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E_1929_Zeitung_Nr.040

E_1929_Zeitung_Nr.040

Ausgabe; Detitsche Schwell» BERN, Samstag, 4. Mai 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Enehclnt («den Dienstag and Pnltu Monatlich „Gelh* Ralbjlbrfleb Fr. 5.—, JihrUch Fr. 10.—. Im Ausland unter PortozoKhlag, •eiern nicht postamtltcb bestellt. Zusehlag für postaratlidM Bestellung irä ADMINISTRATION: Breltenralnstrasse 97, Ben» In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telettramm-Adrttu: Aatorevue. Barn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder dann Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarü. uxeratensahlnss 4 Tage vor Erscheinen 4er betreffenden Hummer DÄG steigende Bedeutung des Autotourismus Die verlassene Landstrasse gehört einer vergangenen Zeit an. Hand in Hand mit dem Aufschwung des Automobils belebte sich die Strasse von neuem. Heute hat sie der Schiene den Rang abgelaufen und steht mit ihr wiederum gleichbedeutend da. Ein ungeahnter Reiseverkehr im Automobil hat eingesetzt, ein Verkehr, der auch für unser kleines Land von ausserordentlicher Bedeutung ist. Noch im Jahre 1920 waren es rund 3400 fremde Autotouristen, die vorübergehend in unserem Lande Aufenthalt nahmen. Acht Jahre später ist diese Zahl auf 100 000 angeschwollen. Wir haben somit in der kurzen Spanne Zeit eine 30fache Vergrösserung erleben können, heute, da der Autotourismus recht eigentlich erst im Anfange seiner Entwicklung steht. Die Schweiz als Fremdenland par excellence hat dieser wachsenden Qrösse mit klarem Blick entgegenzusehen und ihre Bedeutung rechtzeitig zu erkennen. Die Statistikenbeweisen, dass die Schweiz heute zu dem am intensivsten besuchten Autotouristenland Europas geworden ist. Wie könnte es auch anders sein ? Nicht nur die unvergleichlichen Schönheiten unseres Landes, sondern auch unser ganzes hochstehendes Hotelleriewesen hat unsern Ruhm im Ausland begründet. Aber die Konkurrenz wacht und ist nicht müssfe. Ganz besonders haben unsere Nachbarländer den wirtschaftlichen Wert der automobilistischen Entwicklung und des damit im Zusammenhang stehenden Autotourismus «ingesehen. Sie scheuen sich nicht, heute das Geld buchstäblich auf die Strasse zu werfen. •In Italien z. B. sind 700 000 Lire bestimmt worden, um neue Strassenanlagen innerhalb zwei Jahren durchzuführen, und die französische Kammer geht daran, ein Projekt zu diskutieren, das für die grossen Durchgangsstrassen Fussgänger- und Radfahrertrottoirs vorsieht. In Bayern und in Oesterreich werden die Alpenwege nach Massgabe der finanziellen Kraft für das Automobil fahrbar gemacht. In allen Ländern ist der Zweck der gleiche : Gute, moderne Strassen sollen das reiselustige Publikum anziehen, sollen den Tourismus heben und fördern und damit der ganzen Volkswirtschaft dienen. Die Konkurrenz dürfte für uns recht gefährlich' werden in dem Momente, da wir dem Ausbau unseres Strassenwesens nicht die grösste Aufmerksamkeit schenken. Man muss Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. 'Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München. (4. Fortsetzung) »Sie ist nüber zu ihrem Bruder, der einen Möbelladen hat. Hatte keine Lust, wieder herzukommen.» «Kein Wunder!» bemerkte der Drogist und putzte seine Brille. «Sie war ganz aus dem Häuschen. Die Juden sind so leicht aufgeregt, Mr. Smith. Erinnern Sie sich nur an die Zeppeline. Ob Sie mir's glauben oder nicht . . .» Die Ladenglocke gab einen schrillen Laut von sich, und Mrs. Amschel erschien auf der Schwelle. Ihre Gesichtsfarbe war gelb und ähre Augen wanderten unruhig hin und her. Hinter ihr folgte ein untersetzter