hauptsache, dass wir eine Strassendecke bekom- die zweite Abteilung, welche dem Motorrad notwendig gemacht. In drei Wochen erst wird men, welche den modernen Anforderungen und Lastwagen reserviert ist, folgen. nicht nur des Automobilwesens, sondern des Die gezeigten Modelle sind fast alle von gesamten Strassenverkehrs Genüge leisten den früheren Ausstellungen her bekannt. Nur kann. Vielleicht werden wir die beiden feindlichen Brüder einmal Arm in Arm schreiten erscheinen in neuer Auflage, so die Reo, Kis- einige wenige Typen, meistens Amerikaner, sehen. Der Kampfruf: Betondecke gegen sel, Chevrolet, Oldsmobüe und Pontiac, die Asphalt wird wohl einmal verschwinden und schon anlässlich des New Yorker Salons Aufsehen erregten. Auch auf deutschen Ständen an dessen Stelle wird der andere Schlager treten : Beton Hand in Hand mit Asphalt! findet man neue Nebentypen, so bei Mercedes-Benz der neue 2,6-Liter-Wagen und Auf alle Fälle aber sollten Versuche mit Betonstrassen auch in der Schweiz nicht bei Horch die neue fünfsitzige Limousine. zurückgewiesen werden. Ganz besonders Der Rest sind alte Bekannte, was ein näheres dann nicht, wenn günstige Sonderofferten Eingehen auf die technische Seite der Ausstellung überflüssig macht. vorliegen. Wir haben letzthin auf den grosszügigen Betonstrassenbau des Kantons Thurgau längs des Rheins hinweisen können. Dem seine Kosten, wohl aber der Kaufmann, dem Der Techniker kommt hier also nicht auf Kanton Aargau ist eine ähnliche Offerte der die Möglichkeit eines eingehenden Studiums E. G. Portland vorgelegen, die ja im aargäuischen Grossen Rat wiederholt zur Dis- Faktor am dänischen Markt ist die General der Marktlage geboten ist. Der mächtigste kussion stund. Leider konnte sich die aargauische Regierung nicht dazu entschliessen, motion Manager Lundsgaard interessante Motors International A S, deren Sales Pro- von dieser Offerte Gebrauch zu machen. Angaben über die Absatzmöglichkeiten Welche intimern Gründe sie davon abhielten, machte. In den letzten beiden Jahren wurden in Dänemark durchschnittlich 15,000 Wa- entzieht sich unserer Kenntnis. Heute steht der Kanton Aargau nun vor der Tatsache, gen jährlich neu zugelassen. Jeder 32. Däne dass die betreffende Firma ihre Sonderofferte ist heute Automobilbesitzer. Merkwürdig ist, vom 1. April 1927 an den Kanton Aargau dass sich die Verkehrsdichte nicht auf die zurückgezogen hat. Es ist dies zu bedauern, Hauptstadt Kopenhagen konzentriert, sondern wenn man auch den Standpunkt der E. G. dass auch auf dem flachen Lande die Verbreitung die gleiche ist. Die Genera' Motors Portland vollauf begreifen muss. Was aber einem landwirtschaftlichen Kanton, als welchen man den Kanton Thurgau ansprechen da sie nicht nur im Lande selbst montiert, nimmt in Dänemark eine Sonderstellung ein, darf, möglich ist, sollte auch im Fortschrittskanton realisierbar sein. So ist denn der Bau einer Betonstrasse im Kanton Aargau Bei der Behandlung dieser Motion im Rate ziemlich abrupt «gelöst» worden. Auf alle vom letzten Samstag machten die Vertreter Fälle aber ist dem zementreichen Aargau der Gemeinde Kerns auf den durch den stets eine günstige Gelegenheit entgangen. Später sich mehrenden Autoverkehr nach Melchtal einmal, wie es so manchmal in unseren heiligen 25 Demokratien geschieht, dürfte man für sie ganz bedeutende finanzielle Aufwen- bedingten Strassenunterhalt aufmerksam, der auch im Aargau auf den Betonstrassenbau dungen erheische. Dass sie hiezu auf diese zurückkommen, um dann aber jedenfalls tiefer In den Staatssäckel greifen zu müssen. che kaum begründet zu werden. Im verflos- Durchgangsgebühren angewiesen seien, brau- K. senen Jahr hat Kerns an Durchgangsgebühren die hübsche Summe von Fr. 3000.