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E_1929_Zeitung_Nr.031

E_1929_Zeitung_Nr.031

Rücksicht aui die

Rücksicht aui die finanziell prekäre Lage des Staatshaushaltes. Am Landsgemeindesonntag vom 28. April wird nun dem Volke diese Vorlage zur Qutheissung empfohlen, und wir zweifeln keinen Augenblick, dass ihr der Souverän nicht sofort zustimmen wird, dies um so mehr, nachdem Regierung und Kantonsrat von einer Erhöhung der Steuern absahen, die der Vorlage zweifelsohne zum Verhängnis geworden wäre. Das Obwaldnervolk wird sich der Einsicht vor den grossen Bedürfnissen der Zeit nicht verschliessen können, wenn auch der Ausbau der stark frequentierten interkantonalen Durchfahrtsstrasse des Brünig ein fast unerschwingliches Opfer bedeutet. Das kantonale Strassennetz umfasst 55 Kilometer, wobei auf die Brünigstrasse 35 Kilometer entfallen. Im letzten Jahr verausgabte man für den ordentlichen Unterhalt der Kantonsstrassen 110 000 Franken, was auf den Kilometer, inklusive der ausserordentlichen Aufwendungen für Verbesserungen, ca. 3000 Fr. ausmacht. Diese ausserordentlich hohen Verausgabungen nur für den Strassenunterhalt vermögen dennoch nicht die Tatsache von der Hand zu weisen, dass der bisherige Unterhalt doch nur Flickarbeit war und trotz der hiefür gehabten Aufwendungen dennoch nichts bleibendes und zweckmässiges geschaffen werden konnte. Teilorts, wo die Kantonsstrasse durch Gemeinden führt, hat man bereits erfolgreich mit der Asphaltierung begonnen und hiefür im letzten Jahr 55 528 Fr. verausgabt, für Staubbekämpfung allein noch 17635 Fr. Man wird darauf dringen müssen, den Strassenausbau so rasch wie möglich durchzuführen, doch immerhin im Verhältnis zu den zur Verfügung stehenden Mitteln. Das Benzinzoügeschenk hat hier stark enttäuscht, denn die 57 630 Fr. stehen in gar keinem Verhältnis zu den bereits für den Strassenunterhalt in den letzten vier Jahren verausgabten Summen. Nachdem die kantonalen Durchfahrtstaxen vom Benzinzollanteil in Abzug gebracht wurden, musste man sich mit dem zur Verfügung gestellten Betrage zufrieden geben, andererseits aber muss auch gesagt werden, dass der Verteilungsmodus zu Ungleichheiten führte, denn die ohnehin Hnanzarmen Bergkantone mit dem langen Strassennetz sind gegenüber den grossen Kantonen ganz schlecht weggekommen. Dies beweisen uns schon die nachfolgenden Zahlen, hat doch beispielsweise Baselstadt auf den Strassenkilometer 35 000 Fr., Genf 17500 Fr., Tessin aber nur 1860 Fr., Obwalden 1640 Fr, und Nidwaiden gar nur 770 Fr. erhalten. Künftighin soll nun der Verteilungs^ rnodus geändert werden, auch kommen für uns die Durchfahrtsgebühren nicht mehr in Abzug, und dennoch lässt diese Verteilungsart zu wünschen übrig, den bei zwei Dritteln Auslagen und ein Drittel Strassenlänge kommen die kleinen Kantone wieder zu kurz; gerechter wäre allerdings die Formel: ein Zweitel Strassenlänge und ein Zweite! Auslagen. Durch den bedeutenden Ausfall der aufgehobenen Durchfahrtsgebühren erleidet der Staat eine empfindliche Einbusse und ein Ausgleich wird hier kaum je erreicht werden können. Dies rechtfertigt aber noch keineswegs eine auch nur teilweise Sistierung der bereits in Aussicht genommenen Strassenverbesserungen, noch eine Verschiebung der akuten Strassenbaufragen, denn die wirtschaftlichen Interessen schon bedingen eine rasche Verwirklichung der Strassenausbauprojekte. Obwalden ist auf Handel und Verkehr angewiesen und d'.tse wiederum auf den Autoverkehr. Man darf hier mit einem sich bedeutend steigernden Automobilverkehr rechnen, denn schon die Aufhebung der Durchfahrtstaxen berechtigt zu dieser Annahme, Die Bedeutung, die dem modernen Verkehrsmittel zukommt, darf nicht unterschätzt