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E_1929_Zeitung_Nr.018

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EDEEEQ SIEBTE

EDEEEQ SIEBTE Pantöffelchen, Halbschuh und Schuhchen einer Frau? Wie oft haben sich Schriftsteller und Dichter der verschiedensten Epochen und verschiedensten Nationen an diesem Gegenstand weiblicher Eleganz und gleichzeitig notwendigen Teiles weiblicher Kleidung begeistert, ohne den keine Frau ausgehen kann, die Dorfinsassin ausgenommen, die aber weder über Steine noch über harten Asphalt gehen rnuss. Dichter fanden das Symbol im Königinnenschuh, jener Pflanze, die da kleiner ist afs eine Feldlilie. Auch Frankreich hat sein berühmtes altes Lied von den Sabots der Königin Anna aus der Bretagne, der Gattin Karls VIII. und später Ludwigs XII. : C'etait Anne de Bretagne Avec des sabots... Auch das bekannte Aschenbrödel-Märchen beweist, wieviel Bedeutung man einem kleinen und hübschen Frauenfuss beilegte. Aenderten sich Schuh oder Pantoffel, die heute so hübsch hinter der breiten Scheibe der Geschäfte blitzen, im Laufe der Jahrhunderte sehr? Wir besitzen allerdings keine genauen Angaben über die erste Fussbekleidumg der Frau, aber es ist sicher, dass sie anfangs sehr unkompliziert gewesen sein muss. Schon bei den alten Völkern sehen wir Sandalen von ziemlich einfacher Form, die allerdings oft recht geschmückt ist Das Leder ist häufig vergoldet oder in verschiedenartigster Abwechslung bestickt und häufig mit teuren Steinen besetzt. Im Mittelalter verlängert sich der Schuh und biegt sich wunderlicherweise nach oben. Dies ist der berühmte «Soulier ä la poulaine», der gleichfalls häufig mit Stickereien verschönt und mit Perlen und teuren Steinen ausgenäht ist. Es ist ein Paradeschuh, unpraktisch und unbequem, weshalb man auch neben ihm Sandalen trug und in Frankreich, wie überhaupt im Westen, hölzern© Sabots. Diese letzteren wurden immer eleganter, bis im 15. und 16. Jahrhundert luxuriöse Sabots auftauchten, die eher kostbarem Spielzeug als einem Kleidungsstück ähneln. Winzig, durchhrochen geschnitzt, so dass sie wie aus Holzspitzen gemacht zu sein scheinen, und sorgfältig poliert, sind sie ausserdern noch mit herrlichen Zeichnungen verziert, die Lorbeeräste darstellen und mit Blumen, Blättern und Arabesken bedeckt Wenn die Sabots der Bretagnerin Anna so hübsch waren wie die, die man heut noch im Museum Cluguy in Paris bewundern kann, dann hätte diese EFEJP/IX Die Geschichte des Damenschahs entzückende und despotische Königin in ihnen auf die Stufen des Thrones von Frankreich steigen können. Aber die Mode wandelte sich. Auch damals, im 15. und 16. Jahrhundert, sehen wir Pantoffeln. Sie besitzen verschiedenartigste, oft sehr wunderliche Formen; so z. B. haben einige venezianische Pantoffeln statt einer Sohle ein richtiges Piedestal. Wie die eleganten zeitgenössischen Damen auf solchen «Stelzen» gehen konnten, kann man sich heute nur schwer erklären, jedenfalls erforderte es besondere Fähigkeiten, um so mehr, als jenes Schuhwerk selbst sehr häufig aus weichem, weissen durchbrochenem Leder angefertigt war. Allmählich trat an die Stelle der langen Pantöffelchen und Schuhe ä la poulaine ein Schuhwerk von anderer, nämlich verlängerter Form und mit spitzen Schnäbeln. Immerhin normal, wie z- B. das reich ausgestattete Schuhchen der Katharina von Medici, das in einem der Pariser Museen aufbewahrt ist. Die heutige elegante Dame des 20. Jahrhunderts könnte es ohne weiteres zum Abendkleid anziehen, wäre es stärker ausgeschnitten. Im 17. Jahrhundert, also zur Zeit Ludwigs XIV., des «Sonnenkönigs», hatte das Schuhchen die Form des kleinen Halbschuhes, der übrigens dem heutigen sehr ähnlich war. Neben den scharfen verlängerten Spitzen trifft man gleichzeitig auch Schuhwerk mit runden, sehr hübschen und geschickten Spitzen. Die Absätze sind nicht allzuhoch und einfach, bequemer und praktischer als die Louis XV.