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. Blatt der Im heutigen « Autler-Feierabend »: Wiedersehen mit der Wolga, von GorM « t Die Rose, von Galsworthy . «• , s ä s , Die Seite der Frau . . s . i ä i i t Echter oder unechter Schmuck « , i c • Ja oder nein s a s , . Bunte Chronik aus aller Welt « « * s B s Märchenecke i s a i a s Unser Kreuzworträtsel « s t i i i t « Touristischer Sprechsaal . i s i s . e s Seite , 13 t 13 . 14 s 15 , 16 . 16 > 17 . 17 « 18 Humor i . . ; . 18 Ein Urteil Emil Ludwigs «The Sunday Observer» vom 10. März bringt ein Interview mit Emil Ludwig. Ueber Shaw sagte Emil Ludwig: «Mein alter, aber jugendlicher Meister ist Bernard Shaw, der grösste Lehrer Europas, dessen Einfluss in unseren Zeiten mit demjenigen Voltaires im 18. Jahrhundert verglichen werden kann.» — Und die zwei grössten Staatsmänner ? fragte der Reporter. Ludwig antwortet: « Nach meiner Ansicht ist Masaryk der grösste Staatsmann des gegenwärtigen Europas. Nicht so sehr wegen seinem Genius wie wegen der Reinheit seines Fühlens, seinem Idealismus und seiner Aufrichtigkeit. Ich betrachte ihn als einen echten « Pater Patriae ». Er musste gegen Deutschland kämpfen, deshalb spreche ich von ihm nicht als ein Deutscher. Seine Persönlichkeit gewann mich.» — Und Mussolini? « Mussolini und Masaryk sind zwei grosse Beispiele für Staatsmänner von entgegengesetztem Typus, der eine alt, der andere jung. Masaryk war, als er so jung war wie der Duce, viel revolutionärer veranlagt als heute. Ich glaube, dass das das grösste Glück für einen Staatsmann ist, wenn er einige Jahre warten muss, ehe er sein Ideal verwirklicht. Er hat Zeit, zu reifen und isich auf praktische Ideale zu beschränken. Ein junger Mann, wie Mussolini, wird von seiner Jugend behindert. Das abenteuerliche Talent, das ein Mann von dreissig in Staatsprobleme hineinträgt, ist eine gefährliche Gabe, und wenn er seine Kraft benützt, kann er auch die grössten Umwälzungen verursachen und selbst Gefahr für seine Ideale dabei laufen. Masaryk und Lincoln benützten Methoden, die auf einer moralischen und idealistischen Basis beruhen. Masaryk und Mussolini haben ihre Herkunft gemeinsam. Sie kommen aus dem Volke heraus. Beide sind stolz darauf, dass sie keinen Stammbaum haben.» — Und endlich der Völkerbund: « Das ganze Werk dieses Jährhunderts geht darauf hinaus, die Prädominanz einer einzelnen Nation zu verhindern. Obzwar man noch ein gewisses Misstrauen in das Leben und die Fähigkeiten des Völkerbundes hat, glauben doch die besten Männer Europas und Amerikas an dieses zehnjährige Kind, das schwach ist, aber doch immer noch lebt.» Wiedersehen mit der Wolga . . . Das breite Flussbett der Wolga durchschneidet die Einöde. Der mir seit Kindheitstagen wohlbekannte Strom ist nicht mehr so belebt wie früher; vielleicht gerade deshalb kommt er mir jetzt viel breiter und gev/altiger vor. Sein Wasser ist anscheinend klarer geworden; man sieht nicht mehr so viel regenbogenfarbige Naphthaflecken. Keine Schleppdampfer mit Schiffszügen von vier, fünf oder gar sechs hölzernen bis zu einer Million Pud und mehr fassenden Naphtha-i kähnen hinter sich ziehen mehr dahin. Auch freischwimmende Flösse sind nicht mehr zu sehen ; die Flösse werden jetzt auch geschleppt und haben nicht mehr vier Schiele ten wie früher, sondern sieben. Das ist mir neu. Aber genau so wie früher schwimmen* wie weisse Schwäne, riesige Passagierdampfer stromauf und stromab, und es ist' genau so sauber und behaglich auf ihnen, nur einfacher ist alles geworden, und obwohl es für die Passagiere nach alter Weise noch drei Klassen gibt, gibt es keine «Herren» mehr unter ihnen. An den Landestellen arbeiten Lastträger, in der ihnen zukommenden