werden, das Auto hat sich heute zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor heraufgearbeitet und man wird sich auch in Obwalden mit dieser unwiderleglichen Tatsache abfinden müssen. Anmerkung der Redaktion : Die empfindliche Einbusse des Kantons könnte leicht eingeholt werden, wenn den Kantonen nicht nur ein Viertel des Benzinzolls, sondern der ganze Benzinzoll zugehalten werden könnte. Dies bezweckt "die am 12. Mai zur Abstirrimung gelangende Strassenverkehrsinitidiive. Sie will dem Volke geben was dem Volke gehört. Sie möchte den Qebirgskantonen mit einer Tat helfen, nicht nur mit schönen Worten ! Es liegt deshalb im ureigensten Interesse aller Obwaldner, der Initiative geschlossen zum Darchbruch zu verhelfen! Die Automobilfalle Frauenkappelen. Di« Automobilfalle, die im Sommer 1928 * in Frauenkappelen ihr Unwesen trieb, war weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Weit -und breit empörte man sich berechtigter Weise über die versteckte Kontrolle der Polizeiorgane und die oft. erst nach Wochen unerwartet plötzlich zugestellten Bussenverfügungen Es ist ein Verdienst des Rechtskonsulenten der Sektion Bern des A. G S. Herrn Dr. R. v. Stürler Advokat in Bern sich dieser Kontrolle näher angenommen zu haben, für 8 Angeschuldigte hat er gegen erlassene Strafmandate Einspruch erhoben und das Gerichtsverfahren durchgeführt.. Der Erfolg war ein durchschlagender, indem von 8 Angeschuldigten 6 infolge Mangelhaftigkeit der Kontrolle und des Kontrollsystems überhaupt freigesprochen worden sind. In beiden Fällen, in denen ein Freispruch nicht erfolgt ist, wurde in vollem Einverständnis mit dem erstinstanzlichen,. Richter die Appellation erklärt, um bei dieser Gelegenheit auch dem obersten kantonalen Gerichtshöfe' die Mängel dieser versteckten und ungenauen Kontrollen vor Augen t\s führen. - ••.,:.•• •"-•••J" Die polizeilichen Kontrollorgane pflegten...sich jeweils wie folgt aufzustellen: Eine elektrische Klingeleinrichtung verband vier Beobaentiiiigspoentläng aufgestellt waren; Die beiden- aiissbrkWft* Posten funktionierten als Vörwarnef, J nrtenY"si"fr *aW heranfahrenden Wagen durch zweimaliges Kingeln zu signalisieren hatten, ein Signal, das alle 4 Posten hörten Die Messstrecke befand sieh zwischen den 2 innern Posten. Wenn nun der sig- ; nalisierte Wagen die Endmftrke dB?! Messstrecke überfuhr, so klingelte der dortige Posten einmal, worauf alle 4 Posten ihre Stoppuhren in Bewegung setzten. Durchfuhr dann der Wagen die andere Endmarke der Strecke wo sich det zweite innere Posten befand, so gab dieser wiederum durch klingeln das Zeichen zum Abstoppen der Uhren. Die zwischen den beiden innern Posten befindliche, Mesastrecke betrug 213. Meter. Die..eine Endmarke bestand in einem Mauerende mit Markstein am jenseitigen Strassenrande. auf den der hinter einem Scheunentor versteckte, durch einen SpaH AirrOMOBn.-RFvt/E 1029 - 31 hinäusschauende Kontrollposten unter einem Winkel von 20° beobachtete, so dass schon allein aus dieser schiefen Beobachtung eine Verkürzung der Messstrecke von 10 Mr.ter oder ein Messfehler von ö% zu ungunsten der Automobilisten resultierte. Der andere Kontrollposten, ca. 15 Meter von der Strässe entfernt, beobachtete' hinter einem MisU naufen hervor, zudem noch von unten hinauf auf eine Linie auf der Strasse, welche den Steinpflasterbelag vom Teerschotterbfclag trennte! Die Grosse des durch diese Beobachtung hervorgerufenen Messfehlers war überhaupt zahlenmässig nicht festzustellen. Die Messstrecke befand sich am Dorfausiang, direkt voi Beginn der offenen Strecke, d. h. an einer Stelle wo jeder nicht besonders ortskundige Fahrer glauben musste, auf offener Strecke zu'.sein Die Kontrollorgane waren — trotz der Behauptungen des kantonalen .Polizeidirektors, die Kontrollen würden durch Polizisten in Uniform ausgeführt — in Zivil. -Seitens des Verteidigers war beim erstinstanzlichen Richter eine Expertise über die Genauigkeit des Messverfahrens verlangt worden. Die vom Kantonsgeometer, Herrn Hünerwadel, vorgenommenen umfassenden Untersuchungen betr Reaktionszeiten der einzelnen Beobachter ergaben zum Teil ganz .erhebliche Fehlerquellen. Dass diese Fehlerquellen mU der. Kompliziertheit des Verfahrens und mit der. Zahl der Kontrollorgane beständig .wachsen, ist ohne weiteres klar, denn je mehr Augen, Hände und Ohien jedesmal in Bewegung gesetzt werden müssen, desto grösser eben jedesmal die Möglichkeit Vor Fehlern, die sich notwendigerweise zu Ungunsten des Automobilisten verr grössern müssen, indem jede kleine Verzögerung des einzelnen Kontrollorgane« die Sekundenzahl —- auf, die Messstrecke bezogen — zu Ungunsten des Automobilisten verkleinert, d. h. einer Verkürzung der Messstrecke gleichkommen. r Die Tatsache, dass mit 4 Beobachtern und 4 Uhren gleichzeitig gearbeitet, resp. kontrolliert wird, berechtigt nun aber keineswegs etwa zu der Annahme, als ob es sich dabei um 4 von einander unabhängige Messungen handeln würde. Diese Schlussfolgerung wäre absolut falsch Wohl werden 4 verschiedene Zeitmessungen erhalten. Diese basieren aber alle auf ein und denselben Beobachtungen und Klingelzeichen, d h. es handelt sich um eine einzige Messung Der Kantonsgeometer ist nach langen und eingehenden praktischen Versuchen zum Schlüsse gelangt, dass das in Frauenkappelen monatelang zur Anwendung gelangte geheime Kontrollsystem, da3 übrigens auch von fast allen andern geheimen Kontrollen angewendst wird, Fehlerquellen von mindestens 30% in sich schliesst, ohne dass etwa Gewähr dafür bestehen w'ürde/dass die Fehlerquelle nicht gegebenenfalls noch ganz erheblich grösser ist Die beste. Gewähr, die Genauigkeit der Kontrollmessungen zu heben und die Wahrscheinlichkeit von Fehlermessüngen zu vermindern, würde ein. mal in der Verlängerung der Messstrecke liegen. Bei gleichbleibenden Messungssicherheiten würden damit die effektiv zu erwartenden Fehler geringer. Eine weitere, noch weit wirksamere Verbesserung der Genauigkeit könnte erreicht werden, wenn die Messungen derart angeordnet würden, dass mindestens' zwei, oder drei voneinander unabhängige Messungen, die auf unabhängig voneinander gerr achten .Beobachtungen beruhen, gemacht würden. ^Sobald es sich darum handelt, auf Grund von Messungen oder Angaben von Polizeiörgänen die Pührer-i^ "MotDTftfhrafeug'eii; vÖr~üericht zursfellen, zu verurteilen oder freizusprechen, 'so darf dies alChl!rilclfi5lingeT i wel8¥'nW"WürUfünd'Von' : Messungen geschehen, die eine absolute Garantie für deren Richtigkeit bisten und grössere oder kleinere Fehlerquellen, d. h. eine Fehlerquelle von Anfang an ausschße'.sen Diese Gewähr ist aber nur gegeben durch mehrere voneinander unabhängige, gestützt auf unabhängige Beobachtungen gemachte Messungen Solche Messverfahren und Apparate bestehen, sie brauchten bloss in Anwendung gebracht zu werden 1 Solange dies nicht der Fall ist. wird die Beurteilung für den Richter immer eine schwierige Aufgabe sein, denn es fehlt ihm die absolute Sicherheit, sein Urteil.,auf unumstössliche Tatsachen zu basieren. Gestützt auf das vom Kantonsgeometer abgegebene Gutachten nahm der Richter eine Fehlerquelle von 30% zugunsten der Angeschuldigten an. In den- beiden Fällen, In denen eine Verurteilung erfolgte, genügte die angenommene Fehlerquelle von 30% nicht, um die gemessene Geschwindigkeit auf das gesetzliche MMR ZU reduzieren. Dagegen sprach, der Richter selbst den Wunsch aus. es möchte doch