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E_1929_Zeitung_Nr.027

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Samstag, 23. März 1929 Achte Salon-Nummer Nummer 20 Cte. 25. Jährgang. - N° 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Fnlta« .) Monatlich «Gelbe ttouf* Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breltenralnstrasse 97, Ben? In- und Ausland 30 Rappen. Postcheclt-Rechnuhg U1/414 Telephon Bollwerk 39.84 ' TMlacramm-Adtesse: Autorevue, Bern Der Genfer Automobilsalon, erster Serie, steht im Begriffe, seine Tore zu schliessen. In acht Salonnummern hat die Redaktion der «Automobil-Revue» versucht, ihre Leser über alles Wesentliche zu unterrichten. Wir können uns deshalb heute der Kürze befleis- •sen, möchten jedoch den Schluss des Salons nicht vorbeigehen lassen, ohne noch einmal zu dokumentieren, welch grosse Bedeutung unser Schweizer Automobilsalon nicht nur für unser volkswirtschaftliches Leben, sondern auch für die gesamte internationale Automobilindustrie gewonnen hat. Konnte auch die Besucherzahl infolge der Zweiteilung des Salons die letztjährige Rekordziffer nicht erreichen, so wäre es verfrüht, deswegen bereits heute schon ein abschliessendes Urteil zu fällen. Warten wir mit aller Ruhe den 5. Mai, d. h. den Abschluss der zweiten Serie des Salons ab. Heute jedoch sei bereits festgestellt, dass die Organisatoren mit dem erzielten Erfolge zufrieden sein dürfen. Die Organisation, die Ausstellung, die ausgestellten Marken, das Drum und Dran des Salon haben sich in bester Form gezeigt. Das ist unser Urteil. An diesem Urteil ändern abschätzende Urteile, wie sie zum Beispiel in einer deutschen Zeitung zu lesen waren, gar nichts. Vo einem Fiasko des 29er Genfer Salons zu sprechen ist leeres Gerede. Nach den diesjährigen Erfahrungen wird es allerdings Aufgabe der Organisationsbehörden sein, sich die Frage nochmals zu überlegen, ob man zum alten System des einteiligen zurückkehren oder ob man auch in Zukunft denselben in zwei Serien durchzuführen gewillt ist. Die Hauptsache bleibt, dass nach wie vor in Genf sowohl in technischer als auch in künstlerischer Hinsicht Spitzenleistungen zu sehen sind. Der Genfer Salon ist mit einer der grossen Faktoren zur Popularisierung des modernen Verkehrsmittels, dem gegenüber sich alle künstlich angelegten Hindernisse als zu schwach erweisen werden. Um unsern Lesern zu zeigen, wie der Genfer Salon nicht nur in Automobilkreisen, sondern ganz allgemein in den weitesten Schichten unseres Volkes eingeschätzt wurde, lassen wir das Urteil einiger prominenter Vertreter der Tagespresse folgen. England hatte seinen stolzesten Rekord wieder. Bob Sagreve und seine geniale Konstruktion hatten auf der ganzen Linie gesiegt. — Der Rekordtag war ein Ereignis der automobilistischen Sportwelt. Die Worid-Motor-Car-Company erreichte die Höhe ihres Ruhmes. — Der Morgen des 28. Mai war kühl und unfreundlich. Ein durchdringender Sprühregen war niedergegangen, der die Bahn für die Vorrennen am Vormittage ungeeignet machte. Erst in den Mittagsstunden wurde das erste Rennen der leichten Sportklasse abgelassen, das erwartunigsgemäss den Italiener Graf Barotti auf Biatto als Sieger sah. Das Rennen war wenig aufregend. Von den neun gestarteten Wagen erreichten nur vier mit erheblichen Zwischenräumen das Ziel. Die Zeit war nicht übermässig schnell. Vor dem zweiten Rennen wurde den Zuschauermassen durch Lautsprecher und Anschläge bekanntgegeben, dass Bob Sagreve, im Anschluss an das Rennen der schweren Rennwagen, einen