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E_1929_Zeitung_Nr.031

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 5. AprÜ 1929 Gelte Liste Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — jjo ti ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABOMNEM KNTS-PREISE: Bnctwtnt tedn tNrortag und PMtaf • Monatlich .Gelbe Utuf H»lb)*hrt1eb Fr. 8.-. iflhrllch Fr. 10.-. In Ausland unter Portoztnehlac, taten nicht postamtlich bestellt Zuschlag Tür postaratliche Bestellung Im AD.MIMSTIIAT1ON: 8r*4lenratiMtrasse »7. Ben» In- and Austand 30 Rannen. Posteheck-Hechniins 1H'414 Telephon Itollwerk S».S4 TaleanurinWAdreHe: Autoren». Bern Die Verkehrsinitiative und die Gebirgskantone. Nun hat auch der bündnerische freisinnigdemokratische Parteitag vor einigen Tagen zur eidgenössischen Verkehrsinitiative Stellung genommen. Herr Nationalrat Dr. Meuli referierte über das Thema in ablehnendem Sinne. Seiner Auffassung nach ist die Verkehrsinitiative nichts anderes als eine Verlegenheitsinitiative, die im Jahre 1927 dazu dienen musste, das Automobilgesetz ganz zu bodigen. Herr Dr. Meuli ist der Ansicht, dass im Falle einer Annahme der Initiative jede künftige Regelung des Verkehrs durch bundesrechtliche Vorschriften vereitelt wäre. Auch vom Standpunkt der kantonalen bündnerischen Interessen sei die Initiative unannehmbar. Nach den Berichten in den Bündner Zeitungen ist uns die Argumentation des Referenten nicht ganz klar. Der Vorwurf, als handle es sich um eine Verlegenheitsinitiative, kann mit gutem Gewissen abgelehnt werden. Das Automobilgesetz, das vom Volke nicht ohne Qrund verworfen wurde, hätte niemals diejenige Regelung bringen können, die im Interesse unseres gesamten Verkehrs unbedingt notwendig ist. Deshalb kam die Initiative, die den Bundesrat verpflichten möchte, ein Gesetz auszuarbeiten, das alle Strassenbenätzer in die Gesetzgebung miteifibezl^fit und zugleich aber auch für eine bessert Verteilung des Benzitizolles Sorge trägt. Und da liegt gerade unserer Ansicht nach nicht nur für den Kanton Graubünden, sondern für sämtliche Gebirgskantone der entscheidende Punkt. Kantonale Interessen vor allem erheischen gebieterisch, dass der letzte Stimmberechtigte in den Gebirgskantonen für die Initiative eintritt. Es handelt sich bei dieser Abstimmung nicht mehr in allererster Ljnie um die Interessen der Motorfahrzeug- Besitzer, sondern es stehen ganz allgemein die vitalsten Interessen der Kantone auf dem Spiel. Gerade die Gebirgskantone, vorab die Gebirgsbevölkerung, vor allem diejenige des Kantons Graubünden, hat für das Strassenwesen grosse Opfer zu bringen. Durch die Aufhebung der Durchgangs- und Alpenstrassentaxen geht ihr eine Einnahmequelle verloren, die durch die Zuteilung des jetzigen Benzinzollviertels niemals ersetzt werden kann. Bei der ganzen Verteilung dieses berühmt gewordenen Benzinzollviertels sind Das Gespenst auf den Schienen. Zum 12. Mai. Von K. Karcelli. Wir kennen nur die Hälfte von ons — wer weiss den Rest ? Wyspiainski. Plötzlich verschwand alles! Die Nebelwand flüchtete immerwährend vor dem Zuge. Unheimliche Stille. Nacht. Hart läuteten die Schienen. ' — Einbildung... ! Der Maschinist strich sich mit der schmutzigen Hand über die Stirn. Er wischte von seinem Gesicht die dichten und kalten Schwetsstropfen ab. Der Zug — verloren inmitten des Nebels und der Nacht — eilte mit einer Geschwindigkeit von 80 km in der Stunde dahin. Wie ein Gespenst raste er an den kleinen Stationen vorüber. Bevor sein Pfeifen im Nebel verwehte — hatte er sie längst weit hinter sich gelassen. Die Scheinwerfer zertrennten dauernd die Dunkelheit. Die Nacht schloss sich hinter den im Zickzack fliehenden Wagen. Nur das Echo jagte auf den Schienen. Der Zug