die Appellation erklärt werden, damit einmal auch, höhern Orts zu dem heute angewendeten, mit einer Menge von Fehlern und Fehlerquellen behafteten Kontrollsystem grundsätzlich Stellung genommen werden müsste. Wir sind überdies- überzeugt, dass nicht suletzt auch die Polizeiorgane, denen die Durchführung derartiger versteckter Kontrollen seitens ihrer Oberbehörde zugemutet wird, eine Aufhebung dieser heimlichen, mit ungeeigneten Instrumenten durchgeführten, ungenauen Kontrollen be^rüßsen werden. Es isi dem Stand und der Würde unstres bernischen Polizeikorps unwürdig, wenn von ihm verlangt wird, dass es. wie Landstreicher hinter Büschen, Scheunentoren und Misthaufen versteckt, den Automobilisten aufpassen soll, um diese, ohne dass sie sich irgendwie nur 7u der Anzeige aussern könnten, heimlich und ohne sich zu erkennen TU geben, dem Richter zu überweisen. Es ist das an unsere Polizeiorgane seitens der Oberbehörden gestellt« Ansinnen — wir wiederholen es — eine Zumutung den Männern gegenüber, wis sie das bernische Polizeikörps glücklicherweise srösstenteils enthält nn» würdig, ihr Ansehen herabmindernd und im höchsten Grade entehrend und unschicklich- • f Lord Montague of Beaulieu. Im Alter von 60 Jahren ist nach langer Krankheit der Präses des englischen Automobilclubs, Lord. Montague of Beaulieu, gestorben. Als Oxford-Student war er Schlagmann der siegreichen Rudermannschaft des Jahres 1887. Dann bereiste er als Ingenieur die halbe Erde, gründete und redigierte die bekannt« Auto-Zeitung «The Autocar» und hat als Gründer des Königlichen Automobile] ubs und Oberhausmitglied sich führend an der fortschrittlichen Ausbildung der Automobilgesetzgebung und der besonders von Lloyd George gepflegten grosszügigen Wegebaupolitik beteiligt. SPORTLICHES Neue Weltrekorde. Der Engländer Kay Don hat mit einem Sunbeam-Fünfliter-Wagen im Autodrom von Brooklands den 5-, 10- und 50-km-Rekord gebrochen, und zwar mit folgenden Stundenmitteln : 5 km in 209,870 km, 10 km in 209,430 tan, 50 km in 198,420 km. Königsal-Jilowltsch-Rennen. Für das am 28. April stattfindende Internationale Automobilrennen bei Prag haben sich neben Caracciola (Mercedes-Benz), Neugebauer-Brieg (Meroedes-Benz), Macher (D.K.W.), Hirth. (Mercedes-Benz), und ein Hanomag gemeldet : . . für das italienische Mille MitUa-Rennen isi die Nennungszahl 100 bereitsr Überschritten worden. Das gigantische Ueberlandrennen wird, alle grossen Rennfahrer der Halbinsel am Starte sehen. Die über 1670 km führende Strecke ist folgende : Brescia, Parma, Bologna, Futa-Paas, Florenz, Siena, Viterbo. Rom, Civita Castellana. Terni. Perugia, Macerata, Ancona, Bologna, Rovijfo, Padu», Trevisa, Feltre, Primolano, Vicensa, .Verona, Brescia. Der Tag des Austrages (13.-14. April) wird in der italienischen Presse als Qrosstag nationalen Automobilsportes bezeichnet Die Veranstaltung, die vom Autocnobilclub von Brescia organisiert wird, steht unter dem unter die Räder. Triumphal dröhnte das Poltern des Zuges. Er hatte sie übertahren! Und doch nicht. Schon schob sich vor der Lokomotive ein seltsamer Rumpf hin und flatterte mit zwei Tüchern! Der Wind riss an ihnen. Die Schienen ächzten auf der ganzen Länge des Zuges. Es tanzte im Dunst — wie auf einer Schnur aufgehängt — ein ungeheurer und verkrüppelter Bajazzo. Ein Bajazzo-Gespenst. Maschinist und Heizer schauten — von der Höhe der Lokomotive — mit bewusstlosen Augen auf ihren unsachlichen, furchtbaren Traum ... Blind war nur das Rasen des Zuges! Blind und gleichgültig die Drehungen der Räder! Im gespenstischen Schein der Scheinwerfer blähte sich auf der graublauen Filmleinwand eine ungeheuerliche Maske. Sie barst. Riesige Windmühlenflügel rotierten vor der