Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.045

E_1929_Zeitung_Nr.045

sciiuieiss- und

sciiuieiss- und Schneid-Anlagen Das Neueste! Gesucht für sofort in Dauersteflunr tüchtiger, seihständiger AUTOMECHANIKER gesetzten Alters, mit mehrjähriger Praxis, der imstande ist, einer grösseren Werkstatt vorzustehen und sämtliche vorkommenden Reparaturen (auch an Lichtanlagen) ausführen kann. 40399 Offerten mit Zeugnissen, Photo und Lohnansprüchen an H. Eggenberger, Automobile, Berneck (Rheintal). 'AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N° 45 M. Grobstückappant „IINEON" Automatische Entechlammung, ohne Entleerung des EntwicklerwasseiB. Ununterbrochener Betrieb, weil mit 2 Entwicklern vergehen. Behördlich geprüft. Schwelss- u. Schneidbrenner, Entrussungsbrenner, Hart- Ifitbrenner, Reduzierventile infelnst.Präzisionsausführnng Modem* Dlssouj-Schwelssinlagan. Alle Schweis*. Ziuatzmaterialien. JSat» Referenzen. Tertatn SIB latalog Ir.l Conllnental-Llctit- Gesellscbaft DObendorf b. Zeh. Tel.: Dabeadort 16 Neuchätel 7636 En passant par Nauchätel ne manguez pas de vous arreter & la Patisserie Tea- Room R. LISCHER, Rue de la Treille, pour y gofiter de gäteau au beutre chand ä toute heure, epecialite de la maison. Glaces - Gäteaux - Patisserie tonjonrs fratche. Tel. 1148 Günstige OCCASiON! Zu verkaufen AUTOMOBIL RALLY Torpedo, 4plätzig, mit Bosch-Licht, 4-Radbrem- 8en, letztes Jahr neu revidiert — Albert Lüihi, Zollbröcfc. 40396 DELÄGE -Ersalrietle liefert prompt ab Lager H. Lanz. Delage- Vertretong, Rohrhach. — Telephon 38. 6293 Gesucht tüchtiger Automechaniker Zuverl., treuer Chauffeur, 25jähr., sucht Stelle selbständig strebender !W CHAUFFEUR "»C auf Lastwagen. Eintritt kann mit einigen Mille Vertrauens- nach TJebereink. Prima Kapital eigene, auf Jahre sichergestellte Existenz Jahresstelle. posten. Wohnung zur Verfügung. Offert mit Photo und Zeugnissen unt Chiffre 40338 an die Automobil-Revue, Bern. sicherer und guter Fahrer und sehr guter Wagenpfleger. — Verheirateter, Schweizer, mit einigen Kenntnissen im Französ. kevorzugt. — Offerten mit Zeugnisabschriften unter Chiffre 40327 an die Automobil-Revue, Bern. Autoöl-Reisender sucht noch für gangbare Artikel der Autobranche. — Offerten sind zu richten unt. Ghiffr« 40361 an die Automobil-Revue, Bern. welcher eine Maschbauschule absolv. hat, wünscht sich an gutgehender Garage zu beteiligen. — Off. unt. Chiffre 40377 an die Automobil-Revue, Bern. Lehrstelle (gesucht Für der Sekundärschule entlassenen Knaben wird Lehrstelle in gute Reparaturwerkstätte als Automechaniker gesucht Es wird ev. auch Arbeit abgegeben. Offerten unter Chiffre 40380 an die Automobil-Revue. Bern. Importfirma in Zürich sucht jüngeren, strebsamen Mann als zum Verkauf eines erstklassigen Amerikaner Pneumatiks. Nur tüchtige Verkäufer und Fachleute wollen sich melden, welche unbedingten Erfolg nachweisen können. Sonst Anmeldung unnütz. Bewerber mit eigenem Auto •wird bevorzugt Bahnpostfach 15477, Zürich. mit mehrjähriger Praxis. Offerten unter Chiffre 40424 an die Automobil-Revue, Bern. mit mehrjähr. Praxis und Erfahrungen, sucht Vertrauensstelle, wenn mögl. in grösseren Betrieb. Suchender kann sich ausweisen als erste Kraft in der Automobilmechanik und ist vertraut mit sämtlichen Maschinen und deren Reparaturen. Off. u. Chiff. 