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E_1929_Zeitung_Nr.049

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kantonalen durch dieses

kantonalen durch dieses Naehtfahrverbot stark in Nachteil versetzt wurden. Während der Berner seine Aufmerksamkeit darauf richten muss, abends rechtzeitig zu Hause zu sein, kann der Ausserkantonale seine Zeit bedeutend besser ausnützen, wenn er darauf bedacht ist, die Kantonsgrenze rechtzeitig zu passieren. Es ist auch ganz klar, das durch dieses Nachtfahrverbot nicht nur unsere Hotellerie, sondern das ganze Geschäftsleben beeinträchtigt wird indem entweder das Territorium des Kantons Bern einfach umgangen oder kurzerhand durchfahren wird. Es ist zweifellos, dass durch dieses Nachtfahrverbot besonders die in Bern ansässigen Gesellschaftswagen - Besitzer tn ihrer Gewerbefreiheit ausserordentlich eingeschränkt werden. Aber nicht nur dies. In Anbetracht der ohnehin hohen Steuern und besondern Abgaben erschwert man diesen Leuten ihre Existenz ohne stichhaltige Gründe. Es scheint uns deshalb in Erwägung aller angeführten Punkte im Interesse der bernischen Volkswirtschaft zu liegen, wenn die Behörden auf diese Bestimmung des Dekretes zurückkommen und eine Milderung eintreten lassen könnten. Wir erlauben uns deshalb, sehr geehrte Herren Grossräte, Sie zu bitten, den ganzen Fragenkomplex nochmals einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen und durch eventuelle Schritte im Grossen Rat für die Beseitigung des Nachtfahrverbotes wirken zu wollen. Wir glauben, in der Annahme nicht fehl zu gehen, dass Sie die Tragweite einer Revision des Berner Dekretes einsehen und dass Sie gerne dafür einstehen werden, nicht nur dieser Schicht unseres Gewerbestandes zu helfen, sondern auch eine Barriere aus dem Wege zu schaffen, die bis dahin dem Kanton Bern nur schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat, ohne unsern Dekretsbahnen irgendwelchen namhaften Vorteil zu verschaffen. In dieser angenehmen Erwartung begrüssen wir Sie mit vollkommener Hochachtung! Für den Verband der Gesellschaftswagen- Besitzer der Zentral- und Westschweiz: Der Präsident: A. Zürcher. Der Sekretär: Dr. E. Kleinert. Die offene Barriere. Die offene Barriere hat letzten: Samstag wiederum ein Opfer gefordert. Der 40 Jahre alte Tierarzt Dr. Siegfried wollte mit seinem Motorrad den Bahnübergang bei der Bodengasse in Rüschlikon überqueren, als er im gleichen Augenblicke von dem aus Thalwil kommenden Luzernerzug erfasst, etwa 50 Meter weit mitgeschleppt und sofort getötet wurde. Natürlich setzt jetzt die Untersuchung ein. Sie wird den Toten nicht wieder leibendig machen können. Die Verantwortung 'der Bundesbahnen steigt, wenn man weiss, Üass die gleiche Barrierenanlage bereits mehreren Menschen das Lehn gekostet hat. Man Idarf sich wirklich fragen, wie lange noch isolch gefährliche Bahnübergänge von den Strassenbenützern geduldet werden müssen. Hoffentlich bringt dieser Jüngste Fall die längst notwendige Remedur. Der wachsende Appetit. möchte der Bundesversammlung beantragen, es sei den Privatbahnen für ihre ausserordentlichen Leistungen eine angemessene Vergütung auszurichten, deren Gegenwert auf mindestens zwölf Millionen Franken veranschlagt wird. Der Appetit der S. B. B. hat denjenigen der Kleinen gereizt. Prompt stellen sich die Privatbahnen mit ihrem Wunschzettel ein, wohl angeregt von ihren Verwaltungsräten, die