Lokomotive. Immer rascher — immer rascher. Sie flössen mit dem Hintergründe zusammen. Nebel. Man sah nichts mehr. Der Zug keuchte schwer. Er lief in die Nacht mit der langen Lawine der Wagen. — Ein Geist .. — stotterte der nur noch halblebcndige Heizer. Der Maschinist machte eine unentschlossene Geste. Regungslos blieben sie auf der Stelle stehen. Wie dieser Zug zittert ... Plötzlich rückte Andreas Bryla ab. Einige Meter vor der dahinfliegenden Lokomotive wuchs aus dem schwarzen Graben ein hageres Gespenst mit erhobenen Armen. Es hing einen Augenblick lang schräg. Dann drängte es gewaltsam unter die Räder des Zuges! Heizer und Maschinist standen still, wie versteinert. Dann stürzten sie gleichzeitig an den Hebel. Der Zug wankte. Gegendampf! Krachen und Knirschen aller Wagen. Die Räder begannen sich mit furchtbarem Gewimmer rückwärts zu drehen. Noch lief die Lokomotive vorwärts. Aber es war das Laufen des zu Tode getroffenen Ungeheuers. Mit jeder Sekunde zerbrach der furchtbare Impetus des Eisens ... Schliesslich siegte der kleine, schwarze Maschinist. Der Zug stand still. Einige Meter vor der Lokomotive stand das Gespenst und kreuzte die Arme. Der Zug stand inmitten eines totenstillen Feldes. — Ich werde hingehen! — Hess sich eine junge Stimme aus einer kleinen Schar von Reisenden vernehmen, die sich neben der Lokomotive zusammengeballt hatte. Manch einer blickte hinter sich, auf die Linie der schweigenden Wagen. In den leeren, von den Scheinwerfern beleuchteten Raum, trat ein junger Mensch. Ei begann auf das im Dunst hängende Gespenst loszugehen. Aus dem schweigenden Kreise der Reisenden fiel ein kurzer, erstickter Schrei. Die Gestalt des Wagehalses verschwamm bereits inmitten des vom stumpfen Schein beleuchteten Nebels. Schon war er am Rande des beleuchteten Raums. Dahinter lag die Nacht. — Es ist niemand da! —Die bei der Lokomotive Stehenden hörten die gedämpften: Worte. Die Gestalt des Sprechers verschwand aus den Augen der Reisenden. An der Stelle, wo er verschwunden war, ragte die Erscheinung regungslos in die Höhe. Unfassbar! Endlos larnre Minuten schleppten sich dahin, angefüllt vom Aechzen der Lokomotive Immer stärker zog sich der unsichtbare Gürtel der Angst zusammen. Aus der Tiefe der schrecklichen Nacht schlichen sich Schritte heran ... Der junge Reisende kehrte nicht zurück. Das Warten wurde unerträglich. — Gehen wir — schrie man in der Masse. Da stiess der bisher regungslose Schatten riesige Konturen in den Raum. Panik warf die Menschen zur Erde. Ein einzelner, hysterischer Schrei. Auch er verstummte. Stille. Plötzlich knirschte der Kies unter raschen Schritten. — Die Brücke ist auf den Geleisen durchbrochen! ... Aus dem Schatten löste sich die Gestalt eines Menschen. Die Menschenmasse drängte vorwärts. Stimmen sprudelten los. Die ängstliche Verwirrung, beherrschte eine kräftige, aber zitternde Stimme: — Unweit von hier befindet sich ein Fluss. Eine tiefe Schlucht. Man hört das Rauschen des Wassers. Die Hälfte der Brücke ist durchgebrochen! ... Welcher Zufäll! Noch eine Minute. Fahrt ... Der junge Mensch schwieg. "Niemand antwortete. Tiefe Stille entstand, während deren jeder einen Augenblick lang im Innern das furchtbare-Krachen der in den Abgrund der wilden Schlucht stürzenden Wagen erlebte... In die Stille drang abermals ein Schrei. Dann herrschte wiederum Schweigen. Tief auf der Erde lastete das Echo der unenträtselten Nacht ... Ihre riesigen Flügel flatterten über der menschlichen Masse. Im Nebeldunst schwankte das Gespenst. Der geheimnisvolle Schatten wurde immer ungeheuerlicher ... Die Stille drang durch die Menschen .. Sie nahm die Gestalt von etwas Unbekann tem an Plötzlich fiel ein Laut des Erstaunens. Die Menschen