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E_1929_Zeitung_Nr.014

E_1929_Zeitung_Nr.014

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN. Dienstag 19. Februar 1929. Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABOMNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dienstag und Freitag Monatlich -Gelbe Llstt" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlac, Mtern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliebe Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenralnstrasse 97. Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autoravue, Bern Fragen des Tages Aus dem Nidwaldner Landrat. Auch der Nidwaldner Landrat beschäftigt sich mit einer neuen Verordnung über den Automobil- und Fahrradverkehri hat sich doch das Automobil auch im kleinen Kanton Nidwaiden in sehr rascher Zeit die Strasse erobert. Da das nidwaldnische Strassennetz jedoch den modernen Anforderungen nicht entspricht, soll der Landsgemeinde ein Antrag vorgelegt werden, wonach für den ordentlichen Unterhalt der Landstrassen und für ausserordentliche Strassen-Verbesserungen durch den dem Kanton zugewiesenen Benzinzollertrag, den Autotaxen und einem weiteren Betrag aus der Staatskasse jährlich Fr. 80,000 aufzubringen wären. Der Antrag einer Minderheit geht dahin, den Strassenumbau rascher durchzuführen und zu diesem Zwecke eine Anleihe von Fr. 60 000 aufzunehmen, die in zehn Jahren amortisiert werden könnte. Aus allem geht hervor, dass man auch im Kanton Nidwaiden die Hände nicht in den Schoss legen will, sondern dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich das erfreuliche Bestreben geltend macht, nicht hinter andern Kantonen zurückzustehen. In schwieriger Lage. Vor ca. zwei Jahren erhöhte man im Bundeshaus die Zollansätze auf Automobile, Bestandteile etc. Von verschiedenen Kreisen wurde damals darauf aufmerksam gemacht, dass Amerika, das durch diese Massnahme am meisten berührt werde und das die Erhöhung besonders auf die Automobile schwer empfinden müsse, wohl sehr gut Repressalien ergreifen könnte, indem es auf schweizerische Produkte, ganz besonders auf Uhren und Käse, ebenfalls erhöhte Zölle legen würde. F E U I L L E T O N Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (18. Fortsetzung) Es war am Nachmittags des gleichen Tages, als der Diener Hendersons einen Besucher meldete, der seinen Namen nicht nennen wollte und sich nicht abweisen Hess. William Henderson war nicht in der Stimmung, Unbekannte oder Unerwünschte zu empfangen, und so gab er Befehl, den Fremden nicht vorzulassen. Der Diener war kaum verschwunden, als mit einem heftigen Wortwechsel der Fremde auf der Schwelle des Zimmers erschien und den Diener unsanft in den Vorraum zurückstiess. Henderson fuhr erregt von seinem Sitze auf: «Wer«sind Sie — was wollen...» Da hatte sich der Ankömmling umgedreht und... «Etienne, Sie — was wollen Sie hier?» rief in massloser Ueberraschung Henderson. «Ich habe mit Ihnen zu reden, Mr. Henderson, die Sache duldet keinen Aufschub, und so habe ich Sie aufgesucht, ohne Rücksicht auf meine Sicherheit.» «Sie riskieren viel, Etienne,» versetzte Henderson und konnte ein Schwanken in iseiner Stimme nicht überwinden. «Sie werden gesucht, das wissen Sie — aber auch mir droht — äusserste Gefahr — ich erhielt heute mittag den Besuch des Untersuchung führenden Richters, der sich in unmissverständlichen Andeutungen erging. Man ahnt die Zusammenhänge zwischen uns und ist Es scheint, dass diese Prophezeiung nun in Erfüllung gehen soll. