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E_1929_Zeitung_Nr.046

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jAasgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag 24. Mai 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 46 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Pr*|tag Monatlich „Gelbe Lkte" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtllcb bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Reehnun» 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telögramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile odar deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct» Grössere Inserate nach SeitentarU. Insernienscnms« 4 Tone vor Erscheinen der Nummern Die Zürcher Tagung des A. C. S. 25 Jahre Sektion Zürich. — Delegiertenversammlung. Zürich als Tagungsort. Zürich, die ungekrönte schweizerische Metropole, hat in den vergangenen Wochen schon verschiedene prominente Tagungen beherbergt. Die Limmatstadt wurde dieser Auszeichnungen nicht nur wegen ihrer prächtigen Lage zuteil, sondern hauptsächlich auch deshalb, weil die an diesen Versammlungen und Kongressen gepflegten Bestrebungen in Zürich immer eine rege Unterstützung gefunden haben. Schon aus diesem Grunde können wir uns auch für das doppelte Fest, das die prominente ACS-Familie diesen Samstag und Sonntag in Zürich begehen wird, keinen würdigeren Ort denken. Als automobilreichster Stand der Eidgenossenschaft hat Zürich immerwährend eine führende Rolle im schweizerischen Automobilismus und Verkehrsleben eingenommen. Die hier verankerten Sektionen der massgebenden Verkehrsorganisationen sind nicht nur die ältesten, sondern vereinigen auch die grösste Zahl von Mitgliedern auf sich und gehören zu den aktivsten im ganzen Lande. Die mächtige Entwicklung, welche die Sektion Zürich des ACS im Verlaufe des ersten Vierteljahrhunderts ihres Bestehens genommen hat, illustriert diese Tatsache deutlich genugl Automobilhandel und -gewerbe haben sich hier zu grosser Blüte entwickelt und sind zu einem bedeutenden Zweig des städtischen Erwerbslebens angewachsen. Massgebende Automobilmarken haben ihre Generalvertretungen seit Jahren in Zürich, von wo aus ein wohlorganisiertes Netz von Agenturen und Filialen geleitet und bedient wird. Jede Branche des Automobilgewerbes ist durch tüchtige und erfahrene Berufsleute vertreten und schweizerische Automobilfabriken und andere mit dem Automobilwesen iverknüpfte Grossunternehmen haben in diesem für sie so wichtigen Absatzzentruni. Filialen errichtet. Der Bau von Grossgaragen hat in den letzten Jahren intensiv eingesetzt und manche grosszügige Projekte harren noch ihrer Ausführung oder Vollendung. Die städtischen Behörden haben der unerwarteten Entwicklung des automobilistischen Verkehrs von jeher die grösste Aufmerksamkeit geschenkt und sind bestrebt, womöglich in Zusammenarbeit mit den Verbänden die zahlreichen Verkehrsprobleme einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen. Der sorgfältige Unterhalt der städtischen Strassen, der Ausbau von bedeutenden Ausfallsrouten, der Umbau der wichtigsten Plätze, zeugen von der positiven Arbeit der städtischen Verwaltung. Die Polizei nimmt sich mit Eifer und Erfolg der Verkehrsregelung an und die der für den Verkehrsdienst bestimmten Mannschaft zuteil werdende Ausbildung dient mancherorts als Vorbild. Die Schaffung von Parkplätzen und Parkierungsgelegenheiten in Strassen, die Vereinheitlichung der Verkehrssignale nach den Grundsätzen des schweizerischen Städteverbandes haben