erzitterten. Ich hab's, schrie einer der Reisenden, der sich über den Scheinwerfer an der Lokomotive beugte. — Das Rätsel ist gelöst! Aller Augen richteten sich auf den schreienden Menschen. Schaut her! — schrie der Reisende. Er streckte die Hände aus. Hinter dem Glas des Scheinwerfers flatterte — durch einen seltsamen Zufall verirrt — ein Nachtfalter! Er hieb mit den Flügeln an die Scheibe. Der Schatten dieser Flügel fiel, ins Ungeheuerliche gesteigert, auf die Nebelfilmwand. Lärm des Erstaunens erhob sich — und erstarrte plötzlich. Der Maschinist! Wo ist der Maschinist? ... — Hess sich jemand vernehmen. Andreas Bryla stand ein wenig abseits von der Lokomotive. Abgeborstene, seitliche Lichtstrahlen fielen direkt in sein Antlitz. Das war eine aschfahle, von der Grimasse ungeheuerlicher Angst verzerrte Maske. Ein Falter ... Der leblose Blick schweifte über die zu Tode erschrockenen Gesichter der Reisenden — blickte auf den nun regungslosen Rumpf der Lokomotive — und das Auge bohrte sich plötzlich in die Nacht. Er sah den hunderte von Kilometer zurücklegenden Zug. der nun plötzlich über dem Abgrund Halt gemacht hatte. Wer hatte das Signal gestellt ? Wenn es ein Mensch nicht vorausgesehen und berechnet hatte — ...? Andreas Bryla erzitterte. Vom fernen und unbegreiflichen Ufer der Nacht brachte das Echo das Stöhnen des Ermordeten. Der Mörder war geflohen. Niemand hatte es gesehen! Jetzt — in einem einzigen Erzittern des Herzens — zerfloss seine Sicherheit ... Zum erstenmal seit vielen, vielleicht 0M*ezählten Jahren erschrak Andreas Bryla vor dem Blick — Gottes.

- 1929 AUTOMOHn -RPVIIE besonderen Patronat Mussolinis. Der organisatorische Apparat, namentlich die Absperrung der riesigen Strecke durch Soldaten der schwarzen Miliz, sucht seinesgleichen. Unter den Konkurrenten befindet sich der einst vielgenannte Faszistensekretär ^Farinacci. Das letzt] ährige Rennen wurde von Campari auf Alfa Romeo gewonnen, der dieses Jahr seinen Titel verteidigen wird. Raketenfahrt auf dem Nürburg-Ririg. Am Ostermontag startete der bekannte Raketenwagenfahrer Volkhart auf dem Nfirburg-Ring vor einer grossen Zuschauerinenge einen Raketenwagen und — als erster in Europa — ein Raketenrad. Ein Augenzeuge berichtet über die gelungene Veranstaltung: ... Trüb und kahl liegt die ßrosse Startfläche de« Nürburg - Rings im Morgennebel. Nachrichten vom -Rhein sagen, dass es dort regne. Da, ein Sonnenstrahl in dem Augenblick, als Volkhart. Fräulein Waidenfels und Sander die Tribüne erreichen. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und unbemerkt von den Zuschauern wird ein Startversuch mdt zwei Raketen auf dem Raketenrade vorgenommen •Allmählich kommen die Zuschauer. In den Reetaurationen in der Tribüne und im Mercedes-Benz- Turm wird es lebendig. Die Parkplätze im Fahrerlager und auf 1 der Terrasse füllen sich. Trotz des unsicheren Wetters strömen Tausende zum Nür- ,burg-Ring, um Volkharrt zu sehen. Eine Lautsprecheranlage unterhält das Publikum mit Musik. Pünktlich 2 Uhr 30 ertönt die Stimme Volkbarts durch den Lautsprecher. Volkhart erklärt dem Publikum seine Ziele, seine Absichten und begibt ßich dann zu seinem Wagen. Der Wagen steht an der äusseren Nordkurve, den Zuschauern verborgen. Plötzlich ein Zischen, ein Rauschen, eine Dampfwolke und au« der Kurve heraus schiebst der rote Wagen, mit einer Riesen-Feuer- und Rauchfahne hinter sich, an der Tribüne vorbei. Die mutige Begleiterin Volkharte, Fräulein Waldenfels, im zweiten Sitz, einen Nürburg - Ring - Wimpe! schwingend. Ein Mercedes bringt Volkhart vom Ziel zum Starthaus, wo er sofort durch den Lautsprecher dem Publikum seine soeben erlebten Eindrücke über den Start kundgibt. Nun kam das Neueste,