zugleich im Nationalrat sitzen. Eine etwas eigentümliche Politik ist es schon, die da getrieben wird! Nun begreifen wir auch den geheimen Brief, den Ständerat Schöpfer seinen Vertrauensleuten zukommen Hess, mit der Auffoderung, die Strassenverkehrsinitiative zu verwerfen. Diese musste gebodigt werden, wollte man sich einige Millionen auch für die Privatbahnen sichern. Wir sind auf die Haltung unseres Finanzministers gespannt. Was sagt Herr Bundesrat Musy zu diesem Beutezug auf die eidgenössischen Finanzen ? Seiner Haltung gegenüber der Strassenverkehrs - Initiative nach zu schliessen, wird er die Forderung bestimmt und rundweg ablehnen müssen. Wir hätten es den Privatbahnen so gerne gegönnt wie den S. B. B. Schon in letzter Nummer- der «A.-R.» haben wir jedoch auf die Tatsache hingewiesen, dass auch die Kantone ein Anrecht auf Vergütung ausserordentlicher Leistungen in den Kriegsjahren hätten. Denn ihre Strassen wurden von der Armee und ihrem Tross sehr stark in Anspruch und Mitleidenschaft gezogen. Heute noch befahren Hunderte und Hunderte eidgenössischer Camions und Autobusse die kantonalen Strassen, ohne dass hierfür die Kantone einen Rappen aus dem Sacke des Herrn Musy oder des eidg. Postund Militärdepartementes bekämen. K. •4l«s*w«g ITB^e' l ""j^f" Dank dem Automobil... ist die Gütertransportmenge bei der Gürbetalbahn um 3000 tonnen gestiegen, wie Herr Generaldirektor Volmar an der Generalversammlung der Aktionäre der Gürbetalbahn ausführte. Infolge der Massnahmen gegen die Automobilkonkurrenz (Verbilligung der Tarife) und mit Hilfe der SESA hatte die Gürbetalbahn im Berichtsjahre einen stärkeren Gütertransport als im Vorjahre. Das finanzielle Ergebnis für 1928 ist um 40,408 Franken höher als hn Vorjahre. Also auch hier ein Beispiel für die Grundlosigkeit der Vorwürfe gegenüber dem Auto* mobil seitens der Privatbahnen. Dte Privatbahnen fordern 12 Millionen Franken. Gelährdung der eidgenössischen Finanzlage! Verkehrstage in La Chaax-de-Fonds. Am Der Verband schweizerischer Transportanstalten, der sämtliche normalspurigen so- zwei fVerkehrstage» abgehalten werden. 14. und 15. Juni sollen in La Chaux-de-Fonds wie die meisten schmalspurigen Privatbahnen In erster Linie will man die Kinder zum der Schweiz umfasst, hat an den Bundesrat Strassenverkehr erziehen. In den Schulen eine Eingabe für sich und zuhanden der Bundesversammlung gerichtet, in welcher die geben, das sich mit Verkehrsfragen betasst. wird von den Lehrern ein Aufsatzthema ge- Rückvergütung eines Teiles der Kriegsleistungen seiner Mitglieder postuliert wird. Ununterrichtes für Verkehrsfragen in Aussicht Auch ist der Versuch eines Anschauungster Hinweis auf die bundesrätliche Botschaft genommen. Man will den Schülern zeigen, vom 4. März 1929 betreffend Vergütung ausserordentlicher Leistungen der Bundesbahnen fahrlos überschreiten kann. Auch soll ihnen wie man eine stark frequentierte Strasse ge- in den Kriegs- und Nachkriegsjahren wird die Bedeutung der Zeichen des Verkehrspolizisten an Ort und Stelle erklärt werden. deren analoge Anwendung auch auf die Privatbahnen verlangt und damit begründet, An den Hauptverkehrspunkten der Stadt dass beispielsweise hinsichtlich Beschlagnahtmung von Kohlensendungen zuhanden der stellt werden, welche die Hauptgefahrmo- sollen an diesen zwei Tagen Figuren aufge- Industrie und der Hausbrandzentrale, sowie mente dieser