-Absätze. Neben den früheren Ausschmückungen trifft man auch eine hübsche Neuheit: man beginnt auf dem Schuhwerk kleine Blumensträusse anzubringen. Auch heute kann man noch im Museum Clugny in Paris ein Paar solcher beblümter Pantöffelchen betrachten, die einst einer italienischen Dame gehörten. Farbe und Schimmer gingen schon lange verloren, aber noch liegt in ihnen etwas, was unwillkürlich an die Zeiten der gepuderten Marquisen und Tänzer in Spitze und Samt erinnert. Oft sprechen auch Gegenstände von der Vergangenheit wie alte Bücher und Melodien. Nach den Damen des Hofes Ludwig XV. mit ihrem Schuhwerk mit den roten Absätzen zog der Hof der Marie Antoinette und die Königin selbst, die sich in der Rolle von Hirtinnen äusserst gefielen, die sogenannten «mules» mit einem kleinen Absatz vor, die sehr häufig mit einer Rüsche aus buntem Band oder mit Schleifen geschmückt waren. Die Atlasschuhe der wegen ihrer Schönheit und ihres tragischen Unterganges berühmten Fürstin von Lamballa sind ganz einfach, ziemlich ausgeschnitten und mit AUTOMOBIL-REVUE glattem Besatz aus goldenem Band verziert Weder das Direktorium noch die Jahre des ersten Kaiserreichs änderten etwas an dieser ausgesuchten Einfachheit, die übrigens mit den Tuniken ä la grecque der zeitgenössischen Damen übereinstimmten. Josephine Beauharnais, die den Modeton angab, hatte den wunderbaren kleinen Fuss einer Kreolin, weswegen sie auch glatte, schwarze Atlasschuhe trug, in denen ihr kleiner Fuss noch winziger aussah. Nach der Restauration kam. die Epoche Ludwig Philipps, des Bürgerkönigs, von der ein altes französisches Sprichwort sagt, dass es die Epoche der Tugend und des Regenschirms war, um hinzuzufügen, dass die Tugend — verschwand, aber der Regenschirm blieb. Die Moden dieser Epoche sind seltsam naiv und entwaffnend ungeschickt und versuchen gleichfalls Schuh und Halbschuh wiederzuerwecken. Man kann ein solches Paar weiblichen Schuhwerkes in einem der Pariser Museen bestaunen. Das ist das Ende der Geschichte vom weiblichen Schuh. Die Fortsetzung kann jeder aus den täglichen Auslagen der Schaufenster herauslesen. Dr. M. K. Goethes Freundin Der Nachlass der Bettina von Arnim. Der handschriftliche Nachlass der Bettina von Arnim, der bis heute ein sehr sorgsam behüteter Schatz der Familie gewesen ist, kam am 28. Februar in Berlin bei Karl Ernst Henrici zur öffentlichen Versteigerung. Der 119 Nummern umfassende Katalog dieser einzigartigen Sammlung vermittelt einen Begriff von der Bedeutung des zum Verkauf kommenden Materials. Zunächst finden sich die handschriftlichen Manuskripte der Bettina (1785—1859): Das Kompositionsbuch, eine Handschrift von 134 Seiten, die Kompositionen zu 16 Gedichten Goethes, zu zwei Gedichten Hölderlins, zu einem Gedicht von Brentano und zu elf Gedichten Achim von Arnims enthält. Dann das vollständige Manuskript zu «Ilius Phamphilus», das über 200 Blatt umfasst. Auch das eigenhändige Manuskript zu den «Gesprächen mit Dämonen» in einem Umfang von 1600 Seiten liegt vor. Der zweite Teil des Katalogs vermittelt Bettinens persönliche und literarische Beziehungen in Briefen. Hier begegnen wir den Namen Brentano, Beethoven, Carriere, Förster, Freyberg, Geibel, Gneisenau und