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E_1929_Zeitung_Nr.026

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Donnerstag, 21. März 1929. Stil jfifcMi^j£fli^J^ä w*^3& A ^S? Ä5' M? m*EL w ^&*P ük^i &S»fiMKMüll^öJ* Nummer 20 Cts, 25. Jährgang. - N° 26 ERSTE SCHWE IZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden Dienstag und Frtltag Monatlich -G«lbe Llit»" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, Sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für pastamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben> In- and Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 GU. tür öi» Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* Grössere Interate nach Seltentarif. InseratenseMnss 4 Tage vor Ericheinen der betreffenden Nummer Alltag des Salon. Den lauten Eröffnungstagen ist die stille Geschäftigkeit einer Salonwoche gefolgt, den offiziellen Tagen die inoffiziellen. Während der letzte Freitag den hohen, von Reden und Banketten eingerahmten Besuch des Bundesrates brachte, der Samstag die Ankunft der Sternfahrer und abends den illustren Ball des A. C. S., der Sport am Sonntag mit dem Kilometer-Arrete und der sich in der weiten Halle der Karosserien verlierenden Preisverteilung noch einmal einen Glanztag erlebte, kehrten mit dem Montagmorgen die «Werktage» ein. Auf sie hat der Käufer gewartet. Die flanierende Menge der «Kiebitze», denen der Salon mondäner Treffpunkt ist (am Eröffuungsnachmittag sah man so viele schöne Frauen, dass ein Verkäufer behauptete, nur ein hartgesottener Sonderling könne die Stände ungestört gemessen !), ist durch die tägliche Arbeit zurückgehalten. Bedächtig wird unter den Hunderten von Wagen die Auswahl getroffen. Die Verkäufer sind nunmehr nicht nur elegante Repräsentanten, sondern sachlich beratende rechnende Händler. Aber auch der Techniker hat seinen Tag. Katalogbewaffnet schleicht er mit suchenden Augen von Stand zu Stand, beugt sich über die blankblitzenden Chassis und sein Hirn .saugt die Wunder der Technik in sich ein. Für wie viele ist der Salon die einzige Gelegenheit, der Entwicklung eines langen Jahres wieder nachzueilen! Nachmittags, wenn Meister Gabelle den Taktstock schwingt und die Strahlen der Sonne schräge Bänder in die Halle werfen, weicht die ernste Geschäftigkeit der fröhlichen Ungezwungenheit der Teestunde. In den Bars füllen sich die Tischlein mit geschwätzigen Gruppen. Das ist die bevorzugte Besuchszeit der Frau. Die neuen Frühjahrstoiletten verstärken die zunehmende Farbenfreudigkeit der Karosserien. Am Dienstag konnten die Bewunderer der prachtvollen Moderevue neuester Parisermodelle am des Bergues-Ball bereits eine reizende Blondine in einem der vorgeführten Modelle sehen... Die trüben Nebel des Samstags und Sonntags sind dem herrlichsten Märzwetter gewichen. See und Himmel strahlen in sommerlicher Bläue. Dieses Wetter ist der beste Rekordfieber. Ein Sportroman von Alfred Nauck. (25 Fortsetsrang) Wie ein geprügelter Hund schlich der Monteur hinaus und zog leise die Tür hinter sich zu. Auf der Strasse warf er nochmals einen scheuen Blick an dem Hause empor, in dem Henderson unter falschem Namen eine kleine Wohnung gemietet hatte. Der Monteur zog, trotz des lauen Sommerabends, fröstelnd di« Schultern zusammen.