Verkehrspunkte veranschaulichen. Endlich soll an den Verkehrstagen hinsichtlich überteuerter Elektrifizierung die Privatbahnen in der gleichen Lage seien wie durch Vorträge, Filme und Radio auf die Bevölkerung eingewirkt werden. Automobil- die Bundesbahnen, die hierfür entschädigt wurden. Anschliessend wird darauf hingewiesen, dass die Privatbahnen mit denstattfinden, wobei die Automobile grosse Taumzüge werden in den Strassen der Stadt Frachturkundenstempeln jährlich einen ansehnlichen Beitrag an die Bundeskasse leisätze des Strassenverkehrs enthalten. Auch feln tragen, welche die -wichtigsten Grundsten und dass sie der Automobilkonkurrenz ein Schaufenster-Wettbewerb und ein Preisausschreiben für Plakate und Photographien als Verkehrszubringer der Bundesbahnen in noch höherem Masse als diese ausgesetzt sind in Aussicht genommen. Als Redner wurden gewonnen die Herren Etter, Gerichts- seien und ausserdem den Taxabbau mit entsprechenden Einnahme - Einbussen ebenfalls präsident in La Chaux-de-Fonds, Dr. H. Bühler und J. Dubois. Am Radio werden Mime mitmachen müssen. Die Eingabe nennt an einzelnen Revendikationen die Ausfälle auf Militär- und Kriegs- Grellet und Dr. Hofmänner sprechen, mg. transporte für die schweizerische Armee und Ein Jubiläum. Letzten Samstag konnte der im Interesse fremder Staaten, die überteuerte Stadtpräsident von Bern, Herr Gemeinderat Rohmaterialbeschaffung zur Sicherung der Lindt, sein zwanzigjähriges Amtsjubiläum Landesversorgung, gehabte Auslagen für Notstandsarbeiten, die beschleunigte Elektrifizie- 1909 als Nachfolger des heutigen Burgerrats- feiern. Gemeinderat Lindt wurde am 16. Mai rung und die Kohlenbeschlagnahmungen. präsidenten von Fischer in den Gemeinderat Sie schliesst mit dem Gesuch, der Bundesrat der Stadt Bern gewählt. Sieben Jahre lang gr. Die Verkehrsverhältnisse Im Kanton Bern sollen in einer Konferenz, welche die kantonale Polizeidirektion auf Donnerstag den 6. Juni, 2% Uhr, im Rathaus angesetzt hat, nunmehr auch mit dem bernischen Kantonalverband des A. C. S. besprochen werden. Man weiss, dass diese Verkehrsfragen bereits mit dem T. C. S. erörtert wurden; es geht auch hier wie es in jenem alten Volkslied heisst: «Hübsch immer einer nach dem andern — wie jenes Mädchen sprach von Fiandern>. Wahrscheinlich kommen vor den Hundstagen auch noch die Motorlastwagenbesitzer, die Motorradler und die gewöhnlichen Radler an die Reihe; hoffentlich kommt bei dieser vielgeleisigen Behandlung etwas Gescheites heraus! A AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N° 49 leitete er die Baudirektion, um bei der Zweiteilung die Baudirektion I, den Tiefbau, zu übernehmen. Als im Jahre 1920, nach Ausgang der Gemeindewahlen, Stadtpräsident ,Gustav Müller von seinem Amte zurücktrat, wurde Gemeinderat Lindt sein Nachfolger. Er hat dieses Amt bis zur heutigen Stunde mit Weitblick, Festigkeit und Würde zum Segen der Stadt Bern geführt. Als kraftvolle Persönlichkeit hat er es verstanden, Gegensätze zu mildern und das politische Schifflein der Stadt Bern auch in stürmischen Zeiten sicher zu führen. Als Baudirektor hat er sich auch den Dank der vielen Motorfahrer erworben. Unter seiner Leitung ist das bernische Strassennetz in den letzten Jahren nach modernen Gesichtspunkten ausgebaut worden. Mit grossem Verständnis verfolgte Herr Baudirektor Lindt die wachsenden Verkehrsbedürfnisse und hat nichts unterlassen, um