Görres. Das meiste Interesse erwecken in dieser Abteilung der Briefe der vollständige Briefwechsel Bettinens mit Goethe. Er umfasst 13 Briefe Goethes an Bettina und 39 Briefe Bettinens an Goethe. Die Goethebriefe sind in den Jahren 1808 bis 1811 geschrieben, die der Bettina von 1807 bis 1811. In den drei ersten Briefen spricht Bettina Goethe mit «Sie» an, im vierten, Anfang Januar 1808 geschriebenen Brief gebraucht sie die vertrauliche Anrede «Du». Sie schreibt: «Gestern habe ich hinterm Ofen gesessen auf der Erde, und Arnim auch ganz allein, da haben wir viel von Dir gesprochen; er ist wie ein Kind, er will Dich mit mir lieb haben ewig.» Und später fährt sie fort: «Auf der Bibliothek in Weimar da konnte ich nicht umhin, mich zu Deiner jungen Büste aufzuschwingen und meinen Schnabel gleichsam wie eine junge Nachtigall daran zu wetzen, Du breiter voller Strohm, wie Du damals durch die üppigen Gegenden der Jugend durchbrausstest... Den Tag als ich Abschied nahm von Dir, da war ich morgens beinahe eine ganze Stunde allein im Zimmer..., da sass ich auf der Erde im Eck und dachte: es geht nicht anders, du musst auch einmal weinen; und Du warst ganz nah und wusstest es nicht, und ich weinte mit lachendem Munde...» Die Briefe 21 bis 27 hat Bettina von München aus an Goethe geschrieben. Am 16. Juni 1809 teilt sie Goethe von München aus mit, dass sie ,für ihn das Selbstporträt Dürers in der Pinakothek hat kopieren lassen. Gern hätte sie es ihm selbst gebracht, aber die Kriegszeit verbietet es. Von ihren Münchner Fi*eunden schreibt sie: «Jacobi hat : Augenweh, Tieck leidet die Hölle auf 1929 - N» IS Erden und besuchen ihn die Teufel unmei. noch in gichtischer Gestalt; Schelling, der sich Dein Freund nennt, verachte ich; er ist zu hässlich für Dich ... Arnim schreibt viel Ungereimtes gereimt und viel Gereimtes ungereimt, er ist der beste...» Des weiteren enthält der Nachlass, wie die Münchener Telegrammzeitung berichtet, Briefe der Christiane, die Briefe mit dem Kreis der Gebrüder Grimm, eigenhändige Briefe der Gunderode und den Briefwechsel mit Friedrich Wilhelm IV. Ein grosses und wichtiges Kapitel der Zeit- und Kulturgeschichte zieht in diesem Nachlass der Bettina an uns vorüber, eine lange Reihe wertvollster und bisher unbekannter Dokumente kommt durch diese Auktion in eine bveite Oeffentlichkeit. Es verlautet, dass ein zweiter Teil des Nachlasses zu einem späteren Termin zur Versteigerung gelangen soll. Da bleibt zu wünschen, dass sich nach dieser ersten versäumten Gelegenheit wenigstens bei dem zweiten Teil von Bettinas Schätzen eine öffentliche Bibliothek oder ein Archiv in Deutschland findet, das sich den kostbaren Besitz geschlossen zu sichern versteht. H. W. Eine, elegante Erscheinung: Si&ergraner Plflschmantel mit gekreuztem Gürtel, passende Kappe und Pelz. vorteilhaft; bei JeufcnJmtutefh BflH N HOFSTR- 62 ' 2öRICH Coryzol Altbewährtes Schnupfen-Mittel Leder-Jacken Bestes Chromleder, schwarz, braun mit Wollfutter Fr. 69.—, 79.—, 86.—. Extra-Ausführung, 90 cm lang, Fr. 95.—, 125.—, 135.— Leder-Mantel Feines Chromleder, Wollfutter, 4 Tawchen, Gürtel eto., von Fr. 145.—, 165.—, 190.— Damen - Leder - Jacken Extrafein, in all. Modefarb., Fr. 100.— bis 155.— Damen - Leder- Mäntel Extrafein, in allen Modefarben, Fr. 135,— 165.—, 195.—. 