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E_1929_Zeitung_Nr.047

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Ausgabe*: Oeatucf» BERN, Dienstag 28. Mai 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 47 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich -Gelbe Ltate" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Reehnunsf HI/414 relephon Bollwerk 39.84 . Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Nie zu spät •.. Noch kurz vor Redaktionsschluss konnten wir in Nummer 45 der «A.-R.» unsern Lesern die Motion bekannt geben, welche im -bernischen Grossen Rat Dr. La Nicca und 23 Mitunterzeichner betreuend Fussgängerwege neben den Autostrassen dem Regierungsrat einreichten. Durch diese Motion soll der Regierunigsrat auf die erhöhte Strassenunsicherheit aufmerksam gemacht werden, welche sich durch den beständig wachsenden Automobilismus ergeben hat. Was Herr Dr. La Nicca im Berner Grossen Rat aufgreift und was wir selbstverständlich nur begrüssen können, ist allerdings nicht neu. Die Redaktion der «Automobil-Revue» hat schon lange auf die unbedingte Notwendigkeit der Erstellung eigener Fussgängerwege und Radfahrer-Trottoirs hingewiesen. In den Sektionen des A. C. S. ist dieses Thema des langen und breiten behandelt worden. Bis sich jedoch die gewonnenen Einsichten zu Anträgen verdichten und in den gesetzgebenden Räten in Form von Motionen realere Umrisse erlangen, geht es gewöhnlich lange. Man weiss ja zur Genüge, dass in unserer konservativen Demokratie fortschrittliche Gedanken nur langsam sich Bahn zu brechen vermögen. Was Herr Dr. La Nicca vom bernischen Regierungsrat verlangt, kann nicht nur jeder Fussgänger, sondern überhaupt jeder Strassenbenüizer wärmstens unterzeichnen. Bei Neuanlage von Strassen muss in Zukunft unbedingt und ohne Ausnahme für besondere Fussgängerwege gesorgt werden. Ob sich ausserorts der Bau eigener Landwege «etwas abseits von der Strasse» so ohne weiteres durchführen lassen wird, ist allerdings fraglich. Das ist jedoch nur eine Frage untergeordneter Natur. Die Hauptsache ist, dass der bernische Regierungsrat sich endlich der Frage annimmt und sich mit dem Problem ernstlich befasst. Dabei wissen wir aber zum vornherein, dass diese gewünschten Fussgänger- und Radfahrerwege nicht über Nacht kommen werden, ganz einfach aus dem Grunde nicht, weil dem Kanton Bern die notwendigen Finanzen fehlen, um den Wünschen .des Herrn Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by GeoTg Müller Verlag A.-G., München. (10. Fortsetzung) Auf Quayres Gesicht lag noch immer der merkwürdige Ausdruck von Apathie und Verwirrung. «Wenn Mrs. Cranmore wirklich hier ermordet worden ist,» antwortete er, «so habe ich darauf nur zu sagen, dass ich zu der Zeit nicht zu Hause war und nichts davon weiss. Was das Messer anbelangt, so war sein gewöhnlicher Platz auf dem Eichenschrank im Vorraum. Wer Mrs. Cranmore ermordet hat, muss es dort weggenommen und sie erstochen haben.» Ein kurzes Schweigen folgte. > Manderton legte sein Notizbuch vor sich hin. Dr. La Nicca sofort zu entsprechen. Wir bedauern ausserordentlich, dass Herr Dr. La Nicca nicht vor dem 12. Mai diese ganze Frage in seiner kantonalen Partei aufgerollt hat. Vielleicht hätte dann die freisinnige Partei des Kantons Bern zur Strassenverkehrsinitiative eine andere Stellung eingenommen und hätte man sie nicht in kurzen Referaten als überflüssig und unmöglich zu erledigen versucht. Denn gerade die Forderung, dass der Bund den ganzen