— eingenommen. Es dämmert auch in Obwalden. Sofern nun die Gemeinde Kerns freiwillig auf diese ausserordentliche Einnahmequelle verzichten muss, soll ihr seitens des Staates hiefür ein Aequivalent geboten werden. Mit Recht machte Herr Finanzdirektor C. Stockmann darauf aufmerksam, dass mit dieser Entschädigung eine Präjudiz geschaffen würde, die zu Missstimmigkeiten führen und die andern Gemeinden zu ähnlichen Forderungen bewegen könnte. Der ohnehin stark beschnittene Benzinzollanteil könne auf keinen Fall noch für den Unterhalt der Gemeindestrassen beansprucht werden, nachdem im laufenden Jahre der ordentliche und ausserordentliche Unterhalt des kantonalen Strassennetzes mit 242,000 Franken budgetiert sei und gegenwärtig noch ein Millionen-Strassenausbau-Projekt der Genehmigung durch Rat und Volk von Obwalden harre. Wohl erklärt sich der Staat bereit, Strassenkorrektionen der Gemeinden angemessen zu subventionieren und just das vorliegende Gesuch der Gemeinde Kerns für die Verbreiterung der Melchtalerstrasse dürfe sicherlich auf Unterstützung des Staates hoffen. (Wurde auch gemacht mit einem Staatsbeitrag von 15 Prozent). Dem Staat steht allerdings kein Recht zu, die Gemeinden zur Aufhebung dieser Durchgangsgebühren zu zwingen, aber man darf heute doch von den zuständigen Behörden soviel Einsicht erwarten, dass sie die wirtschaftlichen Nachteile, die durch den Bezug dieser ungerechtfertigten Gebühren sich einstellen, endlich einsehen und im eigenen Interesse zu deren Aufhebung kommen. Ob nun die Verhandlungen der Regierung ein positives Resultat zeitigen werden, bleibt vorläufig abzuwarten. Will ein Kanton oder eine Gemeinde heute aus dem Fremdenverkehr wirtschaftliche Vorteile und Nutzen ziehen, so sind sie in allererster Linie auch auf einen regen Automobilverkehr angewiesen und dieser darf nicht mit schikanösen Bestimmungen, die von einer ungesunden Gemeinde-Interessenpolitik diktiert sind, abgehalten werden, soll sich ein Fremdenkurort einer sich steigernden Prosperität erfreuen. AUTOMOBTL-REVUE 1929 — t? Kopenhagen hat seinen Salon eröffnet. Die Beherrschung des dänischen Marktes. sondern — soweit überhaupt möglich — auch heimische Rohprodukte bzw. Fertigfabrikate verwendet. Etwa 60 bis 70 Prozent des Verkaufswertes aller Wagen bleiben im Lande. So ist es dem Unternehmen möglich, zumal eine wirkliche nationale Industrie fehlt, das Kopenhagener Werk als dänisches Werk zu propagieren. Sie erreichte Ende des vergangenen Jahres eine 50prozentige Beherrschung des dänischen Marktes. Die Beurteilung der Lage durch die Ford Motor Co. ist, wie sich ein deutsches Blatt äussert, weit vorsichtiger, was ein Gespräch mit dem Trafic-Manager Dr. Greulich zeigte. Auch Ford ist der Ansicht, dass der Sättigungspunkt noch lange nicht erreicht sei, schätzt jedoch die mögliche Verbreitung auf einen Status von einem