Berufskleidung, mit holländischen Matrosenhüten. «Die Lastträger sind jetzt ein sehr buntgemischtes Volk,» erzählt mir ein Mann mit einer Brille, ein Passagier der dritten Klasse. «Bei uns haben einmal zwei Mönche gearbeitet, und später stellte sich heraus : der eine war Uhrmacher, der andere war aus dem Zirkus.» «Kommt alles vor,> bestätigte eine älter© Frau mit einem roten Halstuch. «In Samara hat unser Lehrer zwei Jahre auf den Landestellen gearbeitet. Er war auch aus geistlichem Stande. Im Sommer arbeitete er, im Winter unterrichtete er. Ein trefflicher Mensch,;— er kuriert das Vieh, vesteht sich auf Bienenzucht und Gartenbau. Die. Bauern, haben ihm zugeredet: «lass das doch, komm lieber fürs ganze Jahr ins Dorf, sei nicht habgierig.» «Ist er darauf eingegangen ?» «Ja.» , «Und wie steht's mit dem Verdienst der Lastträger ?» «Sie klagen.» Ein an der Schiffstreppe stehender Alter meinte: «Wenn die Leute nicht klagten, würde keiner Mitleid mit ihnen haben.» Aber sofort mischte sich ein älterer Matrose ein: «Klagen gegen wen? Wir sind doch selbst die Herren, wir arbeiten für uns selbst. Was ist da viel zu reden ?» Vorn auf der Landestelle, in einer enggedrängten Gruppe von Leuten, die das stromabwärts gehende Dampfboot erwarten, peroriert aufgeregt ein breitschultriger rasierter Alter mit gespaltenem Kinn, in einem Paletot aus grobem Zeug und einer leinenen Mütze. «Aber ich sage — die- Hungersnot kam nicht von der Dürre, sondern von der Angst. Der Krieg hat die Menschen so in Schrecken gesetzt, da haben sie eben die Hände sinken lassen. Das ist der wahre Grund . . .» «Ja, aber die Dürre ist doch wirklich gewesen!» schreit man ilin an. «Nun ja, gewiss. Aber die Tschechen waren viel schlimmer.» «Mit dem soll man reden!» «Red' nur! Lebe ruhig, dann wird schon alles gut sein. Wenn's bei dir nicht gedeiht, werde ich dir helfen. Was lehrt man dich immer ?» «Du wirst mir schö—ön he—elfen!» meint, ironisch die Worte dehnend, ein rothaariger Mensch in einer vertragenen Lederjacke. Der Alte griff nach seinem Ranzen, stiess die andern beiseite und entfernte sich hinter das Kontor. «Lacht nicht über ihn, Bürger. Er ist ein .bisschen sonderbar. Während der Hungersnot ' hat er sich eifrig betätigt. Sogar die Amerikaner hatten grosse Achtung vor ihm. Er ist ein echter Mann des Volkes, obwohl er von Herren abstammt, von armen. Er hat ein bisschen Land gehabt, so fünfzig Desjatinen. Er hat mit einem jüngeren Sohne gearbeitet, — der ältere ist ini Kriege geblieben. Den jüngeren haben die Tschechen aufgehängt, und sein Haus haben sie ihm verbrannt, mitsamt seiner Alten, — die Alte lag krank im Hause. Er selbst ist verprügelt Worden. Nun ist er eben ein bisschen sonderlich, und redet so allerhand.» Das erzählt ein breitgesichtiger, bärtiger Mann in einem blauen, neuen Jackett. Er sitzt auf Säcken, im Gürtel hat er eine, Axt, deren Scheide in einer ledernen Hülle steckt. Zu seinen Füssen steht eine Kiste mit Tischlerwerkzeug. Noch nie hatte ich bei einem russischen Handwerker ordentlich verpacktes Werkzeug und eine Axt mit einer Hülle [gesehen! Ich hatte auch nie zuvor .einen Matrosen gesehen, der sieb beim Waschen j die Zähne mit einer Bürste putzt! Und einen Kapitän, der 36 Jahre auf der Wolga gefahren ist, der auf seinem Dampfer in der guten Kammer sitzt und sich gemeinsam mit höheren und niederen Mannschaften für Fragen des politischen und kulturellen Lebens des Westens interessiert! Der Rauminhalt seiner Kammer ist kaum grösser als der einer gewöhnlichen zweibettigen Kajüte: die Leute sitzen sich gegenseitig auf den Knien, die Mehrzahl steht, und diese dichtgedrängte Masse kraftvoller Kerle stellt um die Wette Dutzende der verschiedensten Fragen: über den