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E_1929_Zeitung_Nr.032

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 9. Aprü 1929 Nummer 20 Cts. 25, Jährgang. — N° 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: _ Erscheint leden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Uste" Halbjährlich Fr. S , jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, Solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Dreltenralnstrasse 97, Her» In- und Ausland 30 Rannen. Postcheck-Recbnune IH'414 Telephon Bollwerk 39.84 Teleeramm-AdresM: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder daran Raunt 45 CU. (ttr dl» Schweiz; Cur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. • Grössere Inserate nach Seitentarif. Instralenseklnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Ntimmer Eidgenössischer Fiskus und Automobil Um unsere eidgenössischen Staatsfinanzen den parlamentarischen Erörterungen entzogen wurden. Den Aüssenstehenden ging der konnte es uns jahrelang bange sein. Der Krieg frass ein gewaltiges Loch in unsern klare Ueberblick über das Anwachsen >. der Bundessäckel. Defizite häuften sich auf Defizite, bis ein Gesamtbetrag von fast 1,5 Mil- ausserordentlich einfachen Praxis im Zusam- Staatsschuld verloren. Es hing das mit der liarden Franken erreicht war. Zehn Jahre menhang, Kredite zu gewähren, auch >wenn hat es gebraucht, um unsere Verwaltungsrechnung wieder ins Gleichgewicht zu brin- diese einfach in der Kapitalrechnung zu ver- das Geld dafür nicht vorhanden war und gen. Daran haben die exorbitanten Zölle auf buchen. Im Hinblick und im Interesse eines Motorfahrzeuge und ihre Zubehöre ein Wesentliches beigetragen. Nun weist der Ab- aber auch im Interesse unserer schwerbela- geordneten Staatshaushaltes, nicht zuletzt schluss des Jahres 1928 zum ersten Male steten Volkswirtschaft muss wohl in Zukunft wieder einen Ueberschuss auf, währenddem unbedingt darauf gehalten werden, dass die das Jahr 1927 noch mit einem Fehlbetrag von Gesamtausgaben eines Jahres die Gesamteinnahmen nicht mehr übersteigen. Neue 1,5 Millionen Franken abschloss. Im Jahre 1928 endlich überschritten die Einnahmen der Fehlbeträge sollten unter allen Umständen •Verwaltungsrechnung die Ausgaben um 23 vermieden werden. Es geht einfach nicht Millionen Franken. Ebenfalls positiv schliesst die Kapitalrechnung ab, die während langer mehr an, im Parlamente ausserordentliche Jahre mit gewaltigen Beträgen für ausserordentliche Ausgaben beschwert worden war. Ausgaben zu beschliessen, ohne dass die Mittel dazu vorhanden sind. Nur eine sorgfältige Finanzpolitik, die ihren Rückhalt Dank verschiedener neuerschlossener Einnahmequellen, dank einer verdreifachten selbstverständlich im Parlament finden mnss, Zollbelastung ist es dem Finanzdepartement wird es uns ermöglichen, in der vorgesehenen Zeitspanne sich der enorm grossen möglich geworden, die ausserordentlichen Ausgaben auf dem Kapitalkonto zu decken Schuldenlast zu entledigen. Aus unserer und seit dem Jahre 1926 aus den Ueberschüssen der Kapitalrechnung ein Tilgungs- Steuerleistungen, gepresst werden können. Volkswirtschaft werden kaum mehr erhöhte konto zu äuffnen, dem bereits 100 Millionen Mit indirekten Steuern ist unser. Volk belastet genug. Es- heisst demnach auch für den Franken zur Abtragung der gewaltigen Staatsschuld entzogen werden konnten. Es Bund, sich endlich einmal nach der Decke ist ganz klar, dass die Finanzmanipulationen strecken. Eine Ueberlastung unserer Volkswirtschaft