Wagen auf 20 bis 22 Einwohner, entgegen der Meinung der General Motors, welche den Status von einem Wagen auf 15 Personen in Schätzung bringt. Diese Verkehrsdichte dürfte nach Ansicht Fords in etwa fünf Jahren erreicht sein. Die Ford Motor Co. betont nachdrücklichst die durchaus gesunde Wirtschaftslage auf dem dänischen Markt. Die Abzahlungsgeschäfte seien seltener als in anderen Ländern, ausserdem werde mit weit höheren Anzahlungen gearbeitet. Einen anderen Standpunkt nimmt Direktor Houst von der Nordisk Motor Depot A.-S. ein. Dieser ist in bezug auf die Aussichten der europäischen Industrie durchaus hoffnungsvoll eingestellt. Er ist der Ansicht, dass sich der europäische Wagen wachsender Beliebtheit erfreue, was in erster Linie auf die längere Lebensdauer zurückzuführen sei. Bereits heute komme es sehr oft vor, dass ein verhältnismässig grösseres Kapital in einen Wagen investiert wird, nur um grössere Dauerhaftigkeit und geringeren Wertverlust zu erkaufen. Herr Houst geht soweit, dass er schon für die allernächsten Jahre einen Umschwung prophezeit, der die Amerikaner in die heutige Lage der europäischen Fabriken bringen dürfte. Das Strassengesetz im St. Galler Grossen Rat. Eine Motion zum Bau einer Strasse über die Amdenerhöhe. Nach einer kurzen Einigungsdebatte beschloss der Grosse Rat am Dienstag, auf die Detailberatung des Strassengesetzes einzutreten. Artikelweise wurde in der Folge der Definierung der verschiedenen Strassenklassen von der Staatsstrasse bis zum Fussweg zugestimmt, eine ebenso ausgesprochene juristische wie langweilige Angelegenheit, der aber aus fiskalischen Gründen grundlegende Bedeutung zukommt. Reges Interesse erweckte die der Verhandlung eingereichte Motion bezüglich des Baues einer Strasse über die Amdenerhöhe, welche folgenden Wortlaut hat: « Der Regierungsrat ist eingeladen, beförderlich Bericht zu erstatten und Antrag zu stellen, ob nicht im Rahmen eines künftigen Profjrammes für den Ausbau des kantonalen Strassennetzes die früheren Projekte einer Strassenverbindung aus der Wallenseegegend über die Amdenerhöhe nach dem Obertoggenburg, eventuell mit Weiterführunjf über Ennetbühl-Kräzernpass, Richtung Hauptstadt, neu durchgearbeitet und zur Ausführung gebracht werden sollten. » Lieberherr (Nesslau), einer der Motionäre, begründete die Eingabe, Indem er an die früheren Bestrebungen anknüpfend seiner Enttäuschung darüber Ausdruck gab, dass das kantonale Strassenbauprogramm das Projekt vergessen habe. Die -Motionäre, welche in den beteiligten Gegenden energisch unterstützt werden, namentlich durch die Gemeindebehörden von Nesslau und Krummenau, erklärten, sich zufrieden zu geben, wenn das Projekt als gleichberechtigt aufgenommen werde. Die neue Verkehrsader wird für den Fremdenverkehr des Obertoggenburgs bedeutsam sein, erschliesst sie doch ein Gebiet von seltenem landschaftlichem Reiz. Die Motion wurde, nachdem nach gegenseitiger Vereinbarung die Formel «Bericht und Antrag zu stellen » in « zu prüfen » umgeändert worden war, erheblich erklärt. Ein fertiges Projekt für die Amdenerstrasse liegt schon seit früher auf dem Departement Die damals mit 720000 Franken veranschlagten Kosten dürften sich heute auf 1,5 Millionen stellen. v. Kollaboration von Elsenbahn und Auto. Die Aussagen des Senators Crespi. Rom, Ende Februar 1929. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der letzten September in Rom versammelte Weltkongress der Automobile auf Antrag des Senators Crespi, des Präsidenten des ita'ienischen Autoclubs, einen internationalen Wettbewerb beschlossen zur Ausfindigmachung des besten Systems des Warentransportes durch Zusammenwirken von Bahn und Auto. Unlängst tagte nun, wie wir in Nr. 15 der «A.-R.» berichteten, in Paris die internationale Handelskammer, der alle grossen Verbände angehören, die sich mit Warentransport befassen, unter anderem die internationale Union der Eisenbahnen, die internationale Vereinigung der anerkannten Automobilclubs etc. und bekräftigte den Römer Beschluss. Senator Crespi, der kürzlich von dieser Beratung aus Paris zurückgekehrt ist und Mussolini sofort einen umfangreichen Bericht erstattete, hat den Blättern einig© interessante Aufschlüsse gegeben. Mit Befriedigung stellte er fest, dass alle beteiligten Riesenverbände einstimmig seine Idee gebilligt haben. Es sei, wie unsere Leser wissen, ein Ausschuss ernannt worden, in dem alle diese Verbände vertreten sind, mit der Aufgabe, die näheren Modalitäten des Wettbewerbes auszuarbeiten. Crespi meint, es spiele sich zwischen Bahn und Auto dasselbe ab wie seinerzeit zwischen Post und Telegraph: erst Misstrauen und Feindseligkeit der beati possidentes, der Post gegen den Eindringling, bald aber würden Zwang der Umstände und Vernunft der Leiter eine immer intimere Zusammenarbeit herbeiführen. Heute seien die Bahnen in einer Zwangslage, da beispielsweise die deutschen Bahnen letztes Jahr durch die Konkurrenz des Autos eine Einnahmeneinbusse von 250 Millionen Mark erlitten hätte. Dagegen helfe aber nicht die «billige» Verteilung der zu transportierenden Waren zwischen Bahn und Auto, sondern eine Intensifizierung des Verkehrs, wie sie in Nordamerika schon da sei. Eine Verteilung würde nur beide Teile ruinieren, da sowohl die Bahnen wie auch namentlich die Autofabrikation auf immer grössere Einnahmen angewiesen seien, sollen die Be» triebe im Stande bleiben. Der amerikanisch« Vertreter habe auseinandergesetzt, wie glänzend das Problem in den Vereinigten Staaten gelöst worden sei. Dort habe sich die Industrie auf den direkten Verkauf an die Konsumenten eingerichtet. Wo man beispielsweise früher Hüte in Portionen von hundert Dutzenden verkaufte, würden jetzt Hüte in Posten von zwei Dutzenden verkauft. Das eliminiere die Magazine, erspare Riesensummen an zirkulierendem Kapital etc. etc. etc., sei aber nur möglich, wenn der Absatz schnellstens und einwandfrei vor sich gehe. Dies hätten die Bahnen bewirkt bei Ergänzung durch die Autotransporte in der Weise, dass der vollständige Absatzdienst von Haus zu Haus erfolge. Das Kapital werde vom Handel nicht mehr wie früher verlangt, man werfe sich auf die Industrie, die zu bisher unerhört billigen Preisen fabriziere. «Die schmutzige Wäsche wird nicht mehr gewaschen, sondern fortgeworfen und sogar die verbrauchten Autos werden einfach abgeschoben. Die Produktion in Riesenserien schlägt und zermalmt alle Konkurrenz. Alle haben Arbeit und alle verdienen.» Eine europäische Lösung. In Europa, meinte Crespi, habe man begriffen, dass man diesen Weg auch einschlagen müsse. Aber die einzelnen Länder seien zu