Bevölkerungszuwachs in England, über Englands Situation in Aegypten, über den Unterschied des italienischen vom ungarischen Fascismus. Vom Deck wird in die Kammer hineingerufen: «Wieviel Frauen kommen in Europa auf tausend Männer? — Und bei uns? — Weshalb kommen so wenig Ausländer zu uns auf die Wolga?» Ich erinnere mich ganz genau: als ich jung war, interessierten solche Fragen weder Heizer noch Matrosen noch Deckpassagiere der Wolgadampfer! Und in manchen Augenblicken kommt es mir jetzt so vor, als wäre ich nicht sechs Jahre nicht auf : der Wolga gewesen, sondern vierzig! Von Maxim Gorki Aus einem neuen Werke des grossttvi. jetzt lebonden russischen Dichters, das seine Eindrücke beim Heimkehren nach Russland schildert. Sogar die unvermeidlichen Kuriosa des russischen Lebens haben sich verändert — was sie übrigens nicht weniger hässlich macht. In der dritten Klasse reist eine kränkliche, etwa fünfzigjährige Frau mit einem wie mit Mehl gepuderten Gesicht, in einem schwarzen Kleide, mit einem Tuch um den Kopf. Sie wendet sich an mich mit der Bitte: «Helfen Sie doch, lieber Herr, dass Batjuschka Iliodor zu uns zurückkehren darf! * Ueberladen mit Eindrücken von ganz anderer Art, begriff ich nicht sofort, wer die-; ser Batjuschka sei. «Aber wie, lieber Herr, haben Sie den frommen Mönch Iliodor ganz vergessen? Der unschuldig für uns gelitten hat. Wir wissen doch, dass Sie ihm geholfen haben, ins Ausland zu entkommen vor dem Zorn des Zaren und Rasputins Bischöfen.» Sie sprach in singendem Tonfall, lamentierend, mit der üblichen Wehleidigkeit und Geübtheit im Klagen, die man nur durch jahrzehntelange Praxis erreicht. Man könnte diesen Tonfall «altrussisch» nennen. Ihn eignen sich nicht nur alte Weiber an; in den 90er Jahren hielten in der Provinz die Liberalen in diesem Tonfall ihre Klagevorlesungen, in denen sie dem braven Bürger die Notwendigkeit einer Verfassung zu beweisen suchten. Die andern Fahrgäste^ musterten neugierig die Verehrerin Iliodors und lächelten gutmütig und nachsichtig. Eine alte Frau, die eben erwacht war und ihre grauen Haare kämmte, fragte erstaunt: «•Wozu brauchen wir den Iliodor, Bürgerin? » Ich hatte tatsächlich auf Bitten von Prugawin und mit Unterstützung des Genossen Linde dem Mönch seinerzeit geholfen, über die finnländische Grenze nach Stockholm zu gehen, wohin er floh, um sein Buch über Rasputin « Der heilige Teufel > zu schreiben. «Lass das, Weib, » sagte er. « Das ist eine erledigte Sache. Dein Iliodor ist jetzt Hotelportier und betreibt Kuppelei.» Sprach es, spuckte auf den Fussboden und. ging fort. Ein junger Mensch rief ihm protestierend nach: «Auf Deck zu spucken — wird nicht gebeten ! Sondern im Gegenteil.» Die Frau in schwarz lamentierte wieder: «Daran glaube ich nicht. Die Popen verleumden ihn und die Intellektuellen. Es grämt sich seine Seele fern von uns, und für uns ist es schwer, ohne geistlichen Führer, ohne Seelenhirten zu leben.» ... Es sind schöne, jubelnde Tage. Die Sonne bestrahlt fast prahlerisch die Schönheit der Wolgaufer. Die Dörfer sind merklich gewachsen, überall sieht man neue, mit Balken gedeckte Häuser, — manchmal steht eine ganze Reihe von ihnen da: offenbar hat es im Dorf gebrannt. Uebrigens sah man an den reichen Ufern des mächtigen Stromes auch früher strohgedeckte Häuser nur selten, ebenso selten wie Bauern in Kleidern aus Hanfgewebe oder anderm groben Zeug und in Bastschuhen. Auf den Landestellen wie Die Rose Von John Galsworthy. < Der Heilige», ein neuer Roman von Galsworthy, erscheint im Verlag Paul Zsolnay in Wien-Berlin. Wir veröffentlichen einen Abschnitt des ersten Teils dieses in der Kriegszeit handelnden Werkes. Es ist grausam, täglich durch das Hinstellen des heissen Wassers