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E_1929_Zeitung_Nr.037

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Der Röhr-Wagen.

Der Röhr-Wagen. Verschiedene europäische Staaten hatten einen während der Inflationszeit gewonnenen Vorsprung vor dem deutschen Automobilbau bewahren können. Die deutsche Automobilindustrie beschränkte sich im wesentlichen darauf, diesen Vorsprung wieder aufzuholen; vielfach aber Hess man es sogar schon bei einem blossen Nachahmen der Vorbilder sein Bewenden finden, und auf die Gestaltung eigener Ideen, auf eine Verwertung der zwar vielfach diskutierten Erfahrungen und Erkenntnisse zu einer neuen, über den alten Stand der Motorfahrzeuge hinausragenden Konstruktion verzichtete man, um das Augenmerk auf die Weiterführung herkömmlicher Modelle zu wenden. Im Gegensatz dazu verfolgt nun die Röhr- Auto A.-G. mit ihren neuen Wagenbauten vor allem das Prinzip der niederen Schwerpunktlage, und zwar auf eine ganz besondere Der Rohr-Motor, Ventilseite. Weise. Sie hat dieses heute so moderne Prinzip in einem solch strengen Sinne durchgeführt, dass es praktisch wohl kaum möglich sein wird, den Schwerpunkt noch weiter nach unten zu verlegen. Der Röhrwagen ist deT erste, der mit dem Leiterwagenprinzip in der Rahmenkonstruktion bricht. Der Rahmen besteht aus Kastenholmen mit unter den Holmen liegendem Blechboden, der gleichzeitig den Boden des Fahrzeuges bildet, der ungefähr 15 cm tiefer liegt als bei normalen Wagen. Die Querversteifung geschieht durch viele Traversen, die jegliches Verwinden des Rahmens ausschliessen. Durch diese Konstruktion wird erreicht, dass bei normaler Bodenfreiheit von 25 cm der Schwerpunkt des ganzen Fahrzeuges um die Höhe der Längsträger nach unten verlegt wird. Ein Tunnel zwischen den Fondsitzen, wie ihn ähnliche ausländische Konstruktionen aufweisen, fällt bei dem Röhrwagen weg, da auch die Hinterachse durch eine tiefliegende Schnecke angetrieben wird, deren Kraftleitung ihren Weg noch unter der Blechverschalung des Rahmens nimmt. Die Hinterachse ist als Schwingachse konstruiert. Die Achse ist geteilt in zwei Achshälften, die an das Differential, das fest am Rahmen angebracht ist, durch Kardangelenke angelenkt sind. Die Abfederung der Achshälften geschieht durch sehr lange Cantileverfedern, die ihren Angriffspunkt in der Mitte des Rahmens zwischen den beiden Achsen haben. Zur Dämpfung, die an sich schon durch das Prinzip der Schwingachsen gewährleistet ist, sind Bandstossdämpfer angebracht. Der Erfolg dieser Konstruktion ist die Herabsetzung des Gewichtes der unabgefederten Massen auf das Minimum. Die Beweglichkeit der Federn und Schubstreben wird voll erhalten, da sie mit Universalgelenken an der Achse befestigt sind. Die Kraftübertragung auf das Differential geschieht durch Schnecke und Schneckenrad nach System BroWn, das wegen seiner geräuschlosen Arbeit bestens bekannt ist. Die. Konstruktion des Wagens verzichtet aus demselben Prinzip heraus : das Gewicht der unabgefederten Massen auf ein Minimum zu reduzieren, auf die Vorderachse. Die Vorderräder sind durch zwei übereinanderliegende Querfedern dergestalt im Achskopf gehalten, dass die unteren Federblätter durch ein Auge mit Federbolzen im Achskopfe befestigt sind, während das zweite Blatt, welches weich ist und ebenfalls in dem Achskopf festhängt, den nötigen Sicherheitsgrad gibt gegen ein Freiwerden des Achskopfes bei eventuell auftretenden Federbrüchen, die bisher allerdings trotz höchster Beanspruchung der Röhrwagen noch nicht zu verzeichnen waren. Abgesehen von der durch diese Konstruktion bewirkten unerreichten Abfederung des Fahrzeuges bietet die direkte Steuerung jedes Rades durch eine Stossstange unter Vermeidung der Spurstange absolute Sicherheit AUTOMOBIL-REVUE 1929— N° 87 Hinterachse (Schwingachse). gegen das gefürchtete Shimmy. Gleichzeitig werden durch das Lenkgestänge die Vorderradbremsen betätigt, da auf diese Weise eine einfache Lösung der Frage der Bremsbetätigung erreicht wird, die zusätzliche Abstützungen überflüssig macht, so dass Verzerrungen am Bremssystem nicht eintreten können. Die Servobremsen mit drei Innenbacken sind in allen Teilen, bei denen dies