mit indirekten und direkten nicht ohne stärkste Belastung unserer Volkswirtschaft vollzogen werden konnten, sind Steuern müsste sich schwer rächen. doch, wie erwähnt, die Zolleinnahmen vom Es ist nicht zu vergessen, dass wir neben Jahre 1919 im Betrag von 67,6 Millionen Franken bis ins Jahr 1928 auf 236 Millionen Franviele Kantone und Gemeinden besitzen, die dem eidgenössischen Staate noch so und soken herauf geschraubt worden. Davon entfallen rund Kriegsjahre zerrütteten Finanzhaushalt zu noch nicht in der Lage waren, den durch die sanieren. Den letzteren stehen neben den direkten Steuern aus Vermögen und Einkommen die etwa auf 17 Millionen sich belaufenden Automobilsteuern und -Taxen zur Verfügung, deren weitere Erhöhung unmöglich ist. Vom Bunde haben die Kantone aus dem sogenannten Benzinzollviertel rund 7 Millionen Franken erhalten, gleichbedeutend einem Tropfen auf einen heissen Stein, währenddem der Bund die 43 Millionen Franken kaltlächelnd für sich behielt, mit denen er wohl irgend ein Loch seines Defizitsäckels verstopfen konnte. Dabei aber sind die Kantone um ein beträchtliches Geld, das eigentlich ihnen gehört, weil sie einzig und allein für ihren Strassenunterhalt aufzukommen haben, 50 Millionen Franken oder gut ein Fünftel auf Zölle, die mit der Einfuhr von Motorfahrzeugen und ihren Zubehören in Zusammenhang stehen. Nach einem aufgestellten Tilgungsplan soll es möglich sein, den noch vorhandenen Passivüberschuss von 1564 Millionen Franken, wovon die jährliche Zinsenlast rund 107 Millionen Franken beträgt, in vierzig Jahren aus der Welt zu schaffen. Treten keine Verwicklungen internationaler Art in den nächsten Jahren auf, so rechnet man mit der Einbringung von ausserordentlichen Reserven, die eine Verkürzung der Tilgungsdauer ermöglichen würden. Nun weiss man Ja, dass das eidgenössische Finanzdepartement bis heute eine etwas sonderbare Buchungspraxis ausübte, indem die ausserordentlichen Ausgaben in der Kapitalrechnung des Bundes eingetragen und diese somit der Verwaltungsrechnung und damit zu kurz gekommen. Hier möchte nun die Strassenverkehrsinitiative eingreifen und den Kantonen den Betrag zuhalten, der ihnen von Rechts wegen unbedingt zukommen sollte. Von den SO bis 52 Millionen Zolleinnahmen verblieben dem Bunde dabei immer noch über 20 Millionen Franken. Wir geben ohne weiteres :zu; dass bei'den gespannten Finanz- Verhältnissen der Eidgenossenschaft die Zuteilung des gesamten Benzinzollertrages an die Kantone im Bundeshause empfindlich verspürt-werden müsste. Trotzdem aber würde das Budget wohl nicht aus dem Gleichgewicht'geraten. Es stünde ansonst auf sehr wackligen Füssen, was näher zu untersuchen nicht unsere Aufgabe sein,kann... Tm übrigen wäre es dem Bunde ein leichtes, den Ausfall des Benzinzollertrages durch eine noch straffere Sparpolitik einzubringen. Ja, gerade der Wegfall dieser Einnahmequelle müsste vor allem das Parlament zu einem vorsichtigeren Finanzgebaren zwingen Rekrutierung zur Aus militärischen Kreisen wird uns Beschrieben: Beobachtungen aus den Schulen und Kursen des Motorwagendienstes zeigen in den letzten Jahren, dass sich; immer mehr und mehr Leute zum Motorwagendienst rekrutieren lassen, die wohl die kantonale Fahrbewilligung, jedoch keine genügende Fahrpraxis besitzen. Allgemein scheint der.Glaube verbreitet zu sein, die.kantonale Bewilligung befähige ohne weiteres zum Militärfahrer. Das ist aber nicht der Fall, und so müssen immer wieder in den ejsten Tagen einer Kekrutenschule Leute