grosse Fortschritte gemacht Freilich harren hier noch zahlreiche Fragen ihrer Lösung. Die vermehrte Bereitstellung von Parkplätzen, die durch den Verkehr notwendig gewordene Umgestaltung weiterer Plätze, die Durchführung der grossen Bahnhofumbauten, an welcher die Stadt ebenfalls ihren Anteil nimmt, die Schaffung (freier Fahrstreifen in Strassen mit Tramwayverkehr usw. stehen noch bevor. Bereits sind zwar die Vorarbeiten überall soweit gediehen, dass in den meisten Fällen auch schon grosszügige Projekte vorliegen, für deren Verwirklichung es der Stadt am guten "Willen tücht fehlt In Verkehrsfragen allgemeiner Natur hat Zürich ebenfalls einen fortschrittlichen Standpunkt eingenommen. So wurde zum Beispiel die gesetzliche Erhöhung der Innerortsgeschwindigkeit auf 30 Kilometer schon zweimal dem Regierungsrat empfohlen. In der Debatte um die Einführung eines Nachtfahrverbotes hat sich die Auffassung der Verbotsgegner immer erfolgreich behaupten können. In manchen Dingen liegt die Entscheidung eben nicht allein bei der Stadt, sondern ist letzten Endes Sache der kantonalen Regierung. Wir hoffen aber, dass die städtischen Behörden nicht müde werden, ihre gerechten Forderungen auch weiterhin aufrecht zu erhalten und die Neubesetzung der einschlägigen Direktionen im Regierungsrat lässt erwarten, dass die Begehren weitgehende Berücksichtigung finden. Die Einführung des Go- und Stopverkehrs, der für alle Fahrzeuge verbindlich ist, eine Neuregelung bezügüeh das Vorfahren an Strassenbahnen, die Beaufsichtigung des Verkehrs durch fliegende Kontrollen, mehr im Sinne einer Ueberwachung der allgemeinen Verkehrsregeln u. a. m. sind Aufgaben, deren Erledigung noch bevorsteht, die aber teilweise bereits auch schon in die Wege geleitet wurde. So bietet Zürich einen Bodefl, der für automobilistische Kundgebungen zweifelsohne geeignet und gut vorbereitet ist. Die Stadt wird mit Interesse und Verständnis die kommenden Veranstaltungen verfolgen und Zürichs fortschrittlicher Geist wird der prächtigen Jubiläumsfeier der dortigen Sektion des ACS als auch der Delegiertenversammlung des Landesverbandes ihr richtiges Gepräge geben. b. Die Delegiertenversammlung des A.C.S. Zürich ist zum Empfange der Delegierten und der Aceisten aus der ganzen Schweiz gerüstet. Unter den denkbar günstigsten Auspizien treten die Delegierten des Schweizerischen Automobilclubs zu ihrer Tagung zusammen, deren Traktandenliste wohl eine rasche Erledigung finden dürfte. In einer Atmosphäre von Harmonie und Kameradschaft wird an den Verhandlungstisch geschritten werden, sodass wir darauf nicht mehr näher einzugehen brauchen. Der. Schweizerische Automobilclub ist heute zu einer Macht geworden. Die 111 Delegierten vertreten 11,265 Mitglieder, die sich auf 4ie einzelnen Sektionen wie folgt verteilen: Aargau: 466, Basel: 927, Bern: 770, Emmental: 202, Freiburg: 108, Genf: 787, Glarus: 84, Graubunden: 323, Hauenstein: 160, Les Rangiers: 232, Liechtenstein: 59, Luzern: 484, Montagnes-Neuchäteloises: 339, Neuenburg: 115,-St. Gallen-Appenzell: 985, Schaffhausen: 186, Schwyz: 109, Seeland-Jura: 207, Solothurn: 254, Tessin: 241, Thurgau: 442, Uri: 43,. Wallis: 104, Waadt: 1079, Zug: 87, Zürich: 2259,-Ausland: 213. Dies war der Mitgliederstand am 1. Mai 1929. Die Welle lässt: sich nicht aufhalten, der A. C. S. wird weiter; blühen und gedeihen! Frisch gestählt hat er soeben die Waffe in eitlem erfolgreichen Kampfe niedergelegt. Der 12. Mai 1929 wird in den Annalen des Hotel Saxu au Lao, wo du Bankett der Delcfderteuversammlung