klein, man müsse das Problem europäisch lösen. Schnell und gut! Crespi verbreitete sich dann über das von ihm am internationalen Automobilkongress präkonisierte System der Aufteilung der Güterwagen der Bahnen in klein« und kleinste Abteilungen, worüber seinerzeit referiert wurde. Auf diesem Weg sei eine bis jetzt nie dagewesene Vollkommenheit im Transport möglich; Verpackung, Magazine und eine Menge Hilfskräfte für den Transport etc. fallen weg. Ein einwandfreies System bestehe allerdings noch nicht. Dieses System müsse jetzt gefunden werden, aber es gilt für England wie für Italien, für Spanien wie für die Türkei das g'eiche System zu finden. Dann erst würden die Vorteile riesenhafte Ausmasse annehmen. Daran arbeite man jetzt mit Feuereifer. Nach seinen Aeusserungen glaubt der Senator, der einer der feinsten und international erfahrensten Köpfe der italienischen industriellen Welt ist. an schnelle und grosse Erfolge auch in Europa und speziell in Italien, wo die Regierung für die Idee gewonnen sei. M. F. H. LEHREN AUS AUTO-UNFALLCN Die Unsitte des Aufspringens. Hat auch die regelmässige Aufzählung von Verkehrsunfällen, die lediglich das Sensationsbedürfnis zu befriedigen vermag. Ja eigentlich dio Empfindung des Lesers mit der Zeit nur abstumpft, keinen Sinn, so ist es doch angebracht, ab und zu einen Unfall herauszugreifen, um ihn als ernsten Warner sprechen zu lassen über die Gefahren der motorisierten Strasse. Vielmehr aber noch gilt dies für Unfälle, die durch leichtsinnige Untugenden der Kinder verursacht werden. Es ist nicht nur Pflicht der Eltern, sondern jedes Automobi'jsten überhaupt, nicht zuletzt der automobilistischen Presse, immer wieder dem Leichtsinn der Jugend die Berichte der Unglücksfälle entgegenzuhalten. Dieser Tage ereignete sieh ein schwerer

N" 17 - 1029 'AUTOMOBTL-REVUE Unfall in Näfels, weil eiti kleiner Knabe sich an einem Lastauto anhängen wollte, stürzte «nd in äusserst ernstem Zustande in das Spital überführt werden musste. •" Ein anderer, weitaus tragischerer Fall ereignete sich in der gleichen Woche in Münchenstein, wo sich einige Schulknaben auf der Hauptstrasse tummelten. Ein Lastauto nahte. Der eine der Knaben, ein elfjähriger Bube, versuchte plötzlich — wohl in einer Anwandlung von leichtsinnigem Uebermut — zwischen Motorwagen und Anhänger springend, sich auf die Verbindungsstange zu schwingen. Er schwingt sich hinauf, klammert sich an, verliert das Uebergewicht, stürzt und wird von den Rädern des nachfolgenden Anhängers zermalmt. Der Tod ist augenblicklich eingetreten. Den Fahrer kann in hei den- Fällen keine Schuld treffen. Beide Buben sind ihrem Leichtsinn zum Opfer gefallen. Die Kinder können von dieser trotz allen Ermahnungen immer und immer wieder gepflogenen Unsitte sowohl im Elternhaus als in der Schule nicht dringend genug gewarnt werden. Wo allgemeine Ermahnungen nichts fruchten, frommen vielleicht die rücksichtslosen Tatsachen. SPORTLICHES Genfer Sternfahrt. Die leitenden Köpfe der Organisation, Herr Chantre und Herr Grolimond, haben soeben ihre Inspektionsfahrt der für die Zielfahrt in Betracht kommenden Strecken beendigt und sowohl was deren Verfassung als auch deren Kontrollierung anbelangt, alles zu ihrer grössten Befriedigung vorgefunden. ' Die genauen Berechnungen der verschiedenen