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E_1929_Zeitung_Nr.026

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Von Stand zu Stand.

Von Stand zu Stand. (Fortsetzung) Hotchklss. Diese altfranzösischen Werke haben in der dortigen Geschichte der Präzisionsmechanik und Automobilindustrie stets eine einflussreiche Rolle gespielt. Als Waffenfabrik im Jahre 1870 gegründet, wandte sich die Unternehmung seit der Jahrhundertwende auch dem Automobilbau zu. Bereits im Jahre 1907 •wurde der erste Sechszylinderwagen lanciert, der die in Frankreich denkwürdige Fahrt « Rund um Frankreich», die damals als gigantisch bezeichnet wurde, glänzend absolvierte. Eine derartig langjährige und reiche Erfahrung im Bau von Automobilen musste logischerweise zu einem Qualitätsstandard führen, der kaum mehr übertroffen werden kann. Der Sechszylinder, ein Produkt zwanzigjähriger Arbeit, macht denn auch der französischen Automobilbaukunst alle Ehre. Als neuer Dreiliter-Typ mit 80 mm Bohrung und 120 mm Hub, stellt sich das letzte Sechszylindermodell erstmals in der Schweiz vor. An einem Ausstellungschassis hat der Fachmann Müsse, die glückliche Anordnung der einzelnen Teile sowie die hohe Präzision der bearbeiteten Stücke selbst in Augenschein zu nehmen. Bemerkenswert ist die leichte Zugänglichkeit zn Kupplung und Getriebe sowie die grosse Uebersichtlichkeit über alle Aggregate überhaupt. Das Getriebe ist viergängig, wodurch sich der Wagen besonders für Reisezwecke eignet und der Motor auch bei schwerster Beanspruchung nie übermässig belastet oder in der Tourenzahl zu hoch forciert werden muss. Geräuschloses und weiches Schalten cha^ rakterisieren die Hotchkiss-Konstruktion. Die ausgestellten Karosserien, alles Conduites interieures, lassen auf den ersten Blick den Fachmann der französischen, Schule erkennen, der bei aller Berücksichtigung der herrschenden Tendenz seine künstlerische Individualität doch nicht untergehen lässt und so den von ihm entworfenen Wagen immer eine besondere vornehme Note aufdrückt. Wer sich für einen Reisewagen interessiert, wird den Stand nicht missen dürfen, wo ihm schon ein kurzer Besuch mancherlei Anregungen und Winke darüber vermitteln wird, wie das leistungsfähige und bequeme Tourenauto beschaffen sein soll. Ein sehr gross dimensionierter Vatuumförderer sichert eine genügende Brennstoffzufuhr. Rolls-Royce. Die Königin der englischen Automobilmarken ist auf dem Stand 23 der grossen Halle vertreten. Von zwei geschlossenen Wagen flankiert, zieht dabei vor allem ein Zweiplätzer- Sportwagen die Aufmerksamkeit auf sich. Die Karosserie ist mit ihren weitausholenden, fliessenden Linien, mit ihren silberglänzenden Schlaglichtern und den schwanenweissen Flächen ein wahres Gedicht an Schönheit. Gehoben wird der Eindruck noch durch die vornehme Ausstattung des Standes mit Teppichen und Rosen. Kein Wunder, wenn sich das Publikum bei Rolls-Royce in Mengen staut. Das Chassis dieses Sportwagens ist der berühmte Typ «Silver Ghost» (Silber-Geist), dessen Sechszylindermotor mit 76 mm Bohrung, 115 mm Hub und 3103 ccm Inhalt eine Steuerleistung von 16 PS aufweist. Die Steuerung der hängenden Ventile erfolgt durch Stossstangen und Kipphebel. Ganz spezielle Beachtung verdienen an diesem Chassis die Bremsen. Innenbackenbremsen mit Servo-Betätigung, Bauart Rolls-Royce. Die Lenkung arbeitet mit Schraube und Mutter und kann an Präzision und Leichtigkeit der Handhabung als Maximallei- AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 26 ! stung angesehen werden. Die grossen geschlossenen Karosserien auf dem Stand zeigen eine unendlich sorgfältige Qualitätsarbeit bis in die kleinsten Einzelheiten. Ihre wuchtigen Abmessungen stimmen mit dem Charakter des hier verwendeten starken «New Phantom»-Chassis sehr glücklich überein. Der