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E_1929_Zeitung_Nr.051

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Aasgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 11. Juni 1929 Nummer 20 Cts. 25. Jahrgang. - N» 51 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag . Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznieblag, sofern nicht postamUich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Rappen. Postcheck-Rechnune 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 i Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Zu einem Postulate . . . Unsere Parlamentarier haben bereits eine angestrengte Woche hinter sich. Nachdem den Bundesbahnen die 35 Millionen gesprochen waren, mtschte man auf internationalen Boden hinüber und behandelte den Kelloggpakt, debattierte somit über die Aechtung des Krieges und war, wie es sich unseren friedlichen Schweizern gebührt, mit seiner Annahme einverstanden. Nationalrat Huber wollte sogar einen Schritt weitergehen und begründete sein Postulat, das den Bundesrat einzuladen gedachte, Bericht und Antrag darüber [vorzulegen, ob und wie in der Schweiz die Abrüstung durchzuführen sei. Er berührte Öamit den Lebensnerv unserer Eidgenossenschaft. Wenn auch zugegebenermassen der Gedanke der Völkerversöhnung und des Friedens immer tiefer in die Völker dringt, so hat die Schweiz solange keine Veranlassung, ihr Friedensheer zu verringern, als in den umliegenden Ländern die gewaltige Kriegsmaschinerie nicht abgebaut, im Gegenteil mit den Fortschritten der Technik je länger je mehr motorisiert wird. Von B,leiweiss und von Mieterschutz war weiter die Frage. Im Ständerat erregte die Interpellation Savoy über den Tod des Rekruten Tanner spannendes Interesse, nachdem der Geschäftsbericht zum guten Teil durchberaten war und auch die Herren der Stände dem zentralen Verkehrsinstitut die 35 Millionen Franken zugesprochen hatten. War es klug von den Nebenbahnen, ihre Ansprüche heut© aufzuwerfen? so lautete die Frage unseres Bundespräsidenten Haab, als er in staatsmännischen Erwägungen über das Verschieben einer Mülionenlast von einem Verwaltungszweig auf den andern sprach. Die Eingabe der Nebenbahnen bezeichnete Herr Bundespräsident Haab im heutigen Zeitpunkt als keineswegs klug, indem das Verhältnis bei ihnen nicht das gleiche sei wie bei den Bundesbahnen. Währenddem es sich bei den letzteren einfach um eine « Umgruppierung » von Vermögensobjekten in der Hand des Bundes handle, so treffe dies bei der Privat- * bahn natürlich nicht zu, da hier verschiedene Rechtsobjekte in Frage kämen. Zum Tröste der Nebenbahnen sicherte der Eisenbahnminister allerdings « Wohlwollen und ernsthafte Prüfung » zu ! Unterdessen hatte Herr Ständerat Amstalden, wie wir dies in letzter Nummer mitteil-1 Der Fall Cranmore Kriminal-Roman von V. Williams. Copyright 1925 by Georg Müller Verlag A.-G., München, (13. Fortsetzung) «Was habt ihr dummen Männer nur mit dem armen Mädel gemacht?!» rief Mrs. Harbury entrüstet. «Macht, dass ihr alle hinauskommt! Und, Jim, schick mir das Dienstmädchen mit etwas Kognak. Starr mich doch nicht so an. Geh lieber endlich!» Mit Hilfe des Mädchens brachte Mrs. Harbury Dolores auf ihr Zimmer. Sie war nicht bewusstlos, schien aber nichts von dem zu wissen, was mit ihr vorging. «Ich erhielt dein Telegramm heut morgen,» sagte Georg zu seinem Bruder, während sie wieder ins Wohnzimmer zurückgingen, «und telephonierte sofort an Letty. Holt sie dann am Bahnhof ab. Mein Heber alter Junge...» Jim sagte nichts. Er legte nur eine Hand auf die Schulter seines Bruders und drückte sie fest. «Georg, das ist Monsieur Boulot, ein alter Freund von mir, der früher bei der Pariser Polizei war. Er hat sich mit dem Fall beschäftigt und wird uns