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E_1929_Zeitung_Nr.026

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Unsere

Unsere Unterhaltungsecke. Monolog über das Automobil. Von Frank Thiess. Ich spreche nicht zu Ingenieuren, weil sie wer kennt dies? Die Ingenieure? Die Psycho- ? Die Pastoren ? Auch nicht die genau wissen, was ein Automobil ist. Ichanalytiker spreche auch nicht zu Aerzten über den Menschen, denn sie wissen auch zu genau, was Da sehe ich ein neues, junges, vor Da- Pastoren. ein Mensch ist. Und ich mag auch nicht mit seins- und Rennlust vibrierendes Auto stehen. Ein prachtvolles Stück maschinellen Le- Psychoanalytikern über die Liebe sprechen, aus demselben Grunde nämlich, weil sie an bens. Ich klappe nicht die Haube auf, um die Liebe herangehen, wie der Ingenieur an festzustellen, wie die elektrische Ausrüstung ein Automobil : sie klappen mit Schwung die ist. Ich betaste nicht Felgen und Bereifung, Haube auf, lösen Schrauben ohne hinzusehen, obwohl die Reifen herrlich prall in der Sonne drehen, ziehen, giessen, klappen zu, drücken stehen, nichts' Schlaffes ist an ihnen, nichts auf einen Knopf und schon macht es «rrrttt». Und wenn du sie fragst, was sie von der Liebe halten, so sprechen sie von Düsen, Untersetzungsgetrieben, Vergasern, Anlasseinrichtungen, Kühlern oder gar von schnellaufenden Verbrennungsmaschinen. Die Liebe ist für sie eine Maschine wie der Motor ein:s Automobils. Und es sind auch die Ingenieure nichts anderes als Psychoanalytiker. Und das Automobil ist für sie eine Maschine, die man bei Störungen reparieren oder gar auseinandernehmen muss. Sie kümmern sich nicht um das, was wir Zurückgebliebenen Individualität nennen. Nun da steht es : jedes Automobil ist eine Individualität. Das heisst, dass es ein vorher nicht bestimmbares Wesen ist. Man überlege: kann man genau bestimmen, wie ein Auto laufen wird, wenn es blitzschick aus der Fabrik kommt? Nun, man fährt es ein paar tausend Kilometer. Gut. Und dann? Dann hängt es vom Fahrer ab. Vom Fahrer zuerst und von den Wegen, auf denen es läuft und von vielem noch, es wird ganz unbestimmbar, unterscheidet sich auf- das deutlichste von seinem Bruder, der gleichzeitig blitzschick die Fabrik verliess, es ist ein individuelles Wesen geworden, hat en individuelles Schicksal. Dieses Schicksal ist zu analysieren, sagt der Ingenieur. Und der Arzt sagt: auch das Schicksal meiner Patientin ist genau zu analysieren. Blank und lebensfroh kam sie aus der elterlichen Fabrik, dann wurde sie eingefahren und dann wurden tausend, hunderttausend kleine Zufälle ihr Schicksal Der grösste wohl ihr Fahrer und die Strassen, die sie lief. Wer alles wüsste, wer jede Stunde kennt, der kann ein Schicksal wohl bestimmen, doch Aufgeblasenes, sie sind so geboren und würden einen Mann, der viel von Frauen versteht, an mancherlei erinnern, was man auch an Frauen liebt. Trotzdem betaste ich sie nicht, sondern ich freue mich ihrer Schönheit. Und dann das Kleid, was man Karosserie nennt. Ein Citroen ? Ein Cadillac ? Ein Adler? Ein Steyr ? Ein Brennabor ? «Brennabor» klingt mir nicht zart genug für das blitzende Mädel, Brennabor ist ein Mann, ich erfinde also einen Namen, ich erfinde den Namen «Pardi». «Pardi» ist grosse Welt, Parfüm aus weissen Narzissen, Deauville, das ist strahlend wie ihr Kleid, herrlicher chinesischer Lack voller Sonnenglanzreflexe, «Pardi» ist Federkraft des Raubtiers und v Süsse der Jugend. Und ich schaue hinein, nicht ins psychische Getriebe, bei Gott, nein, sondern in den Wagen, dessen Polster die weiche, samtne Eleganz einer geschmackvollen Tee-Ecke haben, taubengrau mit einem Hauch von Kobalt. Man setzt sich, man lächelt, man ist angenehm durchpocht vom Rhythmus der gleichen Stunde. Die Welt ist ein Filmstreifen ohne aufdringliche Titel, du stehst in erwünschtem Abstand zu ihren Verwirrungen und bist doch mitten in ihr in immer ruhender Bewegung. Funkelndes, rassiges, junges Tier, schimmernde Bestie und zärtliche Frau in einem, präzise Maschine und schicksalhaftes Wesen ! Die Ingenieure wissen nichts von dir, sie sind gut wie die Aerzte gut sind, wenn's Störungen gibt, wenn in deinem körperlichen Getriebe etwas zu rauchen und zu bluten anhebt; dann mögen sie dich beklopfen und betasten und Oel in dich giessen und deine Sicherungen erneuern. Aber du weisst, dass ÄUTOMOBTl.