dem modernen Verkehrsvehikel die ihm zukommende Fahrbahn zur Verfügung zu stellen. Hundert fleissige Hände arbeiten heute an der Aufrichtung der Lorrainebrücke. Dieser Bau ist mit dem Namen Lindt aufs engste verknüpft. Der Name der Brücke ist gegeben; anstatt Lorrainebrücke hätte man sie ebensogut zu Ehrendes verdienten Magistraten Lindt-Bräcke taufen können. Wir entbieten dem hervorragenden Magistraten unsere herzlichsten Glückwünsche. K. SPORTLICHES Internationale Alpenfahrt 1929. Am 29. und 30. Mai haben in den Räumen des Automobilclubs von Deutschland die entscheidenden Sitzungen über die diesjährige Alpenfahrt stattgefunden. Anwesend waren die Herren Schindler- Barnay für den Oesterreichischen Automobilclub, Gr. Uff. Mercanti für den R. A. G. von Italien und Vizepräsident Fritsch, Baron Hirsch. Generalsekretär v. Eiert und Dr. Pagenstechen für den Automobilclub von Deutschland. Der Vertreter des Automobilclubs der Schweiz hatte sich entschuldigen lassen. Als wichtigstes Ergebnis der Sitzungen kann zunächst die Festsetzung des Datums bezeichnet werden, die bisher auf Schwierigkeiten gestossen war. Der Internationale Verband Anerkannter Automobilclubs, dem die vier organisierenden Clu

N° 49 - 1929 •AUTOMOBIL-REVUE Jen sich noch Fahrer 'wie Urban-Emmerich auf Talbot, dann Burggaller, Kersting und Seibel, Diez auf Bugatti. ferner Butenuth auf Hanomag. Der technische Kampf wird eich infolgedessen mit einem sportlichem Wettbewerb vereinigen, der besonders in den grösseren Klassen ein spannendes Rennen verspricht. Caracciola (der letztjährige Sieger) und Kimpel auf Mercedes-Benz, haben beste Siegesaussichten, aber auch Dr. Bittmann, Brunn, auf einem Bugatti Kompr. von 2000 ccm Hubvolumen und Graf Kainein auf einem 2300 ccm Bugatti Kompr.. werden ihr Wort mitzusprechen haben. i Kein Arlbergrennen 1929. Der Vorarlbergische Automobilclub hat das auf den 7. Juli angesetzte Arlibergrennen aus verschiedenen, nicht genannten Gründen abgesagt. Nunmehr findet' am 7. Juli das Salzbergrennen statt. Durch die Absage des Arlbengrennens steht das Klausenrennen allein im Mittelpunkt der Bergrennen dieser Saison. Der Grosse Preis von Irland, der für den 12. und 13. Juli anberaumt ist und im Phönixpark bei Dublin, organisiert vom Irischen Automobilclub, ausgetragen wird, hat bereits einen schönen Nennungserfolg erzielt. Das Rennen findet auf einem Circuit über sieben Kilometer statt und entspricht infolge der geringen Breite der Strecke eher einem Strassen- als einem Bahnrennen. Die Organisatoren beabsichtigen, bei genügender Beteiligung die Veranstaltung in zwei Serien zum Austrag zu bringen: am ersten Tag für Wagen bis zu 1500 ccm, am zweiten Tag für Wagen über 1500 ocm. Der Sieger jeder Serie erhält 1000 Pfund Sterling (Fr. 25,000.—). Die «Daily Mail» hat eine goldene Coupe ausgesetzt Nachstehend der Stand der jetzigen Einschreibungen: 750 ccm : Deering Jackson und Heyn (Austin); J. Martin (Martin). 1100 ccm : B. Eys'ton und Whitcroft (Riley) ; Woolley und Noble (Riley); Leslie Porter und Riley (Riley). 1500 ccm: Benjafield (Alfa Romeo); X... (Alfa Romeo; X... (Aston Martin) ; Gordon Burney (Lea Francis) ; X... (Lea Francis) ; X... (Lea Francis) ; X... (Marendaz). 2 Liter: Benjafield (Alfa Romeo); L. Headlalm (Alfa Romeo) ; X., (Alfa Romeo) ; Fox und Nicholl (Lagonda). 3 Liter; Newman (Bugatti). 