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E_1929_Zeitung_Nr.041

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12 AUTOMOBIL-REVUE

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Im heutigen „Autler-Feiera bend ": Seite Die kleine Geschichte von Sin« und Li 13 Feuilleton 13 Exotik 14 Mai 14 Die Seite der Frau Ich reise allein 15 Johanna 15 Die Mode 15 Bunte Chronik 16 Humor * 17 Touristischer Sprechsaal 17 Gespräch mit dem Mond Von Kiki. Mein Zimmer liegt auf den Dächern, sechs Stockwerke über den Strassenschluchten. Ich höre die letzte Trambahn in den Kurven kreischen und öffne das Fenster, damit der Rauch meiner Zigaretten über die Dachziegel streiche. Hinter dem Münster steht der Mond und grinst. Wir wünschen uns einen guten Abend. «Mond,» sage ich, «ich störe dich doch nicht? Ich möchte dir heute sagen, wer ich bin. Du weisst, den Menschen darf man das doch nicht sagen. Sie verstehen das nicht. Sie dürfen es nicht verstehen. Lieber Mond, wenn jeder Mensch dem anderen sagen wollte, wer er sei! Ich bin doch der Erste heute abend ? Du weisst ja, dass man dies einmal sagen muss, dass dies ein Bedürfnis ist, alter Freund? Vom Herzen reden, nicht wahr. Hörst du zu?» Der Mond rümpft ernüchtert die Nase hinter dem Qualm meiner Zigarette. «Dachmensch,» brummt er, «seit mir der Löns, dieser Spitzbube, seinen Liebeskummer vorgequakt hat, haben die Nachtgespräche eine unerträgliche Popularität erreicht.» «Es ist nichts von Liebe,» sage ich. «Eher Unsicherheit.» «Das kommt auf gleiche heraus.» «Ich meine vor mir selbst. Ich möchte wissen, ob du glaubst, ich sehe mich richtig.» F E U I L L E T O N Der Fall Cranmore Fortsetzung aus dem Hauptblatt. Sie kam eilig in den Laden, hielt aber plötzlich an, als ihr Blick auf Boulot fiel. Der Franzose stand im vollen Licht, aber das Mädchen sah nicht auf ihn, sondern mit entsetzten Augen auf das lange Messer, mit dem seine plumpen Hände spielten. Ein solches Grauen drückte sich in ihrer ganzen Haltung aus, dass alle Anwesenden im Augenblick keiner Bewegung fähig waren : die beiden Polizisten nebeneinander an dem Ladentisch; Ruddick mit offenem Mund in seinem Winkel; Cranmore mit seinem gramverzerrten Gesicht hinter Boulot, und die beiden Kriminaler, die in ihren dunklen Anzügen wie zwei Schatten aussahen. Boulot legte das Messer auf den Tisch, und der Klang des Metalls schien den Zauber zu brechen. Das Mädchen trat auf Cranmore zu und sagt© sammelnd: «Carmen . . .?» Cranmores Lippen waren fest zusammen'- gepresst, während er nickte. «Ist es denn wahr?» In der Stimme des Mädchens zittert© ein verzweifelter Schmsrz. Der Mond räuspert sich. «Lass erst Wolke vorbei.» Ein Schatten legt sich zwischen uns. «Mach es kurz. In einer halben Stunde bin ich bei einem Dichter bestellt.» «Bei einem Dichter? Ich möchte auch einer werden, weisst du. Wie werde ich ein Dichter, Mond?» , «Gehört das zum Thema, Dachmensch?» «Ja. Ich dichte. Aber die Manuskripte kommen zurück.» «Kennst du den Redaktor?» «Nein.» «Du bist ein Einfaltstropf. Das brauchst du mir dann nachher nicht mehr zu sagen.» «Was soll ich tun?» «Suche dir einen Onkel, der einen Stammtisch besucht. Bezahle ihm das Bier. — Wie dichtest