Angriff auf den Geschwindigkeitsrekord mit seinem Spezialwagen unternehmen wolle. Diese Nachricht, die absichtlich von der World-Gompany bis zu dieser Stunde zurückgehalten und nur einem kleinen Kreise der Rennleitung und des Direktoriums vorher bekannt war, löste jubelnde Begeisterung aus, die sich noch steigerte, als das zweite und dritte Rennen von World-Wagen überlegen gewonnen wurden. In der Klasse der Rennwagen über 1500 cem sonders wichtige Punkte für den Automobilbau sein. Unter dem amerikanischen Einfluss haben alle Konstrukteure eingesehen, dass der Wagen möglichst geräuschlos fahren und komfortabel sein soll; dass seine Linien genau studiert sein müssen. Daher kommt es auch, dass sich eine grosse Zahl von Wagen äusserlich sehr ähnlich sehen. Wie bei den letzten Salons wird man bemerken, dass die « eonduite interieure » immer noch dominiert. Es stellt dies die moderne Formel dar, die dem Geschäftsmann gestattet, seiner Kundschaft bei jeder Witterung nachzugehen und die ausserdem der eleganten Dame gestattet, im Strassenkleid zu steuern. Basler Nachrichten. Es war von jeher ein geschickter Griff der Leitung der zum sechsten. Mal eröffneten Internationalen Automobil-Aussteltang in Genf, den sogenannten offiziellen Akt an den Anfang — und nicht, wie es sonst geschieht, mitten drein — zu stellen, verbunden mit einem solennen Bankett, das dieses Jahr im «Hotel des Bergues» -die stattliche Zahl von 250 Teilnehmern aufwies. Und der zweite Faktor, welcher dem Automobilsalon kräftigen Elan verleiht, besteht darin, das Bankett und.die nachfolgende Eröffnung der Ausstellung jeweilen unter das Patronat eines Bundesrates und des kantonalen Regierungspräsidenten, zu steilen. Das führt immer wieder' zu interessanten öffentlichen Dialogen zwischen Genf und Bern, welchem dieses Jahr um so mehr Bedeutung zukam, als der Chef des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, Bundesrat Schulthess, die erste Patenstelle angenommen hatte, und der Zeitenlauf es mit sich bringt, dass ihm eine ganze Menge Dinge über die Entwicklung und Bedeutung des Automobilverkehrs in der Schweiz freundschaftlich ins Gewissen geredet werden konnte. stellten sich von sieben gemeldeten Wagen fünf dem Starter. Der einzige Henderson- Wagen wurde wenige Stunden vor Beginn ohne irgendwelche Begründung durch die Henderson - Vertretung zurückgezogen. Ein deutscher Wagen, durch den bekannten Herrenfahrer Hofmann gemeldet, hatte bedauerlicherweise am Vortage einen Trainingsunfall erlitten, wodurch seine Teilnahme unterbleiben musste. So fanden sich, ausser zwei World-Wagen, noch je ein italienisches, französisches und amerikanisches Fabrikat am Startplatz ein, geführt von kampferprobten Sportfahrern, die siegreich aus manchem heissen Rennen hervorgegangen waren. Der Fahrer des italienischen Fiatwagens, Beppo Gidengo, hatte hier die meisten Siegesaussichten. Er kannte die Bahn, die er in eifrigem Training genau studiert hatte wie kein Zweiter, und seine hervorragenden Fahreigenschaften Hessen die gute Meinung der Fachwelt an seinem Sieg verständlich erscheinen. Der kleine Italiener ging mit dem grössten Selbstvertrauen in das Rennen. Er wusste, dass er sich auf seine Maschine verlassen konnte. Wen hatte er auch zu fürchten? Da war zunächst der französische Franca, mit dem Schweizer Haussenberger am Volant, der bisher überragende Leistungen nicht gezeigt hatte. Der Amerikaner konnte schon eher eine Ueberraschung bringen. Sein Fahrer Becett hatte in den Staaten viele Rennen gewonnen, zuletzt