40378 an die Automobil-Revue, Bern. mit mehrjähriger Fahrpraxis für In- und Auslandsfahrten auf erstklassigem Luxuswagen. Englisch und Französisch erwünscht Eventuell Jahresstelle. Gefl. Offerten unter Chiffre 40403 an die Automobil-Revue, Bern. Gesucht zu sofortig. Eintritt -selbständiger Automobil- Mechaniker Autogarage Gebr. Geiser, Langenthai. 7609 Zeugnisse zu Diensten. — Bitte Offert, an Mettler, Chauffeur, Mühle, Schönenberg (Thurg.). 40427 in Bauuntemehmung. Offerten unter Chiffre '. 731 P. an Publicitas, runtrut 40434 sucht Steile auf Lnxnsder Lieferungswagen. Ist mit Reparat, gut vertraut. Verrichtet auch and- Arbeit. Spricht Deutsch und Französ. — Offerten an E. Hottinger, Steinhaldenstrasse 45, Zürich-Enge. zu baldigem Eintritt. Gutbezahlte Stelle. Nur Be-Platze Zürich als sucht Engagement au! d. werber mit genügender Befähigung wollen sich Verkäufer melden. Ev. Jahresstelle. od. ähnlichen Posten, ev. Alfred Stäger, Garage und mit Beteiligung. Offerten Rep.-Werkstätte, Lauterbrunnen. 40417 Mehrjähriger, seriöser, finden. Off. unt. Chiffre 0 1873 G an Publicitas, St Gallen. 40882 Junger Bursche, 23 J. alt, sucht Stelle als U ^ CHAUFFEUR IHC auf Personen- od. Lastwagen, ev. mit Nebenbeschäftigung. Suchender ist Schmied. Lohn Nebensache. Zeugn. zu Dienst. Walter Freiburghaus, Oberwil b. Buren. 40438 Chauffeur- Mechaniker ganz routinierter Fahrer, solid, ehrlicher Charakter und gute Umgangsformen, unt Chiffre 40445 an die Automobil-Revue. Bern. Alter 22 J., sucht Stelle auf Luxus- od. Lieferungswagen. Zeugnisse zu Diensten. Eintritt kann sofort oder nach TJebereinkunft eschehen. Jos. Braun, Chauffeur, Mühlrüti (Kt. St. Gallen). 40441 Arbeitsamer, erfahrener F" Repräsentant CHAUFFEUR "9C \3W" Gesucht ayant petit capitaL cher- Situation dans com- Englisch sprechend, sucht Solider, erfahrener, lang]. Deutsch, Franz. u. etwas nach Winterthur in Pri-chvathaus erfahrener tnerce automobile de la Stelle per sofort. Würde Suisse romande. S'adr. nebenbei auch andere Arbeiten verrichten. — Adr.: sucht Stelle per sofort — Chauffeur | Chauffeur soue H. R. 24, Chalet du Chataignier, Glion sur Alfred Müller, bei Ad. Kaution kann geleist, werden. — Adresse erteilt: Montreux. 4O430 Schmidiger, Autogarage, Marbach (StG.). 40407 Ad. Schmidiger, Garage, Marbach (St. G.). Tel. 91. Vertretung Junger, strebsamer Automechaniker per sofort ein mit Saurer- Lastwagen durchaus bekannter, seriöser, auch Französisch sprechender Gesucht "WC wird tüchtiger, selbständiger u. mit Amerikanerwagen vertrauter Reise-Vertreter Wir suchen für baldigen Eintritt tüchtigen, selbständigen • • Routinierter, zuverlässiger AUTO-MECHANIKER ^•»•«••»»•••»••••••••••••»•»••••••••< Gesucht ; zu sofortigem Eintritt solider, tüchtiger Chauffeur-Mechaniker Gesucht Chauffeur Solider, zuverlässiger Chauffeur i Automechaniker »••»••••»••••••••••••••v< Solider, vern. 40416 CHAUFFEUR ^ mit kleineren Reparaturen vertraut, sucht Stelle auf Luxus- od. Lieferungswagen. Verrichtet