abgewiesen und .eitler ..andern.Truppeifgattung zugewiesen werden, weil sie die militärische Eignungsprüfung nicht bestehen konnten, trotzdem sie die kantonale Fahrbewilligung besassen. So kamen beispielsweise in der gegenwärtigen Rekrutenschule in Thun 25 Mann wegen Unfähigkeit zur Entlassung. Solche Entlassungen haben für die Betroffenen oft sehr unangenehme Folgen. Sie können ihnen beruflich schaden, Neuanstellungen fraglich machen, sie in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Denn nicht selten sind die Fälle, wo die Leute im Vertrauen auf ihr Einrücken zum Militärdienst ihre Zivilstellung kündigen. Oft ist es auch der Prinzipal,, der •— leider — die Gelegenheit benützt, dem jungen Mann das Arbeitsverhältnis aufzusagen. Andere kommen aus dem Ausland. Die Reisekosten gehen bis an die Schweizergrenze zu ihren Lasten. Und dennoch muss auf der Abweisung der schlechten Fahrer beharrt werden, denn die Anforderungen an den Militärfahrer sind bedeutend grössere, als sie in Zivil an den Mann je.gestellt werden. Er muss bei jedem Wetter, bei Schnee, Kälte, Nebel und auf schlechten Wegen und engen Gebirgsstrassen fahren. Er muss ganze Nächte am Steuer durchhalten. und es davor bewahren,, beständig regionaler und Sesselinteressen wegen mit der grossen Kelle anzurichten. Aus diesen verschiedenen Gründen, die ganz besonders im Interesse unserer kantonalen Finanzen liegen, wird jeder einsichtige Schweizerbürger dazu kommen müssen, der Verkehrsinitiative sein Ja zu geben. In dieser Frage haben nun nicht mehr die Parlamentarier, sondern hat das Volk das entscheidende Wort, dem es nicht gleichgültig seiu kann, in welcher Art und Weise über die Bundesgelder verfügt wird und ob dabei unbedingt und unter allen Umständen die finanzärmern Kantone und Gemeinden immer zu kurz kommen müssen. K. Motorwagentruppe Er muss mit abgeblendetem Licht oder voll ausgelöschten Lichtern stundenlang fahren können. Er muss anhaltend in einer Kolonne von 30 Fahrzeugen auf genauem und sehr kleinem Abstand dem Vorderfahrzeug folgen, trotz Staub und Regen. Was das bedeutet, weiss nur der, der es mitgemacht hat oder in einer Klausenheimfahrt in nebligem Wetter andeutungsweise und ungewollt zu spüren bekam. • Alle diese Fahrforderungen sind aber für den Militärfahrer Selbstverständlichkeiten. Sie können jedoch in der kurzen Ausbildungszeit nur erreicht-werden, wenn die Basis dazu, das ist das Einzelfahren, durch eine gründliche und anhaltende Zivilpraxis geschaffen und erhalten wird. : Im weiteren ist zu berücksichtigen, dass vom Militärfahrer grösste Selbständigkeit gefordert und sehr kostspieliges, zum Grossteil nicht versichertes Transportgut und ebenso oft auch Menschenleben zum Transport unter schwierigsten Verhältnissen anvertraut werden (Führen von Kommandostäben, Transport von Truppen mit 30 Mann pro Lastwagen etc.). Die Militärfahrzeuge bedürfen auch ganz besonderer, sorgfältiger Pflege, denn sie werden schärfer und anhaltender beansprucht und mehr den Temperaturen und Witterungseinflüssen ausgesetzt, denn die zivilen Fahrzeuge. Sie müssen auf allen, auch den schlechtesten Wegen gefahren und der Parkdienst bei jedem Wetter in primitivster Dekkung durchgeführt werden. Gedeckte Parkierungsmöglichkeiten sind für die Grosszahl der Fahrzeuge selten vorhanden. Das alles würde vollauf genügen, um den strengen Massstab der Rekrutierung zu begründen. Nun sind aber auch in den letzten Jahren in verschiedenen Wiederholungskursen recht schwere Unfälle, einige sogar