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E_1929_Zeitung_Nr.019

E_1929_Zeitung_Nr.019

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 8. März 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. -. N° 19 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden, niennag und Fraltaa Monatlich „Gelte Ulla« Halbjährlich Fr. 5.—, lährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •Dfern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für ppstamtlicbe Bestellung im ADMIMSTIIAT1ON: Breitenrainstrasse 97. Bern In- und Ausland 30 Ranpen. I'ostclieck-Rechnuna 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adre*u: Autorevue, Bern Vom Gestern und Heute... Zum Taxabbau der Privatbahnen. Ein Eisenbahnfachmann aus dem Kreise der Privatbahnen jammert. Das ist sein gutes Recht Er jammert im cBund» darüber, dass die schweizerischen Privatbahnen, vorweg die Normalspurbahnen, in mehr als einer Hinsicht in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu den Bundesbahnen stünden. Sie seien nicht nur auf Gedeih und Verderb mit der Tarifpolitik der S. B. B. verbunden, sondern auch fahrplanpolitisch, technisch, in Hinsicht auf die Arbeitszeitgesetzgebung und auch in Hinsicht auf die Personalkosten und die Sozialfürsorge. Gewicht hänge sich an Gewicht und drücke die so vielfach schwach fundierten Unternehmungen schwer hinab. Der Eisenbahnfachmann hat in dieser Beziehung wohl ganz recht. Er bestätigt, was wir schon dutzendmal geschrieben haben, dass durch die in die Bundesbahnen hineingetragene Politik die Privatbahnen am schwersten zu leiden hätten. Der Eisenbahnfachmann jammert aber natürlich auch über die Automobilkonkurrenz. Sie habe die Situation erheblich verschlimmert. Sie habe im Güterverkehr zu wesentlichen Konzessionen gezwungen und im Personenverkehr zu Einnahmeausfällen geführt. Deshalb sähen die Privatbahnen dem kommenden Taxabbau mit Besorgnis entgegen.. F E U I L L E T O N Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (23. Fortsetzune) Clifferton verfolgte das Fortschreiten der Arbeiten, soweit ihm hierzu seine äusserst beanspruchte Tätigkeit Zeit liess, mit begreiflichem Interesse. Seine Stellung hatte sich innerhalb der Verwaltung und Leitung der Werke, nach dem Ausscheiden seines alten Widersachers Shuman wesentlich gefestigt. Auch die verbliebenen Oppositionsmitglieder unter den Aktionären und in dem Aufsichtsrat übten Zurückhaltung, nachdem sie erkannt hatten, dass Clifferton unermüdlich und voller Energie eine steigende Rentabilität erstrebte und, begünstigt durch die Marktentwicklung, unverkennbare Erfolge erzielte. In einem Halbjahrszwischenbericht konnte der Generaldirektor für das laufende Das Jammern über die Automobilkonkurrenz wird dem guten Eisenbahnfachmann nicht viel nützen. Das Automobil kann nämlich nicht gegen die Pensions- und Hilfskasse zugunsten des Personals anfahren, es kann leider auch nicht den Arbeitszeit-Artikel abändern, es kann in die Besoldungs-Regulative nicht eingreifen, das sind alles interne Sachen der Bahnverwaltungen, mit denen diese selber fertig zu werden haben. Wir begreifen die Nöte der Privatbahnen, trotzdem auch sie in den letzten Monaten gar nicht so übe] abgeschlossen haben und ebenfalls vermehrte Betriebsüberschüsse zu verzeichnen hatten, sehr wohl. Das Automobil denkt über diese Nöte sehr gerecht. Es erheischt aber auch von den Bahnen ein gerechtes Urteil über seine Tätigkeit, und wenn der betreffende Eisenbahnfachmann von einer «Zurückführung der Vorrechte des Automobils auf ein vernünftiges Mass» spricht, so muss es diese Forderung mit alier Bestimmtheit ablehnen. Von einem Vorrecht des Automqbiis in dem Augenblicke, da dieses Verkehrsinstrument den Kantonen und der