Benzinzoll den Kantonen abtrete, entsprang dem Bedürfnis, nicht nur die Strassen auszubauen, sondern sie eben auch mit den notwendigen Fussgängerund Radfahrerwegen zu versehen. Ohne vermehrte Mittel von Seiten des Bundes Wird es jedoch den Kantonen in absehbarer Zeit nie möglich werden, unsere Strassen derart auszubauen, dass sie allen Strassenbenützern dienen und Menschenleben vor dem schweren Verkehrsunfall zu bewahren vermögen. Die Motion Dr. La Nicca kommt reichlich spät, glücklicherweise aber doch nicht zu spät, um nicht einen Fortschritt zu bedingen. Es wäre mehr als erfreulich, wenn anläss- Hch der Beratung dieser Frage der Grosse Rat zur Auffassung gelangte, dass der gegenwärtige Benizinzollviertel nicht genügt und dass wenigstens als Etappe zum Ziele der halbe Benzinaoll den Kantonen verabfolgt werden sollte. • Ins gleiche Kapitel gehört die klein© Anfrage des oberländischera Abgeordneten* Huggler, der die Regierung auf den unhaltbaren Zustand der Talstrassen zwischen Brienzwiler und Meiringen und der Gemeindestrasse Unterbäoh - Meiringen aufmerksam machen möchte. Die dem kantonalen Baudepartement zur Verfügung stehende Summe lange leider nicht, um auch den Gemeinden entgegenzukommen. Bei der ganzen Benzinzollverteilung sind diese letztern, trotzdem das Automobil vor den Gemeindemarkungen nicht halt macht, leer ausgegangen. Die Strassenverkehrsinitiative wollte auch den Gemeinden helfen und ihnen das nötige Geld für die Instandstellung ihrer Strassen zuschanzen. Allein es sollte nicht sein. Mit Schlagworten hat man den Bauern «Si© sagten, Sie waren nicht zu Hause, als das Verbrechen begangen wurde, Mr. Quayre. Wann wurde es begangen?» «Das kann ich Ihnen nicht sagen. Es wurde nicht begangen, solange ich hier war, deshalb muss es begangen worden sein, als ich fort war. Aber sagen Sie mir doch, wie das alles zusammenhängt? Was...?» «Wollen Sie mir gefälligst erzählen,» unterbrach ihn der Polizist, «was Sie gestern nachmittag alles getan haben?» Der Maler zögerte. Die tiefe Stille im Atelier wurde nur durch das Hallen der Fusstritte Smiths unterbochen, der drausseo auf dem Steinboden auf und ab ging. «Ich bedaure,» antwortete endlich Quayre langsam, «aber ich kann darüber nichts sagen.» Manderton sah mit einem drohenden Blick von seinem Notizbuch auf. «Und warum, wenn ich fragen darf?» «Ich habe darüber nichts zu sagen,» wiederholte Quayre. «Ihre Handlungsweise ist töricht!» bemerkte Manderton kühl. Aber Quayre steckte die Hände in die Taschen und blickte schweigend zur Decke. «... besonders deshalb,» fuhr Manderton fort, «weil Ihre Weigerung, auf meine Fragen zu antworten, mich zwingt, das, was ich wissen will, durch ein Kreuzverhör aus Miss Driscol herauszubringen...» Die Erwähnung dieses Namens hatte eine merkwürdige Wirkung auf Quayre. Boulot, der ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte, bemerkte, dass er seine Apathie abzuschütteln schien. Eine Spur der früheren überlegenen Haltung zeigte sich in seiner Stimme, während er nachlässig entgegnete: «Sie müssen schon sehr gescheit sein, wenn Sie Miss Driscol überreden wollen, dass sie weiss, was ich gestern nachmittag getan habe...» «Nicht so schnell, junger Freund!» fuhr Manderton dazwischen. «Ich weiss alles über die Spannung zwischen Ihnen und den Cranmores wegen Ihrer Aufmerksamkeiten gegen die junge Dame...» «Um so mehr werden Sie verstehen, dass Miss Driscol nichts über mich wissen kann.» «Wollen Sie mir dann vielleicht erklären, I mit einem Nein an die Urne getrieben. Die kleine Anfrage Hugglers zeigt an dem frappanten Beispiel, wie doch eine bessere Einsicht langsam die Oberhand gewinnt und die INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum. 