— «Ich habe mir die Sache anders überlegt, Wellon,» sagte Henderson am folgenden Abend in erkünstelter Ruhe und streckte ihm sein Zigarrenetui entgegen. Mechanisch griff Wellon zu und Hess sich IFeuer reichen. Nach kurzem Nachdenken fuhr Henderson fort: «Ich werde selbst die Sache in die Hand nehmen, um —» er zögerte und meinte dann zynisch lächelnd — «um Ihr Gewissen nicht noch weiter zu belasten! Hier haben Sie Papier und Feder. Geben Sie mir eine Darstellung der Lage und der Einrichtung der Abteiüung S. Wo steht der Wagen? Wo wird zurzeit daran gearbeitet? Und dann das Wichtigste, wann pflegt Sagreve tagsüber in die Abteilung zu kommen? Wie ist die Kontrolle? Wo ist Ihr Arbeitsplatz?» Propagandist. Auf der Strasse Lausanne- Genf rollen täglich Hunderte von Automobilen der Salonstadt entgegen. Nummernschilder aus allen Kantonen sind darunter. Und mit jedem Zuge trägt die Bundesbahn neue Besucher nach Genf. Hotels und Restaurants haben volle Häuser. Wenn die Nacht hereinbricht, zieht der Fremde durch die Illusionsbeleuchtung kleiner Dancings, kostet teure Weine und lässt sich bei süssen Tangoklängen gern und willig von der Amüsierindustrie eingarnen. Genf — Petit-Paris ! Allen bringt das Automobil Geld: den Hotels, den Läden, dem Gewerbe, den Garagisten, der ganzen Stadt. Und man lernt begreifen, dass der Automobilist nicht nur Steuern, sondern auch Rechte kennen will. Organisatoren und Aussteller dürfen mit dem diesjährigen Salonbesuch zufrieden sein. Wenn auch die Zahl des letzten Salons nicht erreicht werden wird, nicht zuletzt deshalb, weil die Lastwagen und Motorräder dieses stellung verblüffen. Unser Salon ist dieses Jahr die Ausstellung des schönen Gebrauchswagens, ja bis hinauf zum eigentlichen Luxuswagen. Man denke nur an die fabelhaften Isotta-Fraschini, die RoJls-Royce, Hispano- Suiza, Mercedes. Am Montagmorgen räumen die Touren- Der Tourismus am Genfer Salon. organisierten Hilfsdienst an der Grenze, welcher mit einer Motosacoche-Seitenwagenmaschine ausgerüstet ist. An den Seitenwänden befinden sich die beiden Meisterwerke wagen ihre Stände, um den Lastwagen, Motorrädern und — zum ersten Mal — dendes T. C. S.: die Karte Europa Touring und Flugzeugen Platz zu machen. Noch geht die der Führer gleichen Namens. Die Karte im Ausstellung einem neuen Wochenende und Massstabe von 1:1,500,000 und die Spezialkarte im Massstab von 1:500,000, verbunden erneutem Rekordbesuch entgegen. Am Sonntagabend wird es aber heissen : «Le Salon mit einem ausgezeichneten Auskunftsmaterial, 1929 est mort, vive le Salon 1930 ! » Vit. macht diesen Führer zu einem vorzüglichen In einem halben Verstehen gab Wellon auf alle Fragen Auskunft und brachte auch einen Situationsplan zu Papier, der alles Wissenswerte enthielt. Befriedigt schob endlich William die Notizen zurück. «Wir machen jetzt Schluss, Wellon, morgen teile ich Ihnen weiteres mit. Hier nehmen Sie!» Und damit schob er ihm ein Päckchen Banknoten zu, das Wellon in scheuer Hast einsteckte. — Wieder sasseni die beiden zusammen; Henderson in fieberhafter Erregung ob des Gelingens seines Planes, der Monteur in dumpfer Resignation. Henderson hatte die Skizze vor sich ausgebreitet und fuhr mit dem Finger darüber. «Hier, sagten Sie, befindet sich der Standort einer grossen Schweissanlage, nicht wahr?» Der andere nickte kurz. Henderson überlegte. «Ist die Anlage ständig im Betrieb?» Wellon dachte nach und antwortet© zögernd: «Zurzeit wird