auch and. Arbeiten. — Off. an Postfach Nr. 221 24088. Winterthur. Existenz für Mechaniker bei Uebernahme einer gut eingeführten, in la. Lage, Nähe Zürich, befindlichen Reparatur-Werkstätte für Autos und Motorräder sowie Velohandlung. Umsatz 25000 Fr., not. Kapital 8000 Fr. — Offerten unt. Chiffre 40439 an die Automobil-Revue, Bern. Junger, kräftiger Chauffeur Solider, junger, starker Chauffeur sucht Stelle auf Last- od. Lieferungswagen, ev. als Mitfahrer. Zeugnisse sind vorhand. K. Waldburger, Chauffeur, Längste. 214, Zürich. 40443 Chauffeur perfekt Englisch spreche sucht Engagement. 40442 Hch. v. Allmen, Stechelberg, Lauterbrunnen. Junger, solider, arbeitsamer, zuverläss. Bursche sucht Stelle als Chauffeur auf,.Personen- od. Lieferungswagen. Würde nebenbei Garten- u. andere Arbeit verrichten. Ist auch mit kleineren Reparaturen vertraut. Persönliche Vorstellung. — Offerten unt. Chiffre 40408 an die Automobil-Revue. Bern. Junger Bursche rabiat. Draufgänger, sucht Stelle als Nachtwächter oder Aufseher in Strafanstalt; auch Ausland. Off. unt. Chiffre 40440 an die Automobil-Revue, Bern. Das AUTO KREDIT Roadster Luxe, wie neu. Selten schöner Sportwagen (Ausstellungsmodell). Wird vorteilhaft abgegeben. 40420 Telephon 1, Schüpfheim (Luzern), das Sie wünschen, kaufen Sie auf zu 6 % durch Vermittlung de» Union Bancaire Industrielle et Commerciale Genf, Rue du Rhone 1 LAUSANNE Pkoe St-Franoois 12bis • TeL 26.029 Spezial-Werkstätte für Aussergewöhnliche Gelegenheit für Sportmann! Willy Ganz, Zürich Badenentnne 274. TeL Sein. 62.08 BERN Mwktcasse 24 • Tel Bollwerk 36.16 •••••••••••••MHunua Zu kaufen gesucht moderner CAR ALPIN 18-Plätzer Offert mit genauen Angaben an D. Aufdermaur, Ziegelei, Arth. 40349 ••••••••••••••••••••••••i Kilometerzähler Reparaturen lassen Si« nur in der Spezialwerkstätte Adolf KUSTERER, Zimmerg. 9, Zürich 8 ausführen. — Vertreter der Stewart Warner Jt. C * Waltham- Kilometerzähler. Alle Original - Ersatzteile am Lager. rlaj, Administration! Druck und Clicherio: HALLWAG A.-G, Halterscb* Bachdruckerei und Wagnorsch« Ywlnsmutatt, Btea, A vendre ou ä echanger contreTORPEDO, 8-10 HP, BERUET torp&do, 5 plaees, 14 HP, 6 roues ä rayona. metalL garnies. On accepterait aussi MORGAN, en bon etat — Ecrire: Caso postale 14, Payerne. 40369 Zu verkaufen 1 FIAT 503 geschlossen, wenig gefah-< ren, in sehr gutem Zust* 1 FIAT 501 offen, guter Läufer, bei sofortiger Wegnahme billigst. — Besichtigung und Vorführung bei: E. Wild, Garage, Wald (Zürich)., TeL 251. 4037t Kaufe AUTO 40390 Limousine 6/7-Plätzwr, nicht vor 1927, tadelloser Zustand, 6 oder 8 Zylinder. — Offerten nv, Preisangabe unter Postfach 114, Bern-Transit