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hat die Nachricht eingeschlagen, dass Amerika gewillt sei, die Uhrenzölle auf schweizerische Produkte um 3—400 Prozent zu erhöhen. Letzte Woche hat Herr Bundesrat Schulthess mit den interessierten Kreisen aus der Uhrenindustrie getagt und, wie wir vernehmen, ist die Frage diskutiert worden, ob nicht unsererseits mit einer Erhöhung der Einfuhrzölle auf amerikanischen Automobilen zu antworten wäre. Der Schritt wäre unserer Auffassung nach ein wenig riskant, denn das grössere Amerika wird nicht nachgeben und als ein Land, das sich sehr wohl selbst zu erhalten welss, indem ihm alle nötigen Bodenschätze zur Verfügung stehen, den Kampf mit der kleinen Schweiz nicht zu fürchten braucht. Mit dem Aufrichten hoher Zollmauern ist es eben nicht getan. Besonders wenn man so klein ist, dass man innert kürzester Frist nicht mehr darüber hinaus zu schauen vermag. Wir zweifeln nicht daran, dass die Frage gründlich und nach allen Seiten geprüft werdet wird, so dass man beidseitig zu einer Verständigung gelangen kann. Bedenklich! In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar gedachte eine Gesellschaft aus Bern, die ihre gemütliche Zusammenkunft in Worb abhielt, zwischen 2 u.3 Uhr morgens per Gesellschaftswagen nach Bern zurückfahren. Die Teilnehmer der Gesellschaft hätten auf bequeme Art damit ihren Penaten zugeführt werden und dem Inhaber des Gesellschaftswagens hätte ein Verdienst zugehalten werden können. Allein, die Herren hatten nicht mit der bernischen Polizeidirektion gerechnet. Bekanntlich haben wir im Kanton Bern ein Automobildekret, das unter anderm auch die Bestimmung enthält, dass Gesellschaftswagenbesitzer für Nachtfahrten eine besondere Bewilligung bei der Polizeidirektion einzuholen haben. Man hat uns kürzlich zuständigen Orts mitgeteilt, dass diese Bestimmung auf das largeste gehandhabt werden solle. Allein die bernische Polizeidirektion steht mit ziemlich gebundenen Händen da. Die Eisenbahndirektion des Kantons Bern breitet bekanntlich ihre schützenden Flügel über ihre Ueberlandbähnchen aus. Von Zeit zu Zeit fliegen dabei, hinter die Kulissen unseres Konkurrenzkampfes mit World zu schauen. Man scheint auch bereits über die Person des «ColoneJ Miller» orientiert zu sein, auch über das Zustandekommen unseres Weltrekordes. Wie Sie sehen, haben Sie allen Grund, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Das ist in unserem beiderseitigen Interesse dringend notwendig, Etienne!» Im Stillen sagte er sich, dass der verhaftete Etienne bei dem Verhör Dinge ausplaudern würde, die beiden das Genick brechen konnten. Und er kam zu dem Entschluss, Etienne mit allen Mitteln zu veranlassen, sich für die Polizei unauffindbar zu machen — koste es, was es wolle! Und so sagte er denn mit jagender Stimme: «Sie müssen fort, Etienne, jetzt, sofort, ausser Landes. Sie brauchen Geld — hier nehmen Sie rasch diese beiden Päckchen — benutzen Sie den hinteren Ausgang — Charles mag Sie hinausgeleiten!» Er wollte nach dem Klingenknopf greifen, um den Diener zu benachrichtigen. Doch Anatole Etienne schüttelte abwehrend den Kopf. «Nein, Mr. Henderson, vorläufig werde ich nicht verschwinden — nicht eher, als bis ich das Geschäft besorgt habe, dass ich vorhabe!» «Mann, Sie bringen sich und uns alle in grösste Gefahr,» brauste Henderson auf und konnte seine Angst kaum noch verbergen, «hier, nehmen Sie noch mehr Geld — bloss gehen Sie.- gehen Sie augenblicklich 1 » «Nicht eher, als bis die Sache erledigt ist, Mr. Henderson!» