Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.049

E_1929_Zeitung_Nr.049

Ausgäbet Deutsche Schwell. BERN, Dienstag 4. Juni 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. — N° 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Frelfaa Monatlich „Gtli» Hit»" Halbjahrlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainitrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnuns 111414 Telephon Bollwerk 39.84 : , Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Um ein Volksrecht . • . Wir wären nicht mehr auf die Strassenverkehrsinitiative zu sprechen gekommen, wenn nicht noch durch ein© bernische Presse- Zentrale ein Artikel Zweifelhafter Qüte lanciert worden wäre, der sich über den Wert und Unwert der Initiative an und für sieh ausspricht. Seit der Einführung des Initiativ- Rechtes, das wohl als eine der rabiatesten liberalen Forderungen in unsere Bundesverfassung aufgenommen wurde, war man über den Wert der Initiative sehr geteilter Meinung. Di© Anhänger der Initiative betonten von allem Anfang an, dass die eigentliche iVolkssouveränität ohne Initiative zum Teil illusorisch bleiben müsste. Si© sagten sich, ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^n Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-O., München. (11. Fortsetzung) «Darauf weigere ich mich int Augenblick jzu antworten!» entgegnete der Polizist sehr bestimmt. «Inzwischen muss ich Sie in einigen wichtigen Punkten um Auskunft ersuchen. Entschuldigen Sie meine Gradheit. !Aber ich habe Eile und nur sehr wenig Zeit eu meiner Verfügung. Also wegen Mrs. Cranmore und Quayre — Sie sagten mir gestern, dass Quayre sie schon in Amerika kannte — Stimmt das?> «Ja, si© studierten an der gleichen Kunstschule in New York.» «Wann war das?» «Vor dem Krieg — 1913, glaub© ich.» Manderton schrieb schnell in sein Notizbuch. «Weiter!» drängt© er. «Erzählen Sie mir alles darüber. Wer war sie eigentlich? Wie Ist sie mit Quayre zusammengetroffen? Wer ist er?» «Der Vater meiner Frau war ein irischamerikanischer Journalist, der bei einem Strassenunfall umkam, als Carmen noch ein kleines Kind war. Er hatte eine Südamerikanerin aus Argentinien geheiratet. Bei seinem Tode hatten sie so gut wie nichts. Meine Frau liebte es nicht, viel über ihre Kindheit zu reden, aber ich glaube, sie war hart genug. Als flire Mutter starb, war Carmen erst siebzehn Jahre alt und musste sich ihr Brot selbst verdienen. Sie zeichnet© für Zeitschriften und erhielt dafür genug, um das Schulgeld an der Kunstschule zahlen zu können und daneben auch für die Erziehung ihrer Schwester zu -sorgen. Als der Krieg ausbrach, ging es ihr ganz gut. Dolores befand sich damals in einem Kloster in Brüssel. Carmen gab ihre Wohnung in New York auf und kam nach England, um hier Krankenschwester zu werden. Ich lernte si© im Spital kennen, wohin man mich nach meiner Verwundung schickte...» «In welchem Jahr?» «1918, nach der Märzoffensive.» «Und Quayre — was tat er in Amerika?» «Ich glaube, seine Mutter war Amerikanierin.» «Aber er selbst ist Engländer?» «Ja. Aber nach dem Tode seines Vaters zogen er und seine Mutter nach New York. Er studierte an derselben Schule, die auch meine Frau besuchte.» «Erinnern Sie sich an den Namen?» «Duhamel. Carmen sprach oft darüber ...» Der Bleistift fuhr über das Papier. Manderton schlug eine neue Seite um und schien unschlüssig. Dann fragte er langsam: «Wie intim war ihre Frau mit Quayre, soweit Ihre Kenntnis geht?» Cranmore trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch. «Sie studierten zusammen. Weiter nichts. Quayre war einer von den Freunden meiner Frau in New York. Jeden Samstag abend sah sie einige Bekannte bei