mit tödlichem Ausgang, vorgekommen, und die Der Spieler. Von Georg Fuchs. Da sass er nun in Nizza. Im Spielsaal des Casino Municipal. Zweiunddreissigtausend Franken lagen in der Bank. «Banco!» rief sein täglicher Nachbar, ein zäher Pole. Ludwig Brück überlegte: sollte er passen, sollte er austeilen? Aus seinem letzten Tausendfrankenschein war die Summe entstanden. Doch er war nicht ängstlich; die vierzehn Tage seines dortigen Aufenthaltes hatten ihn zum richtigen Spieler umgewandelt. Und er teilte die Karten aus. Brück hatte acht, den kleinen Schlager; der Pole neun, den grossen! Das papierdünne, messerartige Holzinstrument des Croupiers fegte über den Tisch der Betrag wanderte zum Polen hin, ein neues Spiel wurde klar gemacht. Wütend stand der Verlierer auf, verliess den mit besonderen Schnüren von den übrigen Tischen abgesonderten 1000-Franken- Mindestsatz-Tisch, trat zum nächsten Fenster. Es sah auf den Square Massena hinab. Karneval war. Er hörte nicht die aufwiegelnde Melodie der Gasse; er hörte nur die schnarrenden, monotonen Stimmen der Croupiers, das Aufschlagen der Jeutons auf den Tischen im Saale. Vor vierzehn Tagen war er mit Ljubitza, seiner Frau, in einem Auto nach Nizza gekommen. Jetzt würde sie wohl irgendwo da unten auf dem Platze, auf einer Tribüne in Gesellschaft des ihr den Hof machenden reichen Amerikaners, des Filmproduzenten Mr. Croze, sitzen und sich amüsieren. Wer hätte ihm, dem bekannten Brillantenhändler, vor drei Wochen noch zu prophezeien gewagt, dass er dem Spiele so haltlos verfallen werde? Wie ein Magnet zog ihn der grüne Tisch an, er konnte sich nicht befreien von dieser geheimen Anziehung. Er hatte Ware mitgenommen, einige Karat fehlerlose Steine, Kommissionsware, um neue Geschäftsverbindungen mit einheimischen Juwelieren anzuknüpfen. Und Brück hatte sie versetzt, das aufgenommene Geld verloren. Er war ein Betrüger geworden. Fürchterliche Wut packte ihn, quälende Hoffnungslosigkeit löste das andere Gefühl in ihm ab, keinen Ausweg sah er. Da fiel sein Blick auf die Reihe der eleganten Autos, die in der Nähe vom Portal .standen. Und da stand auch sein Sportwagen. Ein Gedanke kam ihm. In diesem Augenblick trat der Pole, sein Spielgegner, zu ihm: «Einen rassigen Wagen haben Sie da aus Berlin mitgebracht!?» Brück verstand ihn: «Wollen Sie ihn kaufen?» Der Handel war schnell geschlossen. Dreissigtausend Franken zahlte der Pole. Und Brück spielte wieder. Doch er verlor, verlor. — Lachende Gesichter zogen an ihm vorüber, bewarfen ihn mit Konfetti. Er sah nur seinen Wagen, und jetzt stieg der Pole ein, der Motor sprang an und sein gewesener treuer Gefährte schoss davon. Im Foyer des Luxushotels sass Ljubitza, Brücks Gattin, in Gesellschaft Mr. Crozes. Der Amerikaner betrachtete wieder einmal, wie schon so oft, diese schwarze Schönheit, diese einmaligen grossen onyxgleichen Augen in dem slawischen Gesicht, diese pechschwarzen Haare, diesen fein geformten Mund. «Sie sind eine berauschende Frau! Kommen Sie mit mir nach Hollywood! Ich biete Ihnen einen zweijährigen Kontrakt. Fürs erste Jahr 1000 Dollar pro Woche...» Ljubitza lächelte. Säe dachte an ihren Gatten. Da kam er gerade. Verstört, sich den Anschein gemachter Lustigkeit gebend. Sie merkte es sofort, dass etwas passiert war. Er fühlte es, sagte entschuldigend: «Aer* ger gehabt, müsste den Wagen in Repara. tur geben!» Mr. Croze ahnte, was geschehen war. Nervös wandte sich Brück an ihn: «Wir wollten doch heute nach Monte fahren?» «Well!» antwortete der Gefräste.