sicher von grosser Hilfe sein, den Mörder...» Seine Stimme brach. «Mein Gott, Boulot,» fuhr es aus ihm heraus, «Sie müssen mir helfen! Dieser verwünschte Inspektor mit seinen infernalischen ten, ein Postulat auf den Präsidententisch gelegt, das von den Herren Suter, Meyer, Lähli, Savoy, Brügger, Hauser, Rusch, Zumbühl, Andermatt und Ochsner mit unterzeichnet ist. Das Postulat verlangt erhöhten Benzinzoll und eine neue Quotenregelung. Halten wir einen Augenblick still. Wie war es doch vor dem 12. Mai? Da donnerten die Gegner der Initiative in allen Bergtälern gegen 4 ie Anmassungen der Strassenverkehrsinitianten. In saftiger und schonungsloser Sprache haute man über den Beutezug der sogenannten Flachlandbewohner herunter und gebärdete man sich in Wort und Schrift so, als wenn mit der Annahme der Strassenverkehrsinitiative die Gebirgsstrassen nur noch den Automobilisten zur Benützung offen" stünden, als wenn die Kantone wie zur Zeit der Helvetik wieder zu einfachen Verwaltungsbezirken herabgewürdigt würden und als wenn der Bundessack einen Schranz erhielte, der nicht mehr zuzunähen wäre. Nach, dem 12. Mai schrieben wir trotz der Verwerfung, dass der Gedanke marschiere. Und der Gedanke marschiert. Das Postulat der Ständeräte beweist klar und deutlich, dass sich die Vertreter der Gebirgskantone bereits eines Besseren besonnen haben.. Die Richtigkeit unserer Forderung, dass mit dem wachsenden Strassenverkehr und mit den zunehmenden Ausgaben der Kantone auch der Bund ein Mehreres zu leisten habe, wird heute voll und ganz goutiert. In den Augenblicke, da durch eine «Umgruppierung»^ um mit- dem schönen Worte des Bundespräsidenten Haab zu sprechen, die Bundesbahnen eine Subvention von 35 Millionen Franken erhalten, an der die Automobilisten im Minimum 7 Millionen Franken beisteuern, indem der ganze Zollertrag, bereits zu einem Siebentel von den Automobil- und Zubehörsteuern bestritten wird, ist es den Herren wie Schuppen von den Augen gefallen und nun sehen sie. ein, dass doch die Kantone mit ihrem Benzinzollviertel zu kurz kommen. Ist es da verwunderlich, dass der Gedanke der Benzinzollerhöhung von den Herren Ständeräten aufgenommen wurde? Es ist anzunehmen, dass ein ähnliches Postulat auch im Nationalrat eingereicht werden wird und dass durch die Belehrungen des 12. Mai das gesamte schweizerische Parlament mit einer Erhöhung des Benzinzollanteils an die Kan- Andeutungen macht mich einfach wahnsinnig. Was hat meine arme Frau mit diesen greulichen Geschichten zu tun, auf die Manderton immer wieder kommt?! Sie waren doch auch dort im Atelier. Irgend etwas müssen Sie doch entdeckt haben! Haben Sie denn gar keine Theorie? Georg hier ist ein Rechtsanwalt. Er kann auch mithelfen. Wenn wir drei uns zusammensetzen, muss es doch möglich sein, in diese grauenhafte Finsternis irgendein Licht zu bringen...?!» Boulot rollte sich mit grösster Ruhe eine Zigarette. «Bei einem solchen Verbrechen ist das Mo-, tiv entdecken und den Urheber haben dasselbe ...» «Aber Manderton ist doch offenbar überzeugt, dass 'Quayre der Mörder ist...!» «Glücklicher Manderton!» Boulot seufzte. «Immer voll Selbstbewusstsein. Nicht wie ich, das alte Schlachtross, das sich nun aus jedem Kampf zurückgezogen hat, um der Ruhe zu pflegen. Zu meiner Zeit war ich auch voll Zuversicht, Mit dem Alter freilich wird das anders. Und ich bin alt. Ich will überzeugt werden. Gerade, was diesen Monsieur Quayre anbetrifft. Aber bis jetzt geht's mir wie einem Mann, der hinter etwas her jst und nicht weiss, hinter was...» «Mein ganzes Leben habe ich mit der Untersuchung des Verbrechens zugebracht. Aber selten, ich muss es offen gestehen, ist mir ein Fall vorgekommen so ohne jeden Ausgangspunkt, jede Handhabe, die auch die gerissensten Verbrecher