sich. Einer davon war Quayre . . .» «Wie pflegte sie über »Quayre zu reden?» «Sehr wenig. Diesem Umstand entnahm ich eben, dass er ein blosser Bekannter war.» dass unser Parlament sehr leicht unter Klassen- oder einseitige Parteiinteressen gelangen könnt© und somit nicht mehr imstande war©, di© vom Volke gewünschten Massnahmen zu realisieren. Wie das Referendum das Volk gegen di© Begehungssünden der Legislative schütz©, so sei die Initiative ein Heilmittel gegen ihre Unterlassungen. Wenn das Volk wirklich souverän sei, so müssten di© Bürger auch die Möglichkeit haben, sich unmittelbar an das Volk zu wenden. Ohne Initiative würden erforderliche und dringende Reformen einfach verzögert werden, da die Parlamentarier, ©inmal ihres Sessels wieder sicher, sehr gerne dem Volke die Türe vor der Nase zuschlügen. Zudem sei die Initiative das gegebene Ventil, um gewissen Unzufriedenheiten Luft zu machen, ohne dass es dabei zu Gewaltsamkeiten kommen müsse. Uebrigens sei das Volk, das seine gesetzgebenden Körperschaften zu wählen habe, wohl auch imstande, sich eigene Gesetze zu zimmern. Die Gegner der Initiative dagegen haben Immer wieder betont und darauf hingewiesen, dass die unmittelbare Volksgesetzgebung der Autorität und der Stellung der Legislative Abbruch tue, die Verantwortlichkeit gegenüber dem Volke vermindere, ja sogar einen Appell an die NichtVerantwortlichkeit und an die Unwissenheit bedeute. Die Initia- •öve habe zu revolutionären Charakter, sie, verleite leicht zu übereilten Schritten, da man nie wissen könne, wie ein von der Legislativ© nicht durchberatenes und nicht wohl erwogenes Gesetz sich auswirken werde. Die Initiative könne in ihrer Konzeption unreil, formell ungeschickt und voller Unklarheiten und Auslassungen sein. Die Geschichte der modernen Schweiz vom Jahre 1874 bis heute beweist, dass die Iniüaf tive sich nur schwer Bahn zu brechen vermag und dass das Volk sich ihr gegenüber immer sehr skeptisch verhält. Die meisten der bis heute lancierten Initiativen sind vom Schweizervolk verworfen worden. Die Tatsache ist beachtenswert. Nur einmal hat eigentlich eine Initiative die grosse Volksmehrheit gefunden; es war dies im Jahre 1918, nach dem Kriege, als der Gedanke der Proportionalwahl im Volke derart reif war, dass die Initiative gegen den Willen der Mehrheit in der Legislative im Volksplenum durchging. Im grossen und ganzen aber fanden die Initiativen, wie gesagt, gewöhnlich vor dem Plebiszit keine Gnade. Wir erinnern nur an die Initiative Rotheriberger betreffend Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung, an die Getreide-Initiative, an die Branntweihr Initiative und an die Strassenverkehrs-Initiative. Soll deshalb in Zukunft das Schweizervolk auf Initiativen verzichten, soll der Verfassungsvorschlag aus der Mitte des Volkes- unterbleiben? Es bedeutete dies unserer Ansicht nach einen bedeutenden Rückschritt. Das,Volk Hesse sich dieses Recht auch niemals nehmen, wenn es auch dasselbe, es sei vielleicht dies zu seiner Ehre gesagt, recht vorsichtig handhabt. Allein das Initiativrecht bleibt ein Sicherheitsventil einerseits und ein starker Promotor anderseits. Unser Sohweizervolk hat politisch zwei Gesichter. Das eine schimpft und kritisiert gerne und ist zu allen initiativen Gedanken leicht zu haben. Das andere Gesicht zeichnet sich stark durch konservative Züge aus, freut sich an seinen Behörden, nickt beständig Ja und zeigt sich in diesem Sinn ziemlich devot. In Initiativkämpfen, da es sich um Volksbegehren handelt, welche den Behörden gewöhnlich nicht genehm sind, wird dieses Gesicht nur zu leicht mit Gerichten und Schlagworten traktiert, die in einer speziell dazu