fiel — manchmal — zwischen gleichgeschnittene Waldwände und dann erhob sich Gepolter. Wie ein Geschoss stürzte er ins offene Feld und dann polterte er bereits mit seinen flüchtenden Rädern mitten durch die Nacht. Bei den Weichen und plötzlichen Kurven die Gebirgskantone unbedingt zu kurz gekommen. Die gewaltigen Ausgaben, die heute diese Gebirgskantone für das Strassenwesen zu leisten haben, können nur dadurch kompensiert werden, dass der Bund von seinen hohen Benzinzolleinnahmen nicht einfach 23 Millionen Franken für sich in die. Taschen steckt, sondern von dieser sehr beträchtlichen Summe noch weitere Millionen den ärmeren Kantonen abgibt. Das wäre im besten Sinne des Wortes die Hilfsaktion für die Gebirgsbevölkerung, von der bereits schon so viel gesprochen wurde und von der man bis heute so wenig gespürt hat. Mit schönen Worten allein ist unserer Berghotellerie und damit auch den mit ihr in Zusammenhang stehenden Gewerben nicht geholfen. Wollen wir der Entvölkerung der Gebirgsgegenden ernstlich Einhalt gebieten, und es liegt dies im vitalsten Interesse unseres Staatswesens und unserer Demokratie, so müssen wir endlich einmal frisch zur Tat greifen und ohne Zögern und ohne parlamentarische Umschweife das Geld da holen, wo es tatsächlich liegt. Dieses Geld liegt im Bundeshaus, und dort wäre es zu haben, sofern die Bevölkerung Einsicht genüg aufbringt, um der Initiative zum Durchbrach zu läutete er hastig, das nervöse Tempo der Unruhe. Ein einsamer, weiter Weg — Der Maschinist drückte sich stärker in seinen Winkel. Die unerträgliche Glut, die aus dem Ofen drang, setzte ihm zu. Gleichzeitig konnte er ein inneres Zittern nicht beherrschen. Verdammt! Diese dumme Einbildung,... Und- dabei ist doch nichts da. Nur Nebel. Nebel und Nacht. Man hört, wie der nebenan schlafende Heizer schnarcht. Andreas Bryla liebte die Nacht nicht. Manchmal iürchtete er sich vor ihr, immer misstraute er ihr. Düster blickte er vor sich hin. Auf dem Grunde seines Hirns sickerte ein lastender und traumhafter, ein immer gleicher Gedanke... Es sind doch schon drei Jahre her... Ja, ja — seit drei Jahren führt er zum ersten Mal den Zug auf dieser Linie. Seit jenem Tage Das Zuggespenst.jagte neben einem Damm dahin. Das Licht der Scheinwerfer färbte die Nebel. Die Linie der singenden Schienen blieb dauernd die gleiche. Nicht die Nacht fürchtete der Maschinist, aber — ihre Schatten. Jetzt fühlte er ganz deutlich, wie sich seltsam kindliche Angst vor dem unsichtbaren und fürchterlichen Rasen des Zuges in seine Seele schlich — jenem verblendeten Rasen in diese totenstille, dumpfe, nebeldichte Nacht hinein. Mut flösste ihm das irrlichternde Flämmchen der Bahnlampe ein, der ferne Anblick verschwundener Telegraphenstangen! .. v Ausgaben erheben darf. Es ist an der 1 Zeit* dass. Sjch unser schweizerisches Parlament ctiriiber klar wird, dass auch die Politik im Finanzwesen nichts anderes als die Kunst bedeutet, mit den vorhandenen Mitteln das Möglichste zu erreichen. Neben dem Bund haben wir aber noch Kantone und Gemeinden, die ebenfalls saniert werden sollten und die mit ihrem weit engeren Besteuerungsrahmen sich in viel ungünstigerer Lage befinden als ersterer. Auch sie hatten gewaltige Ausgaben, an sie stellte gerade im Zeitalter des Automobils der Ausbau des Strassenwesens enorme Forderungen.