sie nicht benutzt. Ich glaube, dass man sie wieder am Donnerstag oder Freitag in Betrieb setzen wird.» «Donnerstag oder Freitag ; hm, das wäre am 19. oder 20. September. Vormittag?» «Ja, im Laufe des Vormittags. Ich selbst habe Schweissarbeiten ausführen zu lassen.» Wenn man sich durch den Haupteingang ins Vestibül durchgerungen hat und seine Schritte nach rechts lenkt und bis ans Ende desselben geht, dann kommt man zu drei nahe beieinanderliegenden Ständen. Dieselbe bilden zusammen eine wesentliche Seite des Automobilismus. Damit, dass man einen Wagen besitzt, ist es noch nicht getan: man muss ihn auch richtig zu verwenden wissen. Der Automobil-Club der Schweiz hat einen der Tradition des A. C. S. entsprechenden vornehmen Stand eingerichtet. In einer Ecke desselben befindet sich ein Bild von der ersten historischen Automobilkonkurrenz in der Schweiz: Genf-Meillerie im Jahre 1898, das heisst aus dem Jahre der Gründung des A. C. S. Bis zum Sonntag waren auch die Preise für das Kilometerrennen und die Sternfahrt im Stand des A. C. S. ausgestellt. Im Stand des A. I.A.C. R. Jahr getrennt ausgestellt werden, so ist diestellt die Vereinigung internationaler anerkannter Automobil-Clubs die Verlagswerke Differenz sicherlich nur gering. Kaum scheint es mir, dass sich die Ma-ausschinen in Bewegung gesetzt haben, um die C. R. entstehen. Wir finden da ein ausge- welche unter dem Patronat des A. I. A. erste Grossauflage der «Automobil-Revues- idehntes touristisches Material, welches in den Sondernummern zu drucken, befinden wir 585 Touristikbureaus der Vereinigung" verwendet wird. Eine praktische Einrichtung er- uns 48 Stunden vor Torsehluss. Sonntagabend nimmt der Salon 1929 sein Ende! Reich laubt, jedes beliebige Itineraire in Europa an schönen Erinnerungen wird man auf ihn rasch zur Hand zu haben und sich mit Hilfe zurückblicken. Denn er ist, das dürfen wir der Wegkarten in kürzester Zeit eine Reiseroute zusammenzustellen. Die schweize- uns schon zugestehen, eine Ueberraschung gewesen. Nach dem was Paris, London und Berlin im letzten Herbst geboten, musste der hohe Standard unserer schweizerischen Aus- rischen Karten sind namentlich gut vertreten. Im übrigen liegt auch noch der Führer « Europa im Automobil» zur Ansicht auf. Der Touring-CIub hat diesmal eine praktische Neuheit am Salon ausgestellt. Es betrifft dies den vom T. C. S. «Und um welche Zeit pflegt Mr. Sagreve in der Abteilung zu sein?» «Mr. Sagreve hat innerhalb der Abteilung, dicht am Montagestand, ein kleines Bureau, in dem er so gegen 10 Uhr anzutreffen ist.» William Henderson wusste genug. Mit einigen belanglosen Worten entliess er an diesem Morgen den Monteur. In tiefem Sinnen durchwanderte er ruhelos das Zimmer. Unablässig kreisten seine Gedanken um den Plan, durch einen tollkühnen Streich seine Rache zu befriedigen. Er kannte als Techniker die Schweissanlage und hielt sie für geeignet, seinem verbrecherischen Werke zu dienen. XXIII. «Sie sind?» «Motorenschlosser!» «So, so, — Papiere?» «Hier, Master!» Der Annahmebeamte lachte: «Also Sie waren sechs Jahre bei den Hendersons und sind wegen Arbeitsmangel entlassen. Arbeitet die Bude überhaupt noch?» «Der ganze Betrieb soll, wie ich hörte, nach den Staaten verlegt werden.» Gebrauchswerk des Automobilisten. Ein Bild gibt in origineller Weise einen Begriff von der Entwicklung des