Eidgenossenschaft jährlich über 50 Millionen Franken zuführt, da dieses Automobil dem schweizerischen Fremdenverkehr die grössten Dienste leistet, zu sprechen, ist direkt absurd. Das Automobil besitzt keine Vorrechte, es begehrt so'che auch nicht, sondern es verlangt nur, dass man ihm seine verfassungsrechtliche Freiheit belasse und dass man ihm nicht das gleich enge Korsett zumute, in das man die Bahnen auf politischem Wege hineingepresst hat. Schaue jeder, wie er stehe, schaue- jeder, wie er's treibe, das gilt auch für die Bahnen. Was lebenskräftig ist, wird sich immer zu halten wissen, was nicht mehr den Lebensbedürfnissen entspricht, ist eben der Vergangenheit preisgegeben. Aber es wäre wirklich widersinnig, wollte man ein Verkehrsmittel, das wirtschaftlich arbeitet, nur deshalb zur Unwirtschaftlichkeit verdammen, weil das ältere Verkehrsmittel diese Wirtschaftlichkeit und Rentabilität nicht mehr aufzubringen vermag. • Wieder ein Schritt vorwärts. Am historischen Tage der Berner Geschichte, Dienstag, den 5. März 1929, da vor bald 150 Jahren die Franzosen ihre Kugeln in die Nydeckmauern pfefferten, ist in der Stadt Bern ein Kindlein aus der Taufe gehoben worden, dem eine grosse Zukunft be- lichkeiten öffnen sich der Zukunft. Die Schweiz als Binnenland, abgeschnürt von Meeren, eingeschnürt durch hohe Zollmauern, tut gut, den Anschluss an die neuen Verkehrswege nicht zu verpassen. Der Luftverkehr bedeutet für uns eine Befreiung von einengenden Fesseln. Schon von diesem Gesichtspunkte aus kommt der Bedeutung der neuen Flugplatzgenossenschaft erhöhtes Gewicht Ueber den Vor-zu. schieden zu sein scheint. namen konnte man sich noch nicht einigen. Das Geschlecht jedoch steht fest und lautet «Flugplatzgenossenschait Bern». Prominente Persönlichkeiten des Kantoms und der Gemeinde Bern, sowie der bernischen Handelsund Industriewelt, sind dem Kinde zu Gevatter gestanden und haben sich das Wort gegeben, sich auch fernerhin um das junge Wesen bekümmert zu zeigen. Die Flugplatzgenossenschaft Bern lebt. Sie hat sich in der Form eingehender Statuten ein gut sitzendes Kleid gegeben. Sie hat Eines Morgens beim Schichtwechsel wurde wieder von einem Revisionsingenieur das Fehlen eines komplizierten Getriebeteils aus dem nahezu fertigen Wagen festgestellt. Man stand vor einem Rätsel, und der Ueberwachungsdienst nahm, nach ausdrücklicher Anordnung des Generaldirektors eine gründliche Untersuchung der Belegschaft der Abteilung S vor, unter der man den Täter vermutete. Wieder ohne Erfolg. In einer Besprechung über die mysteriösen Vorkommnisse erinnerte Bob Sagreve an die guten Dienste, die Jonathan Stups dem Unternehmen geleistet hatte. Man kam überein, Stups auch diese Angelegenheit zu übertragen. Nach näherer Erkunigung erwies es sich jedoch, dass der Kommissar schon seit Wochen von Hause abwesend war. Seine Wirtin wusste Angaben über seinen derzeitigen Aufenthalt nicht zu machen. So lagen die Dinge, als ein Ereignis eintrat, das in seiner Furchtbarkeit weit über die Grenzen Grossbritanniens hinaus Aufsehen und Empörung erregte, und auch bei uns noch heute in frischer Erinnerung sein dürfte. Die «Daily Mail» berichtete darüber in ihrer Morgenausgabe vom 19. September 19....: Schwere Explosion in einer Abteilung der Ihren Vorstand bestellt und in diese leitende Behörde Männer aufgenommen, die uns alle Gewähr dafür bieten, dass das Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird. Ueber den Verlauf der Gründungsversammlung können sich unsere Leser im speziellen Versammlungsbericht unterrichten lassen. Die Gründung kommt für die Stadt Bern nicht mehr verfrüht. Wir wollen darob nicht klagen, es wäre nutzlos, sondern wir wollen uns darüber freuen, dass nach langem und