5 Liter: Scott (Bentley); Eldridge (Chrysler); Dupont (Cotton); Oliver (Invicta); Thistlethwayte (Mercedes-Benz). Shell eröffnet sein Stadion in Wollishofen. Es •war em grosser Tag für die hundert Angestellten und Arbeiter der Lumina in Zürich, als das neue Stadion, welches die Firma nach dem Vorbild der andern ShellnSportplätze in London. Den Haag usw. errichtet hatte, eröffnet wurde. Der Präsident Engle des englischen Clubs, der zu gleicher Zeit Chef der Finanzabteilung der Royal Dutch für ganz Europa ist, kam extra von London, um dem Eröffnungsfest beizuwohnen. Ex war begleitet von dem ganzen Shell-Stab in der Schweiz: Herrn A. Vassalli, Präsident des Verwaltungsrates der Lumina, Herrn Hermann S. Wellbergen, Verwaltungsrat, Herrn Robert Marchand, Direktor. Herrn J. Lachenal, Verwaltungsrat, Herrn Kyburz, Direktor in Zürich u. a. Die Eingeladenen wurden in einer langen Zeile von Wagen auf den Zürichberg geführt. Dort fand der erste Teil des Festes statt, die Läufe und ein Fussballmatch zwischen der roten und der blauen Equipe des Clubs. Die rote Partei siegte mit 3:2. Darauf fanden die Läufe statt, an welchen die Herren Orange,- Surbeck, Burth, Weber als erste Equipe mit 12 Sekunden den 100 Meter-Lauf dominierten. In den Stafettenläufen siegte die Gruppe: Kühni, Burth, Surbeck und Schxämli mit 2 Minuten 16 Sekunden. Nach den Läufen begab man sich in Wagen quer durch Zürich an das südliche Ufer des Sees, wo in einer reizenden Umgebung ein herrlicher kleiner Sportplatz errichtet worden ist. Auf dem Clubhaus weht stolz die Shell-Flagge. Dieses Clubhaus wurde vom Architekten mit allem Notwendigen ausgestattet. Es enthält in zwei Etagen Kleiderräume und Duschen, sowie einen Erfrischungsraum und eine Bibliothek. Der Club, der hier seine Uebungen abhält, zählt heute schon 150 Mitglieder, Herren und Damen, und betreibt alle möglichen Sportarten. Soeben zeigt zum Vergnügen der Anwesenden die rhythmische Sektion ihre Künste und führt einen humorvollen Matrosentanz auf. Nach diesen Vorführungen und einem kurzen Imbiss beginnen die Ruderregatten. Kaum sind diese beendigt, wobei zwei Equipen um die Palma Herr A. Bartholomäi, Sportpräsident der Sektion Luzern des A. C. S., der Rennleiter des Kxiens- Eigental-Rennens vom nächsten Sonntag. Letzten Donnerstag wurde in Indianapolis der Grosse Preis, Amerikas grösstes Autorennen, vor 150,000 Zuschauern ausgetragen. Das spannende Rennen, das über 500 Meilen (804,5 Kilometer) ging, sah 33 Konkurrenten am Start, darunter als einzige Europäer den bekannten französischen Rennfahrer Chiron auf Delage-Spezial"und dessen Landsmann Moriceau auf Amilcar. Die kurvenreiche, aber in glänzender Verfassung sich befindende Strecke liess ein ausserordentlich scharfes Tempo zu. Mit rasender Geschwindigkeit lagen die Wagen auf der Bahn, wobei erbitterte Kämpfe entstanden. Sieger blieb schliesslich der ehemalige Schnelligikeitsrekordinhaber . Ray Keech mit seinem Triplex-Wagen in der fabelhaften Zeit von 5:07:25 Stunden. Er erreichte'dabei den unglaublichen Stundendurchschnitt von etwa 156 Kilometern. An zweiter Stelle placierte sich der vorjährige Sieger des Grossen Preises von Indianapolis, Louis Meyer-Amerika, auf Miller Spezial. Das Rennen war mit 100,000 Dollar dotiert. Infolge der grossen Hitze und des scharfen Tempos gab es zahlreiche Pneudefekte, die leider einen schweren Unfall zur Folge hatten, der dem ausgezeichneten amerikanischen Rennfahrer Spence das