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E_1929_Zeitung_Nr.030

E_1929_Zeitung_Nr.030

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 2. April 1929 Nummer 20 Cts* 25. Jahrgang. — N° 30 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL -ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich FT. 8.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, totem nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnnng 111/414 Automobil-Haftpflicht Die Haftpflicht gehört nicht gerade zu den schönen Seiten des Automobilsportes. Man beschäftigt sich daher nicht gern mit ihr. Sie wird als etwas Ungemütliches, Unheimliches empfunden, ein Damoklesschwert, das über einem jeden Automobilisten schwebt, das plötzlich, ehe man sich's versieht, anlässlich einer Kollision, eines Unfalls etc., auf sein Opfer niedersaust. Es ist deshalb wohl angezeigt, wenn jeder Automobilist in grossen Zügen darüber im klaren ist, was unter Haftpflicht zu verstehen ist und wann und wie sie sich gegebenenfalls auswirkt. Die Grundlage für die Automobilhaftpflicht bilden die Artikel 41 und ff. des Schweiz. Obligationenrechtes. Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersätze verpflichtet; mit andern Worten die Haftpflicht entsteht durch die Zufügung eines Schadens, sei es absichtlich, sei es fahrlässig. Absichtlich wird wähl kaum ein Automobilist irgend jemandem mit seinem Fahrzeuge Schaden zufügen. Es handelt sich vielmehr bei der überwiegenden Mehrzahl von Automobilhaftpflicht-Fällen um fahrlässig verursachte Schäden, d. h. um Schäden, die man nicht gewollt hat, die man aber bei Anwendung höchster Sorgfalt hätte vermeiden können und vermeiden sollen. Für die EntScriädigungspflicht eines Automobilisten sind zwei Voraussetzungen nötig: 1 Einmal muss das Fährzeug die mechanische Ursache zur Tötung oder Verletzung einer Person oder zum Sachschaden eines Dritten geworden sein. Zweitens muss der Automobilist selbst oder eine Person, für die er als Geschäftsherr verantwortlich ist, sein Chauffeur, schuldhaft, d. h. absichtlich oder fahrlässig, diese mechanische Ursache herbeigeführt haben. Bei jedem Unfall, der die Tötung oder Verletzung einer Person oder die Beschädigung von Sachen zur Folge hatte, ist daher stets festzustellen, ob der Fahrer fahrlässig gehandelt hat, ob er es an der erforderlichen Sorgfalt hat fehlen lassen. In erster Linie wird hier untersucht werden müssen, ob der Fahrer gegen irgendwelche gesetzlichen Vorschriften verstossen hat, deren Nichteinhaltung mit Strafe bedroht ist. Hierunter fallen vor allem die Automobilfahrvorschriften, wie sie im Konkordat vom Jahre 1914 und in den verschiedenen den Automobilverkehr betreffenden Gesetzen, Gesetzchen, Dekreten, Verordnungen usw. enthalten sind. Sodann auch in U I 1. H. Der Regenbogenvogel. von Dr. R. v. Stürler, Advokat, in Bern. Erscheint Jeden Dienstag und Frrfsft , Monatlich „Gelke. Liste» ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Dero Telephon Bollwerk 39.84 Ttlesjramm-Adresse: Autorevue, Bern schwereren Fällen das Strafgesetzbuch selbst, sowie es sich z. B. um fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung handelt. Liegt ein Verstoss gegen irgendwelche gesetzliche Bestimmungen, deren Nichtbefolgung mit Strafe bedroht ist, vor, findet in der Regel, sofern wenigstens der Tatbestand polizeilich festgestellt und aufgenommen worden ist, Strafanzeige und Ueberweisung an den Richter statt. In Fällen, die nur mit Busse oder mit Busse wahlweise neben Gefängnis bedroht sind, und die nicht mit schwereren Vergehen, wie z. B. fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung zusammentreffen, findet heute nun