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E_1929_Zeitung_Nr.045

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Actsgafoee Deutsche Schwetak BERN, Dienstag 21. Mai 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jährgang. — N° 45 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: HalbjMirnclj Fr. &-, jährlich Fr. 10.-. Im Anstand unter •-„«. sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag tür postamtliche Best In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/4I4 Beibehaltung des Frachtmonopols? In den letzten Tagen hat eine Frachtfrage grundsätzlich ihre Erledigung gefunden, die auch die Automobilisten in stärkstem Masse interessiert. Es handelt sich um den Transport des Brotgetreides. Wie man sich erinnern wird, genossen unter dem heute erledigten Getreidemonopol ganz besonders die Berggegenden Frachtermässigungen, die von den Bundesbahnen durchgeführt und von der Monopolverw'altung getragen wurden. Letztere übernahm den sogenannten Frachtausgleich. Mit dem letzten Entscheid des Volkes über das Getreidemonopol ist die Situation eine andere geworden. In dem Bericht des Verwaltungsrates der S. B. B. an den Bundesrat zuhanden der Bundesversammlung heisst es klar und deutlich : «Ein nicht unbedenklicher Ausfall wird den Bundesbahnen aus der neuen Getreideordnung erwachsen, indem die Tarife für die Getreidetransporte aus verschiedenen Gründen herabgesetzt werden müssen.» Der « nicht unbedenkliche Ausfall» und die * verschiedenen Gründe » sind durchaus klar. Für die schweizerischen Bundesbahnen lagen die Verhältnisse unter dem Getreidemonopol denkbar einfach. Nach den Abmachungen mit der Getreidemonopol-Verwaltung war den Bundesbahnen ein Einheitstarif mit einem Ertrag von über sechs Millionen Franken im Jahre gesichert; eine Konkurrenz war zum vornherein ausgeschaltet. Das" staatliche Brotmonopol unterstützte das staatliche Frachtmonopol. Verbilligte Spezialtarife wurden für hunderterlei Waren angewendet, das Brotgetreide aber nur zu einem hohen Einheitssatz verfrachtet. Die Bundesbahnen hatten gesicherte Transporte und zudem gesicherte Einnahmen. Das Brotgetreide konnte im ganzen Lande zu einem Einheitspreise abgegeben werden. Die Getreideverwaltung war in der Lage, den Ausgleich zu bezahlen. Wir wollen ohne weiteres zugeben, dass unter diesen Verhältnissen der Konsument im grossen und ganzen nicht zu leiden hatte und dass sowohl die Der Fall Cranmore 'KHtnindl-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G München. (9. Fortsetzung) «Allerdings. Frankreich ist nicht der einzige Ort, wo es Eifersuchtsverbrechen gibt, besonders seit dem Krieg. Meine Idee ist — aber natürlich nichts als eine Idee zwischen •uns zweien —, dass dieser Herr Quayre es mit den beiden Damen hatte. . .> «Ah!» stiess der Franzose hervor. Aber es lag eine Welt von Andeutungen auf seinem Ausruf. «Meine Theorie ist, dass er früher in, 'Amerika mit der Mrs. Cranmore was hatte. Sie erinnern sich, was der Gatte sagte: Quayre trüge es ihr nach, dass sie ihm das Ettcheint Jaden Dienstag and Fr«lt«| Monatlich „Gtlte Ustt" ADMINISTRATION: Brdtenrainitrasse 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 > TVdejrwnm-Adre.se: Autorovue. Bern Haus verboten hatten. Schön ! Er kommt nach London, findet seine alte Liebe verheiratet und fängt nun mit der Schwester an. Mrs. Cranmore versucht, die Sache zu hintertreiben, merkt, dass es doch weitergeht, läuft ins Atelier, um Schluss damit zu machen — sie schicken das Mädel weg, falls sie hier war — dann einige böse Worte und schliesslich das Messer . . .