-REVUfi 1929 — N° 35 dies alles nur deine Organe sind, wie ia auch die schönste Frau schüesslich Nieren und Leber und Magen und Därme hat, doch besteht sie darum aus einer Summe dieser Teile? Bestehst du aus der Summe deiner sichtbaren Teile? Oder ist nicht am Ende noch etwas Unsichtbares da, das nicht dein schöner, glänzender Leib ist und nicht deine Organe sind und nicht deine Fabrikmarke und nicht deine Visitenkarte (hinten), sondern etwas Unsichtbares, das über und zwischen diesen Teilen sich im Lauf deines besonderen Lebens entwickelt, ein Charakter? Ein Dämon? Oder gar... ein wenig, ein ganz klein wenig... Seele? Aber reden wir nicht von der Seele, das ist ein unbeliebtes Wort heute und schliesslich gehört sie wirklich nicht in diese Zeit, die froh ist, endlich alles mit Maschinen machen zu können. Nur dünkt mich, als sähen die Menschen nicht, dass die Maschinen langsam unter ihren fingerfertigen Händen ein anderes, zweites, geheimnisvolles Dasein zu leben anfangen. Da rast der Ingenieur über die Landstrasse, der Wagen schleudert, der Wagen stürzt. Nichts lebt mehr. Und da fliegt der Liebende durch die Nacht, die Scheinwerferaugen leuchten, die finsteren Schatten der Bäume sind ohne Gefahr. Lautlos saust der Wagen ans helle Ziel. Londoner Intermezzo. Der Mann, der einer Polizistin «Darling> sagte. Da in London weibliche Polizisten angestellt wurden, da es unter ihnen hübsche gibt und da die Männer sind, wie sie sind: musste die logische Entwicklung der Dinge eines Tages zu der Frage führen, ob man zu einer Polizistin «Darimg» sagen dürfe oder nicht. Dieser Tag kam. Di© Polizistin, zu der «Darling» gesagt wurde, hiess Ritchie, der Mann, der es tat, hiess Frederick James Luck, der Ort, wo die Frage aufgeworfen und entschieden wurde, wie die «B. Z.» am Mittag berichtet, das PoJizeigericht in Marlborough-Street. Der Richter hiess Mead; es war ein Mann. Frederick James Luck, ein Handelsangestellter von 56 Jahren, war also angeklagt, gegen eine Polizistin «beleidigende Worte und ebensolches Benehmen» an den Tag gelegt zu haben. Luck soll an einem dieser Abende der Polizistin Ritchie auf dem Piccadilly-Zirkus in; den Weg getreten sein und ihr «Guten Abend» gewünscht haben. Dana soll er ihren Arm, als Arm des Gesetzes ohne weiteres kenntlich an der schmucken Uniform, leicht berührt und bei dieser Berührung das Wort" «Darling> gebraucht haben. Mit so schwerer Anklage über seinem Haupt stand Luck gestern vor seinem Richter und leugnete. Er leugnete auf das bestimmteste, damals, auf Piccadilly, Ungebührliches im Sinn gehabt zu haben. Gewiss, die Flut der Passanten, auch weiblichen Passanten (Herr Richter wisse ja, wie os am Abend in Piccadilly zugehe), habe ihn, Luck, ein bisschen allzuenge an Ritchie, die Polizistin, gedrückt. Sofort aber habe er sich entschuldigt, und als er später, vom Strom der Passanten geschoben, wieder an der Polizistin vorbei musste, da habe er sie und habe sie ihn wierdererkannt und da sei er unbesonnen genug gewesen, zwar nicht «dear», allerdings aber «still here!» («noch immer da») zu sagen. Die Dame habe ihn missverstanden. Er verstehe dieses Missverständnis, denn der Lärm in Piccadilly sei gross und die zwei Worte reimen aufeinander, Dass er zur Polizistin Ritchie gesprochen habe, habe er nie geleugnet und er leugne es auch jetzt nicht . Der Richter Mead schüttelte den Kopf. Er wüsste nicht, sagte er ernst, in welcher Weise der Wortlaut des Gesetzes «über Beleidigung von Polizisten mit Wort und Geste» auf den abendlichen Zwischenfall in Piccadilly Anwendung finden könnte. Was wünsche denn das Gesetz zu bestrafen? «Drohende, schmähende oder beleidigende Worte, denen die Absicht einer öffentlichen Ruhestörung innewohnt.» Solche Worte, meinte der Richter, müssten also erstens drohend, schmähend und beleidigend zugleich sein, dies aber seien die Worte Lucks nicht gewesen, von einer öffentlichen Ruhestörung aber könne, zweitens, in Verbindung mit der Polizistin, ganz bestimmt nicht die Rede sein. Die Polizei war in der Verhandlung durch einen männlichen Abgesandten vertreten, Mr. Barker, der folgenden männlichen Standpunkt vertrat: Annehmen, dass Polizistinnen auf der Strasse beleidigt werden könnten, ohne dass es dabei auch nur im entferntesten zu einer öffentlichen Ruhestörung kommen musste, das hiesse diese Pölizistinnen auf ein so ! hohes Piedestal der Engelhaftigkeit stellen, wie sie es wohl selber nicht zu besteigen wünschen. Hier nickte der Richter Mead gewichtig. Man darf also in London Ms auf weitere« zu einer Pofizlsün «Darline> sagen. igcrwcFkc3.Schmid-Roost.A;G.,Oer!ikoo SRO KIIGEI-aROllENlAGER STEH-&HANGEIAGER C'esf Ala Maison de La Six Cylindres a demontre son incontestable superiorite Une voltore n'e»t reellement moderne et agreable «ne sl eile est nne • GylbritaM Les Six Cylindres RENAULT MONASIX et VIVASIX avec toutes les qualites bien connues des voitures de leur tnarque : tenut de route irreprochable, freinage inegale, confort de la Suspension et durie illimitec, possedent la grande riserve de puissance, les reprises et les accelerations energiques qui leur permettent de gravir les cdtes en prise directe, aux alures normales de route, et de passer presque instantanement du demarrage a la vitesse maximum. 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