Bern, Dienstag 21. Mai 1929 III. Blatt der „Aatomobi'Revae" No.45 ff Im heutigen Autler-Feierabend": Seite Der Aquamarin 13 Feuilleton 13 Die Kunst in' Paris 14 Die Seite der Frau: Der Weg zum Herzen der Frau 15 Die Mode 15 Aus unseren Gauen 16 Touren-Sprechsaal 17 Kreuzworträtsel 18 Banalität and Kunst Die Aesthetik des Banalen ist noch nicht geschrieben. Und es bedarf wohl auch keiner. Aber die Schätzung der Banalität hat viele Wandlungen durchgemacht, und die gewaltigsten in den letzten hundert Jahren. Eine sozial empfundene Kunst, d. h. Kunst für breite Massen, wird aufs Banale nie verzichten dürfen. Markantes Beispiel: Beethoven schreibt an dem Freudenehor der Neunten eine Musik von ausgesprochener Banalität Niemand wird behaupten wollen, es sei ihm bei dieser Gelegenheit nichts «Besseres» eingefallen. Beethoven konnte sich seine Einfälle aussuchen. Der textliche Vorwurf, die Soziologie des Werkes, zwang zu dieser Melodik. Beethoven dachte an die Menschheit, folglich brauchte er eine Hymne, die jeder versteht, die jedem vertraut vorkommt. Der Bann, den Wagner über die Banalität verhängte, hat noch unsere Jugendjahre ihr entfremdet. Wir waren so sehr in der Wagnerschen Ideologie befangen, dass wir in Verdi einen lächerlichen Tingeltangelmusiker sahen, und in Mozart kaum mehr ais einen amüsanten Tändler. Die Wagnersche Kunst, als schöpferische Leistung ein Werk höchsten Niveaus, war als konsequentestes und; radikalstes Produkt bürgerlicher Ideologien individualistisch und also asozial. Die ihr untrennbar verbundene Philosophie sah ihre Aufgabe in möglichst vollkommener Differenzierung der Denk- und Gefühlstechniken. «Kinder, schafft Neues,» lautet die Wagnersche Formulierung. Das Alte, UeberliefeTte gilt von vornherein als inferior, und die bürgerliche Dekadenz, ihre letzten Kräfte zu einer gigantischen Geste anspannend, zwingt den Schaffenden zum aussichtslosen Versuch, auf alles Bekannte zu verzichten. Diese Ideologie hat sich bis in unsere Zeit erhalten und in Arnold Schönberg einen genialen, alle Vergangenheit durch die Macht seines Intellekts und seiner Phantasie übertrumpfenden Interpreten gefunden. (Der Paralelfall in der Dichtung: Stefan George.) Der erste (deutsche) Musiker, der, obwohl durch Wagner entscheidend beeinflusst, sich wieder zum Banalen bekannte, war Mahiler. u i IX. Julian Quayre. Er trat mit schnellen Schritten 1 T O N Der Fall Cranmore Fortsetzung aus dem Hauptblatt, in den Raum, als er aber 'die beiden Männer erblickte, die von seiner Wohnung Besitz ergriffen zu haben schienen, blieb er mit einem Ruck kerzengerade stehen. Manderton sass in seinem Winkel beim Fenster und schrieb mit dem Rücken gegen den Raum, und Boulot stand über den Tisch gebeugt neben der Staffelei. In die blauen Augen des jungen Mannes kam ein zorniges Funkeln. «Wollen Sie mir gefälligst erklären, wie Sie hier hereingekommen sind?» fragte er mit der kalten, leidenschaftslosen Stimme des Engländers, der seine heilige Freiheit bedroht sieht. Manderton war im Augenblick auf den Füssen. Seine rechte Hand fuhr in die Innentasche des Rockes. Boulot, der seinerzeit Hunderte von Verhaftungen ausgeführt hatte, bemerkte die Umrisse eines Brownings, die sich auf dem Stoff abzeichneten. «Sie sind Mr. Quayre, wie ich annehme,» sagte Manderton. Wen-n Wagner dem Gedanken des Festspiels, also des Volkstheaters, ernstlich nachging, so geschah es gegen 'seine weltanschauliche Ueberzeugung; also aus Machtwillen, aus Ehrgeiz. Er wollte die Welt zu «einer künstlerischen Anschauung zwingen. Mahler be- Der Aquamarin Die junge Lady zieht von Deauville über