wohl fast ausnahmslos überall das Strafmandatsverfahren Anwendung, d. h. es wird dem Angeschuldigten, gestützt auf einen Polizeirapport oder eine Anzeige, ein Bussenurteil eröffnet, das er entweder annehmen, oder aber innerhalb einer Frist von wenigen Tagen bestreiten und die Durchführung des Gerichtsverfahrens verlangen kann. Im letztern Falle hat nun der Richter zu prüfen, ob ein Verschulden nachweisbar und seiner Ueberzeugung nach vorliegt. Ist dies der Fall, erfolgt die Verurteilung, andernfalls Freisprechung. Unterlässt ein Angeschuldigter, gegen das:Strafmandat Einsprache zu erheben, d. h. unterzieht er sieh der darin ausgesprochenen Strafe, wird dies als- Zugeständnis seines Verschuldens ausgelegt. Das Vorhandensein eines Verschuldens begründet nunmehr die Haftpflicht, d. h. die Verpflichtung des Verurteilten, den verursachten Schaden zu ersetzen. Der Artikel 53 des Schweiz. Obligationenrechtes bestimmt nun allerdings, dass bei der Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld der Zivilrichter, sofern die Frage des Ersatzes des Schadens nicht schon durch den Strafrichter im Strafverfahren entschieden worden ist, an eine Verurteilung oder Freisprechung durch den Strafrichter nicht gebunden ist, mit andern Worten, es kann z.B. einerseits eine Verurteilung zu einer Strafe erfolgen, ohne dass deswegen unbedingt eine Verurteilung zu Schadenersatz erfolgen muss oder aber anderseits kann namentlich trotz erfolgtem Freispruch durch den Strafrichter zivilrechtliche Verurteilung zu Schadenersatz erfolgen. Es mag dies vielleicht auf den ersten Blick etwas eigenartig erscheinen, praktisch macht sich dies jedoch bedeutend einfacher, indem in der Regel, gestützt auf die strafrechtliche Von J. Kosmiez. — Man brachte die Schachtel während deiner Abwesenheit. — Prima Aprilis! Ich weiss es. Ich wette, dass der Scherz nicht gerade witzig sein wird. — Du hast stets Vorurteile und das ist das Schlimmste. Wer kann es wissen, was die verschlossene Schachtel enthält. — Aber ich weiss das eine, dass die Leute lieber boshaft als witzig sind. — Weil nicht jeder witzig sein kann. Dafür vermag aber jeder boshaft zu sein. • Die gelöste Schnur drehte sich auf der Tischplatte und der Deckel der Schachtel machte eine Halbkreiswendung. Rrrr Ein regenbogenfarbener Vogel flog empor. Er war genau so erschreckt wie sein Besitzer.. Er warf sich verzweifelt von Wand zu Wand, während sein Herr nur einmal in* die Zimmerecke sprang und dort, mit erhobenen Händen, seinen Kollegen anschrie: — Wirf ihn hinaus — öffne, das Fenster — hörst du — wirf ihn hinaus! , Der Kollege konnte das Fenster nicht öffnen, weil er einen Lachkrampf hatte. Und der Vogel setzte sich auf den Rand des Schrankes. — Ich ertrage keine Vögel! Wirf ihn doch endlich hinaus. — Aber Menschenskind, schau doch wie bunt er ist! — Ich ertrage keine bunten Vögel, überhaupt keine Vögel! Das ist ein schlechter Scherz, eine raffinierte Bosheit, denn sie wusste, dass ich einen Widerwillen gegen Vögel habe. — Sie selbst hat ihn angemalt, jede Feder hat eine andere Farbe. Der Vogel schlug mit den bunten Flügeln gegen die Scheibe. — Wirf ihn hinaus! Die Passanten auf der Strasse hatten einen ungewöhnlichen Anblick: Im ersten Stock öffnete sich ein Fenster geräuschvoll und aus dem Raum flog ein vielfarbiger Vogel. Die Federn blitzten in den Sonnenstrahlen wie ein Regenbogen. Nach einer Weile verschwand er in der silbernen Luft. Die Leute richteten noch immer ihre Köpfe nach oben. Sie wunderten sich, oder sie lachten. Einige Passanten hatten dem Vogel gar keine Aufmerksamkeit geschenkt und fragten, was geschehen wäre. Ein Polizist runzelte die Stirn und betrat das