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N° 18 - 1929 ÄUTOMOBTL-REVUff' Estland als autotouristisches Reiseziel. Reval, Mitte Februar. Tourismus cher viel Sehenswertes. Wer ein Freund Lr. Estland, der nördliche Teil der ehe-demals zum grossen russischen Reiche gehötige Plage von Pernau. Strandlebens ist, der gehe an die prächrenden baltischen Provinzen ist größtenteils Sicher ist, dass jeder, der eine Reise durch flaches Land, das nur ganz wenige hügelige Estland unternimmt, an dem prächtigen Land Gebiete aufweist. Der nördliche Teil des und seinen liebenswürdigen Bewohnern viei Landes ist bekannt durch seine steilen Glint- Fieude erleben wird und nur die angenehm- Erinnerungen mit nach Hause Abfäile, an die Tag und Nacht das rau-sten nimmt. schende Meer brandet, das die nördlichen und westlichen Küsten Estlands bespült. Das Mittelland, besonders bei Fellin, die Kornkammer Estlands, ist sehr malerisch und bietet dem Reisenden prächtige Ausblicke. Im Süden finden wir eine ganze Reihe von Seen, unter denen der Pühajärv und der Wirtsjärv besonders anziehend sind. Die schönen Seebäder bei Tallinn (Reval), Pernau und Narva Jöesuu, Hapsalu und Kuressaare sind äusserst beliebte Erholungsorte. Die Strassen des Landes sind in gutem Zustand und zerfallen in erst- und zweitklassige Chausseen und Landwege. Die erstklassigen Chausseen eifnen sich vorzüglich für den Automobilverkehr. Die besten Strassen führen von Reval nach Pernau und von Reval nach Narva oder Reval-Tartu-Walk. Schöne und genussreiche Automobilfahrten durch Estland werden heute schon durch den Estnischen Automobilclub organisiert. Malerisch sind besonders die Wege in Nordestland am Qlint und sie sind von zahlreichen Dörfern umsäumt, die den durchfahrenden Automobilisten viel Abwechslung bieten. Seitens des Staates werden Jährlich grosse Summen ausgegeben, um auch die zweitklassigen Strassen und Landwege in möglichst guten Zustand zu versetzen und um das Strassennetz immer mehr zu erweitern. In Reval selber wickelt sich der Automobilverkehr allerdings noch nicht sehr fliessend ab infolge der vielen winkeligen Strassenzüge. Der Autoverkehr ist in stetem Anwachsen begriffen. Besonders in den grösseren Städten, wie Reval (Tallinn), Tartu (Dorpat) lind Pernau sieht man zahlreiche Mietautos, die heute billig und bequem den Verkehr unterstützen. Zahlreiche Omnibusse verbinden die Städte 1 mit ländlichen' Flecken und Sommerorten. An Sonn- und Feiertagen fährt Omnibus um Omnibus dicht besetzt mit fröhlichen Menschen hinaus auf's Land und in die Strandorte. Wer Est'and im Auto bereisen will, wird seinen Blick in erster Linie nach Reval (Tallinn), der alten Hansa - Stadt werfen. Man kann Reval auf zwei Wegen erreichen, entweder per Schiff, was den Vorteil bietet, dass man gleich schon bei der Ankunft einen wundervollen Blick auf die ganze Stadt geniesst, oder man wählt den Landweg per Auto und nimmt dazu den Weg über die lettische Grenze bei Walk und fährt über Dorpat (Tartu) und Taps zur Hauptstadt. Neben der hübschen Lage am Finnischen 'Meerbusen und einem schön ausgebauten Hafen, der alljährlich von zahlreichen Schiffen aus dem Ausland besucht wird, fällt Reval auf durch eine grosse Zahl schöner und altertümlicher Bauten. Reliquien und Erinnerungen vieler Jahrhunderte finden sich in den alten Profanbauten und Kirchen. Wer Sitten und Gebräuche der Bewohner Revals kennen lernen will, unternehme an Sommerabenden einen Spaziergang nach dem unweit gelegenen Kadriorg. Auch die Ausflüge in die Umgebung Revals bieten manch schönen Ausblick. Weitere Reiseziele in Estland sind Narva und Tartu (Dorpat). Auf dem Wege zu die- Etwas für Sie ist der neue Unverbindliche und kostenlose Vorführung« HENRY MICHEL & Co., ZÜRICH - Hornerg. 