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E_1929_Zeitung_Nr.043

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Ausgabe? Deutsche Schweia» BERN, Dienstag 14. Mai 1929 Nummer 20 Cts... 25. Jährgang. - N° 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: EnelMlnt Jaden Dienst«! und M I H Monatlich „«Mb« Litte« Halbjthrllcli Ft. S.—, Jlhrtteh Fr. 10.—. Im Anstand ontir Portozurehl»«, WlCro nicht postamtlieh bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im ADMINISTRATION: Breftenrainstrasse 97, Ben» In- und Ausland 30 Rappen. Fostcheck-Rechnang HI/414 Telephon Bollwerk S9.84 Telegramm-Adreu«: Antonrns, Barn INSERTIONS-PREIS: Die aebtcespaltene 2mm hohe Gnmdzelle ode? denn Raum 45 Cts. fDr die Schweiz; für Anzeigen uns dem Ausland 60 Cts. GrSssere Inserate nach Seitentarita laseratenseMnss 4 Tage vor Erseheimen 4er betreffnieii Nummer Die Würfel sind gefallen, wie wir es erwarten mussten. Mit 411488 Stimmen gegen 246026 Stimmen hat das Schweizervolk am 12. Mai die Strassenverkehrsinitiative verworfen. Wir sind über das Resultat keineswegs enttäuscht, im Gegenteil. Der 12. Mai ist für den Bundesrat und für die Bundesversammlung ein Pyrrhussieg. Der Gedanke, der am 12. Mai unterlegen, marschiert doch. Die einheitliche eidgenössische Strassenverkehrsregelung wird kommen und der Benzinzollviertel ist auf die Dauer, weil ungenügend und nicht gerecht, unhaltbar. Wir wussten, dass wir nach aussen hin auf verlorenem Posten kämpften. Die gegnerische Phalanx war zu geschlossen und zu gross. Gegen uns stunden Bundesrat, Bundesversammlung, sämtliche Parteien der Schweiz und, mit ganz wenigen Ausnahmen, die gesamte schweizerische Presse. Zu dieser schon an und für sich erdrückenden Mehrheit gesellte sich der bekannte schweizerische Neinsager, dessen bedeutende Macht jedem Politiker zur Genüge bekannt ist. Zum Gegner gesellte sich auch das Schlagwort. Der eidgenössische Strassenvogt, das schweizerische Bundesstrassen-Bauamt, die Bundessteuer, um nur drei Beispiele zu nennen, verfehlten jedenfalls ganz besonders in der Urschweiz und in anderen Gebirgskantonen ihre Wirkung nicht. " _ ..". .". So wurde denn der Kampf mit ungleichen Spiessen ausgetragen. Den Anhängern der Strassenverkehrsinitiative stunden nur spärliche Aufklärungsmittel zur Verfügung. Von der Fachpresse kämpften einzig die « Automobil-Revue » und der «A. C. S.» mit Entschlossenheit für die gute Sache. Die Tagespresse nahm erst in letzter Stunde einzelne befürwortende Artikel auf, wogegen sie mit Wucht für die Verwerfung eintrat. Die politischen Parteien kennzeichneten sich durch einseitige Stellungnahme. Die Fälle sind ganz selten, da Parteien auch einen Befürworter der Initiative als Referenten bestellten. Fast durchwegs war der offizielle Redner ein Gegner der Initiative, der seine verwerfende Parole sehV leicht durchbringen konnte. So darf man ruhig betonen, dass die grosse Mehrheit des Schweizervolkes über den Zweck der Initiative gar nicht oder dann falsch aufgeklärt wurde. Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München, (7. Fortsetzung) Boulot lächelte freundlich. «Nicht unmöglich, wenn wir beide jetzt einen Spaziergang durch die Nachbarschaft machen wollten. Haben Sie einen Plan?