aufgeweckt zu werden; das empfand auch Edward Pierson, der in dem Zimmer mit den bunten Kattunvorhängen lag und sich daheim in London wähnte. Eine wilde Biene, die in der Blumenschale auf dem Fensterbrett nach Honig suchte, und der Duft von Heckenrosen zerstörten dieses Illusion. Er zog den Vorhang zurück, und auf der Fensterbank kniend, streckte er den Kopf in den Morgen hinaus. Die Luft war berauschend. Frühnebel hing über dem Fluss •und den Wäldern am andern Ufer; Tautropfen funkelten auf der Wiese und zwei Bachstelzen wippten im sonnbeschienenen Gras. Mein Gott, ich danke dir für diese, Schönheit! dachte er. Diese armen Jungen an der Front! Und kniend, die Ellbogen aufs Fensterbrett gestützt, begann er sein Morgengebet. Dasselbe Gefühl, das ihn veranlasste, seine Kirche zu schmücken, Messgewänder, gute Musik und Weihrauch zu verwenden, erfüllte ihn jetzt. Gott war gegenwärtig in der Schönheit seiner Welt, ebenso wie in seinen Kirchen. Man konnte ihn in einem Buchenhain anbeten, in einem schönen Garten, auf einem Berg, oder an den Ufern eines leuchtenden Flusses. Gott war im Rauschen der Blätter und im Summen der Biene, im Tau des Grases und im Duft der Blumen; Gott war in allen Dingen! Und seinem täglichen Gebet fügte er flüsternd hinzu: «Ich danke dir für meine Sinne, o Herr! Erhalte sie empfänglich in uns allen und dankbar für das Schöne.» Dann verharrte er regungslos, einem glücklichen Sehnen hingegeben, das fast schon Melancholie war Stets wirkte das wahrhaft Schöne so auf ihn. Man konnte nur so wenig davon erhaschen, konnte es nie genug gemessen! Wer war es nur, der vor kurzem gesagt hatte: «Liebe zur Schönheit ist nichts anderes als der Geschlechtstrieb, den nur völlige Vereinigung befriedigen kann.» Ach ja! George — Gratians Gatte. George Laird! Eine kleine Falte trat zwischen seine Brauen, als sässe ihm ein Dorn im Fleisch. Armer George! Aber schliesslich waren alle Aerzte im Grunde Materialisten und trotzdem prächtige Burschen! Ein tüchtiger Kerl, dieser George, der sich draussenin Frankreich halbtot arbeitete. Man durfte sie nur nicht zu ernst nehmen. Er pflückte eine Heckenrose und hielt sie an die Nase, die noch von der Sonnenbrandsalbe glänzte, welche Noel ihm aufgedrängt hatte. Der süsse Duft der kleinen rauhen Blätter erweckte in ihm einen plötzlichen Schmerz. Er Hess den Zweig fallen und zog den Kopf zurück. Nur keine Sehnsucht, keine Melancholie! Man sollte draussen sein an diesem wundervollen Morgen! Es war Sonntag; aber heute musste er nicht drei Messen lesen und wenigstens eine Predigt halten, es sollte einmal ein wirklicher Ruhetag für ihn werden. Dies brachte ihn. beinahe aus der Fassung; so lang hatte er sich wie das Droschkenpferd gefühlt, das man nicht ausspannen darf, weil es sonst hinfällt. Er zog sich bedächtig an und war noch-nicht ganz fertig, als es an der Tür klopfte und Noels Stimme fragte: «Darf ich hineinkommen, Daddy?» In ihrem flachsblauen Kleid, eine Gloire de Dijon-Rose am Ausschnitt, der den leichtgebräunten Hals freiliess, kam sie ihrem Vater wie die verkörperte Jugend vor. «Hier ist ein Brief von Gratian; George ist krank aus dem Feld zurückgeschickt worden und liegt bei uns zu Hause. Sie hat vom Spital Urlaub bekommen, um ihn zu pflegen.» Pierson las den Brief. «Armer George!» «Wann darf ich Pflegerin werden, Daddy?» «Wir müssen warten, bis du achtzehn bist, Nollie.» «Ich könnte ja einfach sagen, dass ich es schon bin. Es fehlt nur noch ein Monat, und ich sehe viel älter aus.» Pierson lächelte. «Glaubst du nicht?» «Man könnte irgendein Alter raten zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig, ja nachdem, wie du dich benimmst, mein Kind.» «Ich möchte so nah als möglich an dia Front.»