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E_1929_Zeitung_Nr.022

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 15. März 1929 Dritte Salon-Nummer Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 22 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: EndMint laden Dienstag and Pnltat Monatlich „Gelbe UiM» HtibtthrHeD Ft. 5.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland ontar f>ortozn*ebtaf, ADMINISTRATION: BreitenraJnstrasse 97, Ben» Mten nicht postamtlicb bestellt Zusehlag für pastamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Posteheck-Reehnung llf 414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern lElro • (Von unserem Sonderberichterstatter.) Genf, den 15. März 1929. Die Zeremonie. Ist es schon ein Jahr her, dass wir im Dunkel der Halle des Bahnhofs Cornavin gestanden und auf die Ankunft der Ehrengäste gewartet haben? An der Wiederkehr grosser Tage misst sich die Hast der Zeit. Wieder schlendert das Empfangskomitee ruhelos den Perron ab — wir erkennen Herrn Goy, den Vizepräsidenten des Organisationskomitees und Herrn Maurice Duval — wieder ist. Lärm und Erwartung um uns. Der Zug trifft um 1.43 Uhr ein, 9 Minuten früher als letztes Jahr (ein boshafter Gedanke: ist dieser Zeitgewinn dem Wettstreit mit dem Auto zu verdanken?) Herr Bundesrat Schulthess entsteigt dem Wagen. Man lässt also den Bundesrat wieder vertreten an einer der grössten Ausstellungen des Landes! Oh — man wird sich erinnern, der letzte Salon wurde ohne Beisein der höchsten Landesregierung eröffnet! Es war furchtbar viel darüber .geschrieben worden und man war furchtbar wenig überzeugt .... Vier Limousinen bringen die Ehrengäste, Vertreter der Räte und Stände, der Armee usw., durch die breite Rue du Montblanc ins des Bergues, wo sich das Händeschütteln, überBer^ich auf der einen Seite, devot auf der•ai^era, wiederholt ""• • •••- - ' Das Bankett ist in die Formen der Tradition gegossen, 200 Gedecke, keines mehr und keines weniger' als das letzte Jahr, die gleichen Blumen zwischen dem Kristall und Silber, die mit der Befriedigung des Magens wachsende Tischunterhaltung . . . Lob der genferischen Küche und der Weine. Dann zeigt der Zeiger die Stunde der offiziellen Ansprachen an und es ist Herr Marchand, der Präsident des Organisationskomitees, der sich zur Linken vom' ehrenpräsidierenden Herrn Bundesrat Schulthess- erhebt und in wohlgesetzten Worten begrüsst und würdigt, dann ist es der Chef unseres Volkswirtschaftsdepartementes selbst, schliesslich Monsieur Boissonnas, im Namen der Republik und des Kantons Genf. Rede von Herrn Robert Marchand. Sehr geehrte Herren! Im Namen des Organisationskomitees des Genfer Salons spreche ich Ihnen den Dank aus für die Ehre, die Sie uns durch Ihre Anwesenheit bei der Eröffnung der 6. Ausstellung zuteil werden lassen. Ihre Anwesenheit in Genf, Herr Bundesrat, bietet uns Gelegenheit, Ihnen einmal mehr für das hohe Patronat zu danken, welches der hohe Bundesrat unserer Organisation zuteil werden lässt. Wir danken Ihnen speziell für das grosse Interesse, mit welchem Sie als Ghef des Volkswirtschaftsdepartements die Anstrengungen aller derjenigen verfolgen, welche die ökonomische Grundlage unseres lieben Landes zu verbessern trachten. Dank auch Ihnen, den Herren Präsidenten und Vizepräsidenten der eidgenössischen Räte, die trotz der gegenwärtigen Session durch Ihre Anwesenheit die Sympathie unserer obersten legislativen Behörden bekunden. Unser Organisationskomitee, aus 25 Mitgliedern bestehend, hatte dieses Jahr eine ganz besonders schwere Aufgabe zu erfüllen, indem trotz der weiten Räume des Ausstellungspalastes die Zahl der Aussteller und das verlangte Terrain so gross wurde, dass wir uns zu einer Zweiteilung des Salons gezwungen sahen. Es konnte sich nicht darum handeln, neue Gebäude aufzustellen, die trotz ho- Das Feuilleton musste aus Raummangel auf die Samstagnummer verschoben werden. ULXl£|"St£t£J- her Kosten den Ausstellern keine Befriedigung