12, Tel. S. 7932 sen Städten fährt man durch prächtige Laub- und Nadelwälder. Besonders Dorpat, die alte Universitätsstadt, bietet dem Besu- Die Rapperswiler Seebrücke. Von Fräz C. Moser. Eines der interessantesten Bauwerke der Schweiz, das die Jahrhunderte vom Mittelalter bis nahe an unsere Zeit standhielt und gute Dienste leistete, war die Brücke von Rapperswil. Da hatte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts eine Fähre den Verkehr vom Städtchen Rapperswil hinüber nach Hürden und gegen Einsiedeln vermittelt. Die Grafen von Rapperswil hatten wohl kein Geld, um sich den kostspieligen Bau einer Seebrücke zu leisten. Und doch war gerade an dieser Stelle die Grundlage zur. Ueberbrückung des Zürichsees einzigartig günstig und überhaupt nur da möglich. Der See verengte sich hier auf etwa nur 1000 Meter, auf der Gegenseite streckte sich die Landzunge von Hürden tief in den See hinein, und grundlos war der See auch nicht, weil sich die Landzunge unter Wasser fortsetzte, und so der See an dieser Stelle ganz untief war. Der Verkehr war bedeutend; denn vom Rikken zogen die Pilger aus Tirol, Vorarlberg, aus Bayern und Schwaben heran, vom Hörnli und von Winterthur her kamen ebenfalls schwäbische und bayrische Pilger. Und es waren gev.'iss sehr viele, denn Einsiedeln übte im Mittelalter eine überaus grosse Anziehungskraft aus. Und mit welchem Eifer gingen die Pilger oft über den See. Trotz des rasenden Föhnsturmes wollte einst im 14. Jahrhundert eine grössere Gruppe übersetzen. Mit Mann und Maus ging das Fährschiff unter. Da kam zu Anfang der 50er Jahre des 14. Jahrhunderts der Streit der Zürcher mit den Rapperswilern zuwege. Die rauflustigen Zürcher verbrannten das Städtchen. Aber ein Stärkerer kam und baute es wieder auf:; Herzog Albreeht von Oesterreich. Und fürder sassen in Rapperswil. die Herzöge mit ihrer starken Macht und nicht mehr der schwächere Rapperswiler Graf allein. Die Folge vyar, dass die Zürcher zusehen mussten, wie ihnen ihre schöne Zürichsee-Wasserstrasse mitten entzwei gesägt wurde. Wodurch? Durch eine hölzerne Brücke, die von Rapperswil quer über den See bis Hürden geführt wurde. Das geschah im Jahre 1358, und Bauherr war der Herzog Rudolf von Oesterreich. Die Klingenberger Chronik berichtet zu diesem Bau: «und hatt der Hertzog vil maister, die im darzuo rietent, vnd jm das wasser massent vnd die brugg hulfent slachen und machen.» Wir sehen da, wie man schon im 14. Jahrhundert zu einem schwierigen Bau auch kundige Meister zuzog, und wie die offenbar mit Schiff und Senkblei hantierten wie die Kabelleger von heute auf der Hochsee. Damals war dies Werk entschieden ein hochschwieriges, schwieriger vielleicht als für unsere heutigen Techniker das Kabellegren auf dem Meere. Die Brücke stand da. Und wie sinnvoll hatte man sie eingerichtet. Ein Föhnsturm, wie_er dort oben so gerne rast, hätte eine Geländerbrücke mitsamt allem, was darauf stand, in den See geworfen. Deshalb baute man die Brücke ohne Geländer, und die Querladen auf dtn Böcken waren überdies PORTABLE ROTARY Edison-Dick. Eine kleine VERVIELFÄLTIGUNGS - MASCHINE wie Sie sie schon lange suchen! Billig aber gut! Kaufverträge, Diktate, Zeugnis- Kopien eto. fertigt diskret, saaber, prompt and billig an Wünschen Sie Ihre Immobilien umzusetzen ? Wenn ja: Lassen Sie diese sofort einschreiben ohne Verpflichtung and ohne Spesen beim Servioe Immooilier de la „SUISSE ACTUELLE" GENF 6. rue Petitot *flni*chen »lele »ermfisrlichp Damen, reiche Ausländerinnen, riete Elnhetratnn ;en Herren a ohne Ver -nrigen. Auskunft sofort Stabrey. Bertin 113. Stol pischefitraase 48. nur lose aufgelegt. So konnte der