eingerichteten Küche untertänigst, aber mit allen Finessen zubereitet werden. Trotz allem haben die Initiativen : niemals ganz totgeschlagen werden können. Es liegt in ihnen eine Kraft, welche das Volk zur Verwerfung nicht genehmer Gesetze gegen den Willen der Behörden führen kann und es liegt in ihnen andernteils die Kraft, gute Gedanken wiederum gegenüber dem Willen der Behörden ins Rollen zu bringen. Es kann deshalb auch in unserem Volke niemals von einem Missbrauch des Initiativrechtes die Rede sein. Die von ihr geschlagenen Wellen waren immer so gross und nachhaltig, dass die einmal angefachte Bewegung nicht mehr zum Stillstand gelangte, bis sie sich in einer dem Volkswillen entsprechenden Art kristallisiert hatte. Nicht nur die Getreide-Initiative, wie man dies so darzustellen beliebt, hat dem Lande einen grossen Dienst geleistet (dieser Dienst wird sich übrigens erst in der Praxis nun zu «bewähren haben), auch andere Initiativen entbehrten nicht einer grossen Bedeutung. Die Initiative Rothenberger war der erste Anstoss zur kommenden Sozialversicherung. Die Schnaps-Initiative wird sicherlich auf die Alkoholrevision nicht ohne Wirkung bleiben und auch die Strassenverkehrs-Initiative bedeutet den gewaltigen Schritt nach vorwärts zur kommenden eidgenössischen Strassenverkehrsgesetzgebung. Die Erfahrungen vom 12. Mai dürfen festgenagelt werden, aber' nicht in dem Sinne, dass man nun dem Initiativrechte den Rücken keTiren wird. Inr Gegenteil: Die Erfahrungen vom 12. Mai bedeuten wohl für unsere gesetzgebenden eidgenössischen Behörden wiederum einen Fingerzeig, dass in dem Augenblicke, da sie den Forderungen des Tages nicht mehr entsprechen, das Volk in seiner Gesamtheit seine Gesetzgebung an die Hand nehmen würde. Auch in diesem Sinne war der 12. Mai nichts weniger als wertlos. K. Zum bernischen Nachtfahrverbot Der Verband der Gesellschaftswagen-Besitzer der Zentral- und Westschweiz richtet an die Herren Grossräte des Kantons Bern folgenden offenen Brief: Wir beehren uns, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Frage zu lenken. «Aber tatsächlich war er einer ihrer ältesten Freunde?» «Den Jahren nach wahrscheinlich.» Cranmore sprach mit einer Gereiztheit in der Stimme, die Manderton aufsehen Hess. «Ich hoffe, Sie suchen mir nichts zu verhehlen,» sagte er streng. «Mein Gott!» brach Cranmore aus, «ich suche Ihnen nichts zu verhehlen! Ich versuche nur den Ruf meiner Frau zu schützen gegen Ihr© elenden Anspielungen ,— gegen Ihre verwünschte Annahme, dass Quayre ihr Geliebter war. Ach, leugnen Sie's doch nicht! Wie Sie herkamen, stand's schon »in Ihrem Kopf fest und ist jetzt noch darin, und ich sage Ihnen, es ist eine Lüge, eine verdammte Lüge! In Carmens Leben war kein Mann als ich. Verstehen Sie? Und wenn Sie sich auf den Beweis versteifen, dass meine Frau Quayres Mätresse war, so sind Sie auf der falschen Spur, und je eher Sie den Fall aufgeben, je besser!» Er wandte sich heftig ab, aber Manderton nahm die Explosion mit der äussersten Ruhe auf. Er zog nur die Augenbrauen ein wenig in die Höhe und blickte Boulot fragend an. Dann schloss er sein Notizbuch und sagte: «Ich würde gern Miss Driscol sehen, wenn Sie gestatten.» Cranmore machte mit dem Kopf eine Bewegung gegen die Glocke zu. Manderton stand abf und drückte auf den Knopf. «Wenn Sie nichts dagegen haben,» bemerkte er freundlich, «möchte ich lieber mit der jungen Dame allein sprechen. Vielleicht ginge das in einem anderen Zimmer . . .» «Nein!» antwortet Cranmore mit grösserer Bestimmtheit, als er bisher gezeigt hatte. «Wenn Sie mit meiner Schwägerin sprechen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seitentarili