Sechszylindermotor besitzt bei diesem Chassis 108 mm Bohrung, 140 mm Hub und 7600 ccm Inhalt, er zählt also zu den grössten Exemplaren des Salons. Auch hier werden die Ventile durch Stossstangen und Kipphebel gesteuert. Der Zündzeitpunkt ist zugleich, automatisch und von Hand verstellbar. Durch Jalousien vor dem Kühler wird eine Regelung der Kühlwassertemperatur erzielt. Am absolut geräuschlosen Lauf der Motoren zeigt sich die äusserste Präzision der Bearbeitung, durch die die Rolls-Royce- Werke im Automobil- und Flugmotorenbau weltberühmt geworden sind. Alles in allem zählt der Stand Rolls- Royce unbedingt zu den sehenswertesten der diesjährigen Ausstellung. Der Luftfilter gehört immer mehr zur Standardausrüstung üe-r Gebrauchswagen. Lorraine. Dtese altrenommierte französische Unternehmung hat sich seit bald zehn Jahren auf Sechszylinderwagen spezialisiert und in deren Konstruktion eine führende Stellung unter den europäischen Fabriken erreicht Die unverwüstliche Leistungsfähigkeit dieser Wagen hat bekanntlich ein striktes Serienmodell an dem berühmten 24-Stunden-Rennen auf Strassen schon im Jahre 1926 eindrucksvoll demonstriert, indem es sich den Weltrekord - mit einer Durchschnittsgeschwindigeit von 106 km bei annähernd 3000 km zurückgelegter Distanz sicherte. Dieser Typ ist seither unter Berücksichtigung kleiner Detailänderungen beibehalten worden und wird als Sport- und Tourenwagen karossiert. Er unterscheidet sich vom Normalchassis vor allem dadurch, dass er mit zwei Vergasern ausgestattet ist und mit Doppelzündung arbeitet. Auch ist der Motor zwecks grösstem Rendement höher komprimiert und besitzt eine besondere Oelkühlümg. Dieses Modell 'leistet denn auch 90 PS an der Bremse, während der Motor des Normalchassis zwar ohne diese weiteren technischen Ergänzungen immer noch 75 PS an der Bremse ergibt. Das eigentliche Tourenmodell wird mit drei oder vier Gängen geliefert und wird besonders in letzerer Ausführung für Reisezwecke überaus geschätzt Alle Verfeinerungen der Konstruktion, wie Zentralchassis-Schmierung, Servobremsen, Gasvorwärmung durch Auspuffgase etc. zählen zur selbstverständlichen Ausrüstung des Chassis. Die Präzision und Verwendung allerbester Materialien kennzeichnet die vorzügliche Werkmannsarbeit. Die ausgestellten Wagen sind mit einer Ausnahme mit Karosserien der Werke selbst versehen. Die eine der Conduites interieures, welche in einen offenen Tourenwagen verwandelt werden kann, stammt aus den Werkstätten eines der bekanntesten französischen Karossiers und verdient rückhaltlose Bewunderung für die vornehme Reichhaltigkeit und den raffinierten Komfort. Die Karosserien von Lorraine selbst, sei es nun Serien- oder Luxusausführung, passen sich der massgebenden Verwendung des Wagens als Reise- und Tonrenauto vortrefflich an und bieten eine seltene Behaglichkeit und Zweckmässigkeit ter ÜHiricht"ng. Hs muss sich unbedingt in einem Lorraine angenehm reisen lassen und man begreift die treue Anhänglichkeit, mit der eine auserwählte Kundschaft an dieser Mark© hängt versdhi«dene moderne Wagen bauen die LenlsinJt zur Erhöhung der Fahrbequemlichieit verstellbar. SALON AUTOMOBIL* STAND No. 59

26 - J92& ÄUTOMOBTL-REVUE 11 Von Stand zu Stand (Fortsetzung) Oldsmobile. Im Stande 62 des Salons stellt die amerikanische Riesenfinma General Motors einen Sechszylinderwagen aus, der in seinem Aeussern durch eine besonders elegante Linie gekennzeichnet und speziell für Sport- und Tourenzwecke geeignet ist. Das Chassis lässt sich in seinen Qrundteügen charakterisieren durch folgende Merkmale: seitliche Ventilsteuerung und abnehmbarer Zylinderkopf, Blockmotor, Aufhängung in vier gummibelegten Stützen, obere Hälfte des Zylinderblocks mit dem Kurbelgehäuse verschmolzen. Sowohl die Kurbel- als die Nockenwelle sind vierfach gelagert. Die