> Manderton zog aus seiner Tasche ein zusammengefaltetes Blatt und breitete es auf dem Ladentisch aus. «Hier ist der Katasterplan in grossem Massstab,» sagte er und nahm den Bleistift zur Hand. «Schauen Sie her: da haben Sie die Ecke von der Aldon- und Branscombestrasse, wo Mrs. Amschel zuerst Mrs. Cranmore sah. Ich mache ein Kreuz hin. Nun die SAldonstrasse 45 Meter herauf, dann.sind wir vor Mrs. Amschels Laden, wo Mrs. Cranmore zusammenstürzte. Ich werd's auch anmerken. Sie sehen, dass die Aldonstrasse die Branscombestrasse schneidet, die in den Brokeplatz ausläuft. Der Platz hat nur die paar Häuser, und dahinter geht's nicht weiter, da ist die Eisenbahn. «Nun hat Sporran, der Polizeiarzt, den 246*026 Ja! Zudem muss hervorgehoben werden, dass es einer der geschicktesten politischen Schachzüge des Bundesrates war, die Abstimmungen über die beiden Ittitiativen auf den gleichen Tag anzusetzen. Da die Branntweininitiative zum vornherein als verloren gelten konnte, war damit das Los der Verkehrsintiative auch entschieden. Zieht man alle diese genannten Umstände in Betracht, so darf ruhig von einem Erfolg der Strassenverkehrsliga gesprochen werden. Die Zahl der Ja-Sager ist über Erwarten gross. Von rund 51 000 hat sie sich auf 250000 erhoben. Die Kommentare der Tagespresse können denn auch ihre Enttäuschung über den Erfolg der Schweizerischen Strassenverkehrsliga nur schwer verhehlen. Ihre Kommentare, von welchen wir einige folgen lassen werden, sind bezeichnend genug. Der Erfolg der Strassenverkehrsliga zeigt sich denn auch erst in ihrer ganzen Grosse, wenn das Resultat mit der Abstimmung über die Branntwein-Initiative in Parallele gesetzt wird. Bei letzterer Initiative waren die Chancen für eine Annahme in letzter Stunde bedeutend grösser. Die politischen Parteien rechneten mit den Abstinenten und den. ihnen verwandten Kreisen als einer politischen Macht, der es unbedingt Rechnung zu trägen galt. Eine grosse Partei der Schweiz, die sozialdemokratische, hatte sogar die offizielle Ja-Parole ausgegeben. Zahlreiche andere kantonale Parteien hätten Stimmfreigabe proklamiert. Die schweizerische Presse, mit • Ausschluss vielleicht der katholisch-konservativen, hat den Befürwortern grösstes-Entgegenkommen gezeigt.. In den politischen Versammlungen traten stets Referent und Korreferent auf. Mit einem Worte, man zeigte sich bei dieser Frage viel weniger engherzig, viel toleranter. Verschiedene grosse Verbände hatten sich für diese Initiative ausgesprochen und trotzdem ist die Branntwein-Initiative schärfer verworfen worden als die Verkehrsinitiative. Sie erreichte bloss 230 000 Ja gegenüber 458 000 Nein. Bei der Branntwein- Initiative stehen 24 verwerfenden Ständen bloss ein Stand, bei der Verkehrsinitiätive 21 verwerfenden vier annehmende Stände gegenüber. Dieses Resultat dürfte den politischen Parteien vielleicht nun doch die Augen öffnen. Sie werden erkennen, wo heute die Macht liegt und sie werden einsehen, dass auf die Länge durch die Bekämpfung von eminent wichtigen Strasseninteressen der Bestand der Parteien direkt gefährdet werden kann. In weitsichtiger Weise hatten beispielsweise die Solothurner Freisinnigen anlässlich ihrer Sie ja gesehen haben, ausdrücklich erklärt, dass Mrs. Cranmore unmöglich'' imstande war, länger sich auf den Füssen zu halten, als die Entfernung von der Ecke zum Laden der Jüdin beträgt. Das verengert