auf einem amerikanischen Henderson, welches Fabrikat er vor wenigen Monaten nach den bekannten Vorgängen verlassen hatte. Er fuhr jetzt den Raige, das INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für du Schireizt für Anzeigen au* dem Ausland 60 Ct* Grossen: Inserate nach Seitentarif. Inseratensefehus 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Sonntag Abend Torschluss des Genfer Salon Schlussbetrachtungen F E U I L L E Rekorclfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauek. (26. Fortsetzung) Unter den Toten befand sich auch der Motorenschlosser Fultoo, der im letzten Augenblick versucht hatte, das Unglück aufzuhalten .... XXIV. Eine Stunde von London entfernt liegt die berühmte Automobilrennbahn, die Brookslandsbahn, in unmittelbarer Nähe des Ortes Weybridge. Die Brookslands ist eine Betonbahn von birnenförmigem Grundriss. Sie hat eine Gesamtlänge von 4452 Metern und eine Mindestbreite von 30 Metern. Die kleinere Rundung nach Nordost misst über 300 Meter im Radius, bei einer Erhöhung von rund 10 Metern. Die grössere, Südwest gelegene Kurve besitzt über 450 Meter Radius und 8 Meter Erhöhung. Diese konstruktiv und bautechniseh hervorragend ausgebildete Brookslandsbahn hat seit ihrer Eröffnung am 17. Juni 1907 eine stattliche Anzahl glanzvollster und sensationellster Motorsportveranstaltungen gesehen, und die Krone aller Brookslandsrennen war wohl die grosse Rekordfahrt Bob Sagreves, der im Anschluss an das traditionelle Frühjahrs- Brookslandsrennen am 28. Mai die Bahn mit seinem neuen World-Wagen in der geradezu phantastischen Zeit von 9:2:5 durchraste. Es entsprach das einer Stundengeschwindigkeit von 409,584 Kilometern! Die Tagespresse zum Genfer Salon «Bund.» Der Genfer Salon bietet wie keine aridere Schau der Welt im gleich hohen Mass die Möglichkeit einer umfassenden praktischen Orientierung über die Fortschritte und Bestrebungen im Automobilbau. Unser Land steht hinsichtlich der Internationalität der im Verkehr stehenden Automobilmarken an erster Stelle. Und der Genfer Salon stellt gleichsam einen Sammelkatalog der bedeutendsten dieser Marken dar. Die Technik kennt keinen Stillstand. Was im Automobilbau vor drei Monaten noch neu war und einmalig angewendet wurde, hat vielleicht heute schon dutzendfach Eingang gefunden und gilt in einem weiteren halben Jahr als Norm. Unsere heutigen Automobile sind nichts anderes als das Endresultat solcher einzelner, während 30 Jahren zusammengetragener Verbesserungen. Grundlegende Umwälzungen scheinen heute nicht mehr möglich zu sein. Aber in Wirklichkeit kann schon morgen eine neue Entdeckung den Automobilbau revolutionieren. Von der Erfindung der Buchdruckerkunst bis zu den heutigen modernen Rotations-, Tiefdruckund Offsetpressen sind Jahrhunderte verflossen. Weshalb sollte, an diesem Massstab gemessen, das Automobil nach einem kurzen Vierteljahrhundert der Entwicklung ' nicht noch unendlich vervollkommnet werden können? National-Zeitung. Der kommende Salon wird (es handelt sich um den Vorbericht) aber bestimmt die Normalisierung versinnbildlichen und er wird der Salon des Komforts sein. Auf diese zwei Punkte scheint sich die Automobilkonstruktion besonders festlegen zu wollen. Die Vereinheitlichung der Modelle und der* Zubehöre und die Zugabe von möglichst vielen Bequemlichkeiten für eine möglichst niedrige Summe werden für die nächste Zukunft be- Luzerner Neueste Nachrichten. Der sechste Genfer Autosalon kann für sich in Anspruch nehmen, die schönste und eleganteste Schau moderner