Leben kostete. William Spence erlitt an seinen Düsen^ beng-Spezial in einer Kurve Reifenpanne, verlor bei der grossen Geschwindigkeit die Herrschaft über den Wagen und überschlug sich, wobei er auf der Stelle getöte wurde. Der Amilcarfahrer Moriceau überschlug sich, trug indessen nur leichtere Schürfungen davon. Der an zweiter Stelle liegende Amerikaner Arnold musste acht Kilometer vor dem Ziel aufgeben, da sein Boyle-Wagen in Brand geraten war. (Nach einer anderen Nachricht wird dieser Zwischenfall dem Fahrer Moore zugeschrieben.) stritten, beginnen leichtathletische Kämpfe, Hochsprung, Lanzenwerfen, Kugelstossen und zum Schlüsse ein Tennis-Tournier. Abends. 5 Uhr nahmen die Festlichkeiten ein Ende mit einer Ansprache "des Verwaltungsrat-Präsidenten, Herrn Vassalli. Er übergab dem Sportclub offiziell das Stadion von Wollishofen. das zur Verfügung der Angestellten der Lumina und ihrer Familienangehörigen steht. Herr Hostettler. Präsident des Sportclubs, verdankt Herrn Vassalli und dem Verwaltungsrat der Lumina das generöse Geschenk, indem er sie der Dankbarkeit aller Angestellten versichert Mit der Preisverteilung an die Sieger nahm der wohlgelungene Eröffnungstag sein Ende, mg t Ingenieur Alfred Gönner, der letzte Woche mit seiner Frau in Belgien tötlich verunglückte (siehe Nachruf). (Photo Spreng, Basel). Der Grosse Preis von Indianapolis Louis Chiron, der neben Moriceau der einzige Vertreter der alten Welt in diesem amerikanischen Monsterrennen war, bekanntlich einer der erfolgreichsten Rennfahrer der letzten Jahre, empfand als einziger Europäer unter den zahlreichen Amerikanern die ganze Schwere der Isolierung. Bis zum 50. Kilometer lag er an dritter Stelle und beendete das Rennen ehrenvoll auf dem sechsten Platz. Dies ist, wenn man das genannte Handicap in Betracht zieht, eine glänzende Leistung, starteten doch insgesamt 45 Konkurrenten. 1. Ray Keech (Simplex Special), Stundenmittel 5.3'49"21/100 (156,500 km). 2. Meyer Louis (Miller Special), 5.2019"46/100. 3. Marchese Tommaso (Marchese Special), 5.22'25"56/100. 4. ehester L. GaTdner (X), 5.37W34/100, 5. Wm. Yaln (Duesenberg). 5.37'52"5/100, 6. Cbiron Luigi (Delage), 5.44'35"31/100. 7. Büly Arnold (Boyle), 5.54'33"60/100. 6. Cliff Bergere (Miller). 6.11'44", Indianapolis und seine Sieger. Zeit ßt/km 1919 Wilcox (Peugeot) 5:44:21 140,200 1920 G. Chevrolet (Munroe) 5:40:16 141,859 1921 T. Milton (Frontenac) 5:34:45 144,197 1922 J. Murphy (Murphy) 5:17:30 15:1,262 1923 T. Milton (H. C. S.) 5:28:06 147,123 1924 Joe Boyer (Duesenberg) 5:05:23 158,094 1925 P. de Paolo (Duesenberg) * 4:56:39 162.750 1926 (402 Ml.) LockhaTt (Miller) 4:13:37 153,050 1927 Souders (Duesenberg) 5:07:38 156,798 1928 L. Mayer (X) 5:01:33 160.106 1929 R. Keech 5:07:25 156,500 Grossanlage von Strandbädern. La Tene bei Marin. Dieser Tage hat sich unter starker Beteiligung der Gemeinde Marin und der Bern- Neuenburg-Bahn eine Genossenschaft mit Sitz in Neueriburg gegründet, deren Zweck es ist, das Strandbad La Tene bei Marin auszubauen und zu fördern. Die Gesellschaft will den öffentlichen Charakter des Bades erhalten und jede Spekulation ausschalten. Bereits sind auf dem namentlich auch von Automobilisten aus der näheren und weiteren Umgebung stark besuchten Bade ein Restaurationsgebäude und eine geräumige Garderobehalle mit Ankleidekabinen, Duschen, Trinkwasseranlagen etc. erstellt worden. Ingenieur Alfred