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Gts Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschiuss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern Zeit nicht mehr allzu fern liegt, da im ganzen Schweizerlande man auf die Idee der Strassenverkehrsliga notgezwungien zurückgreifen wird. K. Die imposante A. C. S. Manifestation in Zürich Jubiläumsfeier der Sektion Zürich des A. C. S., Delegiertenversammlung der gesamten Schweizer. Automobil-Clubs und Jahresfeier des A. C. S. am 25. und 26. Mai 1929. Die Sektion Zürich des A. C. S. und mit ihr der ganze Landesverband hatten am Samstag und Sonntag in der Limmat-Metropole eine Tagung, wie sie in der Geschichte des A. C. S. nur selten aufzufinden sein wird. Den Auftakt dazu bildete die von der festgebenden Sektion organisierte Sternfahrt, an der sich 32 Wagen beteiligten. Es galt diesmal nicht weite Distanzen hinter sich zu bringen, sondern der viel sympathischere Zweck dieser sportlichen Veranstaltung war der, den Teilnehmern Gelegenheit zu geben, sich in präzisem Fahren und in der Orientierung im Gelände zu messen. An zwei verschiedenen Orten, in Baden und Zug, wurde gestartet, wobei den Konkurrenten erst unmittelbar vor der Abfahrt die Route sowohl als die vorgesehene Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km pro Stunde bekanntgegeben wurden. Es galt also rasch zu disponieren, und zu orientieren, da beide Strecken ihre geographischen Tücken •bargen und' so gewählt waren, dass die Wahl der einzuschlagenden Wege nicht so einfach war als dies auf den ersten Anblick scheinen mochte. Die 16 Teilnehmer, welche sich in Baden zum Start einstellten, hatten ihren Weg von dort nach Dietikon und weiter über Schlieren, Uetikon, Birmensdorf, Bonstetten, Buchenegg, Adliswil, Leimbach nach dem gemeinsamen Ziel auf der kleinen Allmend in Zürich zu nehmen, also insgesamt 45,5 km zurückzulegen. 16 weiteren Konkurrenten galt Zug als Ausgangspunkt, von wo sie die Route über Tobelbrücke, Menzingen, Finstersee, Hütten, Schönenberg, Hirzel, Sihlbrugg, was Miss Driscol gestern nachmittag in Ihrem Atelier zu tun hatte?» Einen Augenblick schien der junge Mann unschlüssig zu werden. Boulots scharfes Auge entdeckte in dem schnellen Blick, den Quayre Manderton zuwarf, einen Schatten von Unruhe. Aber er verschwand sofort wieder. Der Maler lachte. «Sie meinen wegen des Porträts? Wenn Sie in diese Schublade schauen wollen» — er deutete auf den Tisch neben der Staffelei — «werden Sie finden, dass Miss Driscol noch immer da ist! Sie war beständig hier, und nicht erst seit gestern!» Manderton verriet keine Lust, die Schublade zu öffnen. So tat es Quayre selbst. Er zog eine grosse Photographie heraus und überreichte sie dem Polizisten. «Hier haben Sie mein Modell!» Es war das gleiche Bild, das halb vollendet gemalt auf der Staffelei stand. Manderton warf einen Blick darauf und legte es beiseite, ohne den ironischen Gesichtsausdruck des Malers zu beachten. «Wir müssen Ihre Aussagen zu Protokoll nehmen, Mr. Quayre,» sagte er sehr förmlich. «Vielleicht haben Sie die Güte, sich mit einem meiner Leute zur Polizeistation zu verfügen...?» «Soll das heissen, dass ich verhaftet bin?» Manderton wich der Frage aus. «Im gegenwärtigen Stand der Untersuchung haben Sie als am Verbrechen zunächst