> «Ah !» sagte der Franzose, aber diesmal in einem völlig nichtssagenden Tone. «In einem oder zwei Tagen werden wir ihn haben. Ich kenne diese Art von Verbrechern. Er wird immer hier herumwandern und, wundern würd's mich nicht, wenn er sich selber stellte!» Manderton sah auf seine Uhr. «Halb sieben. Ob das wohl zu früh ist, um zu Cranmore zu gehen? Ich möchte das Mädel zu gern sprechen. Und vielleicht setzt's dabei auch ein Frühstück ab. Dagegen hätt ich nichts. Ich will nur meinen Hut holen. > Manderton kletterte wieder durchs Fenster und Boulot folgte ihm. «Nur zwei Sekunden,» sagte der Engländer. «Ich muss noch schnell einen Bericht an den Chef machen.» Boulot -nickte ihm zu und trieb sich einst weilen im Atelier umher. Er beschaute dies und jenes, aber erst eine kleine MetaHschale auf dem Tisch schien seine Aufmerksamkeit zu fesseln. In ihr lagen vier Zigarettenstümpfchen. Boulot untersuchte sie alle genau. Das letzte betrachtete er mit besonderer Sorgfalt. Dann warf er einen Blick auf Manderton, der am Fenster stand und schrieb, zog einen Briefumschlag aus der Tasche und schüttelte schnell den Inhalt der Schale hinein. Kaum hatte er den Umschlag wieder in die Tasche gesteckt, als ein fester Schritt draussen hörbar wurde. Im nächsten Augenblick trat ein hochgewachsener, blonder junger Mann ins Atelier. Boulot kniete sich hin und untersuchte das ehemalige Blumenbeet. Als er damit fertig war, ging's an eine ebenso gründliche Beaugenscheinigung des schmalen Vorsprungs zwischen Sockel und Mauer. Schliesslich packte er den Sims mit beiden Händen und zog sich vorsichtig so weit hinauf, bis er mit den Augen an die unteren Fensterscheiben reichte. Aber er hatte vergessen, dass sie aus Milchglas bestanden und keinen Einblick in das Innere gewährten. Schon wollte er sich wieder herablassen, als das Fenster zurückgeschlagen wurde und hinter ihm Mandertons Gesicht in all seiner rotglühenden Schönheit erschien. Boulot grinste vergnügt und sprang auf den Boden. den, die « Jenachdem-Tarifgrundsätze» der Sesa auch auf die Getreidetransporte anzuwenden, so sollen sie sich darüber nicht beklagen. Als es um die Verstaatlichung unserer Bahnen ging, da hiess es, die Schweizer Bahnen dem Schweizer Volk ! Wollen die Bahnen unbedingt das Monopol über die Getreidetransporte beibehalten, so haben sie dafür auch die Konsequenzen zu tragen. Weit herum im Volke heisst es, dass die Taxen der Bundesbahnen für den Getreidetransport nicht gerechtfertigt seien und das System, dass eine Verwaltung der andern auf Kosten der Brotesser ein einträgliches Transportmonopol sichere, zu unhaltbaren Zuständen führe. Wir schliessen uns dieser Auffassung vollständig an. Mit dem Getreidemonopol hat unser Schweizervolk auch das Frachtmonopol beerdigt. Der auf drei Millionen Franken geschätzte Ausfall wird zum Teil vom Bunde, zum andern Teil aber von den Bundesbahnen zu tragen sein. Vom Standpunkt des Brotkonsumenten aus ist diese Tarifreduktion im Betrage von ungefähr drei Millionen Franken und die auf den Brotpreis nicht ohne Wirkung sein kann, nur zu begrüssen. Festzustellen dabei ist, dass das Automobil auch' hier als bedeutender wirtschaftlicher Faktor auftritt, dem das SchweizeTvolk zum grossen Teil die Brotverbilligung zu verdanken haben wird. Anders stellt sich natürlich die Frage .für die Bahnverwaltungen. Sie werden sich darüber zu verantworten haben, ob sie nur der Bekämpfung der Automobilkonkurrenz wegen mit dem Finanzdepartement ein Verlustgeschäft eingehen wollen und ob sie dieses Geschäftchen gegenüber der Allgemeinheit zu verantworten gewillt sind. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die schweizerischen Transportanstalten wurden eingeladen, sich über die Annahme des neuen Tarifes für den Getreidetransport bis zum 20. Mai auszusprechen. Das Inkrafttreten des neuen Tarifs ist auf den 1. Juli vorgesehen. Auf die endgültigen Vereinbarungen darf man, sofern sie an die Oeffentlichkeit gelangen, gespannt sein. Nach dem Vorschlag des Finanzdepartements «Alle Achtung!» rief er. «So gibfs doch jemand, der früher aufsteht als diese faulen Londoner.» «Es scheint mir, alter Freund,» antwortete Manderton trocken, «dass der Vogel sich schon früh auf die Suche gemacht hat, um einen Wurm zu fangen! Aber wie, zum Henker, sind Sie denn da hinausgekommen?> «Ueber die Strasse rückwärts», erklärte der Franzose. «Nur heraus zu mir, mon ami! Aber reichen Sie mir erst einen Stuhl, damit Sie's bequemer haben.» Er stellte den Stuhl sorgfältig so, dass er nicht die Erde des Bettes berührte. «Los!» kommandierte er dann. «Aber um Gottes willen kommen Sie sie mir nicht an die Mauer am mit Ihren grossen Stiefeln!» Der mächtige Körper des Engländers gelangte glücklich auf den Boden. Schweigend deutete Boulot erst auf das Beet und dann auf den Sockelabsatz. In der schwarzen Erde waren zwei grosse Fussstapfen deutlich wahrzunehmen. Die eine zeigte den tiefen Eindruck eines ganzen Fusses, die andere nur den der Sohle, beide gegen das Haus zu. Der Sockelabsatz war an einer Stelle frisch angekratzt, und von da an lief ein Schmutzstreifen auf dem Mauerwerk aufwärts. «Hier ist er hinausgestiegen,» bemerkte Manderton. Dann rief er laut: «Smith, unter dem Bett stehen ein paar Schuhe, geben Sie sie mir raus!» Er nahm sie in Empfang, beugte sich nieder und hielt den einen Stiefel vorsichtig über den tieferen Eindruck im Beet. Er passte genau. Boulot begegnete dem fragenden Blick seines Kollegen mit einem verständnisvollen Nicken. INSERTIONS-PREIS: DU aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. (ur die Schweiz; lar Anzeigen ans dem Ausland 60 Cts. GrBssere Inserate nach Seitentarlt. buenUansehtass 4 Tage vor Enehehten der betreffenden Hummer Bahnen als auch die Müller und Bäcker sehr gut davonkamen. Nun aber sehen sich die Bahnen plötzlich einer ganz anderen Situation gegenüber. Die verschiedenen Wehmutstränen, die im «Eisenbahner » und andernorts vergossen werden, sind verständlich. Mit der Freigabe der Einfuhr von Auslandgetreide an Privatfirmen ergab sich ohne weiteres die Möglichkeit von Getreidetransporten auch mit Lastautomobilen. Denn mit dem Getreidemonopol fiel zugleich auch das Transportmonopol. Es war dies wohl verschiedenen Herren im Jahre 1927 zu wenig bewusst. Nun aber sind in der Tat Angebote seitens von Lastwagenbesitzern gemacht worden, die nur etwa die Hälfte der bisherigen Eisenbahnfracht ausmachen. Unser kluger Finanzminister, Herr Bundesrat Musy, hat sofort in die Kerbe eingehauen. Auf Grund von Verhandlungen zwischen dem eidgenössischen Finanzdepartement, den Vertretern der schweizerischen Müllereien und einer Vertretung der Generaldirektion der S. B. B. wurde in den letzten Tagen ein Spezialtarif für den Transport von Brotgetreide ausge-, arbeitet, der für die Transporte in das Innere der Schweiz Anwendung finden soll. Die vorgesehenen Reduktionen dürften zirka 50 % betragen, so dass unsere S. B. B. auf Grund dieses Tarifes einen Einnahmenausfall von rund drei Millionen Franken erleiden werden. Es ist dies unerwünscht und 'schmerzt. Weshalb man auch mit der Verlegenheitsanklage zuständigen Orts natürlich sofort bereit ist. «Das lästige Automobil zwingt uns zu dieser verheerenden Tarifpolitik. > So tönt es jetzt in jenen Reihen. Aber nicht wahr, in dem Augenblick, da der Getreidehandel entstaatlicht wird, darf wohl auch der Getreidetransport von staatlicher Bevormundung befreit und unter die gesunden Bedingungen