du?» «So wie ich spreche. Alle meine Worte sind im Duden. Es ist gutes Deutsch.» «Dachmensch, du bist dumm. Löns, um den Kerl nochmals zu erwähnen, weisst du, was mir Löns gesagt hat? Mich räuchert, hat er gesagt. Das hat ihn berühmt gemacht. Und das Nasobem!» «Ich verehre Morgenstern.» «Unsinn, Verehrung ist Schlepptau. Du sollst dir selbst ein Tau aushängen.» «Ich will es versuchen. Darf ich dir erzählen, jetzt?» «Vergiss meinen Dichter nicht.» «Ich bin ich, nicht wahr? So muss ich wohl nach Vergleichen suchen, damit du mich verstehst. — Nun, das bin ich: Ein Regal pedantisch eingereihter Bücher, eine Schublade unerledigter Korrespondenz, ein englisch geschnittener Kragen, zwei verlöcherte Socken, ein Mendelsohn-Satz, ein Saxophon, ein Band Rilke-Lyrik, ein Edgar Wallace-Schauerroman, eine hungrig verschlungene Brotrinde, ein stehengelassenes Kaviar, ein Dandy d'Orsay-Parfüm, ein durchschwitztes Hemd, eine unbezahlte Steuerrechnung, ein Bündel Kinobillette, ein •—» «Hör auf, hör auf!» «Ich bin ein Flüsterton, ein Brüllophon—» «Idiot!» Der Mond ruft nach Wolken. «Aber Löns, aber das Nasobem!» «Du bist verrückt, Dachmensch, vollkommen verrückt!» — legt sich zwischen uns. Genickt schliesse ich das Fenster. Ein Schatten 111. Blatt der „Automobil'Revue" Die kleine Geschichte von Sing und Li Von Guarnerius. Sing und Li waren zwei kleine Mädchen. Ihre Kleider waren gelbe Seide mit dunkelm Mohn, von Künstlerhand bemalt. Ihre Haare, blond und schwarz, dufteten süss und heimlich in schwerer Pa-aclit. Sings schwarze Haarflut lag auf weisser, matter Haut in glänzender Ueppigkeit. Sie war schön. Li war blond und süss. Ihre Haut, in gelblichem Glanz, spTach von stolzem Edelblut, von feinster, zarter Schmetterlingsseele. Sing und Li waren zwei kleine Mädchen. Sie wohnten in einem Pavillon am Ufer des Sees. Nachts leuchteten die grünen Anupeln in dem Pavillon und spiegelten im See. Mit stillem Lächeln sah das Volk die grünen Lichter: Dort schlafen Sing und Li und ihre schöne Mutter Ihla. Ttila. hatte viele Mühe: Sie musste sich von stolzen Männern Hände küssen lassen, sie musste ihnen Wein kredenzen, der in goldenen Schalen floss. Sie war glücklich. Wenn sie in den kleinen Pavillon am See kam, lagen Sing und Li in gelber Seide auf den Lagerstätten. Sie freute sich an ihren Kindern, sah in ihnen eigne Schönheit wieder jung emporblühen. Sing lächelte mit roten Lippen, wenn die hohe Mutter an ihr Bett trat und küsste sie mit leiser Umschlingung .. Li aber sah mit grossen Augen, die so grünlich glänzten, wenn die letzten Strahlen abendlicher Sonne sich in ihrem Leuchten brachen, wie die Mutter kam. Und sie schlang die Arme frei um ihrer Mutter Nacken, küsste ihren schönen Hals. Oh, sie liebte ihre Mutter und sie liebte diesen Hals. Und der alte Diener mit den treuen, müden Augen brachte auf zwei Silberschalen Sing und Li das Essen dar. Sing, die Augen halb geschlossen, ass mit edlem Anstand, guten Muts und frei von Sorgen. Li war traurig, denn sie dachte an die Mutter, die jetzt fern -war — und ihr Tisch blieb unberührt. * Sing und Li waren zwei kleine Mädchen. Als ihr zehntes Jahr gekommen war, trat Ihla eines Tages mit einem schönen jungen Mann