Druckspeisung nach den Kurbelwellen-, •Pleuelstangen- und Nockenwellenlagern ergibt einen störungslosen und ruhigen Motorgang, der auch bei strengsten Anforderungen, •z. B. auf Passfahrten, nie versagen wird. Kurbelgehäuseentlüftung, Oelfilter, der Luftreiniger A. C. und der Sparer am vergrösserten Scheblervergaser tragen zu höherer wirtschaftlicher Leistung des Oldsmobile Six bei. Mechanische Vierradbremsen und eine Handbremse auf das Getriebe sorgen zuverlässig für die Fahrsicherheit. In allen Modellen erhöhen verstellbare Führersitze die Bequemlichkeit des Führers in bedeutendem Masse. Komfort liegt auch in den hydraulischen Stossdämpfern Lovejoy. Die neuesten Modelle sind zudem mit Kühlerjalousien ausgerüstet, die das Gesamtbild des Wagens vorzüglich ergänzen. Oldsmobile ist in Genf durch vier Wagen würdig vertreten : durch einen Sedan, ein Coupe, einen Landau Sedan Convertible und eine Coach, die alle des Oldsmobile Six besonders elegante Linie dem Salombesucher isinnenfällig widerspiegeln. Delage. Die französische Firma Delage hat sowohl in Europa als in Amerika ihr Debüt bestanden und sich durch ihre zahlreichen Siege an den grössten und schwersten Rennen unseres Kontinentes einen Weltruf geschaffen, wie ihn nur wenige Marken besitzen. Erprobte und dauerfeste Konstruktionen, die allen Zerreissprüfungen Trotz bieten, finden sich an den Chassis von Delage. Im Produktionsprogramm der französischen Firma finden wir einen Vierzylinder von 11 PS und mehrere Sechszylinder von 14 PS bis 30 PS. Im Stande selber sind: ein 17-PS-Sechszylinderchassis, ein sechsplätziger Innenlenker mit Rückkoffer, ein Innenlenker, durch Scheiben abgeteilt, auf 17-PS-Chassis, sowie ein leichter Sport- Innenlenker. Der Vierzylinderwagen; mit Zylindermassen 75 X 120 hat eine Kolbenverdrängung von 2,1 Liter und ist durch Kipphebel und Stossstangen obengesteuert; er wird für Sport- und Tourenzwecke karossierL Der Antrieb des Verteilers bei den Sechszylinder- Delage-Waeen. Der 14-PS-Sechszylinder mit seitlicher Steuerung, der mit Kipphebel und Stossstange obengesteuerte 17-PS-Wagen und der grosse obengesteuerte Sechszylinder mit Nockenwelle im Zylinderkopf entsprechen spezifischen Bedürfnissen der zahlreichen Kundschaft von Delage. Die entsprechenden Zylinderinhalte betragen 2,5 Liter, 3,15 und 5,7 Liter. Alle Modelle sind mit den allerletzten und bewährtesten Konstruktionen versehen. In diesem Zusammenhang ist zu erinnern, dass Delage von den allerersten Vierradbremsen einbaute. Seine Sechszylinder lassen sich durch die Servo- Dewandre-Vierradbremse rasch und sicher aus hohen Geschwindigkeiten abbremsen. Für unsere Strassenverhältnisse wichtig ist sein Vierganggetriebe. Die prächtigen Karosserien von Delage, die im Genfer Stande zu sehen sind, und der rassige Motor befriedigen jeden Kenner. beiden gegenwärtigen Vierzylinder und ein 9-PS-Sechszylinder, entsprechen den heutigen Anforderungen in jeder Hinsicht. Im Verhältnis zu ihrem geringen Benzinverbrauch ist ihre Leistung Pontiac. erstaunlich hoch. Die General Motors versuchen stets den Auf dem Stand finden wfr diese beiden verschiedenen Geschmacksnuancen und derTypen als Sport- und Stadt-Cabriolet und Grosse des Portefeuilles ihrer Kunden nach als eleganten Innenlenker karossiert. Viel Möglichkeit zu entsprechen. Mit dem Pon-bewundert wird das «Tischlein deck'- dich» tiac wollen die amerikanischen Riesenwerke einen geschmeidigen, soliden und leichten Sechszylinder - Tourenwagen zu massigem Preise dem Mittelstandskreise bieten. Sowohl der Convertible Landau Sedan, der Roadster oder die Coach, die wir im Stande 44 des Genfer Salons vorfinden, sind Zeugnisse der gewaltigen Erfahrung, die sich die Ingenieure des Pontiac angeeignet haben. Der Dreiliter-Sechszylindermotoir besitzt einen L-förmigen Verbrennungsraum, Zylinderkopf abnehmbar. Eine sichere Benzinförderung ist durch die A. C.