Beteiligter einige Fragen zu beantworten, deren Beantwortung für uns äusserst wichtig ist. Ich glaube, wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie selbst zu der Einsicht Ebertswil, Hausen, Albis und Adliswil nach dem nämlichen Ziel einzuschlagen hatten. Auf beiden Routen war irgendwo an besonders verfänglicher Stelle ein geheimer Kontrollposten eingeschaltet, der allerdings zu friedlicheren Zwecken als sonst üblich die Durchfahrtszeiten notierte. Ein kleiner Trupp Kommittierter und Sportfreunde hatte sich gegen 4 Uhr nachmittags, auf welche Zeit die ersten Fahrer in Zürich eintreffen sollten, bei der kleinen Allmend Rendez-vous gegeben, wo Zielkommissäre und Chronometreure sich häuslich einrichteten. Fast, auf die Sekunde genau traf der erste Wagen ein, dem in kurzen Abständen einer um den andern folgte. Bald herrschte auf dem Sammelplatz reges Leben, es ging an ein Begrüssen und Berichten über die Fährnisse des zurückgelegten Weges, wobei zwischen den Zürchern und den an der Sternfahrt beteiligten Freunden aus andern A.C.S.-Sektionen der erste herzliche Kontakt, hergestellt wurde. Liebenswürdige Damen, die sich ad hoc zu einem Empfangskomitee gruppiert hatten, überreichten den Damenfahrerinnen und Passagieren prächtige Bouquets, während die Herren mit mehr Verständnis dem kleinen improvisierten Büffet zusprachen, das willkommene Labung uml kühlenden Trunk spendete. Die Resultate wurden erst Sonntag nachmittags anlässlich der Rundfahrt auf dem See bekanntgegeben und folgen, um der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse treu zu bleiben, an anderer Stelle. Eine glänzende Jubiläumsfeier der Sektion Zürich des A. C. S., welche der Würdigung ihres 25jährigen Bestehens galt, war ins Stadttheater verlegt worden, wo sämtliche Räume ein originelles Arrangement erhalten hatten und dem Festakt sowie nachfolgenden Ball einen ebenso gediegenen wie geeigneten Rahmen gaben. Ein Organisationskomitee, an dessen Spitze der routinierte Vergnügungspräsident der Sektion, Herr A. Tön- kommen, dass Ihr Schweigen äusserst unklug ist. Doch das geht mich natürlich nichts an. Ich möchte Sie nur bitten, uns so viel als möglich zu helfen...» Boulot warf dem Polizisten einen bewundernden Bliek zu. Taktvoller hätte er's nicht machen können. Langsam griff Quayre nach seinem Hut, während er auf dem Tisch umherschaute, als suchte er etwas. «Ihr Zigarrenetui?» fragte Boulot lächelnd. Er sprach, ohne es zu wissen, französisch, griff nach dem Etui, schloss es und übergab es dem Maler. Quayre verbeugte sich leicht und dankte ihm mit einer höflichen französischen Phrase. «Junger Mann,» sagte Boulot halblaut, «lassen Sie mich Ihnen einen Rat geben. Wenn es sich darum handelt, jemand zu decken, so sind Sie vielleicht nicht die richtige Persönlichkeit, das zu tun. Die Polizei ist ein gefährlicher Gegner, aber sie kann auch ein vertrauenswürdiger Bundesgenosse sein. Nur merken iSe sich das eine: wenn! man sich zwischen uns und die Wahrheit stellt, so ist es unsere Pflicht, niemand zu verschonen, um sie herauszubringen. Denken Sie darüber nach!» Wieder schien es, als ob der Mailer sprechen wolle. Aber in diesem Augenblick trat Smith an seine Seite. Ohne ein weiteres Wort folgte ihm Quayre. An der Tür wandt© er sich noch einmal um und sah den alten Franzosen an. Er stand noch immer in der gleichen Haltung am Tisch mit seitwärts geneigtem Kopf, während er sich mit seinem Zeigefinger langsam den Nasenrücken rieb. •> Fortsetzung siehe Autler-Feierabend.