Routen gestatten am Ziel eine rasche Kalkulierung der Resultate; haben doch nur die Fahrstunden im Kontrollhefl mit dem Schema verglichen und die Strafpunkte abgezogen zu werden. Es ist beabsichtigt, jeden Wagen im Dreiminuten-Abstande zu starten, um die einzelnen Kolonnen aufzulockern, was die Arbeit der Kontrolleure und der Chronometreure erleichtern wird. Die Starte werden so berechnet, dass sich die Ankunft der Sternfahrer in Genf üher l x /2 Stunden verteilen wird. v. Die Berner Sternfahrer hielten letzten Montag im Heim des A. C. S. grossen Kriegsrat. Herr Direktor Thommen, der rührige Sportpräsident der Sektion Bern des A.C.S., konnte am Ende der orientierenden Versammlung 20 Anmeldungen zur Teilnahme an der grossen Sternfahrt nach Genf anlässlich des Salons entgegennehmen. Bekanntlich darf das Kontingent 25 Meldungen nicht überschreiten. Die restlichen fünf Konkurrenten werden sich zweifellos schon in den nächsten Tagen finden. Der Start, welcher am 16. März stattfinden muss, wird zwischen 7>4 und 8 Uhr beim Kasino erfolgen. Bergrennen in Ponte di Legno. Hinauf in das Weiss des Val di Cortena zu dem am Fusse der Adamellogruppe liegenden Dörfchen und Winterkurort Ponte di Legno führte die erste Bergprüfungsfahrt des italienischen Sportkalenders 1929, die Qildo Strazza auf Lancia überlegen gewann. Die Konkurrenz war von den besten Fahrern aus den Sportzentren Breseia und Mailand beschickt und heiss umstritten. Schon wieder! Der englische Weltrekordkandidat Campbell ist, wi- der Draht meldet, bei Kalvinia in der Kapkolonie mit einem Flugzeug abgestürzt und hat sich leicht verletzt. Dies ist bereits der zweite Flugunfall des Weltrekordlers, der Afrikas Erde nach Autobahnen absucht. Ray Keech wird noch eine Weüe Rekordhalter bleiben... Paris-St. Raphael. In dem in fünf Tagesetappen durchgeführten Raid für Damenfahrerinnen siegte Mme Liedard auf Salmson 1100 ccm. Zweite wurde Mme Schell auf Talbot, dritte Mme Vivier auf Citroen. Von den 20 Gestarteten erreichten 16 das Ziel. Die ersten beiden Etappen stellten hohe Anforderungen, während die übrigen drei von den Fahrerinnen spielend überwunden wurden. Weltrekordangriff am 1. März? Der Tanz geht los. Wie aus Florida gedrahtet wird, hat Segrave eine erste Probefahrt mit dem «Goldenen Pfeil» unternommen. Er erreichte ein Stundenmittel von 290 km und war über diesen ersten Versuch sehr zufrieden. Der offizielle Angriff auf den Weltrekord von Ray Keech findet wahrscheinlich am 1. März statt. Segrave gedenkt über 400 km herauszufahren. Der deutsche Autosportkalender. Neben den verschiedenen Veranstaltungen, die mehr lokalen Charakter haben, interessieren das Ausland vor allem die sechs autosportüchen Ereignisse, welche in den internationalen Zwei originelle Aufnahmen vom grossen historischen Umzug in Elgg, dem zahlreiche Automobilisten aus allen Landesteilen beiwohnten. Kalender der A. I. A. C. R. aufgenommen worden sind: 9. bis 12. Mai: Wiesbadener Automobilturnier. Es werden in diesen Tagen eine Zielfahrt, eine Schönheitskonkurrenz, eine Geschicklichkeitsfahrt sowie zwei Rennen «Hohe Wurzel» und «Rund um den Neroberg> durchgeführt. 2. Juni: Kesselberg-Rennen, veranstaltet vom Bayr. A. C. 18. bis 23. Juni: Automobilturnier in Baden- Baden. 