Inseratensetilusü 4 Tane vor Erscheinen der Nomnurn Anlässlich der Vorbehandlung des bernischen Automobildekretes vom Herbst 1927 haben die Organ© des Verbandes zentralund westschweizerischer Caralpins - Besitzer darauf hingewiesen, dass einzelne Bestimmungen des Dekretes in die wirtschaftlichen Verhältnisse verschiedener Gewerbebetriebe allzu tief einschneiden und geeignet sind, deren Inhaber in ihrer Existenz zu gefährden. Heute können wir bereits auf eine bald zweijährig© Erfahrung in bezug auf die Auswirkung des Nachtfahrverbotes zurückblikken. Es stellt sich dabei heraus, dass vor allem die Besitzer von Gesellschaftswagen durch das Verbot namentlich während der Wintermonate ganz empfindlich getroffen werden. Die Wagen sind für ein halbes Jahr zur Untätigkeit verurteilt, da sie tagsüber im Winter fast gar nicht in Anspruch genommen werden. Si© dienen hauptsächlich zur Beförderung von Gesellschaften in der Nachtzeit, da die Bahn von diesen nicht mehr benutzt werden kann. Das Nachtfahrverbot hat, wie Sie wisse«, schon zu zahlreichen ausserkantonalen Verwahrungen und Protesten geführt. Viele ausserkantonale Geschäftsleute haben ihre geschäftlichen Beziehungen im Kanton Bern abgebrochen und werden sie solange nicht mehr aufnehmen, als dieses Verbot aufrecht erhalten wird. Das Nachtfahrverbot wirkt sich zudem, für den Kanton Bern ,um so' schwerer aus, da andere Kanton© dem Beispiel Berns nicht- gefolgt sind. Wenn das Nachtfahrverbot wirklich nur im Interesse der Ruh© erlassen worden ist, so müssen wir neuerdings feststellen, dass die Geselilschaftswagen als lärmende Verkehrsobjekte nicht mehr in Frage kommen können. Infolge der technischen Fortschritte, insbesondere durch die eingeführte Pneubereifung, verursachen die Gesellschaftswagen nicht «mehr Lärm als Irgend ein anderes modernes Personenautomobil. In bezug auf die Arbeitszeit der Chauffeure ist hervorzuheben, dass auch bei einer Aufhebung des Nachtfahrverbotes die Vorschriften über die Arbeitszeit genau eingehalten werden können. Zudem ist zu betonen, dass die im Kanton Bern ansässigen Gesellschaftswagen-Besitzer gegenüber den ausser- wollen, geschieht es entweder in meiner Ge-* genwart oder gar nicht. Sie ist fast noch ein Kind, und es ist nur in der Ordnung, wenn ein Familienmitglied dabei anwesend ist!» «Bitten Sie Miss Driscol sofort zu mir hierher zu kommen,» sagte er zu dem eintretenden Dienstmädchen. Boulot, der einige Sekunden mit Manderton geflüstert hatte, beugte sich zu ihm. «Mon ami,» sagte er, «Ihr Verlangen ist durchaus unstatthaft, und es liegt für meinen Kollegen kein Grund vor, es zu erlauben. Wenn er es dennoch tut, so geschieht es unter der Bedingung, dass seine Fragen an Miss Driscol von Ihnen nicht unterbrochen oder sonstwie gehindert werden. Sind Sie damit einverstanden? > «Er soll fragen soviel er Lust hat, solange er sie nicht einschüchtert oder ihr grausliche Ideen in den Kopf setzt . . .» Die Tür öffnete sich, und Dolores Driscol stand auf der Schwelle. Ihr Gesicht war grau. Sie war zum Ausgehen angezogen in einem einfachen, schwarzen Kleid und schwarzen Hut. XI. Im Kreuzverhör. Jim Cranmore, der Dolores gut kannte, schien es, als hielte sie einen unsichtbaren Schild von Zurückhaltung vor sich hin. Bis jetzt war sie für ihn ein reizvolles Kind gewesen, das er gleichsam in der Rolle eines liebevollen älteren Bruders betrachtet hatte. Aber war es nur der Nervenschock, den sie durch die grauenhafte Tat erlitten hatte, oder die Atmosphäre von Argwohn und Entrüstung, die im Zimmer herrschte — auf einmal stand sie da vor ihnen mit der Selbstsicherheit und in der Haltung einer erwachsenen Dame. (Fortsetzung folgt.)