dornenvollem Wege und durch die Unterstützung der bernischen Kantonalbehörde, des bernisehen Gemeinderates, des eidgenössischen Luftamtes, der eidgenössischen Post- und Zollbehörden, sowie der Zeichner von Anteilscheinen aus Handels- und Industriekreisen, endlich ein Werk geschaffen werden kann, das nicht nur für die Stadt Bern, sondern für die ganze Eidgenossenschaft von grösster Bedeutung sein wird, bezweckt doch die Gesellschaft nicht nur die Veranstaltung von Rund- und Alpenflügen, die Organisation und Durchführung eines gewerbsmässigen Luftverkehrs, sondern die Förderung des Luftverkehrs an und für sich und im besondern den Anschluss Berns und benachbarter Gebiete an die nationalen und internationalen Luftverkehrslinien. Wie aus dem Munde-von Gemeinderat Raaflaub zu hören war, sind denn auch bereits wichtige Verbindungen für den internationalen Touristenverkehr garantiert „. Di« Entwicklung des Flugzeügverkehrs isteht erst in den Anfängen. Ungeahnte Mög- Geschäftsjahr einen Ueberschuss in Aussicht stellen, was naturgemäss seine Position weiter begünstigte. Um diese Zeit setzten in den Werken der World-Motor-Car-Company Diebstähle ein, die auffallender Weise Teile und Ersatzteile des sich im Bau befindlichen Sagreve-Wa- Verbrecherische Dynamit-Explosion bei der World - Motor-Car-Company polizeilich World - Motor - Car - Company. Verbrecherischer Anschlag auf den neuen Sagreve- Zu dem heute morgen gemeldeten Explo- festgestellt ! gens betrafen. Offenkundig hatten sie den Zweck, die Fertigstellung des Rekordfahrzeugs zu verzögern. Die sofort einsetzende In der Abteilung S der World-Motor-Car- Motor-Car-Company erfahren wir, dass die Wagen. 5 Tote, 8 Schwerverletzte. sionsunglück in einer Abteilung der Worldscharfe Ueberwachung erreichte,' dass zunächst die Diebstähle aufhörten. Dagegen wagen (über dessen wechselvolle Schick- Yard durchgeführte Ermittlung zweifelsfrei Company, in der der neue Sagreve - Rekord- unter Leitung von Detektiven aus Scotland blieben die Nachforschungen nach dem oder sale wir unseren Lesern berichtet haben) ergeben hat, dass ein verbrecherischer Anschlag grössten Ausmasses vorliegt den Tätern ohne Erfolg. seiner Vollendung entgegenging, hat sich in Nach INSERTIONS-PREIS: Die aehtRespaltene 2 mm hohe Grundzeit ode» deno Raum 15 CU. (ur die Schweiz: für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grossen; Inserate nach SeiteutarK. taseratensenlu» 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer bernische Regierung sich nicht durch eines ihrer Mitglieder im Vorstande vertreten liess. Zum Schlüsse nur noch eines. Der Luftverkehr hängt tatsächlich in der Luft, wenn nicht das Automobil Hand in Hand mit ihm arbeiten kann. Das Automobil erweist sich auch im Luftverkehr als bestes Hilfsmittel, als geeignetstes Werkzeug des Zubringerdienstes. Ein Flugplatz ohne gute und zweckdienende Zufahrtsstrassen nützt wenig. Zum Flugplatz gehört die Automobilstrasse. Es wird deshalb für den Vorstand der Flugplatzgenossenschaft Bern eine der wichtigsten Aufgaben darin liegen, für diese sichern Zufahrtsstrassen besorgt zu sein. Aus diesem. Grunde begrüssen wir es auch, dass im Vorstande das Komitee für die Automobilstrasse Thun-Bern ihre Vertretung gefunden hat. Die beiden Fragen stehen im ursächlichen Zusammenhang. Sie ergänzen einander aufs wertvollste. Die Realisierung beider Projekte wird dem bernischen Touristenverkehr im gesamten zum grössten Segen gereichen. K. Die Organisation des Motorwagendienstes in unserer Armee. Nach einem Vortrag von Major C. Demmer, Chef des Motorwagendienstes der 6. Division, Dieser Dienst besteht bei uns hauptsächlich aus der Transportgruppe, während die Kampfgruppe mit ihren Panzerautos und Tanks, die auch