geboten hätten. Uebrigens wäre es infolge des strengen Winters ganz unmöglich gewesen, die Arbeiten zurzeit rechtzeitig fertigzustellen. So hat das Organisationskomitee die delikate Situation genau studiert und im Einverständnis mit den verschiedenen Ausstellergruppen das Prinzip der zAvei Serien beschlossen. Wir danken an dieser Stelle speziell dem Komitee der Exposition d'Avions de Sport et de Tourisme, das uns mit grossein Verständnis und mit bestemWillen entgegengekommen ist und die eigenen Interessen mit denjenigen des Automobilsalons zu verbinden verstand. Auf das gleiche-Verständnis sind wir bei den Ausstellern der Schwergewichte und Karosserien gestossen. -'• , • Die Kosten der ersten Etappe des Ausstellungssalons erheben sich auf. 2V* Millionen Franken, welche zu 15 Prozent durch Gemeinde und Staat und zu 85 Prozent durch die Privat-Initiative gedeckt wurden. Diese beträchtliche Anstrengung der ganzen Genfer Finanz-weit, des Handels und privater Donatoren zeigt am besten den Willen der'ganzen Genfer Bevölkerung, aus der Krise herauszukommen, welche noch zu Beginn des Genfer Salons herrschte. Erst jüngsthin hat die Eidgenossenschaft dem Palais eine Subvention von Fr. 25,000 gesprochen, eine Summe, welche ungefähr den Stempelsteuern entspricht, welche die Gesellschaft des Palais zu bezahlen hatte. Im Namen des Komitees des Ausstellungspalastes, sowie im Namen des Salons und der ganzen Genier Bevölkerung, danke ich Herrn Bundesrat Schulthess, dass er diese Summe in sein Budget aufgenommen hat. Die Aufgabe des Salons vom Gesichtspunkte des Konstrukteurs aus besteht darin, die Verkaufgelegenheiten zu organisieren und das grosse Publikum für seine Produkte zu interessieren. Früher war der Salon von Paris, welcher auch heute noch tonangebend ist, wenigstens für die Touristenwagen das Rendezvous der Agenten, welche hier mit den Konstrukteuren die neuen Verträge abschlössen. Seit ein paar Jahren haben jedoch die Fabriken die Gewohnheit angenommen, schon ein oder zwei Monate vor der Eröffnung des Salons ihre neuen Verträge zu tätigen. Aus dieser Tatsache heraus lässt sich schliessen, dass der Salon je länger je mehr zur eigentlichen Verkaufsgelegenheit wird. Die Salons von Paris und London haben seit mehreren Jahren das System der beiden Serien angenommen, Brüssel und Kopenhagen gehen dieses Jahr ebenfalls zu diesem System über, so dass man überall die gleiche Entwicklung vom einteiligen zum zweiteiligen Salon konstatieren kann. Alle Ausstellungen tendieren dahin, die eigentlichen Touristenwagen von den Schwergewichten und Motorrädern zu trennen, sofern nicht eine grosse 1XX Beteiligung ebenfalls zur Trennung der beiden letztern führt, wie dies in Paris der Fall ist. Ueberall, wo. sehr verschiedene Interessen sich geltend machen, wie dies auch bei einer Ausstellung der Fall ist, geht es ohne Opfer nicht ab. Jeder hat, soweit als möglich, eigene Interessen mit allgemeinen Interessen in Einklang zu bringen. Unserer ersten Aussteller-Serie ist ein voller Erfolg beschieden. Die gegenwärtige Ausstellung umfasst 78 verschiedene Wagenmarken, aus neun Ländern stammend, 10 Karosserie-Marken, alles Schweizerfabrikate, und mehr als 100 Aussteller von Zubehörartikeln. Die zweite Serie wird der ersten in nichts nachstehen, dank der verschiedenen Gruppen Ehrengäste des Salon. Bundesrat Schulthess, Chef des Volfcswirtschattsdepartements. J. Boissonnas, Präsident des Genfer Regierungsratos (links). Regierungsrat Naof, Chef des geniorfechen Wirtschaf tsdepartements (rechts). INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm höh» Grundzeit odei deren Raum 45 CU. Ittr die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU Grossen Inserate nach SeitentariL lateralensehhus 4 Tarn» vor Erscheinen der betreffenden Hamm» Genf Wirtschaft und dringt von Tag zu Tag tiefer in die hohen Alpentäler ein. Besitzen wir heute in der Schweiz nicht mehr als 105,000 Motorfahrzeuge? Die Statistiken zeigen uns, dass gegenwärtig