Haus. Verurteilung, auch die zivilrechtliche Schadenersatzpflicht grundsätzlich festgestellt wird, so dass die Beurteilung des Zivilrichters sich höchstens nur noch auf die Höhe des Schadenersatzes, auf das Mehr oder Weniger beschränkt. Liegt ein Verschulden des Automobilisten vor,, sei es, dass' ein solches gestützt auf erfolgte Anzeige hin durch den Straf richter festgestellt worden ist, sei es, dass es ohne Durchführung eines Strafverfahrens auf dem Wege eines zivilen' Schadenersatzprozesses als erwiesen angenommen worden ist, tritt die Haftpflicht, d. h. die Verpflichtung zum Ersätze des Schadens in Kraft. Es ist also keineswegs etwa zur Begründung der Haftpflicht unumgänglich notwendig, dass ein Strafverfahren durchgeführt werden.muss, sondern es kann der Geschädigte, dem ja an der Bestrafung des Schuldigen weniger gelegen ist als am Ersätze seines Schadens, bloss auf dem Wege eines Zivilprozesses die Verschuldensfrage und damit die Frage des Schadenersatzes entscheiden lassen. In der Regel wird praktisch das Strafverfahren immer da platzgreifen, wo eine polizeiliche Tatbestandsaufnahme erfolgt ist, -während in allen denjenigen Fällen, in welchen eine behördliche Einmischung nicht stattgefunden hat, meistens bloss nur das zivilrechtliche Verfahren stattfindet, vorausgesetzt, dass überhaupt eine gerichtliche Entscheidung der Schadenersatzfrage durchgeführt werden inuss. Es ist dies natürlich nur dann der Fall, wenn sich die Beteiligten über die grundsätzliche Frage der Haftungspflicht sowie über die Höhe des Schadenersatzes nicht gütlich verständigen können. Ein Herr notierte auf seinem Notizblock die Hausnummer. Ein an die Mauer gelehnter Strassenjunge warf seine Mütze in die Luft und begann ein Lied zu pfeifen. Noch einer stand wie angewachsen da, aber da man neben ihm stehen blieb und fieberhaft fragte: «Wo ist er, wo ist er?», ging er in Gedanken verloren weiter und dachte über etwas angestrengt nach. Von Zeit zu Zeit lachte er. Es war ein Schriftsteller. Der regenbogenfarbene Vogel setzte sich auf einen Ast. Im gleichen Augenblick flüchteten alle Vögel. Einige kehrten zurück und setzten sich auf die unteren Aeste und hoben unruhig die Köpfchen. Der regenbogenfarbene Vogel hatte vor Erstaunen das Piepsen vergessen. Es wurde ihm ganz dumm zumute. Es ist sehr unangenehm, wenn man zu den Seinen heimkehrt und fühlt, dass man unnütz ist. «Was ist denn geschehen?» Das arme Vögelchen wusste nicht, dass es sich verändert hatte. Plötzlich erblickte er auf einem nahen Baume seine geliebte Uit-Uit. Er verfärbte sich in der Luft und setzte sich auf einen Zweig ganz nahe neben das geliebte Weibchen. Ihr kleines Herz schlug angstvoll, aber sie blieb INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für dl» Schweiz; für Anzeigen ans dem Ausland 60 CU. Grösaero Inserate nach SeitentarU. tnseratensehhus 4 Tage vor Erscheinen «er befreunden Snmraer Der Automobilist kann sich nun gegen die Folgen der Haftpflicht d. h. gegen die Folgen des von ihm .verschuldeten Schadens schützen, indem er sich versichert, und zwar liegt dies nicht in seinem freien Ermessen, sondern er ist vielmehr, gestützt auf Art. 11 des Konkordates vom 31. März 1914, dazu verpflichtet, sofern es sich um Personenschaden, d. h. die Tötung oder Verletzung von Drittpersonen handelt. Fakultativ, d. h. in sein Ermessen gestellt, bleibt die Versicherung für verursachten Sachschaden. Diese Versicherungspflicht für Personenschaden und Versichermtgsmöglichkeit für Sachschaden sind nun aber keineswegs etwa in erster Linie dafür da, dem Automobilisten die Wiedergutmachung des verursachten Schadens zu erleichtern. Durch die obligatorische