den Kreis wesentlich, in dem die Tat geschehen sein kann. Sie folgen mir doch?» «Selbstverständlich! «Sie werden mir also zugeben, dass wir die gegenüberliegende Seite der Aldonstrasse ausser Betracht lassen dürfen, da Mrs. Amschel die Dame von der Ecke bis zum Laden beständig im Auge hatte. Wenn wir uns daher an den Plan halten, können wir genau feststellen, auf welchen Umkreis unsere Untersuchungen sich zu erstrecken haben. Das sind die Häuser zwischen Ms. Amschels Laden und dem Wirtshaus an der Ecke, die Schule an der Ecke von der Branscombeund Bortonstrasse, das Kloster an der Ecke vom Brokeplatz und die Atelierhäuser dort. «In den drei Häusern zwischen dem Laden der Jüdin und dem Wirtshaus haben wir bereits Nachforschung gehalten. Auch die Leute, die auf der gegenüberliegenden Seite wohnen, sind vernommen worden. Aber niemand hat Mrs. Cranmore gesehen, weder vor noch nach dem Verbrechen. Freilich, bei der alten Hehlerin, der Mutter Rachel, wie wir sie früher zu nennen pfegten, habe ich meine Bedenken. Vor zehn Jahren war sie Kantonsratswahlen für die Strassenverkehrsinitiative ihre Stimme freigegeben. Ihr Erfolg kann zum guten Teil auf diese Haltung zurückgeführt werden. Sie haben die absolute Mehrheit im Kantonsrat zurückgewonnen. Ein anderes Beispiel bietet der Kanton Aargau. Mit der Strassenverkehrsinitiative hat der aargauische Souverän auch das Krankenversicherungsgesetz und die Erhöhung des Lehrerbesoldungsgesetzes zu Fall gebracht. Das Nein wirkte sich auf der ganzen Linie aus, , Die Strassenverkehrsinitiative war ein Protest gegenüber der Haltung unserer Bundesbehörden, die seinerzeit den Benzinzoll mit der ausdrücklichen Erklärung erhöhten, dass er den Kantonen zum Ausbau ihres Strassennetzes ausbezahlt werden müsse, und die dann in der Folge dieses Versprechen'nicht eingehalten haben. Sie war auch ein Protest gegenüber dem Versuch, ein schweizerisches Strassenverkehrsgesetz aufzustellen, ohne alle Strassenbenützer darin mit einzubeziehen. Dieser Protest ist am 12. Mai zu einem ganz nachhaltigen und unmissverständlichen geworden. Unsere Bundesväter sind klug genug um zu wissen, dass sie [künftighin im Minimum mit einer Macht keinen Augenblick daran, dass dann auch die leitenden Organe des T. C. S. mit uns marschieren werden. Die Initiative war auf diesem Wege ein unbedingter Schrittmacher. Sie hat in ein wichtiges Problem «den Schwung hineingetragen, der schliesslich doch notwendig ist, wenn man vorwärts kommen will.» Bis dahin werden auch die politischen Parteien gelernt haben, rein wirtschaftliche Fragen nicht mit politischen Schlagworten glauben erledigen zu dürfen. Mit der Entpolitisierung unserer Wirtschaft wird auch der Fortschritt in unserem Lande wieder mehr Eingang finden. K.' «Neue Zürcher Zeitung»: Nun sei aber dieser zeitkostende Spaziergang in einer Sackgasse doch nicht als reiner Verlust gebucht. Die Initianten werden wohl angesichts der Eindeutigkeit des Entscheides vom 12. Mai raschestens auf den Weg der Realitäten zurückkehren —• und anderseits bergen gewisse Abstimmungszahlen aber auch Lehren, die die nunmehr neuerdings mit dem Aufbau eines GesetzesentwuTfes auf Grund des Verfassungsartikels von 1921 betrauten Instanzen zu beherzigen wissen werden. Die sehr stattlichem Ja-Zahlen einzelner Städte und