Mann, der sich mit seinem Strohhut Kühlung zufächelte. «Ist der Inspektor drin?» fragte er Smith, der mit dem Kopf nickte und nach dem rückwärtigen Zimmer deutete. Mrs. Amschel hatte sich mittlerweile zum iDrogisten gesellt. «Was die Polizei von mir will, möchte ich auch wissen! Ich hab doch gar nichts mit der Geschichte zu tun, nicht? Und mich da mitten in der Nacht herholen, das ist doch stark, solche Fragen immer wieder In den Zusammenhängen betrachten können. Wir besitzen eine grosse Industrie, das ist unsere Hotellerie. Von ihrem Wohlergehen leben nicht nur Tausende von Arbeitern und Angestellten, sondern grosse Schichten des Gewerbe- und Bauernstandes. In dieser Hotellerie sind Millionen investiert. Die Kriegs- und Nachkriegszeit war für sie von katastrophaler Bedeutung. Der Bund musste eingreifen. Eine Hilfsaktion musste durchgeführt werden. Sie kostete ganz bedeutende Summen. Der Betrag ging in hohe Millionen. Mit der Hotellerie aber litt zugleich die ganze Gebirgsbevölkerung; eine fortgesetzte Entleerung der Täler war die Folge. Nur langsam kann sich und konnte sich unsere Hotelindustrie erholen. Es wurde ihr dies zum grossen Teil wohi durch den aufkommenden Autotourismus ermöglicht. Die Strasse half. Sie half, währenddem Kommissionen in langen Sitzungen über die einzuschlagenden Wege debattierten. 1926 führte sie 50000, 1927 78 000, 1928 103 000 Automobile in unser Land. Nehmen wir an, dass diese Automobile durchschnittlich mit vier Personen besetzt waren, eine Zahl, die sicherlich nicht zu hoch gegriffen ist, so werden nicht weniger als 400 000 Reisende auf der Strasse in die Schweiz eingefahren sein. Infolge der ausserordentüchen Zunahme der Triptyks von 1103 im Jahre 1920 auf 41333 im Jahre .1928 darf geschlossen werden, dass diese 400 000 Reisenden durchschnittlich nicht unter fünf Tagen in unserem Lande geblieben sind, was die stattliche Zahl von zwei Millionen Logiernächten, resp. Aufenthaltstagen ausmacht. Nimmt man ferner an, dass jeder Gast im Tage mindestens Fr. 12.— verausgabte, so erhalten wir die stattliche Summe von 25 Millionen Franken, welche diese Automobilisten im Jahre 1928 in der Schweiz zurückgelassen haben. 25 Millionen Franken bedeuten jedoch eine Summe, über die man nicht so leicht hinwegstolpern kann. Schlagartig zeichnet sie uns die wichtigsten Aufgaben vor. Unsere Strasse darf nicht nur verlottern, sondern sie muss beständig ausgebaut, verbessert werden. Wir meinen dabei nicht nur die sogenannte Durchgangsstrasse, sondern wir denken auch an nicht? Ich bin eine anständige Frau, das wissen Sie, Mr. Ruddick ...» Ihre Stimme wurde immer schriller. «Ich kümmere mich doch um niemand, also was wollen Sie dann von mir, nicht?» «Nur gemächlich, alte Dame,» sagte Smith gelassen. «Wir werden Ihnen den Kopf nicht abreissen. Wir brauchen nur Ihre Aussage. Blöd, sich deswegen so aufzuregen.... .» Die Tür des Hinterzimmers öffnete sich und Manderton trat schnell ein, gefolgt von einem gutgekleideten Herrn mit totenbleichem Gesicht und eingesunkenen Augen. Beim Anblick des Inspektors machte die Jüdin unwillkürlich eine Bewegung, als wollte sie sich in den Schatten verkriechen, aber er kam gerade auf sie zu. «Nun, Rachel?» fragte er in drohendem Tone. Mrs. Amschel blickte ihn furchtsam an und machte eine Art Verbeugung. «Guten Abend, Mr. Manderton,» stotterte sie. «Setzen Sie sich ruhig auf den Stuhl da,» fuhr der Inspektor fort, «und antworten Sie auf meine Fragen. Und eins möchte ich mir ausbitten: keine von ihren gewöhnlichen Schwindeleien, sonst... Erinnern Sie sich gefälligst dass ich einiges von Ihnen weiss, was . . .» Er drückte