Versicherung für Personenschaden und die Möglichkeit, sich auch für Sachschaden zu versichern, soll vor allem der Geschädigte geschützt und Ersatz des ihm erwachsenen Schadens sichergestellt werden. Würde eine solche Versicherungspflicht nicht bestehen, müsste der Geschädigte unter Umständen Gefahr laufen, im Falle eines Unfalles nicht oder nicht genügend entschädigt zu werden, wenn z. B. dem Schadensverursacher die erforderlichen finanziellen Mittel hierfür fehlen würden. (Schluss folgt in der nächsten Kummer) Die Zusammenarbeit von Eisenbahn und Auto. Im «Confedere» lesen wir unter dem Titel «L'Uniou du Rail et du Pneu» folgende sehr richtigen Ausführungen: 65 Linien und zwei Millionen Reisende, Wie man weiss, besteht zwischen der Eisenbahn und der Post eine enge Zusammenarbeit. Ebenso besteht aber auch eine Zusammenarbeit zwischen der Eisenbahn und den 65 konzessionierten Automobillmien in der Schweiz. Im letzten Jahre haben die Automobillinien zu oder von den Eisenbahnstationen über zwei Millionen Reisende befördert. Ausserdem wurde ein umfangreicher Warentransport getätigt, welcher für einzelne Linien, wie z. B. die Strecke Frutigen-Adelboden, von grösster Wichtigkeit ist. Eisenbahnlinien und Autolinien. Mehrere private Eisenbahnlinien verwenden. Autocamions; so die Montreux-Oberland- Bahn, welche einen Autopark von über 20 Fahrzeugen hält und im Aktionsgebiet .der Bahn, mehrere Automobilkurse organisiert hat. Ihre Automobile fahren sogar oft bis Martigny und ins Greyerzerland, ja bis nach. Lausanne. Die Greyerzerbahnen verfügen ebenfalls über einen Park von Motorfahrzeugen. Sie betreiben etwa ein Dutzend konzessionierte Linien; man hat manchmal Gelegenheit, ihre Autobusse sogar auf dem Bahnhofplatz in Bern zu sehen. Ausserdem unterhalten sie einen starken Warenverkehr in die abgelegenen Täler des Kantons Freiburg. Die Linie Martigny-Orsiere wird mit zwei Autocamions betrieben, welche als Car Alpin für den Transport von Reisenden auf den Grossen St. Bernhard geeignet sind. Ebenso betreiben die Bahnen Solothurn- Bern, Liestal-Waldenburg und Frauenfeld- Wil Automobillinien. Auch die Strassenbahnen sind Verbindungen eingegangen mit dem Automobil. Sowohl in Zürich wie in Bern, wo im ganzen 13 Autobusse verkehren, hat diese Verbindung von Tram und Auto grosse Erfolge zu verzeichnen. In unsern grossen Güterbahnhöfen vorf Zürich und Basel ist die Zusammenarbeit würdevoll auf ihrem Platze. Nur die Krallen drückte sie kräftiger um den Zweig. — Was soll das heissen, erkennst auch du mich nicht? Du meine geliebte Uit-Uit. — Frechheit! Ich kenne Sie nicht, mein Herr, und bitte, mich nicht zu belästigen. Er wollte noch etwas piepsen, aber sie flog bereits davon und verschwand im Dickicht des nahen Parks. Er wurde traurig, aber er war mit den augenscheinlichen Beweisen der Anständigkeit seiner Uit-Uit sehr zufrieden. Der regenbogenfarbene Vogel erstaunte ob seines seltsamen Schicksals und erinnerte sich an die heutigen Ereignisse: «Ich bin zu dem Balkon einer entzückenden jungen Dame geflogen. So war es. Und dann packte mich beim Frühstück plötzlich eine weisse Hand und trug mich ins Zimmer Die junge Dajne hielt mich lange fest (und das war sehr unangenehm), sie streichelte meine Flügel mit einem haarfeinen Ding und dann (ach welch furchtbare Erinnerung!) setzte sie mich in ein dunkles Gefängnis. Der Boden wankte unter meinen Füssen, alles begann sich zu drehen, ich fühlte, dass ich fliege, und dabei bewegte ich meine Flügel nicht, und dann? Ja, man Hess mich heraus, jemand schrie furchtbar laut und ich fand endlich die Oeffnung der dunklen Welt. Und jetzt?» Ein Vogel setzte sich im Vorbeiflug neben ihn.