Gönner f. Letzten Mittwoch verunglückte auf einer Autotour in Belgien das in Basel wohnhafte Ehepaar Gönner-Smeykal bei Oordegen, kurz vor Gent, tödlich. Der Chauffeur, ein Berner namens Rohrbach, wollte einem belgischen Wagen vorfahren und stiess dabei mit dem entgegenkommenden Automobil des Präsidenten der Handelskammer, Smet de Nayer, zusammen. Der Wagen Gönners überschlug sich. Ingenieur Gönner und seine Frau waren auf der Stelle tot, während der Chauffeur schwere Verletzungen davontrug. Die Insassen des belgischen Wagens blieben heil. Ein zufällig daherfahrender Schweizer leistete die erste Hilfe. * Der tragische "Unglücksfall fand in Automobilkreisen allgemein grösste Teilnahme. Ingenieur Alfred Gönner war einer der ersten Automobilisten unseres Landes. Schon als Student verschrieb er sich mit Leib und •Seele dem aufkommenden Automobilismus. Mit jugendlichem Feuereifer bahnte er dem Motorfahrzeug den Weg, rannte, unerschrokken und fortschrittlich wie er war, immer wieder an gegen das autofeindliche Bollwerk philiströser Vorurteile jener Zeit. Alfred Gönner war eine eisige Sportnatur. Er fehlte wohl früher an keinem Rennen des A. C. S. Seine Fahrkunst war ebenso unerschrocken wie meisterhaft. Von einem Klausenrennen, an dem er, als Enthusiast der Bergrennen, auf Austro-Daimler teilnahm —> es soll in den Jahren 1921-22 gewesen sein — prallte er in einer Kurve gegen einen vorstehenden Stein und brachte seinen Wagen erst zum stehen, als die Vorderräder über dem Abgrund hingen. Ohne mit der Wimper zu zucken, half er dem zitternden Mitfahrer aus dem Wagen und bot ihm erst einen Imbiss an, ehe er sich den Schaden näher besah. — Schon im ersten Dezennium unseres Jahrhunderts erweckten seine automobilistischen Parforceleistungen berechtigtes Aufsehen. So bewältigte er die Strecke Marseille- Basel (682 km) in einer einzigen Tagesetappe, für damalige Verhältnisse — man bedenke den Stand der Technik! — eine sportliche Leistung grössten Ausmasses. Ingenieur Alfred Gönner war tatsächlich: der älteste Abonnent der «Automobil-Revue». Als wir ihm seinerzeit von der geplanten Gründung unseres Blattes sprachen, war er von der Idee einer schweizerischen Automobilzeitung derart eingenommen, dass er sich sofort als Abonnent einschrieb — noch lange vor dem Erscheinen der ersten Nummer. Seither sind 25 Jahre verflossen. In den ersten Jahrgängen der « Automobil-Revue»; finden sich manche Aufsätze, denen Gönner mit seinem. unerschöpflichen Erfahrungsschatz auf technischem, sportlichem und touristischem Gebiete zu Pate gestanden ist. Der Verstorbene war an zahlreichen industriellen Werken des Automobils in der Schweiz und im Auslande beteiligt; jahrelang besass er massgebenden Einfluss in den österreichischen Daimler-Werken in Wien. In der Grand Garage Monbijou sowie in der Automobil-Verkaufs A.-G. in Bern war er Mitglied des Verwaltungsrates. Seine umfassenden Automobil - Kenntnisse, seine Sportbegeisterung und seine bedeutenden Mittel stellte er mit Vorliebe der Entwicklung des Automobils zur Verfügung. Der Tod hat den Ruhelosen mitten aus der Arbeit für die von ihm konstruierte neue Basler Markthalle herausgerissen. • .In Ingenieur Alfred Gönner verliert der schweizerische Automobilismus einen seiner uneigennützigsten Pioniere, der Kreis seiner zahlreichen Freunde einen Kameraden, der als urchiger und unverfälschter Mensen allgemeines Ansehen genoss.