ins Zimmer. «Das wird jetzt», sagte sie, «Sing und Li, euer Meister sein. » Der Meister sass mit den Mädchen auf dem Balkon am Ufer des Sees. Und die beiden hörten ihm zu, wie er ihnen von uralten Sagen sprach, wie die Mohnblüte an der Brost einer reinen Jungfrau den" schönsten' 'Mann der Welt an ihre Seele fesselt, und wie den heiden ein Baum unsterblichen Glückes wächst, wenn sie ihren ersten Kuss am Ufer des Meeres geben und empfangen... Und der Meister spTach mit tiefer, heisser Stimme. Sing hörte zu und ein rotes Lächeln zitterte auf ihren Lippen. Doch Li lehnte sich weit zurück in ihren Kissen und reckte die jungen Arme in undehnlicher Sehnsucht, dass die gelbe Seide über ihrer Brust von jungem Leben straff gespannt war... ' «Ich kam gerade von Ranelagh nach Haus . . . von einer Zeitung telephonierten sie an ... es war schrecklich . . . niemand zu Hause . . . wie ist es nur geschehen? Ich kann's nicht glauben! Ich will's nicht glauben! Wie konnte nur jemand unsere arme, liebe Carmen umbringen?!» Ein Schluchzen unterbrach die wild hervorgestossenen Sätze. Cranmore streichelte sanft ihre Hände. Er vermochte kein Wort herauszubringen. «Jim,» rief sie und sah ihm in die Augen, «draussen sagen sie, dass sie hier liegt, tot, erstochen. Cranmore warf Manderton einen fragenden Blick zu. Der Polizist schüttelte den Kopf. «Wozu?» sagte der Makler. «Es würde dich nur noch trauriger machen, liebe Dolores. Vielleicht morgen . . .> Er sprach langsam, und die Worte kamen schwer und mühsam aus seinem Mund. Seine veränderte Haltung schien auch dem Mädchen aufzufallen. «Wie furchtbar elend du aussiehst, Jim,» flüsterte sie zärtlich. «Komm doch mit mir nach Hause.» Die mächtige Gestalt Mandertons schob sich in den Vordergrund. «Ist das Miss Driscol?» fragte er und fuhr, zu ihr gewendet, fort, ohne eine Antwort abzuwarten : «Hat Mrs. Cranmore den Mr. Quayre heute nachmittag besucht?» Die Wirkung dieser Frage auf das Mädchen war merkwürdig. Sie fuhr zusammen wie eine Mondsüchtige, die plötzlich aus dem Schlaf geschreckt wird. Dann schien sie mit einem Ruck zu sich selbst zu kommen. «Mr. Quayre?» wiederholte sie apathisch. Mit einem Male aber griff sie nach Cranmores Arm. «Jim, warum fragt er mich danach?» «Weil Quayre die einzige Person ist, die Carmen in diesem Teil von London kannte. Du weisst, er wohnt in irgend einem Atelier am Ende dieser Strasse . . .» «Broke Ateliers,» sagte das Mädchen unwillkürlich. «Und wie heisst dann die Strasse hier?» «Aldonstrasse!» kam die Antwort scharf und bestimmt von Manderton. «Und Wir haben Gründe anzunehmen, dass Ihre Schwester zwischen diesem Laden und den Atelierhäusern erstochen wurde. Daher ist es für uns wichtig zu wissen, ob Mrs. Cranmore wirklich Mr. Quayres Atelier heute nachmittag betreten hat oder sich vielleicht auf dem Wege dahin befand ...» Dolores Driscol sah auf und begegnete dem Blick Boulots, der sie aufmerksam beobachtete. Eine schwache Röte stieg -in ihre Der Frühlingsausflug nach Eines Nachts hörte Li ein Rauschen. Aengstlich # dass der Mutter etwas zugestossen sei, eilte sie ans Fenisterehen : Und sie sah die Mutter auf dem purpurroten Buhebett, und ihr weisser Hals leuchtete im Schein des