Paris nach Nizza und Venedig einen Schwärm von Verehrern 'hinter sich her. Sie ist seit- zwei Jahren Witwe. Ihren hochvornehmen Herin Gemahl, den edlen Lord Shettfield, hat nach kurzer Ehe in den Kolonien der Tod geholt. Das Riesenerbe seiner Lordschaft wird gierig hewacht von zwei geiernasigen Schwestern. Mit dem Erbe auch die Trägerin desselben, die junge Lady-Witwe. Doch die blühte unterm Trauerschleier zu einer ännreissenden Schönheit heran. Wer sie nun sieht, erkennt sie kaum wieder. Man lästert in den Clubs: der Lady bekommt die Witwenschaft viel besser als vordem die Ehe. Sie, ist mit einem Male die begehrteste Frau des Inselreiches. Der Gountry-Adel liefert sich Schlachten um ihre kleine Hand. Sie lacht dazu und weiss: in die eTste Ehe lässt man sich verkaufen,- kinderjurtg und dumm, — in die zweite geht man wissend. Trotz des Gezeters der lordlichen Sippe. Als dann in Shettfield^Castell nach dem zweiten Trauerjahr die grossen Reisekoffer aus der Lederkammer ans Tageslicht kamen, begann ein eitriges Packen auch in sieben NachbaTSchlössern. \ «Das ist mein Name. Aber ich weiss immer noch nicht, was, zum Henker, Sie und Ihr Freund, zu dieser Tageszeit in meinem Atelier ziu tun haben!» «Ich bin Polizeiinspektor....» begann Manderton. «Trotzdem bin ich mir nicht bewusst, dass der interessante Beruf, den Sie sich erwählt haben, Ihnen das Recht gibt, in anderer Leute Wohnungen einzubrechen! Oder,» fuhr der Maler fort, während ein leises Lächeln um seine Mundwinkel spielte, «wollen Sie sich vielleicht von mir porträtieren lassen?!» Manderton, der zu den Engländern gehörte, die auch nicht den leisesten Spass verstehen, bekam einen roten Kopf. «Da gibt's nichts Komisches dabei,» sagte er grimmig. Sie wissen wohl ganz genau, warum ich hier bin.> Der junge Mann musterte den Polizisten gemächlich von unten bis oben. «Ich war die ganze Nacht auf und möchte jetzt zu Bett gehen,» sagte er endlich. «Also teilen Sie mir mit, was Sie hier wollen. Und vielleicht haben Sie die Güte, mir auch Ihre Legitimation zu zeigen — wenn Sie nämlich eine haben...» Statt aller Antwort entnahm Manderton seiner Brieftasche eine Karte und überreichte sie schweigend dem jungen Mann. «Das ist mein Name,» erklärte er mit kalter Förmlichkeit, die etwas Drohendes hatte. sass diesen Machtwillen auch, sah jedoch ein, dass eine Volksmusik nur vom Volksliede her entstehen kann, dass das Sangbare, das Banale sich aus ihr nicht ausschliessen lässt. (Aus einem Essais von Stuckenschmidt in der Vossischen Zeitung.) Wim reist die Lady amf dem Kontinent nmher, eifrig betreut von den zwei Geiernasen. Die ahnen nicht, welche geradezu raffinierte Folie sie bilden zu der strahlenden Schönheit ihrer jungen Gefangenen. D;e Schützer- und Ritterinstinkte einer ganzen Nation müssen erwachen beim Anblick der von zwei Drachen umzingelten Holdheit. Der Kammerdiener John macht ein schönes Geld auf dieser Reise. Er gibt in verschlagener Ehrerbietung die Parolen aus an den Tross von Getreuen, sobald neue Reisepläne festgelegt sind. So kommt's, dass ein Kometenschweif eifersüchtiger Verfolger der Bahn der schönen La a dy folgt. So