-Brennstoffpumpe garantiert, welche durch die Nockenwelle angetrieben wird. Auch der vertikale 32 mm- Vergaser mit mehrfacher Düse, mit Sparer und Akzelerationsröhrchen zeugt von einem zweckmässigen Konstruktionsplan. Wie jede moderne Schmierung, ist auch die Druckschmierung des Pontiacmotors nach den Kurbelwellen- und Pleuelstangenlagern peinlich genau durchgearbeitet, so dass auch bei härtester Beanspruchung der Motor sicher funktioniert. Die Anerkennung der Ventilation des Kurbelgehäuses mag ebenso als Detail eines vollkommenen Schmiersystems für einen Tourenwagen erwähnt werden. Pontiac hat den immer mehr sich verbreitenden Typ der «Steeldraulic»-Bremsen übernommen. Sie wirken von innen ausdehnend auf alle vier Räder, während eine von aussen zusammenziehende, auf der Trommel der Antriebswelle wirkende Getriebehandbremse die Fussbremse kraftvoll ergänzt. Die hydraulischen Stossdämpfer (Lovejoy) verbunden mit einer halbelliptischen Federung aus bestem Federstahl sichern eine bemerkenswerte Reisebequemlichkeit. Alles in allem : ein ausgesprochener Sechszylinder-Touren*- wagen für den Mittelstand. Imperia. Wie alle belgischen Produkte zeichnet sich diese Automobilmarke durch hohe Qualität aus. Das der Fabrikation zugrunde gelegte Produktionsprogramm darf zudem als sehr günstig bezeichnet werden. Die an einem der Wagen, das durch die tragende Wand des wagrecht umklappbaren Reserverades gebildet wird. Der dann of-< fenstehende Koffer ladet direkt zur Ein-j richtung einer Bar ein. Diese raffinierte Idee, Picknick-Partien noch komfortabler zu gestalten, wird wohl bald auch von andern aufgenommen werden. Technisch interessieren die Imperia* Chassis vor allem durch den ungewöhn-i liehen Schiebermotor. Anstatt der zylindrischen Schieber werden nur Zylinderseg-t mente benützt, die sich in Nuten der Kolbenlaufbahn auf- und abbewegen und da-i bei abwechslungsweise die Einlass- und Auslassschlitze freigeben. Pro Zylinder sind dabei für den Einlass zwei und für den Auslass ein solcher Schieber vorgesehen. Der Verbrennungsraum erhält bei dieser Art der Steuerung eine sehr günstige Form, die eine ungewöhnliche Steigerung der Kompression erlaubt, ohne dass die Gefahr des Klopfens eintritt. Ferner fällt die Notwendigkeit einer periodischen Wartung weg, die bei der Ventilsteuerung nicht zu vermeiden ist. Infolge der guten Schmie-- rang der Schieber wird die Abnützung auf ein Minimum reduziert. Trotz allem sind die Herstellungskosten dieser Art Schieber" Steuerung nicht wesentlich höher als die eines Ventilmotors. La Salle. Der La Salle ist ein Bruder des Cadillac und entstammt den gleichen Werken. Von seinem Vorbild überträgt man unwillkürlich die blendenden Eigenschaften : Ein Wagen, der im ersten Wurf gelungen ist, ein Wagen, der in zäher, stiller Arbeit durch einen Stab auserlesener Ingenieure in souveräner Weise auf den modernsten Stand der Technik ergänzt wird. Was im ersten Wurf Grundlage war, konnte aber beibehalten werden. Diese Tatsache begründet den Ruf, dass der Cadillac- und mit ihm der La Salle-Wagen, der nur in den Ausmassen von Zylinder und Chassis kleiner ist, ein Inbegriff amerikanischer Qualitäts- und Luxusarbeit wurde. Typen, ein 6-PS- Auf dem Stand 51 finden wir den schnellen und sportiven La Salle als Landau-Cabriolet, als Siebensitzer Sedan und als Conver* tible-Coupe ausgestellt. Der Achtzylindermctor, dessen zwei Zylindergruppen in V-Anordnung rechtwinklig zu einander stehen, wurde durch jahrelange zu einander stehen, wurde so vollendet, dass jede Kritik schweigen muss. • Die Ventile gelangen durch Stössel und Für die Berge seit jeher der Beste! Tonjoni's la meillenre en iiioiitagiie ! STAND 12 SALON DE L'AUTOMOBILE TF AN S. A. t2 «emeindestr.