sie auf den Küchenstuhl, der unter ihrer Fülle gänzlich zu verschwinden schien. die vielen Strassen zweiter und dritter Klasse, die heute zu unseren Berghotels führen. Auch sie müssen ihr modernes Kleid erhalten. Diese Strassen gehören aber weder dem Bunde, der auf ihre Kosten über 50 Millionen Franken einsackt, sie gehören : nicht einmal den Kantonen, sondern zum grossen Teil den Gemeinden. Die meisten dieser Gemeinden aber erhalten heute noch keinen Rappen vom ßenzinzoi 1 . Es -ist wie überall : die Kleinen kommen zuletzt. Und doch müssen auch die Gemeinden, und ganz besonders die Berggemeinden, Strassen erhalten, die sie mit dem pulsierenden Leben in Verbindung setzen. Auch von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet kommt die Strassenverkehrs-Initiative nicht von ungefähr. Sie verlangt vom Bunde den ganzen Benzinzoll zugunsten der Gemeinden, zugunsten, unserer Hotelindustrie, zugunsten des aufblühenden Autotourismus, der unserem Lande je länger je mehr, sofern wir die Sache richtig anpacken, Verdienst und Prosperität bringen wird. Jedermann, der diesen Gedankengang klar erfassen kann, wird deshalb nicht umhin können, am 12. Mai. ein überzeugtes Ja für die Strassenverkehrs- Initiative in die Urne zu werfen. Kt. Schweden ein Vorbild für die Schweiz. Die Finanzierung der Landstrassen im modernen Verkehr hat -eine ihrer besten Lösungen in Schweden gefunden mit einer kombinierten Autööiabn T , Pneu- und Benzinsteuer. Seit dem 23. Mai 1924 zahlt'Benzin zu motorischen Zwecken ausser einem ganz unbedeutenden Zoll von 1 Oere pro 10 Liter einen .Sonderzoll von 5 Oere pro Liter (= 6,5 Cts.), dessen Ertrag voll und ganz der Strassenifinanzierung zugewiesen wird. Von dem jährlichen Ertrag der Automobil-, Pneu- und Benzinsteuern werden 20% den Städten für ihr Strassenwesen und 80% dem Lande zur Verbesserung und zum Unterhalt der für den allgemeinen Verkehr bestimmten wichtigeren Wege und Brücken überlassen. Die Zahl der Automobile, die im Jahre 1919 noch knappe 8% Tausend betrug, ist bis Ende 1927 auf 110 Tausend gestiegen. Die Strassenunterhaltungskosten schwanken zwischen 29 und 33 Millionen Kronen, die zu 60—70% von obgenannten Steuern gedeckt werden, wovon allein der Benzinzoll jährlich gegen 10 Millionen Kronen (= ca. 14 Millionen Franken) einbringt. Das ist eine vorbildliche, moderne Art der Finanzierung der Strassenunterhaltungskosten, die auch in der Schweiz verwirklicht zu werden verdient Da die Kantone «Und nun heraus mit dem, was Sie von der Sache wissen!» Mit vielen Ausrufen und Umschweifen erzählte Mrs. Amschel in ihrem befremdlichen anglo - jiddischen Jargon, wie die «arme, so schön angezogene» Dame plötzlich in der Aldonstrasse erschienen und auf sie zugelaufen wäre, sie gebeten hätte, ein Auto zu holen, und dann vor ihren Füssen zusammengebrochen sei. Sie war kaum mit ihrem Bericht fertig, als wieder die Ladenglocke ertönte und eine Anzahl Männer mit allerlei Gerätschaften hereintrampelten. «Kommen Sie ... um sie wegzutragen?» fragte Cranmore den Inspektor. «Nur die Photographen von der Polizeistation,» entgegnete Manderton. «Nein, nein,» fügte er beruhigend hinzu und legte die Hand auf Cranmores Arm. «Ich möchte, dass Sie hier blieben. Mr. Ruddick wird Ihnen erzählen, wie Mrs. Cranmore starb, und ich hätte noch einge Fragen an Sie zu richten.» Die Photographen gingen mit ihren Apparaten ins Hinterzimmer, die Strassen tür wurde geschlossen, und wieder war es still in dem kleinen Laden. Manderton wandte sich zu dem Drogisten um. «Nun, Ruddick,» sagte er, «ich hatte noch keine Zeit, Ihren Bericht ganz zu verdauen. Wie wär's, wenn Sie uns