Sturm, wenn er mit vieler Wucht an einer Stelle ansetzte, einfach ein paar Laden an dieser Stelle abwerfen, die Brücke aber blieb stehen. Waren das nicht grundgescheite Baumeister? • Die Herzöge hatten die Brücke natürlich gebaut wegen ihrer eigenen Interessen. Sie schufen dadurch eine treffliche Verbindung ihrer Güter beidseits des Sees. Aber der Hauptverkehr, der über diese Brücke ging, war natürlich der Pilgerverkehr. Für die armen «bilgri» war die Brücke eine sehr grosse Erleichterung. Aber was taten sie, wenn der Föhnsturm sie mitten auf der kilometerlangen Brücke überfiel? Sie legten sich einfach der Länge nach nieder und warteten in dieser etwas unbequemen Lage, bis ein Schiff sie ins Städtchen Rapperswil zurückholte. Den Zürchern war die Brücke ein Dorn im Auge. Lange Zwistigkeiten zwischen den beiden Städten führten dazu, dass die Zürcher 1409 einfach einen Teil der Brücke in den See warfen. Ueberhaupt musste die Brücke immer leiden, wenn man etwas gegen Rapperswil im Schilde führte. Entweder «warf man sie ab», oder man verbrannte sie gar an der Hurdener Seite. Rapperswil liess es aber auch nicht fehlen an der Verteidigung seiner kostbaren Brücke. Einen Schutz bildeten schon die Schwirren und Fache der Fischer (eigenartige Holzgerüste im See, zum Fischen eingerichtet; man sieht sie heute noch in ähnlicher Weise im Untersee), die neben der Brücke eingerichtet waren. Diese sperrten die Zufahrt. Und die Stadt schlug im Verteidigungsinteresse auf eigene Kosten noch 1 stärkere Pfähle in diese Schwirren. Daneben dienten aber sechs Flösse (im 17. Jahrhundert) zur Verteidigung der Brücke. Zwei Flösse waren in Rapperswil stationiert, viere lagen am jenseitigen Ufer m Lachen. In Rapperswil diente überdies eine besondere Schanze, die «Sternen^ schanz», zur Verteidigung der Brücke. So war es möglich, dass sich um den Besitz der Brücke eine regelrechte «Seeschlacht» entwickeln konnte. Die schweizerischen Bilderchroniken, ich glaube Schodoler, überliefern uns Bilder von solchen Schlachten, wo die Rapperswiler mit ihren : Flössen hantierten. Item, die Rapperswiler behüteten ihre köstliche Seebrücke bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dann aber kam die Eisenbahn. Die wollte und konnte nichts mehr mit der altehrwürdigen Brücke anfangen. Und auch die stolzen Schlachtflösse konnten der Brücke nicht mehr beistehen. So fiel sie im Jahre 1878, und an ihrer Stelle wurde der Damm quer über den See gezogen. Nun hatte neben der Eisenbahn gar noch eine Fahrstrasse Platz. Aber das mit der Dauer? Die Brücke stand fünfhundertundzwanzig Jahre hintereinander. Aber über den Damm, resp. dessen Strasse, reklamiert man schon heute nach fünfzig Jahren. Und. wohl nicht gerade mit Unrecht. Gesichtspunkten, event. von 3—4 Routen zur Aus- wäre ich sehr verbunden. Eine besondere T. F. 266. Rivlera-Barcelona. Ich habe die Ab-wahlsicht, eine Tour an die französische Riviera, event. Rolle spielt die Auskunft über dio Güte der Strassen. da ich schon im einen oder anderen Lande bis Barcelona zu machen. Zeitdauer ca. 3 Wochen, Ausgangspunkt: Luzern. Welche Autokarten kön- in dieser Beziehung hereingefallen bin. R, G, in, B. nen Sio mir empfehlen und können Sie mir einen Vorschlag machen, wie diese Tour am besten ausgeführt wird? A, B. in L. T. F. 267. Süd-Spanien. Wer kann mir einige Winke geben für eine Autotour von Appenzell nach Süd-Spanien? Welche Route wähle ich am besten, welches sind in Spanien die besuohenswertesten Punkte und reichen 334 Wochen für die ganzu Reise, um ohne Hast das Interessanteste zu