Landesgegenden, insbesondere die tiberwiegende Zustimmung,.die die von — Manderton machte eine dramatische Pause — «die Atelierhäuser!» Der Franzose rieb sich die Hände und lachte leise. «Ich sag's ja, Manderton,» rief er, «dasselbe Ziel auf verschiedenen Wegen! Und jetzt — was wir über diesen Maler Quayre gehört haber^ dass er Madame schon vor ihrer Heirat in New York gekannt hat, dass ihm Freund Cranmore wegen seiner Schwägerin das Haus verboten hat und dass sich sein Atelier innerhalb des eben von uns festgestellten Kreises befindet — hm — weist das nicht alles darauf hin, dass wir sein Atelier mal, vielleicht nicht ganz ohne Nutzen, in Augenschein nehmen könnten. Was?» «Die Wichtigkeit von diesem Mr. Quayre ist mir auch nicht völlig entgangen,» warf Die Tagespresse schreibt: weitsichtiger Weise umfassende^ ...unä .von fortschrittlichem Geiste getragener Gesetzesarbeit be-* •darf. Die Lösung des schweizerischen. Strassemver» kehrsproblems müss jetzt gelingen. : « National-Zeitung »: Die auf dem Stimmzettel voranstehende, von 51,560 Bürgern gültig unterschriebene Strassenverkehrs-Initiative war bekanntlich von der Strassenverkehrsliga beim Kampf gegen das zu Fall gekommene Autompbilgesetz lanciert worden; an Stelle der lS2i dem Bund zugewiesenen Ermächtigung '>. zur Gesetzgebung über den' Automobil- und Fahr,- radverkehr sollte dieser auf Grund der Initiative über den gesamten Strassenverkehr legiferieren können. Gegen eine solche grosszügige Lösung machten sich aber neben Bedenken mehr formeller Natur solche der den Kantonsrechten zugetanen Föderalisten geltend; anderseits war es den Bundesvätern überaus unsympathisch, dass nach der Initiative der gesamte Benzinzollerfcras den Kantonen für ihre Strassenbauten zufallen sollte, wetingleich der Bund bei eigenen Bauten solcher „Art durch eine Klausel der Initiative auch geschützt war. Aber die 20 Millionen wollte sich die Eidgenossenschaft doch nicht gern zum grössten Teil von den Kantonen abschröpfen lassen... NocTi überraschender als das Resultat der Branntweinabstimmimg war das der Baslei Abstimmung über die Strassenverkehrs-Initiative. Eine Mehrheit dafür schien bei der Stellungnahme er hin. «Glauben Sie, dass ich hier nur herumgesessen bin, um meine Pfeife zu rauchen?» Er sprang mit einem Satz auf die Füsse. «Hören Sie nichts? Vielleicht ist er das schön.» Aber es war nur Smith, der Kriminaler. «Rührt sich nichts, Herr Inspektor,» berichtete er, «und die Tür ist zu. Sechs Ateliers, zwei in jedem Haus, und ebensoviel auf der andern Seite. Nr. 2 ist's, wo Mr. Quayre drin wohnt. Parterreatelier, der obere Stock steht seit drei Monaten leer —• wenigstens, behauptet das der Nachtwächter. Mallow steht noch dort mit dem Finger auf dem Knopf, dass das Geklingel die Toten aufwecken könnte. Aber 's kommt kein Mensch !> Manderton sah auf seine Uhr. «Zwanzig Minuten nach zwölf,» sagte er gähnend. «Kann wohl noch ein paar Stunden ausbleiben, der Quayre; Sie wissen ja, wie die Künstler sind. Was meinen Sie, Bouilot, zu einem Spaziergang zu den Ateliers hinüber? Sie sollen Ihr« Gelegenheit haben, mir zu sagen, wo die arme Frau hat dran glauben müssen . . .> Er zwinckerte Smith verschmitzt lächelnd zu. Aber Boulot, dessen Gelasenheit durch keine Stichelei seines Kollegen zu erschürtren war, bemerkte ruhig, dass er eben ;