der Konkurrenz gestellt werden. Das ist die logische Folgerung, die man aus dem Volksentscheide ziehen muss. Wenn heute die S. B. B. durch die sogenannte Konkurrenz des Automobils gezwungen werwäscht immer noch eine Hand die andere, da ja auch in Zukunft ein gewisser Betrag des Frachtenausgleichs vom Bunde getragen werden soll und nur ein Teil des erwähnten Ausfalles von den Transportanstalten auf das Konto « Automobilkonkurrenz» zu schreiben ist. Wie man sieht, tendieren die Vereinbarungen dahin, auch künftighin das Automobil aus der eigentlichen Konkurrenz auszuschalten. Wir betrachten dies als volkswirtschaftlich widersinnig. Die Begehren der Landwirtschaft sind erfüllt. Handel, Industrie, Handwerk und Gewerbe und nicht zuletzt die ganze Konsumentenschaft haben aber ein vitales Interesse an einer verbilligten Lebenshaltung. Kann der Bundesrat, können unsere Parlamente, können unsere Bahnen die Verantwortung dafür übernehmen, dem Schweizervolk ein noch billigeres Brot vorzuenthalten, nur deshalb, um den Bahnen auch fernerhin ein Transportmonopol zu sichern und das billigere Transportmittel, das Automobil, aus dem Felde zu schlagen ? Wir stellen diese Frage. Eine Antwort wäre jedenfalls im Interesse unseres ganzen Volkes sehr erwünscht. In diesem Zusammenhang ist es jedenfalls nicht verfrüht, auch auf die sogenannten neutralen Strecken der Bahnverwaltungen hinzuweisen, die, weil diese Strecken nicht umgangen werden können, den Bahnen eine Art Monopolstellung zuschanzen, vermöge deren sie wiederum auf Kosten unserer Wirtschaft zur Aufstellung von erhöhten Tarife« ansetzen können- 'Es liegt ganz klar auf der Hand, dass durch die heute geltenden Belastungsunterschiede in den Frachten die t an sogenannten neutralen Strecken liegenden Wirtschaftsgebiete ausserordentlich schwer benachteiligt werden. Wie vorauszusehen ist, werden punkto Getreidetransporte sämtliche Bahnlinien zu «neutralen» Strecken werden. Damit erfährt unser ganzen Wirtschaftsleben in eigentlich unverantwortlicher Weise eine Belastung, und dies alles nur deshalb, weil unsere Behörden heute noch nicht so weit sind, das Automobil in den Dienst der Gesamtwirtschaft zu stellen. K. «Natürlich muss er passen,» sagte er. «Es ist doch auch sein Atelier. Er kennt den Weg- Ausserdem ist er an der Zauntür gewesen.» «Sie haben seine Spuren auf der Gasse gefunden? Fussstapfen, was?» Boulot schüttelte den Kopf. «Das hier!» antwortete er und öffnet«! seine Hand, in der ein Zigarettenstümpfchen lag. Manderton lachte. «Also los — wie haben Sie das jetzt wieder herausgebracht?» «Noch ganz weich, also erst vor kurzem weggeworfen. Ich hiab diese Sachen ein wenig studiert. Die Zigarette wurde gestern geraucht, mon ami. «Cerberus» ist es. Wenn Sie sich auf den Untertassen im Schlafzimmer umsehen, können Sie ein gleiches Stumpfchen finden!» «Prima!» gab Manderton zu. «Aber noch lieber wär's mir, wenn unser junge Freund endlich erscheinen würde, s' ist eine komische Geschichte. Abgesehen von Quarye glaube ich, dass dieses Driscolmädel mehr von der Sache weiss, als sie uns gestern nacht erzählen wollte.» «Wie ist nach ihrer Ansicht das Verbrechen ausgeführt worden?» «Nun, ohne Präjudiz, wie die Juristen sagen, scheint mir die Sache so zu liegen. Hier ist Quayre, dem Cranmore das Haus verboten hat und der doch mit dem Driscolmädel weiter verkehrt. Er malt sie, mehr wolen wir vorläufig nicht sagen. Mrs. Cranmore kommt dazu, um der Sache ein Ende zu machen, eine Eifersuchtsszene . . .» Boulot sah schnell auf. Mit dem Zeigefin- ;er deutete er auf zwei nicht vorhandene 'ersonen und fragte: «Glauben Sie so?» Manderton nickte. Fortsetzung siehe Autler-Feierabeni