* Als Einnahmequellen stehen'den Kantonen und Gemeinden hauptsächlich aber nur die direkten Steuern auf Vermögen und Einkommen zur Verfügung, eine Steuerquelie. die jedenfalls nicht mehr erweitert werden darf. . Irrtum vorbehalten, beträgt die massgebende Kilometerzahl aller Kantone zusammen 6783 km bei zirka 20 Millionen Subvenüonierungsbetrag; wobei es somit pro Kilometer zirka 2940 Franken treffen würde. Und was beziehen nun beispielsweise die Gebirgskantone .pro Strassenkilometer, wenn wir die ganze Subvention nach der Strassenlänge verteilen? Der Kanton Graubünden hat an Benzinzoll bezögen '564 777 Franken. Er verfügt über ein Strassennetz von ;786 km, somit entfallen pro Kilometer 720 Franken. Verglichen mit dem errechneten Durchschnittsbetreffnis von 2940 Franken bezieht somit der Kantott Gtaubünden pro Kilometer bloss einen Viertel der genannten Summe oder Auf irgend einer Meile dieses so langen Weges erzitterte Andreas Bryla. Hier ist es! Er empfand Wangen, Stirn und Nase ergreifende Kälte... und plötzlich drang durch sein ganzes Innere ein — beinahe physischer — furchtbarer Schrei! Einen Augenblick lang gewahrte er, wie in dem schwarzen, einsamen Wald lind hier hinter diesem Nebel — eine von den Menschen unbeachtet gebliebene blutige. Leiche lag. .Im Verlaufe dieses Augenblickes erlebte er noch einmal jenen meuchelmörderischen Schlag und die Flucht... Er gewahrte, wie ein noch vor einer Sekunde lebendiger Mensch fiel... Aechzen im öden, schwarzen Wald! Er packte den flüchtenden Mörder. Stille. Keuchendes, furchtsames Rauschen der Bäume. Andreas Bryla versetzte dem Freund den Todesstoss! Er stach mit dem Messer in den wehrlosen, stillen und warmen Körper. Er zertrat in wahnsinniger Wut das Aechzen im öden Waldjagdgehege. Der Freund wird den Mörder nicht hergeben. Der junge Wald wird das Geheimnis nicht verraten! Niemand hatte es gesehen! Ein Meuchelmörder — ein freier und unentdeckter — führt durch diesen Wald den Schnellzug. Andreas Bryla kam langsam zur Besinnung. Er ernüchterte, fluchte und spuckte aus, einmal, ein zweites Mal. Ein verschlafenes Brummen war die Antwort. Kleine Aeuglein öffneten sich. Der Heizer blickte auf den Maschinisten und zwinkerte INSERTIONS-PKEIS: Die aetugesnaltene 2 mm hohe Grundzelle oder denn Raum 43 CU lür die Schweiz: für Anzeigen ou» dem Ausland SO CU. GrAssRre Inserate nach SeUentaril. InseraieoselihM« 4 Inor vor Krwlwlnen 4er betreffenden Nnmmur verhelfen. --'••'' Dieser Tatsache, die nicht abgestritten werden kann, hält man uns allerdings gegenüber, dass der Bund auf die Einnahmen aus Kanton Graubünden gehen damit jährlich t20Q Franken pro Kilometer zu wenig. Dem dem Benzinzoll direkt angewiesen sei und rund 1,7 : Millionen Franken verloren. dass das mühsam erreichte Gleichgewicht Die initiative will nichts anderes, als neben durch erhöhte Benzinzollbeiträge wieder erschüttert werden könnte. Das könnte sein. der Beseitigung des Strassenverkehr-Chaos, der Regelung des Strassenverkehrs, neben Dem gegenüber möchten wir aber doch hervorheben, dass der Bund noch andere Ein- im Wege steht, den Gebirgskantonen und der das unserem Autotourismus nur hinderlich nahmequellen besitzt, die den Kantonen abgehen. Durch den Ausbau der Verbr'auchs- verhelfen. Fragen wir uns aber . Ist das ge- ärmeren -Gebirgsbevölkerung zu ihrem Rechte und Verkehrsbesteuerung, durch erhöhte Belastung des Tabaks usw. kann sich der spielsweise mit einem achtmal grösseren recht, wenn der Kanton Graubünden bei- Bund die ihm notwendigen Einnähmen auf Strassennetz mit seinen 560 000 Franken alle Fälle sichern. Genügen ihm diese grossen Einnahmen nicht mehr, dann steht unse- der für seine 93 km 1,6 Millionen Franken dreimal weniger als der Kanton Genf bezieht, rer Ansicht nach nur noch ein Weg offen, erhält; ist das gerecht, wenn der Kanton und der hiesse: Abbau in den Ausgaben. Die NidWalden mit 46 km 31 000 Franken erhält, Einnahmen des Bundes sind durch eine derart stark gesteigerte Steuerbelastung, der 3V krh; ist das gerecht, wenn der Kanton also 35mal weniger als Basel-Stadt mit zirka Volkswirtschaft gesichert worden, dass man Schwyz mit einem