in kupiertem Gelände ein Manöverieren gestatten, bei uns noch nicht ausgebaut ist, da die Anschaffungskosten solcher Kampfwagen enorm sind. Die Gründung des freiwilligen Automobilkorps fällt zurück ins Jahr 1909. Es umfasste damals 166 Personen- und 182 Lastwagen, deren Führer sich aus allen möglichen Gesellschaftskreisen und Waffengattungen rekrutierten. Diesem freiwilligen Wir wünschen der gegründeten Genossenschaft das Beste mit auf ihren Weg. Grosse doch war damit der Grundstein gelegt zu ei- Korps hafteten natürlich viele Mängel an, Arbeit ist bis heute geleistet worden, noch nem Dienstzweig, der während des Krieges grössere Arbeit bleibt zu verrichten, noch bei den umliegenden Staaten von grösster manche Schwierigkeiten werden zu überwinden sein. Grosszügigen Ideen werden sich 17. Oktober 1916 wurde dieses Korps der Wichtigkeit war. Mit einer Verordnung vom kleinliche Bedenken hindernd in den Wegkriegstechnischen Abteilung in Bern unterstellt und im Juni des darauffolgenden Jahres stellen. Dies alles wird die Männer, die sich an verantwortungsreiche Stelle wählen Hessen, von der Verfolgung des Zieles nicht ab- statt. Mit den inländischen leistungsfähigen fand in Luzern der erste Einführungskurs halten lassen. Zu bedauern bleibt, dass die Automobilfäbriken wurden Verträge über die der dritten Morgenstunde ein schweres Explosionsunglück zugetragen, das leider eine Anzahl Tote und Schwerverletzte gefordert hat. Aus bisher noch nicht völlig geklärter Ursache explodierte ein grosser, stationärer Schweissapparat, der sich eigenartiger Weise schon mehrere Tage ausser Betrieb befand und in der fraglichen Nacht wieder in Gebrauch genommen werden sollte. Es ist ausgeschlossen, dass bei der Inbetriebsetzung der Schweissanlage Bedienungsfehler vorgekommen sind, da der betreffende, ebenfalls tödlich verunglückte Arbeiter die Apparatur seit vielen Jahren unter sich hatte und stets den Betriebsvorschriften gewissenhaft nachgekommen war. Die Werksleitung ist der begründeten Ansicht, dass es sich erneut um einen verbrecherischen Anschlag auf den Sagreve - Wagen handle, der übrigens ducrh die Explosion ziemlich erheblich beschädigt wurde. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange und dürften bald Klarheit in die geheimnisvolle Angelegenheit bringen. In der Abendausgabe wusste die gleiche Korrespondenz zu melden: Untersuchung der explodierten Schweissanlage wurde festgestellt, dass die sogen. Wasservorlage mit einer starken Dynamitladung gefüllt war, die beim Zurücktreten der Schweissflamme zur Entladung kam. Ueber die Täter, die mit den Gepflogenheiten des Betriebes vertraut sein mussten und mit grösster Wahrscheinlichkeit unter den Arbeitern oder Angestellten der World-Company zu suchen sein werden, ist bisher noch nichts bekannt geworden. Die Untersuchungen dauern zur Stunde noch an. XX. Der Motor-Schoner «Mayflower» hatta Fracht von Barmouth nach Frisco übernommen. Die Deklaration lautete auf Oel und Leinsamen. Damit hatte es schon seine Richtigkeit, nur waren in der Nacht vor dem Auslaufen heimlich einige Gallonen feinster Genever und an die zwanzig Fässer französischer Rum geladen worden, für die sich drüben in den «trockenen» Staaten wohl sicher beste Verwendung ergab. Bei der Ausreise hatte sich noch etwas Merkwürdiges zugetragen, das der Mannschaft Stoff zu allerlei Mutmassung gab. Kaum hatte der Lotse den Schoner verlassen, gab Kapitän Murchison direkten Kurs auf und befahl die Küste in grossem Bogen wieder anzusteuern. In deren Sicht wurde Anket geworfen. Bald darauf verliessen der Steuermann, als Vertrauter des Kapitäns, und der Schiffsjunge die «Mayflower» auf dem Bei* boot und ruderten einem kleinen Fischerdorfa zu- (Fortsetzung iolgtj