auf 37 Personen ein Motorfahrzeug entfällt. Genf, die Wiege aller neuen Sportarten und ganz speziell des Automobils, nimmt in dieser Beziehung den ersten Platz ein, entfällt doch ein Motorfahrzeug auf 16 Personen. Ziehen wir nur die Automobile in Betracht, so trifft ia der Schweiz auf 60 Einwohner, in Genf auf 21 Einwohner ein Automobil. Allein schon die täglichen Dienste, welche das Automobil der ganzen Bevölkerung, erweist, sollten endlich auch dem blindesten Gegner die Augen öffnen. Denken wir auch an die finanzielle Seite. Immer wieder wird behauptet, dass das Automobil den Kantonen zum Unterhalt des Strassenwesens beständig grössere Lasten auferlege. Dagegen ist zu konstatieren, dass in den Jahren 1925 und 1926 die Kantone insgesamt 101 Millionen Fr., in den Jahren 1927 und 1928 99 und 97 Millionen Franken für den Unterhalt der Stras* sen ausgaben. Die Ausgaben haben sich demnach stabilisiert, währenddem die Einnahmen und Zweige, welche sich zur Ausstellung gemeldet haben. Neben den Schwergewichten, in denen sich die Schweiz einen Weltruf zu sichern wusste, neben den Motorrädern, wo unsere nationalen Marken ganz besonders hervorleuchten, neben den Traktoren und einer ganzen Menge anderer Maschinen, werden wir die Sport- und Touristenflugzeuge bemerken, die immer wieder neue Bewunderung hervorzuloeken wissen. Auf dem Gebiete unseres Flugwesens zeigen die Konstrukteure dem grossen Publikum, mit welcher Leichtigkeit in Zukunft jedermann die Lüfte zu bezwingen vermögen wird. So sind wir imstande, dank unseres guten Einvernehmens mit dem Komitee der Exposition d'Avions de Sport et de Tourisme dem Artikel 3 des Reglementes das Wort « Flugwesen » beizufügen, welches die Ziele, die wir verfolgen, noch näher präzisiert. Der erste Teil des Artikels 3 unseres Reglementes betrifft die Konstrukteure, währenddem der zweite Teil die Aufgabe festlegt, das Automobil in der Schweiz zu verbreiten und den internationalen Automobiltourismus und Automobilsport zu entwickeln. Der Artikel umschreibt derart die Aufgabe, an welcher wir gemeinsam mit unsern grossen Automobilverbänden nach besten Kräften arbeiten. Ohne Zweifel hat der Genfer Salon in grösstem Ausmasse zur Popularisierung des schweizerischen Automobilismus beigetragen, der in dem Augenblicke nicht mehr länger als ein Objekt der Verfolgung behandelt werden darf, da er nicht nur die Stadt, sondern auch die Landschaft zu erobern beginnt. Das Automobil steht heute auch im Dienste der Landaus den Automobilgebuhren noch in fortwährendem Steigen begriffen sind. Nach einer kürzlich in der «Automobil-Revue» veröffentlichten Statistik haben sich die kantonalen Steuern der Automobilisten im Jahre 1928 auf mehr als 17 Millionen Franken erhoben, wälirnddem sie 1919 erst 900,000 Fr. und 1921 5'A' Millionen Franken erreichten. Daneben haben die Kantone von der Eidgenossenschaft im Jahre 1928 6% Millionen Franken aus dem Benzinzoll eingestrichen, zusammen also können sie eine Einnahme von 23X- Millionen Fr. verzeichnen. Die Eidgenossenschaft selbst, welche ja keine Strassen unterhält, hat im Jahre 1928 insgesamt 52'A Millionen Franken aus Benzin- und Automobilzöllen erhoben. Ihr bleiben nach Abzug der 6% Millionen Franken 46 Millionen, wobei die Zölle als Zubehörartikel usw. nicht einbegriffen sind. Aber damit ist die wohltätige Rolle des Automobils noch nicht vollständig umschrieben; es kommt hinzu der mächtige Aufschwung des Automobiltourismus, daraus hervorgehend, dass im Jahre 1928 mehr als 100,000 fremde Automobile in die Schweiz eingereist sind, währenddem ihre Zahl 1920 erst 3389 betrug. Erst vor einigen Tagen bestätigte mir ein Freund der Statistik, dass das Automobil in der Schweiz einer grössern Zahl Personen den Unterhalt gewähre als die Eisenbahnen. Genauere Zahlen hierüber wären jedenfalls sehr interessant. Aber warum sollen wir die Schiene und die Strasse zueinander in Opposition stellen? Weisen die Anstrengungen des Automobils und der Bahnen nicht auf das