mehr als viermal längeren unbedingt die Forderung nach Eindämmung Strassennetz (144 km) zirka 154 000 Franken der stets zunehmenden ausserordentlichen ibezieht, also sechsmal weniger als der Kanton Basel-Stadt, der für seine 31 km über eine Million einstreicht? Nein und abermals Nein! Wir gelangen deshalb in Anbetracht dieser in die Augen springenden Ungerechtigkeiten zum Schlüsse, dass bei der jetzigen Benzinzoll Verteilung die finanzschwächeren Gebirgskantone, welche die Mittel nicht allein aufbringen können, um ihr verhältnismässig grosses Strassennetz dem modernen Verkehr anzupassen, zu schlecht wegkommen. Vom reichgedeckten Tisch des Bundes sind ihnen einige Brosamen zugefallen. Diese Art des Vorgehens und der Verteilung lässt sich mit der versprochenen Bundeshilfe für die Gebirgskantone und die Gebirgsbevölkerung nur schlecht vereinbaren. Und deshalb sind wir der Ansicht, dass einzig aus diesem Grunde nicht nur Jeder Gebirgsbewohner, sondern alle Eidgenossen zusammen für die Initiative stimmen sollten. Hier iiesse sich der Wahlspruch «Einer für alle und alle für einen » wieder einmal in die Praxis umsetzen. Die Tat stünde dem Schweizervolke nicht schlecht an. K. Strassenbaufragen in Obwalden -st-. Eines der wichtigsten Probleme, die die Behörden von Obwalden schon seit längerer Zeit beschäftigen und an deren Behandlung sie mit nicht geringer Sorge treten, ist das Strassenausbauproblem. In Obwaldeu wird es zugleich zu einer tiefernsten Finanzfrage, denn der sich stets steigernde Automobilverkehr bedingt notwendigerweise die Beschleunigung eines erfindlichen Ausbaues des kantonalen Strassennetzes, was aber nach sorgfältiger und fachmännischer Be r rechnung eine Aufwendung von rund drei, Millionen Franken erfordern würde, eine Summe, der unser ohnehin stark beanspruchte Staatssäckel niemals gewachsen wäre. Es sei denn, man würde dem Volke zugleich auch erneute und erhöhte Steuerlasten aufbürden. Das Strassenproblem hat den Kantonsrat in den letzten zwei Sitzungen vollauf und sehr intensiv beschäftigt und man konnte sich nach einer lebhaften und zum Teil leidenschaftlich geführten Debatte doch auf eine Vorlage einigen, die den vorläufig notwendigsten Strassenausbau mit einem Kostenvoranschlag von einer Million Franken vorsieht, nachdem die Regierung einen Ani trag aus Automobilkreisen des Kantonsrates, tüf den Strassenausbau und die notwendigen Verbesserungen vom Volke einen Kredit von rund drei Millionen Franken zu verlangen, aufs entschiedenste bekämpfte, dies schon in mit den Lidern. Plötzlich spaltete er die Lider. Er bohrte seine Augen in einen weit von sich entfernten Punkt — Gott — riss mitten in einem Schrei des Entsetzens ab. Zwei Menschenkörper warfen sich' nach rückwärts. Stärker stolperte der Zug. In abgerissenem Klang schrie eine Weiche auf. Maschinist und Heizer standen regungslos. Nur Andreas Brylas Hand lastete krampfhaft auf dem Arm des Heizers. Immer stärker. Der Zug eilte dahin. Die Augen zweier Menschen hatten sich weit aufgerissen und irrlichternd in die furchtbare Nebelfilmwand vor der Lokomotive hineingebohrt. Ein fahles, ungeheures, übernatürliches Gesicht starrte sie aus dem Nebel heraus an! Ein Gespenstergesicht! Der Zug raste gerade auf das Gesicht zu. Vergeblich. Das Gespenst floh nach rückwärts. Die Scheinwerfer beleuchteten die konvulsivische Grimasse der Erscheinung. Vergeblich war das Nachdrängen des Zuges! Das Gespenst lachte in das Licht der Scheinwerfer hinein. Es 1 flüchtete nach rückwärts in die auf den Schienen sich fortschiebende Wolke. Plötzlich verschwand das Gebilde in der Tiefe, wie von einer unsichtbaren Kraft gepackt. Vor der Lokomotive rang im Dunst ein Gespensterknäüel. Geräuschlos stürzten zwei Körperschaften