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaitene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; tür Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. GrOssere Inserate nach SeitentariC. iBseratensehht» 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer der Polizeidirektion Erlasse zu, die es ihr zukommen. Die italienischen Polizeibehörden immer wieder nahelegen, überall da, wo Eisenbahnverbindungen bestehen, den Ver-senheit dieser fliegenden Polizeiposten auf glauben, dass schon durch die blosse Anwedienst der Autogesellschaftswagen-Besitzer den grossen Verkehrsadern die Verkehrsabwicklung eine viel bessere, die Verkehrs- abzuwürgen. Und so erhielt auch der Gesuchsteller für die erwähnte Fahrt die Bewilligung nicht, mit der Begründung, die sein werdedisziplin der Fahrer eine erheblich höhere Bern-Worbbahn könne ja der Gesellschaft Bei der Rekrutierung dieser neuen italienischen Verkehrspolizisten sind nur qualitativ einen Extrazug zur Verfügung stellen. So weit sind wir also im Kanton Bern, sehr gute Leute ausgezogen worden. Jeder dass der freie Bürger sein Fahrzeug nicht mehr selber wählen darf, sondern coüte que coüte mit Leib und Seele der Eisenbahn verschrieben wird. Die Zustände mahnen schon lange zum Aufsehen, die Eisenbahnen massen sich ein Monopol an, das ihnen nicht zusteht, und in der Regierung wird sich ein Recht auserkoren, das kühn über die elementarsten Grundsätze unserer Verfassung hinwegschreitet. Sintemal wir nach Gesetz und Recht doch freie Bürger sind. Die kleine Diktatur im Kanton Bern könnte jedoch jählings auch ein Ende haben, denn die brutalen Verfügungen lässt sich unser Volk je länger je weniger gefallen. K. Italienische Verkehrspolizei. Die im Jahre 1928 beschlossene Schaffung einer italienischen Strassenverkehrspolizei ist nun im Monat Januar verwirklicht worden, indem dieselbe mit dem 15. Januar 1929 bereits ihre Tätigkeit aufgenommen hat. So sind nun beispielsweise in Turin 21 solcher Verkehrspolizisten stationiert, detiert fünf Automobile zur Verfügung stehen, mit denen sie ihre täglichen Kontrollfahrten ausführen. Und zwar erstreckt .sich ihr Dienst vorläufig auf die grossen Durchgangsstrassen, dann auch auf die wichtigeren Provinzstrassen. Durch ihre blaue Farbe sind sie den Strassenbenützem besonders erkenntlich gemacht, zudem tragen sie noch ein besonderes Abzeichen in Gold, bestehend aus dem faszistischen Liktorenbündel und einer Hacke, sowie einem Löwen und den Buchstaben A. A. S. S. Man will also erfreulicherweise mit diesen fliegenden Polizeiposten in Italien keine geheimen Kontrollen schaffen, sondern es sollen die Polizeimannschaften durch ihren Wagen sofort erkennbar sein und soll so ihrer Tätigkeit ein verkehrsverbessernder, nicht nach Bussen ausgehender Charakter «Sie müssen verschwinden, Etienne, ich bitte Sie, ich beschwöre Sie!» «Nein!» Wie splitterndes Glas klang seine Stimme. «Hören Sie, Mr. Henderson, der Rekord gehört mir, mir ganz allein, und ich werde dafür sorgen, dase er mir auch weiter gehört!» Fiebernd glänzten seine Augen und seiner Sinne kaum mächtig, umspannte er den Arm Hendeisons, der dem von seiner fixen Idee Beherrschten nicht zu widersprechen wagte. «Sagreve hat seinen neuen Wagen fertig,» stiess Etienne mit keuchendem Atem hervor, «ich habe ihn in Fahrt gesehen, er könnte die 333 Kilometer erreichen, ja sogar überschreiten ; ich weiss, ich fühl' das und — werde das zu verhindern wissen! Mein Plan steht fest. Und ich brauche Geld zu seiner Durchführung — meinen Kameraden habe ich nur dadurch zur Teilnahme an dem Unternehmen bestimmen können. Und hier liegt das Geld, Mr. Henderson, ich wollte es von Ihnen fordern, Mr. Henderson, und nun geben Sie es mir ohne Forderung!» Mit einem rauhen Auflachen hatte Etienne die Banknotenpakete ergriffen und in die Taschen gesteckt, ehe ihn Henderson daran hindern konnte. «Ich bitte Sie, Etienne, begehen Sie keine Unbesonnenheiten,» flehte Henderson. Etienne trat einen Schritt zurück. Kühl und beherrscht klang seine Stimme: «Ueberlassen Sie das mir, Mr. Henderson — Sie werden bald von mir hören! Good bye!»