T. C. S., dessen Mitgliederzahl sich auf 3420 Radfahrer, 3807 Motorradfahrer und 22,764 Automobilisten beläuft. Versuche mit einem automatischen Feuerlöschapparat. Zahlreiche Zuschauer finden sich jeden Tag, um 5 Uhr, beim Eingang der Arve-Brücke ein, wo, fünfzig Meter vom Salon entfernt, Versuche stattfinden mit einem neuartigen Feuerlöschapparat. Vergaser und Schutzwanne werden mit Benzin Übergossen und angezündet. Die ganze Motorhaube ist vom Feuer erfüllt, aber plötzlich, nach einigen Sekunden: ein heftiger Knall und die Flammen erlöschen augenblicklich. Wie kommt das zustande?... Herr Tissot, der Vertreter der « Philax », und Herr Berberat, der Vertreter für die französische Schweiz, erklären uns den Vorgang. Was ist ferner am Salon zu sehen ? Die Bootswerft Furrer in Ouchy hat ein Gleitboot ausgestellt, das auf originelle Weise auf einem Automobil transportiert werden kann. Diese Kombination von Auto und Motorboot erregt allgemeines Interesse. Und die Autostrasse? Auch für dieses Projekt wird am Salon eifrig Propaganda gemacht. Der Initiant der ersten schweizerischen Autostrasse, Herr Dr. Nyffeler, war gestern selbst in Genf, um sein Projekt weiteren Kreisen bekannt zu machen. Wir wünschen dem tapferen Pionier der Autostrassen, dass er in Genf neue Anhänger für sein jeden Automobilisten interessierendes Projekt finden möge! M. J. P. Peugeot am Genfer Salon. Der bekannte französische Automobilindustrielle Peugeot äusserte sich bei seinem Besuch des Genfer Salons folgendermassen zu einem Vertreter der Presse: «Der Genfer Salon öffnete seine Pforten zu einer für den Automobilhandel günstigen Zeit. Nach einem sehr strengen Winter, welcher den Verkehr zurückgedämmt hat, ist eine um so lebhaftere Nachfrage nach Automobilen zu Beginn der schönen Jahreszeit zu erwarten. Wir gehen, an amerikanischen Verhältnissen gemessen, einer raschen Entwicklung des Automobilismus entgegen. Ich erzähle Ihnen nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass der Kampf zwischen der «Können Sie mich nicht der Abteilung S zuteilen?» «Der Abteilung S? No, ganz ausgeschlossen! Was wollen Sie in der Abteilung S?» Die Stimme wurde misstrauisch und der Blick durchdringend. «Ich fragte nur, weil ein Kollege von mir dort beschäftigt ist und mir davon erzählt hat» «Wie heisst der?» «Wellon, Frank Wellon.» Der Beamte blickte in eine Karte und nickte nach kurzem Suchen: «Stimmt — aber zurzeit ist dort nichts frei!» — William Henderson hatte sich mit Sorgfalt für sein Vorhaben vorbereitet. Wenn er auch nicht zu befürchten hatte, dass er, der einstige Chef der Henderson - Werke, von den Arbeitern erkannt wurde, so war doch Vorsicht am Platze. So musste der Bart fallen und die Haartracht geändert werden. Eine grosse Brille und das übliche Arbeitszeug sorgten dafür, dass der «Motorenschlosse- Fulton» glaubhaft wurde. — In der zweiten Nachtschicht gelang es ihm, Der Beamte füllte eine Karte aus undwährend der Arbeitspause eine starke Sprengladung in die Wasservorlage des Schweissapparates zu legen. Die Explosion erfolgte jedoch bereits gegen 3 Uhr morgens, in welcher Zeit der Apparat geprüft wurde. reichte sie durch das Schalterfenster. «Gut denn ; dritte Schicht, Abteilung D. Melden Sie sich heute 20 Uhr pünktlich Eingang V bei der Betriebsleitung, good bye!» «Einen Augenblick noch, Master I» «Please!» (Fortsetzung folgt.)