alles hören Hessen, was Sie von der Sache wissen?!» die ganze Last der Strassenkosten tragen, ist es nur recht und billig, wenn ausser den kantonalen Automobilsteuern ihnen auch der Ertrag des Benzinzolles zufliesst; denn die Benzinmillionen gehören auf die Strasse. Deshalb am 12. Mai: Verkehrsinitiative Ja!, Unfallverhütung durch Polizeikontrolle. In Amerika — und bei uns. Die Amerikaner sind dafür bekannt, dass sie im allgemeinen eine Sache praktisch anfassen. Seit man in Amerika erkannt hat, dass Unfalverhütung nicht nur ein moralisches Postulat ist, sondern sich auch praktisch bezahlt macht, hat man sich dieser Aufgabe mit Ausdauer und Gründlichkeit angenommen. Jedermann weiss, wie die Safety First-Bewegung es vermocht hat, die Zahl der Unfälle einzuschränken. Hier soll — einem Artikel in der «Deutschen Motorsport-Zeitung», folgend — nicht von dieser Art Unfallbekämpfung die Rede sein, sondern von dem Anstrengungen, die eine amerikanische Grossstadt gemacht hat, um von sich aus die Verkehrsprobleme befriedigend zu lösen. Es handelt sich um den Standort der Ford- Automobilfabriken, die Stadt Detroit, welche sich rühmt, die Welt auf Räder gesetzt zu Tiaben. Detroit hat ein für amerikanische Begriffe beträchtliches Alter und es gibt dort einen innern Stadtkern mit engen Strassen. Bei dem ungeheuren Automobilverkehr ist es daher sehr schwer, eine reibungslose Zirkulation und einen möglichst unfallfreien Ver-i kehr aufrecht zu erhalten. Die Verstopfungen in dem Stadtkern und die Unfälle, die mit der Verdichtung des Verkehrs unvermeidlich waren, veranlassten bereits vor Jahren die Polizei im Verein mit dem Detroiter Automobilklub und dem Erziehungsausschuss, der Beseitigung der Verkehrsunfälle ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Man ging systematisch an die Arbeit. Es wurden Streifzüge mit Polizisten zu Fuss und auf Motorrädern veranstaltet. Die Polizisten hatten die Aufgabe, alle Automobilisten, die sich falsch verhielten, zu verwarnen. Die schweren Fälle wurden zur Anzeige gebracht. Dabei half auch der Sicherheitsausschuss des Detroiter Automobilclubs mit. Auf regelmässigen Zusammenkünften, an denen auch die Behörden benachbarter Städte teilnahmen, wurden dann die Erfahrungen ausgetauscht In den meisten amerikanischen Grassstädten bestehen besondere Verkehrsbureaüx. Mr. Ruddick räusperte sich, während et nervös seine hageren Hände aneinanderrieb. «Ich war hier im Laden,» begann er, aber der Inspektor unterbrach ihn. «Halt! Um welche Zeit war das?» «Genau kann ich's nicht sagen. Aber sechs war vorüber, denn ich glaub, ich hab's schlagen hören. Und halb sieben war's noch nicht, denn das Wirtshaus an der Ecke drüben war noch nicht offen. Ein Viertel nach sechs, möcht ich glauben . . .» Manderton nickte kurz. «Gut,» sagte er. «Weiter!» «Ich war im Laden und räumte meine Bfi'-» eher auf, als ich drausen schreien hörte. Ich raus, und was seh ich . . . Mrs. Amschel vor ihrer Ladentür in einem sehr aufgeregten Zustand, wie sie auf eine Frau — eine Dame möcht ich sagen — deutet, denn elegant war sie, das konnte man auf den ersten Blick sehen. Zuerst könnt ich nicht herausbringen, warum Mrs. Amschel so schrie, dann auf einmal seh ich den Griff von dem Messer, wie's herausstand aus dem Kleid von. der armen Dame. Eh ich nur einen Finger rühren konnte, um der fremden Dame — ich meine Mrs. Cranmore — zu helfen, fällt sie schon hin auf dem Pflaster — so kniend, möchte man sagen. Wie sie umfiel, hört ich das Messer auf den Steinen klappern. Später häb ich's aufgehoben und dem Schutzmann gegeben, den mein Ladenjunge vom andern End von der Aldonstrasse geholt hat.