14. Juli: Grosser Preis d'er Nationen für Sportwagen auf dem Nürburg-Ring. 4. August: Bergrekord in Freiburg in Br. 11. bis 16. Airgust: Internationale Alpenfahrt. Einzelheiten über die.se Fahrt sind noch nicht bekannt, doch ist bereits München als Startort bestimmt worden. XSixxst -uxxd jetzt Ein gewaltiges Grossfeuer zerstörte eine Turiner Garage, wobei 15 Wagen eirt Raub der Flammen wurden. Die Mutter des Besitzers erlitt derart schwere Brandwunden, dass an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Auto Im Eis eingebrochen. Obwohl das einsetzende Tauwetter vor dem Betreten des Seespiegels warnen musste, unternahm ein deutsches Automobil am Sonntag abend dessen ungeachtet eine Fahrt auf der Eisdecke des Untersees.. -Zwischen Steckborn und Hemmenhofen brach der Wagen ein und sank. Die drei Insassen, ein Ehepaar und ihr Sohn, konnten gerettet werden. Der Sohn hat sich indessen eine gefährliche Erkältung zugezogen. :—: Ehrenvoller Ruf. Professor Delaquis, Chef der Polizeiabteilung des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes, dessen bedeutende Rolle in der schweizerischen Verkehrsgsetzgebung in Automobilistenkreisen besonders bekannt ist, hat einen Ruf als ordentlicher Professor für Strafrecht und Strafprozess nach Hamburg erhalten. Der Wegzug von Professor Delaquis würde für unser Land ein schwerer Verlust bedeuten. Der Autogrossfabrikant Ford ehrt den genialen Erfinder Edison. Der Autofabrikant Ford hat anlässlich des 82. Geburtstages Edisons 5 Millionen Dollar für die Gründung eines Technikums für angewandte Elektrizität gespendet. Der Schule soll ein Edison-Museum angegliedert werden, das Gegenstände enthalten wird, die auf das Lebenswerk des Erfinders Bezug haben, besonders seine verschiedenen Erfindungen. Winterbetrieb der Alpenpostkurse vom 18. bis 24. Februar 1929. Die Wititerkurse haben auf den nachstehenden Bergstrecken an Frequenz aufzuweisen: Chur-Lenzerheide 991 (gegenüber 951 in der entsprechenden Woche des Vorjahres), Lenzerheide-Mühlen 195 (1928 Autobetrieb nur bis Lenzerhdde), Reichenau-Waldhaus-Flims 238(205), MaJoja-St Moritz - Castasegna 1973 (1976), St. Moritz Ortsdienst 3170 (2655). Total wurden 6567 Personen befördert gegenüber 5787 in der, gleichen Woche des Vorjahres. Neue Versuchsergebnisse im Teerstrassenbau. Durch Versuche wurde in Amerika festgestellt, dass eine Zugabe von Kalziumchlorid den Teerbelag einer Strasse widerstandsfähiger und besser staubbindend macht. Strassen, die nach diesem Verfahren mit auf 55 Grad Celsius erwärmten Teer behandelt wurden, lassen eine Verkehrsbalastung von 1500 Fahrzeugen täglich ohne nennenswerte Störungen zu, während für die gleiche Strasse, aber ungeteert, dio höchste zulässige Belastung 600 Fahrzeuge beträgt. ' at. Tagung des Automobil-Clubs von Deutschland. Bei der am Dienstag, 19. Februar, im Clubhaus des A. v. D. stattgefundenen Vertreterversammlung fand die Wahl der Vertreter und Stellvertreter zum Vertreterausschuss statt. Die bishe vom A. v. D. in Listenform ausgegebenen Strassensperrungen in Deutschland erscheinen ab 1. April in Form einer aus drei Teilen bestehenden Landkarte. Neben der Schaffung eines Stammes von Sachverständigen auf dem Gebiete der technischen Beratung sowie der Zusammenarbeit mit motorfahrtechnischen Laboratorien ist eine Organisation der