— Nach Stunden hatte sich William Henderson soweit gefasst, dass er Anweisung geben konnte, die Koffer zu packen. — Der Haftbefehl, der am folgenden Tage auf fliegende Polizeiposten besteht aus einem bewährten Autofahrer, einem Chef des Piketts und einem weiteren Polizisten. Jeden Morgen erhält der Equipenchef genaue Weisungen für die auszuführenden Fahrten mit einem vorgeschriebenen Itinerar, das zu absolvieren ist. Der Dienst selbst ist ein permanenter, d. h. er funktioniert sowohl tags wie nachts. Nach und nach sollen ausser den grossen Durchgangsstras/Sen und den wichtigeren Provinzialstrassen auch die übrigen Strassen und die Gemeindestrassen, je nach ihrer Verkehrswichtigkeit, in die Kontrolle mit einbezogen werden. Den Verkehrspolizisten kommt nur die Ueberwachung des Strassenverkehrs zu, irgendwelche andere Aufgaben der öffentlichen Sicherheit hat sie nicht zu erledigen. Sie hat vornehmlich darüber zu wachen, dass die Vorschriften des neuen italienischen Strassenn Verkehrsgesetzes genau eingehalten werden, wobei, wie bereits betont, ihre Tätigkeit in erster Linie eine vorbeugende, unfallverhütende sein soll und nicht eine strafanzeigende. Schon die blosse Anwesenheit dieser Verkehrspolizisten soll allen Strassenbenützern zu verstehen geben, dass eine polizen liehe Ueberwachung des Verkehrs auf allen wichtigeren Strassen heute in Italien vorhanden ist und dass daher jeder die verschiedenen Verkehrsvorschriften genau zu beobachten hat, die zum Schütze des öffentlichen Strassenverkehrs erlassen worden sind. Ist' einmal diese Ansicht bei den verschiedenen Kategorien von Strassenbenützern, speziell auch bei den Fussgängern durchgedrungen, so wird man durch Aussprechung von Bussen die alsdann noch Fehlbaren zur Raison brin-* gen. Ausserdem haben aber die italienischen Verkehrspolizisten besonders auch dem Strassenzustand ihre Aufmerksamkeit zu schenken und schadhafte Stellen sofort ihrem Kom- Grund ausreichender Verdachtsmomente gegen ihn erlassen wurde, erreichte ihn nicht mehr. Der Untersuchungsrichter beantragte sogleich Erlass eines Steckbriefes, welchem Antrag nach kurzer Prüfung auch stattgegeben wurde. Das Aufsehen, das diese Wendung der Henderson-Affäre in der Oeffentlichkeit fand, war ungeheuer. Der Absatz der Henderson- Wagen ging auf den Weltmärkten analog! dem Kurs der Henderson-Aktien an den Börsenplätzen rapide zurück. Die Henderson Motor - Car Company erlebte ihr Waterloo. — XV. In der zweiten Morgenstunde hatte der Wächter, der die Aufgabe hatte, die Halle in regelmässigen Kontrollgängen zu bewachen, ein halbes Dutzend mal seinen Rundgang beendet. Neben dem Eingang war die Steckuhr angebracht, die der Mann nach jeder Runde betätigte. Im Innern der Halle befand sich ein zweiter Wächter, der sein Lager neben dem Rekordwagen aufgeschlagen, nachdem er um die zwölfte Stunde seinen Kollegen abgelöst hatte. Am Haupteingang zu den World-Werken hielt die übliche Nachtwache der bewährte und gewissenhafte Smith, ein älterer Mann, der im Dienst der World - Company grau geworden war. Ein Ueberwachungsdienst der Wächter durch einen Kontrollbeamten war ausserdem vorgesehen. Es war also in jeder Hinsicht dafür gesorgt, dass niemand unbemerkt in die Werke eindringen konnte. In diesen Wochen des Baues und der Probefahrten des neuen Sagreve-Wagens war den Wächtern besondere Aufmerksamkeit an-