stattfindet. Das Stadttheater Zürich, der Ort der iestauiiühruu.; anlässlioh des 20jährigen Jubiläums des A. C. S. Zürioh. A, C. S. unvergesslich bleiben. Nicht zuletzt infolge tatkräftigen Einstehens der Aceisteu für eine moderne Strassenverkehrsgesetzgebung konnten rund 250,000 Stimmen auf die Wagschale für die Strassenverkehrsinitiative gelegt werden. Noch einmal haben die Gegner gesiegt. In ihre Positionen aber wurden Breschen geschlagen, die sie zum letz-> ten Sturme reif machen. Vor zwei Jahren war es, in Chur, als nach dem 15. Mai 1927, an dem Tage, da das Autompbilgesetz verworfen wurde, die Delegiertenversammlung stattfand. Die Situation war damals trotz des Sieges noch nicht so klar, wie sie heute ist. Düstere Wolken beschatteten zudem den Schweizerischen Automobilclub. Heute lacht der sonnige Himmel und gibt Anlass zu Freude und Optimismus. Mit der Sektion Zürich feiern am Samstag und Sonntag alle Schwestersektionen. Die fünfundzwanzigste Jahresfeier am Samstag abend im Zürcher Stadttheater dürfte vor einem ausverkauften Haus vor sich gehen. Jedenfalls wird der Zentralvorstand neben dem zahlreichen Ehrengästen sowie Vertretern der zürcherischen Regierungs- und Stadtbehörden anwesend sein. Auch die am 25. Mai nachmittags stattfitt* dende Sternfahrt über eine Strecke von cau 40 Kilometern dürfte des Erfolges sicher sein. So veranstaltet .beispielsweise die Sektion Waadt eine Tourenfahrt nach Zürich, um sich von Zug aus an der Sternfahrt zu beteiligen. Die lieblichen 1 Ufer des Zürichsees haben sich in jungfräulichen Schmuck geworfen. Umgeben von einem Blütengarten wird der Salondampfer « Stadt Raptperswil » die Aceisten mit den Schönheiten des Zürichsee-Ge^ Iändes bekannt machen. So steht denn zum guten Erfolge nichts ira Wege. Die Redaktion der «Automobil-Revue»! entbietet vor allem der A. C. S.-Sektion Zürich, zu ihrem 25jährigen Feiertage die herz* Ochsten Wünsche. Ihr spezieller Gruss gilt der Delegiertenversammlung des A. C. S„ der sich anschickt, in der schweizerischen. Verkehrspolitik ein immer bedeutenderes Wort mitzusprechen und diese in fortschrittlichem, dem Lande zum Segen gereichendem Sinne, au beeinflussen. IC Die Geschichte der A. C. S.-Sektion Zürich 1904—1929. Die A. C. S.-Sektion an der Limmat feiert am Sonntag das 25jäihrige Jubiläum ihres Bestehens. Ein Rückblick auf die Geschichte dieses Vierteljahrhunderts entrollt uns ein. selten reiches, buntes und selten bewegtes Bild schweizerischen Automobilismus. Man hat damit wohl nicht zu viel gesagt, denn was die Sektion Zürich im Laufe dieser Jahre als Bahnbrecherin des Motors in der weitesten Oeffentlichkeit gewirkt hat, fand in der ganzen Ostschweiz, ja im ganzen Lande befruchtende Einwirkung. Wenn ich artso aus der Fülle der Daten und sorgfältigen Aufzeichnungen der Clubchronisten, die Herr Dr. Hans Schmidlin, der Sektretär der Sektion, in unermüdlicher, liebevoller Arbeit gesammelt, zusammengestellt und in der soeben erscheinenden Sektionschronik veröffentlicht hat, Wesentliches und Unwesentliches, aber immer Charakteristisches herausgreife und damit die Historie der Sektion Zürich des A. C. S. zu schreiben versuche, schreibe ich gleichzeitig Geschichte des schweizerischen Automobilismus. 25 Jahre sind heute verflossen, seit ira Jahre 1904 17 Mitglieder im Seehof in Zürich beschlossen, sich jeden ersten Mittwoch eines Monats zu einer obligatorischen Sitzung, die den Sektmnsinteressen geweiht werden solle, Stelldichein zu geben. Von der ersten ausserordentlichen Generalversammlung des 27.