irgendwie zu liefern pflegen.» tone sich einverstanden erklärt. Ebenso ist zu erwarten, dass auch der Bundesrat die eminenten Interessen, die hier auf dem Spiel INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum r 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts Grössere Inserate nach Seltentarll» Inseraten»; hluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummern stehen, voll und ganz anerkennen und dementsprechend sich zum Postulate Amstalden einstellen wird. -t II. Schweizerische Bergprüfungsfahrt Kriens-Eigental Trotz ungünstiger Witterung ein vielversprechender Beginn der diesjährigen Rennsaison. Zwei neue Rekorde werden aufgestellt. Willy Rosenstein auf Mercedes-Benz fährt Rekordzeit in der Sportwagen-Kategorie, Hans Stuber auf Bugatti schlägt die letzt jährige Bestzeit der Rennwagen und bleibt gleichzeitig unbestrittener Sieger des Tages. Wenn es nur auf das Organisationskomitee des diesjährigen Bergrennens Kriens-Eigental, das bekanntlich jeweilen von der Sektion Luzern des A. C. S. durchgeführt wird, angekommen wäre, dann hätte die diesjährige Veranstaltung die letztjährige in jeder Hinsicht übertroffen, obwohl wir schon damals von einem Erfolg sprachen. Die Ungunst der Witterung, -welche sich während des Trainings und der ersten Hälfte des Rennens geltend machte, vermochte wohl den bisherigen Massenbesuch zu beeinträchtigen, aber die sportlichen Leistungen wurden sogar, entgegen aller Voraussicht, noch gesteigert, und die Organisation hielt der schweren Belastung glänzend stand. Die Trainingstage . wurd( trotz tUsm griesgrämigen Regenwetter, das tder Strasse auf Sie Dauer doch zuzusetzen veir- ,. inojchte, ifege ben&tzt, und die Mehrzahl tler 27 gemeldeten. Fahrer nahm die Gelegenheit wahr, um sich mit den Tücken und Ränken der Strecke möglichst vertraut zu machen. Rekapitulierend sei daran erinnert, dass das für das Rennen abgesteckte 6550 m lange Strassenstück in zahlreichen Kurven, worunter einigen Spitzkehren, die eigentlichen Engpässen entsprechen, 490 m Höhendifferenz überwindet Die mittlere . Steigung beträgt 7,5%, nimmt aber zu bis zu 14%, so dass die Veranstaltung im wahren Sinne des Wortes eine Bergund für Fahrer samt Wagen eine Prüfungsfahrt darstellt. Die im Training gefahrenen Zeiten wiesen bereits daraufhin, dass alle Deteiligten gewillt waren, auch dem Regenwetter Bestresultate abzutrotzen. Wir werden bei der Würdigung der einzelnen Fahrer nochmals auf besondere Trainingsergebnisse zurückkommen. Er schüttelte unsicher den Kopf und rollte sich eine neue Zigarette. Die beiden Brüder hüteten sich, ihn zu unterbrechen. Sie empfanden, dass sein Sprechen mehr ein lautes Denken war, von dem. man ihn nicht abziehen durfte. «Eine Zeitlang überrede ich mich selbst, dass ich ganz deutlich das Mosaikmuster sehe, das unser guter Manderton so fleissig und geduldig aus den vielen herumliegenden Stückchen zusammenzusetzen bemüht ist. Aber dann auf einmal fühle ich, dass das Muster unklar wird. Das Licht ist schlecht geworden, ein Schatten ist vor die Sonne getreten, ein geheimnisvoller Schatten, der kommt und geht und alles in Verwirrung bringt. Etwas so Fernes und Ungreifbares, dass ich mich frage, ob nicht in meinen alten Tagen die Phantasie mit mir durchgeht. Sagte ich: ein Schatten? Weniger als das, ein unsichtbarer Einfluss, der die Handlungen aller an diesem Verbrechen Beteiligten zu formen scheint. Und ich frage mich, mein armer Freund , was dieser Schatten sein kann, der so Dir Lebensglück verdunkelt hat.» «Um Gottes willen,» stiess Cranmore mit erstickter Stimme heraus, «sprechen Sie deutlich! Sagen Sie mir, was Sie meinen...!» Aber Boulot zuckte nur die Achseln. «Ein andermal, Keber Freund. Ich fürchte, dieser alte Schwätzer Boulot hat schon