Autos zu bilden, die jemals in unserem Lande zu sehen war. Das rührt nicht etwa daher, dass andere Jahre weniger gute Marken ausgestellt haben, sondern einfach von der allgemeinen Vervollkommnung der Fahrzeuge. Die Autotechnik hat einen Stand erreicht, der gewichtige Abweichungen von erprobten Konstruktionen von selbst ausschliesst; gleichzeitig aber fordert die gewaltige Konkurrenzierung der Wagen unter einander jede einzelne Fabrik zur Höchstleistung kategorisch heraus. Man kann heute sagen, dass in technischer Hinsicht das Maximum erreicht scheint; Unterschiede bestehen lediglich in. der Qualität der Ausarbeitung und in der Verwendung des Materials. Dass dabei der Kaufpreis ein© wesentliche Rolle spielt, steht für jedermann fest. Das Automobil hat im Laufe der letzten Jahre seinen Siegeszug auch in unserm Lande fortgesetzt. Leicht ist ihm die Einbürgerung sicherlich nicht überall gemacht worden, und auch heute noch kämpft es da und dort um sein gutes Recht, nicht, wie das vielfach dargestellt wird, um eine privilegierte Stellung. Vom Luxusgegenstand hat es sich innerhalb kurzer Zeit auch bei uns zum unentbehrlichen Hilfsmittel im Wirtschaftsleben entwickelt Der rührige Geschäftsmann könnte es nicht mehr missen, es ist sein .immer bereiter Weggefährte geworden, der ihn rasch und sicher zu seinen Kunden bringt, der ihm Waren zuträgt oder wegschafft, rascher, bequemer und zum Teil auch billiger als dies andere schwerfälligere Transportmittel hnstande sind. Der Automobilhandel und die mit ihm zusammenhängenden Geschäftszweige, das ganze Garageund Reparaturwesen, der Benzinhandel, sie alle bilden zusammen einen bedeutenden Zweig unseres Wirtschaftslebens , dessen zahlenmässige Bedeutung in der schweizerischen Handelsbilanz deutlich genug zum Ausdruck kommt. So ist es nicht verwunderlich, wenn auch der diesjährige VI. Internationale Automobilsalon in Genf seine Anziehungskraft nicht verloren, sondern eher noch gesteigert hat. Thurgauer Zeitung. Die Anordnung des Salons, die Platzverteilung und die Aufstellung der Stände sind ähnlich wie die des letzten Jahres. In der weiten, mit viertausend Lampen und mit Erzeugnis einer noch kleinen, doch sehr aktiven Firma, deren Konstrukteur aus der Schule der World - Company hervorgegangen war. Diese Tatsache machte das Rennen ganz besonders interessant: galt es doch für die World-Leute zu zeigen, dass ihre alte Marke immer noch das Feld behaupten konnte. Die beiden Worlds wurden von erprobten Fabrikfahrern gesteuert. Der eine, William Hougthon, war Sieger im Vorjahre gewesen. Wenn trotzdem die World-Wagen nicht ausgesprochene Favoriten waren, so erklärte sich das mit der Meinung, dass der World durch die vielen Misserfolge der letzten Zeit an Qualität eingebüsst habe. Viel beachtet wurde auch eine Aeusserung des Generaldirektors Clifferton auf dem Bankett der Automobilindustrie, nach der die World- Motor-Car-Company nicht mehr beabsichtige, an ausgesprochenen Rennveranstaltungen teilzunehmen. «Wir stehen nicht an, zu erklären, dass wir die Ueberzüchtung des Rennmotors für unzweckmässig, ja für schädlich halten. Es kann weder im Interesse unserer Industrie noch in dem unserer gesamten Wirtschaft liegen, wenn durch verzweifelte Anstrengungen von Mann und Maschine beim Rennen Augenblickserfolge erzielt werden, die doch häufig Zufallserfolge sind!» In einer offiziösen Mitteilung haben die World-Werke kategorisch bekannt gegeben, dass sie das internationale Brookslands- Rennen Ietztmalig beschicken wollten. — (Fortsetzung folgt.)