möglich ist, aus Leichtmetall konstruiert. Selbst bei sehr grossen Reisegeschwindigkeiten und auf schlüpfrigem Boden ist die Als Vorderachse dienen zwei Querfedern. Wirkung der Bremsen ausserordentlich gut. Durch die vorerwähnten eigenartigen Konstruktionseinzelheiten des Fahrgestells wird eine vorzügliche Strassenlage erzielt. Selbst bei schlechtesten Strassen kann mit jeder Geschwindigkeit ohne unangenehme Erschütterungen der Insassen gefahren werden. Desgleichen ist ein Abstoppen vor scharfen Kurven bei dem Röhrwagen überflüssig. Der Erfolg ist eine Durchschnittsreisegeschwindigkeit von über 60 km, ohne übermässig hohe Geschwindigkeitsleistung. Der Röhrmotor ist ein obengesteuerter Achtzylinder-Reihenmotor mit 60 mm Bohrung und 100 mm Hub. Die Leistung beträgt 12/50 PS bei einer normalen Umdrehungszahl von 2800 pro Minute. Der Brennstoffverbrauch beträgt auf 100 km etwa 12 Liter, der Oelverbrauch 0,4 Liter. Die Kurbelwelle aus Chromnickelstahl ist neunmal gelagert, statisch und dynamisch ausgewuchtet und besitzt Gegengewichte sowie am vorderen Ende Torsions - Schwingungsdämpfer. Die Kolben sind aus Leichtmetall und besitzen drei Ringe; davon dient einer als Oelabstreifring. Im Gehäuseoberteil befindet sich die achtmal gelagerte Steuerwelle, die von der Kurbelwelle durch schräg verzahnte Nichtmetallräder angetrieben wird. Die Ventile sind im Zylinderkopf hängend angeordnet und werden durch druckgeschmierte Schwinghebel und Stossstangen gesteuert. Zur Zündung dient eine automatische oder von Hand verstellbare Zündlichtmaschine. Die Vergaser sind Solex vertikal und mit Vo.rdrossel und Luftfilter versehen; der Brennstoffilter befindet sich in der Leitung. Der Kühler ist ein Lamellenkühler mit handverstellbarer Jalousie und besitzt Wasserpumpe und Ventilator. Die Kreislaufdmckschmierung wird durch Zahnradpumpe betätigt. Der Brennstoffbehälter befindet sich vor der Spritzwand; er besitzt ein Fassungsvermögen von 50 Litern. Der Lauf des Motors ist so elastisch, das man im direkten Gang mit 4 km Geschwindigkeit fahren kann, ohne den Motor übermässig zu beanspruchen oder die Kupplung schleifen zu lassen. Die Kuppelung ist eine überdimensionierte Das Ge- Mehrscheiben-Trockenkupplung. triebe hat neuartig dynamisch ausgeglichene Verzahnung und ist am Motor angeflanscht. Es besitzt drei Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang. Die Karosserie des Röhr-Wagens stellt mit das Modernste und Schönste auf diesem Gebiete dar. Zwecks Erreichung einer guten Gewichtsverteilung und guten Abfederung ist sie zwischen den Achsen gelagert. Abgesehen von ausserordentlich bequemen offenen und geschlossenen Aufbauten werden die Cabriolets-Karosserien nach der modernen Aerable-Monobloc-Konstruktion hergestellt, die einen feststehenden Rahmen besitzt und gestattet, in wenigen Minuten aus der offenen Karosserie eine geschlossene zu machen, dai das Dach schnell und bequem zurückgeschlagen werden kann und durch Gummiumklammerung hermetisch abgeschlossen wird Rb'hr-Cabriolet (Aerable). offen. Das Gewicht des Röhr-Wagens beträgt bei vollständiger Ausrüstung mit geschlossenem Aufbau etwa 1200 kg. Was das für Motor, Uebertragungsorgane und Reifen bedeutet, ist leicht einzusehen. Trotz dieser Leichtigkeit ist die Konstruktion des steifen Rahmens vorzüglich und Verwindungen kommen bei diesem Rahmen aus geschlossenen Kastenträgern praktisch überhaupt nicht vor. Dabei haben die Wagen einen Radstand von 3,05 Meter; dieser in Verbindung mit einem ganz kurz und platzsparend gebauten 8-Zylinder- Motor erlaubt die Anordnung der beiden bequemen Sitzreihen zwischen den Achsen. Dies heisst bedeutend bessere Federung für die Hintensitzenden, die nicht mehr auf, sondern vor der Hinterachse sitzen, und ideale Gewichtsverteilung, da der Wagen leer weder kopflastig noch besetzt hinterlastig sein kann, so dass ein ausserordentlich gutes dynamisches Gleichgewicht besteht. Modell 1929 6 Zylinder Schnellieferungs- und Lastwagen 1 u. 3 T. Niederflurrahmen 6 Zyl. mit Vorderrad-Servobremse Sclmellieferniigswagen JJastwagen Krankenwagen Car-Alpin, 12-18 Pl. jj in Konstruktion, Rasse n. 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