Mondes, und auf dem leuchten-n den, üppigen Hals ihrer Mutter sah sie die heissen,* gleitenden Hände eines Mannes. Da tat ihr Herz einen schnellen Schlag und flatterte angstvoll und verzweifelt wie eine Taube an, die Wände und fand keinen Ausgang. Sing aber sass alle Tage mit ihrem Liebsten, Ali* auf dem Balkon des kleinen Pavillons am See. Ali durfte eine kleine Hand seiner Geliebten mit seinem, Fingern streicheln, und Ulla sass dahei'und lächelte* Sie war voll Freude über dieses Kind. Doch Li sass ferne und sang jaur Laute dia schwermütigen Weisen, die Freud und Leid der Völker durch die Jahrhunderte tragen. Sie sang von Liebe, sie sang Lust und Leid und wusstc nicht, von was sie sang. Sing aber war gehorsam, ruhig und gelassen; und wusste schon, wie sie ihr Hochzeitsmahl her-» richten wollte und dachte an die seidenen Gewänder, die ihr Ali schenken würde. Und wenn seina Hände sie liebkosten, so sass sie ruhig und geduldig und dachte, dass Männer wohl so sein müssten. Als eines Abends bei Sonnenuntergang Li auf dem Balkon stand und in die untertauchende Glut blickte, setzte sich der Meister zu ihr. Er erzählte und spTach mit tiefer, heisser Stimme von Ehnon und Wehla: Wehla liebte Ehnon. Doch sie war arm und die Eltern des Ge-< liebten waren mächtige Leute. Die wollten es nicht* dass ihr Sohn zu einem armen Mädchen ging. «Und ihrer Liebe entspross ein Kindlein», sprach der Meister. «Da zog Ehnon fort aus dem glänzenden Hause seiner Eltern und leibte mit Wehla; und zu ihnen kam das Glück. » Nun war die Sonne, ein glühendes Herz vor Lis Augen, hinter den Bergen am See verschwunden.' Frühlingswind. Heute brach er auf im Osten, Wo die bleichen Sönnenschwäne Hinter schlanken Silberpfosten Auf den Ruf des Tages warten. Lachend bläht er steife Segel, Zornig weckt er träge Saaten,' Jubelnd grüs^t er seine Vögel. Schüchternblaue Veilchen raten Unter seinem jungen Hauche Glühen auf die Gottesfarben Und auf seinen Wanderspuren Liegen tausend Blumengarben. Hans Spindel. Wangen. Sie schlug die Augen nieder und wandte sich an Manderton. «Ich kann's Ihnen nicht sagen. Meine Schwester und ich assen zusammen zu Mittag zu Hause. Sie war den ganzen Tag, der Hitze wegen, noch nicht draussen gewesen, und sobald es etwas kühler war, wollte sie in ihrem Klub zum Tee gehen . . .» Die Tür des Hinterzimmers öffnete sich 1 , und die Polizeipbotographen erschienen auf der Stelle. Zu gleicher Zeit tönte die Ladenglocke, und eine Stimme fragte nach Mr. Manderton. Der Polizist ging zur Tür. Eine Sekunde später bat er Mr. Cranmore zu sich. «Am besten war's, Sie würden mit der jungen Dame jetzt nach Hause gehen,» sagte er. «Die Leute sind da, um die Leiche fortzuschaffen . . . und das möchte doch zu aufregend, für Miss Driscol werden. Morgen früh: wird's mein erstes sein, Sie aufzusuchen.» Er öffnete die Tür einen Spalt breit und rief den Leuten draussen etwas zu. «Boulot,» sagte Cranmore eindringlich, «Sie kommen doch mit uns? Sie müssen „ . * ich kann jetzt nicht allein sein.» Boulot schüttelte erst den Kopf, schien sich dann aber anders zu besinnen. «Wenn Sie mich als Freund nötig haben ...», sagte er, «dann ...» (Fortsetzung folgt.) Blühet in vollster Pracht