zu gesagt. Bitte, fragen Sie mich nichts, ich muss die Sache auf meine eigene Weise herausbringen. Und denken Sie daran, dass kein Mensch unfehlbar ist.» Der Samstag. Am Samstagabend versammelte sich ein Teil der bereits eingetroffenen Gast© zu einem ungezwungenen Hock — die Organisatoren konnten sich leider aus mancherlei Gründen nicht zur Durchführung eines Balles entschliessen, obwohl der letztjährige Anlass sicher bei allen in bester Erinnerung steht —, währenddem die Rennleitung zusammen mit den Herren der Nationalen Sportkommission eine letzte arbeitsreiche Sitzung abhielten, an welcher das Räderwerk der Organisation einer Schlussprüfung unterzogen und einige Differenzen, die sich in die Startliste eingeschlichen hatten, bei reinigt wurden. Sonntagmorgen-Stimmung. Der Sonntagmorgen liess sich punkto Wetter recht unerfreulich an, und bei dauerndem Rieselregen wurde die Fahrt gegen Kriens angetreten. Beim Organisationskomitee, angefangen bei Herrn Dr. Hübscher, dem stets liebenswürdigen und unermüdlichen Präsidenten des Empfangskomitees, dem neubestellten Rennchef, Herrn Bartholomäi, der seine grosse Aufgabe mit Elan anpackte, Herrn Marchi, welcher fürsorglich dio Presse bemutterte, undi all den übrigen tatkräftigen Komittierten. aber, herrschte grosste Zuversicht und unentwegter Optimismus... Zudem scheinen dio Luzemer überhaupt sportbegeisterte und wetterfeste Leute zu sein, denn) sie Hessen sich durch nicht entgehen zu lassen. Der Strecken- und Parkdienst, die Sanität und die Polizei funktionierten mustergültig; so dass eich der Anmarsch der Zuschauer und! Teilnehmer flott und reibungslos abwickelte und auch:am Schluss des Rennens die Abfahrt in einer selten guten Ordnung durchgeführt werden konnte. Besonders erfreulich war die konsequente Freihaltüng der Strecke und vorab der unübersichtlichen Kurven durch den Ordnungsdienst, so dass dio Fahrer sich ausschliesslich ihrer sportlichen Auf» gäbe widmen konnten und nicht, wie das ab und zu leider der Fall ist, auch noch auf Weghindernisse aller Art achthaben müssen. Der Telephondienst funktionierte vorzüglich, bis durch eine unprogrammässige Seitenfahrt einer Konkurrentin dio Leitung havariert wurde, so dass eine längere, den Zuschauern unerklärliche Rennpause eingeschaltet werden musste, dio der Ausbesserung der Leitung diente. Start- und Zielkomitee leisteten prompte Arbeit, so dass den Sportkommissären wie auch dem offiziellen Chronometreur die Aufgabe wesentlich erleichtert wurde. «Das ist doch der Diwan, von dem Madame sprach, ehe sie starb? Was für ein schönes Stück!» Es war Georg, der antwortete. «Sie sagen, dass Mrs. Cranmore von diesem Diwan sprach, ehe sie starb?» «Allerdings, mit ihrem letzten Atemzug . .»; «Was sagte sie genau?» «Nichts als die zwei Worte: gelber Diwan. Sie scheint sie zweimal wiederholt zu haben.» «Aber das ist doch sehr seltsam!.» «Ihr Bruder meint, dass Madame in ihren letzten Minuten glaubte, sie befände sich hier in ihrem eigenen Zimmer...» «So weit ich meine Schwägerin kannte -* und ich kannte sie sehr gut — wären ihre letzten Worte und ihre letzten Gedanken zu ihrem Gatten gegangen. Sie liebte ihn zärtlich. Wenn sie wirklich zuletzt von diesem Diwan gesprochen hat, muss sie einen äusserst wichtigen Grund dafür gehabt haben. Vielleicht etwas, das, wie der Diwan selbst, mit ihrer Vergangenheit zusammenhing.» Der Franzose fuhr herum und starrte den Rechtsanwalt an. «Was sagen Sie da?» «Dieser gelbe Diwan», erklärte Georg ruhig, «ist das einzige Stück, das Carmen von New York herüberbrachte...» «Von New York!» rief Boulot aufgeregt. «Von New York, sagen Sie?» «Gewiss, Sie wissen doch, dass sie vor dem Krieg dort lebte.» «Aber was wissen Sie von diesem Diwan?» Fortsetzung siehe Autler-Feierabend.