besuchen? Ist in allen grösseren Ortschaften Benzia und Mobil-Oel erhältlich (Preis per Liter?), so da?s man auf eine Reservekanne verzichten kann? Welche Strasse von Valencia nach Granada, Sevilla, T. A. 265. Thüringen oder Riviera. Für Ibro Osterfahrt möchte ich Ihnen eher zu einer Tour an Cordoba, Toledo, Madrid soll man wählen, um dem dio Riviera raten und zwar können Sie dazu gerade diejenige Route benützen, die wir in Touring besten der Strassenzüge folgen zu können und wuiche Strasse ist besser, Madrid, Zaragoza, Barcelona Antwort 264 (in No. 16, A-R.) beantwortet haben; oder Madrid, Burgos, San Sebastian? nur käme dann für die Rückreise event die Fahrt auf italienischem Gebiet und der italienischen Riviera entlang, über San Remo, Imperia, Savona, T. F. 268. Hamburg. Ich bitte Sie, mir die bes'a Dr. v. S. in A Genua in Frage, von hier über Novi Ligure, Pavia Strasse von Solothum nach Hamburg anzugeben. nach Mailand und auf der Autostrada nach Como, H. R. in S. Ghiässo, Lugano und über den Monte Goneri nach T. F. 269. Brüssel. Ich beabsichtige, am 23. Mära Bellinzona und Airolo, wo Sie dann bis nach Göschenen verladen müssten. Weiterfahrt nach Alt- Bern—Brüssel nach dem Grundsatz grössten Zeit- mit dem Auto nach Brüssel zu reisen und den We? dorf. Flüelen, durch die Axenstrass©,, -Brunnen, gewinnes zu wählen, während, der Rückweg statt 2 Ärth-Goldau. Zug nach" .Zürich. 3 Fahrtage beanspruchen darf, event., sogar 4, Für die Kosten des Bahntransportes durch den und daher auf das Malerische eingestellt sein kann. Gotthardtunnel erkundigen Sie sich am besten bei Ich fahre seit 17 Jahren und lege oft grössere einer Station der S. B. B., die Ihnen weitgehendste Strecken zurück, z. B. Paris—Bern in einem, Berlin—Bern in 2 Fahrtagen. .Auskunft erteilen wird. P. L. in K. Für freundliche Mitteilung betreffend günstige Routen für den Hin- und Rückweg nach obigen Ein radikales Mittel. __ Medizinische Kreise regen in letzter Zeit wiederum an, solchen Gefangenen, die, um ihre Ueberführung in ein Krankenhaus zu erzwingen, die Nahrungsaufnahme verweigern, leichte Insulin-Injektionert zu geben. Schon ein kleines Quantum dieses Stoffes genügt, um derartigen Heisshunger hervorzurufen, dass die Nahrungsverweigerung zur tatsächlichen Unmöglichkeit wird. Vervielfältigungen, G.Schwebel-Opitz Rennweg O", Zürich! Telephon Selnau 53.92 Heirat BESITZER! Touren-Antworten Touren-Fragen Bunte Chronik aus aller Welt Angriff gegen die schlanke Linie. Der amerikanische Theaterdirektor Charles Cochrän hat sich für «rundlichere Tänzerinnen» eingesetzt. Er erklärte, dass stärkere Frauen ebensogut tanzen wie die mageren und mehr Ausdauer haben als diese. Nach seiner Ansicht müssen Frauen dem von Ro- Preisliste Nr. 51 mit Abb. gr. u. versohl, an Eheleut«. P. Hübscher, Gummiwaren, Zürich, Löwenstrasse 68 (Spezialgeschäft seit 1908) setti geschaffenen Typus gleichen, und er ist überzeugt, dass die Männerwelt auf seiner Seite sein wird. «Wir alle haben den skelettartigen, mageren Frauentypus bestimmt satt», waren Cochrans abschliessende Worte. Die vorsichtigen Infantinnen. Während der letzten Aufstandsbewegung in Spanien sollte die Infantin Isabella; älteste Tochter der Königin Isabella, einem Konzert beiwohnen, liess aber sagen, dass sie nicht kommen würde. Als der Konzertdirektor telephonierte, um zu erfahren, ob die Prinzessin krank wäre, weil ihre Abwesenheit grosses Aufsehen erregen würde, gab sio ihm zur Antwort: «Ich würde gern kommen, aber ich erinnere mich an einen Rat, den mir Gegründet 1848 o , ^uniep Hao CM-r-rr-rr