kam's, dass endlich am Lido die Meute ihr Wild gestellt hat. Nun soll sich die Vielumworbene entscheiden. Die lordlichen Schwestern schleppen ihre Proteges heran. Der Western of Westernburry ist Favorit, — sein überdimensionaler Reichtum wird ihm erlauben, auf das Shettfielder Erbe zu verzichten. Im oberen Tessintale «Ich vertrete hier die Zentrale und möchte um einige Auskünfte wegen des Mordes bitten, der aller Wahrscheinlichkeit nach gestern abend in diesen Räumen ausgeführt wurde.» Der junge Mann legte sein halbgeöffnetes Zigarrenetui auf den Tisch. «Mord?» fragte er. Er war plötzlich sehr bleich geworden, und Boulot bemerkte, dass seine Hände zitterten — feine, schöngeformte Hände, die den Künstler verrieten. Er machte zwei Schritte auf Manderton zu und blieb dann stehen. «Mord?» wiederholte er. «Hier? Ich verstehe nicht. Wer ist hier ermordet worden?» Er sprach langsam, aber mit einem eigentümlichen Ausdruck, als erwarte er, eine bestimmte Antwort zu hören. Seine Unbefangenheit war verschwunden, und die Sonnenstrahlen, die schräg durch das Atelierfenster kamen, fielen auf ein Gesicht, aus dem' auch der letzte Blutstropfen gewichen war. «Eine Dame, die Sie kennen,» sagte Manderton. «Mrs. Cranmore.» Eine tiefe Falte erschien auf der Stirn des jungen Mannes zwischen den Augen. Seine Finger verkrampften sich und lösten sich dann wieder langsam. «Sie... wissen das ganz bestimmt?» stammelte er nach einem langen Schweigen. Er erhielt keine Antwort auf seine Frage. Nächtlicher Heimweg Mein Schritt hallt durch nächtliche Gassen; Die Stadt liegt verlassen, Wie tot • Die Menschen schlafen den* Morgen entgegen Und schlafen am Inhalt des Lebens vorbei. Im Osten färbt sich der Himmel schon rot, Vor kurzem fiel ein weicher Regen, Davon sind die Strassen noch, feucht Eine Rose hängt aus einem Strauch Und beugt sich rot und reif heraus. Sie lächelt mir zu und gleisst und grüssi Da breche ich sie Und atm© ihren erregenden Hauen Und küsse ihr den Morgentau Von den Blättern. Und meine erregte Seele geniesst Tief ihre Schönheit und ihre Pracht, Wie die Küsse der geliebten Frau, Die diese köstliche Nacht mir gebracht. Ko. ' Der Strand blüht gelb gegen die blaue Adria. Die lordlichen grauen Motten erlagen dem südlichen Licht, — sie ruhen in schwerem Mittagsschlaf in ihren Appartimenti. Die HoTde der Getreuen erholt sich im Schatten der Hotelterrasse vom aufreibenden gegenseitigen Misstrauen. Vornehme Kellner und gewöhnliche Fliegen schlafen halbwach an 'den Säulen. Im Zauber der webenden Mittagssonne takelt am Strand ein kleiner Boy ein helles Boot. Wie weisse Blumen blühen die Segel gegen den Azurhimmel. Am Topp wabert eine Aureole von Sonnenglast. Der Kleine ordnet die Schoten und wartet. Quer über den Lido vom Hotel her tänzelt aul glatten Bootsschuhchen die Lady über den Sand< Ihr folgt mit Kissen und allerlei Bootskram be-< laden ein junger, braungebrannter Gentleman. Sein Name ist so unbekannt wie möglich im Königreich^ Für die Motten ist er Luft. Mit säuerlichem Lächeln quittierten sie gestern abend seine Verbeugung, als er sich vom Zeremonienmeister des Hotels in aller Form präsentieren liess