Reparaturwerkstätten im Entstehen begriffen, die auch auf diesem Gebiete dem Touristen Erleichterungen schaffen wird. Automobil uud Motorrad. In allen Ländern ist das Verhältnis von Automobilen und Motorrädern sehr verschieden. Nach einer kürzlich zusammengestellten Statistik, di« sehr interessante Zahlen aufweist, tritt das Uebergewicht des Wagens besonders in den Vereinigten Staaten, wie überhaupt in den Ländern der neuen Welt, in Erscheinung. In den U. S. A. treffen auf 1000 Personenwagen nur sieben Motorräder. In den meisten Ländern ist das Motorrad gegenüber dem Auto in der Minderzahl. In- Holland halten sich beide die Wage, während nur in Deutschland und Oesterreich mehr Motorräder als Personenwagen laufen. In England, dem Lande des Motorradsportes, ist das Verhältnis zwischen Auto und Motorrad 10:8, in der Tschechoslowakei 10:9. Nachstehende Uebersicht gibt einen interessanten Einblick in die eigenartige Verteilung der Kraftfahrzeuge. Auf 1000 Personenwagen treffen Motorräder: U. S. A. 7, Kanada 11, Spanien 72, Türkei 101, China HO, Portugal 121, Australien 219, Polen 227, Frankreich 271, Dänemark 299, Schweden 358, Norwegen 370, S.H.S. 438, Ungarn 478, Litauen 499, Japan 549, Belgien 561, Italien 578. -t Das Automobil: der stärkste Stahlverbraucher Amerikas. Während man bisher nur wusste, dass die Automobilindustrie den grössten Verbrauch an Gummi hat, stellt es sich jetzt heraus, dass die amerikanische- Automobilindustrie zum ersten Male in der Geschichte der amerikanischen Eisenindustrie auch hinsichtlich des Verbrauchs an Stahl an erste Stelle gerückt ist: sie hat sogar de« Eisenbahnen und dem Baumarkt den Rang abgelaufen. Im Jahre 1928 wurden in Amerika 6,5 Mill. t Stahl zu Automobilzwecken verarbeitet, das sind 18 Prozent der gesamten dortigen Stahlproduktion. Im Jahre 1927 wurden von der Automobilindustrie 14 Prozent der Stahlerzeugung aufgenommen, so dass m diesem Jahre die Bauindustrie noch den grössten Anteil am Stahlverbrauch hatte. Aus dem deutschen Verbandswesen. Wie an der letzten Generalversammlung des Deutschen Touring-Clubs mitgeteilt wurde, weist dieser heute einen Mitgliederbestand von rund 32,000 Mitgliedern auf. Der- Verband selbst ist in sieben Landesgruppen, vier Be— zirksgruppen und 131 Ortsgruppen zergliedert und verfügt über total 32 Geschäftsstellen, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der Deutsche Touring-Club umfasst ausser Automobilisten und Motorradfahrern auch andere Touristikinteressenten (Radfahrer, Fussgänger etc.) und widmet seine Tätigkeit der besonderen Pflege der Touristik. Dio Ausgabe von Triptyks hat Im letzten Jahr ganz bedeutend zugenommen, indem deren Zahl von 12,000 im Jahre 1927 auf ca. 25,000 im Jahre 1928 angestiegen ist. Im letzten Jahre sind dem Deutschen Töuring-Club verschiedene neue Clubs beigetreten, wobei besonders der wirtschaftliche Anschluss des 1928 neu gegründeten Deutschen Auto-Clubs, der auf republikanischer Basis steht, zu erwähnen ist. Im laufenden Jahr will sich der Deutsche Touring-Club wiederum vornehmlich der Pflege der Touristik widmen, wobei verschiedene Tourenfahrten in Aussicht genommen sind. So eine allgemeine Reichstourenfahrt ins Erzgebinge während des Sommers und eine Fahrt in den Teutoburger Wald zum Hermannsdenkmal im Herbst, s.